Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 18. Okt 2016, 11:27 
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Es herrscht nur reges Treiben im Quartier des Dämmersturms. Hektische Atmung, unruhiges Wälzen. Die Ärztin und die Priesterin versuchen den gepeinigten Seelen und den verletzten Körpern Linderung zu verschaffen. Aber es sind so viele. Die junge Magierin kommt selbst sehr schlecht aus ihrer Hängematte, aber sie zwingt sich zu Tisch und schmiert unter Anstrengung ein Brot, trinkt Wasser und Tee. Während sie sich stärkt fährt ihr Blick durch die Reihen. Es ist nur noch der eines Auges und sie bleibt an einem Bett hängen. Ein schweres Durchatmen geht dem Aufstehen voraus. Doch ihre Beine tragen sie nicht zu ihrer Matte, nein. Sie wandert zu ihrem Rottenmeister. Der arme Kerl hatte einiges abbekommen. Sie setzt sich neben ihn und legt die neuerdings behandschuhte Hand auf seinen verbundenen Brustkorb. Das Herz schlägt wild und dennoch wirkt er kränklich unter seinen wirren Träumen. Er zuckt, er dreht sich hin und her - und ihr bleibt kaum etwas anderes als zu zusehen. Sie zieht die Finger zurück und verzieht das Gesicht schmerzlich. Was war nur geschehen?
Das blasse Auge schließt sich, während sie den Mann betrachtet. Er sah furchtbar aus. Ein Schatten seiner selbst. Ein schlechtes Imitat. Eine andere Person beinahe. Sie drückt seine Schulter in die Matratze und versucht so seinen Körper ein wenig zu beruhigen. Sie hat kaum noch Kraft, schafft es aber dennoch die Hand an seinen Schopf wandern zu lassen. Sie streichelt sacht über seinen Kopf, versucht ihn auch mit ihrer Stimme zu beruhigen. Nur langsam schüttelt sich ihr Kopf und dabei streicht ihre eigene Kapuze über ihr Haar. Der Mann windet sich noch immer unter seinem Verstand und das ausgemergelte Mäuschen sieht ihn lange an, ehe sie den Kopf an seine Halsbeuge legt, sich unter den eigenen Armen versteckt und der Körper unter leisem Schluchzen geschüttelt wird. Was war bloß passiert...


Auch die gilnearische Schützin konnte in Anbetracht der Verwundeten nicht lachen. Nicht vor Freude, nicht vor Hohn - sie hielt sich bedeckt. Nachfragen nach Hilfe kam sie gewissenhaft und ordentlich nach, dennoch tat sie nichts aus eigenem Antrieb heraus. Für niemanden. Rottenmeister Torfstich und Reddick und auch der Kommandant erhielten immer wieder längere Blicke, die niemals im Ansatz zu deuten waren. Vielleicht Mitleid. Oder stille Vorwürfe. Gar unausgesprochener Spott? Wer mochte das schon wissen außer sie selbst. Sie ist viel unterwegs, ob in der Stadt oder bei Zielübungen. Sie war immer pingelig, aber in den letzten Tagen säuberte sie ihre Waffen überdurchschnittlich häufig. Sie trank mehr. Rauchte mehr. Und war noch schweigsamer, noch unlesbarer, noch kälter. Die silbergrauen Augen schienen mehr und mehr zu erfrieren.


Die Nahkämpferin, die Söldnerin, die Geisel. Sie war seit der Rettung noch immer nicht ansprechbar gewesen. Und sie sah furchtbar aus. Mittlerweile lag sie in ihrem Bett des Gasthauses. Die Zeit inmitten des Kultes hatte tiefe Narben geschlagen. Verletzungen, die sie auch in ihren Träumen auf dem Krankenbett heimsuchten. Es gab kaum Momentene, in denen sie nicht hektisch atmete, sich nicht qualvoll unter den Alpträumen wand'. Manchmal hörte man sie sogar tief in ihrer Gedankenwelt leise wimmern. Sogar die Priesterin würde nur für kurze Zeit helfen können. Überraschender Weise waren kaum Wunden an ihr zu finden. Alle Gliedmaßen waren noch vorhanden. Aber.. Die Auswirkungen der Magie zeigten sich nur zu deutlich an der einst so wunderschönen Blondine.

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"I can. I will.
Believe that.
"
-Roman Reigns


Zuletzt geändert von Nokomis am 20. Okt 2016, 00:29, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 18. Okt 2016, 17:06 
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Sirius


Gemurmel in der Nacht; hektischer Atem; unkontrollierte Zuckungen der Gesichtsmuskulatur - Unruhig war der Schütze, was bei ihm selten zu sehen war, selbst wenn die Kugeln um seinen Kopf herum sausten und er keinen seiner Schüsse korrekt setzen konnte, verharrte er stehts in aller Seelenruhe als wäre das Schicksal auf seiner Seite, doch der Rotteneinsatz forderte seinen Tribut. Noch nie war er dem Nether ausgesetzt, oder zumindest nicht in dieser Intensität, was sich nun deutlich abzeichnete. Die Haare vielen ihm Büschelhaft aus, zeigten ein eingefallenes Gesicht, dessen rechte Wange zerfetzt war, dort wo ihm sein Lauf im Gesicht explodiert war. Eine Wunde die ihn vermutlich nie wieder korrekt trinken oder essen lassen würde, ohne dass die Hälfte gleich wieder hinaus fällt oder die umherstehenden dezente Kotzanfälle erleiden würden, doch war etwas seltsam an der Wunde. Die Ränder waren nach der ersten Nacht bereits nicht mehr ausgefranst, sondern sie schienen sich zu verhärten und zu ergrauen. Zweifelslos ging es nicht mit rechten Dingen vor sich. Die Alpträume machten es nicht besser. Blutunterlaufene Augen zuckten unter geschlossenen Lidern wild umher, begleitet von einem zuckenden Kopf, der sich immer wieder ins Kissen presste und rechtsseitig blutig schmierige Sabberflecken hinterließ. Dann und wann wimmerte er, sprach unverständliches und des Nachts konnte man ihn manchmal grollen hören. Auch jetzt schnaufte er verbissen als würde er um sein Leben rennen, gefolgt von einem abgehakten Grunzen, welchem einige lange atemlose Sekunden folgten, bis er keuchend für mehrere Stunden beinahe vollständig zur Ruhe kam und er ein höchst amüsiertes Gegacker entließ. Ein Zyklus der sich unberechenbar immer wieder fort trägt.

Thargrim


Thargrim hatte nicht mehr gesprochen seit er dem Kommandanten nach dem Tod des Hexenmeisters die legendäre Klinge Nachtwind zurückgereicht hatte, die durch den gewaltigen Chaosblitz und dem damit verbundenen Flug des kolossalen Orodaro in den Sand geschleudert wurde. Nicht viele hätten einen solchen Schlag überleben können und doch sah er den Kommandanten fassungslos und erschüttert im Sand sitzen - nicht einmal das Bewusstsein hatte Tim Orodaro verloren. Respekt machte sich in seinem Geist breit, doch wo sich Respekt breit machte, machten sich auch andere Emotionen breit. Wut, Hass, Trauer, Verzweiflung - der Umstand dass er nach all den Jahren in denen er ähnliches durchaus schon einmal erlebt hatte - es sich nach wie vor nicht erklären konnte wie derlei Hexerei möglich war. Wie jene Mächte über solch ein zerstörerisches Potenzial verfügen konnten. Unzählige Male hatte er sich auf dem Rückweg ausgemalt wie er mit den Gemischen direkt auf den Hexenmeister zugerannt war, ihn einfach mit sich in die Luft gejagt hätte um die Verbündeten zu retten. Unzählige Male hatte er den Kommandanten dafür verflucht die Formation nicht nach vorn marschieren zu lassen damit auch die Nahkämpfer sich zur Wehr setzen konnten und man sich nicht nur auf die Schützen hätte verlassen müssen.

Er sprach nicht auf dem Weg; er sprach nicht als sie die Otze erreichten und wieder in Sicherheit waren. Sicherheit, was war das schon? - Wo fand man jene überhaupt noch auf diese vermaledeiten Welt? Der Schmied verschwand nach kurzer Zeit in seinem Zimmer und fiel beinahe sofort in den unruhigen, von Alpträumen geplagten Schlaf, bis man mitten in der Nacht sein markantes, markerschütterndes Grollen durch das Gasthaus hören konnte - ein Grollen dass Flüssigkeiten in Gefäßen erzittern und irgendwo Reissäcke umfallen ließ. Wütend stieß er die Tür auf, sah sich um und fasste sich ans rechte Auge, dass milchig erstarrt war, sich nicht mehr rührte, er nicht mehr fühlen konnte, während es vor sich hin tränte und das noch gesunde Auge vor Wut weinte. Die rauen Fingerkuppen tatschten am Augapfel herum und kratzten es versehentlich heraus und ließ den blutigen Klumpen erschrocken zu Boden fallen. Schieres Entsetzen wandelte sich in blinde Wut in welcher der Schmied den Gemeinschaftsraum zerlegte - Bänke und Tische wurden zertrümmert, mit blutigen Händen zerschlagen und flogen durch den Raum. Man wird mehrere Personen gebraucht haben um den verletzten Zwerg niederringen und beruhigen zu können.


Zuletzt geändert von Dzul am 18. Okt 2016, 17:22, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 18. Okt 2016, 17:12 
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Wer im Käfig sitzt, soll keine Lieder singen

»Auch wenn man das Übel in den tiefsten Kerker sperrt, kann man nicht davon ausgehen, dass man vor ihm in Sicherheit ist. Ein böser Geist lässt sich schließlich nicht von Gitterstäben aufhalten.«

- koladische Weisheiten zum Sonntag


Tief in der Nacht hallten Schüsse in der Nähe der Otze, als das Mischblut wieder Schießübungen mit Wilfred´s Revolver nachging. Wieder hielt sie es mental nicht aus in der salzigen Otze, welche im Moment mehr Lazarett als alles andere war. Unruhige Träumer, Klagelaute, Pein, Tränen, Wahnvorstellungen und Zorn herrschten auf engsten Raum vor und regten den tief schlummernden Zweifel an. Der schwefelhaltige Geruch der in der Luft lag, brannte sich widerwärtig mit jedem Atemzug in die Lunge ein. Man konnte förmlich den Tod schmecken, oder aber man war solch ein abgedrehter Gourmet, welcher an der Vorspeise der Macht geleckt hatte, und den Hauptgang vor lauter Hunger nach mehr nicht mehr abwarten konnte. Hier taten sich unmenschliche Abgründe auf, und nur die Zeit selbst würde zeigen wer diesem Wahnsinn unterlag, oder ihm tatsächlich die Stirn bot. Diesen beschwerlichen Weg kannte sie nur all zu gut, und dieser war sehr lang und steinig. Auch sie gehörte zu den Nether Berührten - Aber das war eine Angelegenheit, ein Risiko, auf das sich jeder Spruchwirker einließ, sobald er sich mutwillig ins Meer des Arkanen warf. Nicht umsonst war ihr reines Wesen derartig verzerrt und skurril in seiner Art, wobei langjährige Gefangenschaft und Tortur ihr übriges hinzu dichteten. Meditation lehrte sie, das innere Chaos zu einer Ordnung zu manifestieren, und sie erst dann zu entfesseln, wenn es genau die Richtigen traf. Und wenn dieses geordnete Chaos nichts anderes als einen matschigen Blutfleck hinterließ, dann konnte man wirklich von formschöner Vollendung sprechen. Gar von tiefster Befriedigung. Das Ende eines Kreislaufes, welcher sich für Nether Berührte in Dauerschleife wiederholte.

PLATSCH! PLATSCH!
Zwei Schüsse suchten sich ein anderes Ziel, als sie den Arm ruckartig hochriss und zwei nervige Möwen anschoss. Federn segelten wie Schneeflocken durch die Luft, während eine Möwe dumpf in den tanarischen Sand klatschte, und eine zweite Möwe einen herben Streifschuss erlitt, welche ihr einen Flügel zerfetzte. Mit einem Flügel ließ es sich wahrlich beschissen fliegen, aber genau das war ihr nur recht. Zwei gesunde Beine waren auch ein Fortbewegungsmittel. Dieses Federvieh sollte einen großen Bogen um sie herum wandern, denn Verlockung war unheimlich hoch angesiedelt, diesem lästigen Vieh das Fliegen auf eine andere Art beizubringen.

Schnaubend klemmte sie den rauchenden Revolver zwischen ihren Gürtel - denn einen Halfter hatte sie nach wie vor nicht - und machte sich langsam auf den Weg wieder die salzige Otze zu betreten. Man könnte meinen, das man eine Trauerfeier betrat, und man sich darüber wunderte das keiner in der letzten Reihe anfing zu lachen. Sie hätte gelacht, so wie sie es immer tat wenn sie zufällig in Sturmwind auf dem Friedhof zugegen war, um dem blinden Hassler seinen Rum am Grabe vorbeizubringen - Ungewiss ob er wirklich tot war, aber wirklich essentiell war doch letztendlich nur die nette Geste. Hier war es anders. Hier war ihr einfach nicht zum Lachen zumute. Selbst die, die sonst immer tüchtig schnatterten und witzelten hielten ausnahmslos den Rand und gingen mit gesenktem Haupt durch die Reihen. Der Vergeltungstrupp hatte etwas schier Unmögliches geleistet, wovon in Ehrfurcht gesprochen wurde. Die Frage die sich dabei auftat: Konnte man hier wirklich von einem Sieg noch sprechen? Der zu zahlende Preis dafür machte dies irgendwie nicht wett - Zu mindestens in ihren Augen nicht. Zahlreiche Söldner die vom Nether berührt wurden, und sollten sie mental unterliegen, so würde das Bild eines gestandenen Söldner verschwimmen und mit dem Bildnis eines Wracks ersetzt werden. Dann hieß es nicht mehr dem Sturm entgegen, sondern dem blanken Irrsinn entgegen.

Nachdem sie den Revolver bei ihrem Quartier unterbrachte, besuchte sie ein weiteres Mal Sirius Ressley und setzte sich neben seinem Quartier nieder. Sie sprach nicht mit dem Bewusstlosen, auch sah sie ihn überwiegend nicht an. Sie glänzte lediglich mit Präsenz, und das musste vollkommen ausreichen. Der Anblick auf seinen bandagierten Schädel fiel ihr schwer, so ganz neben der Tatsache das er von fürchterlichen Alpträumen heimgesucht wurde. Ihre Nackenhaare stellten sich gar auf, sobald der schmierige Scharfschütze anfing ein hässliges, abstraktes Gackern aus seiner Kehle entweichen zu lassen. Wie gravierend war seine Kopfverletzung, und wie gravierend war er dem Nether ausgesetzt? Würde er sich an sie erinnern? Würde er sie gar erdrosseln wollen, weil er in einer Wahnvorstellung etwas ganz anderes in ihr sehen könnte, als eine Verbündete und ein Fundamentstück aus einem alten Leben, welches hätte besser sein können?

Lange konnte sie nie sitzen bleiben neben ihm. Es schmerzte. Die Tatsache das es schmerzte wollte sie sich selber nur ungern eingestehen. So kam ihr die kleine Aufgabenverteilung der leicht molligen Priesterin von neulich nur gelegen - Auch wenn sie dem Griesarsch Fischer seine Kiste bringen musste. Die Tatsache das er erwachte, wie gewohnt sein Gesöff saufte und dabei rauchte hatte irgendwas erbauliches an sich. Vor allem diese ungemein staubtrockene Art.
Sogar bei Alexander Garcia ließ sie sich lünkernd blicken - Immerhin stand noch eine Rechnung offen bezüglich der Taufe, wovor sich auch nicht der Strohkopf retten konnte. Beschissen war gar kein Ausdruck mehr, um seinen Zustand angemessen in Worte zu fassen, ebenso wenig wie bei den anderen, welche geborgen werden sollten.

Umgeben von Nether Berührten und Nachwuchs Wahnsinnigen. Ein Grund mehr sich heimischer zu fühlen in den Reihen des Söldnerbundes, und vielleicht gar mit der Zeit als Familie zu akzeptieren, welche sie nie hatte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 18. Okt 2016, 17:48 
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Immer häufiger zog sie sich zurück, verließ die Basis des Dämmersturms. Die Schritte führten sie im Schneckentempo durch den Trubel Gadgetzans, hin zum Hafen und an diesen vorbei zu ruhigeren Gebieten des Strandes. Ein stiller Ort, genau das was sie in diesen Momenten brauchte, etwas, dass sie seit ihrer Rückkehr eigentlich ständig brauchte. Doch für ständig war keine Zeit. Eine Palme, samt ihrem Schatten, war das auserkorene Ziel, unweit entfernt vom Ufer des Meers. Eine schwerfällige Bewegung, in der Daraja sich mit dem Rücken am Stamm gelehnt auf ihre vier Buchstaben hockt. Dumpf landet ihr Hinterkopf an der Stütze und sie schließt die Augen.

Die letzten Tage hatten ihre Spuren hinterlassen. Der schreckliche Kampf, die beschwerliche Rückreise durch die Wüste - mit all den Verletzten, die Albträume, die sie nachts heimsuchten. Die Wunden der verletzten Kameraden wollten gesäubert, Salben aufgetragen und Verbände gewechselt werden. Dazu versuchte sie jedem Gesellschaft zu leisten, der nicht bei Bewusstsein war, sie sollten sich nicht alleine fühlen. So strich sie von Bett zu Bett, rückte Decken zurecht, strich Haare aus den verschwitzten Gesichtern und erzählte ihnen mit leiser Stimme irgendeinen Stuss. Es war nicht wichtig was sie erzählte, aber sie erzählte.

Wenn sie sie sich dann doch mal in ihre Ecke verzog, um zu schlafen, wurde sie von Albträumen geschüttelt und wenn es nicht ihre Albträume waren, so weckten sie die Albträume der Anderen. Das Ergebnis ihrer Bemühungen waren dunkle Schatten unter den müden Augen und ein ausgezehrtes Gesicht.

Ruhe. Das war sie was sie hier draußen fand. Hier konnte sie ihre Gedanken sammeln. Hier interessierte es niemanden, dass ihre Hände häufig zitterten. Hier würden keiner Fragen gestellt. Tief zieht sie die Luft in ihre Lungen, lässt den einschneidenden Abend immer wieder Revue passieren, wo andere fragen was geschehen war, wusste sie es. Sie hatte es bis zum Schluss gesehen, bis zum Ende miterlebt. Sie hatte ihre Kameraden zu Boden gehen sehen, hatte gesehen, wie sich der Sand vom Blut rot färbte. Hörte die Schreie des Hexenmeisters, sah wie der Riesendämon aus seiner Grube aufstieg, sah den Kommandanten stürzen. Luftholen. Es war nicht das erste Mal, nichts davon… naja, fast nichts. Sie hatte nicht das erste Mal, den Einfluss des Nethers verspürt, nicht das erste Mal Dämonen gesehen oder bekämpft. Doch waren die vorangegangenen Male immer die Paladine und Priester der Kirche des Lichts an ihrer Seite gewesen. Und genau das machte den Unterschied.

Beherrschung, das war es was sie derzeit brauchte. Wenn sie in den letzten Jahren etwas gelernt hatte, dann war es sich zu beherrschen, es war wichtig. Keiner wollte eine Daraja, die sich Wut und Zorn hingibt. Mal war es einfacher, mal schwerer. Zumeist aber war sie ganz im Gleichgewicht, so wie es die Druiden vormachten. Sie hatte von ihnen gelernt zu meditieren, ihre Gedanken zu sammeln, zu sortieren oder sich ganz von ihnen abzuwenden und einfach nur zu sein. Jenes waren in diesen Tagen die Momente, wo ihr Körper Erholung schöpfte. Seit dem Einsatz fiel es ihr aber besonders schwer, es zerriss sie fast und kostete unheimlich viel Kraft. Sie war aus dem Gleichgewicht.

Wieder atmete sie im Schatten durch, distanzierte sich von ihren Gedanken, ließ sich vom Nichts umhüllen und rastete. Sie verlor kein weiteres Wort über den Einsatz.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 18. Okt 2016, 23:24 
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Unruhig liegt der Rottenmeiser in seinem Bett, denn er war wieder nah dran das Bewusstsein wieder zu erlangen. Das ihn eine Samara versucht hat zu beruhigen, das war ihm wohl weniger bewusst. Am ersten Tage hier lag er ruhig. Der Körper und der Geist ruhte. Jetzt kamen die Alpträume, jetzt kamen die Stimmen.
Die Stimmen flüsterte Dinge in den Traum. Sprachen Unwahrheiten und zermürbte den Geist. Plötzlich öffnete er die Augen, mitten auf einer Düne lag er. Vor Schmerzen krümmt er sich und murren auf, hinter der Düne erschallten Kampfgeräusche. Er murrte lautstark als er sich über die Kante der Düne zog. „Sie werden alle sterben, du schwacher Mensch“, erschallte eine Stimme die er durch umsehen nicht Vororten konnte. „Nicht solange ich lebe.“ War nur seine gemustert Antwort. Da war sie. Die Kante. Endlich sah er wer kämpfte. Die Dämonen hatten Menschen umkreist. Sie waren ihm gut bekannt. „Suche wirst sie alle verlieren.“ Dort standen sie. Marla, Fayren, Mayenne, seine kleine Schwester Emma, Finnje, Bruces, Iris. All die Menschen die ihm so lieb und teuer geworden sind. Er musste Ihnen helfen! So kämpft sich der Rottenmeister auf die Beine und griff nach seinem Bogen. Blind wohlgemerkt. Ebenso der Pfeil. Er legt den Pfeil ein und zieht die Sehne mitsamt Pfeil zurück zum Kinn. Ausatmen. Anpeilen. Stürzen. Nein das passt nicht rein, aber er stürzt, weil er auf den Boden der Hochebene gedrückt wird. So schnell kommt man in das Hochland. Wieder ein ächtzen. Jetzt kam er nich mehr hoch, denn ein Knie fand in seinem Nacken Platz. „Nein!“ Brüllt Vaeln aus vollsten Kehle als nach und nach seine Freunde und seine Familie abgeschlachtet wird. Er schloss dir Augen. „Das kann nicht wahr sein.“ Entkam es seinen Lippen.
„Wenn du es nicht glaubst, schau doch hin.“ Die Gestalt auf ihm beugte sich vor und riss ihm die Augen auf. Sie waren alle tot bis auf Emma. Sie kroch auf Vaeln zu, ein verzweifelter Blick lag ihren grünen Augen inne. Ein Schreiben des Entsetztens entwickelt dem Meisterschaften, der nichts meisterhaftes vollbringen konnte. Aber dennoch warf er sich von Seite zu Seite. Versuchte zu kämpfen! Und stellte entsetzt fest das eine Gestalt in schwarz über dem Fuchsroten Haar Emmas stand und seine Klinge hinabstreicht und der Frau das Genick durchstarten und sie somit tötete. „Warum?! Oh nein…“, Tränen stiegen bei den Schreien schieren Verzweiflung auf und an seiner Wange rennen sie hinab.
„Warum willst du wissen? Damit du wieder allein bist.“ So ließ dir Gestalt ihn los, die anderen verschwanden und er war mit den Toten alleine. Er krümmt sich und robbte zu der geliebten Schwester hin. Er setzte sich auf und zog sie auf seinen Schoss. Minuten ohne Wort vergingen, Trauer, Tränen und Schluchzen gingen mit dem an sich drücken des toten Leibes einher.
Langsam kochte die Wut auf. Er ließ Emma los und zog ihre Messer. „Wo seid ihr, ihr Bastarde?!“ Er blinzelte. Szenenwechsel. Keine Toten mehr, nur eine Folterkammer. „Warum hast du uns nicht bewahrt Bruder. Du hättest alle retten können. Aber du Nichtsnutz kannst einfach nichts richtig machen, du Abschaum.“ Giftete es ihn von hinten an. „Stirb elendig Vaeln.“ „Emma.. ich..“, da bekam er einen Knebel ab. Ein Knecht trat auf ihn zu und begang ihm die Haut von Körper zu ziehen. Rasch verlor er das Bewusstsein und fand sich in Schwarze wieder.
Er zusammen mit seiner größten Angst. Denn er schrie und wurde nicht erhört. Seine Liebsten waren ihm genommen und dort war er. Alleine. Und hatte alles lebenswerte verloren. Freunde und die Gesellschaft. Er war alleine und verlassen. Er schrie. Immer lauter. Und es kam nichts.

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"Man sagt,
am Ende wird alles wieder gut.
Wenn es noch nicht gut ist,
ist es noch nicht das Ende."


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 19. Okt 2016, 12:11 
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Dzul


Es dauerte einen Tag nach der Rückkehr der Rotte Reddick, bis Dzul von seiner Trainingseinheit mit der Hyäne wieder in Gadgetzan eintraf. Es war die erste Trainingseinheit, bei der er Larry erste Kommandos beibringen wollte, die für den Kampf notwendig waren und die man bereits von Skorg kannte. Pfiffe waren es vornehmlich, die es ihm damals ermöglichten, Skorg aktiv und dynamisch im Kampf einsetzen zu können, weshalb er die meiste Zeit versuchte die Hundeausbildung für die Hyäne umzuwandeln und auf das Tier anzupassen, denn - wer hätte es gedacht - Hyänen sind keine Hunde. Die Trainingseinheit war mäßig erfolgreich, denn es war das erste mal dass Dzul mit dem Tier das Gehege verließ und außerhalb der Stadtmauern an einem abgelegenen Ort, der noch in Reichweite zur Stadt war, das Tier von der Leine ließ. Zwar konnte er ihm noch keine wirklichen Angriffsbefehle beibringen, doch hörte Larry wider aller Erwartungen des Herren zumindest auf Rufkommandos und die klassischen Befehle, auf die jeder Haushund hören sollte. Die Anpassung des Phase-1 Trainings hat wohl immerhin doch etwas bewirkt. Als Dzul wieder am Gehege an kam trug Larry keine Leine mehr und lief auch bereitwillig zurück in den umzäunten Bereich.

Gut gelaunt marschierte der Plänkler im Anschluss in die Otze, wo's ihm die Stimmung auf einen Schlag zerschmetterte. Er sah sich schweigend um, blickte in die erschütterten Gesichter seiner Kameraden und sah die gepeinigten Streiter der Rotte Reddick in ihren Betten und Hängematten. Es war wie ein Kriegslazarett, nur deutlich sauberer und weniger blutverschmiert, doch die schwere Holztafel die sonst immer reichlich gedeckt war, war teilweise zertrümmert und aus dem Weg geschafft worden, Rottenmeister, Söldner und Mitläufer belegten ihre Betten und lagen mit blutigen Verbänden und den mutierten Auswirkungen des Einsatzes von Albträumen geplagt da, während die Priester und Ärzte zu helfen versuchten, wo sie nur konnten, ohne dabei in Hektik zu verfallen. Es war schlichtweg konzentrierte Effizienz, die an den Tag gelegt wurde.

Dzuls Blick schwenkte jedoch nach links zu den Söldnerquartieren, wo man ein Bett nach dem anderen - auf der Suche nach den vermissten - abklapperte und schließlich die gesuchte Person ausmachte. Zähne mahlten aufeinander als er sich schweigend in Bewegung setzte, Kameraden auswich und umging, bis er schließlich an Aylen' Bett trat. Der Blick war auf sie gerichtet, musterte den geschundenen, teilweise gräulich und merkwürdig verwesend anmutenden Leib einige Augenblicke lang, ehe die Pranke sich am Schwertknauf verkrampfte. Schwer durchatmend sah er sich um und zog einen Stuhl heran und ließ sich rechts neben ihrem Bett nieder, als wäre es nötig bis zu ihrer Genesung über sie zu wachen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 19. Okt 2016, 12:36 
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Rena
Fasziniert sah Rena dem Schmiedezwerg dabei zu, wie er alles in der Otze zerlegte. Sie hatte nach dem Aushang der Priesterin mit vielen Nebenwirkungen gerechnet – aber nicht, dass die Hälfte des Söldnerhaufens dem Wahnsinn verfiel. Sie wich einen Schritt zur Seite, als ein geworfener Stuhl gefährlich nah neben ihr an der Wand zertrümmerte.
Es war erstaunlich, wie sehr diese Nethermagie korrumpieren konnte. Wirklich. Die Messerwerferin kam damit auch nicht klar; mit den Albträumen, den Schwächeanfällen, dem Jähzorn und vor allem dem Verlangen, sich öfter in solche Situationen zu begeben. Ihre Hand schloss sich zu einer Faust bei dem Gedanken. Das durfte nicht passieren – sonst war sie den Wappenrock schneller los, als sie wollte.
Mit eiligen Schritten verließ sie die Unterkunft, um nach frischer Luft zu schnappen. Jeder Raum fühlte sich eng und unwirklich an. Langsam stellen sich ihre Härchen an den Armen auf und sie durchlief einen kalten Schauer. Die einzige Veränderung die sie an sich selbst festgestellt hatte war, dass ihre Eckzähne sich unnatürlich verlängert hatten und anomal spitz wurden. Darüber hinaus hatte sie ein permanent ungutes Gefühl, dass sich wie ein Knoten im Magen auswirkte. Sie wusste nicht genau, was es war – vielleicht war es auch nur die Realisation dessen, was gerade erlebt wurde. Und die kam recht langsam. Im Verdrängen war sie Meisterin. Schlimmer konnte es ja nicht werden. Oder doch? Das Wappen des Sturms schien Ärger förmlich anzuziehen.
Mit – für ihre Verhältnisse – trägen Schritten entfernte sie sich. Sie ertrug die Stille in der Otze nicht. Auch nicht die besorgten und mitleidigen Blicke, die sie alle seit der Rückkehr ernteten. Seufzend ließ sie sich an der Stadtmauer nieder und starrte der untergehenden Sonne entgegen. Bald würde sie wieder mit dem Training anfangen, dass würde sie schon genügend ablenken.

Aylen
Seit der Rückkehr lag die Magierin starr auf dem Bett – wie eine Statue war sie zur Regungslosigkeit verdammt, zu der sie das Koma zwang. Am ersten Tag konnte man tatsächlich meinen, dass sie nur aus Stein wäre; ihre Haut hatte eine blasse Farbe angenommen, sodass sich schwärzliche Adern nicht nur im Gesicht unangenehm hervorhoben und sie neben den tiefen Schatten unter ihren Augen kränklich wirken ließen. Die grün-gräulichen Flecken, die arg nach verwesenden Hautpartien aussahen, bedeckten ihren ganzen Körper, wobei die unförmigen Flecken am Hals und an beiden Wangen am auffälligsten sind. Generell wirkte ihre Haut porös, zeigte eine pockennarbige und teilweise auch rissige Struktur auf.
An den darauffolgenden Tagen zeichnete sich ein drastischer Gewichtsverlust ab, der ihre zierliche Statur ausgemergelt erscheinen ließ und es besonders deutlich an den eingefallenen Wangen machte. Haare fielen ihr aus, sodass sie spröde wirkten und deutlich ausgedünnter waren. Darüber hinaus verfärbten sie sich langsam aber sicher in einen hellen Grauton, wobei einige Strähnen noch an dem schwarz festzuhalten scheinen.
Innerhalb dieser Zeit passierte noch etwas mit Aylen; sie alterte. Falten gruben sich in das Antlitz der Magierin, die mit ihrem Alter eigentlich in der Blüte ihres Lebens sein sollte. In Verbindung mit den grauen Haaren sah sie aus, als wäre sie nun mittleren Alters.
Es dauerte auch nicht mehr als einen Tag, als sich ihre Starre löste – aber sie ging nicht in einen Wachzustand über. Stattdessen wimmerte sie, weinte sie, schrie sie. Ihre Hände suchten Halt, krallten sich im Laken fest. Ihr Körper krümmte sich, sie verkrampfte und wurde von Anfällen heimgesucht. Ab und an murmelte sie vor sich hin – das Spektrum reichte von Zauberformeln bis hin zu arg konfusen Gesprächsfetzen, die von nervösem Gekicher bis hin zu ruckartigen Gesten der Hände begleitet wurden.
Schweißgebadet und zuckend kam sie erst nach einer Weile wieder in eine Art Ruhezustand, während die Augen sich unter den Lidern hektisch bewegten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 19. Okt 2016, 17:20 
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Schweißgebadet riss er seine Augen auf. Er ließ die Augen durch die Düsternis der Otze gleiten, mit einem leisen brummen erhebt er sich. Die Bilder des Traumes nicht vergessen, sie schienen sich in seine Gedanken einzubrennen.
Schlurfend schiebt er sich aus dem Gasthaus, der Blick welchen er trägt, scheint jede tiefe verloren zu haben. Es ist nicht die Erste Nacht, wo er seinen Schlaf abbricht. So Geht er langsam in Richtung des Feuers welches nicht weit von dem Gasthaus entzündet wird.

Langsam löst er sich an dem Feuer nieder und atmet tief durch, ein kurzer Blick wird zurück zur Otze geworfen, bevor der Blick auf seine rechte Hand wandert, jene Hand mit der er Nachtwind geführt hat, um die Verschollenen Kameraden aus Ihren Kristallenen Gefängnissen zu bereifen. Allein der Gedanken daran, lässt die Hand kurz zittern ehe er sie zu einer Faust ballt.
Mit einem blinzeln lehnt er sich zur Seite und wie immer bei dem Gedanken an dieses Schwert in den letzten Tagen. Spuckt er einen schwall Galle neben sich in den Sand, mit dem Verband welchen er jeden Tag mehrfach wechseln muss die Restliche Galle von seinem Mund. Bevor der Blick langsam in Richtung des Feuers geht. Dabei scheint sein Geist abzudriften und sämtliche Tiefe aus seinem Blick zu verschwinden.

Seinen Platz an der kleinen Feuerstelle scheint er kaum zu verlassen, nur um sich neues Wasser für seine Beutel zu besorgen. Das Essen scheint er momentan kaum anzurühren, sollte er sich jedoch einmal etwas zu seinem Feuer mitnehmen, scheint es sein Körper direkt wieder verlassen zu wollen

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Jeder geht seinen Weg, nur ist es entscheident, ob man Ihn alleine und gegen den Wind geht oder ob man Ihn zusammen mit anderen Beschreitet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 26. Okt 2016, 19:40 
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Aylen
Seit etwa drei Tagen war Aylen wieder wach – doch sie fühlte sich weder präsent noch in irgendeiner Art lebendig. Der Anschein der Gebrechlichkeit entstand durch die Folgen der Nethereinwirkung; sie war äußerlich um mehrere Jahre gealtert, sodass Falten und Furchen sich in ihr ehemals hübsches Gesicht gruben, die Wangen waren eingefallen und ließen sie ausgemergelt wirken, ihre Augen haben sich stechend grün und ihre Haare gräulich gefärbt und die seltsamen grün-gräulichen Flecken hatten nicht Hautpartien des Halses für sich eingenommen, sondern auch die Wangen und waren ansonsten auch an zahlreichen Körperstellen zu beobachten.
Bis auf gelegentliche Schwächeanfälle, die unter anderem stechende Kopfschmerzen beinhalteten, konnte sich die Magierin eigentlich nicht beklagen. Eigentlich. Sie hatte Berichte gewälzt, eigene, fetzenartige Erinnerungen und bruchstückhafte Aufzeichnungen durchstöbert und ihre Kameraden ausgehorcht um zu wissen, was eigentlich passiert war. Aylen selbst konnte sich nicht daran erinnern. Die einen beschuldigten Torfstich, die anderen die Stärke des Kultes – doch es oblag nicht ihr, die Situation zu beurteilen und auch ganz sicher nicht den anderen Mitgliedern des Sturmes, die nicht dabei gewesen waren.
Auch wenn die Unwissenheit beseitigt war, so blieb ein Gefühl der Taubheit und Leere zurück. Seit dem Zeitpunkt des Aufwachens wurde ihr eins klar: Nichts war so wie vorher. Und nichts würde wieder wie vorher werden. Seltsame, ewig währende Momente des Abschweifens, rasende Gedanken, die sich nicht ordnen ließen, unklare, verschwommene Alpträume die in Schreien und Anfällen ausarteten und pochende Kopfschmerzen waren ihre stetigen Begleiter. Es war als würde ihr Kopf etwas erfassen, etwas verarbeiten wollen, dass er nicht greifen konnte.
Aylen selbst kam nicht umhin zu bemerken, dass sie selbst eine gewisse Apathie und Teilnahmslosigkeit an den Tag legte – doch sie konnte nicht anders. Im Moment gab es nichts, was sie berührte. Nicht, dass eine ganze Streitkraft kam, um sie zu retten. Nicht, dass die Teilnehmer wegen dieses Einsatzes ebenso auf ewig mit den Konsequenzen leben mussten. Nicht, dass sie sich nie wieder ohne Verhüllung zeigen konnte. Nichts. Im Endeffekt verlor sich alles in der Bedeutungslosigkeit.
Ruhe- und geistlos starrte sie schon wieder seit einer geraumen Zeit ein Regal an, während sie blinzelnd wieder zurück in die Realität kam. „Gefällt es Euch?“ Aylen sah sich orientierungslos um, bevor der Blick runter auf einen Goblin fiel, der eine gefaltete Kapuze zur Begutachtung nach oben hielt – seinem Ausdruck nach zu urteilen schon eine Weile. „Ich nehme sie.“
Sie tauschte einige Silbermünzen gegen das gute Stück ein und verließ das Geschäft. Es war irrelevant gewesen, welche Farbe oder welche Bestickungen es hatte, solange es alles verdeckte. So hielt sie die neu erworbene Kapuze ins Licht und starrte sie förmlich an, bevor die Magierin sie aufzog, den Stoff tief ins Gesicht zuppelte und das Mundtuch über die Nase schob.
Mit aufrechter Haltung, jedem Blick trotzend kehrte Aylen in die Unterkunft zurück und verschwand in ihrem Quartier, um sich einmal mehr in ihren Schriften zu vertiefen. Ihr war die Ironie allerdings nicht entgangen, als sie an einem Spiegel vorbei geschritten war und einen flüchtigen Blick auf sich warf: Das Kopfstück und somit die Art der Verschleierung ähnelten der von Torfstich mehr, als es wahrscheinlich sollte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 27. Okt 2016, 08:11 
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»Nur weil man auf verlorenem Posten steht, hieß das nicht, dass man auch dort stehen bleiben muss.«

- koladische Weisheiten zum Sonntag


Die erste Oase erwies sich als äußerst sandig. Nun, eigentlich bestand ganz Tanaris aus Sand - demnach nichts Ungewöhnliches - allerdings machte es schon einen Unterschied ob man ausreichend Schutz hatte vor den biestigen Körnchen, oder eher nur geringfügig. Mit Meditation verbrachte sie die meiste Zeit in der Oase, während ihr die Sandböen um die Spitzohren rauschten und ihre ganz eigenen Geschichten erzählend raunten. Während sie still auf einer Stelle sitzend verweilte, mutierte sie beständig zu einem personifizierten Sandgeist, bedingt durch den feinen hellen Staub der mit jeder Böe aufgewirbelt wurde.

Das reichlich schelmisch veranlagte Weibsstück hatte wenig Lust diverse Konversationen mit den Kameraden zu führen - Nicht einmal schlechte Witze wurden ausgegraben, und alleine das war schon ein Ding der Unmöglichkeit. Sie tat einfach so, als wäre sie überhaupt nicht existent, sondern lediglich ein sandiger Mythos, welcher still und leise seine Kräfte tankte und seine Gedankenwelt klar ordnete. Das musste sie auch, gerade jetzt, wo sie nach Jahrzehnten das erste Mal wieder ein Gefühl der Angst durchlebte. Angst war etwas, wofür man sich nicht schämen brauchte, denn so war es doch genau der Urinstinkt, welcher einen zu Höchstleistungen antrieb in der Kunst des reinen Überlebenswillen. Der Schuss konnte allerdings auch bitter nach hinten losgehen, wenn die Angst einen zu sehr vereinnahmte.

Sandwüter Trolle. Wenn sie die Auswahl zwischen einer Horde Dämonen hätte, so ganz neben der Auswahloption einer Horde von Trollen, dann würde sie freilich lieber eskalierend in eine Horde von Dämonen reinrennen und dort lieber ein schnelles Ende finden, statt sich von überaus liebreizenden Troll Gastgebern, Stück für Stück weich köcheln zu lassen. Definitiv würde sie penibelst darauf achten, das dieses sandwütige Pack erst gar nicht auf ihre dezent spitzen Ohren aufmerksam wurde. Wenn Trolle etwas gerne vernaschten, dann waren es die spitzen Ohren ihrer näheren Verwandten, so rein als Zwischenmahlzeit. Sie - diejenige, welche unglaubliche Todessehnsüchte hegte - hatte mittlerweile reichlich wenig Lust so früh das zeitliche zu segnen. Schon gar nicht als halbe Flugente in einem Kochtopf. Gerade erst fing sie an sich zum ersten Mal in ihrem Leben irgendwo richtig heimisch zu fühlen. Sie fing zunehmend damit an, dieses verwegen dreckige Söldnerpack als Brüder und Schwestern zu akzeptieren. Wer mochte in dieser Hinsicht da auch freiwillig den Löffel abgeben? Bereits jetzt war sie schon tüchtig dabei, diverse mutterlose Söldner zu adoptieren, ob sie wollten oder nicht! Manche musste man eben zu ihrem Glück regelrecht zwingen.

Um nicht gänzlich diversen unterschwelligen Ängsten zu erliegen, steuerte sie dem ziemlich geschickt entgegen. Angestachelt von ihren Brüdern und Schwestern, ließ sie sich doch tatsächlich hin und wieder dazu verleiten im dröhnenden Gesang und scheppernden Tanz mit einzustimmen - und beides beherrschte sie meisterlich. Es lenkte ungemein von jeglichen Sorgen ab. Die Wüste sollte erzittern und dem gewahr werden, das der Sturm allgegenwärtig war und sich nicht vor ihrer Ungnädigkeit beugen würde.




Wenn Schilde bersten, Hämmer krachen,
Wir Feinde brutal nieder machen.
Wenn Pfeile schwirren, Kugeln pfeifen,
Wird jeder von uns wohl begreifen,

Unser Dasein ist dem Kampf verschworen,
Sind effektiv zur Schlacht erkoren,
So ziehen wir los, lachen verwegen,
In den Krieg, dem Sturm entgegen!

Wo Äxte schmettern, Klingen singen,
Wir Schuldigen die Strafe bringen.
Wo Waffen sich in Fleisch versenken,
Wir Niemandem die Gnade schenken.

Ein Leben, stets der Pflicht versprochen,
Im Eid vereint, niemals gebrochen,
So eilen wir los, des Ruhmes wegen,
In die Schlacht, dem Sturm entgegen!

Wenn schwarze Banner sich bewegen,
Waren wir siegreich, tapfer, überlegen.
Wenn Söldner Seit an Seit marschieren,
Wir können schlichtweg nicht verlieren!

Ein Alltag, auf den Kampf versessen,
Auf Rechtschaffenheit, aufs Kräftemessen.
So reiten wir los, durch Wind und Regen,
Direkt zum Feind, dem Sturm entgegen!


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