Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
Aktuelle Zeit: 7. Dez 2016, 15:27

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 25 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1, 2, 3
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Das Tagebuch von Freyri Heldenhammer
BeitragVerfasst: 26. Jan 2013, 09:23 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 520
Geschlecht: männlich
Donnerstag, der 8. November

Nachtrag:

Den ganzen Mittwoch habe ich fast ausschließlich beim Depot verbracht, um zu trainieren. Mittags habe ich meinen Opa verabschiedet, der wieder ins Hinterland zurück reiste. Es war schon nach Mitternacht, als ich den Abend mit einem Bier ausklingen lassen wollte, da traf ich Tari bei Feuerbräu. Ich bestellte Bier und Hüftsteak, während Tari mich anstrahlte, aufsprang und sich verbeugte. Sie freute sich, mich wohlauf zu sehen. Allerdings Siezte sie mich und ich fragte, ob wir nicht eigentlich beim "Du" waren. Sie wurde ganz verlegen und wir beide nahmen Platz. Sie fragte, ob ich die ganzen Banditen und Verbrecher erwischt hätte, als wäre ich alleine in Westfall gewesen. Fand ich niedlich. Ich meinte, die meisten hätten wir erwischt, die Mission sei erfolgreich gewesen und erzählte ihr auch von meiner Beförderung. Da war sie erstaunt, strahlte aber wieder und meinte, dass ich da sicher gut was gezeigt habe und mein Opa sicher nicht mehr schlecht von mir denke. Dann gratulierte sie mir. Ich meinte, dass mein Opa in der Tat zufrieden war und ich nun wieder Ruhe vor ihm hatte, vorerst. Ich meinte auch, dass die Mission schwierig war und vor allem am Ende sehr knapp war. Ich machte mich über mein Steak und Bier her, während sie meinte, ich sei ein echter Krieger, weil ich die Lage dennoch überstanden habe. Wurde bei ihrer Bewunderung richtig verlegen. Doch ich meinte auch, dass ich einmal ziemlichen Mist gebaut habe. Erforderte ziemliche Willenskraft, das Tari gegenüber zu erwähnen. Luzula kam dazu, nachdem sie sich beim Tresen Schnaps bestellt hatte. Tari meinte, es war sicher nicht so schlimm, doch ich meinte, dass es schlimm war. Nicht, was ich tat, sondern wie ich es getan habe. Luzula fragte, ob sie sich setzen durfte und ich bejahte. War lange her, dass ich sie sah. Zumindest ist sie noch in einem Stück. Deshalb wollte sie auch den Brief an Tari zurück haben. Tari zog den Brief aus den Tiefen ihres Rucksacks und gab ihn Luzula. Ich meinte, ich gab Tari den Brief, damit diese ihn Luzula persönlich zurück geben konnte.

Luzula verbrannte den Brief. Ich nahm das Gespräch wieder auf, dass ich bei der Mission etwas nicht so Feines getan habe. Tari war wirklich sehr überzeugt, dass es sicher nicht so schlimm war. Vielleicht sollte ich in Zukunft sowas doch besser verschweigen, um sie nicht so schockieren. Luzula meinte, dass sowas als Söldner normal war. Ich stimmte ihr zu, meinte aber, dass es Grenzen geben sollte. Ich erzählte den beiden von dem Jungen, wie er die falsche Richtung ansteuerte und ich ihn erschoss. Tari zog zwei kleine Gegenstände aus ihrem Rucksack. Ich erklärte ihr, dass der Junge kein Verbrecher war, eher ein Spion. Luzula meinte, ein Beinschuss wäre besser gewesen, sagte aber auch, dass jeder nun mal seine Päckchen zu tragen hat. Sah dabei in Taris Richtung. Was genau meinte sie wohl? Da merkte ich, dass sie sich auf die beiden Gegenstände auf dem Tisch bezog. Es waren zwei Reißzähne. Luzula erklärte, dass der Bengel die Bande hätte vorwarnen können, oder vielleicht einfach so blöd war, in die falsche Richtung zu laufen. Ich meinte, dass ich ihn hätte warnen sollen, dass eine Gefangennahme aber schwer war, weil er uns dann eine Last geworden wäre. Luzula meinte, ich muss damit leben und dennoch ein reines Gewissen haben und Tari meinte, dass er ja auch einen Umweg hätte nehmen können und uns dennoch verkaufen hätte können. Da wäre es besser, wir hätten seinen Verrat gemerkt. Ich meinte, ich konnte es nicht rückgängig machen, doch es wurmte mich dennoch. Luzula riet mir, es beim nächsten mal einfach besser zu machen. Sie fragte Tari, was es mit den Zähnen auf sich hatte und diese wurde augenblicklich rot. Weil wir immer so nett zu ihr waren, hatte sie uns ein Andenken aus dem Schlingendorntal mitgebracht. Luzula nahm sich skeptisch einen der Zähne, aber ich war sofort begeistert, immerhin sammelte ich Zähne. Sie schob mir einen zu und meinte, vielleicht heitert mich das etwas auf. Tat es auch. Schon ein Lächeln von Tari heiterte mich auf. Luzula fand es toll, sie fragte, ob Tari das dazu gehörige Tier erschlagen habe und da strahlte Tari voller Stolz. Es waren wohl Tigerzähne und ich lobte Tari ob dieser Tat.

Sie freute sich, als wir uns freuten und ich meinte, Bescheidenheit sei wichtig, doch man müsse auch anerkennen, wenn man selber etwas geleistet hat. Sie war noch immer rot und meinte, ich sollte aber auch daran denken, wie viele Verbrecher ich erledigt habe. Luzula meinte plötzlich, ein Hauptmann der Stadtwache habe sie gebeten, mir zu sagen, dass ich ihn mal aufsuchen sollte. Das überraschte mich. Ging es um Grenam? Luzula meinte, es ginge um meine Kollegen und sie habe gemeint, ich sei ehrenhaft und man könnte auf mich zählen. Hoffe, da hat niemand Mist gebaut. Immerhin habe ich mein Versprechen, mit Grenam eine Entschuldigung vor zu tragen, noch nicht einhalten können. Hoffe, das zieht keinen Ärger nach sich. Ich fragte, ob der Hauptmann Bothan war und sie meinte, sie glaubte schon. Ja, das sagte einiges. Ich aß weiter, machte mir aber auch Gedanken drüber. Es hieß, Ärger zu vermeiden und sich mit der Wache gut zu stellen. Luzula fragte Tari, warum sie eigentlich im Schlingendorntal war. Wegen den Trollen, sagte sie. Um zu trainieren. Weil es aber so viele Trolle waren, habe sie Tiger gejagt. Luzula wollte wissen, ob Tari alleine war und ich meinte, es war gut, dass sie sich da nicht überschätzt hatte. Sie meinte, sie war alleine, weil alle anderen so viel zu tun haben. Ich meinte zu ihr, wir sollten mal wieder Trolle klatschen gehen und sie meinte, sie wäre jederzeit dabei und würde auch besser auf mich aufpassen. Ich meinte nur, dass ich davon überzeugt war. Luzula meinte, sie fand Taris Alleingang nicht gut, es gäbe viele Gauner, die sie aufs Ohr hauen würden. Tari meinte, sie habe doch nichts von Wert. Ich meinte, dass auch kaum Hilfe in der Nähe ist, sollte ihr da etwas passieren. Das Schlingendorntal war ja nicht gerade vor der Haustür. Luzula meinte, ihr Leben sei schon wertvoll genug und ich stimmte ihr zu, bezog mich auf Westfall und was die Banditen da so taten, nur so aus Spaß. Tari meinte, es könne nicht immer jemand auf sie aufpassen und fragte, ob wir sie für zu unerfahren halten.

Luzula meinte, Tari sei nur zu gutgläubig. Ich gab zu bedenken, dass man auch Erfahrungen sammeln musste. Doch ich verschwieg, dass auch ich mir arg Sorgen machte, Tari könne etwas passieren. Luzula meinte, ein Reiseführer seine beim nächsten Mal eine Option. Luzula war verärgert, über sich selber. Wohl, weil sie so sehr auf Tari aufpasste und sich solche Sorgen um sie machte. Harte Schale, weicher Kern. Luzula nannte uns Grünschnäbel, doch das störte mich nicht. Ragnari und ich waren früh auf uns alleine gestellt. Ich meinte, dass ich jeden Tag dazu lernte und tolle Kameraden und Freunde hatte. Luzula meinte, für Tari galt das gleiche und warf mir einen Blick zu. War es so offensichtlich, wie sehr ich Tari mochte? Ich wollte unwissend tun, wurde dann aber verlegen und holte mir rasch ein Bier, damit man es mir nicht ansah. Zurück am Tisch meinte ich, wie wichtig es war, dass man mit sich selber zufrieden war. Tari meinte, dass Luzula sicher auch viele Freunde hatte. Diese meinte, sie hätte jemanden in Theramore verloren, eine weitere sei verschollen. Siedefaust sei sowas wie ein Freund. Dabei war das doch der schlechtgelaunte Zwerg, vor dem ich den einen Tag rasch aus der Botschaft der Dunkeleisenzwerge floh. Ich meinte, dass wenige gute Freunde besser waren als viele falsche. Tari meinte, dass sie gerne Luzulas Freundin wäre und ich sicher auch. Ich nickte nur und meinte, ich sei da, wenn sie mal wen zum Reden oder fürs Grobe brauchte. Das überraschte Luzula. Sie meinte, Freundschaft erfordere auch Vertrauen und das fiele ihr schwer, erzählte uns aber dann von einem Bruder im Geiste, einem Bronzebart. Ein Paladin. Da musste ich an Ragnari denken. Wo er wohl gerade war? Der Bronzebart war für Luz wie ein großer Bruder und ich meinte, es liefen so viele Idioten herum, da war es schön, wen zu haben, auf den man sich verlassen konnte. Ich wurde langsam müde, immerhin war es schon drei Stunden nach Mitternacht. Wir bezahlten und standen auf, Luzula bedankte sich bei uns für den schönen Abend.

Auch ich bedankte mich und als Tari meinte, sie hoffte, dass Luz gut nach hause kommen würde und die meinte, sie bräuchte noch keine Eskorte, meinte ich, dass sie NOCH keine bräuchte, bei dem Alter. Tari stolperte und ich half ihr hoch, verabschiedete mich auch von Feuerbräu. Tari meinte, sie würde uns blamieren, was Luz und ich natürlich verneinten. Tari war schon süß. Luzula meinte, dass sie richtig war, so wie sie war. Fast hätte Luzula ihren Säbel vergessen. Als sie ging meinte sie, wir sollten nicht zu lange machen. Dachte sie etwa, wir würden gemeinsam nach hause gehen? Ich bedankte mich für den Tigerzahn und auf dem Weg meinte ich erneut, dass Tari und ich demnächst wirklich mal wieder Trolle jagen könnten. Wir hatten ja beide dazu gelernt. Als Tari davon huschte, war sie wieder so niedlich rot im Gesicht.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Das Tagebuch von Freyri Heldenhammer
BeitragVerfasst: 26. Jan 2013, 11:10 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 520
Geschlecht: männlich
Sonntag, der 11. November

Nachtrag:

Die letzten Tage waren ruhig. Viel beim Depot trainiert. Heute Nachmittag traf ich im Hauptquartier auf Percy, der sich oben die Bücherregale ansah. Hab ihn gefragt, ob er sich in den letzten Tagen gut erholt habe und er meinte, er habe einen Priester bezahlt, seine Verletzungen mit Licht heilen zu lassen. Ich meinte, dass wenigstens er mutig genug war, das Licht an sich heran zu lassen. Als er nicht kapierte, worauf ich hinaus wollte, meinte ich halt, dass ich mich nur auf meine persönlichen Vorbehalte gegen Magie und Licht bezogen habe. Als er fragte, was das Licht mit Magie zu tun hatte, sagte ich, dass beides Sachen waren, von denen ich nichts verstand und die mir nicht gefielen, weil sie gefährlich sein könnten. Percy meinte, der Einsatz sei vorbei und wir würden noch leben, also schulde er mir Antworten. Ich meinte, dass er mir rein garnichts schulden würde. Percy sagte jedoch, dass er sich verpflichtet fühle, mir meine Fragen zu beantworten. Natürlich wollte ich nicht aufdringlich sein, doch neugierig war ich schon. Ich fragte ihn, woher er kam. Beziehungsweise, wo er geboren wurde und aufwuchs. Er sagte es mir. Ich habe hier in meinem Tagebuch einige, persönliche Dinge stehen, sowohl über mich als auch über andere. Percy's Geheimnis möchte ich hier nicht nieder schreiben. Doch seine Antwort erklärte so einiges. Warum er so fasziniert vom Meer war und Namen wie Westfall oder Defias falsch betonte. Ich hatte mir schon gedacht, dass er nicht aus Sturmwind oder Lordaeron kam. Percy meinte, es war seltsam, in einem fremden Land zu leben, mit einer Sprache, die so anders klang als der eigene Dialekt. Ich konnte ihn gut verstehen. Seine Heimat kam mir so seltsam vor, wie meine es wohl für ihn war. Ich wollte wissen, wovor er eigentlich auf der Flucht war. Er meinte, es sei etwas, was man nicht mit Waffengewalt besiegen konnte. Hatte ihm ja meine Hilfe angeboten. Percy meinte, er habe als Schatzsucher gearbeitet und sei dabei auf seine jetzigen Verfolger gestoßen. Es ging wohl um wertvolle Artefakte.

Ich bekam bei seinen Erzählungen echt eine Gänsehaut. Es kam zu einem Kampf. Zwei habe er getötet, einer jedoch entkam. Percy meinte, seine Verfolger seien sehr mächtig, beinahe allgegenwärtig. Er musste seine Heimat verlassen. Natürlich habe ich keine wirkliche Ahnung, wovon er da sprach. Gibt es so mächtige Feinde? Ob die sich wirklich so viel Mühe machen würden, wegen eines Mannes? Eher durch Zufall kam er zum Dämmersturm. Ich meinte aber, dass er bei der Forscherliga auch gut aufgehoben wäre, dass es andere Möglichkeiten gab, sein Geld zu verdienen. Besonders, weil er Gewalt ja so sehr hasste. Er konnte jederzeit weg. Und ich meinte, dass ich es seltsam fand, dass er unsere Heimat so schrecklich fand, wo doch seine nicht viel besser war. Er meinte, in seiner Heimat ging es ums Überleben, während man hier ohne Grund tötete. Das Auftauchen des Kommandanten unterbrach unser Gespräch jedoch. Naja, ich mochte Percy ja. Hoffte, er blieb noch lange. Ich meinte noch, dass er noch ein paar Pferde mit mir zu Schaden reiten konnte, ehe die Sache für ihn vorbei war. Orodaro bat Percy, vorzutreten. Er bekam die Siegmarke verliehen, fragte aber, ob er darauf verzichten durfte. Mara kam auch dazu, machte es sich auf dem Balkon bequem. Ich verstand nicht so recht, warum Percy die Auszeichnung ablehnte. Der Kommandant war da auch sehr überrascht, wollte einen Grund hören. Percy meinte, er habe einfach nichts Besonderes getan. Ich ging dann auf den Balkon. Auch lehnte Percy die Beförderung zum Mitläufer ab. Percy meinte, er sei nicht stolz auf das Geschehene. Die Beförderung lehnte er ab, meinte, er habe nicht das Gefühl, sich schon genug bewiesen zu haben. Marsaly auf dem Balkon war nicht besonders gesprächig. Der Kommandant entließ Percy, bat ihn, Mara rein zu schicken.

Ich flüsterte Percy zu, dass die Beförderung zum Mitläufer doch nichts Bindendes war, aber mehr Geld mit sich brachte. Percy starrte nur auf den Platz hinaus, nahm seinen Flachmann, kippte den Inhalt eines kleinen Beutels hinein und trank. Fragte ihn, ob er Lust auf Taverne hatte, etwas essen und trinken. Er flüsterte, dass er immer versucht habe, sich nicht zu sehr an diesen Bund zu binden. In mancher Hinsicht sei ihm dies gelungen, in anderer nicht. Ich ahnte, was er meinte. Ich fragte den Kommandant, ob wir uns zur 6. Stunde hier oder in Sturmwind treffen würden. Es ging um die Beisetzung von Keiler, der bei der Jagd auf den Dämon, der Enoir und Leslay tötete, das Leben ließ. Wir würden uns auf dem Friedhof von Sturmwind treffen. Percy erklärte ich auf dem Weg zur Taverne, dass einer der Schwarzroben beerdigt wurde. Vor Wochen war er gefallen und wurde postum zum Söldner ernannt. Bei Feuerbräu bestellte ich das Übliche, Hüftsteak und Bier. Percy bestellte Speck, Eier und Schwarzbrot. Ich erklärte Percy, dass er jederzeit wieder verschwinden konnte, solange er den Eid nicht leistete. Er war nicht sehr überzeugt. Ich meinte, dass andere auch schon abgehauen sind, ohne Ärger zu bekommen. Percy meinte, er traue dem Kommandanten nicht. Ich meinte, dass ich zumindest meinen Kameraden vertraute, den meisten von ihnen. Percy meinte, es sei lange her, dass er jemandem vertraut habe. Ich meinte, er habe nicht Unrecht. Die Welt war voller Mist und Makel und Vertrauen sollte man nicht leichtfertig vergeben. Er meinte, ich sei der erste, seid er hierher gekommen ist. Ich meinte, dass er ja wisse, dass ich ihm vertrau und im Bund nur zwei andere so gut wie ihn leiden konnte. Eigentlich eine lausige Statistik. Endlich bekamen wir unsere Mahlzeiten und ich machte mich über mein Steak her, trank reichlich Bier. Percy meinte, der Bund sei keine Zukunft. Er sei nur ein Zwischenschritt. Ich stimmte zu, wollte nicht so wie der Kommandant werden.

Ich meinte, dass Perce so viele Möglichkeiten hatte, dass er die Chance hatte, neu anzufangen. Hab es ja selbst schon gesehen, hier beim Bund. Mit Jonnar, der die Söldnerlaufbahn für Frau und Kind hinter sich ließ und eine neue Arbeit fand. Percy fragte, was mit mir wäre. Ich meinte, ich würde noch bleiben, aber bereits an Alternativen arbeiten. Perce meinte, er habe die Aufzeichnungen gelesen. Er wusste, dass ich mich hatte vereidigen lassen. Ich nickte und meinte, dass ich irgendwann um Befreiung vom Eid bitten musste oder einfach so verschwinden musste. Tatsächlich hatte ich alle unersetzbaren Sachen aus meiner Wohnung bereits zu meinem Opa geschickt. Man konnte ja nie wissen, was kommt. Und wann es kommt. Wir aßen eine Weile weiter, dann fragte Percy, wer die beiden anderen waren, die ich im Bund so gut leiden konnte. Ich meinte Ingo und Alvrim. Natürlich hatte Alvrim seine raue Art, doch das Herz hatte er am rechten Fleck. Ich vertraute ihm. Percy meinte, dass Alvrim es drauf hatte, dass hatte er bewiesen. Das er uns aber genau so brauchte wie wir ihn. Ich meinte, dass Al ja gemeint hatte, wie froh er war, uns in der Rotte zu haben. Percy meinte, wir müssten wachsam und vorsichtig bleiben, dann würden wir diesen Albtraum schon überstehen. Ich stimmte ihm zu und meinte, dass Natter meine größte Sorge und war vielleicht eines Tages mein Grund für eine rasche Flucht. Percy meinte, wenn es bei mir nicht mit Frau und Familie klappen würde, würde er sich geehrt fühlen, wenn ich ihn in seine Heimat begleiten würde. Das Angebot bedeutete mir eine Menge. Weg von all den kleinlichen Konflikten und sinnlosen Kriegen. Ja, das klang gut. Dort gab es ja auch Zwerge. Allerdings brachte mich der Gedanke an einen Aufbruch auch auf die Frage, was das eigentlich ist, was ich für Tari empfinde. Ich sollte das irgendwann heraus finden, bevor es zu spät ist.

Ich aß mein Steak auf und das Horn bließ zur fünften Stunde. Bald würde ich los müssen. Percy fragte, ob ich in meiner Rüstung zur Beerdigung gehen wollte, was ich bejahte. Percy erhob sich und bezahlte, meinte, ich sollte mich auf den Weg machen. Ich brachte meinen Teller zum Tresen und meinte noch zu Perce, dass ich da war, wenn er was brauchte. Dann machte ich mich per Tiefenbahn auf nach Sturmwind. Dort traf ich auf meinem Weg zum Friedhof Aragones Lichtfaust, einen ehemaligen Kameraden meines Bruders. Ich kannte ihn vom Sehen, stellte mich ihm vor, ehe ich aber weiter ging. Ingo und Mara kamen auch, ebenso wie die Brüder, Ian und Alex, die sich aber abseits hielten. Ingo trug einen uralten Anzug, von dem er behauptete, ihn vor 100 Jahren zuletzt getragen zu haben. Auch Ciaphas Cain kam dazu. Er und Mara hatten wohl was miteinander. Ingo meinte, es war Zeit, dass Kapitel abzuschließen, während ich nur meinte, das Kapitel war noch lange nicht abgeschlossen. Der Kommandant kam dazu und Alex und Ian traten näher. Glaub, ich hab Alex zuvor noch nicht gesehen. Orodaro führte uns zu einem frisch ausgehobenen Grab, das den Namen Christoph Keiler trug. Wir stellten uns um das Grab auf, wobei sich Alex und Ian im Hintergrund hielten und ab und an tuschelten. Der Kommandant meinte, dass Keiler als Mitläufer starb, seine Hingabe jedoch sichtbar war. Er und Ingo hielten es also für passend, ihn zum Söldner zu ernennen. Der Kommandant meinte, Keiler sei kein Mann, der sympathisch oder freundlich war, aber dem der Bund und seine Arbeit darin etwas bedeutete. Er nannte Keiler einen der fähigsten Magier des Dämmersturms. Hab nie ein einziges Wort mit ihm gewechselt.

Keiler war in vielen Schlachten anwesend, handelte immer im Dienste des Sturms, trotz seiner Fehler - die, wie Orodaro meinte, jeder in sich trüge. Das wunderte mich ehrlich gesagt, dass er so etwas sagte. Keiler hätte es nicht verdient, so früh aus dem Leben gerissen zu werden. Er meinte, der Dämmersturm würde ihn vermissen und es würde dauern, jemand so fähigen erneut im Sturm zu finden. Das er Leslay und Enoir nicht erwähnte, fand ich etwas schade. Und ungerecht, den beiden gegenüber. Er schüttete aus einer Schale Erde ins Grab und meinte, das Licht möge mit ihm sein. Ich nahm die Schale, meinte, das Licht möge ihm gnädig sein und die Erdenmutter ihn aufnehmen. Möge er es besser haben, da wo er nun war und mögen die Umstände und der Sinn seines Todes nicht vergessen werden. Dann gab ich Ingo die Schale. Ingo sprach von einem Unglück und von einem Seelenernter im Hinterland, der besiegt worden war. Er sprach von Treiberklingen. Wohl der Kult, der den Dämon beschwor. Keine Ahnung. Ingo meinte, ohne das Opfer unserer Kameraden wäre es vielleicht noch schlimmer gekommen. Wenigstens bezog er sich auch auf Enoir Fordyce und Leslay Rose, sagte auch ihre Namen. Das fand ich gut. Ingo meinte, wir sollten zusehen, dass ihre Bemühungen Früchte tragen, dann schüttete er Erde auf den Sarg und reichte die Schale weiter. Alex nahm die Schale und meinte, dass nicht jeder das Glück hatte, angemessen bestattet zu werden oder angemessen von seiner Familie und den Kameraden betrauert zu werden. Keiler sei dafür zu beneiden. Er habe den nie enden wollenden Kampf hinter sich und dürfe nun ruhen, während sein Name und sein Handeln von uns nicht vergessen werden dürfe. Er meinte, dass die Liste aus Namen und Heldentaten in unseren Köpfen möglichst langsam wachsen sollte. Dann schüttete er Erde aufs Grab und reichte die Schale seinem Bruder.

Dieser meinte, man müsse die ruhmreichen Toten ehren und den Feinden Verderben wünschen. Er möge in der nächsten Welt Frieden statt Blut und Krieg finden. Ciaphas und Mara sagten nichts, als sie Erde ins Grab schütteten. Am Ende zitierte Orodaro die Aufzeichnungen über Keiler. Den Scharmützeltaler bekam er, als er Invasoren des Schattenhammers in Dun Morogh bekämpfte, unter Rottenmeister Fäller. War das wiederum ist - oder war - ist mir ein Rätsel. Die Siegmarke bekam Keiler in Nordend, als er einen Orc-Söldner namens Schlagfaust bekämpfte. Auch einen zweiten Taler bekam er in Nordend. Auch den Silberlöwen 1. Klasse erhielt er für seine Dienste während der langen Zeit in Nordend. Der Kommandant bedankte sich für unsere Anwesenheit. Ich und Ingo blieben noch etwas stehen und ich dankte ihm, dass er Enoir und Leslay erwähnt hat. Dann klopfte ich ihm auf die Schulter und ging auch.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Das Tagebuch von Freyri Heldenhammer
BeitragVerfasst: 26. Jan 2013, 16:56 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 520
Geschlecht: männlich
Freitag, der 16. November

Nachtrag:

Ich bekam heute abend mit, dass Billiy wohl Ärger mit ein paar Typen hatte und übelst verprügelt wurde. Half ihrem Halbbruder, Corvin, dabei, sie zum Heiler zu bringen. Sie war wohl auf einen Tisch voller Giftphiolen für ihre Pfeile geworfen worden. Billiys Falke hatte nämlich dauernd über dem Hauptquartier gekreist und mich regelrecht zu ihr gelockt. Corvin konnte sie noch nicht verarzten. Ich fragte ihn nur, wo er eigentlich war, als das passierte. Er meinte, er sei nur zu Besuch und es wäre doch die Aufgabe des Bunds, auf einander zu achten. Er hielt wohl nicht so viel von uns. Meinte nur, dass ich Billiy erst einmal sah, sie eine Einzelgängerin war und ich schlecht hellsehen konnte. Dann zog ich die Handschuhe aus und versuchte, ihre Weste auszuziehen. Meinte aber, ich sei Scharfschütze und kein Arzt. Der Heiler im Inneren Ring war die bessere Anlaufstelle. Ich machte oben die Tür auf und Corvin trug sie. Corvin fluchte, weil Billiy so naiv war, trotz ihrer Jugend in Beutebucht. Corvin vermutete, der Angreifer war ein Freier. Ich meinte nur, sie solle dafür sorgen, dass ihre Feinde nicht wussten, wo sie wohnte. Und sie sollte in Zukunft Gegengift parat halten. Die beiden waren schon merkwürdig. Nicht unbedingt unfreundlich, aber ganz warm werden wollte ich mit den beiden auch nicht. Tatsäch verließ Billiy den Bund auch kurz nach diesem Vorfall. Ich teilte Gwina die Lage mit und sie kümmerte sich rasch um Billy. Sie und Nissa waren ja recht fähig. Corvin brachte sie nach oben, legte sie auf eines der Betten. Billiy bekam Spritzen, während ich Nissa bewusst mied. Immerhin wollte sie mal was von mir. Ich meinte nur zu Corvin, dass es bitter war, dass Frauen nie hörten und nie aus ihren Fehlern lernten. Corvin hatte eine emotionale Mauer errichtet und ich meinte, sowas war schon praktisch. Dann fragte ich die Heiler, ob Billiy denn durchkam. Sie war aber noch nicht über den Berg, sagte Gwina. Naja, wenigstens etwas. Ich meinte nur, dass Schmerz ein Lehrer war, den man nicht so schnell vergaß. Ich verabschiedete mich, meinte aber, dass ich Corvin Wraid eines Tages brauchen könnte, gegen eine Bezahlung. Schüttelte ihm auch die Hand. Vielleicht konnte er mir eines Tages bei Natter helfen.

Im Hauptquartier traf ich Al, der da auf dem Boden hockte. Wunderte mich schon. Er lehnte gemütlich an der Wand und meinte, er gönne sich ne Pause nach dem Training. Er fragte, ob ich schon wieder Sehnsucht nach dem Bund hätte und ich meinte ja, besonders nach Natter und ihrem Charme. Setzte mich auf einen der Stühle. Percy kam dann dazu. Ich meinte, dass ich meist beim alten Lager des Bunds auf dem Mount Ironforge war, aber täglich auf den Aushang sah. Ich nutzte die Abgeschiedenheit des Berges, um mich zu beruhigen. Percy war gestern auf Mission, im Ödland. Mit Schreiner, Ciaphas, Alex und Ian. Ich fragte ihn, wie die Sache lief. Er meinte,die Mission verlief problemlos, aber die Gesellschaft war unangenehm. Ich hakte nach. Er meinte nur, dass die anderen Schläger und Blutgeile wären. Ich meinte, man konnte nicht mit jedem gut Freund sein. Nun fiel mir auf, dass Alvrim echt mitgenommen aussah. Percy fragte ihn, was los sei und ich fragte ebenfalls, ob etwas passiert war. Al ging nach oben und wir folgten ihm. Al saß nun auf dem Balkon. Ich lehnte mich ans Geländer und Percy stellte sich neben mich. Percy fragte, ob es wegen der Beförderung sei und ich meinte, dass Al wie ein geprügelter Hund aussah und sich merkwürdig benahm. Fragte ihn, ob er drüber reden mochte. Al meinte, die Sache mit der Beförderung war allein Percy's Sache. Er sprach von Ungereimtheiten und Stress. Ein unschöner Zwischenfall. Ich bot ihm an, jederzeit mit mir reden zu können und riet ihm, sich Wundsalbe zu besorgen. Er sähe aus wie durch die Mangel gedreht. Da lachte er und fragte, ob mein Charme heute denn keine Grenzen kenne. Ich meinte, ich hatte heute ne gute Strähne. Cain kam dazu. Leider ein Grund für Al, die Klappe zu halten. Ich erzählte ihnen vom Angriff auf Billiy, um das Thema zu wechseln. Ich wusste, dass es Dinge gab, die Alvrim nur mir und Percy erzählen würde. Als Al fragte, von wem, meinte ich von einem ihrer Stecher.

Meinte aber auch, dass sie es überleben würde und ihr Bruder auf sie achtete. Percy fragte, ob das wohl ein Nachspiel geben würde. Wer weiß. War allerdings nicht so, dass der Sturm bei den privaten Problemen der Mitglieder eingriff oder so. Zumindest hatte ich bisher nicht den Eindruck. Wenn es den Bund als ganzes betraf, dann vielleicht. Bei bloßem Beziehungskrach wohl eher nicht. Und Corvin meinte ja, sie habe selber Schuld gehabt. Cain zeigte uns einen seltsamen Hut, wohl aus Pandaria. Er sah so unendlich lächerlich aus. Ich meinte, die Frauen würden ihm die Bude einrennen, ehe ich mich abwandte und kaputt lachte. Alvrim bat mich, ein paar Schritte mit zu kommen und ich folgte ihm. Unten meinte Alvrim, dass Westfall wohl noch ein Nachspiel haben würde, es gab da ein Problem. General Ringschmied, einer aus Nordend, sollte nach Westfall versetzt werden, wurde aber von Attentätern umgelegt. Morriston, der Typ von der Späherkuppe, hatte nach unsererm Abzug eine Offensive gegen Mondbruch gestartet. Auch kamen die auf die Idee, ein paar Leute auszuzeichnen. Morriston und Alvrim ebenfalls. Nun hatte sie wohl wer im Visier. Der Kommandant war auch dabei, war eine schwerbewachte Sache, keine Waffen erlaubt. Viele elitäre Leute vom Militär und viele Adelige. Dennoch konnten sich Banditen als Wachen einschleichen. Von den Ausgezeichneten überlebte nur Alvrim. Sechzig Zivilisten starben. Nur durch Glück haben er und der Chef da lebend raus. Al meinte, dass die Defias wohl was damit zu tun hatten. Al glaubte nicht, dass das Zufall war und meinte, die waren das nicht alleine. Mussten wohl einen bei der Allianz kennen. Cain ging an uns vorbei, trainieren. Ich musste mich erstmal setzen. Al meinte, er hatte keine Ahnung, wen von der Truppe man da noch trauen konnte. Wie eine Seehydra: Schlug man einen Kopf ab, wuchsen zwei wieder nach. Feinde, die man nicht einmal kannte, sowas liebte ich ja. Al meinte, dass es nicht ganz so schlimm war, wir aber wieder aufpassen mussten. Immer und überall.

Al meinte, irgendwie freute es ihn, als gammeliger Söldner auf ner Abschussliste zu stehen, konnte aber nicht sagen warum. Ich meinte, er sei halt gefragt, habe sich nen Namen gemacht. Erst wen einen jemand verfolgte, hatte man wohl wirklich was auf dem Kasten. Meinte, das würde mir vielleicht auch eines Tages so gehen. Nun wusste ich zumindest, warum Al so fertig aussah. Ich sagte, dass ich mich so sehr über Ruhe vor den Reißern gefreut hatte und nun sowas. Al verglich die ganze Sache mit einem Stich ins Hornissennest. So viele tote Zivilisten wegen vier Leuten. Ich setzte mich neben Al auf den Boden und bat ihn um einen Schluck aus seinem Flachmann. Al meinte, der Kommandant würde bereits nachforschen. Al glaubte, er selber hätte etwas übersehen, so sehr er auch grübelte. Ich meinte, vielleicht war die Sache trotzdem vorbei. Wir konnten ja nicht alles töten, was uns dumm kam. Vielleicht hatte der Drahtzieher seine Ziele erreicht und es war ihm egal, ob Alvrim überlebt hatte. Al meinte, Ruhe wäre echt schön. Er und Orodaro konnten nichts tun, außer entkommen. Er fragte mich, ob ich ihm einen Gefallen tun könnte. Ich bejahte. Ahnte, dass es um Sua ging, falls Alvrim mal etwas passierte. Al meinte, der Kommandant habe gesagt, er solle sich aus der Gegend fern halten. Dachte erst, ich solle mich in Westfall umhören, doch er bat mich, ein Auge auf Sua zu haben. Ich meinte, er könne sich immer auf mich verlassen, ging dann aber. Hatte Vorbereitungen zu treffen. Ich bat Al, sich auszuruhen.

Samstag, der 24. November

Nachtrag:

Meine Notizen der letzten sieben Tage sind zerstört. Wasserschaden. Alte Leitungen in meiner Wohnung gingen kaputt, es tropfte direkt auf meinen Arbeitstisch. Zum Glück wurde nicht mein ganzes Tagebuch vernichtet. Zum Glück lagen keine Waffen-Teile auf dem Tisch, die hätten sonst arg angefangen zu rosten. Aber es heißt auch, dass mein Tagebuch nun ein wenig unvollständig ist. Was ich noch grob weiß ist, dass Ingo mir die lethalen und non-lethalen Trefferzonen beim Körper erklärte. Sprich: Wo ein Treffer sofort tödlich ist, wo überhaupt nicht. Und wie man ein Ziel langsam sterben lassen kann, zum Beispiel durch einen Schuss in den Magen oder in eine Hauptader. Er gab mir auch eine Zeichnung eine Körpers, mit eben diesen Trefferzonen, die er extra für mich hatte anfertigen lassen. Ich sollte sie ausgiebig studieren. Tag des Unterrichts war Samtag, der 17. November. Er kam zuerst mit der Zeichnung ins Hauptquartier, dann gingen wir zum Depot, wo er die Skizze - in Lebensgröße - an den Baum nagelte. Er hatte mir bereits erklärt, dass jede abgefeuerte Kugel tödlich sein konnte. Doch war es wichtig für einen Schützen, zu wissen was passierte, wenn man das Ziel an bestimmten Punkten traf. Man unterteilte daher den Körper in tödliche und nicht tödliche Trefferzonen, sowie bei den tödlichen die sofort tödlichen und die verzögert tödlichen Trefferzonen. Der perfekte Schuss aus der Distanz sorgte für eine sofortige Kampfunfähigkeit des Gegners. Mit seinem Tod starb auch sein Wert als Kombattant. Das konnte nur an zwei Punkten erreicht werden. Ingo tippte auf den Kopf, ich tippte auf das Herz.

Ein Treffer oberhalb der Augengrenze führte zum Zusammenbruch des Nervensystems durch massiven Hirnschaden. Der Tod trat innerhalb von weniger als einer Sekunde ein. Ein Treffer im Zentrum des Brustkorbs führte zum Zusammenbruch des Blutkreislaufs durch Ruptur des Herzens oder der Hauptschlagader. Der Tod trat dann innerhalb von 5 bis 10 Sekunden ein, wenn das Ziel den Schock des Treffers überhaupt überlebte. Die sofort tödlichen Trefferzonen waren in einem Feuergefecht auf lange Distanz oberste Priorität. Generell galt: Bei stationären Zielen den Kopf, bei sich bewegenden Zielen die Brust anvisieren. Zu Treffern in den Eingeweiden erklärte er mir Folgendes: Je nachdem, welche Organe verletzt wurden, gelangten Galle, Magensäure oder andere Körpersäfte in die Wunde und verursachten eine Blutvergiftung. Das Ziel war dann meistens durch den Schmerz kampfunfähig, aber der eigentliche Sterbevorgang konnte sich von einer Stunde bis zu einem Tag hinziehen, wenn die Blutung aufgehalten wurde. Treffer in der Lunge erläuterte Ingo mir wie folgt: Es kam zum Zusammenbruch des Atemkreislaufs und nach 10 bis 30 Minuten zu Bewusstlosigkeit und Tod. Treffer in der Milz oder Niere verursachten Volumenmangelschock, das bedeutete, durch innere Blutungen verlor der Körper immer mehr Flüssigkeit, bis es schließlich zum Tod kommt. Der Sterbevorgang konnte sich mehrere Stunden lang hinziehen, je nach Schwere der Wunde. Das Gleiche galt auch für Treffer in den Armen, Beinen oder Schultern, weil dort natürlich auch Blutgefäße verliefen. Dabei wurde dann meistens auch die entsprechende Gliedmaße durch den Schmerz unbrauchbar.

Als ich meinte, dass auch der massive Blutverlust durch die Arterie zum Tod führte, stimmte Ingo zu, meinte aber, dass das Zeitfenster im Vergleich zu Organtreffern und größeren Blutgefäßen größer war. Was uns zum Treffer am Hals brachte – dies führte meistens zu einer Ruptur der Halsschlagader. Der Tod trat innerhalb von maximal 10 Minuten ein. Die verzögert tödlichen Trefferzonen waren insofern in einem Feuergefecht auf mittlere Distanz wichtig, da sie einen taktischen Vorteil verschafften. Ein einzelner Scharfschütze konnte auf lange Distanz große Feindgruppen effektiv bekämpfen, aber je näher der Feind kam, desto größer wurde die Menge der Kugeln, die abgefeuert werden musste, um optimalen Effekt zu erzielen. Deshalb bediente man sich eines schmutzigen Tricks: man zielte absichtlich auf eine verzögert tödliche Trefferzone, vorzugsweise die Eingeweide, und ließ das Ziel langsam dahinsiechen. Mit etwas Glück hatten seine Kameraden Mitleid und kümmerten sich um den Verwundeten, was ihre Kampfkraft lange genug eliminierte, dass man sich um den Rest kümmern konnte. Abgesehen davon war noch anzumerken, dass in einem Feuergefecht auf mittlere oder kurze Distanz niemals auf den Kopf, sondern immer auf die zentrale Körpermasse, also Brust und Bauch, gezielt werden sollte.

Er erklärte mir, dass der Kopf ein vergleichsweise kleines Ziel war und beweglicher war als die zentrale Körpermasse. Die Trefferwahrscheinlichkeit war beim Rumpf einfach höher. Damit blieben nur noch die nicht tödlichen Trefferzonen. Die wurden einfach definiert: die Außenseiten der Arme, Beine, Schultern und der Arsch. So blöd es auch klingen mochte, das waren die einzigen Trefferzonen, bei denen eine Wunde garantiert nicht tödlich war. Sie bestanden größtenteils aus Muskeln und wurden vergleichsweise schwach durchblutet, was bedeutete, dass ein Treffer zwar übel aussehen konnte, es aber eigentlich nicht war. Einfach gesagt war es sinnlos, zu versuchen, diese Ziele zu treffen… bis auf den Arsch waren sie alle zu klein, um sie ordentlich anvisieren zu können und in einer Kampfsituation zu versuchen, den Feind absichtlich NICHT zu töten, war Selbstmord. Diese Trefferzonen zu kennen und die Wirksamkeit eines Treffers danach beurteilen zu können, konnte mir mein Leben retten. Ich sollte die Zeichnung nehmen und auswendig lernen.

Nun gingen wir zur Atemkontrolle über. Der Atem, und als Fortführung dessen der Herzschlag, beeinflussten den Zielpunkt. Ich würde bemerken, dass trotz einer stabilen Position und meines guten Griffes das Fadenkreuz immer noch leicht wackelte. Das entstand durch das Heben und Senken des Brustkorbs beim Atmen und die Vibration des Herzschlags.
Da wir aber das Atmen logischerweise nicht abstellen konnten, mussten wir uns der Kompensation dessen widmen. Ein Atemzyklus dauerte normalerweise zwei bis fünf Sekunden. Davon nahm der eigentliche Vorgang des Ein- und Ausatmens aber nur bis zu drei Sekunden ein. Das heieß, zwei Sekunden blieben als Pause nach dem Ausatmen vor dem nächsten Atemzyklus. Ich fragte, ob Luft anhalten während des Zielens und Schießens das Problem nicht lösen würde. Ingo meinte, dass sollte ich nach Möglichkeit vermeiden. Es ging vor allem darum, das Atmen zu regulieren. Die Luft anzuhalten brachte mich aus dem Takt und ließ mich danach nach Atem schnappen, was das Zielen schwieriger statt leichter machte. Die Atempause zwischen dem Ausatmen und dem nächsten Einatmen konnte ohne große Anstrengung bis 5 oder 10 Sekunden verlängert werden. Das war dem Gefühl des Scharfschützen selbst überlassen. Die Atempause sollte sich nie unnatürlich anfühlen. Wenn sie zu lang war, litt der Körper an Luftmangel und schickte einen Impuls aus, der mich zum Atmen animierte. War sie jedoch zu kurz, hätte du nicht genug Zeit zum Zielen und Abdrücken. Die Abfolge blieb gleich: Stabile Position, stabile Haltung, das Gewehr mit dem Ziel auf eine Linie bringen, um den natürlichen Zielpunkt zu unterstützen, Auge voll ans Zielfernrohr, immer mit dem gleichen Abstand.

Erst dann konzentrierte man sich auf die Atmung, denn in den Sekunden nach dem Ausatmen lag das Zeitfenster für den Schuss. Der Schuss sollte nach Möglichkeit immer zwischen zwei Herzschläge gesetzt werden. Atmete man gleichmäßig, würde sich der Herzschlag beruhigen und vorhersehbar werden. Mit jedem Schlag pumpte das Blut durch die Adern und sorgte für kleine Vibrationen im ganzen Körper, vor allem aber in den Fingern. Das konnte den Schuss verziehen. Ingo hatte mir schon damals in Northrend gesagt, ich sollte wie er ein Amulett oder einen ähnlichen metallischen Gegenstand unter der Kleidung auf der Brust zu tragen. Das half ungemein, den Herzschlag genau zu spüren. Ich sollte das gründlich üben. Auch gab es einen weiteren Tag des Blutes, den Cyrtes Loren gewann und daher den Eid ablegen durfte.

Heute abend kam Alvrim angerannt, als ich auf dem Balkon des Hauptquartiers saß. Er trug zivil, so ein schickes, schwarzes Hemd mit dem Dämmersturm-Wappen. Er war wohl joggen. Scherzhaft fragte ich, ob der Chef nun diese tollen Hemden verteilte. Al grüßte mich, als er wieder zu Atem kam. Ich meinte, dass er scheinbar ja wieder fit war und sich gut von den Verletzungen neulich erholt hatte. Was einen nicht umbrachte, machte einen wohl doch härter. Al stimmte mir zu und kletterte sogar zu mir auf den Balkon. Meinte nur zu ihm, dass er sich ja nicht den Hals brechen sollte. Er hat es aber gut bekommen. Ich meinte dann scherzhaft, dass ich schon dachte, er würde sich alle Knochen brechen und Julius würde dann der neue Rottenmeister werden. Al meinte, das würde dem grad recht kommen. Auf die Frage, wie es mir ginge, meinte ich, dass es seltsam war, die Ruhe nicht genießen zu können, weil dauernd etwas passieren konnte. Die Sache mit Westfall sei wohl bald erledigt, meinte er. Das beruhigte ich. Blieb nur die Sache mit Kurlsgart. Der Despot Radbach konnte auch jederzeit zurück kehren. Er fragte, ob ich gehört hatte, was für einen Mist Rarnulf auf einer Mission gebaut hatte. Hatte ich nicht. Eine Mission in den Sümpfen des Elends ging wohl daneben. Entführte Kinder tot, mehrere Soldaten tot, der Hauptmann dort am Arsch. Einige aus dem Bund hatten wohl nicht gehorcht. Ich meinte, man konnte nicht immer gewinnen, aber wenn es an unseren Leuten lag, musste man etwas tun.

Al und ich hatten ja schon einmal über einen Trainingsausflug gesprochen. Ich meinte, dass ich Befehlverweigerung heftig fand. Schon bei Natter in Westfall. Training war da gut, um die Frischlinge mal richtig zu fordern. Al meinte, Vera habe wieder Probleme, sich von Felmagie fern zu halten und würde ihr da wohl den Kopf waschen müssen. Schade, sie hatte in Westfall so gute Arbeit geleistet. Auch hatte Veralis Natter provoziert. Das ging ja schon in Westfall los. Natter griff wohl an und Vera sprengte irgendein Bann-Amulett ab. Alvrim konnte gerade noch dazwischen gehen. Ein Wunder, dass niemand verletzt wurde. Sowas war nicht gut, meinte ich. Man konnte nicht mit jedem gut Freund sein, aber offene Streitigkeiten in so einem Ausmaß. Ich konnte Natter ja auch ignorieren. Oder die beiden Brüder mit der großen Fresse, Alex und Ian. Al meinte, man müsste Vera androhen, dass sie aus dem Bund fliegen würde. Er war sich sicher, dass sie das nicht wollte ( Ironischerweise flog sie einige Zeit später aus dem Bund ). Al kannte die Brüder nicht und ich beschrieb sie ihm als zwei Blondschöpfe mit großer Fresse. Einen von beiden kannte Al wohl vom Sehen. Ich meinte, dass ihre große Klappe egal war, solange sie kämpfen konnten. Ingo würde da ja auch ein Auge drauf haben, da war ich mir sicher. Tatsächlich schien Ingo laut Aufzeichnungen nun Eleza, Alex und Ian in seiner Rotte zu haben. Warum er als Champion eine Rotte hatte, war uns aber ein Rätsel. Al meinte, der Bund hätte nicht genug Rottenmeister. Gäbe es genug, wäre er keiner. Ich meinte, er sei Rottenmeister, weil er fähig war und nicht, weil es keine besseren gab. Al meinte, er wusste, was er konnte, wollte sich aber nichts drauf einbilden. Scherzhaft machte ich kurz Rarnulf nach, mit seinem rauen Tonfall gegenüber allen anderen.

Zu der Sache in Westfall war wohl langsam klar, wer hinter dem Anschlag steckte. Wir machten uns auf den Weg nach Thelsamar, um in der Taverne von Alvrims Schwester einen zu trinken. Er fragte, wie es bei mir sonst so lief und ich meinte, es könnte kaum besser laufen. Alles war ruhig, mein Opa zufrieden, mein Bruder meist eh nur unterwegs. Ich war zufrieden mit mir selber und das war gut. Al fragte, was ich mit meinem Leben so vor hab, was ich machen würde, wenn ich nur noch ne Woche zu leben hätte. Ich meinte, dass ich primär saufen, Geld verprassen und dafür sorgen würde, dass die Heldenhammer-Familie nicht ausstarb. Ich meinte, dass ich langfristig sparte, falls ich doch mal fort musste, spontan. Al meinte, er würde mir den Rücken frei halten, meinte, er glaube, Percy würde auch nicht ewig bleiben. Ich meinte, es wäre dumm, keine Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und dass ich auch glaubte, dass Perce das Söldnerdasein nicht besonders genoss. Ich meinte, dass ich hoffte, noch eine ganze Weile etwas mit Al und Perce erleben zu können. Al meinte, man konnte sich die Missionen manchmal einfach nicht aussuchen. Niemand konnte Perce dran hindern, wenn er fort wollte. Ich meinte, jeder musste selber wissen, was er machte. So wie Jonnar, der hatte ja gute Gründe, zu kündigen. Al meinte, Frauen würden einen weich machen, dass es aber auch Schlimmeres gab als Familienleben. Ich fand, nicht jeder konnte sich einen harmlosen Job aussuchen. Zu Perce meinte ich zwar, dass es immer die Chance für einen Neuanfang gab, doch so einfach war es manchmal wohl nicht. Ich verstand Jonnars Sorge. Wer weiß, wie Frau und Kind meine Einstellung ändern würden.

Al meinte, irgendwann erwischte es jeden, wenn man nicht aufhörte. Ich fragte ihn, ob er für Sua und das Kind aufhören würde. Al stellte als Gegenfragte, was dann wäre. Eine gute Frage war das. Al hatte nie geplant, Familie zu haben. Ich meinte, unverhofft kam eben manchmal oft. Ich war froh, da noch viel Zeit zu haben. Ich meinte, ein Kind sei stress, dass ich mir so ein Kinderlachen aber schön vorstelle. Al hatte Angst, dem Kind wenig bieten zu können. Nur ein Zuhause und Unterricht im Kämpfen... Ich meinte, dass die Welt schon ein harter Ort war. Behütet aufwachsen war schwierig. Auch ich machte mir bereits darüber Gedanken. So ein kleines Leben formen war eine Herausforderung. Mein Vater hatte sich so gut wie nicht um Ragnari und mich gekümmert. Al meinte, bei jeder Mission könnte das Kind zu nem Halbwaisen werden und auch wenn nicht, wäre er selten zuhause. Ich meinte, er sollte aufpassen oder sich Alternativen überlegen. Ich würde ihm da auch den Rücken decken. Er meinte, einen zu trinken wäre heute seine Alternative. Wir würden ja wie zwei Waschweiber klingen. Ich meinte, dass Zwerge es da leichter hätten. Zwerge sahen Familienbande manchmal nicht so eng, meinte ich. Ich hatte meine Eltern selten gesehen und Wildhammer-Kinder feierten alle am selben Tag im Jahr Geburtstag. Alles war ein wenig distanzierter. Wir hatten Thelsamar erreicht, hatten ja zwischendurch auch eine Weile geschwiegen. Al meinte, das müsse ja ne Mordsfete sein. War es auch. War nur seltsam, wenn man im Januar geboren wurde, die Feier aber Monate später war. Beim Friedhof bat ich Al, vor zu gehen. Müsste wen besuche. Al fragte nicht nach, wen. Ich ging zum Grab meiner Mutter, zollte ihr Respekt. Was sie wohl von mir halten würde, wenn sie mich sehen könnte? Lächelte sie aus dem Schoß der Erdenmutter zu mir hinab, oder war sie enttäuscht? In der Taverne fragte ich erst einmal, ob die auch Hüftsteak hatte. Al und ich machten es uns an einem Zweiertisch gemütlich. Luzula sah ich da auch irgendwo sitzen.

Cin begrüßte uns, wie immer höflich. Da man heute Grizzlysteak im Angebot hatte, nahm ich eben dies. Schön blutig. Al meinte, ich sei ja ein richtiges Tier. Cin erzählte Al, wie sie wohl Selbstgebrannten von nem Zwerg probierte und dann arg besoffen war. Interessante Frau. Aber wohl ein kleines Problem, was ihre Grenzen bei Alkohol anging. Sie wollte nicht ins Detail gehen. Ich meinte, sie stand noch - oder schon wieder - und das war ja ne Leistung. Al fragte, ob ich je was anderes außer Streak aß. Ich meinte, nicht wenn ichs vermeiden konnte. Auch fiel mir eine Elfe auf. Al fragte, ob ich die hübsch fand. Sie war aber zu groß, zu schlank und hatte kaum Vorbau. Al meinte, ich stünde wohl eher auf Tari und ich wurde rot, versuchte, es mit einem Husten zu überspielen. Klappte nicht. Die Nachtelfe fing dann an zu brüllen, Vrykul würden kommen. Die schien wohl irgendwie durchgeknallt. Vielleicht ein Trauma, welches sie in Nordend erlitt. Meinte aber, was hier nem Vrykul am nächsten kam wäre Al mit seiner Haarpracht. Er fragte. ob ich mich an die Vrykul in Nordend erinnerte. Ja, tat ich. Die Elfe taumelte nach draussen und wir folgten ihr. Sie war sturzbetrunken, hatte ihre Schwerter gezogen. Sie konnte kaum noch stehen. Wir hatten echt Mühe, sie davon zu überzeugen, keine Vrykul zu sein. Das ich klein war, kapierte sie. Hat mich aber wohl nicht mal als Zwerg erkannt, so dicht war sie. Haben sie dann rein gebracht, ihr aber weiteren Alkohol verboten. Ich meinte nur zu ihr, wie stolz Elune doch wäre. Haben ihr was essbares besorgt. Scheinbar hatte sie in Nordend zahlreiche Kameraden verloren. Al und ich wollten sie davon überzeugen, dass sie wenigstens anständig leben sollte, um dem Opfer ihrer Kameraden einen Sinn zu geben. Sie plärrte was von nem Turm mit einem Dämonen, wo sie eingesperrt wurde, wohl von ihren Kameraden. Ihr zu erklären, dass das Leben weiter ging, war hier recht vergeblich. Sie fing an, irgendwelche Namen von sich zu geben. Die war absolut volltrunken. Al und Cin brachten die Elfe dann auf ein Zimmer, wo sie ihren Rausch ausschlafen konnte. Al und ich tranken noch etwas, wobei ich ihn daran erinnerte, dass er noch eine Runde auszugeben hatte. Al meinte, er würde es wohl als Auftrag aushängen müssen und ich meinte, da würd ich mich gleich zweimal eintragen. Dann zogen wir uns gegenseitig auf und ich meinte, ich würde graue Haare bei ihm im Zopf sehen. Luzula setzte sich dann zu uns, sie war auch unter den Gästen gewesen. Das Thema wechselte auch zwischendurch zum Thema Natter... und meinem Gewehr.

Irgendwann wurde die Elfe wieder wach und Lu, Al und ich machten ihr weiß, sie habe 4 Tage lang geschlafen, um ihr eine Lektion zu erteilen. Ich verabschiedete mich dann allerdings, hatte die Nase voll von jammernden Elfen. Außerdem war ich auch arg besoffen und kannte meine Grenzen.

Donnerstag, der 29. November

Nachtrag:

Am Nachmittag traf ich Ingo beim Depot, er war beim Trainieren. Er stand so da, zielte, schoss jedoch nicht. Nach einer Weile fragte ich ihn, ob bei ihm alles klar war. Genau wie ich ging auch Ingo gern zum Schießen, um seine Gedanken zu ordnen. Nach einer Weile senkte er die Büchse und drehte sich zu mir um und meinte, alles sei in Ordnung, er habe nur etwas getestet. Er meinte, es war wichtig zu wissen, wie lange man die Waffe halten konnte, ohne zu zittern. Denn irgendwann würde sich das Gewicht der Waffe bemerkbar machen, besonders im Stehen. Ingo fragte, ob ich ihn gesucht hatte, doch ich meinte nur, dass ich auch mein übliches Training durchziehen wollte. Er fragte, ob bei mir alles in Ordnung war und ich meinte, dass ich in den letzten Tagen in Westfall war, Natter nun aus dem Weg ging. Es war in Ordnung, momentan. Ingo fragte, ob ich mich mit der Sache mit dem Jungen abgefunden hab. Ich meinte nur Ja und Nein. Ich musste damit klar kommen, wollte es aber nicht vergessen. Es war eine gute Erinnerung daran, immer nach zu denken, bevor man schoss. Ingo gab mir da Recht. Gemeinsam schossen wir ein wenig auf die Zielattrappen. Irgendwann fragte Ingo, ob ich schon vom neusten Coup von Orodaro wüsste. Hab verneint. Er sprach von einem Ausflug in die Sümpfe des Elends, um sein verlorenes Schwert zu suchen. Ingo meinte, beim Zielen sollte ich nicht reden. Er erzählte mir, wie Orodaro sein Schwert verlor. Ich musste da an seine Worte in Nordend denken, bei Sargog: Wer eingreift, stribt. Ja, das nahm ich ihm noch immer übel. Ingo fragte, ob mich das so sehr beschäftige und ich meinte, dass ich es einfach nicht vergessen wollte. Wie Jessica Ingo kontrollierte, damals. Ingo nahm es aber gelassen und meinte, es war gut, Orodaro mal so ergriffen zu erleben. Ingo meinte, es war schade, dass sowas nicht öfter passierte. Es zeigte, das der Mensch hinter der Fassade des Kriegers noch irgendwo da war. Orodaros Schwert ging bei der Schlacht verloren, bei der der 1. Dämmersturm besiegt wurde. Das war mir natürlich neu. Orodaro hatte wohl schon einmal einen Söldnerbund, den er wohl bis auf den letzten Mann verlor.

Damals hieß der Bund noch "Nachtwind" und zu der Zeit trafen Ingo und Reth ihn das erste Mal, in den Pestländern, als sie dort ein Grab am Faulholzsee besuchten. Kurz darauf kam es zu dem Debakel in den Sümpfen. Der Kommandant erschuf den Bund von Grund auf neu. Das musste ich erstmal verdauern, zündete meine Pfeife an. Ich meinte nur, dass die Sümpfe hart umkämpft wurden und eine Bergung schwer werden würde. Ingo gab zu bedenken, dass der Kommandant seine alte Waffe in Nordend verlor und da sicher gern eine geschichtsträchtigere Waffe haben möchte. Ich meinte, ich würde wohl auch alles tun, um die Erbstücke meiner Familie zu finden, sollte ich sie verlieren. In dieser Hinsicht verstand ich den Wunsch des Kommandanten durchaus. Ingo fragte sich, wer wohl mit gehen würde. Er meinte, vielleicht Al und Bonniy. Ich meinte, wenn die Kurlsgart-Sache erledigt wäre, würde ich auch gern dabei sein. Und natürlich stand ja noch unsere Reise nach Lordaeron an. Ingo meinte, wir würden sehen, wie es sich entwickelte. Ich meinte, wir hatten ja genug fähige, neue Leute. Ingo meinte, meine Technik habe sich verbessert. Wiederholung sei der Schlüssel, schaffe Routine. So das ich bald schießen könne, ohne groß zu überlegen. Doch er meinte auch, ich solle nie die Konsequenzen der Benutzung meiner Waffe vergessen. Ich meinte, er solle mir irgendwann noch erklären, wie man sich nicht ablenken ließ und wie man einige Munition her stelle. Ingo bat mich, ihm Berichte zukommen zu lassen, wenn ich mit Rarnulf in Kurlsgart angekommen bin. Vielleicht kam Radbach ja nie wieder. Und wenn doch, würden wir hoffentlich da sein. Ingo verabschiedete sich, während ich noch etwas trainierte.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Das Tagebuch von Freyri Heldenhammer
BeitragVerfasst: 20. Feb 2013, 17:13 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 520
Geschlecht: männlich
Freitag, der 30. November

Nachtrag:

Heute nachmittag kam ich ins HQ, wo ich Su traf. Auch Ciaphas kam dann dazu. Suadya meinte, Al sei oben mit einem Fremden. Also gingen wir mal gucken. Cia sprach dabei mit seinem Hundewelpen. Fand ich irgendwie seltsam. Der Typ hatte ne pompöse Rüstung und wollte wohl in den Bund. Er stellte sich als Merkudes Dunkelklaue vor. Grenams Bruder, also. Tja, zu dumm, dass der Kommandant nicht da war. Al fragte den Kerl noch, ob er sein Hirn denn besser einschalten könne als sein Bruder. Ich ging wieder runter zu Su und fragte sie, wie es ihr ging. Sie meinte es ging ihr gut, abgesehen von den Umständen. Su fragte, wie es im Bund so lief und ob Alvrim brav war. Ich meinte natürlich, dass Al der bravste Mensch sei, den ich kannte. Su meinte, wir sollten die Ruhe genießen, solange sie nicht da war. Ich meinte, ich freue mich drauf, wir würden sie vermissen. Das schien Su zu wundern. Ich meinte, dass ich sie für fähig hielt und ihr vertrauen würde. Su meinte, da wären Al und ich wohl die einzigen. Ich meinte, das würde täuschen. Gab einige, die genau wussten, was sie drauf hatte. Su meinte, seit Simos Tod habe sie wohl verschissen. Die Sache nagte noch immer sehr an ihr. Ich meinte, ihren Rang als Mitläufer habe sie nur inne, weil sie momentan eben inaktiv war. Sie solle sich keinen Unsinn einreden. Simos Tod war ein Unfall, sagte ich ihr. Nicht ihre Schuld. Su meinte, sie habe die Waffe geschwungen. Und man würde sie im Bund teilweise wie Dreck behandeln. Ciaphas hatte sie nicht einmal gegrüßt. Nun meinte sie, würde sie mich nerven und entschuldigte sich. Ich meinte, das es halt ein paar Ärsche im Bund gab, sie sich auf die Meinung anderer aber nicht versteifen sollte. Meinte auch, dass ich immer gern zuhören würde und sie mich nicht nervte. Sie meinte, sie habe Angst vor Ian. Ich warnte sie, ihn nicht zu provozieren, doch alles gefallen lassen musste sie sich ja auch nicht. War wie bei mir und Natter.

Ian hatte Su wohl gedroht. Ich meinte, ich würde mir ihn und seinen Bruder vielleicht mal vorknöpfen. Sua meinte, dass Mara verschollen ist und sie sie zuvor mit Ian und Alex gesehen hätte. Wusste ich nicht. Ich meinte aber, dass die beiden sicher nicht so verkommen waren, ne Kameraden umzubringen. Doch man sollte vielleicht ein Auge auf die beiden haben. Grenams Bruder kam nach unten, setzte sich unten an den Tisch. Ich meinte, Su mache sich zu viele Gedanken und sie verabschiedete sich dann auch schon. Ich ging dann nach oben und erzählte Al, dass Su weg war und Grenams Bruder nun unten hockte. Al fragte, ob ich nicht bei Rethorns Beutezug nach Stratholme dabei wäre. Ich meinte, eigentlich schon, aber vielleicht kommt was dazwischen, wie zum Beispiel Kurlsgart. Al meinte, er würde dann wohl alleine schauen, dass Reth und Ingo da oben keinen Unsinn machte. Er erinnerte mich daran, wie sie in Nordend drauf waren. Blutschwur gegen die Untoten. Tja, ich würde wohl in Kurlsgart sein. Wir gingen nach unten. Grenams Bruder war inzwischen gegangen. Ich erzählte Al von Radbach und er meinte, dass immer wieder neue Schurken auftauchen würden. EIn Krieg folgte dem anderen. Wir hätten nen Job fürs Leben. Ich meinte, dass so wenigstens die Kasse klingelte, es aber seltsam war, vom Töten zu leben. Wenigstens bewirkte man auch hin und wieder etwas Gutes. Ich meinte, dass ich versuche, das nicht zu sehr an mich heran zu lassen. Dann fragte ich Al, ob alles in Ordnung war. Er meinte ja, antwortete aber zu schnell. Ich schmunzelte. Die Tour kannte ich von ihm ja schon. Al gratulierte Cain, der wohl befördert worden war, zum Mitläufer. Ich schloss mich dem an. War immer gut, fähige Leute um sich zu haben. Wir machten uns über seinen Hund lustig und ich fragte ihn, was mit Mara war. Ihr Verschwinden kam mir seltsam vor, aber andererseits war sie eine Magierin und nicht vereidigt. Sie konnte gehen, wann immer sie wollte.

Ich meinte, wenn ich einfach so gehen wollen würde, würden es auch die Wenigstens erfahren. Ciaphas meinte, Mara hätte nicht das Zeug zum Soldaten gehabt. Ich meinte, dass sie vielleicht auch die Kontrolle verlor. Hatte das schon mal erlebt. Ich bezog mich dabei natürlich auf Leslay. Al meinte, dass wir so wenigstens eine tickende Zeitbombe weniger hatten. Ich meinte, andere würden dazu kommen. Dann meinte ich, trainieren zu gehen. Beim Depot bemerkte ich, dass Alvrim mir gefolgt war. Noch einmal fragte ich ihn, was denn los sei. Das er in Gegenwart von Cain nicht frei sprechen wollte, war klar. Hier waren wir aber unter uns. Al meinte, er wolle mich nicht stören. Meinte nur, er würde mich nicht stören und trainierte ein wenig, während Al sich hinter sich an einen Baum lehnte. Ich meinte dann, dass doch irgendetwas war. Ich meinte, er solle es sagen, wenn ich nicht weiter nachhaken solle. Al meinte, ich hätte Tari knapp verpasst, sie hätte nach mir gefragt. Er selbst behauptete, einfach nur nachdenklich zu sein, würde ja vorkommen. Das stimmte natürlich. Ich meinte, dass ich bei sowas meistens hierher zum Depot kam um zu ballern oder oben auf dem Berg meditierte. Ich hörte dann mit Schießen auf. Ging irgendwann auf den Geldbeutel. Wollte wissen, was Tari denn so gesagt hatte, doch er wusste es nicht. Sie habe fluchtartig das Weite gesucht. Ich grinste nur und schoss dann ins Geäst über Al, um Schnee auf ihn herab regnen zu lassen. Er meinte nur, ich kann froh sein, dass er nicht Rarnulf wäre. Mit dem konnte man sich solche Späße nicht erlauben. Al meinte, dann würd ich zur Strafe in ner Putzkolonne landen. Ich meinte nur, das würde den Charakter stärken. Einige hättens ja nötig. Ich schoss dann wieder auf die Ziele und meinte, dass es wenigstens grad keinen Ärger gab. Al meinte, das sei nur eine Frage der Zeit. Daraufhin meinte ich, dass wir bisher immer mit allem fertig geworden sind. Wir waren ja keine Anfänger. Ich meinte zu Al, dass eine Mission in den Sümpfen des Elends richtig schief gegangen war. Al meinte, der Neue, Sirias, hätte die Sache teilweise versammelt. Ja, war schon scheiße. Man musste sich auf jeden verlassen können, sonst wären die Konsequenzen bitter.

Al meinte, sowas war immer mies, konnte aber passieren. Daher wäre ein Trainingslager vielleicht eine gute Idee. Ich meinte, manche gehörten mal richtig geschunden, damit sie Disziplin zu schätzen lernten. Training in verschiedenen Geländearten wäre da nicht verkehrt. Al stimmte mir zu, man konnte sich ja nicht aussuchen, wo es hin ging. Ich meinte, zu viele markierten gern den harten Einzelgänger. Das konnte auch durchaus klappen. Bei Sirias hatte es das wohl nicht. Al meinte, er brauchte nicht nen Typen der wie Natter drauf war, auf den konnten wir gut verzichten. Ich hatte genau das selbe über den gedacht. Grenams Bruder kam mir genau so rüber, aber war zum Glück wieder weg. Al meinte, es gab im Bund einige Sachen, auf die man aufpassen musste. Fragte ihn nach Beispielen. Er zählte einige Leute auf und das reichte schon. Viele waren nicht besonders diszipliniert oder kooperativ. Zusammenhalt wäre echt toll, aber sowas konnte man eben nicht erzwingen, meinte ich dann. Al meinte, man muss sich ja nicht leiden können, aber gegeneinander zu arbeiten war Mist. Ich meinte, auf Mission klappte es zwar meist, das Ganze konnte aber viel besser laufen, wie ne gut geölte Maschine. Manche aber waren wie Stöcker im Getriebe. Ich fragte Al, ob er mit zum Depot runter kommen würde, sonst würde ihm doch der Arsch festfrieren. Al kam mit, meinte aber, sein Arsch ging mich nix an. Ich lachte und meinte, wir würden die anderen schon auf Trab bringen. Drinnen setzten wir uns ans Kaminfeuer. Al meinte, er verstand nicht, wie manche so lange überleben konnten. Ich antwortete, dass das Glück wohl mit den Dummen war. Muskeln alleine brachten es aber auch nicht nicht immer. Irgendwann kam das böse Ende. Ich meinte, man konnte die Leute ja auch nicht von Grund auf ändern. Al gab mir da recht. Auch meinte ich, dass man nicht für andere mitdenken konnte, die wären ja dann irgendwann nur Balast, egal wie gut sie kämpfen konnten. Al meinte, dass die dann auch noch Stress schoben, wenn man etwas lösen wollte. Ich meinte, er als Rottenmeister hätte ja Einfluss. Al meinte, dass sollte ich mal Leuten wie Julius oder Natter erzählen.

Ich hab Al von meinem Tagebuch erzählt, und wie Julius laut meinen Aufzeichnungen in Westfall Alvrim oft ganz schön untergraben hatte. Ich meinte, das würde irgendwann ein Nachspiel haben, wenn er so weiter machte. Al meinte, Julius wickelte Natter um den Finger und versuchte das bei den anderen Frauen auch. Scheinbar hatte Ingo wohl recht, was ihn betraf. Al meinte, Julius habe schon nach zwei Tagen im Bund gesagt hatte, er wolle Rottenmeister werden und sei dafür am Besten geeignet. Fand ich schon derbe. Ich meinte, dass ich ihn damals noch für einen guten Kameraden gehalten hatte. Heute... konnte man nicht wissen, was der alles für Macht tun würde. Man konnte einem immer nur vor den Kopf gucken, nicht aber hinein. Al meinte, er sei fähig, aber auch ein Oppurtunist, der alles tun würde, um seinen Stand zu festigen. Ich meinte, dass es ihm aber an etwas mangelte und ich hoffe, dass er so schnell nicht Rottenmeister werden würde. Gab Leute, denen ich einfach nicht gehorchen wollte. Al hakte nach und ich meinte, Julius hätte kein Feingefühl, Mitgefühl, für ihn zählte nur die Mission. Wie in Westfall, wo es mir so dreckig ging. War ihm egal. Sich auf die Mission zu konzentrieren war lobenswert, aber da würde ich mich wie ein Bauer fühlen, der geopfert werden kann. Al meinte, manchmal durfte man einfach kein Mitgefühl zeigen und da gab ich ihm auch recht. Dennoch kam mir Julius... in dem Sinne verkehrt vor. Vielleicht würde sich das ja irgendwann mal bessern. Ich zündete meine Pfeife an, genoss die Ruhe. Al meinte, es würde nicht zu mir passen, Söldner zu sein. Ich meinte, dass ich wohl auch eines Tages aufhören würde. Vielleicht zurück zu den Gebirgsjägern. Oder Waffenbauer werden.

Ich meinte, dass ich durchaus schon planen würde, was wäre, wenn ich gehen müsste. Hoffte aber, noch einige Abenteuer mit der Truppe erleben zu können. Irgendwer müsse ihm ja den Rücken decken, meinte ich zu Alvrim. Al fragte, was er mich besser nie machen lassen solle, damit ich nicht gehen müsse. Ich meinte, da hätte er wenig Einfluss drauf. Mist wie bei dem Benge im Dämmerwald konnten halt passieren. Oder Streitigkeiten, Differenzen, wie mit Natter. Allerdings würde ich es auch nicht heraus fordern, meinte ich noch. Konnte ja sein, dass ich noch Jahre dabei war. Al sinnierte über seine Herkunft und ich meinte, dass er Geld hatte, sich etwas leisten konnte, ein Zuhause hatte. Das war doch schonmal etwas. Al gab mir da recht, fragte, wie es bei mir war. Wusste nicht, was sich meine Eltern für mich gewünscht hätten. Aber es ging mir gut, ich hatte Frieden mit mir selbst geschlossen, wusste, dass ich was auf dem Kasten hatte. Al fragte, ob ich etwas bereuen würde, abgesehen von der Sache mit meiner Mutter und dem Bengel. Ich meinte, es sei in Ordnung so. Alles, was geschah, hatte mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich meinte, ich sei zu jung, um schon bedauernd zurück zu blicken. Ich meinte, es gab noch so viel zu erreichen, so viel zu lernen und zu erleben. Die Fehler der Vergangenheit würde ich nicht vergessen, aber ich würde mich auf die Gegenwart und die Zukunft konzentrieren. Al erhob sich und meinte, Percy und er könnten froh sein, dass ich ihnen den Rücken deckte. Er meinte, aus mir würde was werden, das merkte man. Da wurd ich ganz verlegen, meinte aber, dass ich mir Mühe gab. Al ging dann und ich starrte noch ein Weilchen nachdenklich ins Feuer.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Das Tagebuch von Freyri Heldenhammer
BeitragVerfasst: 10. Mär 2013, 14:02 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 06.2012
Beiträge: 520
Geschlecht: männlich
Montag, der 3. Dezember

Nachtrag:

Heute mittag klopfte Tari bei mir an die Haustür, voll leise. War gerade dabei, mein Gewehr zu reinigen. Hätte es fast nicht gehört. Ihr Besuch hat mich schon überrascht. Natürlich hab ich mich gefreut. Hab gefragt, ob sie ihr Gewehr gereinigt haben wolle. Tari nuschelte, war voll verlegen. Sehr niedlich. Ich guckte sie leicht besorgt an. War etwas passiert? Fragte sie, ob sie rein kommen wollte, sie fragte mich dann aber, ob ich ein paar Minuten Zeit hätte und ob es mir gut ginge. Fand ihr Verhalten aber auch etwas seltsam. Ich meinte, dass es mir durchaus gut ging, ich auch Zeit hätte. Erklärte ihr, dass ich grad am Warten meines Gewehrs war und nur meine Hände waschen musste. Fragte, ob sie mit mir jagen wollte, müsste in dem Fall nur meine Rüstung anziehen. Ich meinte, sie würde schon gern, fing dann aber extrem an zu nuscheln, sprach dabei auch immer schneller und starrte verlegen auf den Boden. Hätte sie fast nicht verstanden. Aber sie hatte gemeint, dass ihr Ohm in der Stadt war, sie ihm aus Versehen von mir erzählt hätte und er mich nun kennen lernen wollte. Sie nuschelte noch, dass es ihr leid tat. Brauchte einige Sekunden, dass zu verdauern, dann fragte ich, wo er denn sei und versicherte, es müsse ihr nicht leid tun. Sie meinte, er warte in der Taverne. Ich entgegnete, dass passte gut, ich hatte noch nichts gegessen. Kurz wusch ich meine Hände, dann gingen wir auch zur Taverne. Ich fragte Tari, ob sie ihrem Ohm nur Gutes von mir erzählt habe. Sie meinte, natürlich. Hätte ihm aber erzählt, ich sei Söldner. Dann entschuldigte sie sich noch einmal. Sie bat mich, ihm die Sache mit der Wache, die sie belogen hatte, nicht zu ezählen. Wir gingen zum Militärviertel, Bruuks Eck. Mir wurde nun doch etwas mulmig. Tari meinte, ihr Ohm wäre nett. Meistens. Ich war sehr gespannt. Ich meinte, wenn er wie mein Opa wäre, wüsste ich, wie ich mich zu benehmen hatte. Tari meinte, ich solle ganz ich selbst sein, doch ich meinte, dass ich ja auch frech sein konnte. Das wäre hier natürlich keine gute Idee.

Mortosch Axttanz war ein sehr alter Zwerg. Vielleicht so alt wie Ingo, vielleicht noch älter. Ein Vollbart, genau so wie ich, buschige Brauen, weiße Haare. Viele, viele Falten. Der Kopf war fast kahl, aber ein langer, prächtiger Zopf ging ihm noch weit den Rücken runter. Als wir näher traten, erhob er sich von seinem Stuhl. Tari verbeugte sich und ich tat es ihr gleich. Als er mich Herr Heldenhammer nannte, meinte ich, dass Freyri genügte. Da meinte Tari plötzlich "Seht Ihr, er ist ganz nett und höflich". Ob sie es zu mir sagte und Mortosch meinte oder umgekehrt, wagte ich nicht zu fragen, doch sah ich echt verdutzt aus. Mortosch meinte, er freue ihn, meine Bekanntschaft zu machen und ich meinte, die Freude sei ganz meinerseits, es sei eine Ehre. Ich fragte, ob wir etwas essen wollen. Mortosch verneinte, er würde bei Bier bleiben, dann bedeutete er uns, Platz zu nehmen und setzte sich wieder. Ich nahm auch eins, meinte ich und drückte Tari einen Silberling in die Hand. Rückblickend total unverschämt von mir. Morgosch machte einen netten, weisen Eindruck. Doch war er auch trotz seines Alters sehr respekteinflößend. Ich meinte zu Mortosch, dass ich hoffte, die Reise sei ohne Zwischenfälle verlaufen. Er meinte, es war ein weiter Weg aus dem Alterac, doch ein Greif wäre für Zwerge seines Alters eine große Hilfe. Tari ging Bier holen. Ich meinte, Reise per Greif sei besser als eine lahme Karawane, gerade ich als Wildhammerzwerg wisse Greifen zu schätzen. Mortosch meinte, Tari hätte ihm schon einiges über ihre Erfahrungen hier erzählt, darunter auch von mir. Er fragte, wie es mich nach Eisenschmiede verschlagen hatte. Tari bestellte mir auch gleich Hüftsteak. Sie kannte mich wirklich gut. Ich erzählte Mortosch, dass mein Vater in Kharanos beerdigt war und meine Mutter in Thelsamar. Da mein älterer Bruder meist fort war, kümmerte ich mich um die Gräber. Eisenschmiede lag zentral genug, um Heimat genannt zu werden, obwohl ich das Hinterland vermisste.

Mortosch meinte, dass sei löblich. Er fragte, wie ich sein "Kieselchen" kennen gelernt hab. Sie würde immer stottern, wenn sie anfing zu erzählen. Ich erzählte, wie sich vor der Tür meines "Arbeitgebers" stand und ihr Gewehr repariert haben wollte. Mortosch war erbost, dass Tari da schluderte, doch ich erklärte ihm, wie es ihr beigebracht hatte. Da war er beruhigt. Das Gewehr hätte ihm schon im Krieg der Drei Hämmer gute Dienste geleistet. Er fragte mich, warum ich Söldner war und ich meinte, dass ich nach dem Tod meiner Mutter im Zweiten Krieg die Gebirgsjäger verließ und umher zog. Mit der Armee mochte ich mich nicht anfreunden, aufgrund des Menschenkönigs und seiner Vorgehensweise. Das hat Mortosch wohl schockiert. Ich meinte, dass ich außerdem eine Menge lernte und mir dies nützlich sein würde, wenn ich einen anderen Weg einschlug. Er fragte, ob die Gebirgsjäger wieder eine Möglichkeit wären und ich nickte. Das Korps oder eben der Zwergenmörsertrupp, wo schon mein Vater bis zu seinem Tod diente. Das schien ihn zu beschwichtigen. Wir tranken unser Bier, ich aß etwas Hüftsteak. Auf die Frage, was ich vom Rat der Drei Hämmr hielt meinte ich, dass Einigkeit wichtig war. Das Frieden der Clans eventuell wichtig war. Kriege hatten unser Volk als Ganzes ausgedünnt. Das war auch ein guter Grund, eines Tages wieder Gebirgsjäger zu werden. Um das Land zu verteidigen. Ich meinte aber, dass ich nicht sicher war, ob man Moira Thaurissan trauen konnte. Ihr Sohn aber könnte mit der richtigen Erziehung genau der Zwerg werden, der die Clans vereinte. Ich hielt den Rat für eine gute Sache, obwohl man die Konflikte der Clans überall sehen konnte. Mortosch war zufrieden. Sah es genau so. Dann meinte er zu Tari, sie solle mich erst vor den Altar schleifen, wenn ich wieder Gebirgsjäger war. Tari wurde knallrot, ich verschluckte mich fast am Steak. Dann meinte er zu mir, ich sollte sie glücklich machen, er würde mich einen Kopf kürzer machen, sollte sie je wegen mir weinen. Und keine Unsittsamkeit vor der Ehe, betonte er. Ich wurde nun auch knallrot, wagte nicht einmal, zu Tari zu schauen. Dann meinte ich aber, dass ich nie etwas tun würde, was Tari traurig machen würde und das ich tierisch auf mich aufpassen würde. Fügte noch ein kleinlautes "Sir" hinzu. Er meinte nur, er habe schon ganz andere Köpfe von den Schultern geschlagen.

Ich meinte, ich könne verstehen, dass er stolz auf Tari sei. Sie sei eifrig, mutig und höflich. Eigenschaften, die man heute nicht mehr so oft fand wie früher. Er stimmte zu, meinte aber, man müsse Lügen nicht generell verurteilen. Käme auf die Gründe an. Mortosch meinte, er habe sich nach der Pyromantin umgehört. Er meinte Luzula. Dann fragte er Tari, ob sie wisse, für wen Luzula arbeitete. Tari meinte, Siedefaust war sicher sehr ehrenwert, sonst würde Luzula sicher nicht für ihn arbeiten. Ich konnte mich aber an sein Erscheinen in der Botschaft erinnern und daran, wie ich hastig das Weite gesucht hatte. Mortosch meinte, er habe gehört, Siedefaust sei ein Pyromant. Ich meinte, man dürfe nicht alle Dunkeleisenzwerge unter einen Kamm scheren und das Luzula trotz ihres Berufs keinen böswilligen Eindruck machte. Und das ich ja auch meist da war, um aufzupassen. Mortosch sagte nur, Luzula würde ihm weit weniger Sorgen machen als Siedefaust. Tari meinte, sie habe ihn bisher nicht kennen gelernt und Mortosch meinte, es sei wohl besser so. Ein stinkreicher Pyromant sei kein guter Umgang für sie. Ich meinte, dass Luzula in Ordnung sei, man aber Zauber nie den Vorzug zu gutem, alten zwergischem Stahl geben sollte. Tari meinte, wenn die Gegner zauberte, war auch nicht verkehrt, wenn man Verbündete hatte, die ebenfalls Ahnung von so etwas hatten. Ich meinte, dass Verständnis nicht schadete, es aber böse enden konnte, wenn man die Kontrolle verlor. Ich musste dabei an Leslay denken. Ich sagte, ich hätte so etwas schon gesehen und wünschte dies Luzula nicht. Und Tari wünschte ich nicht, so etwas sehen zu müssen. Mortosch gab uns Recht. Mortosch fragte, was Tari noch so angestellt hätte.

Ich schildete ihm, wie Tari und ich ein paar Trolle jagten und sie mir das Leben rettete. Und das sie auch in der Wildnis trainierte. Er fragte Tari danach und erwähnte das Schlingendorntal und fragte mich, ob ich da auch dabei war. Ich sagte, dass ich leider auf Mission war, sie aber gern begleitet hätte, da ich noch nie im Tal gewesen bin. Mortosch wurde ziemlich sauer, als er erfuhr, dass Tari ganz alleine im Dschungel war. Doch sie wollte eben lernen, alleine zurecht zu kommen, unter realistischen Bedingungen. Mortosch wurde zunehmend ungehalten. Erinnerte mich sehr an meinen Großvater. Er war sauer, dass sie alleine im Urwald ihr Leben riskierte, fern von jeder Hilfe. Tari meinte, schlimme Dinge könnten einen auch in den Bergen passieren. Mortosch erinnerte sie daran, dass Zwerge stark waren, weil sie die Gemeinschaft und die Tradition ehrten. Er sagte, es gab einen Unterschied zwischen mutig und lebensmüde. Er sagte, auch auf dem Schlachtfeld musste man für sich kämpfen, war aber dennoch nicht wirklich alleine. Tari erwähnte einen Gurdnik, wohl einen Freund von Mortosch, der ihr erzählt hatte, was für Sachen er in jungen Jahren angestellt hatte. Dann donnerte Mortosch, dass Tari seine Fehler aber doch nicht wiederholen sollte. Tari meinte, sie wolle ihn und den Clan stolz machen. Meine Geschichte, wie sie mein Leben gerettet hatte, schien ihn aber zu beschwichtigen, da er meinte, auf so etwas könne sie stolz sein. Er sagte, sie solle bei ihrem nächsten Ausflug nicht alleine sein, er wolle nicht noch ein Kind zu Grabe tragen. Dann griff er an seinen Ranzen und meinte, er habe ein Geschenk.

Er schob uns beiden jeweils ein Einwegglas zu, mit einem Deckel und einem Pulver darin. Meines war orange, Tari's war Lila. Öffnete man das Glas, entstand eine Wolke. Ein farbiger Nebel. Mortosch hatte die Gläser von einem Kuriositätenhändler. Ich bedanke mich und verbeugte mich. So ein Nebel konnte einem unter Umständen echt aus der Patsche helfen. Auch Tari war ganz entzückt. Dann aber erhob sich Mortosch und verabschiedete sich. Auch ich erhob und sagte, dass es mir ein Vergnügen war. Dann ging er auch schon und meinte mit einem Grinsen, uns die verdiente Auszeit zu gönnen. Ein sehr netter Zwerg, den muss man einfach mögen. Wobei ich seinen Zorn auch nicht auf mich ziehen möchte. Tari entschuldigte sich, aber ich versicherte ihr, dass ich ihren Ohm toll fand. Er erinnerte mich an meinen Großvater. Und an Ingo. Sie danke, dass ich mir die Zeit genommen hatte und ich meinte, dass ich Mortosch sehr nett fand und man vieles von den alten Herren lernen konnte, auch wenn man es nicht immer leicht mit ihnen hatte. Ich sagte außerdem, dass ja überdeutlich war, wie stolz Mortosch auf Tari war und dass sie definitiv etwas richtig machte. Und ich hatte einen guten Eindruck gemacht, obwohl ich Söldner bin. Tari meinte, sie würde im Alter nicht so schimpfen. Ich aber meinte, dass sie garantiert genau so schimpfen würde. Sie fragte, ob ich so ein Meckerzausel werden wolle und ich meinte, dass die alten Werte weiter leben mussten. Dann kam das Thema auf meine nächste Mission zu sprechen und ich erklärte, dass ich mir Sorge machte. Die Sache mit Isirion, Alex und Ian war noch nicht lange her. Fast wären sie alle getötet worden, in diesen Katakomben. Es konnte ständig etwas schief gehen. Tari fragte, warum so viel schief ging, ob die anderen nicht so gute Kämpfer waren wie ich.

Ich meinte nur, dass der Zusammenhalt nicht immer der Beste war und sich daran etwas ändern musste. Zu viele waren egoistisch, nicht ganz bei der Sache. Das konnte alles viel besser laufen. Ich meinte, dass ich wohl gehen müsse, wenn es nicht mehr ging. Einige waren gute Kameraden, wie Brüder. Andere waren einfach nur Idioten. Tari meinte, ich sollte den betreffenden eine Standpauke halten. Vielleicht war ich auch völlig umsonst pessimistisch. Vielleicht besserte sich das alles ja bald, denn andere sahen das Problem ja auch. Sie fragte, ob ich Ingo meinte und sagte, dass die Gebirgsjäger noch immer von ihm sprachen, er musste also unglaublich gut sein. Ich bejahte und sagte, er wäre mein Mentor. Er hatte Einfluss, genau wie mein Rottenmeister, Alvrim. Tari meinte, Ingo hätten einen seltsamen Namen für einen Zwergen. Ich erklärte, dass er bei Menschen aufwuchs, verabschiedete mich dann allerdings, versicherte Tari aber, dass es mir wie immer ein Vergnügen war. Tari meinte, ich würde die kommende Mission schon schaffen und noch viele böse Halunken schnappen. Ich verneigte mich und nahm das Glas mit dem Nebel natürlich mit.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 25 Beiträge ] Gehe zu Seite  Vorherige  1, 2, 3

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker