Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Das Mädchen vor der Tür
BeitragVerfasst: 21. Jul 2014, 21:43 
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Das Mädchen vor der Tür


Ich war nicht direkt volltrunken. Aber auch alles andere als nüchtern. Nach zu vielen Filmrissen unter Alkoholeinfluss hatte ich mir selber geschworen, mich eben nicht mehr dauernd besinnungslos zu saufen. Oder am Besten nie wieder. Auch wenn das manchmal schwierig war. Warum trank ich so viel? Um zu vergessen? Nein. Selbst Alkohol löschte die Erinnerungen an damals nicht aus. Wahrscheinlich trank ich so viel, um den Schmerz zu betäuben, um die Gedanken fort zu spülen. Ein Leben voller Kampf, Tod und Verlust. So viele Schlachten, dass manchmal alles zu einem blutroten Nebel aus wandelnden Toten und sterbenden Freunden wurde. Und doch machte ich weiter, als Söldner. Weil ich nichts anderes kannte. Und weil ich mich fürchtete, vor dem Nichtstun und der Ruhe, die wieder nur Erinnerungen mit sich bringen könnte. Es war drei Uhr nachts und auf dem Nachhauseweg hatte ich ordentlich Schlagseite. Ich hatte mir eine kleine, schäbige Wohnung gekauft, im Kathedralenviertel von Sturmwind, nah am Ufer des Sturmwindsees. Weil ich keine Lust hatte, immer per Tiefenbahn nach Eisenschmiede, zu meinem kleinen Versteck zu fahren. Und weil das Gasthaus gefährlich werden konnte, sollte der alte Reese je heraus finden, dass ich eine seiner Töchter verführt hatte. Wäre ein ziemlich unrühmlicher Tod für mich, im Schlaf von einem Gastwirt erstickt, erstochen oder erschlagen zu werden. Die Wohnung war klein, schäbig. Wenig mehr als ein Abort unten im Erdgeschoss und eine Treppe, die nach oben in einen kleinen Wohnraum mit Bett, Ofen und Eckbank und Tisch führte. Doch mehr brauchte ich nicht. Ich, der eigentlich jederzeit den Tod im Kampf oder durch einen eifersüchtigen Ehemann finden konnte, oder durch einen Raufbold, mit dem ich mich anlegte, und der irgendwann schlichtweg den Treffer landete, den ich nicht kommen sehen würde. Das war das einzige, was sich seit Lordaeron nie verändert hatte: Das Gefühl, dass der Tod stets hinter mir war, nur einen Schritt entfernt. Lauernd, wartend. Darauf, dass ich den entscheidenden Fehler machte oder einfach nicht mehr gut genug war, dass Leben zu überleben.

Ich war durchgeschwitzt, denn im "Pfeifenden Schwein" war es brechend voll und entsprechend warm gewesen. Die kühle Nachtluft tat gut. Ich schlenderte am Kanal entlang, bog dann auf die Brücke vom Zwergenviertel zum Kathedralenviertel. Über den Steg am Sturmwindsee gelangte ich dann auch schon zu meiner Wohnung. Und war überrascht, eine Gestalt genau vor meiner Haustür sitzen zu sehen. Die Wohnung lag in einer abgelegenen Ecke, eigentlich sollte es mich nicht überraschen, dass sich ein Betrunkener oder Obdachloser hier einen Platz zum Schlafen suchte. Allerdings blockierte die Gestalt den Weg in meine Wohnung. Sie war in einen dunklen Mantel gehüllt, trug einen Hut. Schien auch recht schmal und dürr zu sein, aber Unterernährung kam beim ärmeren Volk Sturmwinds durchaus vor. Ich blieb vor der Tür stehen, die mir so dreist blockiert wurde und trat mit der Stiefelspitze grob nach der Gestalt. Diese zuckte zusammen, wurde sofort wach und hob den Kopf. Ein junges Mädchen sah mich mit dunklen Augen an. "Kann ich vorbei?" fragte ich genervt. Ich war müde und angetrunken. Mein Geduldsfaden war gespannt und mir war nicht nach Höflichkeit. Mir war nur nach Schlaf zumute. "Alexander Veidt?" fragte das Mädchen. Ich hob eine Augenbraue und wurde schlagartig nüchtern und wachsam. Wäre Ian jetzt hier, würde er sich wohl kaputt lachen: Es musste ja irgendwann passieren, dass eines deiner Bastardkinder mal nach Papi suchen geht. "Warum fragst du?" war meine Gegenfrage. Bisher kam es nie vor, dass ein Kind mich auf meine Vaterschaft hin ansprach. Das hieß natürlich nicht, dass es nicht irgendwann doch passieren könnte. "Sie sind doch Söldner, oder?", stellte das Mädchen mir nun wieder eine Frage, wich einer Antwort aus, so wie ich selber. Die Frage nach meinem Beruf jedoch brachte ein wenig Ruhe in meine Gedanken. Sollte ich etwa ihren Teddy suchen, für ein paar Kupferlinge? Oder ihre Freundin verprügeln, weil sie dem Mädchen ihren Freund ausgespannt hatte? Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. "Unter anderem, ja", brummte ich und steckte den Hausschlüssel ins Schlüsselloch. "Trotzdem würde ich gerne pennen. Scher dich weg." Das Mädchen erhob sich. "Ich habe auf Sie gewartet. Wir wohnen auf der anderen Seite des Viertels, nahe am Hafen. Meine Mutter und ich. Sie ist verschwunden."

"Sie macht vielleicht einen Spaziergang. Oder sitzt in der Kneipe", entgegnete ich mürrisch und schloss meine Haustür auf. "Nein, ich kam von der Arbeit nach hause und sie war nicht da", klagte das Mädchen, "Sie hätte doch eine Nachricht hinterlassen, außerdem ist die Wohnung total verwüstet. Können Sie nicht mal nachsehen? Es sieht echt schlimm aus und ich habe Angst, dass ihr etwas passiert ist." Sie sah mich flehend, verzweifelt an, während ich die Haustür öffnete. "Sehe ich aus wie eine Stadtwache?" fragte ich grimmig. Die Zeiten waren lange vorbei. "Wenn du weißt, wer ich bin und dass ich Söldner bin, dann weißt du auch, dass Söldner bezahlt werden." Mit diesen Worten trat ich ein und schlug der Kleinen die Tür vor der Nase zu. Wie sie überhaupt auf mich gekommen war, war mir ein Rätsel. Warum ging sie nicht zur Wache? Scheinbar wurden mein Name und mein Beruf langsam bekannt, in Sturmwind. Vielleicht hatte das Mädchen zuvor ja schon stundenlag vor Alvrim Everards Wohnung gehockt und vergeblich gewartet. Nun hörte ich, wie sie gegen die Tür hämmerte. "Bitte machen Sie auf", hörte ich sie brüllen. "Die Wohnung ist durchwühlt worden. Bestimmt hat man meine Mutter entführt." Ich lehnte mich drinnen an die Tür und seufzte. Ich hatte wohl selber Schuld, weil ich mich nicht mit meinem Namen und meinem Beruf bedeckt hielt. Aber mittlerweile war ich nun einmal öfter in Sturmwind. Fast schon gerne, obwohl die Stadt trotzdem ein Rattennest war. Ihr Gebrüll würde irgendwann Aufmerksamkeit auf sich ziehen. "Mach auf, verdammte Scheiße!" Ich fuhr mir mit der Hand durch das Gesicht, seufzte resigniert, ehe ich die Tür öffnete. "Na von mir aus. Ich schau mir das mal an. Aber halt endlich die Klappe, ja?" Sie führte mich hinter der Kathedrale entlang, durch den kleinen Garten mit dem Pavillon am Seeufer, wo sich Paare trauen ließen. Das Haus war direkt dahinter, am Rande des Friedhofs, mit perfektem Blick auf den Hafen.

"Bist du eigentlich immer so muffig? Ich meine, Sie?" Ihr forscher Blick strafte der Korrektur Lüge. Ich schnaubte amüsiert. "Kannst ruhig du sagen", antwortete ich und sah mir das Haus von außen an. Unten gab es nur die Tür und ein einziges Fenster. Einbruchspuren sah ich von außen keine, aber das hatte nichts zu sagen. Das Mädchen schloss die Tür auf und wir betraten das Haus. Sie hatte nicht übertrieben. Alles war total auf den Kopf gestellt worden. Schubladen und Schränke entleert, alles völlig durcheinander. Wäsche, Bücher und anderer Schnickschnack lagen auf dem Boden herum. "Sieht schlimm aus, oder?" fragte sie und blieb bei der Tür stehen. "Nö, wieso?", antwortete ich trocken. "Sieht doch genau so aus wie bei mir." Ich sah mich um, hatte jedoch Schwierigkeiten, mir ein genaues Bild der Situation zu machen. Möglicherweise hatte jemand nur etwas gesucht. Direkte Kampfspuren fand ich nicht, aber auch das hatte nichts zu sagen. Bei einem Raub hätten die Einbrecher die Mutter wohl nieder geschlagen oder umgebracht, sie aber nicht verschleppt. "Gibt es niemanden, dem man nun Bescheid sagen kann?", fragte ich. "N Vater oder so?" Das Mädchen schüttelte mit dem Kopf und ich lachte auf. "Ach, unbefleckte Empfängnis?" Sie zeigte mir den Mittelfinger. "Hab den nie kennen gelernt. Interessiert mich auch nicht." Ich brummte nur, sah mich weiter um. "Was macht deine Mutter so? Wo arbeitet sie?" Das Mädchen deutete aus dem Fenster. "Sie war Kellnerin in dem Lokal am Ende der Straße. 'Früchte der See'. Kennste das?" Ja, natürlich. Zwar hatte ich seit Beutebucht die Nase voll von Fisch, aber zumindest zum Saufen hatte der Laden getaugt, bis Ian und ich Lokalverbot bekamen. Doch das war ewig her. "Weiß ich nicht. Glaube nicht", antwortete ich nur, "Aber ist sie vielleicht dort?" Das Mädchen schüttelte mit dem Kopf. "Bin nach der Arbeit im Blumenladen erst hierher und dann direkt zum Restaurant. Da war sie nicht mehr. Dann habe ich auf dich gewartet." Ich seufzte und machte eine umfassende Bewegung auf das Chaos in der Wohnung. "Wir lassen erst einmal alles so wie es ist. Vielleicht taucht sie ja bald auf. Ansonsten ist die Stadtwache einfach der richtige Ansprechpartner und nicht n Typ wie ich." Sie verzog das Gesicht. "Im Restaurant ging meine Mutter um einundzwanzig Uhr. Und die Wache? Die ist unfähig! Korrupt!" Ja, einige dort schon. Wusste ich ja selber. "Ich kann dir wirklich nicht weiter helfen", sagte ich. "Versuch zu schlafen."

"Hier schlafe ich nicht, ich habe Angst." Wieder der flehende Blick. Wo geriet ich da nur rein? Am besten, ich ging einfach. Oder brachte sie nun zur Wache. Dann hatten die sie am Hals und mussten sich drum kümmern. Ich war kein Wohltäter, keine Wache. Nur ein müder, betrunkener, genervter Söldner. "Bitte", sagte sie, ihre Unterlippe bebte. Ich ließ die Schultern hängen. "Boah, von mir aus. Aber morgen früh gehen wir sofort zur Wache. Wenn die ausgeschlafen haben, können sie durchaus fähig sein. Komm mit." Ich nahm ihr den Schlüssel ab, schloss das verwüstete Haus ab und wir gingen den Weg zurück, zu meinem Haus. Langsam wurde es schon wieder hell. Zuhause zeigte ich ihr den Abort, wo auch mehrere Eimer mit Wasser standen, zum Waschen. Oben im Wohnraum nahm ich mein Kopfkissen vom Bett, legte es auf die Eckbank. "So, hier..." Ich wandte mich zu dem Mädchen um, doch sie lag bereits in meinem Bett, die nackten Schultern ließen mich staunen, wie fix sie die Kleidung ausziehen konnte. Die Bettdecke, bis zur Brust hochgezogen, ließ mich fragen, wie viel sie unter der Decke noch trug. "Raus da, dass ist mein Bett. Ab auf die Eckbank!" Und wieder ihr trotziger, frecher Blick. "Auf der schäbigen Bank schlaf ich nicht. Dein Bett ist groß genug für zwei." Lasziv verschränkte sie die Arme hinter dem Kopf, sah mich herausfordernd an. Stellte sie sich so etwa die Bezahlung vor? Oder was sollte das? "Spinnst du?" fragte ich aufbrausend. "Wie alt biste eigentlich?" Sie lächelte zuckersüß. "Vierundzwanzig" flüsterte sie und ich lachte. "Klar. Vierzehn und keine Stunde älter", war meine Vermutung. Ich hatte zwar schon so manche flach gelegt, aber ich hatte Grenzen. So junge Dinger waren tabu. Ein Funken Anstand hatte ich noch. Nun war die Kleine empört, was mich amüsierte. "Siebzehn" gab sie kleinlaut zu. "Aber bald achtzehn. Dauert nicht mehr lang." Wieder dieses Lächeln. Meine Laune verschlechterte sich. Warum geriet ich immer in so eine Scheiße? Ich kletterte aufs Bett, wobei sie mich mit großen, dunklen Augen ansah. Ich beugte mich über sie, griff nach der Kerze auf dem Nachttisch und pustete sie aus, ehe ich murrend die Eckbank ansteuerte. "Alexander ist ein schöner Name" hörte ich ihre Stimme aus dem Dunkel. "Ich heiße Vanessa. Vanessa Sabine Richter." Natürlich hatte ich Probleme, es mir auf der harten, kleinen Eckbank bequem zu machen. "Lass mich schlafen", murrte ich. "Ob ihr etwas passiert ist?" fragte sie dann, meinte natürlich ihre Mutter. "Ich hab schon einige verwüstete Buden gesehen", murmelte ich. "Vielleicht hatte deine Mutter n Krach mit ihrem Freund?" Das Bett knarzte. Sie hatte sich wohl umgedreht. "Und wo ist sie dann jetzt?", wollte Vanessa wissen. "In der Kneipe, versöhnen sich wieder, gießen sich einen auf die Lampe?", war meine Antwort. Aber es war keine gute Antwort.

Nur wenige Stunden Schlaf später und ich war schon wieder wach, zog mich an und ging Brötchen holen, während Vanessa Kaffee kochte. Wieder versuchte sie, mich zu verführen oder zu irritieren, lief nur mit Unterhose und Hemd vor mir herum. Eine gute Figur hatte sie. Dennoch war sie viel zu jung. Und wenn ich sie anfuhr, sie solle sich anziehen, wickelte sie nur gespielt unschuldig ihr langes, schwarzes Haar um die Finger. Daher war ich froh, beim Brötchenholen etwas Ruhe vor ihr zu haben. Die Ruhe jedoch schwand schnell, denn auf dem Rückweg ging ich über den Kathedralenplatz und bemerkte zahlreiche Stadtwachen, die hinter die Kathedrale eilten. Eher aus Neugier folgte ich. Hinter der Mauer beim Hochzeitspavillon zogen sie eine tote Frau hervor. Schwarzes Haar, aufgeschlitzte Kehle. Ich wusste sofort, um wen es sich da handeln musste. Vanessa's Mutter war nur einen Steinwurf von ihrem Zuhause ermordet worden, war am Ufer des Sees einfach entsorgt worden. Die Dunkelheit und die niedrige Mauer hatten sie vor Blicken geschützt. Noch in der Nacht war ich zweimal direkt vorbei gelaufen. Das machte es nur umso schlimmer. Vanessa musste den Trubel gehört oder vom Fenster aus gesehen haben. Nun kam sie über den Steg gelaufen und ich ging ihr entgegen, fing sie ab. Sie konnte sich schon denken, was da los war, obwohl man schon ein Tuch über die tote Frau gelegt hatte. Sie weinte, trommelte mit den Fäusten auf mich ein, zappelte in meinen Armen, doch ich hielt sie eisern fest, wollte sie das Elend nicht aus der Nähe sehen lassen. Irgendwann ebbten ihre wütenden Hiebe ab und sie schmiegte sich schniefend an mich. An mich! Mir wurde total elend. Ich brachte sowas nicht. Ich schaffte so eine Nummer nicht, konnte so eine Nummer nicht. Ian hatte ich damals aufgeheitert, als wir noch jung waren. Mit den Jahren aber hatten wir beide diesen Schutzwall aufgebaut. Ich würde dem Mädchen nicht helfen können, würde nicht die richtigen Worte finden, würde das falsche sagen und das falsche machen. Sie war bei der Wache besser aufgehoben.

Doch ihre verheulten, dunklen Augen erweichten mich. "Komm, wir gehen zu mir und du bleibst dort. Ich hör mich ein wenig um, ja?" Sie nickte und wir entfernten uns vom Geschehen. Oben, in meiner Wohnung, setzte ich mich auf die Eckbank. Vanessa tat es mir gleich. "Die Stadtwachen können das sicher viel besser. Ich kann dir nichts versprechen." Sie schniefte, nickte nur. "Aber ich versuche mal mein Glück. Hast du denn noch andere Verwandten? Großeltern? Onkel, Tante?" Vanessa schüttelte nur mit dem Kopf und ich atmete tief durch. "Wo arbeitest du eigentlich? Kann man dir dort helfen? Wie heißt... hieß deine Mutter?" Die Brötchen lagen im Korb vor uns, aber irgendwie hatten wir beide keinen Hunger mehr. "Im Blumenladen im Handelsviertel", wisperte sie kläglich. "Kann sein. Die Gumps sind sehr nett. Ich weiß es aber nicht. Meine Mutter hieß Ulrike." Ich nickte, strich mir nervös durch die Haare. "Also gut. Ich höre mich ein wenig um. Und bin spätestens um zwölf wieder hier." Langsam stand ich auf. "Versuch, ein wenig zu schlafen." Meine Rüstung würde nur auffallen. Also steckte ich lediglich mein Messer in den einen Stiefel und eines meiner Schüreisen in den anderen, ehe ich ging. Vanessa blieb auf der Eckbank zurück, starrte ins Leere. Konnte ich ihr auch nicht verübeln. Ich steuerte das Restaurant am Hafen an, das "Früchte der See". Begrüßt wurde ich von einem fetten, bärtigen Kerl mit Kochmütze. "Was wollen Sie? Wir haben noch nicht offen." Ob die Stadtwache schon hier gewesen war? Wahrscheinlich nicht. Sicher stocherten die noch im Dunkeln, um wen es sich bei der toten Frau überhaupt handelte. "Es geht um Frau Richter", begann ich ruhig. "Die Ulrike ist noch nicht da. Die arbeitet immer abends." Der Fettsack war unhöflich, kurz angebunden. "War sie gestern Abend hier?" wollte ich wissen. "Frau Richter ist ermordet worden". Nun fiel dem Dicken die Kinnlade nach unten. Spielen konnte man so einen Schreck durchaus, wenn man ausgebufft war. Aber für so einen hielt ich ihn eher nicht. "Wie? Sie ist tot?" fragte er fassungslos. "Das kann doch nicht sein!" Doch ich nickte nur, brummte. "Doch, das kann's. Leider." Der Dicke schwankte, lehnte sich an den Tresen. "Wie ist denn das passiert?" Ich lehnte mich neben ihn, zündete mir eine Zigarette an. "Sie wurde heute früh mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Nicht weit von hier. Deshalb frage ich ja: War sie gestern hier?"

Der Dicke fing an zu weinen. "Ich bin Theo. Die Ulrike hat mich hier hergeholt. Ich bin hier Koch. Und nun ist sie tot..." Ja, der war wirklich fassungslos, zeigte echte Trauer. Ich paffte meine Kippe, rieb mir nachdenklich den Bart und hoffte, noch etwas Nützliches aus dem Dicken heraus zu bekommen. "Wie lange war sie gestern hier?" Theo brauchte einen Moment, ehe er sich zusammen riss. "Der Hansen wollte sie gestern sprechen. So um acht Uhr abends. Sie ist dann sofort zu ihm, hinten ins Büro." Ich nickte nur. "Hansen ist hier der Chef? Ist der schon hier?" Theo nickte, doch rasch ging es in ein Kopfschütteln über. "Ja, er ist der Geschäftsführer. Aber der ist noch nicht da." Der Chef wäre also noch ein Anhaltspunkt. Aber er war nicht da. Möglicherweise aus gutem Grund nicht. Ich beschloss, es später noch einmal zu versuchen und verabschiedete mich von Theo und ging nach Hause. Ich schloss die Tür auf, stiefelte die Treppe hoch. Da hörte ich sie schon schniefen. Lange war ich nicht weg gewesen. Vanessa hockte in der Ecke, nahe des Ofens, hatte die Knie angezogen, mit den Armen umschlungen und weinte. Nur kurz sah sie zu mir hoch. Ich blieb eine Weile in der Tür zum Wohnraum stehen, lehnte mich an den Türrahmen und sah zu dem Mädchen runter. Ihr Schniefen erinnerte mich an das von Ian, damals. Als Lordaeron den Bach runter ging. Wir hatten damals viel geweint. Bis die Tränen versiegten, für immer. Bis Ian und ich zu dem wurden, was wir heute waren. Ich setzte mich neben sie. Ich war wirklich nicht gut in sowas. Nicht mehr. Langsam legte ich einen Arm um sie und sie lehnte sich gegen mich. "Ich würde dir gern sagen, dass der Schmerz verschwindet, irgendwann", sagte ich leise. "Aber das wäre eine Lüge. Man lernt aber irgendwie... weiter zu machen." Mein Hemd wurde feucht von ihren Tränen. "Das Leben geht einfach weiter, irgendwie." Ich streichelte sanft den von mir abgewandten Oberarm, während ich gleichzeitig angespannt war, als würde man eine Flinte auf mich richten. Ich war so etwas einfach nicht gewohnt. "Hab mich schon ein wenig umgehört, muss aber erstmal abwarten." Ich sah sie an. Sie trug noch immer die gleichen Sachen wie vom Vorabend. Natürlich. "Holen wir ein paar Habseligkeiten von dir, ja? Kannst ja schlecht meine Klamotten tragen."

So gingen wir zu ihrem Haus. Dieses war noch immer verwüstet, doch Vanessa suchte sich einen Rucksack, packte sich einige Klamotten ein. Schon vor der Tür fiel mir ein junger Bursche auf, der uns beobachtet hatte. Dünner Bengel mit Flaum am Kinn. Auch jetzt, als ich vorsichtig durchs Fenster sah, starrte er das Haus an. "Pack nur das Nötigste ein" wies ich Vanessa an. "Wir gehen gleich erst einmal etwas essen, ja?" Das 'Pfeifende Schwein' lag am anderen Ende der Stadt. Das war mir aber nur recht, dann unterwegs bestätigte sich meine Vermutung: Der junge Bengel verfolgte uns. Dabei verhielt er sich allerdings mehr als laienhaft, blieb immer hinter uns, sah viel zu auffällig immer wieder zu uns. Er folgte uns auch ins Gasthaus in der Altstadt. Und während ich Rührei mit Speck in mich hinein zwang und Vanessa etwas Suppe löffelte, saß der Bengel am Tresen und trank Met, während er immer wieder zu uns schielte. Als Vanessa die Toilette aufsuchte und der Bengel sofort aufstand, um ihr zu folgen, reagierte ich schließlich. Auch ich stand auf, sah gerade noch, wie der Bengel ihr auf die Damentoilette folgte. Sofort war ich hinter ihm, packte ihn und schmetterte ihn gegen die Wand. "Was willst du von ihr?" Er stammelte, doch in seinen Augen sah ich, dass er falsch war. "Hab mich in der Tür geirrt", stotterte er. Er log. Konnte ihn aber schlecht vor Ort zerlegen. Ich konnte rein gar nichts mit ihm machen. Ich zerrte ihn zu Reese, der die Wachen rufen ließ. Ich beschloss, dass es besser war, ihn einbuchten zu lassen, weil er Frauen und Kindern nachstellte. Vanessa war Zeugin, auch Reese sagte entsprechend aus. Natürlich würde man ihn bald wieder frei lassen, aber bis dahin konnte er uns nicht belästigen und seinem Auftraggeber auch keinen Bericht erstatten - wer immer dieser auch sein mochte. Wichtiger noch war, dass er uns nicht zu mir nach hause folgen konnte und ein paar Stunden aus dem Spiel war. Wenigstens hatte er bei den Wachen Name und Adresse erwähnt: Wolfgang Lüttler, sesshaft in der Altstadt. Das gab mir einen Vorteil: Nun musste der Bengel Angst haben, dass ich ihn besuchen kam. Auf dem Rückweg kauften wir ein paar Vorräte, während ich akribisch darauf achtete, dass wir nicht verfolgt wurden.

"Die im Restaurant haben etwas mit dem Mord zu tun", erklärte Vanessa schließlich, als wir bei mir daheim am Tisch saßen. "Meine Mutter hat so oft auf den Laden geschimpft. Sie wollte sich ja selbstständig machen, aber der Hansen hat sie nicht gelassen." Ich brummte nur. "Den knöpf ich mir noch vor. Mal gucken, was dabei heraus kommt. Ich beeil mich." Ich erhob mich von der Eckbank. "Sei vorsichtig", bat sie mich mit ihrem Engelsblick. "Nicht, dass sie dich auch noch umbringen." Nun musste ich lachen. "Da müssen sie sich schon Mühe geben." Im 'Früchte der See' war mittlerweile einiges los. Theo hatte in der Küche reichlich zu tun, während ich nun endlich Walter Hansen, den Geschäftsführer, sprechen konnte. Dieser kam mir wie ein aalglatter, ruchloser Geschäftsmann vor, mit seinen piekfeinen Klamotten, dem süffisanten Grinsen und dem selbstgefälligem Blick. "Warum behelligen Sie mich? Denken Sie, ich habe Ulrike umgebracht? Wissen Sie überhaupt, in was für Kreisen die verkehrte? Noch vor ein paar Jahren?" Möglicherweise log er das Blaue vom Himmel. Hatte sowieso Glück, ein Gespräch führen zu dürfen, immerhin war ich keine Wache. Musste also vorsichtig, höflich sein. Obwohl ich dem Kerl so gerne Grinsen samt Zähne aus dem Gesicht geschmettert hätte. "Sie arbeitete in den übelsten Schuppen, wo man für ein paar Taler alles macht. Wirklich alles. Da sollten Sie sich mal umschauen. In Goldhain." Natürlich kannte ich mich in Goldhain aus. Allerdings schafften die wenigsten dort den Sprung in ein besseres Leben. Wenn Ulrike Richter aus diesen Kreisen kam, musste sie lange gespart haben. Möglich war das. Aber meiner Meinung nach eher selten. Nachforschen in Goldhain war möglich, aber schwierig, da die Damen im Milieu kamen und gingen. Wortwörtlich und im übertragenen Sinne ebenso. Vielleicht konnte mir Vanessa etwas dazu sagen. "Was gab es für Probleme mit Frau Richter?" wollte ich wissen, blieb dabei ruhig und höflich. Hansen sah verwundert drein. "Was für Probleme?" Ich sagte ihm, dass Vanessa etwas entsprechendes erwähnt hatte. Wohl wissend, dass ihm damit auch einiges verriet. Würde mit den Konsequenzen leben müssen. "Die Kleine ist verrückt. Ein Problemkind! Total verdorben! Jahrelang hat sich Ulrike mit der rumplagen müssen. Aus der Schule abgehauen. Geklaut hat sie. Hat Jahre gedauert, bis sie irgendwo Arbeit fand und dabei blieb. Die hätte man mal richtig verdreschen müssen, dann hätte sie es gelernt. Schön eine auf's Maul." Ich nickte, stimmte dem aber nicht wirklich zu. Unsere Eltern hatten Ian und mich niemals geschlagen. Alles war mit Worten geregelt worden.

"Ja klar gab es ab und zu Reibereien", erklärte Hansen schließlich. "Sie wollte mir rein reden, wie ich das Restaurant zu leiten habe. Aber nichts ernstes. Nichts, was mir ein Motiv zum Mord geben würde, falls Sie das meinen." Clever war der Kerl ja. "Ulrike hat immer gute Arbeit geleistet. Sie war beliebt, fleissig. Es ist eine Tragödie, was ihr angetan wurde." Ja, dachte ich mir, der Kerl sagte genau die richtigen Worte. Das machte ihn aber in meinen Augen nicht weniger verdächtig. Jemand hatte sie umgebracht, aus gutem Grund. Es galt, das Wer und das Warum heraus zu finden. Ich brauchte etwas Handfestes. Beweise. Weil ich bei Hansen nicht mehr weiter kam, bedankte ich mich, verabschiedete mich und ging wieder nach hause. Doch schon vor der Haustür fiel mir auf, dass das Fenster oben weit offen war. Ich hatte eine böse Vorahnung, schloss rasch die Tür auf und stürmte nach oben. Vanessa war fort. Sie hatte ihre Sachen genommen, hatte sich durchs Fenster aus dem Staub gemacht, war über das Vordach über der Haustür hinab geklettert. Bei so einem schiefen Altbau eine Kleinigkeit. Doch wo war sie hin? Oder war sie entführt worden? Nein, dass war Unsinn. Die Tür war zu. Auch wusste meines Wissens nach nur Hansen davon, dass sie hier war. Sie war garantiert abgehauen. Aber warum? Und wohin? Ein Teil von mir war allerdings froh. Fort war die Verantwortung. Warum mich in Dinge einmischen, die mich nichts angingen? Warum machte ich mir dann solche Sorgen? Was sollte ich nun machen?

Ich ging zur Wache, erzählte denen von der Identität der toten Frau und von deren Tochter und der verwüsteten Wohnung. Allerdings log ich auch, behauptete, von Vanessa bezahlt worden zu sein, den Mörder ihrer Mutter ausfindig zu machen. Das würde zumindest mein Herumschnüffeln erklären. Weil ich schlecht erzählen konnte, dass Vanessa bei mir gewohnt hatte und nun verschwunden war, behauptete ich, sie wäre untergetaucht und würde mich kontaktieren. Ich erzählte, dass ich einen verschmähten Verehrer von Ulrike Richter für den Mörder hielt, der ihr aufgelauert und ihr die Kehle aufgeschlitzt hatte und sich anschließend bei ihr daheim einige Sachen als Erinnerung besorgt hatte. Von den Problemen, die Ulrike laut ihrer Tochter mit ihrem Arbeitgeber gehabt hatte, erwähnte ich nichts. Auch den Bengel, der uns beschattet hatte, ließ ich vorerst unerwähnt, sagte jedoch, dass Vanessa untergetaucht wäre, weil sie sich verfolgt fühle. Meine Adresse verriet ich allerdings und versprach, mich bei Hinweisen zu melden. Dann ging ich wieder nach hause, mit nichts in den Händen. Es war nun früher Abend und ich war ratlos. Ich beschloss aber, daheim zu bleiben, falls Vanessa doch zurück kam. Suchte sie ihrerseits nach Beweisen? Warum hatte sie mich nicht mitgenommen? Am Ende hielt ich es allerdings doch nicht zuhause aus. Zeit meines Lebens kam ich mit Nichtstun nicht zurecht. Ich konnte jetzt nicht auf dem Arsch hocken und warten, nicht, wenn ich vielleicht doch noch etwas tun konnte. Ich suchte den Blumenladen auf, in dem sie arbeitete. Die Gumps waren tatsächlich nette Leute, waren entsetzt von der ganzen Geschichte. Sie versicherten mir, Vanessa zu unterstützen, sagten aber auch, dass sie nicht bei ihnen gewesen war. Sollte ich den Bengel aufsuchen, der uns verfolgt hatte? Wolfgang Lüttler? Vielleicht hatte Hansen den geschickt. Mit genug Druck würde der Junge reden, allerdings musste ich am Ende dann wohl eine Leiche verschwinden lassen. Mürrisch schlenderte ich durch die Straßen, entlang der Kanäle, ehe ich wieder nach hause ging. Die Sonne war bereits am Untergehen. Vor meiner Haustür saß eine mir nur allzu bekannte Gestalt, wie vorher schon mit Mantel und Hut. Ich war erleichtert, aber gleichzeitig auch sauer, dass diese Göre mir so viel Ärger bereitete.

"Freust du dich mich zu sehen?" fragte sie und strahlte mich an, doch ich packte sie nur grob, riss sie hoch und schloss hastig die Tür auf, drängte sie hinein. "Hast du sie noch alle?" herrschte ich sie an. "Dir hätte alles mögliche passieren können. Wo warst du? Hättest ja ne Nachricht hinterlassen können." Ich verfluchte mich selber für diese Sorge. Vanessa stiefelte die Treppe hoch und ich folgte. Dort warf sie ihren Rucksack auf den Tisch und setzte sich auf die Eckbank. "Hier haste das Motiv, Alex. Schau mal rein." Verwundert nahm ich neben ihr Platz, griff mir den Rucksack und holte zwischen all ihren Klamotten ein großes Paket hervor. "Rauschpulver", erklärte Vanessa. Ich probierte vorsichtig. Kannte den Geschmack ja noch, aus Beutebucht. Das Paket war groß. Extrem wertvoll, besonders so weit von Beutebucht entfernt. Das war durchaus ein Motiv, eine Wohnung zu verwüsten und jemanden zu ermorden. "Woher hast du das?" wollte ich von ihr wissen. "Da fehlen doch ein paar Kleinigkeiten in deiner Geschichte, hm?" Vanessa nickte. "Meine Mutter hat mir ja nur von den Streitigkeiten mit Hansen erzählt. Das mit dem Rauschpulver wusste ich nicht, ehrlich. Aber meine Mutter hat mir vor Ewigkeiten einen Schlüssel zu einem Schließfach in der Bank im Zwergenviertel gegeben. Hab den total vergessen. Ist seit Monaten schon an meinem Schlüsselbund. Und heute fiel mir ein, dass die Mörder vielleicht nach dem Schlüssel suchten. Und so kletterte ich aus dem Fenster und ging zur Bank. Im Schließfach war das Paket. Die vertreiben im Restaurant Rauschpulver." Das war Motiv genug. Gemeinsam mit Vanessa machte ich mich auf zur Stadtwache. Doch wir hatten das Gebäude kaum verlassen, da stellten sich uns einige Typen in den Weg, drei Stück. Bezahlte Schläger, von der gleichen Sorte wie unser junger Verfolger heute Mittag. Nur ein wenig breiter gebaut. "Rück das Mädchen raus" sagte einer von ihnen. Ich antwortete mit einem harten Tritt gegen sein linkes Knie. Sofort stürzten sie sich auf mich und Vanessa schrie. Diese Kerle waren entweder gierig oder verzweifelt, so nah am Kathedralenplatz Ärger zu machen. Aber das war mir nur Recht.

Ich rammte einem von ihnen die Stirn auf die Nase, brach diese, ehe ich einen seiner Arme packte, den Unterarm brutal drehte und dann mit der freien Hand so feste ich konnte seitlich gegen den Ellenbogen drosch. Schreiend, mit gebrochener Nase und gebrochenem Arm kippte der erste zu Boden. Die anderen beiden nahmen mich in die Mangel, einer hielt mich von hinten fest und ich kassierte einen Kinnhaken und einen Kniestoß in den Magen. Dann aber zog ich die Beine an und trat dem Kerl vor mir mit aller Kraft gegen den Brustkorb, schob ihn fort, ehe ich die Ellenbogen nach hinten drosch, in die Rippen meines anderen Gegners, der mich endlich los ließ. Dann rannte ich schon nach vorne, sprang den Kerl vor mir an, der noch immer am taumeln war und schmetterte ihm meinen Ellenbogen direkt auf den Kopf. Er ging zu Boden wie ein Sack Mehl und ich funkelte den verbliebenen Mietschläger herausfordernd an. Dieser griff auch schon an, schmetterte mir die Faust gegen den Kopf, dass ich nur so Sterne sah. Ich rammte ihm mein Knie in die Magengrube, doch er stieß mich weg und ich ging auf die Knie. Mit einem triumphierenden Lachen trat er nach meinem Kopf, doch ich packte sein Bein, riss ihn zu Boden, ehe ich meine Beine um seines legte und dann mit aller Kraft sein Bein herum drehte, bis Schienbein und Wadenbein knackend nachgaben. Endlich war die Wache vor Ort, sammelte die drei Kerle auf. Zwar schalt mich der Hauptmann, die drei Männer so schlimm zugerichtet zu haben, doch ich meinte nur, dass besser die drei gebrochene Knochen hatten als ich selbst. In der Wachstube erklärten Vanessa und ich die Situation und übergaben der Wache auch das Paket Rauschpulver. Noch am selben Abend wurde das Restaurant "Früchte der See" auf den Kopf gestellt. Und die Wache fand reichlich Rauschpulver. In Sitzkissen, in leeren Konserven, in den Sitzbänken, in Blumenvasen. Walter Hansen wurde festgenommen. Er würde sich wegen Drogenhandels verantworten müssen. Und obwohl er ein Motiv hatte, gab es noch immer keine wirklichen Beweise. Ulrike Richter war möglicherweise selber tief in die Sache verstrickt gewesen. Vanessa vermutete, ihre Mutter habe sich als potentielle Mitwisserin nicht selbstständig machen dürfen und als sie sich gegen Hansen wand, wurde sie ermordet. Das gestohlene Päckchen Rauschpulver hatte sie wohl als Druckmittel benutzen wollen. Doch es hatte ihr nur den Tod gebracht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Mädchen vor der Tür
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"Ich bring dich zu Reese ins Gasthaus, ja?" schlug ich nach dem Abendessen vor. Ihr Blick verriet mir Widerwillen. "Die Sache ist vorbei. Du brauchst keine Angst mehr zu haben." Und wieder bekam ich diesen flehenden Blick aus großen, dunklen Augen. "Irgendwas hab ich übersehen, Alex. Vergessen. Da fehlt noch etwas." Nun schaute ich dumm aus der Wäsche. "Vergessen? Na, dann überleg mal! Aber ich geh nun pennen." Mit diesen Worten blies ich die Kerze auf dem Esstisch aus, steuerte das Bett an und legte mich mitsamt Klamotten hinein, ließ nur die Stiefel über die hintere Bettkante auf den Boden purzeln. Vanessa legt sich zu mir. "Warum schläfst du eigentlich mit Klamotten?" fragte sie mich, wieder mit dem neckenden, kecken Blick und dem anzüglichen Lächeln. "Seit ich bei kleinen Mädchen schlafen muss" antwortete ich schroff. Ich war müde, völlig genervt. Mir taten die Knochen weh und zu allem Überfluss meinte die Göre nun, es sei noch nicht vorbei? Was denn noch? Vanessa rutschte näher und ich drehte mich weg, auf die Seite, blies die Kerze auf dem Nachttisch aus. "Ich kann dir gerne beweisen, dass ich kein kleines Mädchen mehr bin" raunte sie mir leise ins Ohr, ehe sie meinen Hals mit kleinen Küssen bedeckte. "Mja, merk schon", knurrte ich im Dunkeln. "Bist wirklich kein kleines Mädchen mehr." Sie legte einen Arm um mich, tastete nach meinem geschwollenen Kinn. "Mein edler Ritter" hauchte sie. "Und du bist die holde Maid?" fragte ich spöttisch. Nun drückte sie sich von hinten an mich. "Alles, was du willst." Langsam fehlten mir die Worte. Ich nahm ihren Arm, löste mich aus ihrem Griff und steuerte wieder die Eckbank an, gereizt wie ein blanker Nerv.

Der nächste Morgen brachte die Beerdigung von Ulrike Richter mit sich. Es schüttete wie aus Eimern, als der Sarg zu Grabe gelassen wurde. Es waren nur wenige auf dem Friedhof. Nachdem der Priester seine Gebete herunter geleiert hatte, zog ich Vanessa rasch mit mir. Der Friedhof brachte mir schlechte Erinnerungen, an zu viele tote Kameraden. An Tote, die nicht tot blieben. Und Vanessa? Sie weinte nicht einmal, hatte entweder bereits genug Tränen vergossen, doch allgemein schien sie abwesend, nachdenklich. Was sie glaubte, übersehen oder vergessen zu haben, konnte sie mir noch immer nicht sagen. Doch Walter Hansen und die Belegschaft des Restaurants "Früchte der See" waren im Verlies. Die Sache war gelaufen. Es war langsam Zeit für Vanessa, ihr Leben weiter zu leben. Zu den Gumps in den Blumenladen zu ziehen oder was auch immer. Sie war in Sicherheit, der Rest war nicht mehr mein Problem. Wir würden nun ihre Sachen holen und dann würde ich sie zu den Gumps bringen. Kurz vor meiner Haustür wurden wir eingekreist. Vier Typen. Weitere Mitschläger. Aber warum? Hatten die Kerle noch nicht die Nachricht bekommen, dass ihr Auftraggeber, Hansen, im Knast saß? Sofort griffen sie mich an. Ich war schnell, durchaus fähig. Aber ich war nicht unverwundbar. Sie griffen nach mir, fixierten mich und teilten Hiebe aus. Einer der Kerle hatte Vanessa gepackt und zerrte sie davon, zurück Richtung Friedhof. Das war der beste Weg, nicht bei den Kanälen entlang oder über den Kathedralenplatz zu müssen. Möglich viele Leute meiden. Faust um Faust krachten in mein Gesicht, in meinen Magen. Irgendwann ließen sie mich los. Das war ihr Fehler. Schon griff ich an meine Stiefel und zog Messer und Schüreisen hervor. Die wollten also dreckig und unfair spielen? Das konnte ich auch. Dreckig war es mir sogar am Liebsten. Ich rammte mein Messer in den angespannten Bizeps eines der Männer, drehte die Klinge kräftig in der Wunde, ehe ich dem Mann einen Tritt gab, der ihn zum Steg und sogar ins Wasser des Sturmwindsees beförderte. Beim nächsten war ich weniger gnädig, ließ mein Messer nach vorne zucken, täuschte jedoch nur an und als er blockte, rammte ich ihm das Schüreisen in die rechte Augenhöhle. Der spitze, stachelartige Metalldorn bohrte sich bis ins Gehirn. Der dritte Mietschläger packte mich, warf mich um und donnerte meinen Kopf hart auf den Boden. Mir schwanden die Sinne, mit letzter Kraft drückte ich Messer und Schüreisen gleichermaßen in seine Magengrube, ehe ich beide Hände kräftig zu den Seiten weg riss. Der Mann schrie entsetzlich, ehe er verstummte und hässlicher Gestank meine Nase erreichte. Ich schob ihn von mir runter, und voller Blut und anderer Flüssigkeiten sprang ich auf und folgte dem letzten Mann, dem, der Vanessa mit sich zerrte.

Ich konnte kaum noch gerade gehen, geschweige denn rennen. Mühsam holte ich die beiden ein, warf mein Messer, welches sich in den Rücken des Mannes bohrte. Er schrie, ließ Vanessa los und wandte sich zu mir um. Der Kerl war groß, breit. Arme wie Baumstämme. Was ging ich auch ohne meine Rüstung und Flinten nach draußen? Mit meinem Schüreisen wollte ich ihn auf Abstand halten, doch er schlug zuerst meine Hand beiseite, dann mir so kräftig gegen das Kinn, dass ich glaubte, auseinander zu fallen. Er beugte sich über mich, zuckte dann aber, drehte sich halb um. Vanessa hatte mein Messer aus seinen Rücken gezogen, bedrohte ihn. Doch wenn ein Hieb mir schon so sehr zusetzte, würde sie einen richtigen Schlag erst recht nicht gut wegstecken. Mühsam kroch ich auf dem Boden herum, versuchte, aufzustehen. Dann warf sie mir das Messer zu, durch die Beine des Hünen. Es landete vor mir auf dem Boden und ich griff zu, schnitt dem Kerl die Kniekehlen durch und er fiel um wie ein gefällter Baum. "Wer schickt dich?" fragte ich, nachdem Vanessa mir auf die Beine geholfen hatte. Sie stützte mich ab. "Rede!" Doch er redete nicht. Er jammerte. "Bitte, Gnade. War doch nur ein Auftrag." Immer wieder die gleiche Leier. "Du, jemand ohne Gnade, bettelst nun darum?" fragte ich aufbrausend. Die Leute guckten schon. Sicher war die Wache auch nicht mehr weit. "Schau weg", befahl ich Vanessa, als ich mich von ihr los riss, den Kopf des Mannes packte und ihn ein Stückchen zum Bordstein beim Hafen zerrte. Mit dem Mund nach unten bettete ich ihn auf dem Bordstein, leicht erhöht im Vergleich zum Boden. "Rede!" fuhr ich ihn an. "Schau weg", herrschte ich sie an. Beide gehorchten nicht. Ich schnaubte, zitterte vor Zorn. Ich konnte mich nicht beherrschen. Den Kerl zu töten brachte mich nicht weiter, aber ich war einfach unglaublich wütend. Dieser Kerl hatte doch selber keine Skrupel, verdiente nichts Anderes. Ich war völlig fertig, konnte kaum stehen. Dennoch trat ich dem Mann mit aller Kraft auf den Hinterkopf und sein Jammern erstarb.

Natürlich bekam ich Ärger, weil ich drei Leute getötet hatte, allerdings kam mir hier die Notwehr zugute. Da die vier verhafteten Kerle nicht redeten, möglicherweise sogar über einen Mittelsmann angeheuert wurden und keinen Namen wussten, standen wir in der Wachstube wieder mit zahlreichen Fragen da, aber ohne Antworten. "Irgendjemand muss hinter dir her sein", begann der Wachhauptmann und sah Vanessa eindringlich an, während ich von zwei Rekruten provisorisch zusammen geflickt wurde. "Die Sache mit Hansen und dem Rauschpulver ist vorbei. Wer noch kann hinter dir her sein? Hier geht es auch nicht mehr um das Pulver, sondern direkt um dich, Mädchen." Endlich eine Wache, die denken konnte. Ich hätte stehende Ovationen gegeben, wäre ich nicht so ausgelaugt gewesen. "Hast du einen von diesen Schlägern erkannt?" wollte der Hauptmann wissen. Sie verneinte. Ich war mir aber nicht sicher, ob sie nicht log. Wenn etwas so wichtig war, wie konnte man so etwas vergessen? Aber warum verschwieg sie schon wieder etwas? "Was weißt du oder was besitzt du, was so wichtig sein kann?" krächzte ich müde. "Hat deine Mutter dir noch etwas gegeben oder gesagt, was von Bedeutung sein könnte?" Wieder ihr flehender Unschuldsblick. Ich beugte mich nach vorne und spuckte ein wenig Blut auf den Boden der Wachstube. "Dein Leben hängt davon ab. Und ich habe es langsam satt, für dich die Knochen hin zu halten." Ich zischte, als einer der Rekruten eine Schramme am Hinterkopf versorgte. "Die machen das nicht zum Spaß. Du bist der Schlüssel." Ihr Blick versetzte mich in Rage. Hatte sie wirklich keine Ahnung? "Entweder du verheimlichst uns etwas", schlussfolgerte ich, "Oder die denken, deine Mutter hätte dir etwas gesagt oder gegeben, was aber nie der Fall war." Ich hatte die Nase voll. Es ging mir schrecklich und eigentlich wollte ich diesen ganzen Ärger nie. Ich hatte fit zu sein, für die kommende Operation in Alterac. Aktuell fühlte ich mich reif fürs Lazarett. In wenigen Tagen ging es los nach Norden. Irgendwann musste diese Geschichte hier doch zu Ende sein. Ich war einfach kein guter Aufpasser. Ich war keine Stadtwache mehr. "Was machen wir jetzt?" fragte ich den Wachhauptmann, "Jemand muss auf sie aufpassen. Ich brauche erstmal Ruhe." Der Hauptmann war fähig. Das erkannte ich sofort und das überraschte mich. Er versprach, dass die Wache sich um das Mädchen kümmern würde, dass man einen sicheren Platz für sie fand. Sie sollte zur Westfallbrigade, ein Weilchen auf der Späherkuppe bleiben, immer in Sichtweite von Soldaten. Fand ich gut. Vanessa stimmte ebenso zu und als wir uns verabschiedeten, versprach ich, mich weiterhin umzuhören, sobald ich wieder fit war.

Ich sah sie noch in die Kutsche steigen, ehe ich meine Bude ansteuerte und mich hinlegte. So kaputt und zerschunden, wie ich war, schlief ich auch sofort ein. Als ich aufwachte, war es draußen schon schockfinster. Meine Taschenuhr zeigte ein Uhr nachts. Ich zündete eine Kerze an, suchte den Abort auf, ehe ich mich wieder ins Bett legte. Dann hörte ich etwas gegen die Fensterscheibe knallen. Eine böse Vorahnung machte sich gleich einem kalten Kloß in meiner Magengegend breit. Ich griff nach einer meiner Schrotflinten, schleppte mich die Treppe hinab und entriegelte die Tür, riss sie auf. Natürlich stand da Vanessa vor mir. Wie sie es hierher geschafft hatte, wie sie den Wachen entkommen konnte, war mir ein Rätsel. Fassungslos ließ ich sie herein, schloss die Tür und folgte ihr fluchend die Treppe hoch, in den Wohnraum. "Du bringst mich um, Mädchen", begann ich. "Wäre ja schon lustig, wie du immer wieder alle verarschst, wenn ich nicht das arme Opfer wäre. Was machst du hier? Du warst in Sicherheit!" Ich wurde immer lauter, am Ende brüllte ich sie an, ehe ich mich aufs Bett fallen ließ. "Was haste denn nun schon wieder?" Ich vergrub mein Gesicht entnervt im Kissen. "Mir ist noch jemand eingefallen", erklärte sie gut gelaunt und warf sich neben mich. "Westfall hat mich an den Namen erinnert. Die Späherkuppe. Auf dem Weg musste ich immer überlegen: Späher, Späher. Dann fiel es mir ein: Speer. Mutter sagte damals, irgendwann lässt sie alle hoch gehen, den Hansen und den Speer. Genau das sagte sie." Ich registrierte den Namen. Wäre wohl das beste gewesen, direkt die Wache zu informieren. Aber ich war noch immer fix und fertig. "Morgen kümmere ich mich drum", knurrte ich leise. Doch sie strahlte mich nur an. "Außerdem habe ich heute Geburtstag. Endlich achtzehn. Das wollte ich mit dir feiern." Ich sah sie an, zerschunden, wie ich war. "Lass mich schlafen, ja?" Und sie beugte sich zu mir, küsste meine Wange. Sogar das tat weh.

"Weißt du, normalerweise mag ich Typen wie dich nicht", flüsterte sie und schmiegte sich an mich. Ging das nun wieder los? Aber eine Nacht auf der harten, unbequemen Eckbank würde ich in meinem Zustand wohl nicht überleben. Ich war so müde, unfähig aufzustehen. "Aus gutem Grund", murrte ich nur, grinste aber im puren Galgenhumor. "Ich steh eher auf die dünnen, ruhigen, lieben. Die Kleinen, höflichen." Ich brummte: "Versteh schon. Kann man nichts machen." Besser, ihre Schwärmerei für mich abzutöten. Ich war keine gute Gesellschaft. Sie sollte mich nach dieser Sache besser vergessen. "Ich weiß auch nicht, wie das passiert ist", wisperte sie und über die Schulter hinweg sah ich wieder ihre großen, dunklen Augen. "Ich hab mich in dich verliebt." Nun musste ich doch hart schlucken. "Und was sagste?" Was sollte ich darauf sagen? "Willst du mich verarschen?", fragte ich heiser, "Ich könnte dein Vater sein. Vergiss das mal ganz schnell wieder." Sie schlug sanft gegen meinen Rücken. "Ich bin jetzt achtzehn. Warum willst du nicht mit mir ins Bett? Magst du mich nicht?" Ihr Blick war wieder so flehend, so traurig. Ich drehte mich zu ihr um, streckte eine Hand aus und strich lange, schwarze Strähnen aus ihrem Gesicht. "Doch... und eben deshalb lass ich die Finger von dir." Ich ließ die Wörter eine Weile im Raum hängen, ehe ich mich umdrehte und die Augen schloss. "Du hast doch gesehen, was ich so mit Leuten anstellen kann. Ich bin kein guter Mensch. Ich bin gefährlich. Ich ziehe Gefahr an. Ich bin...der Letzte, in den du dich verlieben solltest. Bleib besser bei den dünnen, ruhigen, lieben, kleinen, höflichen." Mir versagte die Stimme, mein Mund war trocken geworden. Doch sie drückte sich nur wieder an mich, legte einen Arm um mich und ich spannte mich an, was wieder nur Schmerzen durch meinen ganzen Leib zucken ließ. Doch sie ließ mich nicht los. Die ganze Nacht lang nicht.

Am nächsten Tag schleppte ich mich zur Wache, nahm Vanessa natürlich mit. Der Hauptmann war ebenso schockiert und wütend wie ich, doch rasch erklärte Vanessa ihm die Sache mit einem Herrn Speer und wir stellten einige Nachforschungen in den Stadtarchiven an. So viele Speers' gab es nicht, und bei denen, die es gab, musste sich schnell eine Verbindung zu Ulrike Richter finden lassen. Schnell fanden wir heraus, dass Bastian Speer der Besitzer zahlreicher Gebäude war, auch der Besitzer des "Früchte der See" und vieler anderer Gasthäuser. Die Akten sprachen davon, dass er vor einigen Jahren beinah pleite war, sich jedoch wieder fangen konnte. "Wahrscheinlich durch Rauschpulver-Geschäfte mit Hansen" vermutete ich mürrisch. Auch gab es viele seltsame Gerüchte, denn Jahre zuvor war eine Begleiterin Speers in Seenhain tot aufgefunden worden. Man hatte damals einen Sündenbock gefunden und behauptet, dieser hätte die Frau mit illegalen Substanzen versorgt, obwohl zahlreiche Freunde und Bekannte darauf beharrten, dass besagte Frau nie Drogen genommen hatte. Aber die Akten waren alt und ich war müde, ungeduldig, mürrisch. Bastian Speer wurde in seinem Haus im Magierviertel von der Wache zur Rede gestellt, beharrte allerdings auf ein Alibi in Goldhain, ein Geschäftsessen. Und darauf, mit der Belegschaft des Restaurants nichts am Hut zu haben. Am Ende schien der Drahtzieher so nah, und doch so fern. Ich ließ die Wache sogar unseren Verfolger, Wolfgang Lüttler, finden und verhaften. Er war einer der wenigen involvierten, die noch reden konnten. Das Verhör führte allerdings wenig zutage. Lüttler behauptete, mit Ulrike Richter befreundet gewesen zu sein und wollte das Paket Rauschpulver an sich bringen, um endlich dem Drogensumpf zu entkommen. Genug Geld würde man damit in den richtigen Kreisen auf jeden fall machen können. "Du machst dich aber gerade auch recht verdächtig", murrte ich nur. Natürlich war ich beim Verhör dabei. "Vielleicht habt ihr euch um das Pulver gestritten, du und Ulrike. Und du hast sie umgebracht, nachdem du ihre Bude durchsucht hast. Oder davor schon. Danach hast du dich an Vanessa geheftet, als du die Chance hattest." Er schüttelte bei den Worten wild den Kopf. "Ulrike hat mir Arbeit verschafft, als Gitarrenspieler im Restaurant. Ja, klar könnt ihr da rein interpretieren, dass ich es gewesen bin. Aber ich war es nicht. Und ihr habt keine Beweise. Ich schnupf' gern mal ne Nase, aber ich finde es auch scheiße, dass sie umgebracht wurde. Mit Hansen hab ich nichts zu tun."

Wir standen schon wieder vor nichts. Hansen saß im Verlies, wegen Drogenhandels. Klar konnte er auch der Mörder gewesen sein, stritt dies jedoch vehement ab. Behauptete, mit Bastian Speer auch nichts zu tun gehabt zu haben, außer natürlich die Geschäfte, die man mit einem Vermieter eben hatte. Ich musste mich aber auch fragen, ob Hansen die volle Wahrheit sagte. Fürchtete sich Hansen vielleicht sogar im Verlies vor Speer? Gab deshalb eine Verbindung im Drogengeschäft nicht zu? Der Wachhauptmann stellte einige Männer ab, mein Haus zu bewachen, so dass Vanessa in Sicherheit war. An Speer kamen wir einfach nicht ran. Der hatte alles ganz geschickt gedeichselt, dass niemand ihn mit der Sache in Verbindung bringen konnte. Eine Durchsuchung seines Hauses war nicht drin, besonders, weil Hansen ja behauptete, nichts mit ihm zu tun zu haben. Sollte ich mein Glück versuchen und dort einbrechen? Aber ich war nicht auf der Höhe, mir tat noch immer alles weh. Ich würde nirgendwo einbrechen, zumindest nicht unbemerkt. Doch Fakt war, dass Speer etwas von Vanessa wollte. Nur was? Wir waren verzweifelt. Eben deshalb durchsuchten wir noch einmal das verwüstete Haus der Richters. Ich, Vanessa und unsere vorläufigen Leibwachen. Wir stellten die Bude quasi noch einmal auf den Kopf. Es war fast wie früher, als ich noch bei der Wache war. Eigentlich Glück, dass mich niemand erkannt hatte, allerdings war ich ja auch älter geworden, hatte nun lange Haare, einen neuen Namen. Auch waren viele neue Gesichter bei der Wache. Zum Glück. Auf unangenehme Fragen hatte ich keine Lust. Wir schafften alles beiseite, was definitiv unwichtig war. Kleidung warfen wir in eine Ecke, allerdings guckten wir auch genau, ob nicht irgendwo im Saum etwas eingenäht worden war. Wir durchsuchten stundenlang das ganze Haus, ehe wir ein Schmuckkästchen fanden, voller Briefe. Liebesbriefe, von Bastian Speer an Ulrike Richter. Und endlich hatten wir wieder etwas in der Hand.

"Die müssen zusammen gewesen sein, als ich noch sehr klein war", erklärte Vanessa. "Weil ich mich nicht mehr an einen Bastian erinnere. Keine Ahnung, wie lange die zusammen waren." Die Briefe waren datiert. Vanessa war zum Zeitpunkt des ältesten Briefverkehrs zwei Jahre alt gewesen, zum Zeitpunkt des letzten Briefes vier Jahre alt. "Nach so vielen Jahren ist Mord aus Liebeskummer oder Eifersucht aber auch weit hergeholt", murrte der Wachhauptmann. "Aber Speer log", beharrte ich. "Meinte, mit Ulrike nichts am Hut gehabt zu haben." Lügen waren verdächtig. "Wir nehmen uns den morgen noch einmal vor", sagte der Hauptmann. Es war schon wieder spät abends. Vanessa und ich gingen nach hause, aßen noch eine Kleinigkeit. Alte Brötchen mit Suppe. Mir tat nämlich noch immer alles weh, auch die Fresse. So saßen wir auf der Eckbank am tisch, löffelten Suppe und brüteten vor uns hin. "Jetzt haben wir gar nicht meinen Geburtstag gefeiert", murmelte sie schließlich kleinlaut. "Naja, schätze, nach richtigem Feiern ist dir eh nicht zumute. Und ich bin Söldner, kein Bäcker. Wirst auf Kuchen verzichten müssen." Mein Tonfall war schroff und ihr tieftrauriger Blick sprach Bände. Murrend erhob ich mich, ging zur den Schränken neben dem Ofen und kramte in den Schubladen, legte ihr schließlich ein Messer auf den Tisch. Das alte Jagdmesser, was mein Vater mir einst gegeben hatte, das letzte Mal, als ich ihn lebendig sah. "Das gab mir mein Vater, bevor er starb", sagte ich mit belegter Stimme. "Das sollte dir zeigen, wie wichtig mir das Messer ist. Pass gut darauf auf, ja?" Ihre dunklen Augen wurden riesengroß. "Das kann ich nicht annehmen!", sagte sie sofort und ich schmunzelte. "Behalt es trotzdem. Wenn du mal in Schwierigkeiten gerätst, einfach zustechen und drehen. Wenn es nicht anders geht." Sie drehte das Messer in den Händen. Auf dem Griff war das Symbol Lordaerons eingeschnitzt. Ich machte eine Pause. "Was ich dir sonst noch mitgeben kann? Nicht aufzugeben. Niemals. Wenn du nicht weiter weißt, pass dich an. Dein Verstand ist eine bessere Waffe als jedes Messer, jedes Schwert. Das gilt auf dem Schlachtfeld und im normalen Leben. Vergiss das nicht, und du wirst zurecht kommen. Immer."

Sie sah mich wieder mit ihren großen, dunklen Augen an. "Ist schön, wie du auf mich aufpasst, Alex. Warum hast du keine Frau? Keine Kinder? Wärst ein guter Papa, glaub ich." Und ich seufzte gedehnt. Wieder kamen unschöne Erinnerungen zurück. "Hatte mal ne Frau. Und zwei Kinder. Ging aber nicht gut. Weil ich so bin, wie ich bin. Als meine Frau langsam dahinter kam, verlies sie mich. Zog mit den Kindern nach Seenhain. Und jetzt schau dir diese Bude hier an. Schau dir mich an. Würde nicht funktionieren." Vanessa rutschte näher, lehnte sich an mich. "Kann ich nicht bei dir bleiben?" Ein Satz, der mehr schmerzte, als all die Prügel der vergangenen Tage zusammen. "Du machst doch alles gut, so wie du es machst." Ich antwortete nicht, verfluchte mich nur selber. Hätte mich auf diese Scheiße nicht einlassen dürfen, hätte sie damals davon scheuchen sollen. Sie war nicht mein Problem, ich hatte genug eigene Probleme. Ich konnte so etwas nicht. "Bei den Gumps im Blumenladen bist du besser aufgehoben", sagte ich heiser. "Ich bin die schlechteste Bezugsperson, die man nur haben kann." Doch sie klammerte sich an meinen Arm. "Das denke ich nicht", flüsterte sie, machte dann eine lange Pause. "Meine Mutter war immer so fröhlich. Dabei musste sie so unter Druck gestanden haben, wegen der ganzen Geschichte mit dem Rauschpulver und Hansen. Ist ein komisches Gefühl, dass man eigentlich nichts über die eigene Mutter wusste, dass sie irgendwie zwei Gesichter hatte. Dass man sie nie wirklich kannte." Ich nickte langsam, starrte Löcher in die Tischplatte. "So ist das Leben, manchmal", krächzte ich, "Meine Eltern waren immer klasse. Aber ich war noch jung, als sie starben. So viele Erinnerungen von ihnen sind bereits verblasst. Ich und mein Bruder haben uns quasi alleine durchgeschlagen. Wir hatten nur uns, passten aufeinander auf. Was ich eigentlich sagen will: Auch du wirst zurecht kommen. Und manche Erinnerungen an deine Mutter immer bei dir haben. Das ist... ein kleiner Trost, oder? Jetzt sollten wir aber langsam schlafen. Morgen gucken wir, ob wir was aus Speer raus bekommen." Vanessa nickte. Diesmal machte sie keine Verführungsversuche, blieb auf der anderen Seite des Bettes. Und ich war schneller eingeschlafen, als mich ein Fausthieb hätte bewusstlos dreschen können.

Mitten in der Nacht wurde ich wach, hatte mich wohl im Schlaf ungünstig auf eine schmerzende Stelle gedreht. Murrend erhob ich mich, setzte mich auf, schwang die Beine aus dem Bett und griff nach dem Krug Wasser auf dem Nachttisch. Wenn ich genauer drüber nachdachte, hatte ich ewig nicht mehr so viele Tage komplett ohne Alkohol verbracht. Seichter Wind wehte gegen meinen Rücken und ich drehte mich halb im Bett. Das Fenster war weit offen. Und Vanessa war nirgendwo zu sehen. Fluchend schmetterte ich den Krug gegen die Wand und stand auf, sah aus dem Fenster. Sie war nirgendwo zu sehen. Wie war sie an den Wachen vorbei gekommen? Zwecklos, die Frage. Die Kleine war einfach gut im Schleichen. Ich zündete die Kerze auf dem Nachttisch an. Wo war sie hin? Eigentlich gab es nur eine Antwort. Sie war bei Speer. Suchte vielleicht dort nach Beweisen, oder war auf eine Dummheit aus. Im schwachen Kerzenschein fiel mein Blick auf meinen Rüstungsständer. Zwei meiner vier Schrotflinten fehlten, komplett mit Holster und Gürtel. Ja, sie war definitiv auf eine Dummheit aus. Ich musste ihr nach. Gerne hätte ich meine Rüstung angelegt, doch war ich noch immer angeschlagen. Daher band ich mir bloß den anderen Gurt mit den verbliebenen zwei Flinten um, ebenso die Schwertscheide, ehe ich die Treppen hinunter stieg, ins Freie taumelte und die Haustür ins Schloss warf. "Das Mädchen ist abgehauen", fuhr ich die Wachen an. "Habt ihr nichts mitbekommen?" Natürlich nicht. "Die will garantiert zu Speer. Sagt dem Hauptmann Bescheid, ich geh schon vor." Im Magierviertel hatte Vanessa leichtes Spiel, Stadtwachen auszuweichen und sich bedeckt zu halten. Es gab zahlreiche Bäume und Büsche, um sich zu verstecken. Ich schleppte mich über den Kathedralenplatz, an den Kanälen des Handelsviertels entlang. Wie groß war ihr Vorsprung? War es vielleicht sogar zu spät? Wenn sie ihm in die Finger geriet und sie nicht besaß, was er von ihr wollte... Fluchend ob meiner Situation und der Schmerzen schleppte ich mich vorwärts. Speers Haus wurde bewacht. Die Wachen standen seelenruhig vor der Tür, als ich mich näherte. Was würde nun geschehen? War sie erwischt worden? Oder hatte sie sich sogar unbemerkt in das Haus schleichen können? Zahlreiche Ranken wuchsen überall im Magierviertel an den Häusern hoch. War sie so irgendwie an ein Fenster gelangt?

"Kommen Sie morgen wieder", sagte eine der beiden Wachleute und stellte sich mir in den Weg. "Ich hab einen Termin", entgegne ich ihm grimmig und schlug ihm hart auf die Nase, ließ den beiden aber auch wenig Zeit zum Reagieren, zog eine meiner Flinten und drosch den Knauf des Griffs seitlich gegen den Kopf des Wachmannes, der bewusstlos gegen die Wand sackte und daran hinab rutschte. Der andere hatte sein Schwert gezogen, schlug nach mir. Ich taumelte mehr außer Reichweite, als dass ich wirklich auswich, richtete die Flinte auf ihn. "Bring nie ein Messer mit zu einer Schießerei", drohte ich ihm. "Die Stadtwache ist eh gleich hier. Verschwinde. Such dir am Besten einen neuen Arbeitgeber." Der Wachmann ließ sein Schwert fallen und lief davon. Klug genug, nichts Dummes zu versuchen. Ich schoss auf das Schloss der Tür, trat dann kräftig gegen, um mir Zugang zum Haus zu verschaffen. Der Lärm würde Aufmerksamkeit erwecken, aber das war egal. Die Stadtwache würde hoffentlich bald da sein. Ich musste nur verhindern, dass dem Mädchen etwas passierte. Dass sie etwas Dummes anstellte. Ich betrat die Eingangshaller, ein prächtiges Foyer voller teurer Gemälden und Büsten. Am Ende gab es zwei Türen, eine Doppeltreppe führte nach oben. Ich setzte mich in Bewegung und auf halbem Wege durch die Halle hörte ich oben das nur allzu gut bekannte Krachen einer meiner Schrotflinten. Ich beeilte mich, schleppte mich hoch und stieß eine Tür nach der anderen auf, ehe ich schließlich in das Schlafzimmer von Bastian Speer platzte. Er lag im Bett, während Vanessa über ihm hockte, ihm eine meiner beiden Flinten unter die Nase hielt. Mit der anderen hatte sie einen Warnschuss abgegeben, in die Wand über dem Bett. "Hör auf mich dem Unsinn", rief ich. "Mach dich nicht unglücklich!" Sie sah nur kurz zu mir. "Hast du meine Mutter umgebracht?" brüllte sie Speer an. Er schüttelte mit dem Kopf, zitterte vor Angst. "Ich zähle bis drei, dann schieße ich, wenn ich keine Antwort bekomme." Ich wagte nicht, mich zu nähern. Sie war in Rage, außer sich. "Eins", knurrte sie. "Sei doch vernünftig", ermahnte ich sie leise. Sie sah nicht einmal zu mir. "Zwei." Leichenblass war Speer, schwitzte wie ein Schwein. "Ich habe deine Mutter geliebt, Vanessa", sagte er schließlich. "Ich habe sie geliebt. Und sie hat mich erpresst."

"Sie hat mir nicht mehr getraut, seit ich sie damals verlassen habe." Vanessa sah ihn entsetzt an. "Ich war dumm, damals. Später habe ich begriffen, dass sie das Beste war, was mir je passiert ist. Ich wollte ihr Vertrauen zurück, ihre Liebe. Um jeden Preis" Jetzt sahen sie beide elend aus. Ich schob mich aus der Tür, ein wenig näher heran. "Ich habe ihr ein Schriftstück gegeben, mit dem sie mich in der Hand hatte. Habe gekniet vor ihr. Und was hat sie gemacht? Sie hat angefangen, mich zu erpressen, zu verachten." Speer schluckte hart. Neben mir tauchte der Wachhauptmann auf, schnaufend. Ich bedeutete ihm, zu schweigen und abzuwarten. "Hast du sie ermordet?", fragte Vanessa schließlich. "Sie wollte mich fertig machen", war seine Antwort, sein Blick wich ihr aus. Sie hielt ihm die Flinte unter das Kinn. "Hast du sie ermordet?" brüllte sie ihn an. "Ja", gab er leise hervor. Entgeistert zuckte Vanessa weg von ihm. Nun war ich bei ihr, griff vorsichtig nach der Flinte, drückte sie nach oben und nahm sie ihr ab. "Was für ein Schriftstück?" fragte ich Speer. "Ein Geständnis. Über meine Beteiligung am Rauschpulverhandel mit Hansen." Also doch. "Nette Leistung, den Hansen so zum Schweigen zu bringen. Wo ist dieses Schriftstück?" wollte ich wissen. Speer nickte in Richtung Vanessa, die ihn noch immer fassungslos ansah. "Bei Ulrike in der Wohnung war es nicht. Sie muss es haben. Deshalb war ich auch so hinter ihr her." Ich sah Vanessa an, deren große, dunkle Augen ins Leere starrten. "Der Wisch war auch im Schließfach, oder?" sagte ich heiser und hob ihr Kinn. "Ja", hauchte sie. "Aber ich wollte mehr als Motive. Ich wollte Beweise. Auch wenn ich die erzwingen musste. Der Wisch ist noch auf der Bank." Ich sah zum Hauptmann. Endlich war die Sache vorbei. "Gehen wir nach hause", sagte ich, sammelte auch die andere Flinte ein, ehe ich Vanessas Hand nahm. Mit der Wache gab es nichts wichtiges mehr zu besprechen. Das Schriftstück würde man ihnen noch aushändigen, als Beweismittel. Der Mist war gelaufen und ich freute mich auf Schlaf, auf wohlverdiente Ruhe. Und das ich mich über Ruhe freute, kam schon selten genug vor.

"Ich würde lieber bei dir bleiben", sagte Vanessa noch einmal, als wir am nächsten Vormittag an der Ecke des Handelsviertels standen. Am Ende der Straße war der Blumenladen der Gump's. "Ich bin doch eh zu oft auf Mission. Du bist woanders einfach besser aufgehoben. Es wird Zeit, dass du wieder arbeitest, auf andere Gedanken kommst. Du hast noch so viel vor dir." Ich starrte in den Kanal. War schlecht darin, die richtigen Worte zu finden. Ich, der sonst so gut dichtete, so gut Geschichten schrieb und Frauen bezirzte. "Und was ist mit dir?", fragte sie und schmiegte sich an mich, wobei mir wieder die zahlreichen Blessuren schmerzten. "Hab deine Alkoholvorräte gesehen. Tat dir bestimmt mal gut, jemanden um dich zu haben. Nicht zu saufen." Ich biss auf die Innenseiten meiner Wangen. "Du führst dein Leben und ich meines", sagte ich hölzern, wandte mich vom Kanal ab und sah sie an. Das Mädchen war unglaublich nervtötend gewesen, hatte so viel Ärger mit sich gebracht, seit sie vor seiner Haustür aufgetaucht war. "Also wirst du mich gar nicht vermissen?", fragte sie anklagend. Wieder dieser Blick. Große, braune Augen, wie Spiegel. Die Worte blieben mir halb in der Kehle stecken: "Doch, werde ich." War überrascht, weil ich es ernst meinte. Sie drückte sich an mich, schlang die Arme um mich, vergrub das Gesicht an meinem Hals. "Denk daran, was ich dir gesagt habe. Nachdenken. Anpassen. Nicht aufgeben." Sie schniefte, es wurde feucht an meinem Hals. "Ja", sagte sie kläglich. "Tu doch nicht so, als würden wir uns nie wieder sehen. Ich besuche dich. Ich komm vorbei, wenn ich aus Alterac zurück bin, ja?" Hatte ich das 'wenn' komisch betont? War mir selber nicht sicher. Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange, schulterte ihren Rucksack und ging zum Blumenladen. Und ich sah ihr nach, mit... Mit was? Bedauern? Oder doch nur Durst nach Bier? Auf jeden fall aber wieder mit dem allzu bekannten Gefühl, dass der Tod direkt hinter mir war, nur einen Schritt entfernt. Lauernd, wartend. Darauf, dass ich den entscheidenden Fehler machte oder einfach nicht mehr gut genug war, dass Leben zu überleben.

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