Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 9. Nov 2016, 21:22 
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Rena
Für eine Weile wog sie sich in Sicherheit; zumindest für so etwa fünf Tage. Eigentlich waren es exakt fünf Tage, wem wollte sie etwas vormachen? Die spitzen Eckzähne hätten ihr bereits einen deutlichen Hinweis geben sollten, dass sie eben nicht verschont wurde. Eine permanente, bohrende Unruhe machte sich in ihr breit und sie wippte in rasantem Tempo mit einem Bein auf und ab, während ihre Finger sich ständig in neuen Positionen verhakten. Die braunen Augen mit dem nun sichtbaren Rotstich huschten im Raum ohne Fokus umher. Ihre Gedanken waren unzumutbar, ungeordnet und selbst für sie nicht mehr nachvollziehbar. Gedankensprünge von reißendem Fleisch zu frisch gebackenen Keksen, schreienden grotesken Kreaturen zu einer Blumenwiese nicht zusammenhängenden Wortfetzen und Bildern zeigten sich flüchtig vor ihrem inneren Auge und verschwanden sofort wieder. Es war eine Qual. Wie entging man sich selbst? Was, wenn man selbst sein größter Feind ist?
Auch ihr Gemüt wollte sich weder beruhigen, noch festlegen lassen. In jähen Wutanfällen flog das ein oder andere Buch quer durch den Raum, im nächsten Moment ließ sie sich zu Boden sinken, schlang die Arme um ihren Körper und machte sich so klein wie sie nur konnte, um lautstark zu schluchzen und in Tränen zu ertrinken, nur um dann alle Viere von sich zu strecken und ein krächzendes, lange währendes Lachen auszustoßen. Es war nicht auszuhalten.
Die folgenden Tage brachten keine Besserung des Zustandes – aber zumindest war es einfacher zu verbergen, bis sie nur noch gelegentlich ein wimmern oder ein gackern über die Lippen brachte. Aber Rena – Meisterin der Täuschung – verstand es natürlich, auch das geschickt zu verstecken, indem sie ein Buch las. Konnte ja sein, dass exakt dieses sie emotional so aufwühlte, dass solche Reaktionen als gewöhnlich angesehen wurden. Es würde schon irgendwie klappen.
Naja, es sah zumindest so aus, als würde es klappen, bis eine vermummte Söldnerin höheren Ranges ihr das Buch wegnahm und es vor ihren Augen herumdrehte, um es ihr richtig herum in die Hand zu drücken. Daraufhin ließ Rena bloß einen wütenden, verwirrten Aufschrei hören und ließ auch dieses Buch durch den Raum fliegen.

Aylen
Mit einer unter der Bedeckung hochgezogenen Augenbraue beobachtete die Magierin das ihr unbekannte Mädchen, dass so unterschiedliche Symptome zeigte. Aus Ermangelung an sonstigen Beschäftigungen und ihrem immer noch anhaltendem, kränklichen Zustand hatte Aylen es sich zur Aufgabe gemacht, die Folgen der Nethereinwirkung zu beobachten und aufzuschreiben. Neben ihrer Auswirkungen hatte sie schon andere Dinge notiert wie Jähzorn – offensichtlich bei dem Zwergen zu sehen, der nun in ihrer Rotte war – die rötliche Verfärbung der Augen und vieles mehr.
Die quirlige Frau jedoch hatte sie noch nicht enträtselt. Doch Aylen verglich sie mit dem Präzisionsschützen, der ähnliche Anzeichen zeigte und notierte etwas in geschwungenen Linien, bevor sie das kleine Notizbuch zu schlug, es in die Tasche steckte und sich erhob.
Es hatte sie schon die ganze Zeit etwas gestört. Erhobenen Hauptes schritt sie auf das Mädchen mit der Sturmfrisur zu, entriss ihr förmlich das Buch und drückte es ihr richtig herum in die Hände. Mit einem Stirnrunzeln wendete sie sich ab, wobei das an ihr vorbeisausende Buch schlichtweg ignoriert.
Ihr Ziel war der Trainingsplatz. Mittlerweile hatte sie ihr körperliches Training in Form von laufen und leichten Übungen wieder aufgenommen, um in Form zu kommen. Dass sie sich nach jedem Lauf erbrach und sich danach noch stundenlang elend fühlte, brauchte niemand wissen.
Nach dem Vorfall dachte sie, dass sie erstmal für eine Weile die Hände von der Magie lassen sollte; doch dieser Vorsatz hielt nicht lange. Sie platzierte eine Hand über ihrem Herzen und atmete tief ein. Da war etwas in ihr, dass Magie wirken wollte – manchmal, oft, eigentlich immer. Doch Aylen redete sich mit fester Überzeugung ein, dass es nur zu Übungszwecken war.
Immerhin hatte sie schon etwas erreicht. Sie war weitaus stärker geworden, hatte ihren Platz bei dem Söldnerbund gefunden und hatte nicht vor aufzuhören, wo sie nun war. Es ging immer noch einen Schritt weiter. Immer.
Bedächtig hob sie eine Hand an und begann, mit ausgestrecktem Zeigefinger, seltsam anmutende Zeichen in die Luft zu malen. Frostiger Dampf umriss die schmalen Finger der Magierin, zog die Symbole in eisigen Schlieren in der Luft nach, bevor sie leuchtend verblassten und nur blau angehauchte Wölkchen hinterließen. Bevor auch diese sich in Luft auflösten warf Aylen beide Hände in die Luft und näherte sich beidseitig mit den Handflächen der Wolke, bevor sie gedehnt ausatmend die Hände aufeinanderpresste und in einer ruckartigen Bewegung auseinanderzog, um ein bolzenartiges Geschoss aus Eis schwebend in der Luft zu hinterlassen. Sie überkreuzte die Hände und zischte, bevor sie diese abrupt wie im Befehl nach unten schnellen ließ und das Geschoss sein Ziel fand; die Attrappe.
Die Magierin fühlte die eisige Umklammerung, die sie umschlossen hielt. Ihr Atem dampft in der Luft und fiel dann in Eiskristallen zu Boden, während der Raureif sich um ihre behandschuhten Hände schloss. Da war etwas, dass sie über ihre Grenzen stieß. Das mehr verlangte – mehr beanspruchen wollte. Und für einen Moment schien Aylen bei dem Gedanken, mehr zu wollen, mehr zu verlangen einzuknicken und sich dem hinzugeben, was kommen mochte, wenn sie diesem Weg folgte.
Sie hob beide Hände an – doch von den kreisenden, ruhigen und gleichmäßigen Bewegungen die sie stets vor dem Vorfall benutzt hatte, um Magie zu weben, war nichts mehr zu sehen. Scharf die Luft einziehen verbreiterte sie ihren Stand und wirbelte in zackigen, schnell anmutenden Bewegungen mit den Händen, die glitzernde Schlieren hinter sich her zogen. Heiser von den Tagen der Schweigsamkeit murmelte sie in einem ungewohnten Befehlston Wörter in Eredun vor sich hin. Ein Kreis in leuchtend blauer Farbe prägte sich zischend in den Wüstenboden und nachdem dieser abgeschlossen war, verwebten sich Linien wie ein Netz unter ihr, um ein symmetrisches Muster mit einer ungeraden Anzahl von Symbolen zu weben.
Zitternd vom Kraftaufwand dieses Zaubers streckte Aylen langsam die Hände nach vorne von sich, die Handflächen nach außen gerichtet in einer wartenden Position. Ein endgültig klingendes Wort später erhoben sich aus den Symbolen von dem unter ihr leuchtendem Zirkel, um mehrere schmale, nadelähnliche Geschosse aus Eis hervorzuheben und in der Luft schweben zu lassen.
In diesem Zustand fühlte Aylen die Kraft, die sie durchströmte. Alles in ihr schrie danach, den Zauber zu entfesseln, loszulassen, sich darin zu verlieren. Was war dabei? Was konnte schon passieren? Ihre Hände waren schon dabei, den abschließenden Wink zu geben, als sie die Hände seitlich fallen ließ und schwer atmend nach hinten aus dem bereits verblassenden Zirkel stolperte.
Erschrocken und schockiert über sich selbst schüttelte Aylen die letzten Reste des schmelzenden Raureifs von sich und schlang die Arme um sich selbst, um das Zittern einzudämmen. Das durfte nicht passieren, tadelte sie sich selbst und eilte mit wehendem Umhang davon. Was würden Torfstich oder Goldschild von ihr denken wenn sie es nicht mal schaffte, Selbstkontrolle zu bewahren? Das wäre eine Schande, eine Niederlage. Sie richtete sich wieder auf und beschloss stumm, so etwas nicht mehr vorkommen zu lassen. Es war ohnehin Zeit für die tägliche Meditation in Nähe der Lanze.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 11. Nov 2016, 06:40 
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Sterben bringt Glück

»Wenn es Zeit wird zu gehen, sollte man sich noch von denen verabschieden, die es verdient haben.«
- koladische Weisheiten zum Sonntag


Man möchte meinen, Nachts sollte man schlafen, sofern man sich nicht auf einem Marsch durch die unfreundliche Wüste befand. Aber wie so viele innerhalb des Sturms, wurde auch sie in der einen oder anderen Nacht heimgesucht von abgründigen Alpträumen. Doch anders als die anderen frischen Nether Berührten, wusste sie mittlerweile damit umzugehen und sich zu helfen. Einerseits ging sie die Sache mit einem recht fragwürdigen Humor an, und auf der anderen Seite fand sie immer wieder eine kleine Beschäftigung, so ganz neben der Meditation außerhalb der turbolenten, multikulturellen Stadt.

Nach ihrem erschreckenden Erwachen, erlangte sie zunehmend wieder die Fassung. Das Leben war nicht fair, was sie sich immer wieder vor Augen hielt und ihr um Meilen mehr Trost spendete, als herzerwärmenden Phrasen des Lichtes. Realität. Gegenwart. Das Jetzt, einer Faust gleich, mitten ins Gesicht. Und damit setzte sie sich inmitten der Nacht doch tatsächlich zu Tische, um einen längeren Brief zu verfassen. Ein sauberes Schriftbild, gezaubert aus Feder und Tinte - und selbstverständlich fehlte die Skizzierung einer vollbusigen Tittentaube auch nicht. Ein nobler Paladin war das erwählte Opfer für diesen Schundroman. Dreistigkeit kannte keine Grenzen. Sollte der glanzvolle Ritter aus den Östlichen Königreichen nur vor Scham und Zorn erröten, und mit seinem edlen Ross angaloppiert kommen, um ihr den dicken Wälzer der Silbernen Hand um die Spitzohren zu hämmern.


Verhasster Delaney,

Sage mir, oh glanzvolles und lichtiges Wesen zu dunkelster Stunde, habe ich Euch schon jemals nach der Farbe Eurer glorreichen Socken gefragt? Ein willkürlicher Alptraum riss mich aus dem nächtlichen Schlummer in meiner Hängematte, und die erste Frage die ich mir stellte: Welche Sockenfarbe mag er wohl haben?!

Rot, wie die Liebe?
Blau, wie das Veilchen einer räudigen Bordsteinschwalbe?
Oder gar gold, wie bester Honig der elwynnischen Region?

Ach Delaney...Ihr ahnt ja überhaupt nicht, wie schwer mir diese Frage zu schaffen macht.

Kennt Ihr das Gefühl? Wenn der Geist beständig einen Drahtseilakt vollführt zwischen Normalität und Wahnsinn? Wenn das kühne Herz in ungeahnten Momenten zu zerplatzen droht, der Atem schneller geht und die wispernden Stimmen lauter werden? Dröhnend, scheppernd, reißend und kreischend! Solch ein unbeschreiblicher Moment, wenn Licht an Bedeutung verliert und Dunkelheit sich erdrückend über einen legt. Diese Stimmen, sie klingen wahrlich verlockend, und gleichzeitig widern sie mich aus tiefstem Herzen einfach nur an.

Ach Delaney...vermutlich war es mein größter Fehler, die arkanen Ströme in der Nähe dämonischer Präsenzen walten zu lassen. Pures Gift durchströmt meinen Leib, durchströmt den Geist - und ich frage mich - wie lange dieser Drahtseilakt wohl andauern mag, bis ich euch vergesse, bis ich mich vergesse. So wollte ich ihn doch nur schützen. Mein Herz, mein Ein und Alles - Meinen einzigen Sohn. Sie entrissen ihn mir, und dafür werde ich tausende ihrer verseuchten Seelen von dieser Welt tilgen. Der Moment der Befriedigung wird nichts lindern. Seine Schreie werden ewiglich präsent sein, und mich daran erinnern, das der Tod die einzige Methode ist, die Schreie für immer verstummen zu lassen.

Nur nicht heute und in diesem Moment. Ein paar Augenblicke mehr auf tobenden Schlachtfeldern. Vielleicht finde ich dort ein jähes Ende für einen letzten Akt, bis der Vorhang für immer fällt. Der Söldnerei habe ich mich verpflichtet, umgeben von einem kunterbunten Haufen. Ein Bund mit pechschwarzen Banner, wo Abschaum und Edelmütige geeint an einem Tisch sitzen. Hier bin ich nun...Zuhause. Sollte ich tatsächlich noch erleben wie mein Geist wahrhaftig droht dem Wahnsinn zu verfallen, so will ich bis dahin genug goldene Münzen angehäuft haben, um mir einen eigenen Galgen leisten zu können. Einen Galgen, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat. Einzigartig und wundervoll!

Doch bevor ein Beil meinen Schädel spaltet, oder eine Schlinge meine Luft abschnürt und mein Genick bricht, wüsste ich doch zugerne welche Sockenfarbe Ihre Erlauchtheit trägt. Angemerkt sei dabei: Es gibt keine seltsamen Fragen.

Dem Sturm entgegen, Sir Delaney.

Eine Närrin

PS: Mein nobler Freund, Ihr musst von nun an zwei Gläser mehr Wein verköstigen. Quasi meine Ration mit übernehmen. Danke, und ich hoffe Euch brummt der Schädel am nächsten Tag.


Ein gedehntes Seufzen strömte über ihre schmalen Lippen, als sie in flüchtige Nostalgie verfiel. Der gute Wein fehlte ihr irgendwo, so ganz neben den gehobenen Gesprächen, in denen es darum ging, sich gegenseitig mit Unterschwelligkeiten auf sehr hohem Niveau in die Pfanne zu hauen. Die kleinen Freuden des Lebens.

Ob sein Haupt mittlerweile noch grauer geworden war? Bestimmt. Spätestens nach ihrem unverschämten Brief!


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 14. Nov 2016, 01:27 
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Der Meisterschmied

Unermüdlich trifft Stahl auf Stahl, faucht die Glut im Angesicht des Sauerstoffs, während der Klang der Schmiede bis weit auf die Straßen Gadgetzans schallt. Seit dem Rotteneinsatz stand der Zwerg hinter seinem Amboss und ließ den namensgebenden Grollhammer auf glühend heißen Stahl hernieder fahren, wo er Funken speiend das Material in Form bringen sollte und früher oder später dem zukünftigen Besitzer als Katana dienen sollte...

KLONG-KLONG-KLONG-klängkläng

...und der Stahl kühlte aus. Die Antwort des Zwergen war es, die Rohklinge mit einer Zange zu packen, sich umzudrehen und wieder in die Höllenfeuer seines Ofens zu schieben, wo die Glut sich gefräßig darüber warf um den Stahl neu anzuheizen. Stundenlang hatte er diese Prozedur vollzogen, den Stahl geschichtet und gefaltet, indem er ihn erhitzte, faltete, zusammen hämmerte, wieder erhitzte und wieder faltete um ihn dann wieder zusammen zu hämmern. Zahlreiche Lagen hatte er somit schon geschaffen, doch fehlten noch einige, weshalb Thargrim erneut zum Blasebalg griff und Sauerstoff in den Ofen pumpte.

Flammen züngelten hinaus, erhitzten die Wüste um weitere Grade, was dem Zwerg nur mehr Schweiß abverlangte, dabei sah er jetzt schon aus als wäre er gerade erst schwimmen gegangen. Kaum dass der Stahl heiß genug war, ergriff der Söldner die Zange wieder, schwenkte sie zügig zum Amboss und ließ das glühende Metall ein Stück über die Kante ragen, damit er den vorderen Teil nun mit einigen kräftigen Hieben um 90° umbiegen konnte.

KLONG-KLONG-KLONG-klängkläng

Kaum war das erledigt, drehte er das frisch geknickte Ende so, dass es nach oben deutete, um es im Anschluss auf den Amboss zurück zu ziehen und fest ineinander zu dreschen. Gleichmäßig und beständig waren die Hiebe, die den Stahl wieder zusehends in eine längliche Rohklinge formten bis sie von einem gleißend hellen gelb-fast-weiß-Ton zusehends in ein dunkles Orange abkühlte und er sie erneut in den Ofen schob.

FWHOOOSH-FWHOOOSH

Wurde das Blasebalg erneut gepumpt. Es würde noch einige Zeit dauern bis die Katanas fertig sein würden, doch kann man den Zwerg und dessen Arbeit regelmäßig neben dem Lagerhaus des Dämmersturms in der Schmiede stehen sehen. Teilweise kommt er Nachts nicht mal mehr in sein Quartier zurück.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 15. Nov 2016, 16:54 
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Der Tierführer


Schweiß rann ihm über's Gesicht, als er in voller Montur durch die Wüste joggte und gegen die morgendlich zunehmende Hitze ankämpfte. Er keuchte längst vor Anstrengung, doch blieb sein Blick stur geradeaus gerichtet. Kein Gedanke wurde daran verschwendet aufzugeben, erst recht nicht vor Larry. Gackernd lief die Hyäne einige Meter voraus, hielt alle paar Meter mal an um sich umzudrehen und dem Tierführer entgegen zu blicken und ihn passieren zu lassen, ehe das Vieh ihn wieder einholte und mit zur Seite hängender Zunge überholte. Hier und da wurde angehalten um zu schnuppern oder zu Horchen, doch folgte das Tier Dzul wieder sobald er vorbei lief. Aus der Ferne würde man Larry aufgrund des orange-braunen Fells nur schwer erkennen können, was ganz im Gegensatz zu Dzuls Erscheinung stand. Die dunkle Rüstung zeichnete ihn deutlich von der Umgebung ab, auch wenn feinkörniger Sand hier und dort das Leder bedeckte.

Minuten verstrichen, vermutlich eine halbe Stunde, ehe er keuchend und außer Atem halten musste. Ein schattiger Felsen wurde am Hang einer Düne gefunden, unweit von Gadgetzan entfernt, wo er sich nun hernieder sacken ließ um den Körper wieder mit Wasser zu versorgen dass er verbraucht hatte. Gierig gluckerte es in die Kehle, füllte sie und rann teilweise in den Bart und auf die Rüstung. Es war inzwischen heiß, die Nachtluft war der vormittäglichen Sonne gewichen und fing an erdrückend auf die Gemüter zu brennen. Die Hyäne kümmerte sich nicht sonderlich darum, sie trug auf ihrem ledernen Geschirr selbst einige Wasserschläuche, von denen Dzul nun einen abnahm um dem guten Tier etwas zu trinken zu geben und es etwas zu duschen. Gackernd bedankte Larry sich bei ihm und drapierte sich neben ihm im Schatten.

Wochen waren seit dem Einsatz vergangen, Monate seit Skorgs Tod und langsam aber sicher schien er die Hyäne unter Kontrolle zu kriegen. Sie hatte Skorgs altes Geschirr erhalten, dass er den Maßen entsprechend anpassen musste, doch war das Tier nun auch noch als kleiner Lastesel dienlich. Die Wasserschläuche wurden mühelos getragen und auch so wirkte das Tier zufrieden. Es war längst nicht mehr so feige und verschreckt wie an den ersten Tagen nachdem der Gilneer und der Glatzkopf ihm Larry, damals noch Herbert, übergeben hatten. Eine Geste die der Veteran bis heute nicht verstanden hatte. Leicht senkte er den Blick zum neuen Kampftier und fing an das Tier zu kraulen, ohne dabei Berührungsängste an den Tag zu legen. Es wirkte fast wie bei Skorg und kaum dass er die linke Hand auf dem orangenen Fell sah, klingelte es leise. Skorgs Hundemarke und das Halsband rasselte leise bei jeder Bewegung. Kurz hielt Dzul inne und zog die Hand davon um mit rechts die Marke zu packen und zu betrachten. Erinnerungen fluteten ihn, doch konnte er ihn nicht wieder ins Leben zurückrufen. Die Marke jedoch sollte stehts ein physisches Andenken an seinen wohl treuesten Gefährten bleiben.

"Auf gehts Larry.", ronnen die Worte nach einigen Minuten der Pause in der üblich ruhigen Stimme über die Lippen. Tierführer und Gefährte erhoben sich gleichzeitig und setzten zum Rückweg nach Gadgetzan an, diesmal durch die brennende Mittagssonne. Er zwang sich dazu zu laufen, denn nur so konnte man Grenzen überwinden und an seiner Ausdauer feilen. Das Gewicht der Ausrüstung stärkte zugleich den Körper noch. Ein Gewaltmarsch möchte man meinen, doch am Ende würde kühler Schatten in der Otze auf sie warten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 24. Nov 2016, 18:05 
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„Zünd sie doch einfach an.“ Ertönte Richards stimme in der dunklen Zelle. Er hatte die Augen geschloss, die Kapuze auf dem Kopf und sein Gesicht war noch immer ramponiert. Eine Mischung aus Blau und Gelb herrschte vor in seinem Gesicht, wobei die aufgeplatzte Lippe langsam verheilte und ebenso die Platzwunden auf dem Kopf. Selten bewegte er sich, meist saß er dort in einem Schneidersitz und schwiegen. Selten drängten seine Selbstgespräche nach aussen, aber es wurde mit der Zeit häufiger. Noch zehn Tage.
„Nein, noch nicht. Wenn dann nur Fischer.“
„Den hast du schon angezündet.“
„Zwei mal. Deswegen sitze ich ja theoretisch auch hier.“
„Und weil du nicht die Klappe halten kannst.“
„Ja auch deswegen.“
Wieder hat sich Richard selbst besiegt per Argumentation, woraufhin er schwer seufzte. Seit nun mehr sieben Tagen sitzt er dort, mit dem Gesicht zur Wand und wenn ihm dann mal das Essen gebracht wird, reagiert er nicht groß. Auch gibt er außer diesen Wortwechseln mit sich selber keine großen Geräusche von sich. Mittlerweile roch er etwas streng und vermied es soweit es ging in den Eimer zu scheißen. Dafür war es von Nöten gewesen die ersten Tage mitzuzählen, wann denn die Leerung, beziehungsweise das Essen kam.
„Wenn du dich hier raus brennst, musst du aber alle anzünden. Nicht nur Fischer, auch Torfstich und die Verräter Elfe.“
„Ach sei doch leise.“
„Vor allem Fischer. Er muss qualvoll sterben. Er hat uns unser Buch geklaut! Einfach weg genommen hat er es. UNSER BUCH! Einfach gestohlen hat er es uns… einfach gestohlen…“
„Sei leise, sonst hört dich noch einer.“
„Sei du doch einfach leise und lass die Konzentration fallen.“
„Wieso?“
„Dann wird es hier feurig heiß.“
„Nein. Wir haben Fehler gemacht und die sitzen wir halt aus.“
„Du hast Fehler gemacht.“
„Halt die Klappe. Wenn du mal leise wärst, würde sowas nicht passieren.“
„Jetzt schiebst du es wieder auf mich.“
Einer der beiden Gesprächspartner schien dann zu schweigen.
„Jetzt ignorierst du mich. Toll. Nur weil DU Leute anzündest.“
Stille für den Moment.
„Ach komm schon, alleine ist das hier halb so lustig!“
Dann zog Richard das Brot heran und verschlang es einfach, wenigstens war er dann ruhig, dieser Unhold Drachir. Was musste er sich auch einnisten. Vielleicht war er auch immer da, aber mit ihm war es zumindest nie einsam. Aber er hatte Recht, man hatte sie bestohlen und das musste Konsequenzen geben. Man hat die Studien für theoretisches Wissen einfach verbrannt wohl und steht auch noch unter Beobachtung. Irgendwann müsse man Torfstich also anzünden. Und dann folgend auch viele mehr. Aber erstmal sollten sie hier raus und mit Fischer auf einen Auftrag. Da rutscht ja gerne mal der ein oder andere Feuerball vom Feind zum Freundfeind mit dem tiefen Wassern, dem Fischer. Soweit schwankten die Gedanken hin und her. Wer am schönsten brennt. Wer nicht und wer als erstes wohl brennen solle.
„Ich hab fast vergessen wie es sich anhört wenn ein Humanoid verbrennt.“
„Du bist der Böse von uns. Nicht ich.“
„Es ist aber auch lustig, wie sie quicken, wie sie schreien und sich winden während ihnen die Haut aufplatzt und sie in Flammen aufgehen.“
„Deswegen sagst du mir auch immer dass ich alle anzünden soll.“
„JA! ENDLICH HAST DU ES BEGRIFFEN.“
„Und was, wenn du die Menschen noch brauchst die du anzünden willst?“
„Das ist dann… wie sagt man… p.P. also persönliches Pech.“
„Also darf ich den Scheiß wieder ausbaden?“
„Klar, nennt sich Teamwork. Ich mach die Pläne und du führst aus. Rangstruktur.“
„Ich war selten so kurz davor dich anzuzünden.“
„Du meinst dich selber anzuzünden.“
„Ja.“
Dann herrschte wieder Stille in der Zelle. Bald würde wieder Essen kommen und das Töpfchen geleert werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 28. Nov 2016, 18:36 
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„Jetzt sind es 282 Stunden, 25 Minuten und 43 Sekunden hier drin.“ Spricht Richard zu sich selber. Mittlerweile haben die Wände vor ihm schon kleinere Merkmale abbekommen das Richard da war. Nein ernsthaft. Er hat einen Stift hervor genommen und in der Dunkelheit an die Wand geschrieben ‚Richard war hier. Und Darchir auch.‘
„Wie lange noch?“
Seufzend antwortete er sich „Noch 77 Stunden, 34 Minuten und 12 Sekunden.“
„Wieso hast du Fischer nicht vollkommen entzündet. Dann wären wir nicht hier.“
„Ich… weiß es nicht mehr.“
„Es gab nie einen Grund.“
„Das kann es auch sein.“
„Also brenn dich jetzt durch die Tür.“
Da richtet sich Richard auf und schwenkt zur Tür. „Also brenne ich mich jetzt durch die Tür.“
„Und dann zündest du diesen dreckigen Söldnerhaufen an.“
„Und dann zünde ich sie alle an.“
„Das war ja einfach.“
„Du bist echt ein Idiot wenn du denkst das du so einfach die Kontrolle über mich bekommst.“ Dabei setzt sich wieder mit dem Gesicht zur Wand. Das Gesicht, ja das sieht mittlerweile besser aus. Nur noch grüngelblich sind die Blessuren, die Lippe ist wieder intakt und die Platzwunden lassen auch langsam nach.
„Ach… du bist doch scheiße.“
„Und du der leicht gläubige Idiot.“
„Vierhundertzwölf zu eins.“
„Aber immerhin zu eins.“
„Du machst Fortschritte.“
„Danke. Also was für Themen haben wir schon durch?“
„Das Anzünden von Söldnern. Das Anzünden der Stadt. Das Anzünden von dir. Dann hast du mich zwei Tage mit Kartentricks aus deinem Sinn gesperrt.“
„Nur zwei?“
„Ja. Das waren nur zwei Tage.“
„Hm, vielleicht hab ich mich dann verzählt.“
„Konzentration Schwachkopf – du zählst richtig. Wie immer.“
„Gut.“
„Also – du hast mich ausgesperrt und dich dann in Gedankenspiele verstrickt. Eben dieses ‚was wäre wenn‘. Wenn Torfstich nicht so sauber ist wie er sich gibt. Wenn er das Böse ist und sowas. Was wir finden würden, wenn wir Bael Modan finden.“
„Mhm… haben wir noch was?“
„Du bist der aktive von uns. Du hast die Initiative.“
„Dann leg ich mich schlafen.“
„Ich hasse dich… ich meine du könntest so viel erreichen! Öffne dich nur einmal der dunkleren Macht. Stell dir vor wie du die Leute zu Asche verwandeln könntest. Und das mit einem FINGERSCHNIPPEN. Stell dir vor wie Fischers Kopf explodiert!“
Da lacht der Magier auf. Düster ist die Lache. „Das ist lustig. Aber nicht zielführend. Das wissen wir beide. Und jetzt sei leise. Ich schlafe.“
„Du schläfst nicht. Du willst schlafen. Aber eigentlich reden wir miteinander.“
„Womit hab ich das verdient?“ Seufzt er schwer.
„Tja.. frag mal Mutter warum sie dich freiwillig vom Wickeltisch schleudert.“
„Ach halt die Klappe.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 3. Dez 2016, 22:32 
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Und so brachen die letzten Vierundzwanzig Stunden der Isolation an. Viel hat er sich selbst unterhalten, aber in den letzten Tagen gingen die ‚Gespräche‘ etwas hitziger zu. Man hörte ihn nun lautstark sich selbst anschreien.
„Wie lange ist’s jetzt noch?“
„Kannst du nicht endlich deine verdammte Fresse halten?! Sei einfach leise und schweig. JA! Lass und das Schweigespiel spielen. Du bist leise und ich auch! Wer es länger aushält.“
„Das Spiel ist doof, das mag ich nicht.“ Dabei grinste Richard grenzdebil. Die zweite Stimme ergatterte mit jeder Sekunde hier drin mehr und mehr die Kontrolle. Meditation? So viel Konzentration konnte er seit Tagen nicht mehr aufbringen. Isolation schadet Menschen. Versuchsobjekt: Richard Mühlbern, Pyromane.
„Mir ist EGAL ob du das dämlich findest. Du bist jetzt leise!“
„Ich hab doof gesagt. Nicht dämlich.“
„Du kannst mich mal. Ich beende das jetzt.“ So drehte sich der Magier, Pyromane und selbst ernannter Hobbyschelmarchäologe der Tür zu, hob dabei die Hände an und Funken manifestierten sich mehr und mehr zu einem glühenden Feuerball.
„Ja! ENDLICH! Tue es! Und dann bist du frei! Dann kannst du anzünden WEN du willst!“
Doch Richard schüttelte nur den Kopf, rasch verging der Feuerball in der Luft.
„Ach komm schon! 409 Stunden, Siebzehn Minuten und fünfzig Sekunden und du willst die noch immer nicht brennen sehen?! Wer bist du? Ein verfickter Pandare?“
„Sei. Einfach. LEISE! WIE SCHWER KANN DAS NUR SEIN?!“ Brüllte Richard sich selber an, es muss makaber von außerhalb des Lagers klingen, wenn man ihm lauscht. Wenn man das überhaupt kann und etwas durch die Türen, die ganzen Sachen und dann noch durch die Wände dringt. Dabei war diese viel zu kleine Zelle schon das Opfer wildester Theorien geworden. Sie wurden mit Scheiße an die Wände geschmiert. Allerhand Zeug über die, Traum im Traum Theorie. An einer anderen Wand stand wie man Fischer extrem schön zum Platzen kriegt, es ist fraglich ob Richard hier den Beruf des Fischers meint, oder Fischer Jon, den Söldner, das Hassobjekt, den Feind, den Rassisten, den Unterbelichteten, den Banausen, den Dieb, den Verräter, den der mal dringen ein Rasiermesser bräuchte.
„Ich weiß echt nicht wieso du dich so zurück hältst?! Es ist Nacht draußen. Geh einfach in die Otze, versperr die Tür, zünd die Otze an und verbrenne alle die doch irgendwie rauskommen. DER PLAN IST GENIAL.“
„Er ist dämlich. Genau wie mit dir zu reden dämlich ist.“
„Weshalb, weil ich nur in deinem Kopf existiere?“
„Ja.“
„Nein, könnte ich sonst das machen?“ Das war der Zeitpunkt an dem man beobachten konnte wie sich ein Verrückter in seiner Gummi kleinen verdreckten Zelle selbst schlägt. Mehrmals.
Ganz Außer Atem erhob Alpha-Richard die Stimme. „Ich… hasse… dich.“
„Ich weiß.“ Sprach Beta-Richard, eine andere Form des Alpha-Kevins, völlig ruhig. Und er fuhr fort: „Nun, es verhält sich so. Du hörst auf mich oder ich töte dich. Ich erlaube dir hier aus zu harren und am Leben zu bleiben. Dafür lasse ich dich dann in Ruhe. Aber erzähle dir bei Zeiten meinen Plan wie DU mächtiger wirst, aye?“
Es verging viel Zeit, denn die brauchte Richard zum Nachdenken. Minuten vergingen, ehe Beta-Richard die Stimme wieder erhob. „Also?“
„Gut. Und jetzt halt endlich die Klappe.“
So war Richard alleine für die letzten Stunden, alleine mit sich.
Friede und Ruhe. Nach mehr als Vierhundert Stunden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 7. Dez 2016, 10:40 
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Der Scharfschütze


Dumpfes Rauschen hörte er in seinen Ohren, bassiges Rattern, keine klaren Klänge - bis auf einen jedenfalls...

DuDum....DuDum....DuDum....

Ein tiefer Atemzug nach dem anderen, während das rechte Auge durch das Zielfernrohr blickte in welchem das Licht durch diverse Spiegel und Linsen auf sein Auge reflektiert wurde, wo sich ein vergrößertes Bild abzeichnete, dessen Rand leicht durch eine Krümmung verschwommen war, doch das störte den Schützen nicht, denn das feine Fadenkreuz im inneren war scharf, genauso scharf wie das auserkorene Ziel, dass da in der ratternden Stahlkonstruktion saß. Ein tiefer Atemzug...

zzzchhhhhhh........Hhhhhhhhhhm....

...und das penetrante Geräusch wurde langsamer...

Du-Dum...........Du-Dum..............Du-Dum........

Oft hatte der Schütze sich bereits in solchen Situationen befunden. Oft hatte er sein Ziel fokussiert, sich an sein Training zurück entsinnen müssen - was glücklicherweise längst zur reinen Routine und ergo unterbewusst stattfand - um absolute Ruhe zu erlangen. Absolute Ruhe, die für einen erfolgreichen Schuss erforderlich war, doch traf er nicht immer. Niemand trifft immer und wenn man sich davon zu sehr infrage stellen ließ, sollte man besser nie mehr zur Waffe greifen und sein Leben auf's Spiel setzen. Selbstzweifel waren hier fehl am Platz. Ein weiterer Atemzug; Herzschläge...

zzzchhhhhhh........Hhhhhhhhhhm....

Du-Dum..................Du-Dum..................Du-Dum.................Du-

...und er betätigte den Abzug mit ruhigem Finger inmitten zweier Herzschläge....

...klick-KAPOW..choa.......-Dum.....DuDum....DuDum...

Rauch wurde aus dem Lauf katapultiert, gefolgt vom Mündungsfeuer als der Stift die Treibladung der Hülse entfachte und die Spezialmunition aus dem gerillten Lauf ins Licht der Welt entfesselte. Keine Sekunde flog die Patrone durch die Luft; schoss aus der Rauchlanze hervor und brach ins gepanzerte Cockpit des Schredders, um beim ersten Widerstand zu detonieren und den darin sitzenden kezanischen Piloten in vier Teile zu fetzen. In hohem Bogen flog der Kopf mit Nacken und einer Schulter aus dem Cockpit, während eine Sekunde später die andere Seite einfach hinaus purzelte. Nur noch die Beine lagen zerfetzt im Schredder, dessen Torso nun mit heulenden Kreissägen leicht nach vorn sackte und ratternd stehen blieb.

Es waren keine 3 Sekunden vergangen seit der Schütze angelegt hatte und aus der selbsthervorgeruffenen Isolation, wieder alle Sinne aktiviert wurden.

"YAKKSHALLA...BALLERMANN GEHN IN DA SHREDDAA! AUS DEM WEG DAMIIIIIIT! YALLA!", plärrte der Ausländer. Ein Blick vom Wangenlöchrigen ging zum Einsatzleiter und dann über die Schulter, die Straße entlang aus der man kam und aus der man bereits die Rufe der Verfolger vernehmen konnte. Er zögerte nicht lange, verstaute das noch rauchende Gewehr im Holster; griff mit links an die Umrandung der Ladefläche und hievte den Körper darüber hinweg um auf dem sandigen Boden aufzukommen. Schnelle Schritte beförderten ihn zum Schredder, an welchem er sich mit einigen Griffen hinauf hangeln konnte. Ein verzücktes Grinsen huschte durch's Gesicht des Wangenlöchrigen als er die Sauerei erblickte, die er angestellt hatte. Ein Griff und die Überreste landeten vor dem Schredder auf dem Boden, ehe er sich ins Blutbad setzte, die Bedienung überflog und sich daran machte das Teil zu bewegen.

Sirius packte die Joysticks und manövrierte das Teil mit drei ungelenken Schritten an den Straßenrand, um den Befehl zu befolgen, den man ihm entgegen warf und kaum war der Weg frei; und wollte er wieder heraus klettern um zum Donnerstuhl zurück zu kehren, hörte er wie Harad etwas plärrte und Marisa daraufhin das Gaspedal durchdrückte. Der Donnerstuhl bretterte an ihm vorbei durch's Stadttor in die Freiheit, dicht gefolgt von Phaerons Donnerstuhl. Schnaubend kletterte er hastig aus dem Cockpit und versuchte von oben noch auf Phaerons Wagen zu springen, doch er war zu langsam, segelte eine Sekunde durch die Luft und kam unmittelbar hinter dem Wagen hart auf dem Boden auf.

Die Sicht flackerte einen Moment, als sich Schwärze von Außen ins Blickfeld kroch und vereinzelnd schwarze Punkte seinen Fokus störten. Die Luft war ihm nach dem Sturz einen Augenblick lang weggeblieben, doch rappelte sich der Kerl trotzallem auf. Überleben! Tauch in der Menge ab du Narr! - hallte es in seinem Schädel. Sirius grunzte schnaufend und blickte sich blinzelnd um. Eine Gasse! Zunächst taumelnd, fand er recht zügig wieder einen sicheren Schritte und lief auf die Gasse zu, die keine 10 Meter von ihm entfernt war, voll mit Gaffern und verängstigten Passanten. Nimm die Maske aus dem Gesicht!- hämmerte es in seinem Schädel und der Körper folgte der Anweisung. Schnaufend, um Luft ringend, griff die rechte Hand an das Halstuch um es sich vom Gesicht zu zerren, immerhin fiel man damit noch eher auf, so kurz nach dem Überfall. Das Gewehr, das Gewehr! Willst du eigentlich erschossen werden?!- klang es erneut und auch diesmal schenkte er der inneren Stimme wieder ein Gehör. Die Hände langten nach hinten zum Präzisionsgewehr dass auf dem Rücken prangte und mehr als nur deutlich sagte: "Hierher, sehet mich an! Ich bin der Gesuchte!". Geübte Handgriffe - nicht sehr viele - später, war das Gewehr in vier Einzelteile zerlegt und unter dem Mantel in größeren Taschen verstaut worden. Und gerade als er sich die Kapuze aufzog und in Sicherheit wog, hörte er hinter sich Rufe und kurz darauf auch schon Gewehrfeuer.

Die erste Kugel zischte über seinen Kopf hinweg, als er sich duckte, doch die folgenden zwei waren tiefer angesetzt. Schmerz schoss ihm durch's Bein als die zweite Kugel durch den Muskel drang und auf der anderen Seite nur knapp das rechte Bein verfehlte. Dann traf der dritte Schuss mit einem metallischem Beiklang seinen Rücken. Den Schmerz nahm er gar nicht mehr war, denn noch ehe er das Blut vor sich spritzen sah, wurde alles schwarz.

Er spürte nicht, wie er aus dem Vollsprint wie ein Baum in den Boden stürzte. Er spürte nicht, wie man ihn noch vor Ort entwaffnete, in Eisen lag und in ein Gefängnis brachte, wo er eine medizinische Notversorgung erhielt. Er spürte nichts, sondern hörte nur ein dumpfes Lachen.

MMMAHAHAHAHAHAHAhahahaha.....


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 14. Dez 2016, 19:33 
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Der Scharfschütze


Dunkelheit.

Was gibt es schöneres, als Dunkelheit und mit den eigenen Gedanken allein gelassen zu werden? Sie sortieren zu können und dabei sogar noch im warmen zu sein, anstatt eines kalten, feuchten Loch's in irgendeinem Kerker? Eigentlich nicht viel; Gut, vielleicht wäre es ganz angenehm noch das rauschen des Meeres vernehmen zu können, ebenso wie ein Blick auf eben jenes erhaschen zu können, während nackte Frauen mit riesigen Palmwedeln - und nur mit Grashalmen hier und dort bekleidet - einem Luft zu fächeln. Das Rauschen des Meeres, des kühlen, feuchten Nass, dass den harten Kontrast zur staubtrockenen Wüste von Tanaris bildet - gar einen ewig währenden Kampf um die Existenz gegen die pralle Sonne führt. Eben jene Sonne, die unermüdlich auf die Hütte drückt und dennoch herrscht hier...

Dunkelheit.

Dunkelheit und Hitze. Unerträgliche Hitze. Wie soll man so einem Klima nur standhalten? Zur Mittagsstunde kocht die Luft ja schon wenn man draußen an der frischen Luft verkehrt und lässt einen sich nach Eisenschmiede in die nordigen Winde des Gebirges zurückwünschen. Wie soll jemand in diesem Klima standhalten, der kürzlich erst zweifach angeschossen wurde und noch nicht wieder richtig zu Kräften kam?

Die Antwort ist: Gar nicht.

Und so hört er es plätschern, der Scharfschütze. Er vernimmt, wie der salzige Schweiß mit höllischem Lärm seine Nase hinab kriecht, sich wie ein dünner Miniaturfluss von Pore zu Pore erstreckt, die Nasenspitze erreicht und dann dort träge, als würde er den Schützen weiter ärgern wollen, dann endlich hinab tropft und mit einem platschen auf den kargen Boden trifft, dass so laut erscheint, als würde sein Kopf in einer läutenden Glocke stecken. Feucht ist's unter ihm. Dort, wo er seit Stunden schon sämtliche Säfte seines Körpers ausschwitzt, das Blut dicker wird und der Schweiß sich dem Ende neigt.

Kein Laut entweicht seinen Lippen abgesehen von einer flachen Atmung, die vergeblich mit aller letzter Kraft versucht Luft in seine Lungen zu pumpen, damit sein Organismus halbwegs weiter leben kann. Er rasselt bei jedem Atemzug als wäre er ein Asthmatiker und jeder Atemzug brennt in der Lunge als bestünde die Luft aus giftigen Toxiden. Die Augen sind geschlossen, die Gedankengänge funktionieren nicht mehr richtig, denn sie werden im Sekundentakt von Schmerzen erschüttert. Diese Kopfschmerzen, die wie ein glühender Stahlbolzen der durch die Augen fliegt, pulsieren. Die Übelkeit, die mitunter dadurch hervorgerufen wurde und der mit Hilfe des Würgreizes Abhilfe geschaffen werden soll. Vollgekotzt hat er sich längst. Es stinkt in der Hütte, die Hütte, die man in diabolischer Foltermethodik komplett schwarz angestrichen hatte, auf dass sie die Sonnenhitze absorbieren möge. Die Hütte, in der es kaum Luftzirkulation gibt, weshalb der Gestank ihm derartig bestialisch in der Nase steht, dass Nasenhaare längst weggeätzt wurden. Die Hütte die sich schließlich öffnet.

Luft strömt plötzlich in den Raum, bekämpft den hartnäckigen Dunst mit brachialer Gewalt und lässt ihn entweichen, während Sirius ein eisiger Schauer über den ganzen, nassen Leib fegt. Die Augen flackern kurz auf und anstelle eines üblichen Spruchs, stöhnt er röchelnd und fällt nach vorn in sein eigenes Erbrochenes, wo ihm die Lichter schlussendlich vollständig ausgehen. Er ist schneeweiß, der Boden vollgeschwitzt und vollgeblutet, die Haut wirkt beinahe schon gebacken und ist so verschrumpelt als hätte er die 24h in einer heißen Badewanne gelegen. Der Puls ist kaum noch zu spüren, genauso wenig wie die Atmung zu erkennen ist. Zwei Goblins ziehen sich Halstücher über die Nase, packen den Kerl unter den Achseln und schleifen ihn in die Otze, wo er als erstes wohl auf der provisorischen Krankenstation landet um wieder hydriert und behandelt zu werden...


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 16. Dez 2016, 00:23 
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„Noch zwei.“ Das war der Standartsatz des Bernd an diesem Abend. Kaum hat man das Metall für die Rüstung des Kommandanten besorgt, findet man sich schon im Trott der Tage wieder.
Jedenfalls fanden sich beide wieder, saßen schon seit Stunden an einem Tresen in einer der zahllosen Tavernen Gadgetzans. „Na los, noch einen.“ Meinte Bernd nur zu einem Menschen hinter eben jenem. „Habt ihr beiden nicht langsam genug?“ Fragte er mit keinerlei Besorgnis in der Stimme. „Nein. Los. Noch. Zwei.“ Gab Bernd erneut von sich, keine Nachfrage mehr duldend. Mehr Konversation gab es nicht zu anderen Individuen im Raum, nur mit der Narbenfresse sprach er mehr, aber auch hier hielten sich die Gespräche oberflächlich. Meistens ging es um’s Trinken, wer grade mit zahlen dran sei, oder aber ob einer schon schwächelte. Und letzteres tat keiner. Beide tranken viel und zahlten auch dafür, dabei wog sich die ausgegebene Münze bei beiden etwa auf 1:1 aus. Jedoch hat sie ihn zum Reden bekommen, auch wenn es nicht viel war, was er von sich Preis gab.
So viel dachte er dabei gar nicht nach, nein auch jetzt hob er nur den Becher, prostete ihr zu, wie sie ihm und dann rinnt der miese Alkohol schon über die Kehle nach unten. Kaum waren die Becher auf dem Tresen, tippte er schon auf den Tresen, ein unmissverständliches Zeichen, was sich bei Wochen der Trinkerei mit der Schützin beim Wirt eingebrannt hatte.

Und dass alles passierte nur, weil man ihr eine Rippe gebrochen hatte. Nur, weil sie ihn provoziert hat. Nur weil sie ihn tatsächlich dazu gebracht aus der Haut zu fahren. Dumme Narbenfresse. Hat ja auch die Quittung dafür bekommen. Aber alsbald hatte er sich beruhigt, half ihr schon wieder und zündete sich eine Gedrehte mit ihr an. „Hilft gegen den Schmerz.“ Sagte er damals. Vielleicht war sie wirklich wie eine Klette am Arsch geworden. Vielleicht hatte sie sich auch nur einen Narren gefressen am brummenden Bernd, der die Feinde nur so in der Luft zerreißt und aus ihren Leibern Kunstwerke machte. Todeskunst.
Dann waren die nächsten Becher dran geleert zu werden. Und das wurden sie, ebenso noch viele mehr diesen Abend. Viel sprachen sie heute nicht. Sie war etwas mürrisch durch den Treffer. Und er war eben Bernd. Und Bernd redet nicht viel von sich aus. Bernd mag nicht viel, Außer den Alkohol und den Tabak. Aber für gewöhnlich redete er mit ihr am meisten. Aber, sie fragte nicht nach. Das war gut und so bleib es bei Oberflächlichkeit. Zumindest hatte er mit ihr eine Person in der Rotte auf die er sicher bauen konnte, wenn schon der eigene Rottenmeister in den eigenen Augen für nicht gut befunden wurde.
Dann schaut er sie an, ruhig und steht schon auf. „Mitkommen.“ Und dann stapfte er schon in eine dunklere Ecke. Man hat das Schmerzmittel eingenommen, ein paar Drinks. Ein paar viele. „Ich hol dir die Kugel raus.“ Meinte er nur knapp und holt derweil schon Verband und ein Messer heraus. Ebenfalls zog er die Tischlampe näher. Nach langen Augenblicken und murren der Schützin die noch immer keine Widerworte gab, entfernte er ihr fachmännisch die Kugel, mit dem erhitztem Messer um Infektionen vorzubeugen. Das sie dafür mehr oder minder ihren Oberkörper freier legen musste, störte keinen von beiden, dafür zogen sie sich ja immerhin zurück und die dreckige Kaschemme war auch nicht wirklich gut besucht. So war das Ganze nach einigen Minuten vorbei, als er ihr schon den Verband um die Schulter anlegte und ihr ein „Fertig“, zu brummte und ihr die Hand für einen Augenblick auf den Rücken legte. Dann aber wendete er sich ab und war schon im Inbegriff eine Kellnerin heranzuwinken.

_________________
"Man sagt,
am Ende wird alles wieder gut.
Wenn es noch nicht gut ist,
ist es noch nicht das Ende."


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