Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Der Fall der Taunka-Linie
BeitragVerfasst: 9. Mai 2012, 16:15 
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21.36 Uhr.

Die Männer waren guter Dinge. Tage zuvor starben die Taunka in Scharen. Nord- und Ostflanke waren zermürbt und von Süden heran wehten grün-blaue Banner des Siedlerkorps. Kommandant Gerald von Nordhain wies die Männer an, ihre Waffen zu überprüfen. Eine geordnete Formation sollte vermieden werden, man würde die Taunka so besiegen, wie sie selbst kämpften. Die Doktrin der leichten Infanterie, hier oben sollte sie uns von glorreichem Nutzen sein. Mein Name ist Erwin Richards, zu jenen Tagen war ich Gefreiter des 26. Kampfbataillons von Sturmwind. Geschmiedet am Fuße des Schwarzfels, bewährt in den Schlachten von Steinard. Zumindest trugen wir jenes Zitat auf unseren eisernen Rüstungen, wie sie hier mehr Last als sinnvoller Schutz waren.

Die klappernden Gurte drangen durch den Wald, Vorderlader, Schild, Schwert und Kettenhemd. Die Wappenröcke strichen flüsternd über das Gewächs, nicht einmal in den Sümpfen sah ich jemals solch' wilde Natur. Meine Kameraden starrten aufmerksam durch das Terrain, welches vom Sonnenuntergang berührt, immer mehr der tiefen Röte und stetig wachsenden Schatten wich. Jeder Schritt hinterließ tiefe Spuren, jeder Atemzug ein Unterbrechen der Geräuschdisziplin. Den Handzeichen unserer Vorgesetzten folgend, schritt man Meter um Meter voran. Mal von Gewächs oder Baumstämmen gedeckt, mal offen über kleinere Lichtungen. Wir hatten diese Bestien im Verlauf der letzten Woche bereits weitgehend zurückgetrieben. Diesmal sollten wir die Häuser von Julheim erreichen, Verluste gab es bisher nur wenige. Abendliches Vogelgezwitscher kicherte über uns durch die Baumkronen, dann sah man zwei der Tiere emporsteigen. Eine Feder rieselte mir vor Kimme und Korn des Vorderladers. Doch kaum mehr als einen Lidschlag später riss es mich aus der verträumten Haltung, die sich in der Gefangenschaft dieser malerisch wilden Natur aus Nadelbäumen hielt.

"Taunka-Scharfschütze, in dem verdammten Gebüsch auf elf Uhr!! Einhundert Meter!!!! .. FEINDKONTAKT!", - schrie mein Kamerad, direkt neben mir.

Die Gruppe fand volle Deckung, verteilt auf einer Linie, hinter drei brachialen Baumstämmen. Meine Schulter berührt die Rüstung eines weiteren Gefreiten, der wagemutig hervor linste. Er zuckte zusammen. Angst war hier ein ständiger Begleiter. Denn auch wenn es wenige Verluste waren, die wir bis dato erlitten hatten, allesamt waren es Schüsse, schnell und präzise, die ihre Beute fällten, als wäre sie ein Wildtier. Wir hatten gehörigen Respekt vor den Schützen dieser Taunka, - sich mit den Zwergen zu messen, wäre kein Problem für sie gewesen. Mein Blick wanderte zum Zugleiter, der zu meiner Rechten hinter schwarzem Dickicht kauerte.

"Richards, Gordon, Jansen! Feuerschutz liefern!", - bellte er los. "Schuster, Schmidt, Kesselschwung! Über die linke Flanke! Garfield, Walter, McJohann! Mir nach!"

Ich riss die Waffe herum, streckte meine Hüfte aus der Deckung und legte an. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wo genau der Feind sich nun aufhielt, zumal viele dieser übergroßen Kühe mit Tarnkleidung ins Feld marschierten. Auf elf Uhr hin zielend, irgendwo wo die Kugel keinen Baum treffen würde, drückte ich dann ab. Die Rauchlanze schoss hervor, im Einklang mit den Schüssen meiner Kameraden. Dreimal knallte es, dann die antrainierte Routine. Die scheppernden Kettenhemden um uns herum ließen andeuten, dass sich die anderen Soldaten des Zuges in Bewegung setzten.

"Weiter oben, ihr Trottel!", - wies uns irgendjemand der vorrückenden Gruppe zurecht.

Hand zum Munitionsbeutel. Und während ich den Vorderlader neu befüllte, blendete mich rötlich glänzend das Licht der Sonne. Der Kamerad hinter mir riss mich mit all seiner Kraft zurück hinter den Baumstamm, denn nur einen Lidschlag später fegte eine Kugel an mir vorbei ins nächste Geäst, wo ordentlich Holz splitterte. Er hatte uns im Visier, das verdammte Licht war die Linse seiner Waffe gewesen. Wir kannten die Taunka zuvor nur als primitives Jägervolk, doch es bestand kein Zweifel, dass sie das Schießen mit diesen Waffen von ihren Verwandten aus Mulgore erlernt haben. Ich hing nach, die zwei Gefreiten zu meiner Linken hatten den Beschuss längst wieder eröffnet. Während sie ihre Waffen neu befüllten, wartete ich ab. Hätte ich nun alleine geschossen, wäre ich das einzige Ziel für diese Bestie gewesen. Und nochmal hätte es mich sicherlich nicht verfehlt. Als ich mich der nächsten Salve anschloss, sahen wir unsere Kameraden bereits ein gutes Stück weiter oben, sie hatten ihn jeden Moment eingekesselt. Wir sahen sechsmal den Rauch der Geschosse losbrennen, dann wurde es still. Hallende Rufe wiesen uns an, weiter vorzurücken. Der Weg war frei. Waffen wurden geladen, die lose Formation neu ausgerichtet. Wir schritten den Hügel hempor.

Kaum mehr als zehn Minuten später sahen wir es dann.

Die hölzernen Mauern von Julheim standen von Moos befallen am Gipfel der Anhöhe. Rote Banner der Horde wehten angerissen über den Dächern der Behausungen, die ursprünglich von Menschen erbaut wurden. Wir hatten den Sammelpunkt erreicht, sollten auf weitere Befehle warten. Und während wir warteten bot man mir Rationenreste an. Doch ich empfand ebenso wenig Hungergefühl, wie es jener tat, der mir sein Essen anbot. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Sie lässt den Soldaten denken. So manchem wächst dieses Denken über den Kopf, selbst zu Kriegstagen, die vom Sieg berührt sind. Jeder hier hatte den Tod gesehen, jeder wusste, er kommt schnell und erbarmungslos.

Jemand erreichte unsere Position, ein Mensch. Er trug keine Uniform, bahnte sich seinen Weg zum Unteroffizier. Nach flüchtigem Wortwechsel schritt er weiter, wirbelte Dreck auf und verschwand den Hügel herab. Vermutlich ein Bote, der nun unserem Kommandanten Meldung machte. Dann winkte uns besagter Unteroffizier zusammen.

"Alles klar, wir haben unsere Befehle. Die Miliz im Süden beginnt jeden Moment den Angriff, die Garde von Seenhain und das 54. Unterstützungsbataillon zerlegen die Ostflanke mit Artilleriebeschuss. Unsere Kanonen werden ein Loch in die Wand reißen, wir sichern das Stadtzentrum. Will euch an den Hauswänden sehen. Den Biestern zwischen die Augen zu schießen, ist effektiver, als sich im Nahkampf mit denen zu messen. Verschwendet keine Munition, auf der Entfernung müssen eure Schüsse sitzen. Hört nicht auf zu stürmen, ehe ihr nicht 'ne sichere Deckung gefunden habt. Die werden mit uns rechnen."

Stummes Nicken waren die Folge.

"Ihr seid Soldaten Sturmwinds, - ihr seid das 26. Kampfbataillon. Geschmiedet am Fuße des Schwarzfels!", - setzte er nach. Und mit aufprickelnder Gänsehaut antworteten wir laut, geschlossen, wie im Chor.

"UND BEWÄHRT IN STEINARD!"

"Ganz genau, morgen früh sitzen wir auf Rinderleichen."

Plötzlich unterbrach ein markerschütternder Knall seine Ansprache, - Holz splitterte, Julheims Mauern hüllten sich in dreckigen Rauch. Die Kanone hatte geschossen. Der Unteroffizier sprang auf, riss den Arm herum und schrie zum Hügel empor: "NA LOS! LOS! LOS!!!". Herzrasen setzte ein, ich schwang mich wieder hoch, verschwendete keinen Lidschlag mit nervösem Durchatmen und stapfte an der Seite meiner Kameraden in die Schlacht, hinauf zum düsteren Rauch. Die festen Stiefel retteten meinen Marsch, denn fast rutschte ich an glattem Fels aus, was mich sicherlich weiter zurückgeworfen hätte. Vor mir verschwand Gordon im Rauch der aufgebrochenen Mauer, - den Vorderlader an die Schulter klemmend stapfte ich hinterher, brüllte meine Nervosität ungehemmt nieder. Im wirren Dunst der Schlacht sah ich etwas, das ich mir nicht erklären konnte. Neben dem Kadaver eines blutig zerrissenen Taunka, ruhte ein lebloser, gebrochener Worgen. Meine aufpeitschenden Gedanken wurden jedoch rasch unterbrochen, als sich der stechende Rauch der explodierten Sprengladung legte und ich die Stadt vor mir sah. Mein Schritt verlangsamte sich. Verkümmerte Bestien, angeschlagen und ausgehungert sammelten sich zum letzten Kampf in den hölzernen Gassen von Julheim. Die rustikalen Gebäude waren das Zeugnis menschlicher Handwerkskunst. Zwar nicht besonders kunstvoll, überdauerten sie doch die harte Witterung von Nordend. Ehe meine Eindrücke jedoch wieder zur Realität fanden, bebte die Erde erneut unter Artilleriefeuer. Ein hohes Gebäude, irgendwo am anderen Ende des Bezirks, brach knackend in sich zusammen. Menschliches Gebrüll hallte durch die Straßen. Als es dann zum dritten Mal bebte, fiel es schwer, zu unterscheiden. Der Taunka schritt mit Schlachthammer auf mich zu, hatte mich fixiert und Verzweiflung in seiner animalischen Visage. Jeder wuchtige Schritt, wie ein Kanonenschlag oder meine Sinne waren vom Schlachtenlärm verklärt. Das Atmen vergessend riss ich die Waffe hoch und drückte ab, - Fleisch riss und Blut spritzte mir auf das Kettenhemd. Den Tod der Kreatur wollte ich nicht mit ansehen, ich starrte fort, an eine Hauswand, wo zwei meiner Kameraden Stellung bezogen hatten. Meine Beine trugen mich instinktiv zu ihnen, unbewusst hatte ich bereits begonnen, meine Waffe nachzuladen. Der Drill von Sturmwind, die Erfahrungen des Krieges, in der Schlacht lassen sie einen zum geölten Zahnrad werden, handelnd ohne zu denken.

"Scheiße, die Viecher sehen hier ja noch hässlicher aus!", - brüllte Gordon. "Der Stadtkern is' nicht weit von hier. Richards, sicher meine linke Flanke!"

Mich ließ etwas zusammenzucken, ich starrte über die Schulter. Etwas rotes, halbnacktes stolperte fluchend aus den Gassen. Von Narben übersät, mit einer steinernen Axt in der einen und einem blutigen Taunkaschädel in der anderen Hand. Ich verengte den Blick, legte den Vorderlader an, um die mögliche Bedrohung zu neutralisieren, doch als das haarige Etwas dann anfing, zwergische Hassparolen in den Himmel zu brüllen, rot schimmernd anlief, als würde es jeden Moment in Flammen aufgehen, wirbelte ich bereits herum und schloss mich wieder den Kameraden an. Gordons linke Flanke sichernd rückten wir durch die Straßen Julheims vor, - Schüsse folgten schnell und aus der Hüfte. Ich traf noch einen, Gordon mindestens drei. Er war der beste mit dem Gewehr.

Die Kanoneneinschläge des 54. Unterstützungsbataillons legten die Straßen in Feuer und Rauch. Wir trafen verzögert im Stadtkern ein, auf den Leichen vier erschlagener, haariger Rinderwesen hielt Kommandant von Nordhain feierlich die Standarte der Allianz empor. Um ihn herum die absichernden anderen Züge des Bataillons. Ich schloss zum Unteroffizier auf, sah ihn an einer der Hauswände. Er konnte sein Bein nicht mehr bewegen, es ruhte schlaff auf dem Boden. Gebrochen durch den Hieb eines Taunka, keine Schlacht geht ohne Narben aus. Ich erinnerte mich, zu atmen. Mein Hals war inzwischen trockener, als die Wüste Tanaris'. Das Schlucken änderte nichts daran, die Luft selbst schien in Hitze gehüllt. Im Begriff, den Vorderlader siegreich emporzuheben, erblickte ich allerdings die Realität. Aus einem östlichen Straßenzug bebten, Staub und Dreck vorantreibend, zwei Dutzend Taunka auf den Stadtkern zu. Es kam so plötzlich, dass die meisten es nur durch die Rufe ihrer Offiziere anfingen, wahrzunehmen. Es waren schnelle, zahlreiche Schüsse, die Fleisch von Knochen fegten und sieben von ihnen zu Fall brachten, doch dann war man gezwungen nachzuladen und der Größte unter ihnen, beschmückt mit Ikonen primitiver Wildheit, erreichte bereits Bataillon. Mein Mund ließ kein Schließen zu, seine Axt fegte drei Soldaten in den sicheren Tod. Den Vorderlader ließ ich fallen, Schwert und Schild wurden ausgerüstet. Mit Baumstämmen, Hämmern und Keulen schmetterten sich die Kriegerhelden der Horde voran, ließen gebrochene Knochen und zerschlagene Köpfe in den ersten Reihen des 26. zurück. Von Nordhain stieß die Standarte in die fleischigen Überreste eines Feindes, ehe er zur Klinge griff und uns aufrief, keinen Meter zu weichen. Das eiserne Schild zum Schutze, die Klinge zum raschen Stich darüber angekantet bahnte ich mir meinen Weg über das immer wieder aufbebende Terrain. Feuer, Rauch und Wind trugen den Gestank eines Rindviehs zu mir herüber, sein Streitkolben trug zahlreiche Macken. Die Wucht seines Schlags traf mein Schild, schlug eine tiefe Kerbe hinein und riss mich bei vollem Körpereinsatz zu Boden. Für Angst war in diesem Moment keine Zeit, er näherte sich. Er war bereit, es zu beenden. Doch dann sah ich Stahl durch seine Brust treten, jemand hatte ihm den Rücken durchbohrt. Ich kroch zum Schild, paarte es wieder mit meiner Klinge und fand den Weg zurück in eine aufrechtere Haltung. Gerald von Nordhain schmetterte seinen Zweihänder gegen die Axt ihres Kriegshäuptlings. An beiden Waffen splitterte Metall. Einen Schlag später stolperte der Kommandant, das Gold seiner Schulterikonen war verbogen. Mein Blicks striff die südliche Straße, Menschen in einfachen Kleidungen, zusammengewürfelter Ausrüstung, doch mit allianztreuem Banner bahnten sich ihren Weg voran. Ihre patriotischen Hymmnen überstiegen alles, was ich als Soldat der Allianz kannte. Ich sah, wie ein Gefreiter in Bedrängnis geriet. Er lag auf dem Boden, hätte jeden Moment die Hufe des Taunka zu spüren bekommen, der sich über ihm aufbaute. Doch ich ließ' Zähne knirschen, holte aus und entzweite den sehnigen Arm der Bestie, um die Klinge dann von Blut erfüllt in dessen Haupt zu versenken. Der Kommandant holte zum Gegenschlag aus, striff den Häuptling im Brustbereich und ließ' seine grobe Rüstung zu Boden klappern. Die Milizionäre des Siedlerkorps erreichten die Szenerie und fegten durch die übrigen Taunka. Sie schlugen sich besser, als so mancher Soldat der Allianz, ich schwor mir, nie wieder an der Kraft dieser nordischen Menschen zu zweifeln. Schulterblick. Von Nordhain hatte eingesteckt, ein Loch prangte in seiner Rüstung, die Axt hatte sich hineingegraben. Doch zu unser aller Überraschen, abermals wuchtete er seine Klinge empor, ließ den Rinderhäuptling vom Torso aus aufwärts zum Hals hin bluten, riss seinen eigenen, gesamten Körper herum und schmetterte ihm Allianzstahl ins Hirn. An mir stürmten Sanitäter vorbei, die sich ihren Weg zum Kommandanten bahnten, stießen mich gar fast zu Boden. Der Schmerz in meinem Arm setzte langsam ein, der Treffer zuvor hatte eine ordentliche Prellung hinterlassen.

Doch der Kampf war gewonnen, über Julheim sollten wieder blaue Banner wehen.

_________________
Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


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