Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 6. Jan 2018, 23:24 
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Delora
Mit vor Anstrengung bebendem Atem ließ sich Delora auf einer nahestehenden Kiste nieder, Schild und Schwert daran anlehnend. Schweißnasse Strähnen klebten in ihrem Gesicht und das sonst so akkurat liegende Haar stand in nahezu alle Richtungen ab. Sie hob die Feldflasche an ihre Lippen und zog den Rest unerbittlich ab, während sie Zeit hatte, Luft zu holen.
Die Entscheidung war ihr schwergefallen – in ihrem in einer Taverne gemieteten Raum hatte sie Ewigkeiten auf das fast schon heilige Schwert gestarrt. Ihre Gleve verblasste zunehmend daneben ob der Tatkraft und dem Prestige, das sich das Schwert seit den frühen Tagen in Silithus angeeignet hatte. Eigentlich war es keine Entscheidung. Ihr blieb keine Wahl. Wer wäre sie, eine solche Gabe abzulehnen? Ein blinder und sturer Narr, das wäre sie.
Meister Wan-Tzu hätte wahrscheinlich gelacht und ihr auf die Schulter geklopft mit dem Rat das zu tun, was sie für richtig halten würde. Doch gab es hier ein richtig und falsch? Die Tage ihres Soldatenlebens waren gezählt, doch das Auftreten und Benehmen eines solchen hatte sie trotz ihrer Abneigung gegen diese Profession nie abgelegt. Dafür ging ihr die Zeit im Militär zu nahe. Schwert und Schild hatte sie mit ihrer Entlassung nie wieder angerührt.
Doch da lag es nun wieder vor ihr. Ihr altes Soldatenschwert – gesegnet durch eine Macht, die sie wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise begreifen konnte. Sie widerstand dem Drang, auch nur ansatzweise belustigt mit den Mundwinkeln zu zucken; dafür war ihr die Ironie des Schicksals hier zu deutlich.
Die Gleve hatte sie sich jahrelang erarbeitet. Mit jeder Trainigseinheit, mit jeder Lektion im Land der Pandaren, die sie näher zu sich selbst gebracht hatten. Gleichgewicht war seitdem ihr stetiger Begleiter. Selbst im fürchterlichsten Gefecht. Doch war nicht sie es, die sich immer wieder schützend vor andere stellte? Die bisher nur zu Boden ging, um ihre Kameraden vor unmittelbaren Bedrohungen zu beschützen? Dafür war eine Gleve nicht gemacht. Sie hielt viele Angreifer auf Distanz und hinterließ eine Schneise der Zerstörung, wenn es sein musste. Nein, eigentlich war es keine Frage – es war eine vom Schicksal getroffene Entscheidung, die sich ihr da offenbarte.
Ihr Atem hatte sich wieder beruhigt und sie schraubte die Feldflasche ordnungsgemäß zu, die gesegnete Klinge und das Schild aus fremdartigem, gehärteten Mantis-Chitin wiederaufnehmend.
Es war ein langer Weg bis zur Perfektion, doch nicht weniger wurde diesem Schwert gerecht. Und Delora war nicht darauf aus, den Kommandanten oder ihre eigenen Erwartungen zu enttäuschen.

Rena
„Was meint Ihr? Der pompöse, überragende Kapitänshut oder der grimmig-gruselige Stammeskopfschmuck mit Federn und Perlen?“ Sie setzte sich abwechselnd beide der Kopfbedeckungen auf und stolzierte mit in den Hüften gestemmten Händen vor ihm her. Er hatte die Schnauze gründlich voll – das konnte man ihm beinahe von dreihundert Metern Entfernung ansehen. Doch Rena sah es nicht. Oder sie übersah es. Der Kunde war immerhin König. Außerdem wurde er hierfür bezahlt! Einen Aufschlag für nervige Kunden gab es dennoch eher nicht für ihn. Der arme Wicht.
„Der Kopfschmuck steht Euch fantastisch. Viel besser als die royale Krone die Ihr davor anprobiert hattet, wenn ihr mich fragt.“ Klar. Der Kopfschmuck war auch eine Ecke teurer – immerhin war er handgefertigt von irgendwelchen Einheimischen aus Nordend.
„Jaja. Ihr habt schon Recht! Aaaaber…“
Nur mit Mühe und Not konnte der Verkäufer ein genervtes Seufzen unterdrücken. Drei Stunden und siebenundzwanzig Hüte später und sie hatte immer noch nicht den richtigen gefunden.
„Achwas. Ich nehme den Kopfputz und die Murloc-Mütze. Wer könnte diesen Augen widerstehen?“ Sie schob dem Verkäufer förmlich die gestrickte Mütze ins Gesicht, während die grellbunten Antennen des Murlocs schwankten und die kleinen, schwarzen Perlen die locker in den Sockeln der eingesetzten Augen wackelten. „Grmglmmmgrml!“, imitierte Rena nervigerweise das allzubekannte Geräusch der Biester und zog sich die Kapuze auf, während sie mit den zwei herunterhängenden Bändeln spielte. Sie handelte ihn nicht herunter – nein! Das hatte sie nicht nötig! – und stolzierte in den Straßen Sturmwinds herum wie ein König mit seinem Gefolge.
Sie vermisste Gadgetzan nicht. Auch, wenn sie dort einen großen Teil ihres Lebens verbracht hatte – jedoch nur, weil sie von dort nie weggekommen war. Da kam ihr der Dämmersturm und seine Selbstmordmission gerade recht. Mit dem grinsen eines Honigkuchenpferdes hupfte Rena weiter durch die Stadt und sog die Eindrücke mit jedem Lidschlag und jedem Atemzug ein. Wer weiß schon, wann es mal wieder so unbekümmert wie jetzt zugehen würde?

Aylen
Ruhelos blätterte sie mit den schmalen, behandschuhten Fingern einen Wälzer nach dem anderen durch. Der Zustand der Bücher bekümmerte sie zum ersten Mal nicht; durchgebrochene Rücken, verblasste Kaffeeränder und unzählige Eselsohren – es war irrelevant. Monographien, Sammel- und Reiseberichte, Tagebucheinträge. Sie sah jedes einzelne Werk durch, in dem auch nur das Wort ‚Dämon‘ einmal auftauchte.
Stapel vergilbten Pergamentes lagen vor ihr, geprägt von schwarzer Tinte in ihrer eigenen Handschrift. Zusammenfassungen der gesammelten Erkenntnisse die sich ihr ergaben, aber auch Zitate mit ordentlichen Verweisen auf das ursprüngliche Werk und dessen Verfasser.
Was ihr zu ihrer Studienzeit in Dalaran als unmissverständlich und vor allem unnötig vorkam war nun erstaunlich entspannend und entlastend. Recherche, Forschung, Beschreibung. Es tat ungemein gut, wieder ein Buch in der Hand zu halten, welches nicht beim aufklappen einige Sandkörner verlor oder schon unsagbar viele Male von ihr durchgelesen wurde während der langen Reise.
Seit ihrer Ankunft hatte man sie nur einmal im Hauptquartier gesehen – nachdem sie den Aushang zur Information über die Abwesenheit des Kommandanten geschrieben und an das Brett gepinnt hatte war sie spurlos verschwunden.
Neben der furchtbar theorielastigen Arbeit widmete sie sich jedoch auch ihrer eigenen Ausbildung. Ohne Torfstich war es schwieriger als gedacht und vor allem verließ sie der Glaube, dass sie je auch nur fähig wäre, ein Schild so mühe- und makellos zu weben wie er es zu pflegen tat. Jedes ihrer arkanen Schilde war zu flüchtig, zu zeitversetzt, zu instabil – zu unsicher, um es einzusetzen. Es zehrte an ihr, doch sie würde nicht aufgeben. Ihre Eismagie verfeinerte sich mit jedem Zauber und mit der Beschwörung von Feuer hatte sie dank ihrem Armband aus Feuerstein keine Probleme mehr. Der funkenschlagende Schmuck half ihr dabei, die Flammen aus ihr herauszulocken und sie besser zu kontrollieren. Sie verdrängte die lockende Stimme, die hinter dieser impulsiven Magie stand.
Das vor ihr liegende, in rotes Leder gebundene Buch klappte sie zu und legte es zur Seite. Übrig war nur noch ein zerfledderter, nur durch wenige Fäden zusammengebundener Bericht und ein grünes Buch mit schwarzer Prägung, dann musste sie wieder auf die Suche gehen.
Aylen fuhr sich mit den Händen unter die Kapuze um diese abzustreifen, nur um dann das Mundtuch herunterzuziehen und sich ausgiebig auszustrecken. Knarzend erhob sie sich von dem hölzernen Stuhl und lief gemächlich zu der Küchennische. Bevor sie ihre Studien fortführte wurde es höchste Zeit für eine ordentliche Tasse Kaffee. Schwarz, ohne alles – so, wie ihn Torfstich einst getrunken hatte. So, wie er ihr einmal in Gadgetzan eine Tasse des bitteren Gebräus gereicht hatte, um sich für eine lange Nacht des Lernens zu wappnen. Aylen führte die dampfende Tasse an die Lippen; doch nicht, ohne diese zuvor zum stillen Gruß zu erheben.


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