Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 8. Okt 2016, 13:50 
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Aylen

Schon wieder blieb Aylen zurück, die Blinzelrute so fest umklammernd, dass ihre Knöchel sich weiß färbten. Sie hatte nicht mal Zeit, sich darüber zu beschweren, so schnell wie die sieben Berserker auf sie zu stürmten. Sie tauschte Blicke mit Viktorie – sie war nur wegen ihr hiergeblieben. Was für ein Ärgernis. Das hätte nicht passieren sollen. Wieso versuchte sie es nicht? Walter konnte jeder Art von Unterstützung brauchen. Jede.
Während sie zurück stolperte sah sie gen Lager. Allein der Anblick des Sin’dorei lähmte sie vor Furcht. Seine Präsenz war überwältigend. Die Berserker nahmen erst jetzt an Fahrt auf und warfen sich ihr sabbernd, beißend und kratzend entgegen. Goldene Schimmer des Lichtes und blaue Funken ihrer Schilde zerstoben in der Luft, ließen die Angriffe abprallen. Die Wucht der Schläge spürte Aylen durch die Schilde hindurch und es ließ sie zweifeln. Die Rute würde auch jetzt nicht mehr funktionieren.
Bevor der letzte, goldene Schimmer verglüht war und einen weiteren, fatalen Stoß abgewendet hatte suchte Aylen sich einen Fixpunkt hinter der Priesterin, schloss die Augen und warf eine Hand nach oben, die einen oktarinen Funkenregen mit sich zog. Sekunden später tauchte sie dort auf und keuchte gehetzt. Sie konnte die Rute nicht ausprobieren. Konnte Viktorie nicht zurücklassen. Was, wenn ihre Rute auch nicht mehr funktionierte? Was, wenn sie ihren Tod zu verantworten hätte?
In diesem Moment wurde der Magierin die Aussichtslosigkeit der Situation bewusst. Verzweifelt griff sie nach dem explosiven Gemisch und warf sie nach den anstürmenden Berserkern – doch die Flasche zerplatzte nicht.
Die Lichtwirkerin hatte derweil einen besseren Einfall und hüllte die Angreifer in die grell leuchtende Barriere. „Diese Kuppel ist ein Lebensretter.“, sagte sie erleichtern gen Priesterin, während sie weiterhin den Rückzug antraten. Doch ihre Begeisterung wandelte sich in pures Entsetzen, als die Barriere unter den Angriffen nur wenige Momente später zerbrach. „Oh. Nein..“, brachte sie erstickt hervor, während ein Untoter die Führung übernahm und auf sie zuhielt. „Renn! Blinzel dich weg! Das schaffen wir ni-“, weiter kam Aylen nicht. Der Untote erreichte sie, streckte seine faulenden, klauenbesetzten Hände nach ihr aus und grub sie mit samt seinen Zähnen in ihr Fleisch, um sie bei lebendigem Leibe zu verspeisen. Sie hörte den Knall von Viktories Blinzelrute und trotz der Tatsache, dass sie gerade zerfleischt wurde spürte sie Erleichterung, die den Schmerz betäubte. Sie hatte es geschafft. Sie alle würden es schaffen, da war sie sich sicher. Walter war ein fähiger Mann, er würde erkennen, ob sie sich zurückziehen mussten oder weiterhin die Offensive suchen würden. Der Sin’dorei würde sich wundern. Rotte Torfstich ist immerhin eine Elite für sich.
Aylen schrie markerschütternd und wand sich unter den grässlichen Angriffen des Berserkers, der sie mittlerweile in den Sand gestoßen hatte und damit begann, ihre Haare büschelweise herauszuziehen und auf dem Fleisch ihrer Schulter herumkaute. Mit schrecklicher Wucht kam der Schmerz zurück in ihr Leben und raubte ihr alle Sinne – mittlerweile wehrte sie sich auch nicht mehr. Nichts konnte sie nun mehr retten, das war ihr bewusst. Dem Schicksal kann man nicht entgehen. Während die blutbesudelten Klauen und Zähne des Untoten sich in ihre Magengrube bohrten hoffte sie bloß, dass es wenigstens die Anderen schaffen würden, bevor die Dunkelheit Aylen verschlang und das Licht in ihrer Welt erlosch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 8. Okt 2016, 14:02 
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Vaeln

Ruhig hielt Vaeln die Papiere in der Hand, alles wie immer. Er studierte Berichte, Karten und holte Informationen ein. Aber heute war etwas anders, das einzige Papier was er für den Moment in der Hand hielt, brachte keine frohe Kunde. Am Anfang war er wie die Tage zuvor schon tiefenentspannt, je mehr er vom Bericht las, desto mehr wich die Entspannung und die gute Laune der letzten Tage. Selten zu sehen in seinem Gesicht waren Züge wie die heute, welche man durchaus als düster bezeichnen konnte, beim Rottenmeister, welcher für gewöhnlich ein seichtes Schmunzeln im Gesicht trug. Er war ruhig geworden, sehr ruhig, verdächtig ruhig. Noch war er nicht am Ende des Berichtes angelangt und dennoch entwich ihm ein „Netherverdammt.“ Leise und zischend.

Er legte den Bericht zur Seite und atmet durch. Der Blick richtet sich auf seinen Beistelltisch, welcher Sekunden später von sämtlichen Utensilien und Kram befreit wurde in dem er ihn einfach umstieß mit einem mäßig lauten „Verdammt“, war der Ausruf, welcher das ganze nochmal verbalisierte zuzüglich des verursachten Kraches. Stimmung am Boden. Und das grade nach dem Frühstück. Aylen, Garcia und von Lichtensang. Aylen hatte ihn damals unterstützt. Man hat sich verstanden und war sich sympatisch. Das schlug ihm auf den Magen. Darüber hinaus Garcia den er freiwillig an Torfstich abgab und von Lichtensang. Sie wollte er in der Rotte haben. Hätte vielleicht noch gelebt, auch wenn man sich nicht verstand und sie offen Antipathie gegen ihn hegte. Mehr die ersten beiden Toten schlugen auf Magen wie Laune des Rottenmeisters. Von Lichtensang war tragisch weil sie eine der beiden Söldner war – sonst war da nichts.
So stapfte er aus seinem Zimmerchen in die Messe, man hielt nach Walter Ausschau. Nein, keine Ausschau, er suchte den anderen Rottenmeister. Warum? Wusste er nicht genau, aber er musste ihn finden. Er brauchte irgendwie mehr als diese nüchterne Abschrift. Kaum war er in der Messe angekommen, brach er das Vorhaben ab. „Kühlen Kopf bewahren. Es wird dazu eine Besprechung geben“, dachte er. So drehte er wieder ab, er war sichtlich genervt. Sichtlich schlecht gelaunt. Und er räumte das Chaos auf, wobei er schnaubte. „Er bietet den Rücktritt an. Verdammter Torfstich.“

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"Man sagt,
am Ende wird alles wieder gut.
Wenn es noch nicht gut ist,
ist es noch nicht das Ende."


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 8. Okt 2016, 16:52 
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Auszug aus Viktories Tagebuch


In Gedenken an die Gefallenen

Aylen Thalindar
Ich mochte Aylen gern. Sie war zart, niedlich und für die rauhen Sitten des Dämmersturms viel zu gut erzogen. Sie war im Kampf mutig, oft unerschrocken und verstand sich darauf, uns mit hochwirksamen Zaubern zu überraschen. Wir sprachen nicht viel miteinander. Das mussten wir auch nicht, um uns gut zu verstehen. Ich erinnere noch, wie ich sie auf der Westbergmission in die Arme geschlossen habe, nachdem sie eine Tagelöhnerin getragen hat, dicht verfolgt von einem unserer schwierigsten Gegner. Wir haben uns oft gegenseitig Mut spenden können, wenn es brenzlig wurde. Sie war eine der besten Kameradinnen, die man sich wünschen kann. Ich habe es Walter noch nicht gesagt, aber Aylen hat ihr Leben riskiert, um das meine zu wahren und dafür bin ich ihr mehr als nur dankbar. Ihr Mut und ihre Einsatzbereitschaft werden mir im Gedächtnis bleiben.

Ruhe sanft, zarte Kameradin.


Nokomis von Lichtensang
Manche Menschen tragen mehr Licht in sich als es der Klerus vermag. Es lässt sie von innen heraus leuchten und in einem warmen Glanz erscheinen. Nokomis war ein solcher Mensch.
Ihre unverblümte Art, die Rottenmitglieder nach gefährlichen Situationen zu umarmen hat mir stets das Herz gewärmt. Ihr Frohsinn und ihre positive Natur haben die Stimmung auf der schwierigen Reise stets gelockert. Nokomis war eine standhafte Frau. Sie hat sich nicht gescheut, ihre Bedenken vorzubringen. Sie war es, die dem Rottenmeister vom Kampf gegen den Hexer abraten wollte und sie behielt damit letztendlich Recht.
Ich habe Nokomis bereits nach den wenigen Gesprächen, die wir hatten, in mein Herz geschlossen.

Ruhe sanft, Freundin des Lichts.


Alexander García
Alexander war eines unserer neuen Mitglieder im Bund und ich habe mich darauf gefreut, ihn als Söldner in unserer Rotte begrüßen zu dürfen. Seine Fähigkeiten im Kampf waren erstaunlich und auch, wenn er eine hitzköpfige Ader hatte, wohnte ihm eine nachdenkliche Seele inne. Er hat mir in einem Augenblick des Zweifels und der Schwäche meine Sorgen genommen und ich habe erkannt, dass er einen wachen Geist besitzt. Nicht fehl von Irrwegen, zugleich voll von Gedanken. Aus ihm wäre ein hervorragender Söldner geworden. Sein Humor und seine Art, selbst in schwierigsten Situationen noch einen lockeren Spruch zu finden, werden mir sehr fehlen.

Ruhe sanft, humorvoller Heißsporn.

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"StaPhi"


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 8. Okt 2016, 22:14 
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Auszug aus Viktories Tagebuch


Gedanken über Walter


Walter schläft. Endlich. Ich hatte bereits Sorge, dass er gar nicht mehr zur Ruhe kommt. Wir brauchen die Ruhestunden. In der Oase hat man uns recht entgegenkommend empfangen, auch wenn mir die Leute unangenehm sind. Sie wirken verschlagen und kaltblütig. Aber sie haben uns einen Platz zum Schlafen und frisches Wasser angeboten.

Er hat seit dem Vorfall nicht viel gesprochen und ich habe nicht gebohrt. Selbst wenn ich Vorwürfe hätte, könnte ich sie ihm nicht sagen. Er macht sie sich bereits alle selbst. Wenn ich ihn ansehe, dann sorge ich mich um ihn. Er sieht so ausgezehrt und kraftlos aus. Die Nachwirkungen der Teufelsmagie und seine Überanstrengungen im Kampf lassen seine Adern hervorteten, als flösse Magie in ihnen. Ich glaube, wenn er noch Haare hatte, hat er sie in den letzten Tagen verloren. Er sprach mir gegenüber davon, dem Kommandanten anzubieten, seinen Posten niederzulegen. Ich dachte, er meinte eine Art frühen Ruhestand.. denn genau danach sieht er aus. Ich würde es ihm wünschen, denn ich glaube nicht, dass er noch lange die Kraft aufbringen kann, die sein Posten von ihm verlangt. Jedesmal, wenn er über seine Kräfte hinausgeht, korrumpiert er etwas mehr. Bald wird er wie ein Greis aussehen. Ich hoffe nur, dass sein Geist nicht betroffen sein wird.

Der Kommandant wird seinen Vorschlag vermutlich ablehnen. Aber er wird es als Zeichen des Respekts verstehen, vor dem Hintergrund der vielen Verluste, die man Walter zur Last legen kann. Möglicherweise möchte Walter ihn milde stimmen. Und das kann ich ihm nicht verübeln. Der Zorn und die Enttäuschung des Kommandanten liegen einem schwer im Magen. Sie sind wie ein Spiegel der eigenen Gefühle.

[...]

Zu meiner Verwunderung traue ich Walter nicht weniger als vorher. Ich würde ihn derzeit gegen keinen anderen Rottenmeister eintauschen wollen. Es ist sehr viel wert, innerhalb der Rotte zu wissen, was man aneinander hat. Walter scheint kein Mensch zu sein, der Fehler macht, ohne daraus zu lernen. Vielleicht vertraue ich ihm deswegen, seine Schlüsse aus der Sache zu ziehen und sich danach zu richten.

[...]

_________________
"StaPhi"


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 9. Okt 2016, 12:00 
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Dzul


"...Thalindar..."

Dzul starrte Viktorie an, als Vaeln die Toten aufzählte, doch drang langsam aber sicher ein dämpfendes Rauschen in seine Ohren und überspielte jegliche weitere Geräusche beinahe vollständig. Alles klang dumpfer, entfernter; irrelevanter. Er vergaß weiter zu kauen und würgte das frisch abgerissene Stück Fleisch, dass nun an der Geflügelkeule fehlte, umständlich herunter, als sich die neuerdings vorhandene Vene wieder an der Stirn abzeichnete. Ein Stich durchfuhr seinen Brustkorb, gleich einer glühenden Stahlnadel, woraufhin Wut durch seine Adern brannte - oder war es Trauer? Er wusste es nicht genau, es war schwer das in diesem Moment voneinander zu unterscheiden. Stumm legte er die Keule auf dem Teller ab und legte die Hände nebeneinander unterhalb des Tellers auf den Tisch, bevor er mit den Fingerkuppen einige Zentimeter in entgegen gesetzte Richtungen über die Holzkante strich und sich schließlich unter knarzendem Leder und rasselndem Waffengurt wieder erhob. Geräusche die er ausblendete, während er versuchte zu verarbeiten was er gerade erfahren hatte; während er versuchte zu ergründen was er in dem Moment fühlt. Schweigend wendet er sich ab und verlässt die Otze - verlässt den kühlen Schatten und tritt hinaus in die brennende Sonne Gadgetzans. Daraja wurde ignoriert, sie wurde gar nicht wahrgenommen, denn als die Hitze auf seinen Kopf schlug suchte seine Trauer ein Ventil.

Aylen war eine der wenigen Personen, die dem Tierführer nach Skorgs Tod Trost spenden wollte, das Gespräch mit ihm aufsuchte. Sie war eine der wenigen Gestalten in dem bunten Gemisch aus Tagelöhnern, Mitläufern und Söldnern, die Dzul tatsächlich als Freundin ansah, auch wenn er es vermutlich nie so ausgedrückt hätte.

Holz knirschte und zerbrach splitternd entzwei als er gegenüber der Otze den rechten Querbalken der Zaunelemente mit einem wütenden Tritt bearbeitete. Ein weiterer folgte, ehe er einen der Pfosten packte und ihn unter Anstrengung aus dem sandigen Boden riss. Der Kopf wurde rot, Venen an der Kehle zeigten sich als schlauchiger, wulstiger Abdruck durch die Haut, bis das Holz von Dzuls Grunzen begleitet befreit war und gleich als Waffe missbraucht wurde um den nächsten Pfeiler zu malträtieren. Erneut knackte es als der Pfosten splitternd zerbrach und der Tierführer tobend sein Schwert zog und dem restlichen Holz in einer verausgabenden Schlag- und Hiebserie den gar aus machte. Nach fünf Minuten war von den Zaunelementen nicht mehr als ein Haufen Splitter übrig, die wüst im Sand verteilt waren. Schaulustige hatten sich um das Spektakel herum versammelt und den Wutausbruch des Mitläufers beobachtet, der erst aufhörte, als Daraja sich zu Wort meldete.

"Dzul!" - sprach sie, womit sie schwach zu ihm durchbrach, denn schnaubend blickte Devens zu der Ärztin, musterte sie und erkannte dann an ihrem Blick dass er nicht allein war. Er sah sich außer Atem in den zahlreichen Gesichtern der Anwesenden um und schließlich an sich hinab bis zum Schwert dass er in der Hand hielt. Langsam atmete er durch und verstaute die Waffe wieder in der vorgesehenen Scheide, ehe er zum Hafen sah und sich auf den Weg zu einem ruhigen Ort machte. Die Schaulustigen stoben auseinander, als wäre Dzul ein gleichpoliger Magnet, sodass sich eine Gasse bildete in der ihn niemand aufhalten wollte. Kaum dass der Tierführer außer Sichtweite war, löste sich die Meute auch schon wieder allmählich auf und man ging seiner Wege.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 12. Okt 2016, 16:14 
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„Sand,Sand,Sand, überall Sand. Vom Augenlid bis zur Arschritze nur Sand. Wenn es wenigstens Regen wäre wie damals in Gilneas, aber nein, Sand. Ich hätte Koch werden sollen – oder Zuhälter“ brummte Wolfton vor sich her. Es hatte erst vor kurzem angefangen das er zu sich selbst murmelte, die Hitze schien dem Nebelparder nicht wirklich gut zu bekommen, einzig die zur Kühlung verzauberten Kleidungsstücke, allen voran die Unterwäsche, hielten ihn davon ab komplett in den Wahnsinn zu kippen. Seit Tagen war er mit Hinterlandsarbeit für die Mission beschäftigt, immerhin war er kein Fronstschwein sondern Mitläufer, Anhängsel, Rottenloser Peon. Kisten schleppen, Befehle folgen, von den Gobliningenieuren lernen, an seinem Gewehr herumschrauben und zweimal am Tag masturbieren, aus mehr Abwechslung bestand der Feldzug, zumindest im Moment, für den Rotschopf nicht. Hin und wieder dachte er an die Hyäne die er Dzul aus dem Sand gefangen hatte, gemeinsam mit dem Glatzenmädchen, zumindest diese Erinnerung brachte ihn zum Grinsen. Wie es dem Vieh wohl ging? So genau war das nicht zu eruieren. Wieder griff die Hand in den Beutel, beförderte Trockenfleisch in seinen Mund und das Kauen setzte sich fort. Es lag wohl einzig am Fluch das er nicht fett wurde, so ein inneres Monster musste gepflegt werden – außerdem gab es einem Beschäftigung. Eine bessere Beschäftigung als Kettenrauchen, schränkte das doch die Leistungsfähigkeit im Feld ein. Und besser als Saufen. Bei der Hitze war sowieso kein Tropfen Whiskey die Kehle hinunterzubekommen. Er ließ die Finger von der Waffe, legte den Schraubenzieher daneben und drehte sich auf dem schief zusammengeschusterten Drehsessel gen Ausgang, die Linse vom Auge hebend. Sand. Sturm. Sandsturm. Dem Sandsturm entgegen. Mit kochendem Arschwasser. Er hätte Koch werden sollen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 14. Okt 2016, 09:48 
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Dzul


Immer öfter sah man den Tierführer mit der Hyäne im Gehege, denn nach einem vergangenen Monat hatte das Tier sich an ihn gewöhnt und genoss das skurrile Gefühl, dass Larry erfuhr, wenn der Kerl ins Gehege trat und den Trog mit frischem Fleisch befüllte. Er hatte in den ersten Wochen zumeist noch Aas verwendet und die Fleischabfälle, die der Kommandant von seiner Schlachtbank schubste, einige Zeit in der unbarmherzigen Sonne von Tanaris liegen gelassen, ehe er es Larry zu fressen gab, doch systematisch tauschte er das Fleisch gegen frischere Reste aus, die weniger mit Keimen und anderen gefährlichen Bakterien vollgepumpt waren.

Auch heute hatte man Dzul wieder im Gehege erblicken können, wie er Kommandos mit Larry übte, mit ihm im Kreis um das Gehege wanderte, wobei der Stinker ihm - wie einst auch Skorg - im Wechsel dicht hinter dem linken, oder dem rechten Bein beifuß folgte. Es war ein mühsamer Prozess, denn die Hyäne war eigentlich schon fast zu alt um derartig konditioniert zu werden, doch für den Eremiten war es einfach eine weitere Herausforderung, nachdem man sich lange den Kopf darüber zerbrach und sich die Frage stellte, ob Larry in der Wildnis nicht doch besser aufgehoben wäre.
Als das Training für den Moment beendet war, sah man die beiden noch - zum Zeitpunkt des Abzugs der Rotte Reddick - im Gehege toben. Dzul der im Sand saß und Larry immer wieder leicht davon schob, denn der wollte von den Haaren naschen und ihm Kopfnüsse verpassen. Jedesmal wenn das Tier dann seinen kräftigen Kiefer öffnete um Dzul mit bestialischem Atem ins Koma zu katapultieren, oder gar ihm spielerisch in den Nacken beißen wollte, handelte der Tierführer simpel.

Luft anhalten. Arme um Kopf und Nacken packen und das Tier schlichtweg mit einer Drehung unter vollem Körpereinsatz auf den Boden ringen und im Anschluss den Bauch kraulen.

Kaum dass die Rotte abgezogen war, verließ Dzul jedoch das Gehege und sah Lynn aus dem Augenwinkel, als sie gerade auf dem Weg zur Otze war. Grüßend nickte er ihr zu, hob eine Hand und winkte sie heran. "Mahlzeit.", brummte Dzul und musterte die sympathische Narbenfresse für einen Moment lang ausgiebig, ehe sich zu ihr wandte und das Wort sogleich wieder erhob.
"Hast du Zeit dich mit mir'n bisschen zu beschäftigen? Geht hauptsächlich um's Bogenschießen. Habe da immer noch Verbesserungsbedarf.", gestand er und sah sie entspannt an. Er schien ausnahmsweise mal wieder offenkundig besser gelaunt zu sein als die meiste Zeit seit Skorgs Tod. Vermutlich trug Larry da ein wenig zu bei.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 14. Okt 2016, 10:22 
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»Die meisten Wesen finden zueinander, weil sie sich anziehend oder wenigstens sympathisch finden. Verstoßene bilden da anscheinend eine Ausnahme.«
- koladische Weisheiten zum Sonntag



Nach dem zehrenden Einsatz bezüglich der ominösen Hydra Flotte, stand auf ihrer Liste sehr weit oben die Meditation. So sehr wie sie Menschen auch unterhaltsam fand - und selbst war sie ihnen gar nicht einmal so unähnlich - so sehr hasste sie dieses Pack auch im gleichen Atemzug. Und es gab eben diese einen Momente, wo Köpfe in ihrer Gedankenwelt einfach platzten, weil sie für etwas anderes nicht gut genug waren. Wenn sie sich auf freiwilliger Basis als Geißel anbot, dann hatte dies meist einen überaus guten Grund. Karrde - der Gesuchte - wusste dieses Angebot zu schätzen, nur das andere Pack nicht, welche sich Verbündete schimpften. Und wenn ein Magier einem nicht magischen Verbündeten sagte "Geh mir am besten sehr weit aus den Füßen", dann hatte auch dies einen unheimlich guten Grund - Zum Beispiel die Minimierung der Chance, einem Verbündeten "versehentlich" eines Körperteils zu entledigen. Oder gleich mehreren Körperteilen. Aber auch hier gab man etwas um ihr Wohlergehen und legte ihr ganze Felsbrocken in den Weg - Sehr witzig.


»Sie mögen dich eben! Akzeptiere ihre Liebe!«
»Ich akzeptiere höchstens eine Liebschaft, alles andere halte ich im Kopf nicht aus!«
»Stimmt...da ist etwas dran, denn du hälst mich ja schon nicht aus in deinem Schädel.«
»SCHWEIG!«

Lange fröhnte sie der Meditation, nachdem sie sich magisch regelrecht verausgabte, dank einer Göre die ihr wie ein Hund am Arsch klebte. Es hätte nicht soweit kommen müssen, wenn man nur ein einziges Mal auf ihr Wort hören würde. Daran ändern konnte sie letztendlich nichts mehr, aber immerhin kam sie noch dazu Sirius Ressley vor seiner Abreise über den Weg zu stolpern, nur um ihm einen wertvollen Schatz zu überreichen - Ihr Tagebuch.
Niemanden ließ sie einen Blick hineinwerfen. Sie achtete stets darauf, das ihr niemand im Nacken saß und lauernd versuchte kuriose Geheimnisse ihrer selbst zu entlüften. Jemanden wie Sirius, dem schmierigen Schuft, solch ein pikantes Stück zu überlassen hatte gewissermaßen eine schwer wiegende Bedeutung. Es nagte immer noch an ihr, dass sie für den Vergeltungsschlag nicht mit konnte - nicht einmal als Freiwillige. Befehl war Befehl.

»Bleib am Leben Ressley...«

Bevor ihre Gedanken noch weiter gen Keller abdrifteten, ließen sie die willkürlichen Revolverschüsse von Willfred Koch zur Seite zucken, als dieser aus Spaß an der Freude in den Nachthimmel schoss. Vom alten Zausel ließ sie sich einen seiner Revolver in die Hand drücken, und dazu überreden etwas "abknallen" zu gehen. Da sie ohnehin vor hatte Schießübungen sobald wie möglich nachzugehen, und sie in der spontanen Idee Willfreds eine Ablenkung sah, zog sie einfach mit dem armen, schießwütigen Revolverheld ins nächtliche Tanaris hinaus. Der Wahnsinnige grinste einfach nur wie ein Schnitzel das von allen Seiten beklopft wurde.

»HIMMEL! Entweder du hast mehr einen an der Schüssel als ich, oder einfach nur seltsame Zuckungen mit deinem Schießarm. Hat es dir nicht gereicht mich mit einem bloßen Apfel vor einer Weile zu vernichten?«
»M-m.«

Willfred schüttelte auf die Frage nur den Kopf und marschierte mit starrem Blick nach vorne weiter. Seine Knarre packte er wieder - ziemlich kuhl, so mit Tricks - zurück in den Halfter, während man ein wachsames Auge für die Umgebung hatte. Mittlerweile waren sie beide eine halbe Stunde weit von Gadgetzan entfernt. Unwirsch fuchtelte die Halbelfe mit den Armen herum, auf die Worte ihres höchst gesprächigen Kameraden.

»Mhm! MH! HRRRRMPF!«
»Hm. Hm, hm.« (Pure Zustimmung!)
»Ich sehe etwas, was du nicht siehst...und das ist rosa!«
»Hm!« (Eventuelle Antwort!)

Das was die Halbelfe als rätselhafte Antwort auf ihre Frage wertete, war aber insgeheim ein ganz anderer Wink. In der Ferne näherte sich nach einer gefühlten Ewigkeit ein leuchtend roter Lichtpunkt. Schießwütig wie Willfred veranlagt war, zielte er sogar schon drauf los und wartete ab. Erst verspätet registrierte auch das Halbblut den leuchtenden Punkt, welcher mit leicht verengten Augen angestarrt wurde.

»Hä? "HM" ist leider die falsche Antwort. Was auch immer du mit "HM" meinst. Ich glaub...ich hab´s ein bisschen an den Augen. Wenn ich dir gleich in den Fuß schieße, weißt du warum.«
»Hm-hm!«

Willfred zog schon vor lauter Konzentration eine Schnute und kniff ein Auge zu. Die Geräuschekulisse eines Gyrokopter rauschte näher heran, welche sich als der rote Lichtpunkt entpuppte.

»Es ist nicht rosa, aber es leuchtet wundervoll! Aber weißt du was noch viel wundervoller ist? Wir schießen zusammen auf das gleiche Ziel...das ist soooo romantisch!«

Die Ältere hüpfte an die Seite des alten Revolverhelden und zog nun ihrerseits selber zielend einen Revolver, welchen sie von Wilfred geliehen bekam. Angestrengt kniff sie ein Auge zu, während vor lauter Konzentration in Höchstleistung sich die Zungenspitze aus dem Mundwinkel hinaus schob. Als der Gyrokopter nah genug war, wollte Wilfred der alte Hengst es sehr genau wissen wie es um sein Glück stand. Er schoss, und das war die Hauptsache: Ballern, ballern, ballern!
Mehr wie einen Aasgeier holte er aber nicht vom Himmel, wohingegen die Halbelfe mehr Glück zu haben schien. Kezanische Flüche erfüllten brüllend die Nacht, als der Gyrokopter ins Staucheln geriet - und kaum hatte der Pilot seine Maschine wieder unter Kontrolle, versuchte er schleunigst in Richtung Stadt zu kommen.


»Hehehehe...«
»Ist jetzt nicht wahr...WAHAHAHA!«
»Hm!«
»WILLFRED! Ich weiß nicht was los ist, aber es gefällt mir!«

Die Tatsache das sie enrsthaft traf sorgte für den einen für Belustigung, während sie einfach nur ungläubig zusammen mit Willfred erneut das Glück auf die Probe stellten. Ungeachtet dessen ob das, was sie gerade tun legal war oder eben nicht. Sie ließ sich gar von Willfreds schießwütigen Rausch in den Bann ziehen. Für den Moment vergaß sie einfach all ihre Sorgen. Sie empfand Freude, und mit der Freude ging dieses aufregende Prickeln einher - Hand in Hand. Ein ähnliches Gefühl empfand sie jedes Mal, wenn sie gezielt ein Attentat begann und sauber ausführte. Es war immer wieder faszinierend, wie einfach einen bloßes Leben zwischen den Fingern zerbröselte und schlagartig einfach nur wertlos war.
Sie schoss erneut, und auch dieses Mal landete sie einen Treffer, wofür sie schon glatt einen Orden verdiente. Sie holte die Knatterkiste vom Himmel, das Getriebe rauchte und der kezanisch fluchende Goblin verstummte schon sehr bald, als der Gyrokopter abstürzend zu Boden segelte. Es krachte, knallte und brannte - während sich aus dem Wrack noch ein schwer verletzter Pilot hervor kämpfte um elendig über den Sandboden zu kriechen. Ungläubig schrägte die Halbelfe den Kopf und wisperte leise.

»Sag jetzt nichts Willfred...sonst werde ich rot. Wobei...du kannst ja nicht sprechen.«
»Hm.« (Zufriedenheit!)

Durchaus erntete sich die Ältere ein anerkennendes Nicken mit einem breiten Grinsen, eher der Blick fragend auf ihr ruhte - Darauf wartend, wie sie nun weiter vorgehen würde. Unterdessen wanderte Willfreds Revolver wieder mit ein paar Tricks in den Halfter zurück. Die Entscheidung der Attentäterin war sehr schnell gefallen, als sie ihren Revolverarm sofort wieder anhob, als auch ihr der kriechende Goblin ins Sichtfeld geriet. Es war ein Goblin - in ihren Augen ein wertloses Stück grüner Scheiße. Sie schoss, und sie traf erneut ins Schwarze und tilgte damit ein weiteres, bedeutungsloses Leben von dieser kümmerlichen Welt. Die Tat wurde schlicht abgenickt vom Älteren mit einem Laut der Zustimmung, ehe er schon gen Leichnahm wanderte. Willfred der Hengst, bekam sogleich auch die Möglichkeit sich als echten Hengst zu beweisen, als sie ihm einfach in den Rücken sprang, um sich huckepackartig an ihn dranzuhängen, bis sie im "Sattel" sitzt.

»Wunderprächtig! Schwing die Hufe, Willfred!«
»Uff...!«
»Da soll nochmal einer sagen, du wärst scheintot. HÜÜÜA, Willfred!«

Willfred ächzte kurzzeitig unter der Last der Halbelfe, welche da seinen knackigen Rücken bestieg und das imaginäre Lasso über ihrem Kopf herum schwingte. Er gab sich dem blanken Wahnsinn hin und wieherte sogar wie ein alter Ackergaul, ehe er im Laufschritt die Dünen entlang bretterte. Er sah zwar alt aus - ist er auch - aber er war ein verdammter Söldner, selbstverständlich war er nicht Scheintot! Die Waffenschwester auf seinem Rücken wusste nur zu gut, wie man seine Kameraden bei bester Laune hielt, und selbst dem Tod noch das letzte Fünkchen Lebenswillen herauskitzelte. Vollkommen ungeniert klatschte sie dem Älteren auch noch auf seinem kaum existenten Hintern herum, damit er auch keine Müdigkeit vortäuschte. Solange, bis sie beim brennenden Wrack und dem Leichnahm ankamen und sie dort erst vom Rücken des Mannes kletterte. Der Revolverheld machte sich erst einmal wieder grade. Es knackte, als hätte man einen Baumstamm in der Mitte zerbrochen - Eindeutig die alten Knochen!
Licht spendend loderte das Wrack in der eisigen Nacht und spendete wohlige Wärme. Willfred war ein überaus vorsorglicher Mann, welcher da erneut zum Revolver griff und das ganze Magazin auf den längst toten Leib des Goblins schoss, damit sich noch mehr Kugeln im grünhäutigen Körper einverleibten. Die Halbelfe hob eine Braue an im hohen Bogen und kommentierte trocken.


»Natürlich...sicher ist sicher!«
»Hm.« (Natürlich!)

Damit sich auch jede einzelne Kugel wirklich gelohnt hatte an diesem Abend, durchsuchte die Halbelfe den Leichnahm gründlichst. Anfänglich schnaubte sie frustriert, bis sie sehr tief in den Hosentaschen herum frimelte und verstörend breit grinste. Berechtigtes Grinsen, denn kurzerhand hielt sie glatte drei Goldmünzen empor - KATSCHING!
Der gesprächige Alte konnte keine Augenzeugen in der Umgebung ausmachen. Bedeutungsschwanger symbolisierte er dem Spitzohr mit Gestiken, das man über diese Sache hier wie ein Grab schweigen sollte. Allerdings, das sollte man wirklich!


»Wir sagen einfach, wir waren unterwegs auf einen romantischen Spaziergang. Ich meine...wir sind alte Knacker. Auch Alten soll man etwas Spaß gönnen, nicht wahr? Natürlich hab ich Recht, danke das du mir zustimmst. Deine Schweigsamkeit werte ich zu mindestens als JA! Also...auf, auf!«
»Hm...HM!«

Nach kurzer Überlegung nickte Willfred und hob mit einem Grinsen den Daumen an. Akzeptable Idee, welche nur glaubhaft sein konnte. Da es nichts mehr zu holen gab, machte sie Halbelfe auf dem Absatz kehrt und marschierte stramm in Richtung der Stadt voran. Klimpernd glitten die Münzen in die Hosentasche. Sie ging davon aus das Willfred folgte - Was er auch tat und sich dabei als nettester Mensch der Welt entpuppte.

»Deinen Revolver kriegst du natürlich auch zurück. Für den Moment will ich aber noch so tun, als wäre ich eine sehr heftige Schützin, welche selbst den Arsch einer Fliege trifft im trunkenen Zustand. Gönn mir das!«
»Hm, hm, hm.« (Kanns'e behalten, Diggaaah!)
»MH! Mhmhmhrmpf! Hrrrrrrmpf!«

Romantischste Nacht ihres Lebens, voll von lauter tiefgründigen Gesprächen, so ganz neben einem reizenden Feuerwerk.


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BeitragVerfasst: 14. Okt 2016, 17:52 
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„‘ch soll mich also mit dir beschäftign?“, raunte die Schützin und wackelte anzüglich mit den Augenbrauen. Nachdem sie sein Anliegen angehört hatte, nickte sie nachdenklich und trommelte nebensächlich in unregelmäßigem Rhythmus mit den Fingern auf dem Oberschenkel herum. „Erstma‘ ordnen wir das Chaos da.“, sie zeigte auf seinen Köcher. „Der Übersichtlichkeit wegen gibt’s für verschiedene Pfeile ‘ne individuelle, farbliche Fiederung. Damit’s im Kampf reibungslos abläuft.“
Sie rückte ihren Oberschenkelköcher ein wenig nach vorne, zog verschiedene Pfeile heraus und drückte ihm von jedem Exemplar eins in der Hand. „Rot für Brand. Grün für Blattspitze. Grau für Widerharken. Braun für Bodkin. Weiß für normale Pfeile.“ Nach einer Weile fügte sie noch holprig hinzu: „Weißte, weil rot für Feuer un‘ grün für Blätter un‘.. naja, du weißt, worauf ‘ch hinaus will.“
Dann klopfte sie ihm herzlich auf eine Schulter und ging voraus, Richtung Übungsplatz. „Du weißt ja schon, worauf’s beim Schießen ankommt. Dir fehlt nur Geduld, Übung un‘ halt Präzision. Durchschlagkraft un‘ der restliche Kram passt ja schon.“
Auf dem Platz stellte sie sich neben ihm auf und nahm eines der bereitliegenden Bogenhölzer an sich. „Stell dich auf. Seitliche Haltung, fester Stand. Durchatmen. Pfeil einhaken. Bogen anheben, Arm durchdrücken, Sehne spannen, zielen und loslassen.“ Während sie die Anweisungen beschrieb vollführte sie diese auch. Erstaunlich geschmeidige Bewegungen für die sonst so grobschlächtige Frau – die Sehne flitscht und der Pfeil gräbt sich in den innersten Ring. „Schieß dich erstma‘ warm.“
Mit diesen Worten drückte sie ihm den Bogen in die Hand und zog sich hinter ihn zurück. Der erste Schuss war keine Meisterleistung – er flog am Ziel vorbei und grub sich staubwirbelnd in den Sand. „Scheiße nochma‘. Arm durchdrücken, hab‘ ‘ch gesagt.“ Als er den Bogen nochmal anhob bohrte sie einen Finger in den linken, ausgestreckten Arm, damit er die richtige Haltung einnahm. „So is‘ gut. Los.“ Äußerster Ring. Ein tiefes Brummen entwich ihrer Kehle. Die Sehne wurde von ihm angespannt und sie sah seinen Fehler; nicht genug. Nicht weit genug. Also griff sie nach seinem rechten Arm und verschob ihn weiter nach hinten, sodass die ziehenden Finger seine Wange berührten. „Weiter.“, ordnete sie an und der nächste Pfeil traf das Ziel.
Wieder und wieder ließ sie ihn schießen. Zwischendrin korrigierte sie seinen Stand, seine Haltung, seinen Griff. So lange, bis alle seine Pfeile nicht mal mehr ansatzweise den äußersten Ring berührten oder sogar das Ziel völlig verfehlte.
Den Augen der Schützin entging nichts; so ruhte ihr Blick permanent auf dem Eremiten und dem Ziel – auch, wenn sie sich nach einiger Zeit zurückzog, um sich an die Mauer hinter ihnen zu lehnen. Sie konnte nicht ganz verbergen, wie müde und träge sie heute war. Für gewöhnlich wäre sie für ein kleines Schießstandspiel offen gewesen, aber heute war es schwer genug, sich überhaupt langfristig auf etwas zu konzentrieren. Lynn gähnte ausgiebig und streckte sich aus. Das Geräusch sich spannender Sehnen und dem einsenkender Pfeile hatte etwas Beruhigendes – schon immer. Dennoch war sie angespannt, stand wie ein Brett an der Mauer und betrommelte alles mit ihren Fingern, was sie nur konnte. Irgendetwas stimmte nicht. Zischend ließ sie Luft durch ihre zusammengepressten Zähne entweichen und brummte anschließend wieder.
Abgesehen davon machte er sich gar nicht schlecht. Wenn sie daran dachte, wie sie sich anfangs angestellte hatte – nunja, es wäre für Dzul sicher ein Grund zum Lachen gewesen, wenn sie ihm das erzählen würde. Unzählige Pfeile brach sie über ihrem Knie, dutzende Bogenhölzer wurden gegen Bäume geschmettert und weggeschleudert. Daran war nicht nur ihre Jähzornigkeit Schuld, sondern auch ihr Sturkopf. Aber all das Training hatte sich gelohnt – auch, wenn sie wusste, dass sie nie auslernen würde. Nie mit dem Training aufhören würde. Nie gut genug war. Nie aufgeben würde. Sie stieß sich von der Wand ab und entließ Dzul für heute, nachdem sie dieses kleine Etappenziel geschafft hatten. „Morgen, gleiche Zeit wieder.“, entgegnete sie dann mit krächzender Stimme, die keinen Widerspruch duldete und auch keine Fragen erlaubte.
Auf dem Rückweg stapfte sie neben ihm her und hob den Blick zum Horizont. „Wenn wir’s hinkriegen, dass du von Anfang an nich‘ mehr nebendran schießt oder nur den äußeren Ring triffst, wechseln wir zu beweglichen Zielen. Dafür haben wir auch Attrapn.“ Vor der Otze hob sie eine Hand an, die als Abschied diente und mischte sich unter den Trubel, um geist- und ruhelos in der Stadt umherzuwandern. Sie war müde, aber an Schlaf war nicht zu denken.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 14. Okt 2016, 23:33 
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(Das Ganze war noch vor der Rückkehr der Rotte Torfstich)


Kurz schaute ich nur in meine Tasche – ich zählte meine mageren Habseligkeiten. Neben einer zweiten Montur war da nicht viel, keine Bilder, kein Schmuck, keine Dinge die Erinnerungen wecken. So verschloss ich die Tasche, nahm mir das Kissen aus meiner Hängematte und stiefelte hinüber in das andere Quartier. Zu den „Vereidigten“, das rang mir ein halbwegs amüsiertes Schnaufen ab.
Hoffentlich würden sie mich nicht weiter beim Essen bedrängen und auf den Nerv gehen. Wie diese Priesterin, schimpft mich freilich frech. Ich hätte ihr gleich ihre Eingeweide zeigen sollen. Der Gedanke war eigentlich recht reizvoll wenn ich ehrlich bin. Mal schauen wie ihr Glaube damit umgeht. Ich war amüsiert, alleine von dem Bild in meinem Kopf, wenn auch keiner meine Züge es zeigte.
Monate war ich schon dabei, aber wie richtige Söldner wirkten die wenigsten. Viel zu weich gespült, viel zu nett. Klar – Tode waren traurig, aber sollten niemanden hier überraschen, noch erschüttern. Man weiß worauf man sich eingelassen hat. Idioten. Alle samt. Kurzer Hand warf ich meine Sachen auf ein Bett und meldete meinen Anspruch an. Ziel erobert. Rottenmeister Veidt soll wieder auf den Beinen sein. Was ein Offizier. Bei dem Gedanken, dass sowas einen Führer mimt wird mir glatt übel. Ein Kopfschütteln, ein Brummen. Nervig. Mehr nicht. Der wird auch schon draufgehen. Viel zu nett und zu unterschiedlich in der Führung. Beziehungen sollten einen Führungsstil nicht beeinflussen. Egal wer Freund oder nur Kamerad ist. Kein guter Offizier in meinen Augen, aber das wird die Zeit schon regeln.
Der einzige brauchbare Offizier schien der Kommandant, naja zumindest einer von vier. Lachhaft. Und diese Truppe hatte den Ruf einer harten Elite. Da hat man in Sturmwind wohl noch nie eine harte Elite gesehen.
Ich setzte mich auf das Bett und lies den Kopf kreisen, wobei ich eine Hand in meinen Nacken lege. Ich werde alt, das verrät mir das Knacken, welches von Jahr zu Jahr lauter wird. Ich kämpfe ja auch schon so lange, dass die meisten noch nicht einmal unterwegs waren, als ich anfing. Verdammte Kinder. Und dann will mich eine Priesterin auf meinen Rang verweisen weil ich ihr gegenüber frech werden soll. Ein amüsiertes Schnauben rang mir das schon ab, wenn ich auch grade daran denke das drei Männer ihr gegenüber erwähnten dass sie falsch läge. „Drei Männer können sich auch irren.“ Lächerlich. Das sich das Weib irren kann ist aber weit weg vom Schlag, gar unmöglich. Drei Leute sind ja bestimmt auch nicht einfach so einer Meinung, alles nur freche Schikane. Es rang mir ein Lachen mitsamt Kopfschütteln ab.
Das war aber nicht das einzige amüsante, da lässt sich die Narbenlandschaft von mir verprügeln und schreit nach mehr, will das ich härter zu ihr bin. Hat sie nicht gesehen wie ich die Männer in der Arena mitunter zerrissen habe? Verrücktes Weib. Dafür hab ich ihr immerhin die Rippe gebrochen. Wenn sie damit glücklich ist, Spaß hat es zumindest gemacht, das will man ihr lassen. Man stört einen Soldaten eben nicht beim Essen.
Kurz nachdem Gedanken stapfte ich wieder zur Messe an den Tisch und griff nach etwas Fleisch. Niemand war am Tisch, niemand wollte stören. Perfekt. Guter Tag. Vielleicht gibt es die Tage sogar wieder etwas zu tun. Mehr Opfer wie in der Arena oder auf dem Schiff. Zumindest etwas Ablenkung war ja gegeben. Vielleicht stellt sich die Narbenfresse ja nochmal für „Training“ bereit. Grinsend wurde das Fleisch zerrissen und in Mundgerechte Stücke aufgeteilt und verspeist. Warum will
jemand so verprügelt werden, das verstehe ich nicht. Muss wohl auf Schmerzen stehen, so wie ihr Gesicht und ihre Arme aussehen. Nicht mein Problem.
Da kam einer der wenigen Momente in denen ich mal nach rechts schaute – niemand regte ich, dann nach Links. Die Narbenfresse kam grade aus dem Quartier. Mein Blick beschaute ihre steifen und ungelenken Bewegungen. Guter Treffer Bernd. Wirklich gut. Wenigstens hält sie darüber die Klappe, das hätte Probleme bedeuten können. Ruhig schwenkt der Blick dann wieder auf das Fleisch. Weiter wird gegessen. Sie spricht mich nicht an, gut für sie. Hat wohl ihre Lektion gelernt, oder ist einfach noch nicht vollgestopft mit dem Goblinzeug. Ich hatte auf die Frage der Ärztin nur mit den Schultern gezuckt, was denn passiert sei. Und ich hatte sie grimmig angeschaut. Hat gereicht. Es ist recht amüsant zu beobachten, aber warum versuchten sie mich zum Reden zu bekommen. Warum wollten sie das Gespräch mit mir suchen. Wirke ich so einladend? Ich glaube nicht. Und wenn mich dieses dumme blonde Stück Scheiße noch einmal Sonnenschein nennt, reiß ich ihr die Luftröhre raus. Oder schlag ihr, ihre dumme Fresse ein. Durch atmen. Schnauben. Essen. Schon war die Wut gewichen.
Meine rechte Hand rückte in meinen Fokus, ich drehte und wendete sie, ballte sie und lies wieder locker. Das unangenehme Zucken in der Hand verschwand. Gut. Ein Griff in meinen Tabakbeutel, das bewehrte Etui wird gezogen und daraus eine Gedrehte. Nur noch Fünf. Kurzer Hand wird das Ding zwischen die Lippen geführt und auch angezündet. Das Zunderhölzchen wird ausgewedelt und auf den Boden geworfen und zertreten.
Die Zeit der Alpträume war schon lange vergangen, doch es stimmte mich etwas unwohl, dass wir wohl mehr mit so etwas zu tun bekommen. Wenn dieses „Ding“, welches wir jagen, in meinem Kopf rumspuckt. Mir wird unwohl, wenn auch nur für einen Moment, denn dann führe ich den Gedanken fort. Dann werde ich es zerfetzen. Niemand bringt die Erinnerungen von damals wieder hoch.
Kopfschütteln. Ich weiß was diese Wesen im Stande sind zu leisten, welche Licht oder Schatten wirken. Wenn diese Priesterin es auch nur versucht in meinen Kopf zu kommen. Tut sie nicht, rief ich mir in den Kopf. Hoffe ich für sie. Sonst muss sie dran glauben. Keine Kompromisse. Kein Entschuldigen. Nur Problembeseitigung.
Die Narbenfresse sprach mit einem Hauch von Bewunderung vom Arenahelden. Aber für die meisten in Gadgetzan war es eher Furcht und Angst. Ich war ja förmlich blutüberströmt. Nichts was mich stört. Ablenkung. Mehr suche ich hier nicht. Ablenkung vor allem was war. Da verpflichtet man sich auch ruhig mal für Lebzeiten. Ist bei Söldnern ja eh nicht so lange. Niemand wird zurück gelassen. Niemand wird fallen gelassen. Kein Verrat. Kein Pakt mit Untoten. Mehr Richtlinien gibt es für mich nicht mehr. Schütze wenn du kannst. Wenigstens einmal im Leben.
Und sie fragten wieso ich so wenig rede und so brummelig bin. Niemand versteht sowas bis er es gesehen hat. Verraten von allem was einem lieb und teuer war, nur wegen einer falschen Entscheidung. Nur eine Entscheidung die alles in das Verderben führt. Die den Tod von geliebten Menschen bedeutet. Ich werde mich im Tod für viel zu verantworten haben. Zu viel. Keine Gnade im Tod – so heißt mein Los. Bei meinem Glück spiele ich nur immer diese Erinnerung nach. Immer und immer wieder. Bis ich Buße getan habe.
Aber Ich und das Glück – so schnell werden wir keine Freunde. Dann schließ ich mich auch den einzigen Söldnern an, die so viel Dreck am Stecken haben. Landschaften ausradiert haben und sich mit Druiden angelegt haben. Einfach nur Klasse. Die Elite. Der Abschaum der Welt wohl eher. Passender Ort für mich.
So werde ich doch noch aus meinem Gedanken gerissen. Mir ist nicht einmal aufgefallen wie die Leute an den Tisch gekommen sind und reden. Wie kann man so netherverdammt viel reden. Werden die nicht irgendwann satt von ihrem eigenen Scheiß? Kopfschütteln, schnauben. Dafür ernte ich einen Blick, aber mittlerweile versucht man nicht mehr mich einzubinden. Glück für sie.
Wenigstens darf ich ihnen jetzt in ihre dämliche Fresse schlagen ohne mit Strafe rechnen zu müssen. Ob die hier überhaupt jemals etwas von Drill gehört haben? Ich glaube nicht. Lächerlich. Mehr hartes Training. Formationslauf bis man Kotzt und dann Kampftraining. Und so hörte man nur wie lächerlich die Trainingseinheiten sein oder wie sie zu hart sein. Hat wohl noch nie jemand in ner Kampfeinheit gedient.
Beschweren können sie sich alle, aber dann weinen sie, weil irgendwer stirbt, wenn die Formation wegen einem Fehler bricht. Weiter will ich nicht. Eid und Sold. Ich führe meine Befehle aus, mehr mache ich nicht. Mehr soll man nicht machen, denn es gibt solche die Befehlen und solche die Folgen. In einer Einheit muss jedes Glied funktionieren sonst bricht die Kette. Kämpfen bis zum letzten. Jeder für jeden. So sollte es sein. Aber das haben sie hier weder verdient, noch verinnerlicht. Grüppchenbildung. Sozial, wie im Kampf. Man sollte radikal degradieren und erneut fähige Rottenmeister finden. Vor allem keine Magier. Sowas gehört da nicht hin. Verdammte Magier. Reißen einfach noch den besten Kämpfer auseinander. Das hat nichts mit Kriegsführung zu tun. Da ist einfach nur eine Schande für einen Kampf.
Ruhig drehe ich mich auf der Bank, erhebe mich und stapfe in das Freie. Es ist heiß. Was eine Feststellung und dann auch noch so unerwartet. Klasse. Ich hasse es.
Wie es den anderen alten Veteranen wohl geht? Wohl nicht besser. Ich hörte Orodaro sei aus Andorhal. Einer der Gründe warum der Mann Format hat. Nicht so ein weichgespültes sturmwinder Offizierskind. Oder Abschaum. Davon gibt es dort ja reichlich. Schimpfen sich Zuflucht. Ratten in einem Nest sind das viel eher. Sollte alles vernichtet werden. Jeder dieser Bettler. Gebt ihnen Arbeit – wenn sie gewillt sind, wenn nicht rottet sie aus, so ein Pack braucht das Land nicht.

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"Man sagt,
am Ende wird alles wieder gut.
Wenn es noch nicht gut ist,
ist es noch nicht das Ende."


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