Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Die letzten Tage
BeitragVerfasst: 28. Jul 2016, 11:38 
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Die letzten Tage

Ich habe eine ganze Weile nicht mehr schreiben können. Mein letzter Eintrag ist bereits einige Wochen her und ich habe das Zeitgefühl verloren. Ich weiß nicht genau, was für ein Tag heute ist. Anfang Dezember, das weiß ich. Ich bin noch immer im Außenposten Nordkamm stationiert, wenige Kilometer südlich von Herdweiler, an der Grenze zum Giftwebertal in Tirisfal. Außenposten Nordkamm... oder wie wir ihn nennen: Den Höllengrat. Und diesem Namen macht der Ort alle Ehre. Seit rund einem Jahr heißt es, der Lichkönig sei in Nordend gefallen. Die Geißel sei besiegt. Boten des Argentumkreuzzugs hatten uns immer wieder diese Botschaft gebracht. Die Führung von Herdweiler hatte ihnen nicht geglaubt. Alles Lügen der Untoten, behaupteten sie. Bote um Bote war gefoltert und hingerichtet worden, bis die Silbernen es endlich lernten und keine Boten mehr schickten. Doch bis zum Tod hatte ein jeder an der Behauptung festgehalten: Arthas Menethil, der Verräterprinz, war angeblich unschädlich gemacht worden. Doch warum hatten wir seit einem halben Jahr keinen Kontakt mehr zu Tyrs Hand? Das alles war ein finsterer Plan der Untoten, hatte man uns erklärt. Umso wichtiger war, dass wir aufpassten, wachsam blieben. Aber ich muss gestehen - und das Licht behüte, dass diese Seiten je dem Falschen in die Hände fallen - dass mir der Gedanke gefällt: Wie schön es wäre, wenn die Inquisitoren sich irren würden, diese Lüge Wahrheit wäre und der Lichkönig vernichtet wäre. Wenn wenigstens die vage Hoffnung auf Frieden für uns bestünde. Ich möchte nicht auf dem Höllengrat sterben. Ich habe die Schnauze voll vom Krieg.

- Tagebuchauszug, Stefan Gutglück

Die Hauptstraße weit im Süden, die nach Tirisfal führte, war längst zu einem Bollwerk der Untoten geworden. Dort gab es schon seit Jahren kein sicheres Durchkommen mehr. Der Höllengrat war die einzige Möglichkeit, einigermaßen sicher nach Tirisfal zu gelangen. Oder von Tirisfal in den Landstrich, der heute die Westlichen Pestländer genannt wurde. Es war nur ein schmaler, versteckter Pass in den Bergen, zu schmal für größere Truppenbewegungen. Der Außenposten war auf einem Felsplateau in den Bergen errichtet worden, oberhalb der Passage und mit perfekter Aussicht auf das Giftwebertal im Westen und den Nordkamm im Osten. Es war nur ein kleiner Außenposten, doch gut zu verteidigen. Und eine Sicherung der Grenze war von erheblicher Wichtigkeit. Dezember. Winter. Doch die Jahreszeiten und deren Wechsel waren in Lordaeron kaum zu spüren. So hoch in den Bergen war es kalt. Und tatsächlich schneite es sogar ab und zu. Doch in den tieferen Regionen, abseits der Berge, blieb der Schnee nur selten liegen. In Tirisfal zum Beispiel nie. Als würde die Fäulnis des Landes jeden Schnee direkt schmelzen. In den Wäldern um Herdweiler herum war das etwas anderes. Doch in den von der Geißel kontrollierten Gebieten, wo Seuchenkessel ihre Dämpfe in die Luft spuckten, da blieb kein Schnee liegen. Lediglich die Kälte blieb, die einem durch Mark und Bein drang. Besonders, wenn man sich nicht bewegte. Und auf dem Höllengrat hieß es, einfach nur abzuwarten. Und so fror sich der Zug Soldaten die meiste Zeit einfach nur den Arsch ab, während sie sich die Füße platt standen. Der Außenposten war vom Pass aus kaum zu sehen. Er war schon zu Zeiten der Trollkriege in den Berg geschlagen worden, so dass die Felsen das Lager wie eine Mauer umgaben. Die Aufgabe des Außenpostens war, den Pass im Auge zu behalten. Nach so vielen Jahren des Krieges hatten die Untoten längst von dem versteckten Pass erfahren und die Aufgabe des Zugs bestand darin, Truppenbewegungen der Untoten an dieser Stelle zu verhindern. Als der Pass noch geheim war, war es ein leichtes Gewesen, Vorräte von den wenigen, verbliebenen Bauernhöfen nach Herdweiler zu bringen. Oder, um das Kloster zu unterstützen und gleichzeitig im Ernstfall Unterstützung zu bekommen. Als die Untoten vom Pass und dem Außenposten erfahren hatten, hatten sie eine zeitlang versucht, den Außenposten zu stürmen. Vergebens. Schließlich hatten sie ihre Bemühungen aufgegeben, doch nun waren Truppenbewegungen des Kreuzzugs auch hier riskant geworden. Zusätzlich zu den riesigen Spinnen des Giftwebertals kam nun die hohe Wahrscheinlichkeit, von Spähern der Untoten überfallen zu werden.

Es war noch früh am Morgen, die Sonne war noch nicht aufgegangen, da näherte sich eine Handvoll von Pferden gezogener Karren durch das Giftwebertal. Vögel zwitscherten hier keine, der Himmel hatte ein kränkliches, milchiges Grün wo der nahende Sonnenaufgang langsam die Schwärze der Nacht verscheuchte. Die Wachposten sahen die Kolonne bereits von weitem, gaben Handzeichen weiter und bald sammelten sich Soldaten an den Aussichtspunkten und Schießscharten im Fels. Doch niemand stieg zu hoch auf die steinerne Befestigung. Jeder zog den Kopf sorgsam ein und beobachtete einfach nur, wie die Karren näher polterten. Fast zwei Dutzend Männer und Frauen zählten die scharlachroten Soldaten auf den sich nähernden Karren. Einige trugen Armbrüste. Die Ladeflächen der Karren waren voller Nahrung. Nun, da die Bauern aus dem Westen Tirisfals den Pass sehen konnten, trieben sie die Pferde zu größerer Eile an. Die Sicherheit des Nordkamms schien zum Greifen nahe. Längst war die Stille des frühen Morgens durch das Geräusch von Pferden gestört worden, von den Rufen der Farmer. Nur noch wenige Meter und sie hatten endlich den Pass erreicht. Herdweiler würde sie mit offenen Armen empfangen. Dann aber sirrten schwarz gefiederte Pfeile durch die Luft. Denn natürlich lauerten die Untoten im Unterholz, warteten nur auf die Gelegenheit, unvorsichtige Lebende zu erwischen. Eben deshalb blieb ein jeder Soldat innerhalb des Außenpostens in Deckung. Denn wer seinen Kopf zu weit aus der Deckung hob, der fing sich einen Pfeil ein. Pferde wieherten panisch, als Pfeile sich in ihre Leiber bohrten. Die Untoten konzentrierten sich zuerst darauf, die Tiere zu töten. Binnen weniger Sekunden kamen alle fünf Karren zum Stillstand, da ihre Zugtiere mit Pfeilen gespickt waren. Panisch versuchten die Bauern, ihre Angreifer auszumachen. Einige feuerten mit ihren Armbrüsten ins Unterholz. Doch direkt nach der ersten Salve stürmten die Untoten aus ihrer Deckung. Wie schwarze Schatten kamen sie aus dem Unterholz und fielen über die Bauern her. Die Soldaten in ihrer Deckung konnten sehen, wie die Bauern gnadenlos abgeschlachtet wurden. Handliche Klingen wurden wie Metzgerbeile geschwungen und die panischen Ruhe der Farmer wurden rasch erstickt. Dann wurde es wieder still. Und ohne auch nur ihre glühenden, unmenschlichen Blicke auf den Außenposten zu richten verschwanden die Untoten wieder im Dickicht. Zurück blieben nur die Toten und die mit Vorräten beladenen Karren, die nun niemals ihr Ziel erreichen würden.

"Ich hab's dir doch gesagt, Blain", wisperte einer der Soldaten und wandte sich von der Schießscharte ab und streckte eine Hand aus. David Blain, ein junger Soldat mit schmalem Gesicht und wässrigen Augen, schüttelte über den sich bietenden Anblick enttäuscht, den Kopf. "Ach, scheiße", murrte er und kramte in seinen Taschen. "Zahl schon, du Wichser", beharrte Billy Loomis, ein kräftiger Kerl mit kurzen, schwarzen Haaren und einem breiten Grinsen. "Keine Chance, dass die das gepackt hätten. Ohne Schutz durch den Kreuzzug." Blain legte dem anderen Soldaten ein paar Münzen in die Handfläche. "Selbstmord, ohne Soldaten durch das Land zu reisen. Schnappen wir uns die Untoten? Und holen uns die Vorräte?" Billy schnaubte belustigt. "Wenn wir nach da unten marschieren, fangen wir uns nur Pfeile ein. Die Vorräte sind ein schöner Köder, ja. Aber keiner von uns verlässt den Außenposten in westlicher Richtung. Wäre Selbstmord. Außerdem haben wir größere Hühner zu rupfen. Oder, Leutnant?" Sie alle sahen zum Leutnant, der dem Spektakel unten im Giftwebertal nicht einmal einen einzigen Blick gewidmet hatte. Nun aber richteten sich harte, graublaue Augen auf die anderen Soldaten. "Abmarschbereit machen", kam es aus dem mit Stoppeln umrandeten Mund. Der Leutnant hatte längst seinen Rucksack aufgesetzt und stiefelte nun in Richtung Pass. "Eine Gruppe. Eliot, Hawkins, Gutglück, Loomis, Schaefer, Dillon, Phillips, Blain, Schneider." Die angesprochenen Soldaten lösten sich von den Schießscharten im Fels und beeilten sich, ihre Ausrüstung zu holen. Der Leutnant erwartete sie am Eingang des Außenpostens und marschierte mit der Gruppe dann gen Osten, in Richtung Nordkamm. Eine Bote vom nahen Sägewerk war am Vorabend mit der Nachricht zu ihnen gekommen, dass Jäger in der Nähe von Dalsons Hof im alten Bauernhaus Licht haben brennen sehen. Dieser Meldung musste zumindest nachgegangen werden. Handelte es sich um Untote, die ihren Würgegriff um das Land der Lebenden enger zogen? Oder waren es Deserteure aus Tyr's Hand? Dies galt es heraus zu finden. Und so marschierte die Gruppe durch den dichten Wald des Nordkamms, bis sie die etwas lichtere Rotkiefersenke erreichten. Mit den Bergen zu ihrer Rechten marschierten sie weiter, schauten sich wachsam um, den so weit im Süden konnte man auf kranke Tiere treffen, auf Gnolle oder sogar auf Untote. Dann endlich konnte die Gruppe zwischen den Bäumen den verwahrlosten Bauernhof des alten Dalson ausmachen. Zahlreiche Gefechte waren in all den Jahren an diesem Ort geführt worden. Und ein jeder fragte sich, was sie wohl dort erwarten würde.

Ich möchte nicht auf dem Höllengrat sterben. Das Ende meiner Stationierungszeit auf dem Höllengrat ist so nah, dass ich den Geschmack von Bier schon auf der Zunge habe. Die verhältnismäßige Sicherheit von Herdweilers Mauern ist zum Greifen nahe. Anfang des kommenden Jahres wird der gesamte Zug ausgetauscht werden. Dann geht es für uns zurück nach Herdweiler und irgendeine andere, arme Bande muss diese Drecksarbeit erledigen. Doch ich kann es kaum erwarten, meine Sachen zu packen und diesen verfluchten Ort für immer hinter mir zu lassen. Innerhalb der Mauern Herdweilers werde ich den Schlaf der Gerechten schlafen, werde die Ruhe genießen und die Zeit in der Taverne, werde den Anblick von schönen, blauäugigen Schankmädchen genießen, die mich anlächeln, während sie mir Bier bringen. Ich werde nicht sterben. Ich werde dieser Hölle, diesem Schlachthaus entrinnen. Mit etwas Glück kann ich dem Patrouillen- und Wachdienst irgendwie fern bleiben. Mich um die Ausrüstung kümmern. Oder in der Küche der Kaserne arbeiten. Ich möchte der Front fern bleiben. Ich werde meine Stationierungszeit nicht verlängern, wie es manch andere machen. Ich werde nicht süchtig nach dem Rausch der Schlacht, mich nicht nach dem Gesang von aneinander prallenden Klingen sehnen, nach der nächsten Dosis Nervenkitzel. Ich habe keine Todessehnsucht. Ich werde mich nicht in den Krieg verlieben. So wie Leutnant Simmons.

- Tagebuchauszug, Stefan Gutglück


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