Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 3. Apr 2013, 09:54 
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"Und Du bist Dir sicher, ja ?"
"Hmhm.. Ich glaube es.."
"Wie Du glaubst es ? Sicher oder nicht sicher !?"
"Ja ! Ich bin mir sicher."
"Na das wollte ich hören !"
Ellia grinnste mich breit an, als habe Sie soeben gewonnen. Ich hatte das Gefühl Sie wurde von Tag zu Tag immer schöner, mit den langen blonden Haaren die immer zu zwei Zöpfen geflochten sind. Dem freundlichen lächeln und den lebensfrohen glänzenden Augen. Doch seit der Nachricht das Ihr Mann in Westfall starb, versuchte Sie sich mit allem möglichen abzulenken. Kochen.. Lesen.. Hausarbeiten führte Sie am Tag doppelt aus. Aber das Lächeln blieb. Ich wusste das das nur eine Maske war. Innerlich weinte Sie tag täglich. Ich bot Ihr mal an zu reden, aber Ellia winkte nur ab und meinte, es sei alles in Ordnung. Lügnerin. Garreth, Ihr Sohn, war zwar noch jung, doch Er verstand es sofort und vergrub sich zwei Tage im Bett weinend. Ich ging darauf zum Markt und kaufte Ihm was. Ein Holzschwert und einen Harnisch aus Hartleder. Als ich es Ihm brachte, sprach ich darüber wie wichtig es nun für Ihn sei, seine Mutter zu beschützen. Da Er nun Herr des Hauses ist. Und sein Vater wäre gewiss stolz auf ihn. Sofort machte sich Garreth an die Arbeit und ging in den Stall um da mit dem Schwert zu üben.
Es sind paar Wochen vergangen nun seit ich aus dem Dschungel wieder gekommen bin. Und das erste was ich gemacht habe war Al alles zu erzäheln und wie überaus unhilfreich ich war. Aber Er baute mich wieder auf. Dann entschied ich mich für par Wochen Urlaub auf dem Hof von Ellia. Dort würde ich trainieren und üben. Garreth schaute einiges bei mir ab. Hin und wiede rkam Al vorbe und verbrachte einzelne Tage mit Nathan.
Und nun stand ich mit Ellia vor dem Fluss.. Ich hatte nur eine Stoffhose an und ein Stoffhemd. Das Wasser war eisekalt.. Das was ich vorhatte war zwar verrückt, aber Al machte das auch ! Also schaff ich das wohl auch..
"Worauf wartest Du ?"
Ich blickte zu Ellia die gerade eine scheuschende Geste macht.
"Ja ! Lass mir meine Zeit !"
Ich atmete tief durch, dann ging ich los. Zuerst berührten meine nackten Füße das Wasser.. Langsam stieg es an den Beinen höher...
"Verdammt ! Ist das eisig !"
"Du wolltest es so.."
"Sehr aufbauend !"
Ich biss die Zähne knirschend zusammen und ging weiter in den Fluss.. Bis zum Bauchnabel stand ich nun in dem eiskalten leicht fließenden Fluss..
"Drei.. Zwei... Eins !"
Und sogleich tauchte ich ganz unter, schnappte vorher noch tief nach Luft und blieb somit par Sekunden unter Wasser. Es war soooo was von eiskalt.. Als ich auftauchte zitterte ich am ganzen Körper und blickte blinzelnd zu Ellia.
"Los.. wirf es mir zu."
Ellia hob eine Braue und nickt dann. Sie holte mit dem rechten Arm aus und warf ein kleines Holzstück zu mir. Sichertshalber war es an einem Seil befästigt, fals ich es nicht sogleich fing. Meine Arme waren so schwer und meine Hände durch die Kälte kaum beweglich. Aber ich schaffte es das Holzstück zu fangen.
"Hui ! Scheint doch nicht so kalt zu sein !"
"I-Ich z-z-zeig D-Dir gl-gleich wie k-k-k-k-KALT ES IST !"
Ellia kicherte und ich warf das Holzteil zurück. Plötzlich bemerkte ich etwas an meinen Beinen. Ich quietsche erschrocken auf. Das war mir vielleicht peinlich.. ICH QUIETSCHTE !! Dabei rutsche ich auf dem glitschigen Boden aus und tauchte wieder komplett unter. Als ich paddeln und prustend auftauchte, sah ich noch wie Ellia sich von dem Lachkrampf langsam beruhigte und sich eine Träne aus den Augen wischte. Eingeschnappte funkelte ich Sie an und schon spritzte die erste Ladung Wasser Ihr entgegen.
"EH ! Komm.. das sah von hier oben lustig aus !"
"Sehr komisch ! Da war was im Wasser.. an meinem Bein..
"Uh... Vielleicht eine große.. dicke.. Schlange.."
Und wieder lachte Ellia herzhaft.. Ich zuckt kurz genervt mit dem rechten Auge.
"Ja klar doch..."
"Nein.. Spass. Das war wohl nur ein Fisch.. Kannst ja versuchen ihn zu fangen. Dann haben wir unser Abendessen !"
Ich atmete zittrig durch und bewegte mich zum Flussrand. Langsam wurden meine Gelenke steif und ich wollte mir hier nun wirklich nicht den Tod holen. Wie ein Storch stackste ich aus dem Wasser, was bei Ellia ein Kicheranfall verursachtete. Biestig schaute ich Sie sogleich an.
Geschwind eilte Sie mit zwei Wolldecken herbei und wickelte mich ein.
"Und das willst Du jeden Abend machen ?"
"Jap.."
"Was soll das bringen ?"
"Hm.. Beherrschung des Körpers. Kontrolle. Konzentration. Ausdauer."
"Oh... Und eine eventuelle Lungenentzündung. Das lohnt sich ja richtig !"
"Ellia ! Ich mach das um besser zu werden."
"Wieso willst Du besser werden !? Alvrim schafft doch das Geld heran. Mach Du Dir doch ein glückliches Leben mit Deinem Sohn zusammen.."
"Nein !? Ich bin net so eine olle Hausfrau !"
"Na danke.."
"Ich meinte nicht Dich !"
"Oh man Suadya.. Du bist ein komisches Mädchen. Deine Beweggründe zu verstehn ist echt schwer."
Ellia schüttelte schumzeln den Kopf und gemeinsam gingen wir in das Haus. Ja.. meine Beweggründe. Hatte ich überhaupt welche ?

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 8. Apr 2013, 13:04 
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"Steht dir wirklich gut..."

Die knochige Hand im schwarzen Panzerhandschuh deutete auf das Tellereisen am Fuß des Worgen. Die gezahnten Bügel der Falle hatten sich um den Knöchel des Worgen geschlossen. Eine Kette an der Falle machte ein Entkommen noch schwieriger. Der Worge hätte sich schon das Bein abnagen müssen. Und selbst nach nur wenigen Stunden, nachdem er in die Falle getappt war, sah er alles andere als gut aus. Sein Bein war blutverklebt, das Gras um die Falle herum dunkel vom Blut. Der Untote, der sich nun näherte, lachte triumphierend. Es klang wie Felsen, die einen Berg hinab polterten. Düster und bösartig.

"Ihr glaubt im Ernst, uns mit euren kleinen Sabotage-Aktionen aufhalten zu können? Erbärmlich!" Langsam trat der Untote näher heran. Doch er unterschätzte den Worgen nicht. Tiere waren immer gefährlich, wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlten. Er hatte schon zu oft gesehen, was die Klauen eines Worgen anrichten konnten. Er zog seine Runenaxt, umrundete sein Opfer. Das bleiche, eingefallene Gesicht des Untoten verzerrte sich zu einem boshaften Grinsen, das blaue Leuchten in den Augenhöhlen bohrte sich in die Augen des Gefangenen. "Jetzt werde ich Spaß mit dir haben." Mit diesen Worten schlug er mit der Axt zu und trennte dem Worgen alle Finger der linken Klaue ab. Der Worge jaulte vor Schmerzen. Die Schreie hallten durch den nächtlichen Wald. Niemand würde dem Worgen helfen. Nicht seine Kameraden, nicht das Licht. Er war seinem Peiniger ausgeliefert. Der Untote bleckte gelbe Zähne, ergötzte sich am Schmerz seines Gefangenen.

"Und das Schöne ist, dass ich dafür auch noch bezahlt werde", grollte der Untote mit einem Anflug von Humor. "Weißt du... ich hasse euch Gilneer." Er schwang die Axt, schlug dem Worgen das Axtblatt gegen die Brust, dann setzte er ihm einen Panzerstiefel auf den rechten Unterarm und erneut senkte sich die Axt, trennte Fingerkuppen ab. "Du fühlst dich ungerecht behandelt?" fragte der Untote gespielt mitleidig. "Das kenne ich. Als Brill von der Geißel überrant wurde und ich vor eurem verdammten Wall stand und vergeblich um Hilfe flehte, wie hundert andere... da fühlte ich mich auch ungerecht behandelt. Ich... war Verlassen, schon lange bevor ich Untot wurde, wenn man es ganz genau nimmt. Es ist nur fair, dass euch euer Fluch traf. Ihr habt Schlimmeres verdient..."

Der Untote trat dem Worgen erneut gegen die Brust, als dieser sich aufrichten wollte, beugte sich dann über ihn und presste ihn den Axtgriff gegen die Kehle, riss ein Büschel Fell aus der Schulter und hielt sie dem Worgen unter die Nase. "Ihr stinkt nach Feigheit! Nach falschem Stolz! Nach Egoismus! Nicht einmal der Gestank meines kalten, toten Leibs kann es mit deinem Geruch von Verdorbenheit aufnehmen..." Wütend erhob sich der Untote, die glühenden Augen zwei blaue Kugeln im Schatten seiner schwarzen Kapuze. Wie in Rage schritt die ausgemergelte Gestalt in der schwarzen Rüstung vor dem Worgen hin und her, ehe die Axt ein weiteres Mal hinab sauste und sich in den Oberschenkel des Worgen grub. "Wie gerne würde ich dich stundenlang leiden lassen. Im Namen deines ganzen Volkes. Allerdings habe ich wenig Zeit. Andere von euch Kötern warten darauf, abgeschlachten zu werden. Und leider habe ich meine Lieblingswerkzeuge nicht dabei. Du hast heute also Glück, Pudel..." Der Untote zog ein langes Messer. "Ich hebe mir meinen Hass für den Nächsten auf..."

Ein schneller Stich und der Worge sackte leblos ins dunkle, klamme Gras. Der Untote kniete sich hin, schob die Klinge geschickt unter das Fell. Er hatte mittlerweile Übung. Zeit zum Foltern hatte er sich nicht nehmen können, doch hierfür nahm er sich die Zeit. Nach wenigen Minuten erhob sich Caias, schob die Kapuze zurück und zog sich das pelzige Gesicht des Worgen wie eine Maske über den bleichen Schädel. Ein gespenstisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. In den toten Augen des Worgen sah er sein Spiegelbild. Blaues Leuchten schien aus den Löchern, wo einst die Augen des Worgen gewesen waren. die Maske aus Pelz würde eine Weile halten und seinen Feinden Angst einjagen. Und wo diese Maske her kam, gab es noch mehr. Möglicherweise sollte er sich eines Tages einen ganzen Mantel aus Worgenfell machen. Düster Lachend musterte er sein Spiegelbild in den toten Augen des Worgen, in einem blutigen, hautlosen Gesicht.

"Steht dir wirklich gut..."


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 17. Apr 2013, 11:48 
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Sehr geehrte Mrs. Theane!
In dem Seegefecht vor Theramore (DüM) fiel Euer Sohn, der Soldat Roland Theane (HptGefr) im Kampf um die Freiheit der Allianz in militärischer Pflichterfüllung, getreu seinem Eid für Verbündete, Volk und unser Vaterland Kul'Tiras.
Zugleich im Namen seiner Kameraden des 1.Marinebattallion spreche Euch meine wärmste Anteilnahme aus. Die Kompanie wird Euerem Sohn stets ein ehrendes Andenken bewahren und in ihm ein Vorbild sehen.
Die Gewissheit, dass Euer Sohn für die Größe und Zukunft unserer Allianz sein Leben hingab, möge Euch in dem schweren Leid, das Euch betroffen hat, Kraft geben und Euch ein Trost sein.
In aufrichtigem Mitgefühl grüße ich Euch. Für die Allianz.
Gez. Emmet Wyndham (StKptLt)



Der Name war in das vorgefertigte Manuskript nachträglich eingefügt worden. Eine gravierte Prägeplatte. Ebenso unwarscheinlich war es dass der Stabskapitänleutnant Roland gekannt hatte. Eine Feststellung die sie unzählige Male getroffen hatte. Ihre Finger strichen über das alte vergilbte Pergament, das unter der Berührung fast zu Staub zu zerfallen schien. Vielleicht hatte sie das Schriftstück damals als Mahnung an sich selbst mitgenommen, vielleicht leistete sie sich damit auch einfach nur ein wenig Sentimentalität. An manchen Tagen fiel es ihr schwer, sich an das Gesicht ihres Bruders zu erinnern, als würde zu dem Jahrzehnt dass sie getrennt hatte etwas anderes hinzukommen, ein ganzes Universum, dass sie mittlerweile trennen würde. Und dennoch... ihre Mutter hatte den Orden aus billigem Schmelzglas immer getragen. Voll grimmigen Stolz und das Schreiben in einem Rahmen über dem Kamin platziert. Unpersönliche Worte, eine Auszeichnung, trotzdem schienen beides ihr Trost gespendet zu haben.
Griff man zu den Waffen endete es früher oder später mit Blut. Fakt. Der Tod holte jeden irgendwann, vielleicht heute, vielleicht morgen schon. Fakt. Die Heimat und Verbündeten mussten verteidigt werden und die Untoten, Orcs, Trolle, Nagas hatten ganze Völker und Landstriche verwüstet. Fakt.
Dennoch war es ihre Entscheidung. Sie schüttelte die Gedanken ab wie einen Mantel aus Staub in längst vergessenen Zimmern und legte das Pergament behutsam zwischen die Seiten des Buches. Niemals bereuen. Die Vergangenheit ließ sich nicht ändern. Auch das war ein Fakt.

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Alle für einen, und jeder für sich selbst!


Zuletzt geändert von Alvrim am 17. Apr 2013, 14:46, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 17. Apr 2013, 12:52 
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(( Ich warne vornab. Ist schwer zu verstehn vielleicht für manche was genau sich da gerade abspielt, aber es handelt sich um Natter. ))






Scharr….zatarrr…..

Ein Flüstern im Wind.. Ein Traum am Tage.. Ein Wunsch im Sterben.

Schaaarrr….zaataaarrrr…

Immer wieder erklingt die Stimme. Ein Rauschen von Wellen. Weit weit entfernt. Aber doch so nahe. Als würde die Gestalt direkt hinter einem stehn und sprechen.
Nur ist da nie wer.

…………….

Wieso stehn wir hier.. Ich soll mir was anschauen ? Die Dunkelheit der Nacht verbirgt einiges.. Das wesentliche ? Es ist so still… Ja.. ich muss nicht sehn um das wesentliche zu sehn.. Da hinten. Ein süßlich schmeckender Klang.. So lieblich.. so unschuldig. Wir sollten los..

Scharr….zatarr…

Ein Haus.. Sicherheit für so viele. Wir hören den Klang immer noch. Die Sterne ziehen sich zurück.. Ja.. es sieht nach Regen aus. Jemand weint… aber noch schmecken wir doch noch garnicht. Aber bald, nicht wahr ? Bald..
Durch das Fenster… Wieso ? Hm.. Wir wollen spielen ? Mit dem Klang tanzen ? Nagut…

………..

Sie bemerken uns nicht. Wie auch.. die Dunkelheit verbirgt doch alles. Sieh sie Dir an.. Ich seh es.. Das Leben, wie es arbeitet. Atmung.. Lunge.. Das Blut… Herz. Die Bewegungen.. Kopf…. Hals.. So sanft… friedlich. Aber der Klang.. ist noch da.. Mich umschauen.. Süßlich schmeckender Klang.. Das Bett… nebenan.. Atmung..

Scharrzatarr…

So warm… schade.. das der Klang so gezuckt und geruckt hat.. Aber es war trotzdem schön. Der Tanz damit.. Du willst gehen ? Hm… Noch erklingt der Klang, zwar leise, aber… so süßlich.. Ja.. wir sollten den Tanz beenden. Und dann ? Die Jagd war erfolgreich…

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 24. Apr 2013, 11:42 
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Jason zerknüllte den Brief des Kommandanten in seiner Faust. Diebstahl? So eine Scheiße, aber auch. Wütend verließ er die Taverne in der Altstadt, zu der all seine Briefe zugestellt wurden und steuerte das Zwergenviertel an. Er musste seinen Anteil am Erlöß von gefundenen und verkauften Edelsteinen wieder abgeben. Wie gewonnen, so zerronnen. Mal wieder. Er hatte geglaubt, seine ewig lange Pechsträhne wäre endlich einmal vorbei. Und er hatte angefangen zu hoffen, dass es mal wieder aufwärts gehen würde. Er hatte sich geirrt. Mal wieder. Er hätte im Bericht besser gar nicht erst von den verkauften Edelsteinen erzählen sollen, allerdings hatte er vermutet, dass Iris ihn verraten würde, wenn er die Edelsteine nicht erwähnt hätte. Jason hatte es sich so schön vorgestellt: Die Summe durch drei zu teilen. Ein Drittel für den Dämmersturm, ein Drittel für Iris, ein Drittel für ihn. Nur wollte der Kommandant den ganzen Kuchen haben. Zweifellos würde er nur wenige Goldstücke davon sehen. Nur ein paar Krümel.

Mit grimmiger Miene steuerte er die Bank im Zwergenviertel an, ließ dort ein Paket fertig machen. Mit den 300 Goldstücken. Seinem Anteil. Seinen Goldstücken, würde in dieser verdammten Welt auch nur etwas Gerechtigkeit herrschen. Er schrieb noch eine Notiz an den Kommandanten, die vor Sarkasmus nur so triefte, dann ließ er das Paket an den Kommandanten schicken. Oder eher: An dessen Bankfach. So war es am Sichersten. Noch immer mit äußerst schlechter Laune steuerte Jason den Hafen an, wobei er jedem Passanten einen glühenden Blick konzentrierter schlechter Laune zuwarf. Am Hafen setzte er sich auf eine Mauer und starrte aufs Meer. Alles ging bergab, seit er sein Schiff verloren hatte. Verdammt, alles was er wollte war doch nur, zur See zu fahren. Als Kapitän seines eigenen Schiffes. Doch man hatte ihm die "See-Adler" weg genommen. Und er musste einem Goblin reichlich Gold bezahlen, um sein Schiff wieder zu sehen.

Eben deshalb war er Bandit geworden und später dann zum Söldner des Dämmersturms. Er hatte jedes Goldstück, was er verdiente sorgsam gespart, für diesen einen Traum: Sein Schiff wieder zu bekommen. Er drehte jeden Silberling um, war geizig und bescheiden. Er aß gerade so viel, dass er nicht verhungerte oder seine Gesundheit darunter litt. Er lief in schäbigen, alten Klamotten herum. Er achtete peinlichst genau auf seine Ausgaben und dann... fiel einem mal etwas Gold in den Schoß und schon wurde es ihm wieder weg genommen. Wenn es so weiter ging, würde er ein alter Mann sein, ehe er sein Schiff zurück hatte.

Was waren die Gründe des Kommandanten? War der Mann geldgierig? Konnte er gar nicht genug Kohle bekommen, dass er sogar diesen zufälligen Bonus von seinen loyal-dämlichen Söldnern stahl? Ja, IHN sollte man einen Dieb nennen. Er konnte sich einfach nicht in die Gedanken des Mannes hinein versetzen. Vielleicht sollte er zurück zur Bank gehen. Sich seine 300 Goldstücke schleunigst wieder holen, solange das Paket noch nicht beim Kommandanten war. Vielleicht sollte er ihm auch bei nächster Gelegenheit eine Ladung Schrot in seine geldgeile, egoistische Fresse schießen. Vielleicht sollte er die Kasse des Dämmersturms plündern und abhauen. Jason zitterte vor Wut, vor Frustration. Die Hoffnungslosigkeit seiner Lage verpasste ihm eine Gänsehaut und er zitterte, obwohl es ein warmer, sonniger Mittag war.

Was nun? Das einfachste war es wohl, sich wieder zu beruhigen. Und beim nächsten Mal weit weniger ehrlich zu sein. Aber das hing ja leider auch von seinen Begleitern ab, die auf der jeweiligen Mission dabei waren. Und die meisten verehrten den Kommandanten blind. Loyale, dümmliche Marionetten. Wie Schafe, denen der große Boss begeistert die Wolle entfernte. Jason starrte sehnsüchtig auf See, blinzelte die Tränen weg. Seine zitternden Hände legten sich auf den Schwertgriff. Wie einfach es doch wäre... Leute zu überfallen. Vielleicht sogar die Miene von neulich. Vielleicht gab es dort noch mehr Edelsteine. Jason seufzte. Er würde sich wohl besser eine Flasche Rum gönnen, sich den Zorn und die Trauer weg spülen, sich besinnungslos trinken. Und gute Miene zum bösen Spiel machen. Solange er das noch konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 25. Apr 2013, 00:18 
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" Eventuelle Wachen ausschalten & an Informationen gelangen "
Mein Auftrag. Nicht ungewöhnlich, wollte sich doch keiner selbst die Hände schmutzig machen. Dafür gab es ja uns. Dank uns ist sowieso alles einfacher. Wurden wir erwischt, würde man immer eher dem Auftragsgeber glauben. Wer glaubt schon einem einfachen Söldner? Abgesehen davon waren wir sogar trainierter als die üblichen Wachen. Schließlich kämpften wir ständig, nicht bloß im Krieg.
Noch versuchten einige rote Sonnenstrahlen zu überleben, doch die Dunkelheit gewann mehr und mehr die Überhand, rang das Licht fort. Ich überprüfte derweil den Sitz meiner Rüstung, meiner Waffen. Ich war allein, es durfte nichts schief gehen, sonst wär ich wohl nichts als ein Käfer unter den Stiefeln der Männer dort unten.
Ich blickte mich noch einmal um - Niemand zu sehen. Vorsichtig ging ich in die Knie, robbte bäuchlings vorwärts bis ich an soweit an den Hang kam, um auf das kleine Gut herabzuschauen.

Von der steinernen Hausmauer an gab es einen breiten Grasstreifen, der auf drei Seiten von Ackerland abgelöst wurde. Die letzte Seite stellte den Zugang des Gehöfts. Von wo sollte ich mich wohl am besten nähern können...? Bloß das nächtliche Konzert der Tiere und der sanfte Gesang des Windes begleiteten meine Gedanken. Ich verschränkte meine Arme vor mir auf dem Boden, legte mein Kinn auf sie. Als beste Möglichkeit erschien mir das Ackerland. In der Dunkelheit würde ich auf dem beinahe schwarz erscheinendem Boden in meiner düsteren Rüstung kaum auffallen - Aber so würde ich zu viele Spuren hinterlassen. Vielleicht doch eher den direkten Weg? Wärend die Sonnenstrahlen weiterhin an Intensität verloren beobachtete ich die vereinzelten Wachmänner, welche ab und an den Weg vom kleinen Dorf zum Hof antraten. Ich begann die Minuten zu zählen, die dazu benötigt wurde. 30 Minuten.. Ich entsendete ein Stoßgebet, den Kerl schnell in seinem Haus ausfindig machen zu können.
Die Nacht traf ein.

Wärend die Wache ihren Rückweg vom Hof zum Dorf antrat zog ich meine Maske und die Kapuze an den rechten Fleck. Ich entledigte mich meiner Schuhe, trug sie in einer Hand und machte mich auf, über das Feld im Rücken des Gemäuers, als Blickschutz gegen die wachsamen Augen der beiden Bewaffneten. Ich drückte meinen Rücken gegen den kalten Stein, putzte mit der Hand über meine Fußsohlen und zog die Stiefel dort wieder an. So würde ich keinen verräterischen Dreck an die Tür und so ins Haus tragen. Achtsam huschte ich dicht an der Wand zur Eingangstür. Ein letzter Blick auf den Feldweg, dann begann ich mit einem meiner schmalen Wurfmesser an dem Schloß herumzuwerkeln bis es nachgab, fix war ich im Heim, lehnte die Tür an.

Horchend blickte ich mich um. Ich befand mich in einem großen Raum, von dem aus ich zwei Türen erreichen konnte. Das wärmende und lichtspendende Feuer im Kamin war bereits gelöscht worden. Davor lag ein Teppich, darauf ein kleiner Tisch, dahinter eine unspektakuläre Bank, ausgelegt mit Decken. In einer anderen Ecke des.. Saals.. befand sich scheinbar die Küche, mit Tisch und Stühlen. Langsam setzte ich mich in Bewegung, in der toten Stille hörten sich meine eigenen Schritte für mich an, als könnte ich genausogut "Hallo, hier bin ich!", schreien. Und doch wusste ich, dass mich niemand hören würde. Ich war zu leise. Ich hielt an den Türen, legte ein Ohr an diese und unterband meine Atmung um genauer lauschen zu können. Der erste Versuch. Hinter dieser Tür war nichts zu hören. Probeweise drückte ich den Henkel herunter, schob sacht. Ohne Widerstand gab sie mir den Weg frei. Uninteressant. Ein leeres, einfaches Badezimmer. Ich machte mir nicht die Mühe die Tür wieder zu verschließen. Schon lag mein Ohr an dem anderen Holz.

Leises Atmen. Ich spürte, wie sich das Adrenalin langsam aber sicher in meine Blutbahn wagte. Auch diese Tür war nicht verschlossen. Ich hielt inne, aber außer der leisen Atmung zweier Menschen war nichts zu vernehmen. Durch einen Spalt schob ich mich hindurch. Außer einem Bett und zwei Kisten, die wohl als Nachttische verwendet wurden, war das Zimmer unmöbeliert. Eine weitere Tür ging von dem Raum ab. Langsam trat ich auf das Bett zu. Zwei Personen. Eine Frau, ein Mann - Meine Zielperson. Ich hob meinen Dolch, schlug dem Kerl gezielt auf den Hinterkopf, sodass er noch ein wenig weiterschlafen würde. Unglücklicherweise erwachte dabei sein Weib. "Ohh Warner, was machst du de-" Mit aufgerissenen Augen starrte mich die bis gerade Schlaftrunkene an. Noch ehe sich ihr Mund zu einem Schrei öffnen konnte war ich schon bei ihr, schlug ihr einen meiner Dolche durch den Hals, bloß um diesen Sekunden später wieder heraus zu reißen. Wärend sie an ihrem eigenen Blut erstickte sackte sie zurück in ihr Bett, die Augen vor Qual verdreht. Noch wärend ihr Blut ins Lacken sickerte und sie machtlos dabei zusah, schon bleich und kraftlos, strich ich ihren Lebenssaft von meinem Dolch an ihrer Hose ab. Erst als ihre Atmung entgültig erstarb, ihre Seele aus ihren Augen verschwand und diese glasigtrübe hinterließ, bewegte ich mich auf die bisher geschlossene Tür zu. Wieder nicht abgeschlossen. Ich überlegte schon ob und wie ich Proviant aus dem Lagerraum mitnehmen sollte, den ich nun betreten würde, als ich feststellte, dass es eben keiner war. Das winzige Zimmer war leer, bis auf ein winziges Bett. Ich spürte wie meine Augen sich weiteten, meine Kehle sich zuschnürrte. Wacklig ging ich auf das Bettchen zu. Zu meinem Entsetzen befand sich dort meine schlimmste Erwartung. Ein kleines, wehrloses Kind schlief friedlich.

Nur ein paar Momente später hatte ich den bewusstlosen Mann, vermutlich eines seiner Schwerter und das junge Kind im schlepptau. Ich wusste nicht wie, aber der kleine Mensch war nicht wach geworden, als ich ihn in einen Korb verfrachtete und es mit einigen Decken darin warm gehalten hatte. Vor die Eingangstür stellte ich Korb und das darin liegende Baby ab, in der Hoffnung die Wachen würden es rechtzeitig auffinden. Dann fuhr ich fort wie gehabt. Barfuß über's Feld.

Angekommen in einer brüchigen, wohl schon lang verlassenen Hütte, in der ich vorher genächtigt hatte ließ ich den Mann achtlos zu Boden fallen, fesselte ihm Arme und Beine, verband seinen Mund, betrachtete das Schwert und entzündete ein Feuer unmittelbar vor einem Baum.
Als die Flammen hoch flackerten begannen auch endlich seine Augenlider zu flattern. Ein paar Herzschläge schien er orientierungslos, dann sah er mich hasserfüllt an. Langsam erklärte ich ihm was ich getan hatte und das ich Informationen von ihm wollte, welche Nachricht er und das Dorf von dem Herrscher über die Ländereien erhalten hatte, bezüglich eines blutigen Aufstandes gegen einen der anderen Landesherren. Als meine Worte endeten befreite ich ihn von dem Stoff, der ihn zum Schweigen brachte. "Nix sach' ich dir, du Miststück!" "Dann bring ich dich zum reden", antwortete ich ihm langsam, betonte jedes einzelne Wort und blickte ihm dabei direkt ins unansehnliche Gesicht. Sein eisernes Schweigen rief mich zur Tat.

Sein eigenes Schwert würde sich gegen ihn wenden. Ich legte es ins Feuer, ließ es sich aufheizen. "Das is'n Familienstück!", brüllte er mir verzweifelt in den Rücken. Ich ignorierte seine Worte, kam auf ihn zu und machte mich daran ihn zu dem Feuer zu ziehen. Wild versuchte er sich dagegen zu wehren, was es allerdings nicht verhinderte, sondern nur in die Länge zog. Ich zwang ihn in eine sitzende Haltung, zog derweil mit einer Hand sein Schwert aus dem Feuer.
"Ich hab keine Angst vor'm Tod, du dreckige Hure!" - Ich glaubte ihm und doch lächelte ich kalt, als ich ihm antwortete: "Ich bringe dich nicht um. Aber du willst wohl noch immer nicht reden, was?" Mit hasserfüllten Augen schüttelte er den Kopf. "Überleg es dir", sprach ich drohend, als ich seine eigene Klinge durch seinen Körper hindurch in den Baumstamm rammte, ihn so in einigem Abstand an diesen band. Drohend leckten die Flammen bereits bis an die Stelle des Stammes, an der die Klinge steckte. Schmerzerfüllt und verwirrt blickte der Mann mich an. "Du wirst nicht verbluten.", ich ließ mich in einen Schneidersitz sinken, "Aber nach und nach wird die Hitze über dein Schwert in deinen Körper dringen. Innerlich verbrennen, hört sich doch nett an, nicht?"

Nach einigen Minuten, wärend dem Kerl schon Schweißperlen von der Stirn rannen, es widerlich nach kokelndem Fleisch stand, öffnete sich sein Mund doch. Wie ein dressierter Köter erzählte er mir jede Einzelheit. Zur Belohnung gönnte ich ihm einen schnellen Tod durch meinen Dolch.
Auftrag ausgeführt.



Ein kühles Lächeln legt sich auf die zarten Züge des hübschen Gesichts. Die tiefblauen Augen werden wieder geöffnet. Kalt weht der Wind die goldblonden Locken durcheinander, peitscht den femininen Körper mit den großen, weißen Schneeflocken.
"Süß und unschuldig", wird hauchen die bräunlichen Lippen, ehe die atlethische Frau sich umkehrt und aus dem Boot steigt. Über den eingefrorenden See geht es durch die Nacht zurück in ihr Heim.



(Doch etwas lang geworden ^^')

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"I can. I will.
Believe that.
"
-Roman Reigns


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 25. Apr 2013, 00:52 
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Der Kohlestift fuhr kratzend über die Liste. Ein Blick zu der kleinen schwarzen Fahne, die neben dem Unterstand im Schnee steckte. Sie hing schlaff herunter, höchstens 20 Grad. 20 durch 4 gleich Windstärke 5. Er konnte kaum einen Zug auf dem Gesicht spüren. Der Wind kam von Osten. Allzu leicht. Er justierte den Lauf. Entfernung? 600 Meter, pi mal Daumen. Er orientierte sich an der Größe der Tannen, die am Hang das Ziel umgaben. 6 mal 5 durch 13... bißchen mehr als 2. Er bewegte das Fadenkreuz leicht nach rechts, nur sehr vorsichtig, dass die eingeätzten Markierungen im Glas seinen Berechnungen entsprachen. Jetzt noch die Erhöhung. 40 Meter, das konnte hinkommen. Er hob die Waffe etwas nach oben, sodass das Fadenkreuz ebenfalls aufwärts wanderte. Das Gehäuse saß sicher auf der Stützgabel auf, die er zusammengeschraubt hatte. Der breitere Fuß hatte tatsächlich mehr Stabilität gebracht. Nun die Grundlagen. Stabile Position war gegeben. An die Anpassung des Blickfeldes dachte er nicht mehr, er hatte das Auge schon beim Justieren der Waffe korrekt am Zielfernrohr platziert. Jetzt folgte das Atmen... ein und aus, langsam, langsam. Die Zeit zwischen den Zügen wurde länger. 5 Sekunden. 8 Sekunden. 10 Sekunden. 12 Sekunden. Er nahm sich die Zeit, die er brauchte. Jetzt konzentrierte er sich auf den Herzschlag, der von dem Amulett auf seiner Brust deutlich widerhallte. Der Finger legte sich an den Abzug. Das Fadenkreuz lag still.

Schließlich ließ er den Schuss zwischen zwei Schlägen losbrechen. 600 Meter weit entfernt riss die Kugel unter splitterndem Holz ein Loch in die Zielattrappe. Zufrieden legte er die Waffe beiseite, ließ sich auf seinem Hocker nieder und griff nach der Tasse mit dem Kaffee. Ein guter Schuss. Natürlich war es im echten Gefecht selten, so einen Schuss hinzulegen. Aber er dachte immer noch mit Wonne an die paar Gelegenheiten, wo seine Fähigkeiten wirklich gefordert worden waren. Der Sturm auf die Plattform im Dschungel… der Angriff auf Jintha´Alor… der Schattenhammer am Morogh… und schließlich die Infiltration bei der Ammertannhütte. Es war nicht das erfolgreiche Töten des Feindes, das ihm so sehr gefiel. Es war der Akt des Schießens, die völlige Konzentration, die alles andere ausschloss. Diese kleine Welt, die er durch die Linsen betrachtete, alleine mit seinem Ziel. Das hatte schon immer, seit er zum ersten Mal vor so vielen Jahren eine Schusswaffe in der Hand gehalten hatte, eine magische Faszination auf ihn ausgeübt.
Ingo notierte auf dem Blatt: Treffer. Mit einem kleinen Nagel hämmerte er es an die Wand des Unterstands, wo schon so viele Blätter hingen. Vielleicht noch ein oder zwei Schüsse heute, dann war es erst einmal genug.

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Wenn ich nicht so viel Scheisse bauen würde, käme ich mir dämlich vor.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 5. Mai 2013, 07:17 
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Metallstäbe scheppern laut auf als ich mit dem Rücken dagegenkrache. Ich spüre wie sich Gluthitze durch die Kleidung frisst und mir die Haut versengt. Dann - ein dumpfes Aufschlagen auf dem kühlen Steinboden der Gruft. Schreie. Rufe. Ich nehme sie nur am Rande wahr. Unwichtig. Durch den Nebel der Benommenheit hallt eine Stimme, leise zerbrechlich in meinem Kopf wieder. "Ich wollte nur geliebt werden..." Ich schüttle den Gedanken ab wie Tropfen nach einem Regenschauer und mein Sichtfeld klart sich wieder, es war nur ein Atemzug.
Er hat mir den Rücken zugedreht.
Meine Wirbelsäule schickt den Schmerz stechend durch meine Lungen als ich mich hochstemme. Nicht die Konzentration verlieren. Nicht die Beherrschung verlieren. Den Körper spüren - wissen was vor sich geht. Wissen was zu tun ist. Bestimme jederzeit das Spiel und möglicherweise erweist sich ein augenscheinlicher Nachteil als Vorteil. Vielleicht auch umgekehrt.
Unaufmerksamkeit kann einen umbringen. Ich stürme auf ihn zu - er ist zu langsam und ehe er reagieren kannt bin ich hinter ihm, meine Faust donnert gegen seine Schläfe, die Knöchel voran um die Wucht des Schlages auf einen Punkt zu konzentrieren. Er taumelt, doch er ist stärker. Größer. Massiger. Zäher. Schneller als gedacht. 'Gut zu wissen' schießt es mir durch den Kopf als sich seine Pranken um meinen Hals legen. Mit den Händen dazwischen nehme ich den Druck soweit dass er mir die Kehle nicht komplett abschnürt, als er mich anhebt als wäre ich so leicht wie eine Strohpuppe. Seine Augen glühen blutgierig rot auf. Ein schneller Tritt mit angezogenem Knie? Doch so leicht will er es mir nicht machen... er wird mich nicht töten. Es steht in seinem Blick geschrieben. Er will mehr Blut. Irgendwo setze ich diese Erkenntnis auf meine gedankliche Liste, wie ein unbeteiligter stiller Beobachter, der das Geschehen von Außen betrachtet und analysiert. Warte auf den richtigen Moment... warte... ich kämpfe den Drang nieder einen ungenauen Tritt auf Risiko zu setzen, als er seine bullige Stirn gegen mein Gesicht schmettert. Es knirscht hässlich, ein Knacken und Blut läuft über Mund und Kinn, dann ein Tritt in den Magen bevor ich losgelassen auf dem Boden aufpralle. Einige Meter weiter hinten komme ich auf.
"Ihr werdet alle sterben. Alle die du liebst werden vernichtet werden. Du wirst nur der Erste sein." Ich fluche tonlos und ersticke die schrille verzerrte Stimme, die durch meinen Kopf echot, während Sterne für zwei, drei Herzschläge flimmernd vor meinen Augen tanzen, das Blut in meinen Ohren rausscht. Nur eine weitere Erinnerung. Nicht jetzt. Wuchtige Schritte nähern sich. Ich bleibe liegen, schätze die Entfernung ab. Nüchtern, kalt, den Schmerz ausblendend, das Gegröhle ausblendend. Langsamer als nötig - weit langsamer stemme ich mich auf mein Knie, wische mir mit dem Armrücken wie desorientiert das Blut aus dem Gesicht, verschmiere es dabei über das gesamte Kinn und die Wange. Er lacht dröhnend, setzt zu einem höhnischen Tritt an und ich weiß dass sie dort ist - die Unachtsamkeit. Die Lücke. Ich schnelle nach oben, nehme die Faust mit und platziere sie mit dem Schwung der Aufwärtsbewegung in seiner hässlichen braungrünen Visage. Sein Rücken krümmt sich. Bevor er sich erholt umgreife ich seinen Schädel, benutze seinen baumstammdicken Oberschenkel als Steighilfe und schmettere mein Knie mit aller Kraft nach oben, spüre die Wucht des Tritts gegen seinen Kopf. Er taumelt, wankt, blutet, stürzt. Das erste Mal.
Ich weiche einen Schritt zurück, doch seine halb klauenartige Hand schnellt vor, umschließt meinen Fußknöchel und reißt ihn zur Seite weg - wieder steht er auf. Und wieder liege ich am Boden, alle Luft aus meinen Lungen gepresst von dem Aufprall, die Rippen und die Verbrennungen protestieren schmerzhaft. Er ist wütend. Ich rolle zur Seite - eine zigfach antrainierte Reaktion und der Ellenbogen der meine Rippen wie Glas unter der Wucht und dem Gewicht des Riesen zerschmettert hätt lässt stattdessen Stein bersten, ein kleiner Krater, dort wo sich eben noch mein Körper befunden hat. Mit einem wütenden Brüllen, verletzten Stolz und dem schlichten Wunsch mich in der Luft zu zerreißen kommt er Fäuste schwingend auf die Beine, schlägt wie ein tobender Stier nach mir. Wut kann eine gefährliche Waffe sein - und gefährlich blind machen. Ich ducke mich unter einem Schlag weg, die Bewegung ist schnell - aber alles scheint in der Ruhe wie in Zeitlupe abzulaufen. Dies ist sie - die Kante. Alle unnötigen Gedanken ausgeblendet. Genau die feine Linie auf der es die Balance zu halten gilt. Ein Umdrehen und ich laufe. Blind setzt er mir nach, gröhlend, schreiend, sich seines Sieges absolut sicher. Es gibt keinen Ausweg. Ein Käfig. Er stürzt mir nach als ich renne - seine Schritte hallen donnernd über den Boden, übertönen alle Hintergrundgeräusche. Trotz der Schmerzen, hebt sich einer meiner Mundwinkel. Hab ich dich. Ich erreiche die Gitterstäbe, setzte einen Fuß dagegen stoße mich ab, den Ellenbogen im Sprung voraus. Sein Blick ist wild und ich kann sehen wie sich seine Miene verändert. Von Blutgier zu Überraschung zu Schrecken. Genau zwischen den Augen landet der spitze Ellenbogenknochen, die Wucht durch den Sprung und seinen eigenen Ansturm zigfach erhöht. Es knackt. Ich rolle mich ab als ich hinter ihm zum liegen komme, verharre auf einem Knie.
Er rührt sich nicht mehr.
Ich stehe langsam auf, als der Käfig nach oben gezogen wird und sehe in Ingo's Gesicht, der mich mit einer seltsamen Mischung aus Erleichterung, vielleicht Überraschung und Entsetzen unter all den anderen Gesichtern und Blicken ansieht ehe er unter dem Bart breit zu grinsen anfängt. Am Rande bekomme ich seinen dröhnenden Ruf mit und nun grinse auch ich schief, Blut tropft von meinem Kinn auf den Steinboden und dann erwidere ich den Schrei. "AYE! DEM VERDAMMTEN STURM ENTGEGEN!"

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 5. Mai 2013, 09:14 
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Die Felder waren unbestellt gewesen, als ich das Anwesen zum ersten Mal besuchte. Sehr viel Arbeit lag damals noch vor uns. Das Anwesen war herunter gekommen, leer. Jetzt nicht mehr. Ich habe genug Möbel hierher bringen lassen, um mich wohl zu fühlen. Und auch für die Arbeiter ist gesorgt. Die Vorratskammern sind gefüllt und irgendwann würde das Anwesen sich selber versorgen können. Auf einer nahen Weide grasten Rinder und die Felder waren endlich grün. Ich ließ die Tabakpflanzen in einem halben Meter Abstand zueinander anpflanzen. Enger als es andere machen, doch ich möchte den Platz, den ich habe möglichst effizient nutzen. Die Blüten hatten meine Arbeiter bereits entfernt, um die Pflanzennährstoffe ausschließlich den Blättern zuzuführen. Lediglich für die Saatgutproduktion ausgesuchte Pflanzen wurden geschont um aufzublühen und Samen zu erzeugen. Jede Pflanze stellte eine Art Qualitätspyramide dar, wobei die unteren Blätter schlichtweg weniger gut geeignet waren als die obersten, nicht annähernd das gleiche Aroma hatten. Sobald sich die ersten Blätter gelb färben würden, würde die Ernte beginnen. Wichtig dabei war, dass man die Blätter immer am frühen Vormittag zupfte und immer fünf bis sieben Tage wartete, bis man die nächsten Blätter zupfte. Nach der Ernte musste der Tabak getrocknet werden. Bei der Naturtrocknung wurde der Tabak auf Schnüre eingefädelt und zwei bis drei Monate in geschlossenen Schuppen aufgehängt. Ich selber habe spezielle Heißlufttrockenschuppen anlegen lassen, in denen die Trocknung in nur vier bis nacht Tagen erfolgen würde. Ja, es galt zu experimentieren. Ich musste heraus finden, wie mein Tabak am Besten schmeckte. Immerhin wollte ich damit ja Geld verdienen, irgendwann.

Nach dem Trocknen des Tabaks würde die Fermentation, der Gärungsprozess, beginnen. Hier setzt sich der Veredelungsprozess fort, der mit der Reife der Blätter begann und bei der Trocknung weiterging. Der Tabak sollte in einen lager- und verbrauchsfähigen Zustand gebracht werden. Der Gärungsvorgang setzte beim Tabak meist von selbst ein, wenn ein Stapel von mindesten acht Kubikmeter Rohtabak zusammengesetzt wird. Erstes messbares Anzeichen war dabei das Ansteigen der Temperatur innerhalb des Stapels. Hier hatte ich mich für die Kammerfermentation entschieden, wo in unterirdischen Kammern unter kontrollierten Klimabedingungen mit künstlicher Erwärmung und Luftbefeuchtung gearbeitet wurde. Anschließend würde die Aufbereitung beginnen, die darin gipfelte, dass man den Tabak zerkleinerte und endlich rauchen konnte. Ja, es war ein Haufen Arbeit. Aber die Arbeiter beklagten sich nicht und ich selber würde das auch nicht machen, wobei ich natürlich die meiste Zeit unterwegs war. Das Anwesen und der Tabakanbau sind meine Chance auf eine sichere Zukunft. Zumindest sehe ich das so. Eines Tages würde Geld keine Rolle mehr spielen. Das war mein Traum. Natürlich nicht unbedingt um meinetwillen, sondern für den kleinen Heldenhammer-Nachwuchs, irgendwann. Blieb nur noch die Frage, wie ich meinen Tabak nennen sollte. Vielleicht sollte ich Alvrim, Rarnulf oder Ingo mal zum Rat fragen. "Freyri's Bester" vielleicht? Oder "Heldenhammer's Wilder"? Würde da gründlich drüber nachdenken müssen, am Besten mit reichlich Bier im Spiel. Aber es galt, zurück nach Eisenschmiede zu reisen. Das Anwesen funktionierte auch ohne hin, aber Geld verdiente sich bis zum Verkauf des Tabaks leider nicht von alleine.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 5. Mai 2013, 10:51 
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Sie kamen am Abend, es war kalt, der Wind zog schnell durch die schmalen Gassen von Gilneas. Ein knistern...Pfeilschüsse. Wir mussten das weite suchen. 7 Leute rannten vor den Massen von Untoten davon, sie stürmten gerade die Brücke als wir kurzzeitig entkommen konnten. Sie jagten uns, wie räudiges Vieh was abgeschlachtet werden müsse. Ich blieb stehn. Ich rief meinen Männern zu: "Lauft ihr dummen Hunde ich halte sie auf so lang ich kann!". Meine Frau blieb ebenso an meiner Seite. Ich fragte sie leis. "Ist dies dein Wunsch?" Sie verstand gleich was ich wollte und nickte zustimmend. Wir hielten uns zum Kampf bereit. Eine Kompanie der leblosen stürmte uns entgegen. Ich erhob mein Schild und mein Schwert und stürmte ihnen rufend entgegen. "Für den Dämmersturm!". Nayriel lief mit mir in den blanken tot. Wir wussten es gleich, aber wir haben unser Schicksal so gewählt. Ich konnte einige abwehren und zwei von ihnen den Kopf abschlagen, doch sie hatten uns eingekesselt. Ich ging zu Boden. Meine geliebte stellte sich schützend vor mir, sonst war ich doch der...der sie immer beschützte. Sie hauchte mir nach hinten: "Trodai...ich liebe dich und ich gehe nur mit dir in den Tot." Ein husten mit Blut von mir kam aus meiner Kehle. "Ich liebe dich auch Nayriel." Die Untoten kannten kein erbarmen und zerrissen uns.
Trodai Grünauge, Rottenmeister und Bollwerk des Dämmersturms in der letzten Stunde.

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Dort treffe ich dann meinen Vater,dort treffe ich meine Mutter,meine Schwestern und meine Brüder.Dort treffe ich dann alljene Menschen meiner Ahnenreihe von Beginn an.Sie rufen bereits nach mir,sie bitten mich meinen Platz zwischen ihnen ein zu nehmen.


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