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 Betreff des Beitrags: Das Leben eines Rebellen
BeitragVerfasst: 29. Dez 2015, 20:18 
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Das Leben eines Rebellen

Teil 2: Die Kanonen von Kielwasser

Captain Hank Willard von den "Kielholern", ehemals der dritten Kompanie von Kielwasser, parierte den Säbel seines Gegners. Er tat es übereilt, wehrte nur mühsam ab und ließ seine rechte Hand ein wenig hängen, sodass die Spitze seines Säbels gen Boden zeigte. Er bleckte die Zähne, geriet ins Straucheln. Die sachverständigen Zuschauer raunten, denn sie hielten die schlampige Parade für schwach. Ein überraschtes Murmeln setzte ein, denn Willard war für gewöhnlich geschickter. Eigentlich war er sogar sehr gut. Er hatte angegriffen, jedoch den Konter seines viel größeren Gegners zu spät erkannt und war jetzt auf desorientiertem Rückzug.
Der größere Mann setzte nach, schlug die Säbelklinge beiseite, sodass Willard zurück sprang und seine Stiefel auf dem Boden quietschten. Allein das Geräusch der Schuhe auf den hölzernen Dielen ließ auf Panik schließen. Die Säbel klirrten wieder hart gegeneinander, der größere Mann stürmte vorwärts, seine Klinge stieß vor und Willard konterte in offensichtlicher Verzweiflung, bis er - so schnell, dass die Zuschauer kaum der Bewegung seines Säbels folgen konnten - zur Seite sprang und bei einer Riposte die Wange seines Gegners traf. Die Riposte schien nicht wuchtig ausgeführt zu sein, denn ihre Kraft kam aus Willards Handgelenk, statt aus dem ganzen Arm, doch die Klinge traf den größeren Mann, sodass er das Gleichgewicht verlor. Er schwankte, sein rechter Arm fuchtelte herum und Willard berührte mit der Spitze seines Säbels sanft die Brust seines Gegners, der daraufhin zu Boden stürzte.
"Genug", rief der Kampfrichter.
"Verdammt!" Der gefallene Mann schwang seine Klinge in einem Wutausbruch nach Willards Standbein. Willard blockte den Hieb mühelos ab und wandte sich einfach ab, ging einige Schritte auf Distanz und schob den Säbel zurück in die Schwertscheide. "Ich sagte, der Kampf ist vorbei", rief der Kampfrichter ärgerlich.
"Wie, zum Henker, haben Sie das gemacht, Willard?" Marston erhob sich schnaufend und rieb sich die winzige, blutende Schramme an der Wange. "Ich hatte Sie schon so gut wie am Arsch." Willard, der den gesamten Ablauf des Kampfes geplant hatte, bis hin zur gespielten Fahrigkeit seiner Parade und der scheinbaren Hektik seiner Bewegungen, verneigte sich. "Ich glaube, ich hatte einfach nur Glück."
"Kommen Sie mir jetzt nicht so gönnerhaft", blaffte Marston, steckte seinen Säbel weg und sah frustriert zu, wie so mancher Zuschauer seinen Wettgewinn einsackte. "Was war mein Fehler?"
"Ihr konzentriert Euch zu sehr auf die Offensive", meinte Willard und zog ein Tuch, um sich den Schweiß von der Stirn zu tupfen. "Einen Teufel tu ich", grollte Marston. Er war stolz auf sein Können mit Schwert oder Säbel, doch er wusste, dass Willard ihn herein gelegt hatte, indem er einen übereilten Rückzug vorgetäuscht hatte. Finster blickte er seinen Gegenüber an. Dann erkannte er, dass er sich unsportlich verhielt. Er schüttelte den Kopf, trat an Willard heran und streckte eine Hand aus. "Sie sind schnell, Willard. Verdammt schnell." Die Zuschauer applaudierten bei der Geste.
Sie waren in Gerald Smith's Waffenhalle, einer Einrichtung in Sturmsiels besser betuchten Gegend, wo wohlhabende Männer die Künste des Boxens, Fechtens und Schießens erlernen konnten. Die Halle war ein hoher, kahler Raum mit einem Ring in der Mitte, Bänken für die Zuschauer und zahlreichen Ständern für Schwerter und Säbel an den Wänden, in dem es nach Tabak und Alkohol roch. Ein paar Frauen in der Halle servierten Getränke und Essen oder arbeiteten in den kleinen Zimmern über der Halle, wo die Betten weich und die Preise hoch waren.
Willard ergriff die ihm dargebotene Hand, drückte sie kurz und fuhr sich kurz durch die blonden Haare, ehe er aus dem Ring kletterte, seine Jacke vom Boden aufhob und sie anzog, während er in Richtung Ausgang schlenderte, wo ein großer, sehr schlanker Mann in der dunkelblauen Uniform der Schützenregimenter wartete. Doch genau wie bei Willard fehlten auch ihm die Rangabzeichen. Auf den Straßen war man besser vorsichtig, mit so einer Uniform. Doch wahre Gefahr drohte nur in der Hauptstadt selbst. Denn die fehlenden Rangabzeichen kennzeichneten einen nicht nur als Deserteur, sondern auch als Verräter. Als Rebellen. Der Hüne trat eine Zigarette unter seinem Stiefel aus und grinste, als Willard sich näherte. "Sie haben ihn zum Narren gehalten", meinte er heiter.
Willard runzelte die Stirn. Er kannte den anderen Mann nicht. Und jeder Spion des Königs konnte sich eine derartige Uniform anziehen, um an die Rebellion und an Crowley heran zu kommen. Daher war Willard vorsichtig. Seine offizielle Ausrede für die verschandelte Uniform war, dass er wegen wiederholter Trunkenheit im Wachdienst unehrenhaft entlassen wurde. Offiziell war er nun Angestellter in Gerald Smith's Waffenhalle. Niemand konnte ihn mit der Nordtorrebellion in Verbindung bringen. Es gab keinerlei Beweise. Und eben deshalb würde er weiterhin vorsichtig sein. Eine Uniform machte einen weder zum Soldaten, noch zum Rebellen. "Ich habe ihn zum Narren gehalten?", fragte Willard verwirrt. "Wie denn?"

"Eure Parade", meinte der Hüne gut gelaunt. "Ihr habt sie absichtlich so schwach ausgeführt. Eure Bewegungen sollten hektisch wirken, doch in Wahrheit habt ihr nie wirklich die Oberhand verloren." Willard war beeindruckt von der Beobachtungsgabe des Mannes, ließ es sich jedoch nicht anmerken. "Vielleicht habe ich einfach nur Glück gehabt." Willard war bescheiden, den er hatte den Ruf, der beste Schwertkämpfer in Kielwasser, vermutlich in der gesammten Rebellion und möglicherweise im ganzen Land zu sein, doch er stellte sein Licht unter den Scheffel, genau so wie er seine Fähigkeiten bei denjenigen herunterspielte, die ihn für den besten Pistolenschützen in Sturmsiel hielten. Ein Soldat, pflegte sein alter Ausbilder bei der Armee immer zu sagen, sollte ein Meister seiner Waffen sein und so hatte Willard immer fleißig trainiert in der Hoffnung, dass seine Fähigkeiten eines Tages für den Dienst seines Landes nützlich sein würden. Seit er Mitglied der Rebellion war, war es dies auch - in anderer Hinsicht als je von ihm geplant. Doch der Wall hatte ihn von seiner Familie getrennt. Seine Eltern und Geschwister lebten in Lohenscheit und es gab keinen Tag, an dem er sie nicht vermisste. Irgendwann kam der Punkt, an dem er nicht länger als Marionette eines sturen Königs gegen Rebellen kämpfen wollte, die nur das Beste für das Land im Sinn hatten. So hatte er gemeinsam mit einem Großteil der dritten Kompanie von Kielwasser die Armee verlassen und sich als "Kielholer" der Rebellion angeschlossen. Offiziell verdiente er sein Geld nun mit Unterricht in Gerald Smith's Waffenhalle, lehrte jedem, der es sich leisten konnte Fechten, Boxen und Schießen. Bis die Rebellion ihn brauchte. Was sehr bald der Fall sein würde.
"So etwas wie Glück gibt es nicht", meinte der Hüne und zuckte mit den Schultern. "Nicht, wenn man kämpft. Dann gibt es nur Können, Sieg oder Niederlage. Leben und Tod." Willard hatte sich abgewandt, doch der Tonfall des Mannes ließ ihn innehalten und zum Hünen mit den braunen Haaren zurück blicken. Sein erster, flüchtiger Eindruck war der eines privilegierten Jungen gewesen, eines Idealisten und möglicherweise der eines Spions. Nun aber erkannte er, dass der Mann Anfang vierzig war und bei seinem gepflegten Äußeren ein wissendes, zynisches Lächelns hatte. "Wer seid Ihr?", fragte Willard, obwohl er glaubte, die Antwort bereits zu kennen. "Ich bin Major Jason Lancaster. Aber Sie sollten mich einfach Jason nennen."
Nun hatte der Hüne die volle Aufmerksamkeit von Willard, der seine Vermutung bestätigt sah. Der Hüne in der ranglosen Uniform war kein Spion. Aber dennoch war er wegen Willard hier. Dieser deutete nun eine Verbeugung an. "Ich habe Sie erst am Samstag hier in Sturmsiel erwartet." Lancaster ruckte die Schultern nach oben. "Wir werden für eine ziemlich lange Zeit Gefährten sein. Warum sich nicht im Vorfeld besser kennen lernen? Sind Sie nicht neugierig auf unsere Befehle?"
"Meine Befehle lauten, Sie nach Kielwasser zu begleiten und dafür zu sorgen, dass Sie sicher wieder von dort fortkommen", erwiderte Willard steif. "Aber möchten Sie nicht wissen, warum wir nach Kielwasser gehen?", fragte Lancaster. "Ich bezweifle nicht, dass ich zu gegebener Zeit darüber informiert werde", meinte Willard immer noch im kühlen, distanzierten Tonfall. Lancaster war viel zu früh nach Sturmsiel gekommen. Obwohl Willard ein Rebell war, bevorzugte er akribische, militärische Planung. Er hielt Lancasters verfrühte Anwesenheit in der Stadt für ein potentielles Risiko. Zwar konnte er nichts gegen Lancasters Entscheidung sagen, zu früh vor Ort zu sein, doch das bedeutete nicht, dass ihm das auch gefallen musste. Lancaster lächelte ihn an und sein schmales Gesicht spiegelte Charme wieder. "Die gegebene Zeit ist gekommen", sagte er und öffnete die Tür, hielt sie Willard auf. "Erlauben Sie mir wenigstens, Ihnen das Abendessen zu spendieren und Ihnen die Geheimnisse unseres kommenden Ausflugs zu enthüllen."
In Wirklichkeit war der ehemalige Captain der dritten Kompanie fasziniert. Er hatte lange in der Armee gedient und für die Rebellion gearbeitet, doch noch nie an einer größeren Operation teilgenommen. Er hatte sich danach gesehnt, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und nun, wie aus heiterem Himmel, hatte sich die Chance ergeben, weil ein Ortskundiger, erfahrener Kämpfer gebraucht wurde, um Lancaster nach Kielwasser zu bringen. Das war alles, was Willard wusste, doch sein Kontakt bei der Rebellion hatte angedeutet, dass Willards Kenntnisse von großem Vorteil sein könnten.
Als er sich der Rebellion angeschlossen hatte, war Willard unschlüssig gewesen. Auf keinen Fall sollte der Widerstand gegen Graumähne dem Volk schaden. Auch jetzt, angesichts der Rückkehr in seine Heimatstadt, hatte er sich Sorgen gemacht. Doch man hatte ihm versichert, dass die Operation der Rebellion nicht gegen die Bevölkerung gerichtet sein würde. Und nicht gegen ehemalige Kameraden. Im Idealfall, hatte man ihm versichert, würde es nur wenige bis gar keine Kampfhandlungen geben. Man hatte seine Neugier geweckt und nun bot ihm Lancaster eine Erklärung an. Willard, der wusste, dass er zu mürrisch gewesen war, zwang sich zu einem Lächeln und nickte, ehe er ins Freie trat. "Also gut. Es wird mir ein Vergnügen sein, mit Ihnen zu speisen, Major Lancaster."

"Mein Name ist Jason", sagte Lancaster als er mit Willard zur Straße schlenderte. "Unsere alten Ränge sind nicht annähernd so wichtig wie unsere jetzigen Funktionen, meinen Sie nicht auch?" Willard hatte halb erwartet, dass an der Straße eine Kutsche wartete, doch Lancaster war anscheinend zu Fuß unterwegs, obwohl ein leichter Nieselregen eingesetzt hatte. Aber in Gilneas war man schlechtes Wetter gewohnt. "Es wird eine schlechte Ernte geben", grollte Lancaster und schaute sich um, sah dann zu Willard. "Ich dachte mir, wir könnten in dem Gasthaus am westlichen Stadttor speisen. Und vielleicht danach ein wenig Karten spielen."
"Ich spiele nie", antwortete Willard. Selbst wenn er es könnte war er zu geizig, seine wenigen Münzen bei den mitunter hohen Einsätzen am Kartentisch zu verlieren. "Wie klug Sie doch sind", meinte Lancaster amüsiert, ehe er sich in Bewegung setzte und der Hauptstraße gen Westen folgte. "Und ich dachte mir, es könnte Ihnen gefallen, wenn wir vor dem Essen mit Jensen reden."
"Jensen?", fragte Willard und hob verwirrt die Augenbrauen.
"Ein Kontaktmann, der mit mir seit Witterfront unterwegs ist", erklärte Lancaster. Er bedachte seinen Gefährten mit einem ernsten Blick. "Wir wissen von Ihren Vorbehalten gegenüber das, was der König so gerne als Terrorismus bezeichnet. Auch ich möchte ganz sicher gehen, dass unsere Aktivitäten in Kielwasser keine... hohen Wellen schlagen. Jensen ist ein anständiger Mann und ein hervorragender Taktiker und ich habe seinen Rat stets sehr nützlich gefunden."
Willard teilte den Wunsch, unnötige Gewalt zu vermeiden und daher gefiel ihm die Idee, mit jemandem zu sprechen, der genau so dachte. Doch seine angeborene Vorsicht setzte sich durch. "Sollten nicht so wenige wie nur möglich über diese Operation Bescheid wissen? Um die Risiken zu minimieren? Haben Sie Jensen etwa eingeweiht?" Lancaster blieb stehen und schenkte Willard ein strahlendes Lächeln. "Sie haben natürlich Recht. Aber David erzählte mir, Sie hätten Skrupel wegen der Mission in Kielwasser zum Ausdruck gebracht. Glauben Sie mir, mir geht es genau so. Dort lebt die Familie meiner Mutter. Und ich werde nichts tun, nicht das Geringste, was sie in Gefahr bringen könnte. Nicht einmal für die Rebellion." Er führte Willard in eine Seitengasse, legte ihm eine Hand auf die Schulter und senkte die Stimme. "Wenn wir die Sache nicht sauber über die Bühne bringen können, dann haben wir kein Recht, uns Patrioten zu nennen. Dann würden wir den Sinn der Rebellion verkennen. Aber David selbst machte mich mit Jensen bekannt. Ich möchte nur ein letztes, klärendes Gespräch führen. Um Eure Sorgen zu zerstreuen. David hielt es für sinnvoll, ich sehe es genau so und Jensen weiß einfach besser Bescheid, was die aktuelle Situation in Kielwasser angeht." Lancaster lächelte und ging weiter, und Willard, nun durchaus beruhigt, folgte dem Hünen durch die Seitengassen Sturmsiels. Denn David war sein eigener Kontaktmann, hier in Sturmsiel. Wenn David Jensen eingeweiht und nun durch eine perfekte Planung ein Blutbad verhindert werden konnte, sollte es ihm nur recht sein. Möglicherweise, dachte sich Willard, machte er sich umsonst solche Sorgen. "Wir machen einen ziemlichen Umweg", bemerkte Willard. "Kennen Sie sich hier überhaupt aus?" Lancaster lachte und nickte. "Ich bin doch schon seit gestern in der Stadt. Und das erste, was ich überall mache ist, mich mit den Gassen vertraut zu machen. Ich halte es für besser, den Hintereingang in die Schenke zu nehmen. Nicht, dass uns Spitzel des Königs folgen. So, wie wir herum laufen." Damit hatte Lancaster natürlich recht. Und so folgte Willard ihm durch die verwinkelten, engen Gassen. Hier roch es widerlich und die Reise durch Müll und Unrat endete vor einem rostigen Tor, das einen Spalt breit offen stand und in einen kleinen Hinterhof führte, der durch die dichte Wolkendecke dieses grauen Tages umso düsterer wirkte. Das Kopfsteinpflaster des Hofs war mit Abfall bedeckt der von einem großen, stämmigen Mann auf eine Schubkarre geladen wurde. Der Kerl schien überrascht, zwei Männer in dunkelblauen Uniformen in seine schmuddelige Domäne eindringen zu sehen. Er trat hastig zur Seite, nahm seinen verknautschten Hut ab und strich eine fettige, schwarze Locke aus der Stirn, als die beiden Männer vorsichtig über den Abfall stiegen und den Hof durchquerten. "Hätten Sie etwas gegen weibliche Gesellschaft nach dem Essen?", fragte Lancaster. Willard schüttelte eifrig den Kopf. "Ich halte mich für gewöhnlich von den falschen Gassen fern, Major."
"Nennen Sie mich Jason, bitte."
Willard fühlte sich unbehaglich. "Nach dem Essen und unseren Gesprächen werde ich nicht bleiben", sagte er peinlich berührt und umrundete den Karren mit dem Müll. Hank Willard war einer der besten Kämpfer der dritten Kompanie von Kielwasser und um seine Fähigkeiten mit Säbel und Schusswaffe hätte ihn so mancher beneidet, doch ihm blieb keine Zeit zur Gegenwehr bei dem Angriff, der urplötzlich erfolgte, als er den Müllkarren passiert hatte. Der große, stämmige Mann trat Willard in die Kniekehle, und als er stürzte zückte er ein Messer und stieß es ihm zwischen die Rippen. Die Klinge drang bis zum Heft ein und der große Mann hielt Willard damit aufrecht, während dieser aufstöhnend nach dem Griff seines Säbels tastete.

Er schaffte es, seine Hand um den Griff der Waffe zu legen, doch Lancaster, der sich beim Angriff des großen Messerstechers umgedreht hatte, lächelte nur und schlug Willards Hand beiseite. "Das hilft dir jetzt auch nicht mehr, Hank", sagte er gut gelaunt und grinste breit. "Du..." Willard versuchte zu sprechen, doch seine Lunge füllte sich mit Blut. Er begann zu würgen und seine Augen weiteten sich, als er den Kopf schüttelte.
"Ich entschuldige mich, mein lieber Willard", meinte Lancaster, "Aber ich befürchte, deine Anwesenheit in Kielwasser wäre äußerst... kontraproduktiv gewesen." Er trat schnell zurück, als der große Mann, der Willard mit seinem Messer aufrecht gehalten hatte, die Klinge aus dem Körper riss. Willard sackte zusammen und sein Angreifer ging neben ihn auf die Knie und schnitt ihm die Kehle durch. Willard zuckte im Todeskampf auf den dreckigen Pflastersteinen. "Gut gemacht", sagte Lancaster zufrieden. "Leichte Arbeit", grunzte der Hüne und erhob sich, wischte die Messerklinge an seiner schmutzigen Hose ab. Er war sehr groß, sehr breitschultrig und hatte die narbigen Knöchel eines Boxers. Sein Gesicht war mit kleinen Narben übersät, seine Nase war mindestens einmal gebrochen und schlecht gerichtet worden und seine Augen wirkten wie Steine. Alles an ihm wies darauf hin, dass er aus der Gosse kam und wenn man ihn nur ansah, war man froh, dass man in Gilneas wenig zimperlich war, was den Galgen betraf.
"Zäher Bursche", meinte Lancaster leise und starrte Willard finster an. "Der lebt ja immer noch." Willard zuckte noch immer, während Blut und Leben aus seinem Körper wich. "Nicht mehr lange", sagte der Hüne und stampfte kräftig auf Willards Brust. "Jetzt nicht mehr."
"An dir können wir uns alle ein Beispiel nehmen, Jensen", meinte Lancaster und trat nah an den toten Willard heran. "Er war ein dummer Mann. Wahrscheinlich lichtgläubig oder dergleichen. Willst du sein Bargeld haben? Lass es aussehen wie einen Raubüberfall."
Jensen hatte bereits begonnen, die Taschen des Toten aufzureißen. "Meinst du, sie werden einen anderen Scheißer finden, der dich begleiten soll?", fragte er steckte sich die wenigen Münzen des Toten in die eigenen Taschen.
"Crowley's Schoßhunde sind sind anscheinend ganz wild darauf, mir eine Begleitung mitzugeben", sagte Lancaster. "Aber die Zeit drängt jetzt und ich bezweifle, dass sie jemanden finden werden. Aber wenn doch, Jensen, dann musst du ihn genau so erledigen wie diesen hier." Lancaster stubste den toten Willard mit der Stiefelspitze an und grinste. "Du bist eine große Beruhigung für mich, Jensen. Ich denke, es wird dir in Kielwasser gefallen."
"Wird es das, Sir?"
"Es sind nette Leute, dort", meinte Lancaster, der den Blick noch immer nicht vom toten Willard nahm. "Wir werden wie reißende Wölfe unter blökenden Lämmern sein." Schließlich nahm er den Blick vom Toten und machte sich daran, am Handkarren vorbei zurück durch den Hof zu gehen, in Richtung der Gassen. Der Regen wurde jetzt viel stärker. Es würde eine schlechte Ernte geben, Gerald Smith's Waffenhalle hatte nun einen fähigen Trainer weniger, die Nordtorrebellion hatte einen fähigen Kämpfer weniger. Doch all das spielte keine Rolle. Lancaster schlenderte durch die dreckigen Gassen zurück auf die Hauptstraße und betrat das Gasthaus durch die Vordertür. Er schlang sich den Bauch voll, verlor einige Münzen beim Kartenspiel und hinterließ wertlose, handschriftliche Notizen, in denen er versprach, seine Schulden zu begleichen. Anschließend nahm er sich ein Mädchen mit auf ein Zimmer, um den Tag mit noch mehr Spaß ausklingen zu lassen. Auch das spielte keine Rolle. Denn er befand sich auf seinem Weg zum Ruhm. Jason Lancaster würde bald als der Mann bekannt werden, der die Nordtorrebellion bezwungen und ihr von Innen heraus den Todesstoß versetzt hatte.


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