Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Der Schlächter von Sturmwind
BeitragVerfasst: 11. Apr 2015, 22:32 
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Fortschritt ist wie der unvermeidliche Wechsel von Kindheit zum Alter.
Außer, dass Fortschritt eigentlich nie Verfall bedeutet. Man kann eine
Gesellschaft betrachten und findet sie trügerisch konstant, im Wandel
der Zeit. Doch wenn man schließlich Jahre zurück blickt, bemerkt man
dennoch die tief greifenden Veränderungen. Es ist nicht dasselbe wie früher.
Es wird nie wieder wie früher sein. Eine Gesellschaft wird sich weiter entwickeln,
doch sie wird wohl nie wieder zum Urzustand zurückkehren. Der Mensch schaut
mit krankhafter Sehnsucht zurück, sehnt sich nach Dingen, die einmal waren
und nie wieder sein werden. Sie erleben die guten, alten Zeiten in ihren
Erinnerungen, doch egal wie gern sie es würden, sie können nie wieder zurück.
Mit Intelligenz und dem richtigen Bemühen kann der Mensch seine Zeit auf
der Welt genießen, so gut es geht. Mehr kann er nicht tun. Zivilisation und Zeit
marschieren gnadenlos weiter und es gibt nichts, was wir dagegen tun können.


- Sigismund Jubel, Gesammelte Schriften, Notizen


Es fühlte sich nicht richtig an. Es fühlte sich falsch an. Jeder Meter, der ihn gen Süden brachte, jede Sekunde, die ihn weiter fort von der Heimat trug. Doch Alexander Simmons wusste nicht, wohin er sonst gehen sollte. Er hatte keine andere Wahl gehabt als Lordaeron hinter sich zu lassen. Ein Mann konnte sein Wappen wechseln, konnte seine Rüstung wechseln. Doch niemals sein Herz. Als Tirion Fordring mit seinem Argentumkreuzzug aus Nordend heim kehrte, sich mit dem Sieg über den Lichkönig und Verräterprinzen brüstete und Herdweiler ihn nur allzu bereit aufnahm und all seine Sünden vergab, da hatte Alexander gewusst, dass ihn nichts mehr in Lordaeron hielt. Sein Bruder war seit Monaten verschollen und galt als gefallen. Und im Gegensatz zu so vielen anderen war Alexander nicht bereit, Fordring einfach so willkommen zu heißen. Nicht bereit, sich dem Argentumkreuzzug anzuschließen. Sein Wappen hatte er abgelegt, seine Rüstung würde er wohl auch wechseln. Doch niemals würde er seine Prinzipien verraten und sich jemandem wie Fordring unterordnen. Man konnte sein Herz nicht einfach zum Schweigen bringen. Konnte nicht ändern, wer und was man war. Obwohl er es durchaus versuchte. Die Aussicht, nun in Sturmwind ein neues Leben zu beginnen, war Grund genug. Er musste die schrecklichen Dinge seiner Vergangenheit hinter sich lassen und nach vorne blicken. Eine andere Option hatte er nicht. Der Weg von Lordaeron in den Süden war mühsam und langwierig gewesen. In Seenhain hatte er sich mehrere Wochen von den Strapazen der Reise erholen müssen. Dabei half ihm ein kleiner Vorrat aus gestohlenen Wertgegenständen, die er vor seiner Abreise aus Herdweiler hatte mitgehen lassen. Der Trubel um Fordrings Rückkehr war eine gute Ablenkung gewesen. Doch viel war es nicht gewesen und alles hatte er in Seenhain verhökert, um an Geld zu kommen. Geld, dass nun langsam knapp wurde. Seine letzten Goldmünzen hatte er in der letzten Woche in Goldhain verprasst, hatte ordentlich die Landesküche genossen und sich innerlich auf Sturmwind vorbereitet. Doch nichts hatte ihn ausreichend vorbereiten können. Mann konnte sein Wappen wechseln, konnte seine Rüstung wechseln. Doch niemals sein Herz. Und eben dieses schrie vor Abscheu, Entsetzen und Heimweh, als er mit seinem Gaul, Barean, die Stadttore von Sturmwind passierte und durch das Tal der Helden ritt. Er sah Jünglinge, die Schwerter trugen, diese aber offensichtlich nie im Kampf geschwungen hatten. Er sah blasse, hochnäsige Damen, die wie Gänse schnatterten und deren größte Sorge ein Sonnenbrand oder ein abgebrochener Fingernagel war. Alexander Simmons brauchte nur Sekunden um zur Erkenntnis zu kommen dass er Sturmwind hasste, für alles was es stand. So wie er Fordring hasste, für alles was er stand. Im Grunde hätte er sich die Reise gen Süden eigentlich sparen können. Doch in Herdweiler hatte ihn alles an die Verluste und den Schmerz der letzten Monate erinnert. Es war vielleicht keine gute Entscheidung gewesen, nach Sturmwind zu reisen. Aber besser noch als den Freitod durch einen Ritt zu den Verlassenen zu suchen. Nun war er hier. Er würde etwas daraus machen müssen.

Optisch war Sturmwind äußerst beeindruckend. Die weißen Mauern erinnerten ihn durchaus positiv an Herdweiler. Sturmwind war sicher. Relativ gesehen, den vor wenigen Tagen hatte nach einem unglaublich starkem Erdbeben auch noch ein Drache die Stadt heimgesucht und eine klaffende Wunde in das Antlitz der Stadt gerissen. Aber das war dennoch nichts im Vergleich zur ständigen, alltäglichen Gefahr, der man als Lebender in Lordaeron ausgesetzt gewesen war. Alexander konnte die Hochnäsigkeit und Sorglosigkeit der Stadtbewohner durchaus verstehen, auch wenn er sie keinesfalls gut hieß und noch viel weniger vergeben konnte, obwohl ihm die Leute an sich persönlich nie ein Unrecht getan hatte. Allein ihr Anblick und ihr Verhalten genügte, um sie unsymphatisch zu machen. Sie zu hassen, weil sie genossen, was ihm versagt gewesen war. Sturmwind war das Herz der Allianz. Das Zentrum von Ignoranz und Egoismus. Eine schöne Stadt, in der die Makel stets versteckt zu sein schienen. Auch die Burg und die Kathedrale waren ein schöner Anblick. Das Herz der Allianz würde ihm zahlreiche Möglichkeiten bieten. Zwar würde er sich niemals der Armee Sturmwinds und den Streitkräften der Allianz anschließen - aus den selben Gründen, aus denen er den Argentumkreuzzug so verabscheute - doch garantiert gab es auch genug andere Optionen, hier zu Geld zu kommen, ein neues Leben aufzubauen und die Vergangenheit zu vergessen. Alexander fragte nach dem Weg zu einem Stall, wo er sein Pferd unterbringen konnte und wurde zur Altstadt verwiesen. Doch beschloss er, eben dieses Viertel zuletzt aufzusuchen und stieg ab, um langsam durch Sturmwind zu schlendern und die Stadt einer genaueren Betrachten zu unterziehen. Er musste und wollte diese Stadt kennen lernen. Und zu sehen gab es reichlich. Er führte sein Pferd durch das Handelsviertel, betrachtete neugierig den Überfluss an Nahrung und Belanglosigkeiten, um die sich die Menschen nichtsdestotrotz beinah prügelten, obwohl es in Sturmwind wohl alles im Überfluss gab und die meisten Menschen hier nie hungern mussten, nie wirklich etwas entbehren mussten. Am Liebsten hätte Alexander sein Bastardschwert gezogen und einen blutigen Pfad durch die Masse aus Idioten gepflügt. Er spazierte an den Kanälen entlang, passierte das Magierviertel aber nur am Rande. Die Architektur der Gebäude beeindruckte ihn, während der Anblick des Magiersanktums ihm Gänsehaut bereitete. Fast rechnete er damit, dass sich jeden Augenblick eine magische Katastrophe ereignete. Das Kathedralenviertel gefiel ihm am Besten, obwohl er den Glauben an das Licht schon lange verloren hatte. Das Zwergenviertel fand Alexander uninteressant. Er selbst hatte nie zuvor Zwerge gesehen. Ihr Anblick war belustigend, ihre Art irritierend. Sturmwind als Ganzes war irritierend. Neu, unbekannt, groß und laut. Um ein Vielfaches größer als Herdweiler. Alexander fühlte sich unbehaglich. Die Kanäle boten zwar eine gute Orientierungsmöglichkeit, doch er fühlte sich verloren. Er vermisste seine Heimat, vermisste Bezugspersonen. Immer wieder musste er an seinen Bruder denken, was falsch war. Was nur Kummer mit sich bringen würde. Sein Bruder war im Kampf gegen die Geißel gefallen, soweit er wusste. Alexander ahnte, dass er lange brauchen würde, sich an Sturmwind zu gewöhnen. An das ganze Königreich an sich.

Für Menschen, die auf dem Land geboren wurden und aufwuchsen oder nie zuvor
über den beschränkten Horizont von kleinen Höfen und Dörfern hinaus kamen,
musste der Anblick und die Fortschrittlichkeit von Sturmwind enorm verwirrend und
überwältigend sein. Wer an die Wildnis gewöhnt war oder an die Überschaubarkeit
von kleineren Gemeinden, der musste sich in den engen Gassen und hohen Mauern
Sturmwinds verloren vorkommen. Gefangen, wie in einem Kerker oder verloren wie
in einem Irrgarten, an den Sturmwind mit seinen identischen Häusern, Dächern, Straßen
und Gassen durchaus erinnern konnte. Ein natürlicher Ausgleich aber ist das raue Leben
außerhalb der Sicherheit der Stadt. Wer in der Wildnis überleben kann oder sich durch
harte Arbeit gestählt hat, der besitzt dennoch eine Stärke, die die Unwissenheit, der man
als Fremder in Sturmwind ausgesetzt ist, teilweise wett macht.


- Sigismund Jubel, Gesammelte Schriften, Notizen


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