Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Erinnerungen
BeitragVerfasst: 4. Jun 2014, 01:17 
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Geistesabwesend dreht der alte Soldat die Holzfigur in seinen Händen herum. Nachdenklich ruhen die blassgrünen Augen auf dem, von der Zeit berührten, Stück. Abgegriffen wirkt es. Die Farbe des kleinen Models ist schon lange abgeblättert, lässt nurnoch an ein paar Fetzen erkennen, dass dort jemals Farbe war. Es wirkt ebenso alt wie sein Besitzer, doch es scheint unverkennbar. Ein kleiner Leuchtturm. Die "Architektur" scheint offensichtlich gilnearischer Machart zu sein.
Du den Füßen des Söldners steht eine Kiste. Ein Überbleibsel aus der Vergangenheit, mit vielen ebensolcher Überbleibsel geschmückt. Ein leises Seufzen entfährt dem alten Soldaten, als er den Blick wandern lässt. Noch sieht der Raum in welchem Derebron auf dem Bett sitzt recht kahl. Nur ein Bett, sowie ein massiver Tisch mit Stühlen und einer Küchenzeile sind zu sehen. Einfach und irgendwie spartanisch wirkt das Ganze. Doch schon bald soll es wieder mit Leben erfüllt sein. Dieses alte Gebäude, dessen neuer Besitzer nicht minder alt zu sein scheint.

Es dauert nicht lange, da richten sich die blassgrünen Augen des Mannes wieder auf den kleinen Miniaturleuchtturm in seinen Händen und mit diesem Blick kommt auch die Erinnerung zurück. Eine dieser Erinnerungen an längst vergangene und glückliche Tage. Diese Erinnerungen, die auch nach langer Zeit noch schmerzen. Der Schmerz des Verlustes. Es kommt ihm vor als wäre es erst gestern gewesen... Ja, gestern als...


Es war einer dieser Tage. Einer dieser seltenen Tage an denen die Sonne auf Gilneas herablächelte. Die Straßen waren erfüllt mit Leben. Arbeiter die ihrem Tagewerk nachgingen, Händler die ihre Waren feilboten und die Gespräche der Menschen. Das Lachen der Kinder klang hell durch die Gassen. Es war einer dieser Tage, an denen jedermann Draussen war um das Wetter zu genießen. Wunderschön, einladent.
Vielerlei Gerüche zogen durch den Ort und wurden von einer lauen Briese davon getragen. Eine Briese, die die Geräusche und die Gerüche bald vergessen ließ. Eine Briese, die weit in das Land hinaustrug. Grünes Gras herabdrückte und die Wipfel der Bäume im Wind schwanken ließ. Hier Draussen vor der Stadt ging es ruhig zu. Ein paar Landarbeiter bestellten ihre Felder und auch die Tagelöhner gingen ihrem Tagewerk nach. Hier und da befuhr eine Lastkutsche die Straßen und brachte Waren zu den Märkten in der Stadt.

Irgendwo in diesem grün wogenden Meer stand das kleine Örtchen Sturmsiel. Geburtsstätte eines kleinen Jungen und seiner Familie. Diese bestand aus einem Vater, einer Mutter und einem Opa, welche alle zusammen unter einem Dach lebten, in einem einfachen Haus. Der Vater war Berufssoldat, während die Mutter den Haushalt versorgte. Das Großväterchen genoss seinen wohlverdienten Ruhestand.
So passierte es, dass der kleine Junge an diesem wunderbar sonnigen Tag mit seinem Vater im Gras in der Nähe des Leuchtturms saß und die letzten paar Stunden vor dem Abmarsch mit ihm verbrachte. Vor drei Tagen hatte sein Vater einen neuen Marschbefehl bekommen. Irgendwo an einem weit entfernten Ort machten böse Männer die Gegend unsicher und so zog sein Vater, sein Held mit der Armee aus um gegen die bösen Männer zu kämpfen.
"Ich freue mich schon so auf's Abendessen, Papa. Mama kocht dir unser Lieblingsessen. Als Abschied und damit du nicht hungrig gehen musst. So kannst du doch auch besser kämpfen und die armen Leute retten!" Die blassgrünen Augen funkelten den Vater begeistert an, welcher leise lachte. Eine Rauchwolke stieg von der Zigarre auf, welche er sich in den Mundwinkel geklemmt hatte. "Aye. Es gibt nicht's Schlimmeres als hungrig maschieren zu müssen. Zum Glück sorgt deine Mama immer dafür, dass Essen auf den Tisch kommt. Ich wüsste nicht was ich ohne sie machen würde." Er wischte sich eine Strähne seines Haares aus dem Gesicht. "Weißt du was? Ich habe etwas für dich." Die Augen des Jungen funkelten auf. "Was denn, was denn?!" Ein Schmunzeln zog über die Lippen des Vaters. "Mach die Augen zu und streck die Hand aus." Mit einem misstrauischen Blick tat der Junge wie ihm geheißen.
So wartete er einen kurzen Moment, als er etwas Hartes und kühles auf seiner Handfläche spürte. "Uuund Augen auf!" Auf den Befehl seines Vaters hin, tat der Kleine genau dies und sein Blick fiel auf einen kleinen Miniaturleuchtturm. Wunderschön bemalt, sah es aus wie das Original... Nur eben kleiner. Aber das machte ja nicht's. Jetzt hatte er seinen eigenen Leuchtturm! "Danke, Papa!" Begeistert fiel der Junge dem Vater um den Hals, drückte sich an ihn. "Gerne, mein Sohn. Weißt du was? Der große Leuchtturm weist mir immer den Weg, wenn ich nach Hause komme. Auch dieser kleine Leuchtturm soll dir immer zeigen wo dein Zuhause ist!" Glücklich drückte er seinen Jungen an sich und so saßen sie dort einige Zeit eng umschlungen.

Das Abendessen war lecker und am nächsten Morgen brach der Vater nach einem tränenreichen Abschied auf. Es war ein weit entfernter Ort, an welchen die Soldaten maschieren mussten. Zwei Wochen Marschzeit waren bei gutem Wetter angesetzt. Der Junge zählte die Tage, die wie im Flug bis zur Rückkehr seines Vaters vergingen. Doch auch nach sieben Wochen kein Lebenszeichen.
Eines regnerischen Abends klopfte es an die Tür des Hauses und der Junge macht auf, in der Erwartung seinen Vater zu sehen. Doch dort war ein Mann und fragte nach der Mutter des Jungen. Nach dem Gespräch setzte sich die Mutter auf einen Küchenstuhl und brach in Tränen aus. Sie erklärte dem Jungen, dass sein Vater niemals wieder das Licht des Leuchtturms sehen würde. Das sein Vater nie zurückkehren würde...
Damals war der Junge sechs Jahre alt und konnte kaum verstehen, was passiert war...


Eine einzelne Träne perlt aus dem blassgrünen Auge hervor, kullert über die faltige Wange hinab, um schließlich auf dem kleinen Leuchtturm zu landen. Dort zerschellt sie zu vielen kleinen Diamanten, welche im Licht glitzern. Mit einem Schlucken erhebt sich der alte Soldat und stellt die Figur auf das kleine Tischchen an seinem Bett, betrachtet es auch weiterhin. Ja, eine dieser Erinnerungen, die wohl für immer Schmerzen würden.

_________________
Nie stille steht die Zeit,
Der Augenblick entschwebt,
und den du nicht benutzt,
den hast du nie gelebt...


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