Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 7. Jan 2018, 00:24 
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Delora
Mit vor Anstrengung bebendem Atem ließ sich Delora auf einer nahestehenden Kiste nieder, Schild und Schwert daran anlehnend. Schweißnasse Strähnen klebten in ihrem Gesicht und das sonst so akkurat liegende Haar stand in nahezu alle Richtungen ab. Sie hob die Feldflasche an ihre Lippen und zog den Rest unerbittlich ab, während sie Zeit hatte, Luft zu holen.
Die Entscheidung war ihr schwergefallen – in ihrem in einer Taverne gemieteten Raum hatte sie Ewigkeiten auf das fast schon heilige Schwert gestarrt. Ihre Gleve verblasste zunehmend daneben ob der Tatkraft und dem Prestige, das sich das Schwert seit den frühen Tagen in Silithus angeeignet hatte. Eigentlich war es keine Entscheidung. Ihr blieb keine Wahl. Wer wäre sie, eine solche Gabe abzulehnen? Ein blinder und sturer Narr, das wäre sie.
Meister Wan-Tzu hätte wahrscheinlich gelacht und ihr auf die Schulter geklopft mit dem Rat das zu tun, was sie für richtig halten würde. Doch gab es hier ein richtig und falsch? Die Tage ihres Soldatenlebens waren gezählt, doch das Auftreten und Benehmen eines solchen hatte sie trotz ihrer Abneigung gegen diese Profession nie abgelegt. Dafür ging ihr die Zeit im Militär zu nahe. Schwert und Schild hatte sie mit ihrer Entlassung nie wieder angerührt.
Doch da lag es nun wieder vor ihr. Ihr altes Soldatenschwert – gesegnet durch eine Macht, die sie wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise begreifen konnte. Sie widerstand dem Drang, auch nur ansatzweise belustigt mit den Mundwinkeln zu zucken; dafür war ihr die Ironie des Schicksals hier zu deutlich.
Die Gleve hatte sie sich jahrelang erarbeitet. Mit jeder Trainigseinheit, mit jeder Lektion im Land der Pandaren, die sie näher zu sich selbst gebracht hatten. Gleichgewicht war seitdem ihr stetiger Begleiter. Selbst im fürchterlichsten Gefecht. Doch war nicht sie es, die sich immer wieder schützend vor andere stellte? Die bisher nur zu Boden ging, um ihre Kameraden vor unmittelbaren Bedrohungen zu beschützen? Dafür war eine Gleve nicht gemacht. Sie hielt viele Angreifer auf Distanz und hinterließ eine Schneise der Zerstörung, wenn es sein musste. Nein, eigentlich war es keine Frage – es war eine vom Schicksal getroffene Entscheidung, die sich ihr da offenbarte.
Ihr Atem hatte sich wieder beruhigt und sie schraubte die Feldflasche ordnungsgemäß zu, die gesegnete Klinge und das Schild aus fremdartigem, gehärteten Mantis-Chitin wiederaufnehmend.
Es war ein langer Weg bis zur Perfektion, doch nicht weniger wurde diesem Schwert gerecht. Und Delora war nicht darauf aus, den Kommandanten oder ihre eigenen Erwartungen zu enttäuschen.

Rena
„Was meint Ihr? Der pompöse, überragende Kapitänshut oder der grimmig-gruselige Stammeskopfschmuck mit Federn und Perlen?“ Sie setzte sich abwechselnd beide der Kopfbedeckungen auf und stolzierte mit in den Hüften gestemmten Händen vor ihm her. Er hatte die Schnauze gründlich voll – das konnte man ihm beinahe von dreihundert Metern Entfernung ansehen. Doch Rena sah es nicht. Oder sie übersah es. Der Kunde war immerhin König. Außerdem wurde er hierfür bezahlt! Einen Aufschlag für nervige Kunden gab es dennoch eher nicht für ihn. Der arme Wicht.
„Der Kopfschmuck steht Euch fantastisch. Viel besser als die royale Krone die Ihr davor anprobiert hattet, wenn ihr mich fragt.“ Klar. Der Kopfschmuck war auch eine Ecke teurer – immerhin war er handgefertigt von irgendwelchen Einheimischen aus Nordend.
„Jaja. Ihr habt schon Recht! Aaaaber…“
Nur mit Mühe und Not konnte der Verkäufer ein genervtes Seufzen unterdrücken. Drei Stunden und siebenundzwanzig Hüte später und sie hatte immer noch nicht den richtigen gefunden.
„Achwas. Ich nehme den Kopfputz und die Murloc-Mütze. Wer könnte diesen Augen widerstehen?“ Sie schob dem Verkäufer förmlich die gestrickte Mütze ins Gesicht, während die grellbunten Antennen des Murlocs schwankten und die kleinen, schwarzen Perlen die locker in den Sockeln der eingesetzten Augen wackelten. „Grmglmmmgrml!“, imitierte Rena nervigerweise das allzubekannte Geräusch der Biester und zog sich die Kapuze auf, während sie mit den zwei herunterhängenden Bändeln spielte. Sie handelte ihn nicht herunter – nein! Das hatte sie nicht nötig! – und stolzierte in den Straßen Sturmwinds herum wie ein König mit seinem Gefolge.
Sie vermisste Gadgetzan nicht. Auch, wenn sie dort einen großen Teil ihres Lebens verbracht hatte – jedoch nur, weil sie von dort nie weggekommen war. Da kam ihr der Dämmersturm und seine Selbstmordmission gerade recht. Mit dem grinsen eines Honigkuchenpferdes hupfte Rena weiter durch die Stadt und sog die Eindrücke mit jedem Lidschlag und jedem Atemzug ein. Wer weiß schon, wann es mal wieder so unbekümmert wie jetzt zugehen würde?

Aylen
Ruhelos blätterte sie mit den schmalen, behandschuhten Fingern einen Wälzer nach dem anderen durch. Der Zustand der Bücher bekümmerte sie zum ersten Mal nicht; durchgebrochene Rücken, verblasste Kaffeeränder und unzählige Eselsohren – es war irrelevant. Monographien, Sammel- und Reiseberichte, Tagebucheinträge. Sie sah jedes einzelne Werk durch, in dem auch nur das Wort ‚Dämon‘ einmal auftauchte.
Stapel vergilbten Pergamentes lagen vor ihr, geprägt von schwarzer Tinte in ihrer eigenen Handschrift. Zusammenfassungen der gesammelten Erkenntnisse die sich ihr ergaben, aber auch Zitate mit ordentlichen Verweisen auf das ursprüngliche Werk und dessen Verfasser.
Was ihr zu ihrer Studienzeit in Dalaran als unmissverständlich und vor allem unnötig vorkam war nun erstaunlich entspannend und entlastend. Recherche, Forschung, Beschreibung. Es tat ungemein gut, wieder ein Buch in der Hand zu halten, welches nicht beim aufklappen einige Sandkörner verlor oder schon unsagbar viele Male von ihr durchgelesen wurde während der langen Reise.
Seit ihrer Ankunft hatte man sie nur einmal im Hauptquartier gesehen – nachdem sie den Aushang zur Information über die Abwesenheit des Kommandanten geschrieben und an das Brett gepinnt hatte war sie spurlos verschwunden.
Neben der furchtbar theorielastigen Arbeit widmete sie sich jedoch auch ihrer eigenen Ausbildung. Ohne Torfstich war es schwieriger als gedacht und vor allem verließ sie der Glaube, dass sie je auch nur fähig wäre, ein Schild so mühe- und makellos zu weben wie er es zu pflegen tat. Jedes ihrer arkanen Schilde war zu flüchtig, zu zeitversetzt, zu instabil – zu unsicher, um es einzusetzen. Es zehrte an ihr, doch sie würde nicht aufgeben. Ihre Eismagie verfeinerte sich mit jedem Zauber und mit der Beschwörung von Feuer hatte sie dank ihrem Armband aus Feuerstein keine Probleme mehr. Der funkenschlagende Schmuck half ihr dabei, die Flammen aus ihr herauszulocken und sie besser zu kontrollieren. Sie verdrängte die lockende Stimme, die hinter dieser impulsiven Magie stand.
Das vor ihr liegende, in rotes Leder gebundene Buch klappte sie zu und legte es zur Seite. Übrig war nur noch ein zerfledderter, nur durch wenige Fäden zusammengebundener Bericht und ein grünes Buch mit schwarzer Prägung, dann musste sie wieder auf die Suche gehen.
Aylen fuhr sich mit den Händen unter die Kapuze um diese abzustreifen, nur um dann das Mundtuch herunterzuziehen und sich ausgiebig auszustrecken. Knarzend erhob sie sich von dem hölzernen Stuhl und lief gemächlich zu der Küchennische. Bevor sie ihre Studien fortführte wurde es höchste Zeit für eine ordentliche Tasse Kaffee. Schwarz, ohne alles – so, wie ihn Torfstich einst getrunken hatte. So, wie er ihr einmal in Gadgetzan eine Tasse des bitteren Gebräus gereicht hatte, um sich für eine lange Nacht des Lernens zu wappnen. Aylen führte die dampfende Tasse an die Lippen; doch nicht, ohne diese zuvor zum stillen Gruß zu erheben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 6. Apr 2018, 21:01 
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Aylen

Es war ungewöhnlich still in dem heruntergekommenen Gasthaus, in dem Aylen sich seit ihrer Rückkehr ein kleines Zimmer – kaum nennenswert größer als eine Besenkammer – gemietet hat. Putz bröckelt, Staub rieselt und Holz knarrt unter schweren Stiefeln, die eine Treppe hinaufstapfen. Gläser klirren, Humpen laufen tropfend über, Menschen reden stumpfsinniges Zeug, welches nicht mehr als eine laustarke Wolke aus trunkenen und unartikulierten Worten hervorbringt.
Während ihr Unterbewusstsein sehr wohl das treiben der Taverne zur Kenntnis nimmt sind die Geräusche, die sie im Halbschlaf wahrnimmt, von einer anderen Natur. Metallisch scharrend kreuzen sich Klingen, beschwörerische Worte werden gemurmelt. Ein Schlachtfeld, ohne Zweifel. Goldgelber Sand, wohin das Auge reicht – ohne einen Fleck grün in Sicht. Ein Meer aus Dünen, welches einen nicht zu ertränken, jedoch zu verschlucken droht. Karg. Ohne Hoffnung auf einen Ausweg.
Der wolkenlose Himmel färbt sich ohne Anzeichen eines Unwetters – ja wie auch, in dieser Einöde? – dunkel, fast schon verheißend finster. Ein giftgrüner Mond steht am Himmel und taucht die Wüste in seine ätzende Farbe. Schreie hallen durch das endlose Nichts und werden im nächsten Augenblick unter einem stillen Kampf erstickt. Die Kampfgeräusche werden von gurgelnden, bestialischen Lauten übertönt. Reißzähne werden gefletscht, gutturale Kampfschreie geäußert. Knochen bersten, Fleisch verschlungen. Lebenssaft sickert ohne Unterlass in den Sand, breitet sich von einer harmlosen Pfütze zu einem reißenden Strom aus, welcher den Sand zinnoberrot färbt. Ein von Hallen unterlegtes Lachen drängt sich dem Gehör ohne Erbarmen auf, will wahrgenommen, will bemerkt werden. Klaffend öffnet sich ein zähnefletschendes, triefendes Maul und ergibt sich in einem Schwall von grünem Feuer über die karge Ödnis, bis sie davon verschlungen wird. Die Flammen züngeln, lecken, verbrennen alles, was in ihrem Weg steht. Hinter dem Wall des felgrünen Feuersturms regt sich eine massige Gestalt. Flügel brechen geräuschvoll aus dem Rücken der Monstrosität und mit deren Entfaltung öffnet der Dämon unter einem vernichtenden Windstoß seine Augen. Reptilienartig. Scharlachrot. Gierig.
Ein Ruck geht durch die Landschaft, zieht alles in einen wirbelnden Mahlstrom aus Erinnerungen, Geschehnissen und einer verdrehten Gedankenwelt, die nicht zur Ruhe kommt. Rote Augen verschwinden hinter ledrigen Lidern, felgrüne Iriden weiten sich ob des grotesken Szenarios, dass sich hinter verschlossenen Augen abgespielt hat. Die Magierin kommt keuchend zurück in die Welt der Lebenden, in das Hier und Jetzt. Schmale, zitternde Finger suchen krallend Halt an der Realität, eigentlich bloß am hölzernen, bereits zur Unkenntlichkeit verkratzten Boden unter ihr. Der Fokus kehrt nur quälerisch langsam in die gläsernen, sonst so klaren Augen zurück, als sie das Zimmer mit Blicken absucht, mental eine Liste durchgehend. Mit einem erschöpften Seufzer lässt sie sich wieder auf den Boden sinken.
Es war nichts geschehen. Diesmal. Von ihrer sonst so peniblen Ordnung ist hier schon lange nichts mehr zu sehen – das eichenhölzerne Bettgestell ist von wüsten, teilweise großflächigen Brandspuren übersehen, die Decke aufgrund der Tatsache, dass sie sie schockgefroren und das hauchdünne Überbleibsel zerschmettert hat, auch nicht mehr vorhanden. Bücherstapel machen den ohnehin kleinen Raum undurchquerbar und die ganzen Papierhaufen sowie die einzelnen, verteilten Blätter scheinen keiner denkbaren oder gar logischen Reihenfolge zu unterliegen.
Das Klopfen an der maroden Tür verwechselte sie mit den hämmernden Kopfschmerzen, die ihren Schädel zeitgleich zermarterten. Nicht fähig einen Gedanken zu verfassen oder den Strom an rasanten Gedanken überhaupt zu zähmen, fährt Aylen sich durch die wirren, weißen Haare und bindet sich einen mehr oder weniger akkuraten Pferdeschwanz, während sie sich aufsetzt. Das Klopfen blieb vehement unerwidert von der reglosen Magierin; wenige Momente später jedoch werden achtlos Briefumschläge durch den viel zu breiten Türschlitz hindurchgeschoben. Unter all den Mahnungen der Sturmwinder Bibliotheken, die nicht abgegebene Bücher beklagten, fand sich jedoch auch die Bestätigung der ersten Auflage der Lexika, die sie für den Dämmersturm publizieren würde. Sie hält für einen Moment inne, als der Name des Söldnerbundes ein undefinierbares Echo in ihr hinterließ. Die Erinnerungen bahnen sich einen Weg durch glühende Wangen – doch bevor es weiter kommen kann, schüttelt Aylen den Gedanken ab. Der letzte Brief war mit einer kalligraphischen Schrift und einem violetten Siegel versehen, dass sie ohne einen Gedanken zu verschwenden brach. Ihre Mundwinkel zuckten unbestimmt ob des Textes – einer Einladung, auf die sie bereits mehrere Wochen gewartet hatte. Schwungvoll steht sie auf, eine Wolke von Staub hinter sich herziehend, die von dem einfallenden Licht durch die Tür Korn für Korn beleuchtet wurde, ehe er nebulös durch das Zimmer schwebt. In wenigen Handgriffen packte sie einen Rucksack und ihre verbrauchte Umhängetasche, ehe sie ihr Antlitz vermummte und aus der Taverne stürmte, den Briefumschlag mit den verschnörkelten Worten in der Hand.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 8. Apr 2018, 20:14 
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Auszug aus Viktories Tagebuch


Nach einem unruhigen Flug kam ich auf Burg Wellenheim an und wurde von Rottenmeister Heineken empfangen. Ich mag diesen Mann. Er ist nicht hektisch, wirkt bedacht und strahlt das Maß an Autorität aus, das von ihm benötigt wird.

Gemeinsam mit ihm habe ich mich zum Abendessen eingefunden, das von Margarete von Bauergard vorbereitet wurde, die uns in Empfang nahm. Oh, wie sehr habe ich mich geirrt, was diese Frau betrifft! Gerechnet habe ich mit einer älteren Dame, streng, eine Matriarchin. Vor mir stand jedoch eine bezaubernd anzusehende junge Lady (mit Blume im Haar), die bei fast jedem Mann Beschützerinstinkte wecken muss. Doch wie so oft trügt selbst die hinreißenste Schönheit nicht über schlechte Wesenszüge hinweg, von denen sie viele zu haben scheint. Ihre Arroganz und ihre spitze Zunge machen Gespräche schwierig und ihre schlechte Stimmung fügt ihren Teil hinzu. Letztere kann ich ihr nicht verübeln, sie befindet sich schließlich in einer schwierigen Lage, gefangen und entmachtet. Ich gehe davon aus, dass sie das Beste daraus zu machen versteht und wünschte nur, sie würde dabei weniger Gift versprühen. Gift scheint unter den hohen Damen in Alterac ein gern genutztes Mittel zu sein, um politische oder persönliche Ambitionen durchzusetzen und Margarete bildet hierbei ganz gewiss keine Ausnahme. Trotzdem hat mir der deftige Eintopf, den sie servieren ließ, gemundet und ich hoffe, dass unser langes Gespräch, das wir im Verlauf des Abends unter vier Augen führen konnten, einen guten Grundstein für unsere Beziehung gelegt hat. Ich möchte nicht mit ihr befreundet sein, viel mehr liegt mir daran, ein Band zu ihr zu knüpfen, denn ich traue ihr nicht und zugleich könnte diese Frau für die Zukunft Alteracs von Bedeutung bleiben. Dabei ist nicht alles, was es über sie zu erwähnen gäbe, schlecht. Sie ist klug und sehr aufmerksam. Die höfischen Regeln und Schachspiele sind ihr nicht fremd. Und sie kennt Land und Leute besser als jeder von uns aus dem Süden. Ihre Fassaden machen es nicht leicht, mit ihr umzugehen, doch auch in ihr wird irgendwo eine empfindsame Seele stecken. Gut verborgen. Ich glaube nicht, dass diese Seele von schlechter Natur ist, sie hat nur zu viel erdulden müssen und kennt keine anderen Wege, um sich zu schützen.

Salmas Kinder scheinen Margaretes Fürsorge zu genießen. Als sie den ältesten Sohn zu mir brachte, fiel mir auf, wie freundlich sie mit ihm umging und wie wohl er sich in ihrer Gegenwart zu fühlen scheint. Er ist ein fröhliches und aufgewecktes Kind, trägt ein Schwertchen und scheint sehr nach seinem Vater zu kommen. Es wirkt, als würde er bereits kindgerecht im Umgang mit dem Schwert geschult werden, ohne zu wissen, was das überhaupt bedeutet. Das ungewisse Schicksal seiner Mutter und der viel zu frühe Tod seines Vaters überschatten die Zukunft dieses kleinen Söldners, der noch so viele Jahre brauchen wird, bis er mündig ist und sein Erbe antreten kann. Wie jedes Kind glaubt er unerschütterlich daran, dass seine Mutter zurückkehren wird. Ich muss gestehen, diese Hoffnung mit ihm zu teilen, auch, da Rottenmeister Heineken mir erzählte, dass [...].


[...] Endlich habe ich Ruhe. Das kalte Wetter macht mir zu schaffen und ich bin sehr froh, dass man mir in Tobiasstadt Unterkunft und Versorgung angeboten hat, nachdem Njörn Cherusk sich bereit erklärte, mich zu empfangen. Er muss ein Schatten seiner selbst sein, so, wie ich ihn vorgefunden habe. Einst ein imposanter Krieger und heute ein Mann, der dem Tode näher ist als dem Leben. Eine schwelende, eiternde Wunde an seiner Schulter, tief verdorben durch den dämonischen Einfluss, ist die Ursache für sein Leid, das er mit schier übermenschlicher Stärke zu tragen scheint. Er ist müde, sein Geist jedoch wirkt klar. Sehr zu meiner Überraschung. Andere in einer ähnlichen Lage wären nicht mehr als sabberndes Gemüse. Seinem Körper ergeht es dabei schlecht. Die Haut hat bereits begonnen, abzusterben. Seine Organe werden dem folgen, manche sind schon von den Ausstrahlungen der Wunde betroffen. Sie siecht wie Gift durch seinen ganzen Leib und wird ihn jeden Tag ein wenig mehr einnehmen, das Leben förmlich aus ihm saugen. Ohne eine Behandlung habe ich ihm wenige Wochen gegeben. Vielleicht zwei Monate, mit viel Glück. Er hat sich für die Behandlung entschieden, die ihm nur ein wenig Zeit schenken wird. Zeit, die er mit einer Hochzeit verbringen wird. Ich bin mir nicht sicher, wen er sich erwählt hat. Dem Gemauschel auf Burg Wellenheim nach zu urteilen tippe ich auf Margarete, die jedoch bereits verheiratet ist. Dass sich niemand über die lange Krankheit ihres Gatten wundert... und welch Gift sie dafür wohl genommen hat?

Sei es drum. Cherusk wird heiraten, also benötigt er Zeit. Ich wusste, dass es ihn ins Grab bringen würde, wenn ich die Heilung an der Wunde ansetze. Der Schmerz hätte ihm den Verstand geraubt und vermutlich wäre sein Herz stehen geblieben. Also entschied ich mich dazu, die Auswirkungen einzudämmen und mich der Wunde von außen zu nähern. Bereits meine schützenden Segen bereiteten ihm Unwohlsein. Meine Heilungsversuche noch viel mehr. Es tat mir im Herzen weh, seine Qualen zu beobachten und wir beide können von Glück sprechen, dass ein wenig Licht zu ihm durchdringen und die üblen Auswirkungen zurückdrängen konnte. Es wird ihm etwas Zeit schenken. Ob er in der Lage ist, die Ehe zu vollziehen, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Allein der Gestank der Wunde wird die Nächte schwierig gestalten. Die arme Braut.
[...]

_________________
"StaPhi"


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 2. Mai 2018, 16:03 
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Fjölni

Mit einem Greifen war der Weg vom Hinterland bis zum Schattenhochland nicht sonderlich weit oder beschwerlich gewesen. Besonders nicht, wenn man die Elemente auf seiner Seite hatte. Nach seiner Rückkehr aus Silithus hatte Fjölni Felhammer reichlich Zeit gehabt, sich von den Strapazen des Büßerfeldzuges zu erholen. Und das hatte er auch bitter nötig gehabt. Er hatte Zeit mit seiner Familie verbracht, hatte die Ruhe genossen und seine Wunden heilen lassen. Denn der Krieg gegen die Legion war vorbei. Argus war vom Himmel verschwunden. Doch Fjölni wusste, dass der Ruhestand noch in weiter Ferne für ihn lag. Eben deshalb hatte er beschlossen, den Berg Donnerschlag aufzusuchen um sich wieder dem Irdenen Ring anzuschließen. Viel Zeit war vergangen, seit Fjölni gemeinsam mit dem Dämmersturm die Schamanen des Wildhammerklans aufgesucht hatte, um Unterstützung bei den Problemen mit dem Zirkel des Cenarius zu erbitten. Damals hatten sie am Fuße des Berges warten müssen, während die Schamanen sich über die Invasion der Legion beraten hatten. Heute aber war Fjölni nicht nach Warten zumute gewesen. Er hatte sich von seinem Greifen fallen gelassen und hatte die Winde beschworen, um seinen Fall zu bremsen. Und so war er inmitten der Zwergenschamanen gelandet. Jeden der sieben Schamanen, die dort auf ihren steinernen Sesseln saßen, kannte er mit Namen, kannte sie alle seit Jahren und mit manchem von ihnen hatte er Seite an Seite gekämpft. Natürlich waren sie empört, über sein unangekündigtes, plötzliches Erscheinen. Sie hatten es Fjölni einst übel genommen, als er sich vom Irdenen Ring getrennt hatte, um Söldner zu werden. Heute wusste Fjölni, dass er mehr sein musste, als nur ein Schamane des Irdenen Rings. Und eben dies sagte er den Schamanen auch, erneut. Gleichzeitig aber wusste Fjölni auch, dass er sein Können einem höheren Zweck widmen wollte. Auch dies sagte er ihnen. Und er berichtete von dem Feuer, dass über Silithus gekommen war. Und ganz, wie er es sich bereits gedacht hatte, wusste der Irdene Ring Bescheid. Und endlich konnten sie offen miteinander reden und die dickköpfigen, alten Zwerge schenkten Fjölni Gehör. Er berichtete vom Büßerfeldzug und den Übergriffen der Druiden, berichtete von den Schlachten gegen die Silithiden und gegen die Kultisten und von den Dämonen, die dazu kamen, sobald Argus am Himmel erschienen war. Und er berichtete von seinen Schwierigkeiten, die Elemente in dieser Einöde zu kontaktieren. Umgekehrt berichteten die Schamanen ihm von den enormen Verlusten, die dem Irdenen Ring zu schaffen machten und vom hohen Preis, den der Sieg gefordert hatte.

Zahlreiche Schamanen, jung wie alt, waren im Krieg gegen die Legion gefallen. Doch zumindest hatten der Irdene Ring es geschafft, die Elementarfürsten zu einem Bündnis zu bewegen. Zum ersten Mal kämpften die Elementarfürsten geschlossen, gemeinsam mit Sterblichen, gegen einen gemeinsamen Feind. Man war sich einig, dass das Inferno von Silithus Nachwehen haben würde. Ähnlich wie beim Weltenbeben war sich der Rat der Ältesten sicher, dass auch hier Druiden und Schamanen abermals helfen mussten, den Schaden rückgängig zu machen, den die Brennende Legion der Welt angetan hatte. Fjölni versicherte, helfen zu wollen. Doch er wollte nicht wie damals durch die Welt reisen, um Kultisten zu bekämpfen und das Land zu heilen. Er erklärte den Schamanen, dass er eine Familie hatte und diese nicht im Stich lassen würde. Seine Hingabe musste also Grenzen haben. Er bot an, junge Schamanen auszubilden. Sein Wissen weiter zu geben. Und die sieben Schamanen baten um einen Moment, in dem sie sich beraten wollten. Fjölni entfernte sich vom Steinkreis auf dem Gipfel des Berg Donnerschlags und blickte in die Ferne. Er konnte bis zum Hafen des Drachenmals blicken, bis zum Krater im Westen, wo einst der Schlund des Wahnsinns lag, eine gigantische Kreatur des Schattenhammers, und zu den grasbewachsenen Dächern von Donnermar und Kirthafen. Es würde vermutlich immer irgendwo Bedrohungen geben. Manchmal konnte man diese mit Gewalt lösen, manchmal eben nicht. Manchmal musste man Krieger sein, manchmal Heiler und manchmal die Stimme der Vernunft. Aber Fjölni wusste, dass er nicht tatenlos zusehen konnte, wenn es eine Möglichkeit gab, dass er helfen könnte. "Fjölni", flüsterte der Wind ihm zu, als die sieben Ältesten ihre Diskussion beendet hatten. Fjölni wandte sich von den Klippen ab und kehrte in den Kreis der alten Schamanen zurück. "Wir werden dich wieder in die Reihen des Irdenen Rings aufnehmen, Fjölni Felhammer. Du hast uns Hilfe zugesichert und der Irdene Ring wird deinen Beitrag nötig haben, während der kommenden Prüfungen. Und im Angesicht dessen, was du hinter dir hast, haben wir außerdem beschlossen, deine langjährige Erfahrung entsprechend zu würdigen. Wir erheben dich in den Stand eines Scharfsehers. Willkommen zurück!"

James

"Warum muss es hier eigentlich immer regnen?" fragte Scharfschütze Robert Barnes, während er die nähere Umgebung sorgsam im Auge behielt. Der Nordtorwald südlich des zerstörten Graumähnenwalls war finster und verregnet wie eh und je. Aber die regelmäßigen Patrouillen waren eine Notwendigkeit. Die dunkle Fürstin selbst forderte es so. Der kleine Trupp von Verlassenen hatte die Aufgabe bekommen, durch den Nordtorwald zu patrouillieren, bis hin zum Fluss im Osten und der Stadtgrenze im Süden. Denn nach der Schlacht an der Verheerten Küste und den folgenden Gefechten mit Graumähne und seinen Gilneern war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Waffenstillstand offiziell vorbei war und es abermals zum Krieg kommen würde. Die Verlassenen hatten in Gilneas gewütet und gemordet und Sylvanas Windläufer war sich sicher, dass der erste Schlag gegen die Horde den Verlassenen gelten würde. "Warum musst du immer meckern?" konterte Elias Gordon, der das Schlusslicht des Trupps aus acht Verlassenen bildete. "Schnauze halten", forderte der Truppführer, ein wuchtiger Untoter, den man nur als den Großen Harald kannte. "Man hat euch wieder zusammen gesetzt - zwingt mich nicht, euch wieder zu erlegen!" Harald war über zwei Meter groß und hatte Arme wie Baumstämme. Sämtliche Mitglieder des Trupps rätselten, ob er nicht vielleicht Teile eines Tauren oder einer Monstrosität abbekommen hat, als man ihn wieder belebte. Doch zumindest war er stark und fähig, weshalb er auch der Anführer war. Nur manchmal hatte er es schwer, die Truppe zur Konzentration zu bewegen, denn die letzten - gefühlten tausend - Tage ohne Zwischenfall waren allesamt gähnend langweilig gewesen. Doch das konnte sich jederzeit ändern. Der große Harald wusste das und er erinnerte seine Leute immer wieder daran. "Seht euch nach Spuren um", forderte er, als sie eine Lichtung erreicht hatten. "Der Boden ist meistens matschig und Worgen hinterlassen deutliche Spuren." Bob Evans, einer der 'Flicker' entfernte sich einige Meter, wobei seine Stiefel im Morast klebten und bei jedem Schritt schmatzende Geräusche verursachten. "Meistens matschig", äffte er Harald leise nach. "Meistens!" Ein Geräusch in den nahen Büschen ließ den Untoten inne halten und sein Gewehr heben. Einen Moment lang lauschte er gespannt, doch das Rauschen des nahen Flusses machte es Schwierig, einzelne Geräusche und ihre Herkunft zuzuordnen. Vorsichtig trat er näher an die Büsche heran. Dann schlug eine rotbraune Pranke auch schon den Gewehrlauf beiseite, während eine Klaue nach vorne sauste und Bobs Unterkiefer packte, um ihn einfach aus dem Gesicht zu reißen. Unfähig, eine Warnung zu brüllen, wandte sich Bob herum. Doch da wurde er auch schon von starken, pelzigen Armen in die Büsche gezogen und das letzte, was er fühlte waren Pranken, die seinen Kopf packten und einen merkwürdigen Schmerz am Hals, ehe die Welt für ihn dunkel wurde - endgültig.

"Bob ist weg!", bemerkte Giftmischer Daniel Lockhart und zückte eine Seuchengranate vom Gürtel. "In alle Richtungen absichern!" brüllte der große Harald und die verbliebenen sieben Untoten ordneten sich in einer Sternformation an, richteten ihre Gewehre in alle Himmelsrichtungen. Der große Harald bildete das Zentrum und sah sich alarmiert um. "Bobby?", brüllte er. "Melde dich! Wenn das ein Scherz ist, reiß ich dir Arme und Beine ab und näh sie verkehrt herum wieder dran!" Doch Bob Evans antwortete nicht. Dann plötzlich ertönte lautes Heulen aus Richtung des Flusses. "Worgen", stellte Scharfschütze Paul Dravis fest und legte sein Gewehr an. Abermals raschelten die Büsche, irgendwo aus östlicher Richtung. "Was du nicht sagst?", murrte Bufford Blau, ein neu erweckter Flicker aus dem Schlingendorntal, der Teil einer Piratenbande war, die so dämlich war, an Lordaerons Küste an zu legen. "Fresse halten!" donnerte der große Harald. "Feuerbereitschaft! Wenn die Ärger wollen, lasst sie doch kommen!" Und da sauste auch schon etwas großes aus den Büschen. Mehrere der Schützen rissen die Gewehre herum und feuerten. Doch was da durchlöchert vor ihren Füßen landete war nur Bobs verdrehter Körper, dessen Kopf verdächtigerweise abwesend war. "Scheiße!" fluchte Paul Lawrence, der zweite Giftmischer der Truppe. Panisch warf er seine Seuchengranate in die Büsche. Sie explodierte und eine giftgrüne Wolke breitete sich aus, die die nahen Büsche und Bäume direkt entlaubte, jedoch keinen lauernden Feind offenbarte oder gar eliminierte. Einen kurzen Moment waren all ihre gelb leuchtenden Augen auf die sterbenden Büsche gerichtet und eben diese Sekunde nutze der Angreifer. Einer der Worgen sprang aus einem Busch im Norden, preschte mitten in die Reihen der Untoten und ehe diese ihre Gewehre neu ausrichten konnten, da rissen die braun bepelzte Bestie auch schon einen von Buffords Armen ab, schlug ihn damit gegen den Kopf und schnellte mit dem zähnestarrenden Kiefer vor, um den Schädel des Flickers mit einem ekelhaften Knacken aufzubrechen. "Die dunkle Fürstin schütze uns!" jammerte Josh Dravis und hätte er noch einen Penis und eine funktionierende Blase gehabt, hätte er sich wohl eingenässt. So aber richtete er sein Gewehr auf den Worgen und feuerte. Doch die pelzige Bestie sprang einfach davon, um wieder in den Büschen zu verschwinden. Die Kugel streifte den Großen Harald an der Schulter und während die Formation auseinander brach war er es, der versuchte, die Disziplin aufrecht zu halten. "Formation halten, ihr Maden! Macht sie nieder!" Er selbst richtete das Gewehr auf die Büsche und abermals flog ihm etwas vor die Füße. Diesmal war es Bobs Kopf, dessen Unterkiefer fehlte und die Zunge spöttisch ausgestreckt im Matsch landete. In einem Gebüsch westlich des Trupps regte sich etwas und kurz sahen sie blau leuchtende Augen und schwarzes Fell. Panisch warf Daniel Lockhart eine Seuchengranate, doch der Worgen war längst nicht mehr an Ort und Stelle, sondern eilte in einem Bogen herum und preschte wie ein Berserker auf allen Vieren in die Truppe. Wie der Worgen zuvor setzte er auf schnelle, präzise Angriffe. Josh Dravis die halbe Gesichtshälfte durch einen Klauenhieb, der den blanken Knochen freilegte. Diesmal aber schossen zwei weitere Worgen aus den Büschen und in den Trupp hinein.

Einer, der erste Angreifer mit dem rotbraunen Fell, packte Paul Lawrence mit beiden Armen, hob ihn hoch und schleuderte ihn davon. Der Giftmischer landete hart auf dem felsigen Bogen und schrie panisch auf, als eine seiner Seuchengranaten losging und ihn mit grünem Nebel einhüllte. Gellende Schreie wurden höher und höher, ehe sie in einem grässlichen Gurgeln vergingen. Als sich der Seuchennebel verflüchtigte sah man nur noch die Ausrüstung des Giftmischers, in einer leuchtend grünen Pfütze. Eine Worgin mit grauem Fell landete zwischen Robard und Elias und schwang die Pranken, um Gewehre von sich fern zu halten. Doch die Untoten reagierten rasch auf den Angriff und zogen ihre Klingen. Der Worgen mit dem schwarzen Fell packte Elias Gordon von hinten am Kopf, stemmte ihm ein Bein in den Rücken und riss ihm einfach den Kopf ab. Robert Barnes stach mit der Klinge nach dem Worgen und erwischte ihn an der Seite. Das lederne Oberteil riss auf und der Worgen riss es sich gänzlich vom Leib, erhüllte dabei etliche Narben und einen weißen Flecken Fell auf dem Rücken. Mit glühenden, blauen Augen funkelte er den Untoten an, doch die Worgin fiel eben diesem direkt in den Rücken, warf ihn um und riss ihm erst einen Arm ab, dann den anderen, ehe der Kopf folgte. Daniel Lockhart zückte eine weitere Seuchengranate, um sie dem Worgen mit dem rotbraunen Fell aus nächster Nähe entgegen zu schleudern. Doch dieser packte die Hand des Untoten, riss ihn von den Füßen und als er den Giftmischer mit der Granate weg schleudern wollte, da kassierte er einen Schwerthieb vom Großen Harald, der seinen Rücken aufschlitze und ihn jaulen ließ. Die Seuchengranate ging nun doch hoch und sowohl Lockhart als auch der Worgen verschwanden in einer grünen Wolke, während Harald rasch auf Distanz ging und das Schwert nach dem schwarzen Worgen schwang. Unweit davon riss die Worgin dem armen Josh Dravis auch die andere Gesichtshälfte ab. Der große Harald und der Worgen indes lieferten sich einen wilden Schlagabtausch, der ein Ende fand, als der Worgen die Schwerthand des bulligen Untoten zwischen die Kiefer bekam und einfach abbiss. Dann packte er Harald am Torso, hob ihn hoch und riss den entsetzen, überrumpelten Untoten in einem Regen aus fauligen Innereien einfach auseinander. Der ganze Kampf hatte nur wenige Sekunden gedauert und was blieb war der faulige Gestank untoter Körper und der prasselnde Regen, der die Spuren des Kampfes fort spülte. "Was nun, James?" grollte die Worgin, mit Blick auf ihren toten Kameraden, der halb zerfressen in einer Seuchenpflütze lag. "Wir ziehen uns zurück. Für heute."

Fjölni

Zufrieden betrachtete Zwielichtprophet Eliphas die versammelten Kultisten, die sich heute Nacht zusammen gefunden hatten, um seinen Worten zu lauschen. Der Prophet war bereits seit vielen, vielen Jahren dem Schattenhammer verschrieben. Seit seine Träume begonnen hatten, ihm den Weg zu weisen, vor so vielen Jahren. Einst war er ein unbedeutender Priesterlehrling in der Nordhainabtei gewesen. Nun, so viele Jahre später, war er zu einem Meister geworden. Er war es, der Befehle gab. Er war es, der als Bote der großen Götter fungierte und deren Pläne weiter gab, dafür sorgte, dass sie umgesetzt wurden. Der Schattenhammer hatte Todesschwinges Ende überstanden. Und obwohl hunderttausende von Kultisten ausgelöscht worden waren und ihre Anzahl auf wenige tausend Kultisten gesunken war, hatte der Kult überlebt. Und er würde sich wieder erheben! Stolz erfüllte den Propheten, als sich mehr und mehr Kultisten in den alten Ruinen an der Nordküste des Schattenhochlands einfanden. Der Tod von Neltharion war ein unglaublicher Rückschlag gewesen. Doch der Schattenhammer war nicht restlos vernichtet worden. Er war im Untergrund erneut gewachsen und bald, bald würden die Götter sich der Welt bemächtigen. Und er, so schwor sich Eliphas, würde dabei eine entscheidende Rolle spielen. Schon immer hatte der Schattenhammer unterwandert, im Verborgenen agiert. Überall gab es Gruppierungen und besonders die Invasion der Brennenden Legion hatte dem Schattenhammer in die Hand gespielt: Allianz und Horde waren geschwächt und laut Gerüchten stand ein erneuter Krieg zwischen beiden Fraktionen unmittelbar bevor. Und spätestens das Auftauchen von Argus am Himmel hatte gezeigt, wie zerbrechlich diese Welt doch war. Wie flüchtig die Lüge vom Frieden war. Ängstlich hatten sich mehr und mehr Leute vom Licht abgewandt und sich dem Schattenhammer verschrieben. Es war egal, dass die Legion versagt hatte und besiegt worden war. Letzten Endes hatte sie unwissentlich die Pläne der Götter voran getrieben. Azeroth war geschwächt und bald war es Zeit, zuzuschlagen. Der Zwielichtprophet steuerte einen provisorischen, steinernen Altar an, direkt an den Klippen zum Verbotenen Meer. Einst war hier eine Zwergensiedlung gewesen, doch das Weltenbeben hatte die Siedlung zerstört und weite Teile ins Meer fallen lassen. Der Altar war einst ein steinernes Gebäude gewesen. Ein aus Stein gemeißelter Greifenkopf war kaum noch zu erkennen und sah nunmehr wie die Fratze eines Ungeheuers aus. Der Prophet erklomm einen Mauerrest und kletterte mühsam auf den Altar. Die Last der Jahre wog schwer auf seinen dürren Schultern, doch es war ihm egal. Die Götter würden ihn für seinen Eifer belohnen. Und so blickte er über die zahlreichen Kultisten und atmete tief ein, bevor er die Stimme erhob: "Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt!"

Die Kultisten wiederholten die Worte wie aus einer Kehle, doch anders als der Prophet brüllten sie nicht, sondern wisperten die Worte, bevor sie allesamt in gespanntes Schweigen verfielen. Es war eine dunkle, wolkenverhangene Nacht und weder Monde noch Sterne waren zu sehen. Man hatte zahlreiche Fackeln um die Ruinen herum in die verbrannte Erde gesteckt, um den Kultisten den Weg zu weisen und die Ruinen etwas zu beleuchten. Diese lagen abgelegen und abgeschottet, so dass der Kult hier seine Ruhe hatte. Im Osten lag ein gigantischer Krater, in dem einst eine gigantische Kreatur der Schatten gehaust hatte. Doch der Schlund des Wahnsinns war schon vor Jahren von der Allianz gesprengt worden. Im Süden lagen verbrannte Ruinen und lediglich ein Ogerhort stellte eine potentielle Gefahr dar. Der Drachenmalklan war stark geschwächt - tatsächlich hatten sich etliche Orcs dem Schattenhammer angeschlossen, nach der Niederlage von Kriegsfürstin Zaela. Bald würde sich der Schattenhammer nicht mehr verstecken müssen, sondern wie eine schwarze Flut über das Land fegen. Es würde nicht mehr lange dauern, die Götter hatten es ihm geflüstert, in seinen Träumen. Abermals ließ er den Blick über die Kultisten wandern. Da waren Orcs, Elfen, Gnome und sogar ein gigantischer, verhüllter Tauren. Er gönnte sich ein Grinsen und neigte andächtig das Haupt. "Die großen Götter sind zufrieden. Unsere Zahl wächst stetig und damit auch unsere Macht. Bald schön können wir zuschlagen. Bald schon wird dieses Land in unsere Hände fallen. Im Laufe des Abends werden wir erste Einzelheiten besprechen. Doch davor... bin ich durstig! Und die Götter sind es auch!" Die Menge johlte und teilte sich, als zwei seiner Diener ein junges Mädchen zwischen den Ruinen hervor holten. Sie war bewusstlos, wehrte sich nicht und so war es ein leichtes, sie zum Alter zu bringen vor den Füßen des Zwielichtpropheten nieder zu legen. Dieser zückte einen Ritualdolch und starrte triumphierend auf das junge Ding hinab. Die Menge lauschte und beobachtete, gespannt. Bis sich plötzlich eine Hand hob. "Warte mal" hallte eine Stimme über die Menge bis hin zum Altar. Verärgert blickte Eliphas nach unten. "WAS?" donnerte er verärgert. "SPRECH!" Eine kleine, verhüllte Gestalt winkte aufmerksamkeitssuchend und wog nachdenklich den von einer Kapuze verhüllten Kopf. "Also... Ich hab ja eine bessere Idee, du. Wie wäre es, wenn du es bist, der jetzt direkt den Löffel abgibt? Und ich mal so richtig den Spielverderber spiele?" Der Zwerg nahm seine Kapuze ab, enthüllte eisblaue Augen, weiße Haare und ein von weißem Bart umrandetes Grinsen. Dann, mit einer vagen Handbewegung des Zwergen, fegte ein Windstoß dem Zwielichtpropheten den Dolch aus der Hand. "Packt ihn! Packt ihn!" kreischte Eliphas überrascht auf. Und da regte sich der bullige Tauren unweit des Zwergen. Die Robe rutschte vom massigen Leib und enthüllte einen gigantischen, steinernden Erdelementar, der seine grobe Form geschickt versteckt hatte. Mit einer donnernden Faust schlug er um sich und Panik brach aus. Eliphas sah sich hektisch um und sah, wie Elfen, Tauren, Orcs und Zwerge aus den Schatten jenseits der Ruinen traten. Der Irdene Ring! Der Schattenhammer war unterwandert worden! Jemand hatte die großen Infiltratoren infiltriert! "Nein, nein nein!" jaulte er und versuchte, einen Zauber zu weben. Doch da sauste auch schon ein weißer Kettenblitz aus den Fingern des Zwerges, durch die Leiber der nahestehenden Kultisten und das Letzte, was der Zwielichtprophet sah war, wie ihn eine weiße Blitzlanze von den Füßen riss, über die Klippe schleuderte und das dunkle, verbotene Meer immer näher kam, um ihn zu verschlingen. Die großen Götter hatten ihn angelogen!


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