Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Feuerprobe
BeitragVerfasst: 1. Apr 2014, 00:33 
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Feuerprobe

Am Horizont seh ich Andorhal
Aus uns'ren Kehlen tönt Kampfesschall
Hundert Ritter stürmen mit mir durch die Nacht
Auf dem Weg zur Front, unser Zorn erwacht

So zieh'n wir los, mit dem Schwert in der Hand
Lebhafter Zorn in einem toten Land
Nichts hält uns auf, gleich einer Flammenwand
Brennender Hass in dem verfluchten Land

Schwindelig vor Wut und Adrenalin
Wie ein Sturm wir durch unsere Feinde ziehen
Stürmen nur vorwärts, schauen nie zurück
Die Schlacht umarmt mich wie das pure Glück

Rüstung aus Hass und das Schwert in der Hand
Gerechte Wut in diesem Albtraumland
Flammenbanner wehen und wir halten stand
Lodernder Eifer im verseuchten Land

Die Wende naht, ihre Reihe bricht
Der Sieg der naht und ich halte nicht
Wir marschieren weiter, im Geist vereint
Bringen den Kampf direkt zum nächsten Feind

So zieh'n wir los, mit dem Schwert in der Hand
Lebhafter Zorn in einem toten Land
Nichts hält uns auf, gleich einer Flammenwand
Brennender Hass in dem verfluchten Land

Und der Zweifel der sagt, dass ich nie gewinn'
Die Hoffnung die schwindet, hat es einen Sinn?
Doch in meinem Herzen, da brennt ein Licht.
Der nächste Sieg wartet schon auf mich.

- Feuerprobe, Alexander Veidt



Teil 1: Finstere Kammern, finstre Lehren

"Du weißt warum du hier bist?" Die Stimme von Hochinquisitor Tremayne drang wie ein Messer durch das Halbdunkel der Folterkammer. Es schien fast, als würden die Flammen der wenigen Kerzen bei seiner rauen, kalten Stimme erzittern, als würde man gegen sie pusten. Doch hier im Keller des Klosters war es absolut windstill. Alexander nickte, blieb jedoch bei der Tür stehen. "Ihr habt veranlasst, dass ich zu einem Inquisitor ausgebildet werde." Alex' Stimme war leise, zögerlich. Schien nur mit Mühe durch den Raum und bis zu den Ohren des Inquisitors zu dringen. Die Gestalt in der dunkelroten Robe nickte. "Ich würde jedoch lieber bei meinem Bruder sein." Er hatte all seinen Mut aufgebracht, um die Worte auszusprechen. Sein Gegenüber hielt inne, regungslos, wie eine Statue. Niemals sah man das Gesicht von Tremayne. Immer war sein Gesicht von einer Kapuze verborgen. Wenn überhaupt, sah nur ab und an das spitze Kinn. Nie jedoch den Rest. Doch Alexander konnte spüren, wie sich der Blick des Inquisitors in ihn zu bohren schien. "Du wirst tun, was dir gesagt wird", schnarrte Tremayne kalt und winkte Alexander heran. Alex gehorchte und schlurfte durch den Raum. "Du begreifst nicht, dass dein Bruder nur eine Belastung ist. Zuneigung? Liebe? So etwas bremst dich." Der Inquisitor legte den Kettenhandschuh auf Alex' Schulter und führte ihn in eine Ecke der großen Kammer. "Die Geißel kennt kein Erbarmen. Kein Mitglied. Sie nutzen jede Schwäche aus und wenn deine Gedanken nur bei deinem Bruder sind, dann ist das eine Schwäche. Wir müssen kalt sein wie der Stahl, den wir im Kampfe führen. Ebenso gnadenlos wie unser Feind. Und wir müssen einen kühlen Kopf bewahren. Wir müssen nach Perfektion streben. Wir müssen stark sein und Schwächen müssen beseitigt werden." Sie blieben vor einer Folterbank stehen. Eine Person lag unter einem schwarzen Tuch. Tremayne riss das Tuch zur Seite und enthüllte einen jungen Mann, nicht älter als Ian. Als sie vor wenigen Wochen beim Kloster angekommen waren, hatten Alex und Ian ihn unter den Flüchtlingen gesehen. Der Junge war gefesselt und geknebelt, der Blick aus den verheulten Augen flehend und ängstlich. "Was hat er denn getan?" fragte Alex den Hochinquisitor. "Er hat Essen gestohlen", antwortete der Hochinquisitor. "Und er muss bestraft werden. Du wirst das übernehmen. Was denkst du, wäre eine passende Strafe?" Alexander schluckte und musterte den Jungen vor ihm. Wenn Ian und er einmal Unsinn gemacht hatten, mussten sie ohne Abendessen ins Bett. "Er bekommt kein Abendessen?" Die einzige Antwort war ein kurzes, freudloses Auflachen aus den Tiefen der Kapuze. "Wir leben in sehr harten Zeiten, Alexander. Wir müssen so viel entbehren. Wir haben so wenig und dieser kleine Mistkerl hat Essen gestohlen. Essen, dass einem anderen fehlen würde. Das ist quasi Verrat. Überlege noch einmal." Alexander sah den Jungen an. Devon war sein Name, fiel ihm wieder ein. Devon sah schrecklich aus, Hände und Füße je einzeln gefesselt. Wie lange lag er wohl schon so auf dieser Folterbank? "Es war in der Tat nicht sehr anständig. Aber sagen wir... eine Woche ohne Abendessen und Strafarbeit im Garten. Das lehrt ihn, so etwas nie wieder zu tun." Tremayne schnaubte verächtlich. "Wenn wir zulassen, dass andere Anstand und Ehre vergessen, werden wir ihnen dieselben Dinge immer und immer wieder beibringen müssen. Wir haben keine Zeit für so etwas. Der Kreuzzug muss stark sein. Unsere Aufgabe ist zu wichtig." Mit diesen Worten schritt Tremayne zur Feuerstelle und holte ein Schüreisen aus der Glut. Alex machte große Augen, ebenso wie Devon. "Aber er ist ein Kamerad!", beharrte Alex trotzig. "Wir müssen doch zusammen halten!" Der Inquisitor hielt ihm die Hand hin, damit Alex den Schürhaken entgegen nehmen konnte. "Wir verkörpern die wahre Gerechtigkeit dieser Welt. Wir sind das Herz des Kreuzzugs. Die Bewahrer des Lebens, der Traditionen, des Wissens und des Anstands. Lass diese Bauern da oben die Schlachten schlagen und wie die Lämmer zur Schlachtbank stürmen, in den Tod. Wir haben die größte Bürde zu tragen. Wir müssen auf ihre Seelen aufpassen! Wir sind es, die den Kreuzzug zusammen halten." Alex nahm mit zitternder Hand das Schüreisen aus der Hand des Inquisitors. "Er ist kein Kamerad. Er ist nur ein Mitstreiter. Ein schwaches Glied in einer starken Kette. Diebstahl mag der Anfang sein. Magst du so einem etwa dein Leben anvertrauen?" Die Stimme des Hochinquisitors donnerte durch die unterirdische Folterkammer. Tremayne zog Devon das Hemd nach oben. "Es ist wie bei einem Apfel. Die verdorbene Stelle muss heraus geschnitten werden." Entsetzt sah Alex den völlig panischen Blick von Devon, der nun auch vergeblich versuchte, zu zappeln. Die Vorderseite seiner Hose wurde dunkel, als er sich vor Angst selbst besudelte. "Aber...", begann Alex, sah den Inquisitor an. Doch da war nur die erbarmungslose Schwärze unter der Kapuze. "Er hat eine Lektion nötig. Schmerz ist ein Lehrer, den niemand ignoriert oder vergisst. Tu es." Alex schüttelte den Kopf. "Warum so eine harte Strafe?" Sein Herz klopfte wie wild, auch er war panisch, musste dagegen ankämpfen, weinerlich zu klingen. Der Inquisitor wandte sich ihm zu. "Wir müssen zusammen halten, ja. Aber so ein Verhalten ist das genaue Gegenteil. Er muss es lernen. Wir dürfen keine Schwäche zulassen. Wenn du es nicht tust, dann mache ich es. Und ich werde nicht gnädig sein." Alexander schluckte und sah Devon an. Langsam näherte sich die Spitze des Schüreisens dem Brustkorb des Jungen. Nie würde er diesen Blick vergessen, nie den Schrei, der kurz darauf trotz Knebel durch den Keller hallte.

Teil 2: Blutsbande

"Er hat eine Prügelei begonnen. Solch kindisches Verhalten hat im Kreuzzug keinen Platz. Du wirst ihn bestrafen, Alexander. Und ich will keine Widerworte hören." Sie hatten sich im Hof des Klosters versammelt. Ian war zwischen zwei Pfählen festgebunden worden, mit freiem Oberkörper. Es war Herbst, recht kühl. Der Himmel war grau und ein beißender Wind heulte aus dem Norden über das Land. Ian hing an den beiden Seilen, die seine Handgelenke mit den Pfählen verbanden und sah über die Schulter zu seinem großen Bruder. "Mach ruhig. Ich bereue nichts. Bringen wir es hinter uns." Ian hatte sich mit zwei Jugendlichen aus Lordaeron geprügelt. Einem hatte er die Nase gebrochen, dem anderen die Schneidezähne heraus geschlagen. Sie hatten gemeint, aus Brill kämen nur Weicheier, Muttersöhnchen und Feiglinge. Unmittelbar nach der Schlägerei hatte Ian noch gegrinst, als habe er einen Schatz gefunden oder den Lichkönig höchstpersönlich erschlagen. Auch jetzt war der Trotz nicht aus seinem Blick gewichen. Er war in den vergangenen paar Jahren gewachsen, stärker geworden. Damals konnte er kaum einen Zweihänder heben. Heute ging er sogar schon auf Patrouillen und musste Wache halten. Alex selbst war von Hochinquisitor Tremayne unter seine Fittiche genommen worden. Er hatte immer gehorcht, gute Arbeit geleistet. Aber er würde seinen eigenen Bruder nicht auspeitschen. Sie beide hatten so gut wie alles verloren. Sie hatten ihre Eltern und Großeltern als wandernde Toten gesehen. Nein, schwor sich Alexander und warf grimmig die Peitsche auf den Boden, er würde seinen Bruder nicht auspeitschen. Tremayne starrte ihn an, aus dem Abgrund seiner Kapuze, wie schon so oft zuvor. "Ich habe mir mehr Stärke von dir erwartet, Alexander. Mehr Schneid." Der Hochinquisitor bückte sich, hob die Peitsche auf. "Wir haben das Gespräch über Schwäche und das Wiederholen von Lektionen oft genug gehabt." Tremayne holte mit der Peitsche aus, schwang sie und ließ die Spitze auf Ian's Rücken klatschen. Ian versuchte zwar, die Lippen aufeinander zu pressen, dennoch schrie er aber auf. Alex ballte die Fäuste und biss die Zähne zusammen. "Wie oft hast du mir in den Jahren widersprochen, Alexander? Waren es drei mal?" Tremayne holte erneut aus, schlug mit der Peitsche zu, dann noch einmal. Bei jedem Schnalzen der Peitsche zuckte Alexander zusammen. Ian hing schnaufend zwischen den beiden Pfählen. "Ungehorsam wird bestraft", rief Tremayne, so dass es alle Anwesenden hören konnten. "Kleinliche Zankereien haben hier nichts zu suchen, wenn wir jedem Tag dem Tod ins Auge sehen. Der Kreuzzug verlangt Perfektion. Wer nicht mit dem Strom schwimmt, wird ertrinken. Prügeleien? Spart euch die Energie für die nächsten Ghule auf." Die Dunkelheit unter der Kapuze richtete sich wieder auf Alex. "Ich glaube, es waren mehr als drei Male. Aber ich habe eine bessere Idee..." Die Stimme des Hochinquisitor war eiskalt, unheilverkündend geworden. "Bindet ihn los und bringt ihn in die Folterkammer." Zwei Soldaten gehorchten. Ian sackte zusammen, kaum dass die Fesseln gelockert waren. Seine Handgelenke waren rot und zerschunden. "Alexander, mach deinen Oberkörper frei. Du wirst für die Taten deines Bruders bezahlen." Sofort war Ian wieder auf den Beinen, wehrte sich gegen den Griff der beiden Soldaten, die ihn in Richtung Keller zerren wollten. "Nein, lasst meinen Bruder da heraus!", rief Ian lautstark, doch er kam gegen die beiden Soldaten nicht an. Und Alex gehorchte, öffnete seinen Mantel, streifte ihn ab, ehe er auch sein Hemd aufknöpfte und auszog. Sein Oberkörper war nicht so kräftig wie der von Ian, doch auch Alexander war gedrillt worden, hatte trainiert und war stark geworden. Seine Haut war ohne Narben. Das einzige Merkmal war das rote "L" auf seinem rechten Oberarm. Freiwillig ging Alex zu den Pfählen, wo er festgebunden wurde, während Ian noch immer zappelnd zum Kerker gebracht wurde. Das letzte, was Ian sah, ehe die Tür sich hinter ihm und seinem Geleit schloss, war die Peitsche, die Alex auf den Rücken knallte.

"Das wird dich hoffentlich lehren, endlich bedingungslos Folge zu leisten", grollte Tremayne, als er Alexander eine Viertelstunde später in die Folterkammer zerrte. Alexander's Rücken brannte wie Feuer, der Stoff seines Hemds und das sanfte Gewicht seines Mantels schmerzte unendlich. Die beiden Soldaten standen mit Ian in einer Ecke. "Bindet ihn fest", befahl der Hochinquisitor und deutete auf die Wand. Die Soldaten gehorchten und banden Ian's Handgelenke an metallenen Ösen fest. Alex sah seinen Bruder besorgt an. Dieser erwiderte den Blick aus stahlgrauen Augen. "Wir haben es verstanden", sagte Alex nun trotzig. "Wir werden keine Probleme mehr machen." Der Hochinquisitor lachte. "Erinnere dich an meine Lektionen. Schmerz ist ein Lehrer, den niemand ignoriert oder vergisst. In der Tat wird es keine Probleme mehr geben, wenn ich mit euch fertig bin." Er ging zu Ian, vergewisserte sich, dass dieser auch wirklich festgebunden war. "Ihr werdet lernen, euch zu benehmen." Tremayne packte Ian's Kinn. "Wann immer du Mist baust, wird dein Bruder dafür leiden. Und umgekehrt." Der Hochinquisitor sah zu den beiden Soldaten und deutete auf Alex. "Bindet ihn auf die Folterbank. Mit dem Kopf nach unten." Alex erstarrte. Was hatte Tremayne vor? Er war wie in Trance, wehrte sich zwar, doch hatte er den beiden ausgebildeten Kreuzzüglern nichts entgegen zu setzen. Und dann fand er sich auch schon auf der Folterbank wieder, festgebunden. Die Bank war ein wenig schräg und sein Kopf lag tiefer als der Rest des Körpers. "Holt mir Wasser", befahl der Hochinquisitor und nahm ein großes Tuch, faltete es einige Male und legte es Alex über den Kopf. Für ihn wurde alles dunkel. Doch er wusste, was jetzt kam. Hatte es selber gesehen, andere selber dieser Folter unterzogen. "Nein", brüllte Ian und Alex hörte ihn zappeln. Dann ging es auch schon los. Tremayne übergoss Alex' Gesicht mit Wasser. Simuliertes Ertrinken war keine schöne Sache. Das Tuch über Mund und Nase, ebenso die schräge Position auf der Folterbank, wo der Kopf niedriger als der Rest vom Körper lag, verhinderte ein Eindringen von Wasser in die Lunge und ein Ertrinken, doch der erhöhte Atemwiderstand, dazu das eiskalte Brunnenwasser. Immer und immer wieder goss der Hochinquisitor ihm Wasser über das Gesicht. Alexander würgte und gurgelte, doch er hatte keine Wahl, als die Panik nieder zu ringen und ruhig zu bleiben. Er hörte, wie Ian schrie, hörte, wie die beiden Soldaten immer wieder neue Blecheimer auf dem Steinboden abstellten. Dann endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, war die Folter vorbei. Alexander wurde das Tuch vom Gesicht gerissen. Würgend schnappte er nach Luft. "Ihr versteht das alles nicht, oder?", knurrte der Hochinquisitor, nahm einen vollen Eimer Wasser und schüttete es gegen Ian, der immer noch festgebunden war. "Was ich tue, tue ich zu eurem Besten. Zum Besten des Kreuzzugs. Der Kreuzzug fordert nichts anderes als Perfektion. Und ihr werdet perfekt sein oder sterben. Was ich mit euch mache ist nichts im Vergleich zu dem, was die Geißel anrichten kann. Vergesst das niemals. Ihr werdet Disziplin und Gehorsam lernen. Oder enden wie all die tausend wandelnden Toten da draussen. Seht mich als den Schmied an, der euch schmiedet. Schärft. Aus euch brauchbare Waffen macht." Drei volle Eimer hatte er noch. Er übergoss Alex mit einem, die anderen beiden schüttete er gegen Ian. Beide waren nun klatschnass und zitterten. "Ich bin der Bewahrer von Ordnung und Kraft." Tremayne packte Ian am Oberarm, drückte zu. "Muskeln erfüllen nur die halbe Arbeit im Kampf gegen die Untoten. Der wahre Sieg wird im Kopf errungen." Brutal tippte er Ian gegen die Stirn. "Raufereien? In Euren Köpfen sollte es nur den Gedanken geben, Untote zu zerstören, dem Kreuzzug zu dienen und die Heimat zu befreien." Er schritt zu Alex. "Brüder, hm? Ein lächerlicher Begriff. Es gibt keine Brüder mehr. Es gibt nur noch Lebende und Untote. Kreuzzug oder Geißel. Eure pathetische Zuneigung wird eines Tages euer Untergang sein." Er sah zu den beiden Soldaten. "Bindet sie los, schafft sie mir aus den Augen." Die Soldaten gehorchten. Einer band Ian los, der andere Alex. Tremayne packte Alex an Kinn, als dieser sich hinsetzte. "Wer von euch beiden wohl zuerst stirbt? Und als Untoter zurück kommt? Ich werde dafür sorgen, dass derjenige gefangen wird und gegen den jeweils anderen kämpfen wird. Wenn ihr beide nicht endlich einen klaren Kopf bekommt, wird es mir eine Freude sein, zuzusehen, wie der letzte Überlebende von euch beiden vom anderen verschlungen wird." Die Soldaten zerrten beide Brüder zur Tür. "Schickt sie auf den Hof. Sie sollen laufen, bis ihre Kleidung trocken ist oder sie nicht mehr laufen können."

Teil 3: Meines Bruders Hüter

Eine wichtige Lektion beim Kreuzzug war es, dass es Glück einfach nicht gab, man sich nur auf sein Können und seine Instinkte verlassen sollte. Auf Patrouillen war man immer pessimistisch, denn sehr selten liefen die Dinge wirklich glatt. Die Geißel war in Lordaeron durch die Verlassenen ersetzt worden. Im Osten war die Lage noch immer besonders schlimm und so wurden Truppen nach Herdweiler verlegt. Nach ihrer jahrelangen Ausbildung im Kloster, zahlreichen kleineren Missionen und Scharmützeln waren Ian und Alex nun bereit, wesentlich öfter in den Kampf geschickt zu werden. Sie wussten alles, was es zu lernen gab. Alles, was sie noch sammeln konnten war Erfahrung. Bereits der Weg von Tirisfal nach Herdweiler war eine Strapaze. Beim Bollwerk waren sie auf erheblichen Widerstand getroffen. Die Verlassenen waren anders als die üblichen Geißeltruppen. Keine dummen Ghule, sondern Untote mit Verstand. Freier Willer war bei der Geißel selten. Es hatte eine Weile gedauert, überhaupt den Unterschied und den Machtwechsel zu begreifen. Doch dann hatten sie sich über die anderen Banner bei den Untoten gewundert. Und über die Gerissenheit der Untoten. Da es nur wenige Pferde gab, hatte man beschlossen, die Truppen komplett zu Fuß zu verlegen. Und daher gab es hier keinen schnellen Durchbruch. Sie mussten sich durch das Bollwerk kämpfen. Alex hatte seine Ausrüstung der von Hochinquisitor Tremayne angepasst, trug zwei Schießpulverpistolen und zwei Kurzschwerter. Während Ian mit seinem Zweihänder auf die Untoten zuging, tänzelte Alex mit seinen Schwertern elegant an ihnen vorbei und teilte Hiebe aus, wo er nur konnte. Er allerdings als Inquisitor keinen Plattenpanzer, sondern ein langes Kettenhemd, Arm- und Beinschienen und über allem ein roter Mantel und metallenen Schulterplatten. Ian hatte oft gespöttelt, dass Alex wie ein Möchtegern-Doppelgänger seines Ausbilders aussah. Bei ihnen waren auch Maria, Alan, Edward und Liam. Während sie Maria schon seit ihrer Kindheit kannten, waren die anderen in den vergangenen Jahren ebenfalls zu guten Freunden geworden. Gemeinsam drängten sie die Untoten auseinander, schlugen eine Bresche in ihre Reihen. Doch es ging nicht darum, hier alle Untote zu erschlagen. Es galt, möglichst schnell und unversehrt nach Herdweiler zu gelangen. Und so eilten die Kreuzzügler durch das Bollwerk, ließen es hinter sich und fanden sich in den westlichen Pestländern wieder. Hinter ihnen hörten sie Signalhörner. Zweifellos riefen die Verlassenen Verstärkung. Doch würden sie die Verfolgung aufnehmen? Die Pestländer wurden immerhin noch immer von der Geißel kontrolliert. Kämpfe zwischen Untoten waren amüsant anzusehen, doch nach dem langen Gewaltmarsch und dem Kampf beim Bollwerk wollte Alex einfach nur noch schlafen. Die Pestländer waren anders als Tirisfal, und doch ähnlich trostlos. Wo Tirisfal eigentlich nur trüb und gefährlich wirkte, waren die Pestländer schlicht und einfach furchtbar. Aus der Ferne sahen sie kranke Wölfe und Bären, von der Seuche schrecklich entstellt und ebenso schrecklich anzusehen. Fauliges Fleisch, schwärende Wunden. Oft lagen Knochen blank, waren sogar Organe zu sehen. Hochinquisitor Tremayne hatte das Kommando und er befahl, auf der Straße zu bleiben. So würde man Gefahr schneller sehen, eventuell sogar auf verbündete Truppen aus Herdweiler stoßen. Und besonders bei Nacht würden sie im Unterholz nur noch mehr Gefahren ausgesetzt sein. Sie gönnten sich nur kurze Pausen, lange rasten oder gar schlafen würden sie nicht, denn dazu war es viel zu gefährlich. In der Abenddämmerung sahen sie im Norden einen Hof, wo es nur so vor Ghulen wimmelte. Mitten auf dem Feld stand ein Kessel, der giftigen Rauch in den Himmel spuckte. Doch man schien sie nicht zu bemerken und so marschierten sie weiter, bis tief in die Nacht. Beide Monde standen hell am Himmel und im Süden kamen die Ruinen von Andorhal in Sicht. "Es heißt, die Stadt sei so voller Untote, dass bereits zahlreiche Versuche, sie zu erobern scheiterten. Und die Gefallenen verstärken dann nur noch die Reihen der Verdammten", wisperte Maria in Alex' Ohr. Alex sah nach Süden, versuchte, etwas zu erkennen. Doch er sah nur die dunklen Silhouetten verfallener Häuser. "Schweigt still", zischte Tremayne. "Hier wimmelt es von Untoten und Herdweiler ist noch ein ganzes Stück entfernt." Und so gehorchten sie. Niemand sprach mehr ein Wort, sogar das angestrengte, müde Schnaufen verkniffen sie sich. Dann endlich hatten sie eine Kreuzung erreicht, an der ein altes, rostiges Schild nach Norden zeigte und auf dem der Name "Herdweiler" zu sehen war. Es schien, als seine ein weiches Bett und eine erholsame Mütze Schlaf in greifbarer Nähe. Doch natürlich war es wie immer. Was schief gehen konnte, ging auch schief. Natürlich gab es einen weiteren Feindkontakt. Aus dem Süden nahten reich zahlreiche Ghule und die geistlosen, verrückten Biester, die beim Kreuzzug gern Matschköpfe genannt wurden. Untote mussten nicht atmet, wurden nicht müde. Meistens brüllten sie wie wild, doch diese hier hatten es geschafft, sich erstaunlich leise zu nähern, ehe sie zuschlugen. Tremayne zückte seine beiden Revolver, wunderschön verzierte Meisterwerke eines zwergischen Büchsenmachers. Er feuerte und mehrere Ghule gingen zu Boden, wurden achtlos von anderen Untoten nieder getrampelt. "Reihe bilden und halten", befahl der Hochinquisitor und sah sich um. "Langsames zurückweichen, wenn ich es befehle." Dann krachten auch schon die Untoten auf die Reihen der Kreuzzügler.

"Lordaeron", brüllte jemand und alle anderen schlossen sich dem Kampfschrei an. Einige wurden bereits von Untoten zu Boden gerissen. Geschickt glitten Klauen zwischen Rüstungsteile, rissen sie auseinander und machten mit dem Fleisch darunter weiter. Doch sie alle hatten eine gute, wenn auch knallharte, unerbittliche Ausbildung genossen. Ian schwang seinen Zweihänger, der einen Ghul köpfte, sich durch den Oberkörper eines zweiten fraß, ehe er in den Innereien eines dritten Ghuls stecken blieb. Als Ian an der Waffe zog, klatschten faulige Gedärme auf die Straße. Maria schwang ihren Streitkolben und ließ Köpfe wie Melonen platzen. Alan's Morgenstern grub sich in den Kopf eines Untoten und als er seine Waffe frei zerrte, wurde er mit Maden und Hirnmasse besprenkelt. Mit seiner Axt schlug Liam jeden Untoten nieder, der es wagte, in seine Nähe zu kümmern und an Edwards Schild prallte so mancher Ghul ab, ehe er mit einem Hieb seines Streithammers gefällt wurde. Alex bremste den Ansturm eines Ghuls mit seinen Klingen, nutzte den Schung und wuchtete ihn über sich, ließ ihn auf den Boden krachen und trat ihm feste auf den Schädel, zermatschte diesen unter seinem Stiefel. "Zurück", befahl der Hochinquisitor, denn der Ansturm ließ nicht nach. Wann immer ein Kreuzzügler fiel, schloss sich die Reihe sofort. Neben sich packte ein Untoter Devon am Wappenrock, zerrte ihn aus der Reihe heraus und vergrub seine fauligen Zähne in seinem Gesicht. Devon schrie, wie so viele Jahre zuvor in der Folterkammer. Alex würde es nicht vergessen. Er trat aus der Reihe, vergrub eine Klinge im Schädel und löste Devon aus der tödlichen Umarmung des Untoten. Mit zerfetztem Gesicht fiel er zu Boden, die Augen genau so flehend und ängstlich wie damals in dem dunklen Keller. Traurig bohrte Alex ihm die andere Klinge durch die Augenhöhle in den Kopf und beendete sein Leiden, ehe er wieder in die Reihe zurück wich. Sie hatten die Straße mittlerweile verlassen müssen und näherten sich einem verlassenen Bauernhof. "Mallea, eilt voraus, nehmt Euch Malloy, Drake und Smith mit und seht nach, ob der Hof sicher ist. Wir müssen einen Vorteil gewinnen, uns zur Not verbarrikadieren, einen Engpass schaffen." Maria gehorchte, eilte mit Alan, Edward und Liam voraus, in Richtung Bauernhof. Die anderen schlossen die Reihen, erschlugen weiter Untote und wichen zurück, so gut sie konnten. Die Reihen der Untoten hatten sich gelichtet, doch ein kleiner Strom aus Ghulen taumelte bereits aus Andorhal heran. Sie würden dem nicht ewig stand halten, dass wusste Alex. Tremayne musste es auch wissen. Sie alle waren müde. Es würde ein schlimmes Ende nehmen. "Sicher", rief Maria schließlich von hinten und als sie direkt vor der Scheune waren, traten sie nach und nach rückwärts hinein. Dann drückten sie die Türe zu. Ein einzelner Ghul sprang durch die Lücke, packte sich Tremayne und vergrub seine Fänge im Hals des Hochinquisitors, doch dieser durchbohrte ihn mit den Klingen, drückte ihn weg von sich, ehe Alex ihm den Kopf abschlug. Dann drückten sie die Türe zu und verriegelten sie von ihnen, während die Untoten bereits gegen das Holz der Türen trommelten und ihr Kreischen und Grölen in ihrer aller Ohren klingelte. "Seid Ihr verwundet?", fragte Alex den Hochinquisitor, der jedoch den Kopf schüttelte. "Er hat hauptsächlich meine Schulter erwischt. Die Zähne drangen nicht durch die Rüstung." In der Scheune herrschte Dunkelheit, allerdings war das Dach löchrig genug, um Mondlicht hindurch zu lassen. Im blassen Licht der Monde waren Gebeine toter Tiere zu sehen, die den ganzen Boden bedeckten. Bei jedem Schritt knackten morsche Knochen. "Es gibt noch eine Hintertür", berichtete Maria und zündete eine Fackel an. Tremayne schritt in der Scheune auf und ab. "Irgendwann rennen sie uns die Tür ein. Wir brauchen Hilfe." Mit dem gepanzerten Handschuhe deutete er auf Maria. "Mallea, sucht Euch die schnellsten Leute, höchstens sechs, und dann verschwindet Ihr durch die Hintertür. Versucht, unbemerkt davon zu kommen, sucht die Straße nach Herdweiler und versucht, Verstärkung zu holen." Maria nickte, pickte sich einige Leute aus den restlichen Soldaten heraus. Dabei sah sie kurz zu Alex und ihre Blicke trafen sich. "Je schneller du bist, desto eher können wir pennen und essen", sagte sein Mund. Seine Augen sagten etwas ganz anderes. Sie war für Ian und ihn wie eine Schwester gewesen. Für Alex sogar viel mehr. Maria lächelte, nickte. Dann öffnete sie die Hintertür und eilte gefolgt von ihren Leuten in die Nacht. "Warum verschwinden wir nicht alle?", fragte Ian trocken und zündete sich an der Fackel, die nun Alan hielt, eine Zigarette an. "Weil die Biester es bemerken würden. Wir werden als Ablenkung fungieren, damit Mallea und die anderen sicher davon kommen. Öffnet die Türen. Nutzen wir den Engpass der Tür und geben unser Bestes." Er lud seine Revolver nach, Alex tat es ihm gleich, lud die Pistolen nach. Dann stemmten Ian und Liam den Riegel hoch, wichen zurück, als die Tür vom Gewicht der anstürmenden Ghule aufgedrückt wurde. "Für Lordaeron. Für den Kreuzzug", knurrte Tremayne und eröffnete auch schon das Feuer, streckte eine Handvoll Ghule nieder, die tot in der Tür liegen blieben. Die anderen mussten drüber steigen, stolperten ab und an sogar. Ian, Alex und die anderen fielen wie Raubtiere über sie her. Sie erwarteten die Untoten, ließen ihn nicht die Zeit, sich im Inneren der Scheune zu orientieren. Ian schlug so kräftig mit dem Zweihänder zu, dass zwei Ghule mit aufklaffenden Leibern nach draussen flogen. Doch noch immer stürmten weitere Untote in die Scheune.

Der Kampf wurde intensiver. Trotz des Engpasses der Tür quollen die Untoten in die Scheune. Als die Revolver leer waren, griff Tremayne mit seinen gebogenen Klingen an und Alex tat es ihm gleich. Sehr bald mussten sie von der Tür zurück weichen und mussten um ihr Leben kämpfen, als die Untoten wie eine graue, knurrende Flut aus Klauen und Zähnen auf sie eindrangen. "Weicht zurück", befahl Tremayne und warf sich nach vorne und seine Klingen hielten blutige Ernte unter den Untoten. Mit flinken Bewegungen schnitt er Gliedmaßen ab, drosch einem Ghul mit dem Klingenknauf den Schädel ein und trat einen anderen nach hinten, in die Meute der anderen, wobei zahlreiche Ghule zu Boden fielen. "Ab durch die Tür. Lauft. Sucht die Straße. Herdweiler." Zweifelnde, fragende Blicke bohrten sich nun in den Schatten der Kapuze. "Macht schon!" Zögernd näherten sie sich der Hintertür, öffneten sie. Alan eilte als erster nach draussen. Plötzlich wurde Ian von mehreren Ghulen angegriffen, rutschte weg und stürzte zu Boden, wobei er einen Ghul aufspießte, einen anderen mit dem ausgestreckten Bein über sich schleuderte. Doch er landete ungünstig, sein anderes Bein knickte um und Ian fluchte lautstark. Alex erschlug den Ghul, baute sich vor Ian auf. "Alles gut?" Ian hielt sich den Knöchel. "Verschwindet!", grollte Tremayne erneut. Alex schüttelte mit dem Kopf. "Nein." Der Hochinquisitor lachte. "Im Ernst? Dann ist es heute wohl soweit. Dann hat eure letzte Stunde geschlagen. Mit einem verstauchten Knöchel wird er nicht fliehen können. Aber er muss nicht andere mit in den Tod reißen. Sei nicht töricht, Alexander. Jeder Lebende ist zu wichtig, um sich für Schwachsinn zu opfern." Alex grinste, schüttelte den Kopf. Dann sah er zu Liam und Edward, die inne hielten. Auch sie würden nicht so einfach gehen. Würden keine Kameraden im Stich lassen. "Lauft", sagte Alex. "Macht ein wenig Krach, vielleicht lockt ihr welche fort, in die Arme der anderen. Hoffentlich. Wir kommen schon klar." Liam und Edward zögerten, doch Alex Blick war unerbittlich geworden, die grauen Augen wie kalter Stahl. Sie nickten, dann rannten sie durch die Tür in die Nacht hinaus. Nur Alex, Ian und Tremayne blieben zurück. Alex sah den Inquisitor an. "Verschwindet. Na los. Denn Ihr seid es, der etwas nicht begreift." Der Ansturm der Ghule war abgeklungen. Wahrscheinlich hatten Edward und Liam erfolgreich einige weg gelockt. Alex erschlug einen Ghul, trennte einem anderen mit einer scherenartigen Bewegung beider Klingen den Kopf ab. Ian zog sich langsam an seinem Zweihänder hoch. "Kameraden machen einen stärker. Denn wir kämpfen nicht nur für unsere Heimat. Sondern auch für jene, für die es sich zu kämpfen lohnt. Ich lasse keinen Kameraden im Stich. Nicht, wenn ich es vermeiden kann. Schon gar nicht meinen Bruder. Bevor ich ihn zurück lasse, lasse ich mich lieber selben fressen." Er streckte beide Schwerter aus, bohrte sie in die Mäuler zweier anstürmender Ghule. Ian war wieder auf den Beinen, humpelte an die Seite seines Bruders. "Wer sich mit uns anlegt, hat schon verloren", knurrte Ian nur, hob angriffslustig die Klinge. Alex sah Tremayne nicht mehr an, sondern sah zur Tür. Doch es kamen keine weiteren Ghule. "Warum seid Ihr noch da, Tremayne? So scharf darauf, uns sterben zu sehen?" Der Hochinquisitor lachte heiser, trat zu den beiden Brüdern. "Ihr habt eine gute Ausbildung genossen. Ihr seid sehr stark geworden. Ihr werdet zurecht kommen. Dich Alexander, habe ich am Ende doch noch zu einer Waffe gemacht." Ian stieg über die Leichen und Kadaver, trat durch die Eingangstür nach draussen und sah sich nach weiteren Untoten um. Alexander sah zu Tremayne. "Ja, Ihr habt mich zu einer Waffe gemacht. Schmerz ist tatsächlich ein Lehrer, den niemand ignoriert oder vergisst. Dafür danke ich Euch. Ihr habt mich gut ausgebildet. Aber..." Alex bohrte überraschend schnell seine Klingen in den Magen des Hochinquisitors. "Aber Ihr habt auch meinen Bruder ausgepeitscht." Der Hochinquisitor taumelte zurück, wobei die Klingen aus seinem Körper glitten. Er fasste sich an die Wunden, fiel nach hinten und blieb in einem Haufen gammeligem Stroh liegen. Heiser war ein Lachen aus den Tiefen der Kapuze zu hören. "Das... habe ich nicht kommen sehen. Dann hab wenigstens den Anstand und fackel diese Scheune ab, Alexander." Er lachte erneut, als würde er sich königlich amüsieren. Doch dann wurde sein Lachen leiser und seine Glieder schlaff. "Das hab sogar ich nicht kommen sehen", gestand Ian, der draussen stand und in die Scheune blickte. Alex atmete tief durch. "Wir sagen einfach, dass die Untoten ihn erwischt haben. Oder er tödlich verwundet war." Alex warf die Pistolen weg, öffnete den Gürtel und nahm sowohl die Holster als auch seine Schwertscheiden ab, griff nach dem toten Hochinquisitor und nahm sich dessen Revolver und die gebogenen Klingen. Er würde sie nicht mehr brauchen und Alex wollte solch schönen Waffen nicht verkommen lassen. "Tja, Herdweiler also", sinnierte Ian und drehte sich eine Zigarette. "Hoffe, da ergeht es uns besser als im Kloster." Alex steuerte schon die Tür an, um sich zu Ian zu gesellen, hielt jedoch inne, drehte um und ging zu Tremayne, schlug dessen Kapuze zurück. Der Hochinquisitor war ein alter Mann. Mindestens fünfzig. Kurze, graue Haare und blassblaue Augen, die Alex leblos entgegen funkeln. Und dann bemerkte Alex noch etwas anderes. Die Kapuze war feucht von Blut. Unterhalb des Ohrs hatte Tremayne eine grässliche, blutende Wunde, wo der Ghul ihn angefallen hatte. Es hatte ihn keine Rüstung geschützt. Er wäre so oder so gestorben. Spätestens auf dem Weg nach Herdweiler. Deshalb war der Hochinquisitor vielleicht nicht gegangen. Hatte er sich für die Brüder opfern wollen? Hatte er sie vielleicht wirklich gemocht? Trotz all der Dinge, die er ihnen angetan hatte, in all den Jahren? Alexander ging zu Ian, riss ihm die Kippe aus dem Mund und warf sie in die Scheune. Rasch entzündete sie das trockene Stroh. "Besser? Wer weiß", entgegnete Alex und drosch seine Faust gegen die seines Bruders. "So oder so kann uns nichts aufhalten. Wir kämpfen zusammen, leben zusammen, sterben zusammen. Stütz dich bei mir ab. Ich hab Hunger und will pennen." Ian lachte. "Und Maria knutschen, mhm?" Gemeinsam ließen sie die brennende Scheune hinter sich, gingen nach Norden. Ein Kapitel des Lebens abgeschlossen. Die Lehrjahre im Kloster waren vorbei. Sie hatten sich bewiesen. Und würden sich nicht unterkriegen lassen. Niemals.


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