Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Die Kinder Alteracs
BeitragVerfasst: 21. Sep 2016, 04:40 
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Jammertal


Die spätsommerliche Brise fährt durch das Laub der Mischwälder des Nordwestgefälles. Die trockenwerdenden Blätter schütteln sich knisternd. Das Gestrüpp wirft rostrote, undurchsichtige Schatten. Es vermengt sich auf weite Sicht zu unheimlicher Düsternis, die nur an wenigen Stellen vom aschfahl vernebelten Sonnenlicht unterbrochen wird. Säulenartig und kraftlos: Das Geschimmer. Über den Kronen lautet der krächzende Klang alteracscher Sittiche, die ihrem Ruf nachgekommen sind, Unglück zu verheißen. Dem überwucherten, halb zerfallenen Straßenlauf folgen mehrere Karren. Das Waldaroma - dieser krautartige Schleier - nimmt Gemüse in sich auf. Ladeflächen tragen Kartoffeln. Bauern mit Hüten - wohlgekleidet - treiben Vieh vor sich her, das die Karren zieht; wenn sich nicht schon ein Pferd geleistet wurde. Knister, knister: Die Blätter sprechen über den Einfall der Kartoffelernte hinweg. Jeder, der die vorhergehenden Wochen und Monate in diesem Land erlebt hat, begegnet der klangvollen Geräuschkulisse nunmehr mit stillschweigender Ehrfurcht. Die Schlacht am Kaderwulstpass - überhaupt der ganze Zweite Frühlingskrieg - haben eine Wunde hinterlassen, die nun in Mythen und Sagen vernarbt; in Mären von Waldgeistern und jenen Schauergeschichten, die man frechen Kindern zu erzählen weiß.


Kind!
Geh' nicht aus dem Dorf!
Nicht zwischen Eibenwurz und Torf!
Wo Äste, Wurzeln, Stämme streben
erwacht der ganze Wald zum Leben:
Hungert, frisst - ist nimmersatt,
die alte Weide Wucherblatt.


Ins Windgeflüster mischt sich das klappernde Raunen einer Plattenrüstung. Etwa in einhundertfünfundachtzig Zentimetern Höhe verklingt das Geräusch von kantig bestrichener Haut und fallendem Haar. Derebron Darkwood sitzt in voller Montur auf einem Hocker; unweit der Straße - die er sehen kann - neben einem erloschenen Lagerfeuer und zwei güldenen Mitläufern der Sektion Alpha. Er rasiert sich. Militärisch akkurat, weil es sich so gehört. Neben ihm steht eine gefüllte Schwertscheide, rechts von ihm ein eigenhändig polierter Schild. Es ist - das darf man bemerken - sehr laut hier, obwohl keiner etwas sagt.

Karren um Karren rattert vorbei. Die Bauern durchqueren den Wald, um ihre Ernte in Markstadt zu verkaufen. Sie sind in den letzten Jahren schlagartig zu Reichtum gekommen. Sie müssen nicht mehr hungern, weil der Dämmersturm sie aus den schartigen Krallen eines Banditenfürsten befreit hat, dessen Name der Vergessenheit überantwortet wurde; nicht mehr hungern, weil sie ihre Felder bestellen können... Doch allem voran müssen sie nicht hungern, weil es dem Nordwestgefälle dieser Tage schlecht ergeht. Markstadt ist ein desolater Ort, dessen Grundversorgung gerade so gewährleistet werden kann. Zwei Kriege: Der Erste und der Zweite Frühlingskrieg wurden auf seinem Rücken ausgefochten. Das Land der Kobra - dem Herren Bauergard von Markstadt - ist platt und verwildert; ist verarmt, unbestellt und trostlos. Hier jedoch, in den Ländereien des Dämmersturms, wo die Grenzen standhielten, wo die Bäume kein Dorf niederschlugen; wo die Westbergzwerge scheiterten und der Wolf nie einen Fuß hinsetzen konnte, hier... geht es den Menschen gut. So gut, dass sie ihre Überschüsse gewinnbringend an ihre hungernden Nachbarn verkaufen können.

Das Wort des Dämmersturms wurde eingehalten. Das Versprechen von Frieden und Wohlstand. Von Fortschritt! Und die fortschreitenden Karren halten den Grenzen der söldnergeschützten Ländereien entgegen. Die Helden von Lordamm, Dörflingen, Pökelheim, von Alterszapfen und dem kaderwulstschen Pass gedeihen zur Folklore. Kapellen tragen schwarze Banner und wo sich der sagenhafte Mantel über die letzten Jahre spannt, wirft Altvater Legende seine Schatten in die goldgelockte Vergangenheit.

Einer der Sektionssoldaten bietet dem Hüter der Ländereien, dem Nachfolger des großen Julius von Wellenheims, ein gewürztes Stück Fleisch an. Die dankbaren Bauern haben zu Ehren des Dämmersturms einen schwarzen Stier geschlachtet. Derebron lehnt ab. Schweres Essen zu solch früher Stunde raubt dem ganzen Tag die Lebensfreude. Er betupft sein frischrasiertes Gesicht mit einem Handtuch und steht vom Hocker auf. Kurze Schritte tragen ihn näher an die Straße, wo er die vorbeiziehenden Bauern beobachtet. Sie sind guter Dinge. Er dreht sich wieder um. Die beiden Männer der Sektion tragen polierte Bronzerüstungen. Sie glänzen in einer einfallenden Lichtsäule mit dem gleichfarbigen Rostrot des Laubes um die Wette. Das sind gute Männer, denkt Derebron. Er erinnert sich an die Wandgemälde eines gilneerischen Herrenhauses, wenn er sie so ansieht; bloß strecken sich keine weißen Federschwingen, aus ihren oberkörperumspannenden Platten, der Sonne entgegen. Außerdem könnten sie sich mal wieder waschen und etwas gerader stehen; ihre Wappenröcke säubern und das Haar richten. Die Unterschiede zum Wandgemälde, die er sich da erinnernderweise zurechtgedacht hat, sind größer als erwartet: Aber das macht nichts. Wenn Derebron sieht, wie die Bauern zu ihnen herüberstarren; wie sie Patrouillen beklatschen und Brotkörbe ungefragt zu ihren Füßen legen, dann bedarf es keiner Schwingen mehr; dann ist getan, was getan werden musste. Und vielleicht noch etwas mehr.

"Ahner, wir befinden uns in einer vortrefflichen Situation, sehe ich das richtig? Der Krieg ist beendet, den Menschen unter unserem Schutz geht es gut, der Wolf trachtet ausnahmsweise einmal nicht nach unserem Leben und seit mehr als vier Wochen gab es keine Übergriffe auf unsere Lieferungen mehr."

"Ja, mein Herr! Die Lage könnte nich' besser sein, Herr."

"Warum zum Teufel bin ich dann so unzufrieden?"

"Is' vielleicht so'n Soldatending, Herr."

"Was soll das sein?"

"Naja, eben so'n Soldatending, Herr. Wenn Frieden is', dann gibt's nichts zu tun."

"Glaubt mal, Ahner. Ich habe genug zu tun. Bin auf meinen alten Knochen nochmal ordentlich die Treppe hochgestolpert. Nicht zu empfehlen."

"Jaa, aber's gibt kein Gezänk, Herr. Nichts für die Arme und für die Beine. Vielleicht braucht'er mal'n bisschen Entspannung. Ich kenn' da die Anneliese, die-"

"Haltet den Mund, Ahner. Wie viele waren das jetzt?"

"Einundzwanzig, Herr. Fünfzehn kommen noch - wobei' der alte Ulf sich gestern 'n Knöchel verstaucht hat; also sind's wohl doch nur vierziehn."

"Ein Jammer."

"Ja, Herr. Wirklich'n Jammer."

_________________
Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


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