Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
Aktuelle Zeit: 25. Feb 2018, 02:35

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 191 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1 ... 16, 17, 18, 19, 20  Nächste
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 28. Apr 2017, 07:49 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 08.2011
Beiträge: 117
Geschlecht: männlich
Irgendwo im Lager erklingt leise eine ruhig und wohlklingede Melodie. Eine Flöte spielt auf und die weichen sanften Klänge schleichen sich an die Ohren die sie hören. Ruhe kehrt ein und man vergisst was und wo man gerade noch ist. Zumindest ist das für den Mann so, der gerade spielt. Er hat die Augen geschlossen, die Flöte sitzt an seinen Lippen und er spielt. Auf einem Baumstamm sitzt er weiter weg am Lagerrand und spielt. Wie in Trance und der Musik verfallen, weich, sanft, fast schon wohltuend. Als wäre es hier der perfekte Ort zum entspannen, gar eine erholsame Oase. Einige Zeit spielt er, die Finger immer wieder hebend und senkend über den Klanglöchern, der Flöte. Was auch immer in ihm vorgeht man erkennt es nicht. Mit so viel Gefühl und Ruhe wie er dort sitzt und spielt, als es nach einiger Zeit aufhört und die ruhigen Klänge verhallen. Dann setzt er langsam die Flöte von den Lippen und öffnet nach einem Augenblick und einem Tiefen Atemzug die Augen, blickt hinaus in den dichten Dschungel des Ungoro. "Wenigstens habe ich meinen Frieden und meine Ruhe gefunden in der Musik." Eine längere Pause als er dort sitzt und wohl nachdenkt. "Zurück zu den Wurzeln." Meint er dann mit einem sanftem lächeln zu sich selbst und schaut hinauf in den fast ganz von Blättern verdeckten Himmel.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 25. Jun 2017, 00:30 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 576
Geschlecht: männlich
"Gefallen... durch eine ... aus euren Reihen - kurz nachdem ... sie den Schatten von Kaderwulst ... heraufbeschworen hatte."

Was für eine Flut an Informationen und Erinnerungen. Alexander Veidt saß nachdenklich am Lagerfeuer, starrte in die Flammen und ließ den Tag Revue passieren. Den kalten Thorsten wieder zu sehen brachte so viele Erinnerungen zurück. An Grimaldus Fäller, an sein Komplott und an die Gespräche mit Iris. Es war so viel Zeit vergangen. Mehr als zwei Jahre. Und doch waren die Erinnerungen noch so präsent. Fäller's Kopf, wie er zu Boden fiel. Das Blut, dass in die Fugen des Steinbodens floss. Ian, der im Kerker saß. Und all die Gedanken und Sorgen in diesen Tagen. Alexander schob diese Erinnerungen fort. Die Würfel waren gefallen. Fäller hatte sich sein Schicksal, sein Ende, selbst zuzuschreiben. Die Sache war verhältnismäßig glimpflich ausgegangen, für Alexander. Doch er hätte niemals damit gerechnet, den kalten Thorsten noch einmal wieder zu sehen. Nur zu gut erinnerte er sich an die Patrouille mit Kjell, damals. Die Bande von Thorsten hatte auf ihn gewartet, nachdem er gen Kaderwulst verschwunden ist. Und nun... "Eine aus euren Reihen" ... Alexander hatte all die Wochen in eine ganz falsche Richtung gedacht. Es war nicht Bonniy Lightshadow gewesen, die die Trolle mit ihrer Hexerei beeindruckt hatte. Diese Hexerei hatte sich nicht auf die explosiven Aufzieh-Hörnchen bezogen. Die Trolle hatten nicht Bonniy gemeint. Aber sie hatten echte Hexerei gemeint. Alexander stieß den Atem aus zusammen gebissenen Zähnen aus. Es gab nicht viele weibliche Deserteure des Dämmersturms, die noch immer am Leben waren. Seufzend schüttelte Alexander mit dem Kopf.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 19. Aug 2017, 11:57 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 576
Geschlecht: männlich
An die genaue Wortwahl konnte er sich nicht mehr erinnern, doch sinngemäß schossen ihm die Worte seines Bruders so oft in den Verstand: "Wir haben die verfickte Geißel überlebt. Wir haben jahrelang den Untoten getrotzt. Was kann uns denn noch fertig machen?" Oft dachte Alexander an diese Worte, zog Kraft aus ihnen - und die nötige Ruhe, die ihm trotz aller Bemühungen ab und an abhanden kam. Ja, er hatte genug gesehen, um die Schrecken von Silithus ausblenden zu können. Er hatte tote Kameraden erschlagen, als sie sich im Dienste der Untoten wieder erhoben hatten. Er hatte brennende Dörfer gesehen, das Elend der Seuche. Er kannte die Schrecken des Krieges. Er hatte in den Abgrund geblickt. Und er würde in dessen Angesicht nicht blinzeln! Ja, Ian hatte absolut Recht. Silithus war anders, zweifellos. Doch Schrecken war ihm nicht fremd. Das änderte leider nichts an der Tatsache, dass die üble Zauberei des Schwarms ihm dennoch in den Verstand stechen konnte wie wie Dolch. Oft war er der geistigen Folter bereits zum Opfer gefallen. Trotz bestem Bemühen. Trotz all seinem Hass, den er dem Feind entgegen warf. Doch zumindest war er noch am Leben. Seine Rüstung war nur noch ein Flickwerk aus mühsam repariertem Blech, auch war er wieder einige Narben reicher, doch wenigstens war er noch an einem Stück. Und seine Haare waren wieder ein Stück grauer geworden. Mit jeder verdammten Hexerei, die ihn zu Boden brachte, wurden es ein paar Strähnen mehr. Alexander starrte auf die völlig verwüsteten Ruinen, auf die Reste der eingestürzten Festung und auf die zahlreichen Silithiden-Kadaver, die sie umgaben. Dämlicher, naiver Optimismus würde ihn hier nicht lebendig heraus bringen. Er dürfte nicht leichtsinnig oder arrogant werden! Nein, er würde einfach weiterhin vorsichtig sein müssen. Sein Bestes geben und dennoch immer wachsam bleiben. Er wusste, dass das nicht ewig funktionieren würde. Er war sich sicher, dass er trotz aller Bemühungen nicht als alter Mann sterben würde. Denn er war nun einmal Soldat. Söldner. Er marschierte von einer Schlacht in die nächste. Und das Risiko, irgendwann nicht mehr lebendig heim zu kehren, war allgegenwärtig. Alexander schnaubte belustigt und schüttelte mit dem Kopf. Sie alle würden mit Silithus fertig werden müssen. Jeder auf seine eigene Weise. Die Alternative war der Tod. Und er selbst wollte leben. Noch war seine Zeit nicht abgelaufen. Er würde sich einfach weiterhin Tag um Tag erkämpfen müssen, wie schon immer.

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Klirrende Schritte und knarzender Sand unter seinen Stiefeln trugen ihn durch das Lager, welches am Fundament der zerstörten Festung errichtet worden war. Sein Blick wanderte über Zelte und Lagerfeuer, über verängstigte Trossmitglieder und schweigende Söldner. Er nickte diesen und jenem zu, ehe er sich an ein einsames, abgelegenes Feuer setzte, zum vernarbten Spiegelbild, dessen Gesicht so vernarbt war, wie es Alexanders Rüstung war. Ungefragt nahm Alexander Platz, richtete den Blick erst auf seinen Bruder, dann auf das klägliche Feuer, welches kaum in der Lage war, die Kälte der Nacht fern zu halten. Einen Augenblick lang suchte er nach Worten, obwohl ihm klar war, dass sein Bruder sowieso kein Freund vieler Worte war. Und im Grunde... gab es nichts zu sagen, was auch nicht ein Blick oder ein Grinsen vermochten konnten. Und so breitete sich ein Grinsen auf den stoppeligen Zügen Alexanders aus. Mit einem Deut zeigte er auf die ausgebrannten Reste des gigantischen Sandwurms, den er in zwei Teile gesprengt hatte. "Übertriff das mal", meint er mit einem kehligen, dreckigen Auflachen. Eine Spur Arroganz - ja, Alexander war Stolz auf seine Tat - aber weit mehr Galgenhumor in seinen Worten, während das Grinsen zu einem warmherzigen Lächeln überging. Die Blicke musterten einander, suchten wie tausendmal zuvor nach Verletzungen. Am Ende blieb nur ein Grinsen in Alexander's Zügen. Froh, seinen Bruder einigermaßen heil - und wichtiger noch, lebendig - vorzufinden. "Ein Untoter ist weg. Und ein anderer kam nun dazu." Keine Neuigkeit für Ian, lediglich eine Feststellung. Alexander zuckt mit den Schultern, drosch Ian dann auf den Schulterpanzer, ehe er etwas aus der Gürteltasche hervor kramte. Eine winzige Kerze, die er im Schein des Feuers drehte und nachdenklich betrachtete. "Was kann uns denn noch fertig machen?", wisperte er leise und schob die Kerze zurück in die Tasche, zog Nereon Thalem's Flachmann hervor, um an diesem zu nippen. Dann reichte er diesen an seinen Bruder weiter. Der Tod konnte so schnell kommen. So schnell konnte es einem das Lichtlein ausblasen. So lange hatten sie beide überlebt. Sie würden sich einfach weiterhin Tag um Tag erkämpfen müssen, wie schon immer.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 20. Aug 2017, 13:24 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 09.2011
Beiträge: 95
Geschlecht: weiblich
Delora
Als der Kommandant nach einem Schwert fragte zögerte sie keinen Moment. Es gab auch überhaupt keinen Anlass dazu, zu zögern. Nicht einen. Wenn ein Befehlshaber nach etwas fragte, so bekam er es auch. Ohne Widerworte. Ohne lächerliche Ausreden. Dass es sich hierbei um ihr schartiges lordaeronisches Soldatenschwert handelte, änderte sie Situation nicht. Es mag ein langer Gefährte auf ihren Wegen gewesen sein, doch mehr als ein Buschschwert war es für sie – außer zu der Einzugszeit – nie gewesen.
Ihre Waffe der Wahl war die Gleve pandarischer Machart; ein Geschenk ihres Mentors, geschmiedet um Mantiden zu schlachten. Wenn sie genau darüber nachdachte waren die Mantiden nicht sehr viel anders wie die Silithiden. Sie mochten intelligent und um einiges größer sein, doch auch sie kamen in großen Scharen wie eine furchtbare Heuschreckenplage und mähten alles nieder, was in ihrem Weg stand. Ja, vielleicht waren die Silithiden sogar in der Form erträglicher als das sie sich zerstreuten, sobald ihre Führungstiere starben.
Ihr Schwert? Nicht mehr als eine Erinnerung. Doch ein gewisser Stolz schwang in ihrem Blick mit, wenn sie sah, wie der Kommandant es führte. Es war nun in fähigeren Händen die es nicht nur gewohnt waren, sondern diese Waffenart auch gemeistert hatten. Die Gleve war ihre Waffe. Allerdings hatte sie diese gerade wieder gegen ein Schwert ausgetauscht – es galt, die Trossmitglieder vorzubereiten und ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Wer weiß, was noch kommen würde.


Aylen
Die Magierin lag auf dem Feldbett, dass verhüllte Gesicht in den gefalteten Umhang gedrückt. Sich nähernden Heilern bestätigte sie mit einem gefestigten Nicken und einer wedelnden Geste, dass alles in Ordnung war. Der Anblick dieser tristen Umgebung zehrte bloß an ihr – genau wie die ganze Präsenz von Silithus. Das Summen des Schwarms mag vorerst vergangen sein, doch in ihrem Kopf hallte es hintergründig wider.
Der Schlag gegen ihre Psyche unten am Turm hatte sie unerwartet getroffen. Vielleicht war es auch exakt das; mangelnde Vorbereitung. Die Sicherheit, dass es nicht wieder passieren würde. Es machte sie furchtbar müde, gegen den Einfluss dieses verfluchten Landes anzukämpfen. Tief ein- und ausatmend krallte sie ihre Hände in das Laken und entspannte sich kurz darauf wieder. Meditation und Training, Aylen. Mehr braucht es nicht. Dann ist alles wieder in Ordnung.
Zu sich selbst in den Umhang nickend blieb sie stillliegen, bis sie mit flatternden Lidern in einen dämmrigen Schlaf rutschte, dessen erzeugte Bilder ihr alles andere als Ruhe und Ordnung vermittelten.
Eine wohlbekannte Stimme meldete sich, schmiegte sich förmlich an sie und hauchte ihr ein: „Du kannst sie auch einfach alle verbrennen.“ ins Ohr, ehe der Klang seiner Stimme wieder in einem undurchsichtigen, wabernden Nebel verschwand.


Rena
Die Messerwerferin hampelte in der zertrümmerten Stadt herum; meistens damit beschäftigt, kleinere Aufgaben zu erledigen, die dem Vorangehen des Schlachtzuges halfen. Abseits dieser nicht lange anhaltenden Beschäftigung – es langweilte sie furchtbar – lief sie scheinbar ziellos umher. Mit schnellem Tempo eilte sie über die Hänge aus dunklem Stein und ließ den aufgeblähten Umhang, den sie mit beiden Händen festhielt, hinter sich her wehen. Die Geräusche dazu sparte sie sich – die meisten Söldner waren nicht in Spaßlaune. Verständlich. Irgendwo, jedenfalls. Trübsal blasen war jedoch keine ihrer Tugenden, sodass sie auch gar nicht daran dachte, stillzusitzen.
Sie wusste das es pures Glück ihrerseits war, nicht gravierend verletzt worden zu sein – das einzige was sie zu beklagen hatte, waren ein paar Löcher in der Rüstung, die ohnehin nicht gerade die beste oder schönste war.
Statt sich auch nur annähernd mit der jetzigen Situation zu beschäftigten hupste sie ohne Pause hin und her und fragte sich stumm, ob es hier überhaupt so etwas wie eine Tierwelt gab. Käfer? Ja klar, eine ganze Menge. Aber auch kleinere? Ungefährliche? Hier musste es doch etwas geben. Und wie viel Gold konnte man eigentlich damit verdienen, wenn man echte Mitbringsel aus Silithus verscherbelte – zum Beispiel Panzerchitin, kleine Mauerstücke der verfluchten Stadt oder sogar Elfenohren? Blinzelnd sah Rena zum Himmel auf. Gar keine schlechte Idee.
Sie dachte nicht einmal ansatzweise daran, dass sie nicht zurückkehren konnte.


Lynn
Die Schützin lief schonwieder im Lager umher – auch, wenn das eher nicht das ist was jemand tun sollte, der schwer verletzt wurde. Sie erinnerte sich bloß an das schmatzende Geräusch der verheerenden Sensen, die sich mehrmals in sie schlugen. Zähneknirschend stützte sie sich beim Laufen auf den ungespannten Bogen. Es war kein Geheimnis, dass sie eine Abneigung gegen Rottenmeister Veidt hegte – doch wenn es vorher nur eine Ahnung war, war es nun offensichtlich. Nur weil er die Stellung nicht aufgeben wollte, ist der Sandwurm in die Festung gekracht. Es hätte mehr passieren können. Viel mehr. Aber die Verluste die dadurch geschehen waren, waren schon hoch genug. Die Stadt stand in Flammen. Das war ihr klar. Doch man hätte den Angriff ablenken können. Man hätte.. Lynn schnaubte. Es brachte nichts, darüber zu grübeln. Es war geschehen. Es würde wieder geschehen. Und wieder würde keiner nach jemandem suchen, der einen Fehler begangen hatte. Da suchte man schon gar nicht bei einem Rottenmeister.
Als ein stechender Schmerz ihre Seite hochfuhrt hielt sie inne und zog scharf die Luft durch zusammengepresste Zähne ein. Ihre Arme waren vergleichsweise glimpflich davongekommen. Mehr war ihr nicht wichtig. Mehr brauchte sie nicht zum Schießen. Das rechte Bein zog sie schleppend hinterher und seit dem Vorfall atmete sie flach und rasselnd. Es war, als würde sie keine Luft mehr bekommen; egal, wie sehr sie es versuchte. Mit einem Ächzen ließ sie sich an Ort und Stelle auf einem Trümmerstück nieder – doch ihr Atem beruhigte sich nicht.
Es war kein dummer Vorschlag Vaelns gewesen, die Verletzten zurückzulassen. Sie waren leichte Beute. Doch es blieb keine andere Möglichkeit. Die Vorräte wurden knapp. Die Motivation schwand. Lynn konnte die Meuterei und den Aufstand schon förmlich schmecken. Ein schneller Aufbruch war alles, was ihnen blieb. Schnaubend kratzte sie sich in der Rippengegend am Verband und zuckte gleich wieder zurück, als der Schmerz erneut aufflammte. Es wurde Zeit, die Sache zu Ende zu bringen. Komme, was wolle.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 12. Nov 2017, 20:35 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 576
Geschlecht: männlich
Fjölni

In seinen zweihundertsiebzehn Lebensjahren hatte Fjölni Felhammer mehr Krieg gesehen als mancher Mensch in seinem ganzen Leben sehen konnte. Nur allzu gut konnte er sich an die Schlachten gegen die Dunkeleisenzwerge erinnern und an die zahlreichen Gefechte bei Grim Batol. Er hatte seine Söhne an die Dunkle Brut verloren. Und ihre Mutter zu Grabe getragen. Die Heldenhammer-Familie war einst groß und bekannt gewesen, ehe all die zahlreichen Kriege die Sippe mehr und mehr dezimiert hatten. Er war einst ein Greifenreiter gewesen und hatte so manches Tier verloren, so manchen Kameraden und Freund sterben sehen, durch die unheiligen Zauber der Dunklen oder durch ihre merkwürdigen Golem-Konstruktionen. Aber Fjölni hatte niemals aufgeben, selbst als sein Weib und seine Söhne unter der Erde lagen. Er hatte niemals damit aufgehört, seine Heimat zu verteidigen. Und dann waren die Kriege vorbei. Die Dunkeleisenzwerge zogen sich in den Süden zurück, in die höllischen Länder, die den Schwarzfels umgaben. Und Fjölni Heldenhammer stand plötzlich ohne Krieg da. Ohne Ablenkung, die half, den Kummer zu vergessen. Es war weniger die Rache, die ihn dazu bewog, auf einen Feldzug gegen die Dunkle Brut zu beharren, als vielmehr der Wunsch, einfach nur beschäftigt genug zu sein um nicht an den Schmerz zu denken. Oder daran, wie zerstört er selber war. Als die Orcs durch das Portal kamen, gab es endlich wieder Schlachten zu schlagen. Doch leider waren dies auch Schlachten, in denen er weitere Familienmitglieder verlor. Der Krieg gegen die Horde ließ kaum mehr als eine Handvoll Heldenhammer-Zwerge übrig. Jeder von ihnen, vom Kummer gezeichnet, verstreute sich in alle Himmelsrichtungen. Als schließlich eine Expedition zusammen gestellt wurde, um durch das Dunkle Portal zu gehen, schloss sich Fjölni nur allzu gerne Kurdran Wildhammer an. Und wenigstens fanden die Schlachten all die Jahre kein Ende mehr, denn die Dämonen waren wortwörtlich Legion und ruhige Tage waren auf der anderen Seite des Dunklen Portals so selten wie Wasser in der Wüste. Ironisch, dass ein zerbrochener Zwerg auf einer zerbrochenen Welt schließlich wieder heile werden sollte. Erdheiler Sophurus, ein Zerschlagener der Draenei, brachte ihm die Wege des Schamanismus bei und half ihm, wieder ins Reine mit sich und dem Universum zu kommen. Als ausgebildeter Schamane vermochte Fjölni mehr, als all die Jahrzehnte auf dem Rücken eines Greifen zuvor. Er hatte seinen Frieden gefunden, obwohl die Wildhammerfestung nahezu täglich von Dämonen belagert wurde. Und Fjölni, dem der Ehrenname Felhammer verliehen worden war, verteidigte tapfer seine neue Heimat, wie auch all die Jahrzehnte davor. Es war die Nachricht vom Tod seines Bruders, die ihn schließlich dazu brachte, wieder nach Azeroth zurück zu kehren.

Was er vorfand war eine Welt, die beinah so zerschlagen war wie Draenor. Das Weltenbeben hatte etliche Landstriche verwüstet und der Schattenhammer war eine ernst zunehmende Bedrohung. Fjölni hatte nicht viel Zeit gehabt, um seinen toten Bruder zu trauern, denn es galt zum Einen, sich dem Schattenhammer entgegen zu stellen und zum Anderen, die Schäden des Weltenbebens zu beseitigen. Damals hatte er sich dem Irdenen Ring angeschlossen, um Teil eines größeren Ganzen zu sein, um effektiver arbeiten zu können. Und es gelang, Todesschwinge zu bezwingen. Es gelang, den Kataklysmus zu beenden. In den Jahren darauf hatte Fjölni gemeinsam mit dem Irdenen Ring etliche Nester des Schattenhammers ausgehoben und sich um die Heilung des Landes gekümmert. Zum ersten Mal war nicht der Krieg sein Handwerk, sondern etwas Höheres, etwas Wichtigeres. Warum war er noch gleich zum Söldnerbund Dämmersturm gegangen? Er hatte jedem, der ihn das gefragt hatte erklärt, dass er mehr sein wollte als nur der Schamane des Irdenen Rings. War das die Wahrheit? Die ganze Wahrheit? Fjölni hatte sich diese Frage oft gestellt. Auf See, in der Wüste und im Urwald von Un'Goro. Warum das alles? Er war sich nicht sicher, ob er selber eine Antwort darauf wusste. Aber er machte einen Unterschied, hier, am Ende der Welt. Ein weiteres Mal stellte er sich Dämonen und Kultisten entgegen. Ein weiteres Mal erlebte er den Krieg, wie er intensiver kaum sein konnte. Aber nicht um des Krieges willen, nicht, um irgendeinen Schmerz zu betäuben. Sondern um zu bewahren, zu beschützen und zu heilen. Denn er würde immer auch der Schamane bleiben. Und dieser hatten Aufgaben zu erfüllen, hatte eine Pflicht, die genau so wichtig war wie jene die er dem Sturm gegenüber hatte. Er würde auch jetzt nicht aufgeben. Das Lager voller Verwundeter, voller Trossmitglieder verließ sich auf ihn. Er und Vaeln würden abwehren, was immer der Feind ihnen entgegen schickte. Er musste hier einfach obsiegen, musste hier einfach überleben. Denn am Wichtigsten war noch immer der Grund, heil nach hause zurück zu kehren. Das Ziel war so nah. Das Ende des Feldzuges war in Sichtweite. Nur noch ein paar Tage, dann würden sie auf dem Weg zurück sein! Reiter des Schattenhammers näherten sich. Fjölni nahm unweit von seinem Rottenmeister Position auf einem der Karren ein und wisperte auf Kalimag, um die Elemente um ihren Beistand zu bitten. Sie waren schwach, in diesem toten Land. Aber schon in der Scherbenwelt hatten die Elemente bewiesen, dass sie so einfach nicht aufgaben - genau so wenig wie er selbst. Er würde dem Feind alles entgegen werfen, was er hatte!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 3. Dez 2017, 05:38 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2013
Beiträge: 184
Geschlecht: weiblich
Abschied vor Gadgetzan

(Wichtig: Die Worte sind zitiert (kursiv geschrieben), die Emotes nicht - sie geben meist schlichtweg den Sinn der abgegebenen Emotes wieder. Eventuelle Abtippfehler möglich.)



Schwer schleppten sich die Schritte der schweigenden Überlebenden durch den Sand. Knirschender Sand, knarzendes Leder, rasselnde Ketten und schwere Atemzüge erfüllten die Luft. Es dauerte eine Weile, bis sie endlich Gadgetzan ausmachen konnten. Einige Gesichter erhellten sich endlich, andere schienen völlig ungerührt zu bleiben. Nach wenigen weiteren Schritten stach das Schlachtenmosaik die Wellenheimer Lanze in den Boden und wandte sich den kläglichen Überresten seiner Untergeben zu.

"Es war ein harter Krieg. Es war ein langer Krieg. An seinem Ende stand der Untergang des Leviathans. Der Untergang von Silithus. Der Untergang unserer Freunde. Wir alle haben schlimme Zeiten erlebt. Ich werde es anderen Zungen überlassen, sich den Ruhm anzueignen, sie in Worte zu fassen. Noch sind die letzten Seiten des Berichts nicht geschrieben. Das Skriptorium wird seinen Teil dazu beitragen, diese bitteren Tage in den Annalen des Söldnerbundes festzuhalten. Worte der Trauer sprach ich bereits, bevor wir nach Osten aufbrachen."
Der Kommandant machte eine Pause, ehe er weitersprach. Nicht jeder schien ihn wirklich zu hören.
"Und Worte der Lobpreisung, die keiner so recht hören will - am Ende dieser beschwerlichen Reise - hebe ich mir für später auf. Die meisten unter euch haben mehr geleistet, als irgendjemand vor Beginn dieses Feldzuges von euch zu erwarten fähig gewesen wäre. Das wird der Dämmersturm nicht vergessen. Ihr seid die getemperte Elite und allen ein Vorbild, die noch kommen werden. Doch wir sind müde. Unsere gestählten Seelen sind ermattet. Unsere eisenen Herzen sind rau und stumpf geworden. Wir haben unzumutbare Dinge gesehen. Dinge, die wir verstanden haben. Und Dinge, die wir nicht verstanden haben. Solche, die zu verstehen waren - und andere, die durch und durch chaotisch... Ja, die falscher waren als irgendetwas sonst."
Seine Stimme erklang rostig, doch einige schienen allmählich aufmerksamer zu werden.
"Mir ist nicht entgangen - im Kampf und auch später nicht - dass es Charaktere unter euresgleichen gibt, die nicht einverstanden sind - mit den Entscheidungen, die ich getroffen habe und den Konsequenzen, die ich daraus zog. Das Opfer der Natter ist eines davon, gleichfalls wie mein Vertrauen in dieses Ding, das wir die Lanze nennen. Ich sprach darüber bereits, doch will ich es nicht bei Worten belassen. Ich habe... Darüber nachgedacht."
Tim Orodaros schmaläugiger Blick wanderte streng durch die Reihen. Die Aufmerksamkeit richtete sich auf ihn. Samara Ryte, die junge Magierin, begann ihre Robe zu kneten. Die Augen, die nun schon eher von grün, als von braun dominiert wurden und von denen eines milchig blind geworden war, wandten sich zu Vaeln Reddick, dem Rottenmeister. Sie erschien unsicher. Letticia Silberhauch, die gilnearische Schützin, schnaubte amüsiert - für sie war es wohl ganz großes Kino, welches sie höhnisch betrachtete. Nokomis von Lichtensang, die Nahkämpferin, die nun schon eine ganze Weile dem Dämmersturm diente schrägte den Kopf ungläubig. Würde er etwa...?

"So wie jeder von euch, der in diesem größten und wichtigsten aller dämmersturmschen Feldzüge an meiner Seite kämpfte, die Ehre erhalten soll, den Eid ablegen zu dürfen... So will ich auch jene, die ihn bereits abgelegt haben, vor die Wahl stellen. Ich hege keine Selbstkritik an meinem Vorgehen. Ich war mir, als ich es tat, stets über die Konsequenzen im Klaren. Ich sehe, dass die Dinge, wie sie geschahen, notwendig waren um den Leviathan zu vernichten."
Noch immer erklang die gewaltige Stimme rostig und rau, so wie es sich für einen Söldner gehörte. Schweres Schlucken, unsichere Blicke, in Gedanken versunkene Gesichter, wohin man auch sah. Nur wenige schienen sich ihrer Sache sicher zu sein.
"Und für gewöhnlich würde ich an den Eid appellieren - euer Vertrauen in mich - und die Verpflichtung, die ihr nach bestem Wissen und aufgrund eurer eigenen, freien Entscheidung eingegangen seid. Ich würde daran appellieren, um eure Zweifel zu tilgen - die unrechtens und fehlgeleitet sind. Doch ich denke, dass ich der Größe eurer Taten nur den angemessenen Respekt zollen kann, wenn ich mich an dieser Stelle über das dämmersturmsche Recht erhebe. Der Wert des Zeremoniells, unseren Eid betreffend, mag sich auch an der Seltenheit der Ausnahmen messen, die ihm gegenüber zugelassen werden. Ich denke, es ist an der Zeit, eine solche Ausnahme auszusprechen, denn nie wieder soll es dem Dämmersturm oder seinen Freunden aufgebürdet sein, einen Feldzug wie diesen durchstehen zu müssen. Und auch weil ich mich Sorge, dass Groll und Feindseligkeiten den Büßerfeldzug überdauern könnten - unter Zwang oder aus Pflichtbewusstsein - spreche ich jene vom Eid frei, die nicht länger diesem Banner folgen möchten. Sei es, weil sie ihre Aufgabe als erfüllt erachten - das will ich bestätigen - oder weil sie ihm in der Zukunft nur mit tiefstem Widerstreben dienen können. Gibt es so jemanden? Er möge zur Seite treten und in allen Ehren unsere Reihen verlassen."


Stillschweigen. Unglaube. Die Worte des Kommandanten verhallten. Es dauerte eine Weile, bis sich die Ersten rührten. Worte wurden geflüstert, Wappenröcke wurden über einige Köpfe gezogen und Blicke getauscht. Letticia fand noch immer ihre eigene kleine Belustigung in der Vorstellung, während Samara überlegte und ihre Augen auf den Rottenmeister Vaeln legte - welcher den Wappenrock als erster hergab. Nokomis Hände zitterten, als auch sie die Heraldik abstreifte, die eine lange Zeit zu ihr gehörte. Ozeanblaue Iriden suchten nach ihren liebsten Gesichtern. Alvrim. Finnje. Dann senkte sich der Blick wieder auf das Wappen - auch sie trat vor. Samara verließ schlussendlich die Reihen.
Der Söldnerbaron schüttelte Hände und umarmte seine ehemaligen Eidträger. Melancholie schwang in vielen Blicken. Freundschaften zerbrachen und andere wurden geschlossen.
Der letzte Abschied von Waffenbrüdern und Schwestern, während des Büßerfeldzuges - hoffentlich. Auch wenn die Luft von Negativität und schlechten Gefühlen - an manchen Stellen sogar von Trauer - dominiert wurde, ist dieser wohl der Einfachste - und sicher nicht zwangsläufig einer für die Ewigkeit.
Wege trennen sich und Geschichten werden fortgeführt - gleich ob unter dem Banner des Dämmersturms vereint oder nicht.

_________________
"I can. I will.
Believe that.
"
-Roman Reigns


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 3. Dez 2017, 20:53 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 09.2011
Beiträge: 95
Geschlecht: weiblich
Aylen

„Du bist frei, Eisblume. Frei zu gehen.“, raunte es in ihrem Schädel. Die ihr so liebgewonnene Stimme hinterließ ein hallendes Echo in der Leere. Im Hintergrund knirschte Leder und rasselte Kette, als einige Söldner das Wappen des Dämmersturms ablegten. Heftig blinzelnd kam auch Aylen zurück in die Realität.
Freiheit. Ein bitterer Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus und sie schmatzte unwillkürlich. War es nicht das, was sie seit Anfang des Feldzuges nach dem Kult-Vorfall wollte? Freiheit? Die felgrünen Augen huschten mit einer Spur Unglauben durch die Reihen. Doch sie verstand. Nach dem Feldzug brauchte der Sturm ganz sicher eines nicht – mehr Messer im Rücken, als er es sowieso schon hatte. Noch mehr Verräter, die in den eigenen Reihen lauerten.
Sie atmete tief durch, sog die heiße, schwüle Luft förmlich ein, bis ihre Lungen davon brannten. Für einen Moment war sie verlockt, ebenfalls zu gehen. Nie wieder fragwürdige Einsätze. Nie wieder Situationen, die einen an die eigenen Grenzen brachten.
Ihr Blick wanderte zu dem neben ihr levitierenden Eissarg des gefallenen Rottenmeisters. Sacht schüttelte sie den Kopf. Es war irrelevant – ihr Schicksal war unweigerlich mit dem des Sturms verbunden. Es gab kein zurück mehr, ob sie nun bleiben oder gehen würde. Mit Richard verlor sie ihre große Liebe, mit dem Vorfall ihren Verstand und letztlich verlor sie auch Torfstich, der ihr zugleich ein geliebter und verhasster Mentor und auch eine Vaterfigur war. Alles andere würde einfach keinen Sinn machen. Also festigte Aylen ihren Stand und sie blieb genau dort, wo sie war.
Sie hatte ihren Frieden mit der Entscheidung gemacht, als sie eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahrnahm; Vaeln, der sich an die Seite der anderen Deserteure stellte. Ihre Augen weiteten sich, während sich Bestürzung in ihr ausbreitete. Es schockierte sie nicht, dass er ging – es schockierte sie, dass er sie nicht einmal ansah. Kein Blick wurde an sie verschwendet, keine letzten Worte.
Doch auch hier verstand sie schnell. Für so viele Monate war sie an seiner Seite gewesen, Tag als auch Nacht. Sie hatte geglaubt, einen wahren Freund in ihm gefunden zu haben. Ein verbittertes, zittriges Lachen entwich ihr. Mittel zum Zweck. Mehr war sie nicht. Sie hätte es wissen sollen.
Er wendete sich ab und stapfte gen Stadt, ohne auch nur einmal zu ihr zu blicken oder stumme Worte zu flüstern. Die Magierin spannte sich an und knirschte mit den Zähnen, zum Kommandanten blickend. Zum ersten Mal wünschte sie sich, dass er tatsächlich kein Erbarmen haben würde – dass er den bellenden, rostigen Befehl geben würde, die Verräter augenblicklich hinzurichten. Es bestand kein Zweifel daran, dass sie ohne zu Zögern Feuerbälle nach ihnen geworfen hätte. Doch nichts dergleichen geschah. Sie fühlte, wie sich leere Kälte und tobendes Feuer in ihr aufwarfen und mit sich rangen. Ein ewiger Kampf, der in ihr wütete.
Mühsam schluckte sie den Zorn hinunter, so wie sie es immer zu tun pflegte. Zugegebenermaßen hätte es relativ wenig Sinn, sich jetzt noch auf ihn zu stürzen. Die Schlacht war vorbei. Einzig der Gedanke daran, dass auch er auf ewig eine Last mit sich herumtragen würde besänftigte sie.
Denn jeder von ihnen war gezeichnet. Ob loyaler Sturm-Anhänger oder verräterischer Deserteur. Jeder von ihnen.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 5. Dez 2017, 18:12 
Offline

Registriert: 02.2010
Beiträge: 136
Wohnort: NRW Recklinghausen
Geschlecht: männlich
Vaeln

Heute war der Tag. Das letzte Mal für eine hoffentlich lange Weile würde sein Weg, den des Dämmersturms kreuzen. Sold für einen Feldzug abholen, der immer länger wurde, den man aber dann am Ende doch irgendwie durchgestanden hat. Jeder trug jetzt eine Last mit sich, viele waren von Magie verseucht und immerhin sahen einige noch älter als er aus. Veidt hatte sich über der vergangenen Röte lustig gemacht – und war selbst ergraut. Er hatte viel Zeit nachzudenken, als er da so auf seinem Bett saß. Ein Bett. Was eine Wohltat. Mit den letzten Münzen die er dabei hatte, gab es Essen, Trinken – Schwein und Bier noch am selben Abend des Austritts mit Nokomis. Grade mit ihr, dem Weibchen des alten Everads. Dazu ließ er seine Rüstung flicken, nahm sich ein Bad und besorgte sich ein einfaches Hemd, eine neue Hose und ein neues Paar Stiefel.
Vor ein paar Tagen war das alles noch undenkbar. Der ehemalige Rottenmeister war antriebslos und marschierte, weil vorne im Zug jemand lauthals brüllte, dass sie alle marschieren sollten. Ein paar Tage vor der Ankunft in Gadgetzan hatte ihn Samara noch aufgesucht und ihn irgendwo wachgerüttelt. Er bis dahin gänzlich stand neben sich, schaute sich von oben zu und war nicht zufrieden mit sich und seinem Weg.
Noch immer musste er sich eine Backpfeife geben, damit er sich sicher sein konnte, was der Kommandant da getan hatte. Ein Mann, für den Vaeln nur Verachtung und Antipathie übrighatte, aber auch irgendwo Respekt, nicht vor dem Menschen an und für sich, sondern eher für den Antreiber und Feldherren. Doch er hatte sie frei gelassen – entlassen aus seinem Dienst und dabei wurde der unweigerliche Tod umgangen. Unglaublich – unfassbar und irgendwie surreal. Seit der Todweihung wollte er nicht mehr Teil des Apparates sein, dabei es gab oft Phasen in denen es schwer war und jetzt war das Gefühl der „Freiheit“ so unbeschreiblich, so überwältigend.
Er ließ all die Ereignisse nochmal durch seinen Kopf gehen, die Guten sowie die Schlechten, denn von beidem gab es viele und grade dieser Feldzug gehörte im Gesamtüberblick zu den Schlechten, aber auch er hatte Lichtblicke. Un’Goro war wie eine verkehrte Realität, unglaublich und anders. Es gehört eigentlich nicht in Worte gefangen, denn es war ein Ort des stetigen Wandels. Der einzige Ort aktuell, denn er vermutlich noch einmal bereisen wollen würde. Eine große Jagd. Vermutlich für sein Ende.
Wenn wir weiter zurückgehen, kommen die Erinnerungen an Pandaria hoch. Rottenommeisterom des Söldnombundnomdämmersturonoms. Eine einzigartige Erfahrung sich mit einem Volk so zu verständigen – Gesten, Mimik. So eine komplett verschiedene Kultur – auch wenn sie erst sehr unfreundlich empfangen worden waren – war es wert sie mehr kennen zu lernen. Wie man dann mit Harad und den Pandaren am Tisch saß – es war ein wundervoller Abend. So warf der Feldzug mehr Schatten als Licht auf. Der Hexerkult in Tanaris, der Schattenraptor in Un’Goro, Silithus an und für sich, wobei auch in Silithus ein Lichtblick für ihn zu sehen war, wenn auch er dort das schrecklichste Erlebnis seiner Geschichte hatte.
Der Lichtblick war die Nachtelfe Sharyell Ashnawell. Eine Gefangene aus den Bergen Silithus, die eigentlich versucht hatte ihn und seine Kameraden zu ermorden. Er war freundlich zu ihr, bewachte sie hauptsächlich und ließ ihr dabei stellenweise Fürsorge, sowie Nahrung und Essen zukommen und auch wenn sie nicht mit ihm sprach, sprach er einfach mit ihr – wild drauf los und erzählte ihr zusammenhanglos unwichtige Dinge. Vaeln bewunderte die Nachtelfen, auch wenn Orodaro sie als Feinde ansah. Sharyell, eine zerschlissene Kämpferin, gezeichnet durch Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende des Krieges.
Walter übersetze einmal für ihn zu ihr hin und auf Vaeln reagierte sie zumindest weit freundlicher, wobei das noch weit entfernt von einer positiven Beziehung war.
Für eine ganze Weile will er Kalimdor den Rücken kehren, aber wenn er in einem Jahrzehnt soweit ist, bleibt das Ziel dennoch einmal die Lande der Nachtelfen zu bereisen – sie zu erfahren und kennen zu lernen und das trotz dessen, dass er gegen sie gekämpft hat. ‚Die Nachtelfen sind die natürlichen Feinde des Dämmersturms‘, sagte der Kommandant und Vaeln biss sich damals auf die Zunge und sagte nichts. Für Vaeln waren die Nachtelfen irgendwie vollkommene Geschöpfe und das war für ihn schlicht die Wahrheit. Aber seine Meinung und die des Kommandanten gingen in vielen Punkten auseinander.
Silithus. Das Monster, halb Maschine, halb Fleisch. Ein Dämon mit einem Maschinengewehr im Magen. Er hat das Lager zerrissen und sie hatten grade so überlebt. Es war ein Blutbad, ein Massaker. So viele Tote, so viel Geschrei. Es würde ihn begleiten. Denn so schrecklich war der Feldzug der Allianz gen Nordend nicht einmal für ihn gewesen. Dann noch die Silithiden, diese Masse die einen einfach zu ersticken versuchte, es war einfach sehr viel passiert. Gegen was sollte man denn noch nach diesem Feldzug ernsthaft kämpfen? Was würde dem Schrecken gleichen, denn man dort vor den Klingen hatte? Er selbst war müde gewesen. Wollte einfach nicht mehr kämpfen und hatte in seinem Leben genug Krieg, Tod und Leid gesehen. So empfand er es zumindest.
Aber das war nur der Feldzug. Er dachte noch an die Dinge, die weiter zurücklagen. Die Schönen und die Schlechten. Die Erinnerung an die Rotte Everard von damals würde eine positive bleiben. Der Schabernack mit Bruces. Vor allem das Scheißen in die Stiefel des Rottenmeisters – ein Geniestreich der Unterhaltung. Vaeln lächelte wehmütig ob der Erinnerung, aber rasch stieg auch die Todweihung wieder als eben eine solche Erinnerung in ihm auf. Er hatte königliche Wachen getötet und das war der Anfang vom Ende. Das war der Scheideweg, das war der Bruch mit dem Dämmersturm. Davor wäre er Orodaro ohne Nachdenken in die meiste Scheiße gefolgt. Eid aus Gier, nicht aus Überzeugung. Aber wenn der Eid zur Last und die Gier gestillt ist, bleibt nicht viel was einen hält, außer dem potentiellen Tod bei der Flucht. Und der Tod war keine Option. Er hatte sich damit abgefunden als Söldner des Dämmersturm sein Ende zu finden. Aber er wollte wenigstens mehr erreichen für alle und für sich höher kommen und etwas bewirken. Dennoch konnte er auf dem Büßerfeldzug nicht seine eigenen Leute schützen und das war für ihn selbst erschütternd.
Ein leises Lachen entfuhr ihm sogar, als er daran dachte, dass er sich letztlich sogar halbwegs mit Falkner verstanden hatte und sich im selben Atemzug daran erinnerte, wie sie vor dem Hauptquartier standen und Falkner auf ihn eingedroschen hatte. Falkner dieser alte Bastard. Irgendwie mochte er diesen verbitterten erzürnten kleinen Jungen von einem Veteranen. Er schüttelte den Kopf, wie auch den Gedanken an Falkner ab und fuhr sich schließlich durch das langgewordene grauweiße Haar.
Es war ein langer Weg bis hier hin. Die Insel, auf dem er all dem Gold entsagt hatte und dafür einen Armreif bekommen hatte. Hier und da kleinere Aufträge. Der Alteracfeldzug, dann die Erhaltung im Norden während man sich gegen das druidische Wehklagen versuchte zu wehren. Davor noch der Tod einer Freundin. Iris Theane. Niedergetrampelt von verrückten Zwergen. Es kamen viele Erinnerungen an diesem Morgen in ihm hoch. Freundschaft, Kameradschaft, Feindschaften, Liebschaften – Hass, Verachtung, Trauer, Benommenheit. Finnje Freitag, Alexander Veidt, Bruces Falkenbach, oder auch liebevoll Flautenbach genannt, Derebron Darkwood, Aylen Thalindar, Iris Theane. Dass waren die Menschen die ihm über die Zeit im Sturm ans Herz gewachsen waren und für die er viel geben würde. Aylen hatte ihm durch diesen Feldzug geholfen und er ihr hoffentlich auch irgendwie.
Speziell dachte er aber an Freyri Heldenhammer. Einen guten Freund, dem er den Besuch im Nachleben noch immer versagte und einfach stur weiterlebte. Er war nur dank ihm nicht mehr todgeweiht, denn das war sein letzter Wille. Ein Freund – ein Vorbild als Rottenmeister, dem er nie auch nur nahegekommen war. Menschlich sowie in der Kompetenz.
Er hatte sich nur von der Einheit als solches verabschiedet – als Rottenmeister. Noch war er in Gadgetzan, wenn auch nur noch heute oder morgen. Aber es gab noch zwei Menschen im speziellen, die er sehen wollte vom Sturm, auch wenn sie vermutlich schwer aufzutreiben waren. Aylen und Alvrim. Für beide hatte er Worte übrig, für eine auch noch einen Brief, falls man sich verpassen würde. Ohne sie hätte er sich im Feldzug verloren, ohne ihn wäre sein Weg nicht so weit gegangen. Das Kapitel Dämmersturm würde am heutigen Tag enden und er hoffte das keine Zusammenarbeit mehr kam, wobei es mehr darum ging, kein Teil mehr davon zu sein. Er war frei für etwas Neues. Er würde heimgehen, auch wenn er nicht ganz wusste, wo das war, aber er würde es finden, dessen war sich Vaeln sicher.
Er drehte den Kopf nach hinten und betrachtete das Bündel Frau im Bett bei der nur das rotbraune Haar hervorlugte unter der Decke. Ein Schnauben folgte, dann stand er auf und ging zu einem kleinen Schränkchen hinüber. Die Geschichte würde ihn auf ewig brandmarken. Denn auf seinem Rücken begleitete ihn noch immer sein Schwur. Sein Haar hatte die Farbe verloren, seine Augen etwas Farbe dazugewonnen und seine Seele hatte Schaden genommen. Aber er stand noch, auch wenn die Last des Feldzuges schwer wog. Er würde weiter stehen, weitermachen, weiterleben. Ohne den Dämmersturm.

_________________
"Man sagt,
am Ende wird alles wieder gut.
Wenn es noch nicht gut ist,
ist es noch nicht das Ende."


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 8. Dez 2017, 01:26 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 576
Geschlecht: männlich
Fjölni

"Gibt es so jemanden? Er möge zur Seite treten und in allen Ehren unsere Reihen verlassen."

Es war, als würde man Fjölni Felhammer den Boden unter den Füßen weg ziehen. Schon vom ersten Tag an hatte man seine Motive, sich dem Dämmersturm anzuschließen hinterfragt. Tatsächlich hatte ihn Alvrim Everard, der damals noch für die Rekrutierung zuständig war, fort geschickt. Er hatte den heutigen Champion überzeugen, beinah bitten müssen. Doch warum? Er selbst musste für Everard eine wandelnde Erinnerung an seinen Großneffen gewesen sein. Alle Zwerge der Heldenhammer-Familie hatten die gleichen, eisblauen Augen. Ähnliche Gesichtszüge. Fjölni musste für den Champion eine ständige Erinnerung an einen verlorenen Kameraden und Bruder gewesen sein. Doch Fjölni hatte sich durchgesetzt. Und seinen Wert wieder und wieder bewiesen. Er war es, der mit Worten alleine ein gigantisches Urtum stoppte und davon abhielt, ein ganzes Dorf in Alterac in Grund und Boden zu stampfen. Mit seinen Worten und seiner Weisheit alleine hatte Fjölni den Kampf beendet. Und möglicherweise war diese Lösung, ohne Gewalt, auch eine der größten Leistungen seines zweihundertsiebzehn Jahre dauernden Lebens gewesen. Das, so wurde ihm heute klar, war sein erster Schritt im Sturm gewesen und gleichzeitig auch der erste Schritt, der ihn nun, heute, wieder fort vom Dämmersturm führen sollte. In seinem langen Leben hatte Fjölni unendlich viel Krieg gesehen und war ständig ein Teil davon gewesen. Die Schlachten gegen die Dunkeleisenzwerge, der Krieg gegen die Horde und schließlich seine Reise in die Scherbenwelt, um dort jahrelang gegen die Legion zu kämpfen. Fjölni hatte so viel an den Krieg verloren. Und er hatte sich selbst verloren, als es im Grunde keinen anderen Grund mehr gab, weiter zu machen. Es gab nur noch den Kampf. Nur noch die nächste Schlacht. Doch die Scherbenwelt hatte ihn verändert. Als man ihn in den Wegen des Schamanismus unterwies, konnte er endlich von all der Trauer und all dem Zorn ablassen. Als Schamane war er mächtiger als je zuvor. Sowohl im Kampf, als auch außerhalb, im Lazarett der Wildhammerfeste. Die Nachricht vom Tod seines Bruders war es, die ihn schließlich gänzlich aus diesem niemals enden wollenden Krieg heraus riss. Fjölni kehrte nach Azeroth zurück und fand die Welt in Trümmern liegend. Damals schloss sich Fjölni dem Irdenen Ring an, um die verwundete Welt zu heilen. Er half, die Schäden des Weltenbebens zu beseitigen und den Schattenhammer zurück zu drängen. Der einstige Krieger war zu einem Heiler geworden. Doch das hatte nicht genügt. Damals zumindest nicht. Am Ende hatte es ihn doch wieder fort gezogen, fort in den Krieg. In die Ferne.

Warum war er noch gleich zum Söldnerbund Dämmersturm gegangen? Er hatte jedem, der ihn das gefragt hatte erklärt, dass er mehr sein wollte als nur der Schamane des Irdenen Rings. War das die Wahrheit? Die ganze Wahrheit? Fjölni hatte sich diese Frage oft gestellt. Auf See, in der Wüste und im Urwald von Un'Goro. Warum das alles? Fjölni hatte unglaubliche Dinge gesehen, auf dem Büßerfeldzug. Und es gab keinen einzigen Moment, an dem er nicht mit vollem Herzen bei der Sache gewesen war. Ob beim Hexenmeister in Tanaris, dem Druiden Anokh in Un'Goro und später gegen Dunkelzahn oder am Ende, gegen die Kultisten und Dämonen. Fjölni Felhammer hatte stets alles gegeben, was er hatte. Vielleicht nicht unbedingt für die Ideale des Dämmersturms, aber definitiv für seine Kameraden. Und ja, der Dämmersturm war eine Erinnerung daran, dass er mehr war, als nur ein Schamane. Der Dämmersturm verriet Fjölni außerdem, wie sein verstorbener Großneffe Freyri gelebt hatte. Und wie er gestorben war. Nun, da der Kommandant anbot, den heiligen Eid aufzulösen, da war Fjölni versucht, bei seinen Kameraden zu bleiben. Weiterhin aufzupassen. Er wusste, dass er einen Unterschied machen würde. Dass er es weit bringen könnte, im Dämmersturm. Einen langen Moment war er hin- und her gerissen. Nein, er würde kein Rottenmeister werden. Denn die jüngere Generation war da, um die ältere zu übertreffen. Nicht umgekehrt. Er würde nicht die Fußstapfen von Freyri treten. Denn jeder hatte sein eigenes Schicksal zu schmieden. Und der gravierende Unterschied zu früher war, dass Fjölni nun wusste, warum er lebte. Es gab mehr als nur Kampf und Krieg. Ja, er war ein Schamane. Eben deshalb musste er auch zurück zum Irdenen Ring. Er würde mit ihnen sprechen müssen, denn das gigantische Schwert in Silithus beunruhigte ihn. Er konnte nicht beim Dämmersturm bleiben und gleichzeitig seinem Herzen folgen. Der Dämmersturm kämpfte primär für sich selbst. Doch Fjölni wusste, dass er etwas Höherem verpflichtet war. Damals, als er den Eid geleistet hatte, war das nicht so gewesen. Aber damals hing auch kein grüner Mond am Himmel, steckte kein gigantisches Schwert in der Welt selbst. Der Söldner Fjölni Felhammer mochte für seine Kameraden einen Unterschied machen. Doch Fjölni fühlte sich zu so viel mehr berufen. Er würde nach Hause gehen, beschloss. Nie wieder derart lange fort von seiner Familie bleiben. Und er würde dafür sorgen, dass es endlich genügte. Als Zwerg, als Krieger und als Heiler. Als Fjölni die Reihen seiner Kameraden verließ und beiseite trat, glaubte er kurz, neben Everard einen Schemen zu sehen, der ihm einem eisblauen Auge zuzwinkerte und zufrieden lächelte, bevor der Wüstenwind die schwache Silhouette fort wehte und mit ihr jeden Zweifel, der ihn noch bewogen hätte, beim Dämmersturm zu bleiben.

Alexander Veidt

"Gibt es so jemanden? Er möge zur Seite treten und in allen Ehren unsere Reihen verlassen."

Alexander Veidt öffnete die Augen und schnappte nach Luft, schlug die vom Schweiß durchnässte Bettdecke beiseite und setzte sich auf. Ein weiterer Albtraum. Der Kampf gegen den Gesichtslosen war bereits so viele Tage her und obwohl er in regelmäßigen Abständen die Nähe zur Lanze suchte, stahl sich ab und an ein schlechter Traum in seinen Schlaf, zerrüttete seinen Leib wie ein schweres Fieber, zermürbte seine Gedanken, als hätte ihn abermals ein böser Zauber getroffen. Alexander atmete immer wieder tief durch, bis sich seine Atmung beruhigt hatte. Nach einem Seitenblick schwang er vorsichtig und leise die Beine aus dem Bett und stand auf. In seinem kleinen Einzelzimmer in der Otze war es noch ziemlich dunkel, doch drang kühle Luft und etwas Licht der aufgehenden Sonne durch ein kleines, viereckiges Fenster oben nahe der Decke. Alexander griff nach dem Becher mit Wasser, der auf seinem Nachttisch stand und leerte ihn, befeuchtete die ausgetrocknete Kehle und trat dann zur Kommode neben der Tür, bettete die Handflächen auf eben dieser und starrte in sein Spiegelbild, dass im schwachen Licht einem düsteren Doppelgänger gleich kam. So viele Dinge waren geschehen, während seiner Zeit im Dämmersturm. Gute Dinge. Und katastrophale Dinge. Im fahlen Licht betrachtete er die Narbe, die ihm eine Hexe in einer Gruft im Dämmerwald beigebracht hatte. Unzählige weitere Narben hatte er im Dienste des Dämmersturms dazu bekommen. Als Ian und er zum Bund kamen, waren sie auf schnelles, sicheres Geld aus. Die Sicherheit in der Gruppe. Es hatte böse Reibereien gegeben, eine Kündigung, eine Rückkehr und eine Reise nach Nordend. Und dann hatten ihm Harad und Vaeln das Leben gerettet und Alexander war offener geworden, umgänglicher. Und obwohl er sich der Kameradschaft geöffnet hatte, war er doch immer wegen dem Geld geblieben. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ihn der Bund so sehr nervte, dass er eine aktivere Rolle wollte, um ihn zu verbessern. Damals, auf der Reise nach Alterac, als er Drillmeister werden wollte, um etwas gegen die Idiotie und Dummheit mancher Mitglieder zu unternehmen. Bereitwillig hatte er den Eid angenommen - unwissend, dass er eine Tochter hatte. Dies hatte ihm Ian erst kurz darauf verraten, nach dem Komplott um Grimaldus Fäller. Es war zu spät gewesen und Alexander hatte den Eid immer wieder bereut, hatte sich selbst und seinem Bruder unzählige Male die Schuld dafür gegeben. Und doch ging das Leben weiter. Und Alexander hatte das Beste daraus gemacht. Er hatte Freundschaften aufgebaut, hatte neue Ambitionen bekommen und plötzlich ging es nicht mehr nur um das Geld. Plötzlich war ihm der Bund wichtig geworden. Es hatte Rückschläge gegeben und etliche Verluste. Doch Alexander war noch immer am Leben. Und hatte niemals aufgegeben.

Er versuchte, sich an Details seines Albtraums zu erinnern. War es ein Traum über Lordaeron gewesen? Er war sich nicht sicher. So viele schlimme Träume, in all den Jahren. Und die toten Kameraden, die in ihnen auftauchten, wechselten sich ab wie die Zahlen beim Roulettespiel, verschmolzen miteinander und ineinander wie ein Kaleidoskop aus Gesichtszügen, Haarfarben und Blicken. Manche Namen zu diesen Gesichtern hatte er bereits vergessen, andere aber würden niemals verblassen, würden immer klar und deutlich bleiben, mit all den Erinnerungen, die er mit ihnen verband. Doch diesmal hatte er nicht von sterbenden Kameraden geträumt. Nein, er hatte vom Kommandanten geträumt, der ihm erst die Chance gab zu gehen, nur um ihn mit der Deloraklinge für eben diesen Verrat nieder zu strecken. Alexander strich sich durch die verschwitzten, weißen Haare und rieb sich dann die Brust, an eben der Stelle, wo er im Traum aufgespießt worden war. Doch es war niemand hingerichtet worden. Jene, die gehen wollten, wurden in allen Ehren verabschiedet und ziehen gelassen. Und Alexander war nicht unter ihnen gewesen. Obwohl er den Eid so oft und so bitter bereut hatte. Das Thema eines ruhigen Lebens war so oft Thema etlicher Unterhaltungen gewesen. Einst glaubte er, so etwas nicht zu verdienen. Und heute? Heute hatte er Angst davor. Seine Kinder waren alt genug, um ihre eigenen Leben zu führen. Vanessa war nun einundzwanzig Jahre alt, Meritia würde bald sechzehn werden. Er brauchte kein ruhiges Leben mehr, brauchte nicht mehr als Familienvater rund um die Uhr da zu sein, wenn seine Kinder sowieso ihre eigenen Leben führten. Aber er konnten ihnen Geld nach hause bringen, damit sie es besser haben würden. Damit es ihnen niemals an etwas mangeln würde. Alexander betrachtete sein Spiegelbild, betrachte die Spuren von etlichen Schlachten, die Spuren des Alterns. Er war sein ganzes Leben lang Soldat gewesen. Die Vorstellung, in Ruhe zuhause zu hocken war so verlockend wie erschreckend für ihn. Was würde diese Ruhe aus ihm machen? Noch dazu hatte er versprochen, aufzupassen. Er hatte dem Sturmboten versprochen, ein Auge auf die Kameraden zu haben. Er hatte Vaeln versprochen, auf Aylen aufzupassen. Versprechen über Versprechen. Das änderte nichts an der Tatsache, dass er hätte gehen können. So lange hatte er bereut, hatte sich nach Ruhe und Freiheit gesehnt, nur um diese einmalige Chance aufzuschlagen. Warum nur?

Der stoppelumrandete Mund verzog sich zu einem schiefen Grinsen. Einmal, vor Ewigkeiten, hatte er Bronson O'Slatraigh sich selbst einmal als Zivilversager bezeichnen gehört. Vermutlich war er selbst auch so einer, wenn ihn die Möglichkeit eines ruhiges Dasein so sehr zweifeln ließ. Nein, es gab etliche gute Gründe, beim Dämmersturm zu bleiben. Es war Arbeit! Es gab gutes Geld. Vermutlich mehr, als er anderswo verdienen würde. Niemals würde er wieder zur Stadtwache gehen. Und ein ruhiges Leben als Bauer? Ja, manchmal war das verlockend, doch wenn er ehrlich war, wäre es auch ein seltsames Gefühl, Rüstung, Flinten und Schwert nie wieder anzufassen. Beim Bund hatte er Freunde, Kameraden und eine Pflicht zu erfüllen. So hätte er, wenn er denn gegangen wäre, mehr zurück gelassen, als er in Sturmwind bekommen hätte. Möglicherweise, so dachte er sich, war er auch einfach süchtig nach dem Singsang der Schlacht geworden, nach dem Knallen seiner Flinten und dem Rausch, den das wilde Schlachtgetümmel mit sich brachte. Ja, der Eid band ihn an den Dämmersturm. Doch abgesehen davon genoss er doch seine Arbeit. Er hatte sich etwas aufgebaut. Er hatte etwas zu sagen. Und nun, hier und jetzt, durfte er kein Bedauern mehr empfinden, keine Schuldzuweisungen machen. Er hatte sich entschieden und würde den Konsequenzen erhobenen Hauptes entgegen marschieren. Alexander wandte sich vom Spiegel ab und einen Sekundenbruchteil glaubte er, dass sein Spiegelbild ihm noch grinsend hinterher sah. Süchtig nach der Schlacht, wiederholte er stumm. Ja, vielleicht war dem wirklich so. Er hätte schon vor Jahren das Schwert an den Nagel hängen können, wenn er wirklich gewollt hätte. Und genoss er es nicht sogar, den Zorn in sich auflodern zu lassen, um einen Feind zu erschlagen oder mit Kugeln zu spicken? Alexander atmete tief durch und legte sich wieder zu Viktorie ins Bett. Er würde die Lanze wieder öfter aufsuchen müssen, bis die Träume sich besserten. Er deckte sich zu, drehte sich auf die Seite und linste noch einmal zum Spiegel. Die Nachwirkungen der Schlacht waren noch nicht ganz vorbei. Er würde dringend wieder trainieren müssen. Dringend weiter an sich arbeiten müssen. Denn nun, wo er sich für dieses Leben als Söldner entschieden hatte - mehr denn je - musste er auch dafür sorgen, dass er es überlebte. Und vielleicht... Ja, vielleicht würde er ja doch alt werden. Grau war er ja nun schon.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 22. Dez 2017, 22:32 
Offline

Registriert: 02.2010
Beiträge: 136
Wohnort: NRW Recklinghausen
Geschlecht: männlich
Eine einfache Weste über einem erstaunlicher Weise locker liegenden Hemd verdeckten die Muskeln, die sich anspannten als im Wald von Elwynn ein Baum weniger senkrecht stand und gen Boden rauschte. Ruhige Schritte die vom Atem begleitet wurde, der durch die Kälte sichtbar geworden war, führten Bernd zurück zum Baum, nachdem er etwas Abstand gewonnen hatte. Abstand, eine kleine Hütte im Wald – er gewann nicht nur Abstand vom Baum, sondern auch von dieser dreckigen unversifften Stadt, darüber hinaus wäre Eisenschmiede auch nicht viel besser gewesen, auch wenn die Zwerge wenigstens ordentlich trinken konnten.
Mit einem kräftigen Schwung spaltete er den Stamm ein Stück, aber nur um die Axt fixiert darin stecken zu lassen. Ein einfacheres Beil wurde gezückt um Äste und dergleichen abzutrennen. Es war eine Abwechslung und eine Beruhigung für den Geist um ein paar Tage abzuschalten, in der Stadt hatte Bernd sich einfach nicht wohlgefühlt und auch in einer Taverne im Zwergenviertel noch zwei Leute ‚zerprügelt‘ die ihn nicht in Ruhe trinken lassen wollte.
Er hatte der Narbenfresse noch einen kleinen Brief hinterlassen – immerhin war er in der Schrift gesprächiger als im Sprechen, aber das wird vermutlich wieder eine anstrengende Diskussion nach sich ziehen. Genauso wie es ein Brummen nach sich zog und er eher wie ein müder Bär klang, als wie das brummige Biest was er noch auf diesem ‚Feldzug‘ war. Er war hier wesentlich gesetzter und entspannter, wobei das hauptsächlich am hier herrschenden Winter lag, denn ihm waren die kalten Temperaturen lieber und er war sie eher aus dem Norden gewohnt als das Wetter in Tanaris, Un’Goro und Silithus. Viel zu warm, viel zu stickig. Da schmelzen einem ja die Gedanken weg, hatte er irgendwann mal gesagt.
Dann aber schüttelte er wieder den Kopf und holte sich in das Hier und Jetzt zurück, wobei er geistesabwesend mit dem Beil herumhantiert hatte und Ast für Ast abtrennte. Das hier würde Stunden dauern. Zum Glück hatte er sich einen relativ kleinen Baum ausgesucht. Fällen, Schälen, zerkleinern, abtransportieren – weiter zerkleinern und lagern. Das kam jetzt auf ihn zu und genau damit beschäftigte er sich auch zielstrebig. Bloß nicht an den Feldzug denken. Bloß nicht an den Bund denken – auch wenn er interessante Gesellschaft mit sich brachte. Selten, aber er tat es. Einen Kommandanten den er respektierte, eine Partnerin im Kampfe und auch im Geiste – wie auch immer sie das geschafft hatte, ja er respektierte sogar die Offiziere, auch wenn die beiden, die er respektierte im letzten Kampf gefallen war – irgendwie schon ironisch. Aber auch der Gedanke musste abgeschüttelt werden, als er Stück für Stück des Baumes auflud und abtransportierte. Mehrmals zog er den Karren hinter sich her und stapelte das Holz dann unter dem kleinen Seitendach der Hütte. Sie war rudimentär ausgestattet. Ein kleiner Kamin, über dem man braten und kochen konnte. Einen Tisch, ein kleiner Schrank – ein großer Schrank und das Bett. Mehr Möbel waren nicht darin und zwei Fenster waren das Tor zur Außenwelt.
Schließlich wischte er sich mit dem Handrücken über die Stirn und trank einen Schluck. Was wollte er eigentlich beim Dämmersturm? Er hatte die ‚Verräter‘ verdammt in seinem Kopf – allesamt. Aber was war sein Ziel? Er hatte keinen Antrieb, wenn er so recht darüber nachdachte. Und trotzdem hatte er sich unter lebenslangen Eid gestellt. Natürlich hatte er die Schützin, aber darüber hinaus fehlte ihm irgendwie die Ambition. Ja – der Dämmersturm huldigte irgendwie dem Licht und das war ihm auch genehm so, es war verdammt nochmal richtig. Ohne Glaube war man tot, war zumindest sein Gedanke.
In seinen Gedanken verloren stapfte er in die kleine Hütte und öffnete den etwas größeren Schrank, in dem er seine Rüstung und den Wappenrock hängen, beziehungsweise auf einem Ständer stehen hatte. Was wollte er beim Dämmersturm erreichen, außer letztlich unter diesem Banner zu sterben – offensichtlich. Er wusste es nicht, war sich aber sicher dass sich ihm die Wahrheit noch eröffnen würde, auch wenn es nicht hier war. Jeder hatte sie, diese Wahrheit die einen an etwas bindet oder einen zumindest auf das kommende ausrichtet. So war es früher und so würde es auch kommend sein.
Er war Dämonen begegnet – und hatte ihnen den Tod geschworen.
Er war Untoten begegnet – und hatte ihnen den Tod geschworen.
Er war den Völkern der Horde begegnet – und hatte ihnen den Tod geschworen.
Er war den Nachtelfen begegnet – und er hatte ihnen den Tod geschworen.
Ruhm im Glanze des Lichtes, war dem Sturm entgegen gewichen.
Abermals schüttelte er den Kopf und ging wieder nach draußen – das Holz musste noch zerkleinert werden.

_________________
"Man sagt,
am Ende wird alles wieder gut.
Wenn es noch nicht gut ist,
ist es noch nicht das Ende."


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 191 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1 ... 16, 17, 18, 19, 20  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker