Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 15. Aug 2013, 18:48 
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“Liebe Oma...” Zögern. Da war es wieder, das Zögern, das all die Jahre des Unterrichts im Schönschreiben bei Onkel Korben nicht hatten auslöschen können. Die Feder schwebte einige Minuten über dem Pergament, während er sich ausgiebig am Hinterkopf kratzte und nach den passenden Worten suchte. Schließlich fiel ihm aber doch etwas ein.

„Mir geht es hier sehr gut. Hab mich gut bei den Söldnern eingelebt. Stell dir vor, es gab ein Turnier mit zig verrückten Wettkämpfen, und ich hab gewonnen! Der Kommandant hat mich zum vollwertigen Mitglied befördert. Ich musste einen Eid schwören, aber ich hab an das gedacht, was du mir über Eide erzählt hast, und war mir völlig sicher, als ich die Worte gesagt habe. Ich war auch schon auf Kampfeinsätzen, einmal ohne, aber meist zusammen mit Skalen. Ihm geht es auch gut, obwohl ich glaub, dass er zu viel nachdenkt. Wir haben beide schon viel dazugelernt, aber die älteren Söldner sagen uns immer, dass es noch nicht ausreicht und wir uns immerzu verbessern müssen. Ich denk mir, klar, das hat schon seine Richtigkeit. Aber ich bin schon stolz auf das, was ich zusammen mit Skalen erreicht habe. Von unserem Sold wollte ich für ihn eine Rüstung anfertigen lassen, damit er nicht mehr so ungepanzert herumrennt. Wird sich noch wehtun, wenn er nicht aufpasst. Kann ja nicht immer da sein.“

Wieder zögerte er und überlegte einige Momente, tippte sich dabei unbewusst mit dem Federkiel gegen die Lippe, was ein unangenehmes Verschmieren von Tinte zur Folge hatte. Nachdem er die Tinte einigermaßen abgewischt hatte, setzte er wieder an.

„Das alles ist wie ein wahrgewordener Traum, Oma. Wir leben unsere eigene Legende, wie die alten Geschichten, die du uns immer erzählt hast. Irgendwann kommen wir als reiche Meister von Hammer und Gewehr zurück nach Hause, und dann werden unseren Vätern die Bärte abfallen, wenn sie uns sehen. Oh, und wo wir grade dabei sind… erzähl ihnen bloß nichts von meinem Brief! Wenn du Zeit hast, schreib mir doch zurück und erzähl, wie es meiner Schwester und dem alten Wildhüter geht.

Mit lieben Grüßen
Dein Lieblingsenkel Kolstek.

P.S.: Ach, und grüß auch die beiden von mir!“

Nachdem die Tinte getrocknet war, faltete er das Pergament und verstaute es in dem bereitgelegten Umschlag. An der Kerze erhitzte er das Wachs, versiegelte den Umschlag. Dann stand er auf und machte sich auf den Weg zum Postamt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 24. Aug 2013, 21:36 
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Skalen stapfte weiter durch den Schnee, schon eine ganze Weile folgte er jetzt den Spuren. Mittlerweile war es Nacht geworden, eine schöne, wolkenlose Nacht. Zumindest dachte das der junge Zwerg als er in klirrender kälte hinaufschaute zum leuchtenden Sternenhimmel. Der Mond stand hoch am Himmel, die Sterne leuchteten sanft, schließlich ging er weiter, sein geliebtes Jagdgewehr in den Händen. Der Schnee knirschte unter den Lederstiefeln des Zwerges der sich durch den Schnee kämpfte. Schließlich ist er an seinem Ziel angekommen, ein kleines Tal, mit einer Höhle, die Spur führte hinein, Skalen grinst breit und suchte sich den nächst hochgelegenen Hügel. Dort angekommen kniet er sich hinter einem Baumstamm nieder und blickt durch das Zielfernrohr des Jagdgewehr´s.

Eine ganze Weile beobachtet er die Höhle, nichts regt sich, bis: Eine bewegung in der Dunkelheit, eine weiße Siluette schiebt sich ins Mondlicht. Ein Schneeleopard, ganz wie Skalen es erwartet hatte, da war der Schneeleopard den er nun schon 2 Stunden durch das Schneegestöber verfolgt hatte. Das grinsen des jungen Bronzebartzwerges wurde breiter, er legte auf den Leoparden an, ein schöner sauberer Schuss, hinters Ohr, in den Kopf. Schnell, sauber, präzise und vor allem ohne unnötige Qual für das Tier, so hatte er es gelernt.

Er war froh endlich wieder einfach nur jagen zu können, spuren suchen, einem Tier folgen, ihm auflauern, es zur Strecke bringen. Nervenkitzel, Abenteuer und das ganze an der frischen Luft. Hier fühlte er sich lebendig, mal wieder eine angenehme Abwechslung zu Dämonen, Untoten , Drogenschlägern und Orcs.
Es wurde zeit für den Schuss, "Nimm dir zeit..." dachte Skalen sich, nur nichts überstürzen. Der Hahn wird gespannt, klick, der Zeigefinger legt sich geschmeidig an den Abzug. Das wird ein schönes Fell.

Plötzlich weitere Bewegungen! Mehr Raubkatzen? EIn Bär? Ein anderes Männchen? Egal, nun bloss nicht nachlassen, alles ist bereit für den Schuss, und da sieht er es: ein kleines weißes Bündel das im nächsten Moment auch schon auf den Nacken des Leoparden springt. Dann ein weiteres das um seine kräftigen Beine rennt, wieder eines das sich am Schweif entlangreibt. Drei kleine Leopardenjungen.
Skalen blinzelt, der Finger zuckt vom Abzug. Er stellt das Fernrohr neu ein, betrachtet die kleine Familie ... "Ungewöhnlich großes Weibchen..." murmelt er als er wieder anlegt. So ein schönes Fell, mächtige Krallen, und die Zähne! Ein Vermögen wert! Der Finger zuckt wieder zum Abzug, hält inne, zieht sich wieder zurück. Skalen mustert erneut die Jungen, seufzt und beginnt sanft zu Lächeln.

"Also gut... heute nicht." Er schmunzelt und greift in seine Jagdtasche, holt einen großen Brocken Fleisch hervor. Der Junge Jäger erhebt sich und wirft das Fleisch im hohen Bogen in den weißen Schnee. Dann dreht er sich um und macht sich ruhigen Schrittes auf den Weg in Richtung Ironforge. Er pfeift auf dem Rückweg vor sich hin, dabei fragt er sich: Wäre er nun reicher, hätte er geschossen? Daraufhin lacht er auch schon wieder laut und schiebt einen weiteren Streifen Trockenfleisch in den Mund.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 28. Aug 2013, 10:13 
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Der bunte Schwimmer tanzte an der Schnur, während Regentropfen in das brackige Wasser fielen und winzige Wellen erzeugten. Dunkle Wolken hatten sich über dem Loch - oder eher dem, was von ihm übrig war - zusammengezogen. Auf einem hölzernen Lehnstuhl am Ende der kleinen, verfallenen Anlegestelle saß der Fremde und holte träge die Schnur der Angel ein, warf sie mit einem geübten Schwung wieder aus. Von der Böschung aus beobachteten die 3 Zwergenkinder ihn.
"Da, schaut! Sie berühren ihn garnicht!" flüsterte das Mädchen. Recht hatte sie. Der Regen konnte scheinbar nicht bis zu der kleinen Gestalt durchdringen. Zentimeter über dem breiten Schlapphut trafen die Tropfen plötzlich auf etwas Hartes und liefen dann an jener unsichtbaren Barriere hinab bis auf den Boden.
"Er muss ein Zauberer sein." sagte einer der Jungs, woraufhin der andere meinte:"Du traust dich bestimmt nicht, ihn anzusprechen!" "Tu ich ja wohl!" "Na dann machs doch!" "Jetzt gleich?!" "Feigling!"
Das Mädchen beachtete die Herausforderung erst nicht. Sie beobachtete immer noch neugierig den Fremden. Nichts Besonderes an seinem Aussehen zuerst; sie hatte schon viele Gnome gesehen, nicht nur mit weißen Haaren, auch mit grünen und pinken und auch noch abenteuerlicheren Schnurrbärten und viel komischer angezogen. Der hier trug nur eine schlichte blau gefärbte Robe, Ledergurt und Handschuhe zu seinem breitkrempigen Hut. Seine Augen jedoch faszinierten sie. Es waren schöne Augen, groß, gleichmäßig und von türkisblauer Farbe, doch im Zusammenspiel mit seinem bleichen Gesicht verliehen sie ihm etwas unendlich Trauriges, etwas Abwesendes, als wäre er nicht hier beim Angeln sondern irgendwo anders. Während die Jungs noch stritten, stand sie auf und machte einen Schritt aus dem Gebüsch an der Böschung hinaus. Augenblicklich hörte der leise Streit der beiden Jungs auf und sie folgten ihr, gespannt, was sie wohl vorhatte.

Es war eigentlich kein schlechter Tag bisher gewesen. Die Ruhe und Abgeschiedenheit, die er gesucht hatte, hatte er auch gefunden. Wobei - das waren nicht die richtigen Worte dafür. Mehr... Leere. Leere hatte er gesucht. Die geistige und körperliche Leere, die nur dann entstehen konnte, wenn man beispielsweise stundenlang einsam an einem halb ausgetrockneten See saß und die Angel nach Fischen auswarf, die sich bei diesem Wetter sowieso nicht blicken ließen. Trotzdem überfielen ihn immer wieder Anfälle. Das Verlangen, nach der Kraft zu greifen, konnte er problemlos niederkämpfen. Die abweichlerischen Gedanken waren schwerer zum Schweigen zu bringen, aber er zwang sich jedes Mal dazu, sie mit hundert Schilden und Barrieren abzublocken, die Jahre des Trainings für ihn aufgebaut hatten. Nur den Erinnerungen, die jetzt wieder auftauchten, konnte er nicht entkommen. Blendendes Licht, als wäre die Sonne auf die Erde gefallen. Grauenhafte Schreie. Violettes Glas, das unter der Hand zerbricht und dann zu Staub zerbröselt...

Eine Stimme riss ihn hinaus. "Ähm... ähh... Herr Gnom?" Er blinzelte, holte die Schnur ein, bevor er die Hutkrempe etwas nach oben bog und seinen Blick auf die drei kleinen Zwerglinge richtete, die sich ihm von hinten genähert hatten.
"Challo, Kinderr. Was kann ih-ch fürr euh-ch tun?"
Die zwei Jungs versteckten sich halb hinter ihrer mutigen Anführerin, als diese dem Gnom die entscheidende Frage stellte:"Seid... seid ihr vielleicht ein Zauberer, Herr Gnom?"
Das brachte ihn zum Lächeln, ein sehr langsames, melancholisches Lächeln, das die schönen, großen Augen nicht erreichte.
"Es cheißt Magier, Kind. Und nein... cheute will ih-ch kein Magier sein."
Während die Kinder aufgeregt schnatternd und sich entschuldigend davonrannten, warf Sergei die Angel wieder aus. Der Schwimmer zuckte, dann verschwand er unter der Oberfläche und die Schnur spannte sich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 9. Sep 2013, 00:43 
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Ein kühler, sommerlicher Morgen, der Himmel noch in verschiedenste Farben getaucht - von rötlich bis orangegelb. Der Wind streift sacht über die gebräunte Haut, weht die langen, welligen, goldblonden Haare vor sich her, wärend sie durch den Aufgang der Sonne ebenso wie alles unter dem roten Schleier liegt. Sie ist schlank, athletisch und blutjung. Die Lederrüstung passt, ist gut gepflegt, aber einige Male ausgebessert.
Ruhiger Atem kommt aus den umstehenden Zelten, die Augen wandern unsicher über die Ebene unter ihr. Dort war ein weiteres Lager. Eine relativ große Mannschaft von Händlern. Gold und Waren. Außerdem die scharfen Klingen einiger arrangierter Söldner. Sie atmet tief durch, ihr war nicht gut bei der Sache, ihr Magen drehte sich bald um. Sie selbst hatten sich auf den Bergen, zwischen den Felsen zur Ruhe gelegt. Nur wenige waren bereits auf, verrichteten bereits einige Arbeiten, aßen.
Irgendwann nähern sich Schritte der jungen Söldnerin. Sie sieht über die Schulter und es legt sich ein sanftes Lächeln auf ihre Züge. Der blonde Kerl legt eine Hand auf die Schulter der Blonden, dreht sie herum und zieht sie in eine freundschaftliche Umarmung. Die Frau legt den Kopf an die Brust des jungen Mannes und lässt die Augenlider sinken. Bloß wenige Herzschläge später spürt sie das Kinn von ihm auf ihrem Kopf. "Hier nach wird alles besser. Wir können uns ein schönes Leben machen. Wir alle", er gibt ihr einen kurzen Kuss auf den Kopf, flüstert dann einen weiteren Satz. "Ich werd' mein Leben für dich geben."
Sie drückt den jungen Kerl ein Stück von sich, sieht ihm direkt in die Augen. Es ist beinahe so, als würde sie in ihre eigenen sehen. "Und ich meines für dich. Ich hab dich lieb, Bruderherz."


Jahre später steht die selbe Frau, aber ohne irgendwelche Lager, ohne Gesellschaft auf einem anderen Berg. Es ist verschneit, vereist und es weht ein kalter, schneidender Wind, welcher unablässig an ihr zerrt, sich kreischend an der Felswand bricht. Auch hier atmet sie tief durch, blickt dann zu Boden und dreht sich herum. Erinnerungen werden verdrängt, ehe sie wieder mit den fließenden, anmutig scheinenden Bewegungen zurück in die Wärme kehrt, sich dann daheim wieder an Hausarbeit macht. Nicht zu viel nachdenken. Kommen die Gedanken, immer schön beschäftigt halten und lächeln.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 16. Sep 2013, 02:40 
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Der Abend dämmerte und in Gilneas zog die Ruhe ein. Die Kirchenglocken schellten, riefen zur Messe. Für uns bedeutete es den Schichtwechsel. Es war nichts ungewöhnliches passiert heute. Wie immer standen wir auf der Mauer, die uns abschnitt von der restlichen Welt. So wie gewollt. Ich trat die Treppen herab, neben mir eine Kollegin und Freundin. Erst vor kurzem war sie aus der Mutterschaft in den Dienst zurückgekommen. Eliot Ward, Elly genannt. Ebenso noch jung wie ich selbst. Hinter uns die Brüder Stanley und Tyler Renard. Auch die beiden waren in unserem Alter. Eine Scharfschützentruppe. Genug zu uns. Wir gingen wie jedes Mal die Treppen herab, lachten und quatschten bereits. Wir gingen alle Heim, trafen uns später in der Taverne. EIn typisches Ritual. Elly war nicht mehr dabei, sie hatte sich um ihren Knirps zu kümmern. Mitchell hatte sie ihn genannt. Ein goldiger Bursche. Stanley redete munter, erzählte von seiner Frau. Auch sie erwarteten ein Kind. Lächelnd sah ich ihm bei seiner Rede in die Augen, beobachtete das glückliche Funkeln. Meine Finger verschränkten sich, die Ellenbogen stützen auf der hölzernen Tischplatte und mein Kinn bettete ich auf meine Hände. Tyler saß neben mir, versuchte wie jedes Mal eine Hand auf mein Bein zu legen. Ich überschlug dieses, brachte so ein wenig Distanz dazwischen und achtete nicht weiter darauf. Ja, wie jedes Mal. Tyler war verlobt. Meine Gedanken wurden laut und ich musste an meinen Vater denken. Er regte sich immer so sehr darüber auf. Jeder war verlobt, erwartete Kinder - bloß ich nicht. Ich musste schmunzeln und Stan stockte in seinem Redeschwall für den Moment irritiert. Dann ein schriller Schrei und es wurde ruhig. Ich blinzelte. Nein, ich hatte mir das nicht eingebildet. Einige Personen gingen zur Tür, öffneten diese und es wurde unruhig. Einige rannten hinaus, andere zurück in den Schankraum, sprangen in Verstecke. Die meisten Menschen standen auf, traten zur Türe und es begann hektisch zu werden. Panik breitete sich vor dem Unwissen aus, die Leute drängten sich durch den Ausgang. Auch wir standen auf, hielten uns aber zurück. Nachdem bereits die Hälfte heraus war, gab es unter gekreische einen Drang zurück. Ich wurde beinahe von den Beinen gerissen, aber einer der Brüder zog mich am Oberarm wieder hinauf. Dann sahen wir den Auslöser. Ein riesiges Biest, sicher zwei Meter hoch, mit langen Fangzähnen und schrecklichen Klauen. Zerzaustes, nasses Fell. Ein Wolf? Nein. Aber etwas ähnliches. Wolfsmenschen? Gab es so etwas? Forderte die Abgeschlossenheit ihren Tribut? Noch bevor ich selbst überlegen konnte zog mich Stan mit sich, wir drückten uns an eine Wand und das Untier begann den Schankraum in ein Blutbad zu verwandeln. Leute schrien schrill auf, Holz brach unter den Hieben der Klauen. Wir schafften es hinaus und auf der Straße sollte es nicht anders aussehen. Es waren viel mehr als diese einzige Bestie. Überall lagen verstümmelte Leichen, Menschen kreischten, riefen Namen, Metall sirrte durch die Luft und Gewehre donnerten. Außerdem dieses animalische Brüllen. Immer und immer wieder. Wie in Trance wurde ich von Stanley mitgezogen, Tyler ging vorraus. Genau das wurde ihm zum Verhängnis. Aus einer der Gassen, nur kurz vor dem Haus der Renards, sprang eines der Monster, Biss ihm durch den Hals, durch die Schulter. Tyler gurgelte bloß wenige Wimpernschläge sein eigenes Blut, ehe sein Genick knirschend brach. Zu meinem Glück behielt Stanley trotz des Verlustes einen kühlen Kopf. Heute weiß ich, dass er es nicht realisierte. Wir rannten die Treppen hinaus, sprangen Stufe um Stufe, stolperten. Aber wir kamen an. Stanley rüstete sich, ich ebenso - mit Tylers Ausrüstung. Wir brauchten einige Sekunden, ehe wir uns wieder vor die Türe trauten. Menschenmassen hetzten durch die Gassen. Weinen. Schreien. Am liebsten hätte ich mir die Ohren und Augen verschlossen. Aber wir hatten eine andere Aufgabe. Wir mussten zu Eliot. Eliot und Mitchell. Wie wir es gelernt hatten schlichen wir durch die Gassen. Stan vorn, ich hinten, die Waffen feuerbereit. Je näher wir an den Stadtkern kamen, desto ruhiger wurde es. Wir hatten Glück. Eliot kam uns entgegen. Ihr Gesicht entgeistert, blass. Auf ihrem Arm ihr weinender Sohn. Aber sie waren unverletzt. Und doch - keine Zeit für Wiedersehensfreude. Wir machten kehrt, machten uns auf dem Weg zu dem Hause der Silberhauchs. Zu meiner Familie. In meinen Gedanken formte sich ein Stoßgebet an das heilige Licht, auf dass ihnen nichts geschehen war. Auf dass wir rechtzeitig ankämen.

Wieder waren wir da. Stanley vorn, Frau und Sohn in der Mitte, ich bildete den Schluss. Ein Herzschlag waren meine Sinne nicht gesammelt, war ich doch zu aufgebracht. Eines der Geschöpfe riss mich von den Beinen, es war von einem der niedrigen Dächer gekommen, drückte mir die scharfen Zähne in den Brustkorb, ließ brennende Schmerzen durch meinen Körper fahren. Und ich schoss. Und Stanley schoss. Das Wesen sackte nach Renards Kopfschuss über mir zusammen und ich hatte das Gefühl ich würde nicht verbluten, sondern gleich ersticken. Eliots kräftiger Tritt aber rettete mich. Keuchend brachte ich es nicht fertig mich zu rühren. Um mich herum drehte sich alles und ich hätte schwören können mein Körper hätte in Flammen gestanden. Wir hatten es fast geschafft. Mein Kopf kippte zur Seite und trotz der Schmerzen lächelte ich. Dort war mein Familienhaus. Stanley und Eliot würden sie erreichen. Ich spürte wie sich Eliots Hand auf mein Brustbein legte. Sie wimmerte meinen Namen. Unfähig meinen Kopf zu drehen linste ich bloß aus dem Augenwinkel zu ihr, sag dabei Stanley wie er lud und die Gegend sicherte. Dann kehrte Ruhe in meinem Kopf ein. Stille. Dunkelheit. Fühlt sich so sterben an? Ich entspannte, wollte mich davontragen lassen. Der Schmerz jedoch begann zu pochen, dehnte sich aus und nahm mir die Luft zum atmen. Ich riss meine Augen auf, aber ich konnte nichts erkennen. Da war nur dieser unsagbare Schmerz. Es fühlte sich an, als würde meine Haut reißen, als würde ich von innen heraus patzen. Und ich schrie auf, kreischte schlug auf den Boden - dann war es vorbei. Ich sah Eliot vor mir, wie sie entgeistert zu auf mich starrte. Und ich fühlte Hass. Wahnsinnigen, animalischen Hass. Ich wollte sie schlagen, dafür, dass sie mich so anstarrte. Dass sie mir nicht half! Doch statt meiner Faust riss ihr eine Klaue den Magen auf, schlug ihr das Kind aus dem Arm. Noch bevor Elly schreien konnte floh ihre Seele aus ihren Augen. Ich fühlte nichts außer Zufriedenheit. Und das machte mir Angst. Dann wurde ich herumgeschleudert, etwas stach in meinem Schulterblatt. Als ich wieder auf dem Boden lag sah ich Stanley. Er rannte auf mich zu, legte an - und hielt inne. Mir wurde schwarz vor Augen.


Ein Dröhnen. Ich atme. Ein dumpfer Aufprall und meine Lider beginnen zu zittern. Scharren, kratzen, schnüffeln. Ich versuche mich abzustützen, aber ich bin gefesselt. Ein leises Stöhnen - meine Stimme? Allmählich begann ich zu sehen. Wortlos sah ich um mich, bewegte mich dabei nicht. Meine Familie. Stanley. Eliots Haar, welches unter einem weißen Tuch hervorlugte. Immer mehr begann ich zu begreifen. Gedehntes Ausatmen. Wieder scheppert etwas gegen die Kellertür. Alle zucken zusammen. Und ich fühle wie mir die Tränen über das Gesicht rinnen. Ich verstehe..

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 13. Okt 2013, 05:07 
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Das Schlingendornkap. Nokomis zerdrückte eine der nervigen Mücken auf ihrem Dekoltee und verfluchte die kleinen Biester innerlich. Es roch nach Pflanzen und der Wind trug einen weiteren Duft zu ihr. Den salzigen Geruch des Meeres. Die Insekten und die anderen Tiere spielten ihr abendliches Konzert und die Luft begann abzukühlen, war bald nicht mehr so stickig und drückend. Die blonde Söldnerin atmete tief durch. Der Stoff ihrer alltäglichen Kleidung klebte bereits an den meisten Stellen an ihrem Körper, sie hatte bereits das Oberteil hochgebunden, den Bauch einfach freigelegt. Soeben war sie mit der Pflege ihrer Lederrüstung fertig geworden, hatte den Staub aus dem Wappenrock gebürstet. Auch die Säuberung ihrer Handkrallen hatte sie bereits abgeschlossen, aber anders als die Rüstung und den Wappenrock hatte sie ihre Waffen noch in ihren Händen. Nachdenklich sah sie auf diese hinab, summte dabei leise und gedankenverloren eine ruhige Melodie, welche ihrem eigenen Kopf entsprang. Als würde der Dschungel die Lyrik dazu darstellen raschelten die Blätter, zwitscherten die letzten Vögel, bevor die Tiere beim Anbruch der Nacht weitgehend verstummen würden. Nokomis zog derweil die Beine in den Schneidersitz. Obwohl es heute nicht geregnet hatte war der Boden noch matschig von den Regenfällen der letzten Tage.
Weiterhin summend drückte sich Nokomis von der Kiste, die ihr die Sitzgelegenheit geboten hatte. Sie griff die Waffen, als würde sie einen Gegner erwarten, ließ dann die Arme sinken und schlenderte durch das Lager.
Das Feuer war bereits wieder entfacht, es knisterte ruhig vor sich hin. Die Worte ihrer Kameraden, die sich um die Feuerstelle versammelt hatten, auf den Bänken saßen und leise sprachen oder aßen wurden durch das Knistern sogar ein wenig verzerrt und sie konnte so bloß Wortfetzen aufschnappen. Aber die Mitläuferin war ohnehin zu beschäftigt mit ihren eigenen Gedanken. Sie beendete ihr summen und grüßte kurz in die Runde - Dem Sturm entgegen - Ehe sie in ihrem Zelt verschwand und noch ein Mal auf die Waffen blickte. Es vergangen wenige Sekunden. Dann nickte die Frau.
Abschließend band sie sich die langen Wellen locker zusammen und gesellte sich zu den anderen, um den abendlichen Gesprächen, Neckereien und den Geschichten zuzuhören.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 14. Okt 2013, 21:10 
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Ich seufzte leise, als ich mich niederließ. Sie waren so anstrengend im Moment. Natürlich konnte nicht alles glatt laufen, warum war die Luft so dick, warum waren sie so frustriert? Vermutlich das umherwechselnde Wetter. Regen, Sonne, Regen, Sonne. Oder vielleicht die biestigen Mücken.. Mein Hinterkopf sinkt an den Fels und ich schließe die Augen. Der Dolch wird an meine Seite gelegt, ganz geheuer ist mir die Umgebung auch so nah am Lager dann doch nicht. Ich strecke meine Beine aus und lege die Hände auf meine Oberschenkel. So ein Aufstand für nichts. Wilde Spekulationen, sie machen sich selbst verrückt. So ein Unfug. Es konnte so angenehm hier sein. So wie jetzt. Immerhin saß ich nun direkt auf einem Fels und entspannte. Mh, vielleicht hätten sie anders reagiert, wäre ich nicht dabei gewesen. Was war bloß mit den Männern los. Vermutlich steigt ihnen die Hitze zu Kopf. Ich lache kurz und leise auf. Verrückten Hunde.
Nach einer Weile verbannte ich gezwungen die Gedanken aus meinem Kopf. Ich lauschte den Geräuschen - das waren doch nicht die typischen Geräusche des Waldes? Den Dolch neben mir wissend lausche ich weiter, verharre und halte die Luft an, um meinen eigenen Atemzug auszublenden. Und ich hatte recht. Ich höre wen auf mich zuspringen, allerdings ist mein Dolch blockiert, als ich nach ihm greife und diesen ziehen will. Dann spüre ich bereits das Metall am Rücken - eine tödliche Umarmung im Regelfall. "Und tot." Die bekannte Stimme lässt mich entspannen. Ich atme durch und muss dann doch über meine eigene Dummheit schmunzeln und über ihn. Der blöde Sack..

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BeitragVerfasst: 17. Okt 2013, 10:17 
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Wie heißt der Bund, der tapfer kämpft
bis alle Feinde renn'?

D, Ä, M, M, E, R, S, T, U, R und M

Schwert auf Schild, schwarz und weiß
Das Banner muss man kenn'

D, Ä, M, M, E, R, S, T, U, R und M

Dämmersturm! Dämmersturm!
Dämmersturm! Dämmersturm!

Für immer tragen wir das Wappen
stolz und mutig

In die Schlacht, im Sturm vereint
Weil uns're Herzen brenn'

D, Ä, M, M, E, R, S, T, U, R und M


Natürlich singen wir nur, weil wir unsere Patrouille erfolgreich hinter uns gebracht haben. Und weil so nahe am Lager ein Hinterhalt äußerst unwahrscheinlich ist. Hauptsächlich singen wir, um die anderen Söldner brutal zu wecken - immerhin ist die Sonne gerade aufgegangen - und weil der Anführer unseres Drei-Mann-Trupps es befohlen hat. Und er hat lächerlich fiese Strafen auf Lager, wenn man Widerworte von sich gibt oder nicht aus vollster Kehle mit singt. Unsere Patrouille brachte Duncan Halford, Alexander Veidt und mich, Jason Robards, in die Nähe der Ammertannhütte, weil es Berichte über Untote gegeben hatte. Späher. Der Dämmersturm sollte nun regelmäßig in der Gegend patrouillieren. Und letzte Nacht waren wir an der Reihe gewesen. Duncan Halford hatte das Kommando. Der Alte kann ein ziemliches Arschloch sein, wenn er will. Diszipliniert, stets wachsam. Jetzt, im Lager, ist es fast so, als würde sich der alte Soldat komplett in einen anderen Menschen verwandeln. Die Strenge fällt von ihm ab, als würde er einen Mantel ablegen. Schon lächelt er, schiebt sich Schokolade in den Mund und geht dann zu Dozla, um Bericht zu erstatten. Langsam beginnt der Alltag hier in Sturmfausts Wacht. Alexander Veidt schlendert beinahe gut gelaunt zum Lagerfeuer und wirft einen Beutel voller Köpfe vor die Füße von Barbas Goth und Azkima Blitzschlag. "Hab euch doch gesagt, dass ich mehr erledige als ihr. Ihr schuldet mir euren halben Wochen-Sold." Der Mann mit den blonden Haaren grinst beinah boshaft, als die anderen Söldner ihm Münzen vor die Füße werfen und ihn verfluchen. Alexander Veidt ist hier in den Grizzlyhügeln regelrecht aufgeblüht. Vielleicht liegt es an der regelmäßigen Versorgung mit Feinden, die es zu töten galt. Er war verhältnismäßig umgänglich geworden. Soweit ich es beurteilte, gab er seinen Sold für Tabak und Alkohol aus. Duncan Halford hatte neulich Abend halb im Scherz gemeint, das Meiste seines Lohns ginge für Schokolade aus. Stimmte wahrscheinlich auch. Fast immer war er am Naschen. Musste ein Vermögen kosten, das Zeug hier in Nordend zu bekommen. Ich weiß zwar nicht, wo Kakao wächst, bin aber sicher, irgendwo im Schlingendorntal oder so verdient sich jemand nur wegen Duncan eine goldene Nase.

Ich? Ich spare noch immer. Um eines Tages mein Schiff zurück kaufen zu können. Verdammt, der Gedanke ist immer in meinem Kopf. Er treibt mich an. Gleichzeitig aber... "Na, biste sauer, weil ich dir heute den Arsch gerettet habe?" Alexander kommt mit einem süffisanten Grinsen zu mir ans Feuer, reißt mich aus meinen Gedanken. "Ach quatsch", sag ich. "Hatte alles im Griff". Naja, das stimmte nur halb. Es war stockfinster im Wald. Der Winter näherte sich. Natürlich war es in den Grizzlyhügeln meistens kalt. Schnee hatten wir hier oft. Aber langsam wurde es hier richtig ungemütlich. Arschkalt und windig. Wenigstens gerieten wir nicht in einen Schneesturm. Irgendwann meinte Alexander, er würde Untote riechen. Ich wollte das natürlich nicht glauben. Auch Duncan hatte Zweifel. Alexander meinte, besonders im Wind könnte man mit etwas Erfahrung den feinen Geruch von Toten wahr nehmen. Wir folgten dem Geruch. Alexander sollte Recht behalten. Doch trotz allem liefen wir in eine Falle. Von beiden Seiten kamen Untote angesprungen. Die ersten begrüßte ich mit der abgesägten Schrotflinte. Alexander stürzte sich mit seinen beiden Klingen ins Getümmel und Duncan wurde umzingelt. Zwei Untote griffen ihn von beiden Seiten an, doch der Alte war erstaunlich schnell und geschickt mit seinem Schwert. Früher hat er angeblich einen Schild getragen, auf den er inzwischen aber wegen seines Alters verzichten musste. Sah man ihm nicht an. Der war erstaunlich fit für seine fünfundsechzig Jahre. Nur selten sah man ihm an, dass sein Rücken oder seine Gelenke schmerzten. Nun aber verteidigte er sich tapfer, schlug einem der Untoten die Rübe ab, dem anderen hieb er durch die Knie, ehe er dessen Kopf mit dem Stiefel zertrat. Ich feuerte mit meinem Repetiergewehr, erledigte drei Untote. Dann zog ich den Revolver. Und genau als die Munition alle war, war einer der Untoten bei mir, bereit, mir die zackigen Klingen in den Leib zu rammen. Dann aber bohrten sich die Klingen von Alexander aus Mund und Brust des Untoten. So schnell wie der Kampf begonnen hatte, war er schon wieder vorbei. Duncan hatte drei Untote erledigt, ich fünf. Und Alexander sechs Stück. Und nun grinste er dieses "Schlag-mir-ins-Gesicht-Grinsen".

Duncan war hier, weil er sich für zu alt hielt, an den "richtigen" Missionen des Dämmersturms teil zu nehmen. Ob er hier oben den Rest seines Lebens bleiben wollte, wer weiß? Auf meine Frage, warum Alexander hier oben war, hatte er gesagt, dass es hier oben genug Feinde zu erschlagen gab und er sich so nicht mit den Idioten "unten" rum ärger musste. Ich würde aber als Idiot hier oben ein guter Ersatz sein, sagte er. Nur Barbas würde mich noch übertreffen. Alexander hatte auch gemeint, er sei in Nordend, weil er mit der Frau des Rottenmeisters geschlafen habe und dieser ihn wohl umbringen würde. Freyri oder Rarnulf konnte er ja nicht meinen. Also meinte er etwa Alvrim? Nun, den Admiral wollte ich auch nicht zum Feind haben. Dann aber fragte man mich, warum ich wirklich hier oben war. Die Schusswunden aus den Sümpfen waren es nicht, da seien sie sich alle sicher. Und sie hatten Recht. Auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte. Gesundheitlich war ich wieder topfit. Eigentlich war ich hier in Nordend aus Angst. Denn was, wenn ich im Schlingendorntal mein Schiff sehen würde? Würde ich befangen sein? Auf dumme Ideen kommen? Möglich. Diese Sehnsucht nach der See war schlimm. Besonders auf der Fahrt nach Nordend hatte ich es bemerkt. Nur Iris und Rethorn konnten mich da vielleicht verstehen. Nein, ich war sicher, im Schlingendorntal keine gute Arbeit leisten zu können. Ich hatte Angst vor der Verlockung. Angst vor dem, was vielleicht mit meinem Schiff passiert war. Vielleicht machte ich mir nur was vor. Vielleicht war mein geliebter Seeadler längst gesunken. Vielleicht war meine alte Crew so zerstreut, dass eine Rückkehr auf See nie wieder in Frage kam. Und was war mit mir? Da war noch etwas anderes. Ich würde gründlich nachdenken müssen. Abwarten müssen. Bis dahin würde Nordend meine Zuflucht sein. Zumindest würde ich hier nicht einrosten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 17. Okt 2013, 16:16 
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Der alte Zwerg bricht aus der Deckung hervor - einen Sturm aus Pulver und Blei in die Rücken der Fliehenden entfesselnd. Eine Kugel durchschlägt den Schädel eines Mannes, der tot ist noch ehe er auf dem schmierigen, blutverklebten Boden aufschlägt, ein weiterer wird mit bleizerschmetterter Wirbelsäule durch tödlicher Präzision von den Beinen gerissen, als er in haltloser Panik über den Gestürzten hinwegsetzt. Der nächste angsterfüllte Schrei endet einen Herzschlag nach dem Aufblecken meines eigenen Mündungsfeuers. Ein Ruf von Rottenmeister Rotglut, der nur Sekunden zuvor eine Nemesis - einen Wirbel aus wilden Axthieben seiner gewaltigen Waffe, todbringend für alles und jeden in seinem Weg, entfacht hat, begleitet von einem bellend deftigen Fluch. Kurz zuckt mein Blick zu meinem rotbärtigen Vorgesetzten, der wie seine gesamte Nahkampfumgebung in noch warmes Blut getaucht ist, ehe ich den Befehl des Champions zur Bestätigung wiederhole - doch ohne Antwort ist dieser bereits weitergestürmt, eine winzige Armbrust ziehend, als er den Fliehenden aus der Deckung des Gebäudes nachsetzt. Halb aus militärischer Gewohnheit, halb aus dem Wissen wie gefährlich ein blindes Vorgehen sein kann nehme ich seine Verfolgung auf, sehe wie der Sturmbote mit einer Präzision und Schnelligkeit, die ich selbst als Schützin als herausragend anerkennen muss, im Innehalten auf halbverfaulten Planken einem weiteren Fliehenden einen stählernen Bolzen in den Kopf jagt ... und höre einen Herschlag später am Rande des Geschehens einen viel leiseren Laut - das Spannen von Abschlaghähnen im Rücken es Zwerges welcher so plötzlich auf dem Quay aufgetaucht sein muss, dass er - ein Seitenblick im Rennen bestätigt es - in die Schussbahn der kürzlich als verbündet Beschlossenen geraten ist, welche das Feuer auf den gemeinsamen Feind jeden Augenblick eröffnen und Ingo ungewollt ins Kreuzfeuer nehmen werden. Ohne Innezuhalten und mir sowohl dieser Tatsache als auch der Abschätzung wie hoch die Schützen zielen müssten, werfe ich mich mit dem Schwung des Ansturms und vollen Köpergewicht auf den Champion des Sturms und Einsatzleiter des Vorhabens in seinen schmerzend harten Rüstungplatten und reiße ihn aus der Schussbahn auf vermodertes Holz zu Boden, als das Blei aus den Gewehren gespuckt wird. Nur das beißende Brennen einer Kugel die meinen Rücken streift, dann liegen wir auf glitschigen, algenverklebten Planken. Ein stummer Fluch sowie Erleichterung durchströmen meine Gedanken gleichzeitig als der Lärm versummt und wir uns aufrichten, der Rücken an einer Stelle wie in brennendes Eis getaucht. Nur drei Entkommene und der Startschuss eines blutigen Chaos zwischen den Zielen und potentiellen Verbündeten. Vorhaben erfolgreich ausgeführt. Verluste: Keine.

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 Betreff des Beitrags: Re: Alltag
BeitragVerfasst: 7. Nov 2013, 02:54 
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Die Träume kamen wieder, diesmal stärker als zuvor. Er war sich nicht ganz sicher, ob das an dem ungenießbaren Essen, der widerlichen Hitze oder ganz einfach seiner generellen Abneigung gegenüber dieser Stadt und ihren Bewohnern lag. Aber der Schlaf entzog sich ihm, die Angst davor, wieder die Gesichter in der Dunkelheit über ihm zu sehen, war zu stark, als dass er auf natürliche Art und Weise einschlafen konnte. Stattdessen versuchte er verzweifelt, wach zu bleiben, schüttete sich kannenweise die dünne Plörre rein, die sie hier unten „Kaffee“ schimpften, und ging bis tief in die Nacht hinein minutiös alle möglichen Eventualitäten des Einsatzes wieder und wieder im Kopf durch. Aufstellung der Truppe. Die persönlichen Stärken und Schwächen jedes Söldners. Vorräte. Ausrüstung. Umgebung. Mögliche Taktiken im Falle eines Überfalls oder Angriffs. Eine geistlose Wiederholung, die nur dem Zweck diente, seinen Verstand daran zu hindern, abzuschalten und dem Unterbewusstsein die Kontrolle zu überlassen. Doch letztendlich war es ein Kampf auf verlorenem Posten. Der Körper holt sich das, was er braucht, und mehr als viele andere Sterbliche brauchen Zwerge viel Schlaf. Das Licht der aufgehenden Sonne war ein gewisser Trost, der den Stachel der dunklen und so schrecklich klaren Bilder etwas abstumpfte. Aber auch nur ein wenig.

Von dem Balkon der „Immobilie“ aus betrachtete der Alte das Anwachsen des rotgoldenen Glanzes auf den Wellen draußen auf dem offenen Meer während die Fluten innerhalb der Bucht weiterhin dunkel und grau blieben, bis die Sonne schließlich ihr Licht über die Klippen und Hänge, die die Stadt umgaben, werfen würde. Ein schönes Gleichnis. Obwohl sie die Grenze des Lichts überschritten hatten und in diesen Ort voller Verkommenheit und geradezu tierischer Brutalität hinabgestiegen waren, musste doch irgendwann das Licht wiederkommen. Oder war es ganz anders? Ingo stellte sich gerne vor, dass es eine Linie gab, die Männer wie er versucht waren zu überschreiten. Eine Wahl, eine bestimmte Handlung von grauenhafter Natur, die aber nichtsdestotrotz sinnvoll oder notwendig erscheint. Wenn man Glück hatte, kam man nie dazu, vor diese Wahl gestellt zu werden. Man erfüllte seine Pflicht so lange es ging, oder starb in ihrer Ausübung. Aber er war einer, der Entscheidungen treffen musste. Bisher war er sich sicher gewesen, die Linie nie überschritten zu haben. Doch in dieser Stadt mit ihren animalischen Einwohnern war er sich nicht mehr so sicher. Und was hinter der Linie wohl liegen mochte, bereitete ihm mehr Bauchschmerzen als die einheimische Kost, wog schwerer auf ihm als die drückende Hitze und raubte ihm mehr Schlaf als die Träume.

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Wenn ich nicht so viel Scheisse bauen würde, käme ich mir dämlich vor.


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