Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Fragmente aus der Brennenden Steppe
BeitragVerfasst: 9. Jul 2013, 23:07 
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Drei Tage nach dem Tag des Blutes. Ein simpel versiegelter Brief wird in das Hauptquartier gebracht, seltsam schwer, der Inhalt von außen uneinsehbar - doch der Addressat ist mit vertrauter leicht krakeliger Schrift auf das Papier eingetragen.

Kommandant Orodaro

In dem Umschlag selbst befindet sich nicht nur eine Nachricht, sehr sorgfältig geschrieben, als wäre jeder einzelne Buchstabe eher gezeichnet worden und für den Kenner mit ungewöhnlich korrekter Ortographie - sondern auch ein kleiner vielfach gezahnter Schlüssel aus Metall.

Zitat:
Sturm zum Gruß Kommandant,
nachdem die Formalitäten für den Ersatzrottenmeister und dessen Pläne geklärt sind, sowie die Rücktrittserklärung von Euch entsprechend beantwortet wurde hier nun ein persönliches Anliegen. Habe verschiedene Pläne zur Rehabilitation <
der Begriff scheint abgeschrieben worden zu sein, als hätte der Verfasser mit einem Wörterbuch gearbeitet> ausgearbeitet. Erbitte Erlaubnis die Königreiche zur Durchführung jener verlassen zu dürfen - Ziel ist die brennende Steppe. Die Risiken des Vorhabens sind mir bewusst, daher habe ich Rübenhau, eine Klinge welche letzendlich Eigentum des Sturmes ist, in einem Schließfach zur Bank von Sturmwind untergebracht. Für den - durchaus nicht geplanten - Fall, dass es zu keiner Rückkehr kommt, kann die Waffe von Euch oder jemanden durch Euch bevollmächtigten dort mit dem Schlüssel zurück in die Hallen geführt werden. Die Vorteile persönlicher und kampftechnischer Entwicklung wiegen mir schwerer als das Risiko, daher hoff ich auf Eure Zustimmung. Andere wurden nicht informiert, da ich annehme, dass ihnen das Verständnis fehlen würde. Die Dauer der Vorhabens werde ich auf maximal drei Monate beschränken, sofern keine anderen Vorgaben erfolgen. Wendet euch an die folgende Anschrift, wo mir Nachrichten hinterlegt werden und ich bis zur Genehmigung das Training aufnehme: Gasthaus Seenhain Uferbach 2, Seenhain (Rotkamm).
Alvrim Everard

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Zuletzt geändert von Alvrim am 27. Jul 2013, 17:39, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Randstücke und Fragmente
BeitragVerfasst: 10. Jul 2013, 02:19 
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Woche 1: Seenhain

Das Mädchen hat es nicht geschafft. Hatte es befürchtet, aber es lässt sich nicht ändern. Die Mutter tränenüberströmt und zeternd, der Alte hat scheinbar nicht mal wirklich verstanden was abgegangen ist. Hätte gute Lust dem besoffenen Vater den Schädel einzuschlagen, oder ihm die Arme so oft zu brechen, dass er nie wieder die Hand gegen eine Frau oder ein Kind erhebt.
Ganz gut, dass die Kleine es nicht weiß. Wenn ich daran denke, dass ich beinahe Nate mitgenommen hätte wird mir richtig schlecht.
Warte seit ein paar Tagen auf die Antwort des Kommandanten, aber bisher nichts. Wie ich es einschätze wird er es verstehn, beim Rest bin ich mir nicht so sicher. Würden mich vermutlich für irre oder selbstmörderisch halten.
Die Wachen sind immer noch aufmerksam, aber ein Teil wurde bereits abgezogen, da es keine Vorkommnisse mehr gab. Unfähiges Pack. Wirds auch nicht mehr geben, aber das werden die merken.
Der Schmied hat seine Arbeit fast beendet, meinte in zwei Tagen kann ich das Ersatzteil holen - ein klobiges Teil mit Lederriemen und mit Wollstoff gefüttert aus dunklem Eisen. Ziemlich schwer, aber wird vorerst einen Zweck erfüllen nehme ich an. Kein Ersatz für eine echte Hand... aber mit nem Schlüssel kann man wenigstens die drei Eisenfinger, die mehr an Krallen erinnern schließen und ein Schwert greifen, zu mehr ist das Teil kaum zu gebrauchen. Besser als ein komplett nutzloser Stumpf. Ob die Konstruktion den Zweck erfüllt und hält werde ich sehen, aber für mehr fehlt die Zeit. Werde mich darum kümmern wenn ich zurück bin und erstmal zusehen dass ich damit oder komplett ohne klarkomme. Mal sehen was Adain und diese irre Gnomin hinbekommen - und ob es das überhaupt wert ist.
Die Vorbereitungen sind soweit getroffen, aber viel werde ich nicht mitnehmen. Ist nur unnötiger Ballast und Vorräte reichen in der Gegend ohnehin nicht lange.
Holzpuppen, Baumstämme, Äste... keine wirkliche Herausforderung, aber immerhin hilft es das Gleichgewicht zu wahren und verschiedene neue Techniken zu üben. Komme mir dabei vor wie ein Idiot, versuche regelmäßig mit einem zweiten Schwert eine Bewegung - ohne eines zu haben. Es kostet Konzentration sich dessen bewusst zu werden, sollte aber wie im Schlaf funktionieren. Selbst das Schwimmen und Klettern ist eine Umgewöhnung. Muss zusehen, dass ich den linken Arm irgendwie weiter trainiere um nicht alle Kraft darin zu verlieren.
Zumindest hilft das Laufen einen klaren Kopf zu bekommen, auch wenn die Kondition ein wenig gelitten hat. Spätestens wenn ich weiter oben in den Bergen bin wird es still. Die Gedanken kommen aber zurück - wird Zeit sie loszuwerden. Helfen niemanden und mir auch nicht. Vielleicht ist es egoistisch, was ich vorhabe... aber wenn ich es jetzt nicht schaffe darüber hinweg zu kommen, die Gedanken zu einem Abschluss zu bringen, stärker zu werden und die Mitte nicht finde ist es letzendlich nicht nur mein Nachteil.


Woche 2: Rotkammgebirge

Endlich Nachricht des Kommandanten. Wie erwartet und erhofft wurde die Erlaubnis erteilt. Der eiserene Ersatz hat zumindest einen Vorteil... die Muskeln des Arms bekommen wieder Arbeit, da es so möglich ist zu heben. Bin im Morgengrauen von Seenhain aus aufgebrochen und jeder Schritt bringt mich näher an die Hitze der Wüste., näher an die Gipfel der Gebirgskette. Im Gegensatz zum Morogh wird es mit jedem Fuß den man an Höhe zurücklegt nicht kälter. Für alle Fälle hab ich ein zweites Schwert mitgenommen, fühlt sich vertraut am Waffengurt an. Armbrust - gutes Gefühl sie halbwegs wieder spannen zu können, Wurmesser. Trinkschlauch, Feldgeschirr, Dörrfleisch, Zelt und medizinische Grundversorgung. Mehr nicht. Die Aktivität drängt die Gedanken in den Hintergrund, aber ich weiß, dass es momentan nur eine Flucht ist. Weiß nicht wielange es dauert, bis es keine mehr ist, oder wie lang es dauert, bis ich zurechtkomme. Aber eher werde ich nicht zurückkehrn.
Bäume, Sträucher, Wildtiere die es sich zu jagen lohnen würde - es werden weniger. Nicht einmal die Nacht ist dunkel. So nahe an den Berghängen zur Steppe bekommt man den Eindruck, dass der Himmel selbst auch nachts glüht. Zumindest auf dieser Seite des Rotkamms war es in der letzten Zeit friedlich was die verdammten Grünheute anbelangt. Bin mir nicht sicher ob ich es bedauern soll oder dankbar sein sollte, dass ich somit bisher auf keine der Bastarde egtriffen bin. Selbst die Gnolle und Murlocs stellen kein Problem dar, welches über die üblichen Querelen hinausgeht. Wer genau hinsieht entdeckt ein paar Hinweise im Unterholz... gebrochene Zweige, primitive Fallen, hier und da hässliche Fellbüschel, Knochenreste, das entsprechende Äuquivalent zu den abgenagten Gräten und Spuren schartiger Speere an den Ufern des Sees, Nahe dem Wasserfall. Schätze in der Gegend treiben sich immer noch genug von den Kreaturen herum, selbst wenn ich sie nicht gesehen habe.
Die Ausläufer der Wüste sollte ich bald erreichen, aber die Tatsache dass man sich Nachts das Genick in dem unwegsamen Gelände brechen könnte und einige Stunden den Marsch für etwas Schlaf und Rast unterbrochen habe, ebenso wie die Nacht zuvor, dämpft das Tempo nicht sehr. Habe kein Feuer entzündet, brauche ich nicht um auf einem Stück Dörrfleisch zu kauen, während ich in der Deckung einiger Felsen lehne, das Schwert dicht am Körper, aufmerksam, aber nicht angespannt. Denke für einen Moment an all die, welche nicht hier sind. Die Toten, die Lebenden... meinen Sohn. Beschließe es dabei zu belassen und finde den Schlaf, wie eine Maschine die man abgestellt hat. Mechanisch. Geplant.

Woche 2-3: Brennende Steppe

Im stärker werdenden Sonnenlicht trottet eine kleine Karawane den schroffen Bergrücken in einiger Entfernung voran. Die Schritte der Reit- und Packtiere langsam und erschöpft als hätten sie eine lange Reise hinter sich. Vielleicht Dunkeleisen, vielleicht nicht. Einige wirken hochgewachsen, möglicherweise Menschen. Forscherliga? Händler? Gesetzlose? Aus der Entfernung kann ich nicht mehr als raten. Nur weil auf dem nackten rotschwarzen Fels kaum Vegetation zu finden ist kann man sie überhaupt verschwommen sehen. Dann reißt der Abhang ein Stück weiter vorne ab. Für einige Momente schließe ich die Augen laufe dann die letzten Meter bis zur Felsenkante. Vor mir erstreckt sich eine ausgedehnte Wüstenlandschaft, in der Ferne kann man die Seen aus Lava und Schwefel erahnen, sie tragen ihren beißenden Geruch bis zu den Bergen. Neben einem felsigen Abschnitt, Schutt, Geröll und der Asche gibt es zahlreiche Baumskelette zumindest hier am Rand, schwarzsandige Dünen und halbverfallene, rußgeschwärzte Ruinen. Dahinter ist nur endlose Aschewüste zu sehen und weit entfernt zwischen Rauch und flirrender Hitze das dunkle Relief des Schwarzfels im Nordwesten nicht mehr als eine Ahnung.
Wer denkt, dass es in allen Wüsten nachts kälter wird war noch nie in diesen öden Steppen.
Die Luft schmeckt nach Asche, flimmert über dem nackten Fels, dem Staub und dem rissigen Boden. Der Wind in diesen unwirklichen Gegenden kühlt nicht ab sondern erinnert mehr an einen wabernden Gluthauch aus den Tiefen der feurigen Erde, schabt einem mit Asche und körnigen Sand wie Reibeisen über die Haut, die rote Morgensonne wird zu einem Feuerwirbel in der Himmelsmitte und verharrt. Für lange Zeit ohne, dass sie sich zu bewegen scheint. Zuerst klebt einem die Zunge am Gaumen, dann beginnt sie sich wie ein Stück Leder anzufühlen, während die brennenden Augen zu tränen beginnen aber wie jede Flüssigkeit hier, verdunstet das Wasser noch ehe es die sonnenverbrannte Haut berührt. Man spürt regelrecht, wie einem der Körper ausdörrt und das Blut in den eigenen Adern so dick wird, dass es kaum mehr zu fließen vermag.
Dennoch gehe ich weiter. Langsam, Schritt für Schritt, ohne Eile, während meine Spuren sich bereits wenige Fuß hinter mir wieder im Nichts dieser Weiten verlieren, den zerfressenden Durst und die kochende Hitze fühlend, ausblendend, ignorierend. Ausgebleichte Knochen, verwitterte Felsen, verdorrte Skelette von Pflanzen. Alles scheint tot. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Flirrend, wabernd schieben sich bei Zeiten Schemen in das glühende Sichtfeld. Skorpide, Glutworgen, Kojoten... zähe Kreaturen in einer unwirklichen Landschaft. Hier und dort die Andeutung von Schlangen die über den Sand kriechen, Käfer, Insekten. An einer halbewegs windgeschützen Stelle schlage ich mein Lager auf. Hier werde ich vorerst wohl bleiben. Knochentrockenes Gras, Totholz wird aufgeschichtet entzündet als die Nacht hereinbricht. Der Rauch des Feuers scheint ein beinahe gespenstisches Eigenleben zu entwickeln, die Flammen selbst wirken beinahe lebendig. Kalt ist es noch immer nicht, auch wenn die unbarmherzige Sonne hinter den dunklen Felsen verschwunden ist, der hitzigen Nacht das Feld geräumt hat. Habe eine Kuhle ein Stück abseits gegraben, wo das Gras nicht komplett verdorrt scheint. Die eingebettete lederüberspannte Dose, mit dem Messer perforiert wird Flüssigkeit auffangen, wenn es welche gibt. Falls nicht werde ich den Kreaturen folgen müssen - nichts kann ohne Wasser dauerhaft überleben. Nach der kärglichen Mahlzeit ziehe ich die Klingen, zerschneide in immer wiederholenden Bewegungen die abgekochte Luft. Ohne Eile. Wieder und wieder, bis die Bewegungen sicherer werden. Dann löse ich den Lederriemen um Schwert und Armteil. Die Klinge habe ich festgebunden. Sicherer so. Dann wiederhole ich das Spiel... mit nur einer Klinge. Der getrocknete Schweiß klebt mit Asche an meiner Rüstung. Doch ich lasse mir Zeit. Endlich lasse ich ab, gönne mir ein wenig des fast aufgebrauchten lauwarmen Wassers - keine der Kreaturen hat sich in den Umkreis gewagt. Als ich in den Staub sinke und meinen Blick auf den nachtschwarzen Hort richte glaube ich zu verstehen, warum manche Religionen in Wüsten oder auf Berggipfeln entstehen. Verloren inmitten der Schwärze, in der Leere, weit und breit niemand außer sich selbst bekommt man vielleicht das Gefühl etwas zwischen sich und diese Unendlichkeit bringen zu müssen. Ich schließe die Augen, schiebe alle Gedanken weg. Das Feuer ist lange ausgebrannt als ich die Lider wieder hebe, die Position vom Sitzen ins angelehnte verändere und den Schlaf in der Einsamkeit und Ruhe der Steppe suche. Irgendwo heult ein Kojote.


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 Betreff des Beitrags: Re: Randstücke und Fragmente
BeitragVerfasst: 27. Jul 2013, 17:32 
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Endlich erreichten sie die ersten Ausläufer des Rotkamms. An einer groben Leine führte Mroduk das ausgezehrte, schwer beladene Maultier, dessen Augen bereits so tot waren wie die seiner Artgenossen, welche sie verloren hatten. In der Hitze quollen die Augen die der Lastentiere hervor und irgendwann hatten die Beine unter den Tieren nachgegeben und weder Stockschläge noch Schreie aus ausgedörrten Kehlen hatten sie dazu bewegen können, wieder aufzustehen. Die Geier waren ihnen schon eine Weile gefolgt, krächzend um das Bevorstehende Verenden wissend. Noch nicht einmal hundert Fuß waren sie von den Tieren entfernt, als die Vögel sich flügelschlagend auf den verkrusteten Boden niederließen, Fetzen von Fell und Fleisch aus den Flanken des reglosen, schwer atmenden Tieres rissen. Keine einzige Bewegung oder ein Blinzeln zuckte über den Leib, als es lebendig von den scharfen Schnäbeln zerhackt wurde.
Vor knapp drei Wochen waren sie in der sengenden Schlucht aufgebrochen, kurz nachdem die Gerüchte um die Vorkommnisse in Dun Morogh laut geworden waren und selbst bis zu den entlegenen Siedlungen inmitten der Aschenlande durchgedrungen waren. Das Risiko des Todes war der kleinen Gruppe aus neun Männern, drei Frauen und vier Maultieren die Aussicht auf Freiheit, einem besseren Leben fernab der Öde wert gewesen und so waren sie aufgebrochen.
Fünf Tage waren nun vergangen, seit sie auf die letzten Ruinen getroffen waren zu denen die spärlichen Siedlungen so nahe am Khaz-Thaur verkommen waren und dennoch hatten sie es in seiner Nähe weder gewagt die uralten Passagen zu durchschreiten noch lange zu rasten. Seit sie sich den schwarzen Felsen genähert hatten, waren sie am Tag manchmal vierzehn, manchmal sechszehn Stunden unterwegs gewesen, hatten die gefährlichen Pässe über den Rücken des Reliefs erklommen, zwischen rasiermesserscharfen Geröll und Steinen, so dunkel wie die noch viel zu nahe Geschichte welche den Schwarzfels verdüstert hatte. So dunkel wie die Haut der Orkischen Horden, die vor einigen Wochen weitab der Zelte und Hütten des Lagers den Staub der Ebenen aufgewirbelt hatten. Sie hatten die Geschichten gehört, über die Länder, weit entfernt von dem hiesigen, über grüne Landschaften voller Leben fernab von Hitze, Hunger und der verzehrenden Glut der Sonne und wütenden Elementare aus Feuer, so heiß wie die Lava in den Tiefen der Dunklen Schmiede. Sie wussten, dass es keine Fabeln waren, aber hier draußen waren grüne Landschaften etwas, das man der Phantasie eines Kindes entsprungen wähnte. Einzig allein die ausbleichenden Knochen der Maultiere und leere Wasserschläuche aus gegerbten Leder, leer und schlaff wie die abgestreifte Haut von Schlangen markierten den Weg den sie zurückgelegt hatten. Nur einmal hatte er geglaubt in der Ferne die Umrisse einer Gestalt zu erkennen, die geradewegs ihren Weg in die todbringende Gegend suchte ohne innezuhalten und sich für einen Moment gefragt ob sie zu den marodierenden Horden an Orks oder den Drachenjägern, welche die alten Handelsstraßen unsicher machten gehören mochte – doch auf die Ferne blieb es nicht mehr als ein dunkler Schemen.
Als das erste karge Gewächs unter Mroduks schweren Stiefeln brach, noch trocken – aber lebendig, als er einen Blick über die Gruppe warf, ausgehungert, halb verdurstet, verbrannt von der Sonne, Haar, Bärte und Kleidung noch grau wie die aschfarbene Haut von Staub gezeichnet, als der Blick unter den geschwollenen Augenlidern von den Felsen des Rotkamms auf die brennende Steppe fiel, schloss er die die rubinroten Augen und meinte vor Freude und Dankbarkeit vergehen zu müssen.

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Zuletzt geändert von Alvrim am 28. Jul 2013, 03:39, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Randstücke und Fragmente
BeitragVerfasst: 27. Jul 2013, 17:38 
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Woche 4-5: Brennende Steppe

Ich erklimme eine sanft ansteigende Düne, obgleich es hier keinen Sand gibt. Die Steppe ist verkrustet und selbst die rauen Winde, die mit dem Einbruch der Dunkelheit aufkommen wirbeln lediglich immer den gleichen beißenden, schmirgelnden Staub auf und dann sehe ich es. Die Ursache für das Licht in der letzten Nacht. Es war nicht mehr gewesen als ein undefinierbares Flimmern, ein wabernder heller Punkt in der Leere, mit den Andeutungen von Rauch, der sich in den glühend roten Nachhimmel kräuselte. Die ausgetretenen Reste eines kleinen Lagerfeuers im Windschatten der Felsen, auf der Seite welche von der Sonne immer zuerst verlassen wird. Das verbrannte Totholz und trockene Steppengras ist zu einem wirren Aschemuster gekräuselt, zerfällt unter meiner tastenden Hand zu grauer Sinnlosigkeit. In den Überresten befindet sich nichts weiter als ein verkohlter Rest Bratenspeck, welcher vielleicht auch die dürren Kojoten erklärt die hechelnd in einiger Entfernung sich diese Nacht das erste Mal näher gewagt hatten.
Ich weiß nicht mehr genau ob ich bereits Tage oder Wochen in diesen endlosen, schreiend monotonen Einöden unterwegs bin und doch ist es das erste Mal seit dem Verlassen des Rotkamms, dass ich auf die Spuren intelligenterer Lebewesen als Schlangen - das Fleisch zäh, bitter und blutig, aber stillt den Hunger - Kojoten und Skorpide treffe. Es scheinen keine Orks hier gewesen zu sein. Nachdenklich drehe ich das Stück Speck zwischen den Fingern, doch sonst finde ich nichts. Keine Spuren von Konserven, Wasserschläuchen. Die Überreste waren natürlich längst kalt - so kalt wie etwas hier in dieser Gegend sein konnte, aber nicht allein die Erinnerung des Feuerscheins der letzten Nacht sagt mir, dass hier vor nicht allzulange Zeit jemand war. Der rasiermesserscharfe Wind vertreibt in dieser Wüste schnell alle Anhaltspunkte.
Ich setze mich, trinke einen Schluck aus dem bereits wieder fast leeren Wasserschlauch, denke an das leichte Gefühl des Schwindels, welches mich früher an diesem Tag befallen hat, das Gefühl irgendwie von den einzelnen Tagen und meiner Umgebung losgelöst zu sein. vielleicht eine Nebenwirkung der Hitze und Sonne. Ich lasse den Blick über die Wüste schweifen, sehe zur Sonne auf, die mittlerweile wieder einmal langsam am rotglühenden Himmelsquadranten hinabsinkt. Ich lege den Rucksack ab und beginne, wie jede Nacht Gras und verdorrtes Holz aus der Umgebung zusammenzutragen, lege es dann auf die erkaltete Asche für ein eigenes Lagerfeuer. Die gleiche Routine, eine Kuhle für die Dose um das wenige Wasser in der steinharten verkrusteten Erde zu fangen. Wäre ich beherrschter würde ich vielleicht gar keinen Durst mehr empfinden. Dennoch fühle ich nicht mehr den ausgeprägten Drang etwas trinken zu müssen. Auf eine seltsame Art und Weise freut mich diese Tatsache. Wenn es etwas gibt, dass einem in einem solchen Land am Leben erhält ist er vermutlich nicht allein Zähigkeit sondern allen voran Anpassungsfähigkeit.
Hitze, Sand, Staub der einen die Kehle austrocknet und die Sonne, die erbarmungslos auf einen herab scheint und nichts anderes tut als einen mehr und mehr zu quälen, einem noch mehr Schweiß auf das Gesicht zu treiben. Man kann sich daran gewöhnen. Das Essen ist mies und noch mieser das schwefelig schmeckende lauwarme Wasser. Aber das schlimmste zu Beginn war der der Staub. Ich stand auf und das erste was ich spürte war das ständige Kratzen Asche auf der rissigen Haut. In den Schuhen, Haaren, Hosen, Handschuhen, überall. Vielleicht war so die Hölle beschaffen. Aber ich habe mich daran gewöhnt.

Langsam fühle ich wieder die Muskeln in dem verblieben Armrest, als ich wie jeden Tag die gleichen Bewegungen tausendfach abgewandelt mit meinen Waffen, mit nur einer Waffe, ohne Waffen ausführe. Der Griff meines alten Schwertes fühlt sich beinahe makellos angepasst an meine Hand an, Metall umhüllt von dunkel gemaserten Holz, mit abgegriffenen Wildleder umwickelt, erinnert mich an die seltsam schimmerende Waffe die ich vom Kommandanten erhielt. Rübenhau - es scheint ein ganzes Leben her zu sein. Wie immer greife ich erst zu Feuerstein und Stahl, als die letzten Reste des Tages nur noch als höhnische glutrote Linie hinter den schwarzen Relief der Berge zu sehen ist. Ich warte ab, doch auch in der glühenden Dunkelheit ist in dieser Nacht nichts zu sehen. Weder Rauchsäule, noch das orangene Flackern einer Flamme. Ich schlage Funken auf das ausgetrocknete Gras und erhebe mich... starre eine Weile in die Flackernden Flammen, als ich einige Bewegungen monoton wiederhole. Dann lege ich mich gegen den gleichmäßig wehenden Wind, der ab und an einen Staubteufel aufwirbelt an die Felsen am Fuß der Düne, rücke das Mundtuch über dem Gesicht zurecht. Nächtliche kleine Insekten krabbeln über den kargen Stein. Auch die Sterne über mir in dem seltsam immerwährend organenen Himmel blinken nicht, verhalten sich vollkommen gleichmäßig. Ein einzelner Meteor ätzt als Sternschnuppe einen Bogen in die Nacht und verglüht während das Feuer in seltsamen Schatten flackernd das Holz zu einem neuen Muster niederbrennt und weiß, dass sich in dieser Nacht die ausgehungerten Tiere nicht fernhalten werden. Den ganzen Tag folgten mir die Geier in Erwartung eines Festmahls.


Bild


Fell, Zähne, Klauen, Blut, Hitze.
Der sirrende Klang einer Klinge ist leise, tonlos hoch, ausgelöst durch winzige Vibrationen des Metalls das erst Luft und dann gezielt Muskelstränge durchstößt. Der Klang einer Axt hallt mit dem Klatschen von durchtrennten Fleisch, Splittern von Knochen wieder, wie Kernholz das man spaltet. Auch ein Hammer hat einen eigenen Klang, ein sattes, quetschendes Geräusch, wie ein Pfahl den man in sumpfigen Lehm treibt. Ich kenne diese Klänge, das Lied des Blutes, wie alle des Bundes habe ich sie dutzende, aberdutzende Male gehört.
Als das Tier heran ist treibe ich ihm das Schwert aus einem staubaufwirbelnden Seitschritt mit einer schnellen Stoßbewegung zwischen die Rippen unter dem verfilzten braungelben Fell. Der ausgehungerte Kojote überschlägt sich durch die Wucht seines Ansprungs zweimal ehe er mit einem bereits tötlichen Blubbern im Atem verendet, als sich seine Lungen mit Blut füllen.
Es sind solche Klänge die das Lied eines Kampfes mitunter weit schlimmer machen. Die Schreie der Gequälten, Gepeinigten, Verwundeten, Sterbenden, welche dem Auftakt aus Waffen folgen. Das Kreischen eines Verwundeten oder Verstümmelten, das Aufprallen der tödlichen Schläge auf die Gefallenen bis sie aufhören zu atmen oder den Versuch aufgeben sich wieder zu erheben, wenn sie nicht das Glück hatten das die Gnade in einem Hieb lag ihr Leben sofort zu beenden, solange bis ihre Schreie verstummen und ihre Lebensfäden durchtrennt sind, manchmal erst wenn ihre Körper kaum mehr zu erkennen oder in Stücke geschlagen wurden. Eine seltsame Metapher und ich beende den Gedanken für den Moment an dieser Stelle, wende mich dem nächsten Schemen zu.
Ein Stich in die Kehle des zweiten Raubtieres, nur Sekunden nach dem ersten, das sich in der Dunkelheit zu nah mit klaffendem Maul an die Spitze des Schwertes gewagt hat. Ich fühle keinen Groll, keinen roten Dunst vor den Augen als die vom Lagerschein tanzenden Schatten den Tod des Tieres bezeugen, während das Blut von der Klinge tropft die ich zurückziehe. Krallen, Zähne reißen das Leder der Beinrüstung von Knöchel bis zur Wade aus, ich wanke – ohne einen Gedanken zu verschwenden schmettere ich die Schneide nach unten, zertrenne mit der Wucht des Hiebes im Fall beinahe die Wirbelsäule des ausgemergelten Tieres ehe ich auf den warmen dampfenden Leib und das verklebte Fell stürze. Reißzähne knirschen und schlagen Funken als ich die billige Prothese aus dunklem Eisen nach vorne reiße um zu verhindern dass das nächste vor Hunger halb wahnsinnige Vieh mir die Kehle zerfetzt, Krallen schaben über das Brustleder und ich donnere den Schwertknauf gegen den Schädel des Wolfs. Einmal, zweimal, dreimal... er bricht mit aus dem Maul hängender vor Hitze ausgetrockneter Zunge über mir zusammen. Brüsk schiebe ich den haarigen Leib von mir, komme gerade noch rechtzeitig auf die Beine um dem letzten des kleinen Rudels auszuweichen, Pfoten kratzen über Stein und Staub und noch als das Tier sich kläffend umwendet trete mich mit Wucht gegen seine Flanke – nichts was es töten würde – aber das staubtrockene Fell brennt wie das karge Steppengras, als es in dem fast ausgebrannten Feuer landet. Mit einem hohen Heulen fetzt es durch das glühende Halbdunkel, schnappt in Pein nach seine seinem eigenen Leib wie um sich selbst zu zerreißen. Irgendwo in der glühenden Dunkelheit hört der lodernde Punkt auf sich zu bewegen.
Ich fühle ein Prickeln im Nacken und trotz der Hitze stellen sich die kleinen Häärchen auf, aber seltsamerweise weicht die Ruhe nicht, Puls und Atem schnell, die Gedanken nicht mehr als eine scharfe klare Linie. Mit einem Schritt drehe ich mich herum – und halte etwas überrascht inne. Ein sechster Aschenwolf... jedoch sitzt er still in einiger Entfernung. Ich habe ihn zuvor nicht gesehen und im Feuerschein reflektieren die gelben Augen den intelligentesten Blick den ich bei einem Tier je bewusst wahrgenommen habe. Langsam senke ich die Klinge auf der die dunkle Flüssigkeit bereits schon eine trockene rote Kruste gebildet hat gehe einen Schritt auf den Wolf zu und spüre einen stechenden Schmerz im Bein – mein Schwert trennt der Schlange der ich zwischen den kleinen Steinen in den Schatten zu nahe gekommen bin den Kopf ab. Kurz zuckt der mattschillernd schwarze Schuppenleib und ich starre auf ihn. Als ich den Blick wieder hebe ist der Wolf verschwunden.
Ein stummer Fluch kommt mit über die Lippen als ich die Klinge in den Waffengurt führe und niederknie. Es ist nicht allein Blut das durch die rüstungsdurchtrennenden Krallen und Zähne vom Unterbein auf den Boden tropft. Zwischen dem aufgefetzten Leder und dem Blut sehe ich den Biss und das klare Sekret das sich im fast erloschenen Glutschein widerspiegelt. Man muss kein Genie sein um sich über die Wirkungen und Optionen ins Klare zu geraten. Ich überlege nicht lange nehme das Tuch vom Mund und zurre es so fest um die Wade, dass das Blut abgeschnürt wird. Eines der Wurfmesser tauche ich in den letzten Flammenschein, dann setze ich es an. Immerhin keine verdreckte Goblin-, Untoten- oder Orcklinge. Eine altbekannte Stimme hallt durch meine Erinnerung. „Fühlst du deinen Körper?“ Fühlen... verdammt nochmal ja. Aber dennoch durchtrenne ich die Hautschichten und das Fleisch wie ein unbeteiligter Beobachter, sehe wie mehr Blut aus dem Schnitt fließt, gierig von dem trockenen Boden aufgesaugt wird während ich abwarte, mich sonst nicht bewege, nur einmal aufsehe – doch der Wolf bleibt verschwunden – einzig seine toten Artgenossen säumen den Staub. Ein letztes Mal wandert die Klinge in einer langsamen Bewegung in die sterbende Glut und ein heiserer Fluch, krächzend und spröde durchbricht die Stille als ich die glühende Klinge auf Schnitt und Bisswunde drücke. Zu dem Gestank von moschusdurchtränkten Fell, dem kupfernen Geruch von Blut und Rauch gesellt sich der beißende Geruch von verbrannten Fleisch. Zitternd lasse ich die Hand sinken und lehne mich gegen den Felsen. Lange Momente liegt mein Blick wieder auf dem nächtlichen Hort mit seinen gleichgültigen Sternen ehe ich mir klarmache, dass das Blut bald die Geier – und vielleicht andere anlocken wird. Dennoch bleibe ich eine Stunde, vielleicht mehr, vielleicht weniger zurückgesunken gegen den Fels sitzen ehe ich mich hochzwinge, zumindest einen Kojoten einige Brocken zähen Fleisches von den Knochen abtrenne, die kaum gefüllte Konserve ausgrabe, und in den Feldschlauch fülle, dann den Rucksack auf die Schultern zerre. Ich bedauere die Verschwendung für einige Atemzüge, ebenso wie die Tatsache der Ursache der ideographisch zerfallenen Feuerstelle für jeztt nicht auf den Grund gehen zu können. Der kommende Tag kündigt sich mit einer blutroten Linie gegen den schwarzen Monolith im Osten bereits an, als ich nur für einen weiteren Moment die Augen ausruhe.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fragmente aus der Brennenden Steppe
BeitragVerfasst: 2. Aug 2013, 21:40 
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Das Feuer ist niedergebrannt und die letzten Sterne beginnen zu verblassen. Der heiße Wind schreitet rastlos dahin und es gibt niemanden in dieser unwirklichen Steppe, der seiner Geschichte zuhört. Ich zucke im dösenden Halbschlaf kurz zusammen, liege dann wieder still da, träume einen durstigen Traum. In dem Zwielicht sind die Silhouetten der Berge unsichtbar, jedes Gefühl der Schuld, jedes Gefühl des Bedauerns verschwunden. Die Wüste hat sie langsam ausgebrannt. Stattdessen denke ich immer häufiger an diejenigen die mir vieles von dem beibrachten was ich weiß. Manche von ihnen vermögen es Weiß von Schwarz zu unterscheiden.
Ich bewege mich wieder und erwache, blinzle in das tote Feuer, dass die scharfkantigen Formen der trockenen Erde überlagert. Ich weiß, dass ich ein Romantiker bin, irgendwo tief innen, aber dieses Wissen hüte ich wie das meiste eifersüchtig. Es ist ein Geheimnis, dass ich über die Jahre mit nur wenigen geteilt habe, wenn überhaupt - bin mir nicht sicher. Das Mädchen aus Gilneas, Suadya ist vielleicht einer dieser Menschen gewesen. Dieser Gedanke führt mich natürlich unweigerlich zu einem anderen Gesicht, einem anderen Namen, das sich sich in meiner Erinnerung abzeichnet, ehe die Bilder zu lange vergangenem weiterziehen. Die meisten Gesichter gehören denen die längst tot sind. Fast alle aus meiner Vergangenheit sind tot, außer mir. Die Welt hat sich weitergedreht. Seltsam. Ich schultere wieder den Rucksack, erhebe mich und setze mich in Bewegung.

Den ganzen Tag geht mir ein Lied aus meiner Kindheit durch den Kopf, diese Art von Lied, die einen wahnsinnig machen kann, die einfach nicht lockerlässt, die spottend jeden Befehl des Verstandes verdammt nochmal aufzuhören und sich zu verziehen gekonnt ignoriert. Mir ist klar, warum mir dieses Lied eingefallen ist. Einige Nächte in der Wüste habe ich von lange vergangenen Tagen und skurillerweise meiner Mutter geträumt, die es mir - wieviele Ewigkeiten sind seitdem vergangen - Abends manchmal vorgesungen hatte wenn ich stumm in meinem winzigen Bett vor dem schlierigen Fenster mit dem trüben Farben der Altstadt lag. Ich erinnere mich an das schwere graue Regenlicht das auf der uralten Flickendecke farblose Farben warf, fühle die Kälte des Zimmers und die Wärme der Decke wie die über die Jahre immer mehr Liebe zu der Person die einmal meine Mutter war, erinnere mich an ihre damals noch roten Lippen, die einprägsame Melodie mit den sinnlosen Versen und ihre Stimme.
Es fällt mir wieder ein und es macht mich ganz irre, ich fühle mich wie ein Köter der in Gedanken seinem eigenen Schwanz hinterherjagt. Mein Wasservorrat ist mittlerweile komplett erschöpft und der Schmerz pulsiert bei jedem Schritt durch mein Bein. Mir ist bewusst, dass ich vermutlich ein toter Mann bin - auch wenn ich nie wirklich damit gerechnet habe, dass es soweit kommt. Seit Mittag achte ich nur noch auf meine Füße und nicht mehr die vor mir liegende Ebene, den Weg und die Schatten der Berge die sich näher schieben. In diesen Meilen ist sogar das Gras verkümmert und die verkrustete Erde an manchen Stellen zu Staub zerkrümelt. Ja... die Berge waren erkennbar deutlicher geworden, schwarz, sind seid dem Zwischenfall doch beinahe drei Tage vergangen. Ich beobachte ungerührt wie sich meine Stiefel zu Schritten heben und senken, lausche dem Kinderlied, das sich in meinem Verstand immer mehr zu schräg verstümmelten Tönen verzieht und frage mich wann ich zum ersten Mal straucheln und hinfallen werde. Ich will nicht hinfallen, auch wenn niemand da ist der mich dabei sehen kann, es ist eine Sache des Stolzes. Es mag seltsam sein, aber ich weiß sehr wohl, was stolz ist - die unsichtbar gespannten Fäden, die einen aufrecht halten. Auch wenn ich es von keinem Vater gelernt habe, waren es andere die es mir eingebläut haben... andere. Ein vernarbtes Gesicht, umrandet von wilden schwarzen Bartstoppeln und Haare blitzt kurz durch die Erinnerung.
Ich bleibe unvermittelt stehen und blicke auf. Mein Kopf summt und für einige Momente scheint mein Körper zu schweben. Am Horizonz, beinahe greifbar das Ziel, ragen die Berge verträumt nach wie vor auf. Aber vor mir liegt noch etwas anderes, viel Näheres, vielleicht nur vier oder fünf Meilen entfernt. Ich blinzle, doch meine Augen sind von Staub verklebt, vom grellen erbarmungslosen Sonnenlicht fast gänzlich geblendet. Ich schüttle den Kopf gehe weiter. Das Lied kreist und summt weiter in mir. Eine Stunde später falle ich hin und schürfe mir Hand und Arm auf. Ich sehe die winzigen Blutstropfen auf der aufgerissenen Haut beinahe ungläubig an. Das Blut wirkt nicht dünner als sonst während es in der Gluthitze der Luft stirbt, sieht wie jedes andere normale Blut aus. Es scheint beinahe so selbstgefällig wie die Wüste. Ich streiche die Tropfen weg. Selbstgefällig. Ein heiseres keuchendes Lachen. Warum nicht? Blut selbst war nicht durstig, man diente dem Blut, dem Blut wurden Opfer gebracht, so war es schon immer. Blut musste nichts weiter tun als einfach nur fließen. Ich betrachte die Tropfen die auf den verkrusteten Boden gefallen sind, beobachte wie sie mit atemraubender Geschwindigkeit hastig, gierig von der Wüste aufgesogen werden. Na? Wie gefällt dir das Blut? Mache ich es dir Recht?

Oh Nether nochmal. Ich bin wirklich komplett hinüber.

Ich stehe auf, halte die Hand vor die Brust und die Schemen die ich zuvor gesehen habe sind nun fast greifbar vor mir. Es sind verfallene zwergische Bauten. Ein Gebäude... nein zwei. Eines davon war wohl einst eine Schmiede gewesen, die Form ist noch immer klar und unmissverständlich. Das andere ist ein Haus. Vermutlich eine alte Zwischenstation zwischen dem Schwarzfels und der Handelsstraße. Das Holz und selbst der Stein scheint uralt, beinahe nicht mehr als Staub und wirft einen Schatten - und in diesem Schatten eine Silhoutte. Ein überraschtes Krächzen entkommt mir. Ich stehe mit der Hand vor der Brust da, bemerke nicht einmal die melodramatische Haltung und starre. Und anstatt von Aufregung, Angst spüre ich nur für einen Moment ein vages Schuldgefühl wegen des zuvorigen plötzlichen Hasses auf das Blut und dem endlosen Widerhall des Kinderliedes. Ich gehe einen Schritt weiter und mühsam schaffe ich es die Armbrust ungelenk zu spannen. Die letzte Viertelmeile lege ich in einem stolpernden Laufschritt zurück, versuche nicht einmal meine Anwesenheit zu verbergen, würde es ohnehin keinen Sinn machen. Es gibt hier nichts hinter dem ich mich verstecken könnte. Mein kurzer Schatten läuft neben mir, ich trete und falle fast über die fast abgetragene bröckelnde Mauer hinweg und hebe die Armbrust, als ich über den totenstillen sengenden Vorplatz laufe, als sich die Gestalt bewegt und ich wie vom Donner gerührt stehen bleibe, das Lied in meinem Kopf zu einem unmelodischen Summer verzerrt. Mein Herzschlag rast und ich sauge die glühende Luft ein, lasse den Kopf kurz sinken und als ich ihn wieder hebe hat ist die Gestalt nicht mehr dieselbe sondern die des Wolfes aus der Nacht von vor drei Tagen, der mich mit teilnamslosen gelben ohne jegliches Interesse ansieht. Ich starre das Tier verständnislos an, schüttele verneinen, abstreitende den Kopf. Doch der Schemen verweilt, löst sich nicht auf, liegt nach wie vor dort im Schatten. Ich schüttle noch einmal den Kopf und gehe mit gesenkten Haupt auf die Schmiede zu ohne die Armbrust zu verstauen. Kein klarer Gedanke lässt sich mehr fassen, mein Kopf ist mit Staub, Staub, Staub und Asche gefüllt und der dumpf pochende Schmerz der sich vom Bein durch den Körper hochzieht baut sich darin auf. Das innere der Schmiede liegt still und dunkel da, explodiert beinahe in der Hitze. Mit verschleierten Blick sehe ich mich um, erblicke wieder den Schatten der reglos in dem verfallenen Eingang sitzt und mich betrachtet. Eine Lanze des Schmerzes bohrt sich mir in den Schädel, zerschneidet ihn von der einen Schläfe zur anderen.
Ich schwanke, hebe wie abwehrend die Armbrust, will das verfluchte Trugbild abwehren und falle dann vorneüber auf mein Gesicht als mich gnädige Dunkelheit verschlingt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fragmente aus der Brennenden Steppe
BeitragVerfasst: 26. Aug 2013, 14:00 
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Zwei Jahrzehnte.

Zwei Jahrzente waren vergangen, seit die Horde zerschlagen worden war. Zwei Jahrzehnte, seit Rend Schwarzfaust seinen Clan zu einer der letzten Festungen der wahren Orcs geführt hatte. Seitdem kämpften sie ununterbrochen, doch da war dieser Bastard Thrall gewesen, der versuchte, sein Volk in etwas zu verwandeln, das es nicht war, mit Menschen, Elfen - schwachen, feigen Abschaum ohne Ehre paktierte – und seine „Neue Horde“ erblühte, während die Orcs des wahren Wegs in einer brühend heißen, lebensfeindlichen Gegend bei einem dunklen Berg festsaßen, verbannt und sich mit Spinnenfleisch, Schlangen, Aas und verdrecktem Trinkwasser begnügen mussten. Die Allianz bedrängte die wahre Horde von allen Seiten, Ehre und Blut schwanden dahin - obwohl es die Orcs sein sollten, welche die Allianz bedrängen und deren Blut vergießen sollten!

Ein dumpfes kehliges Fluchen entkam Gormak, er knurrte voller Zorn und Frustration seine Wut in die Weiten der brennenden Steppe hinaus und trat zornig einen vermutlich menschlichen oder zwergischen Schädel dreißig Meter von sich in die aufwirbelnde Asche weg. Ein großer dürrer Worg schaute verwirrt auf, als die splitternden Knochen dicht vor ihm aufschlugen. Gormak erhob sich und trat zu seinem Reitwolf mit dunkel verflizten Fell, sein Blick zuckte zur Seite, stechend lag er auf dem Späher, gekleidet in rau gegerbtes Tierleder, welcher den Boden betastete. "Wie lange ist es her?" Der Orc sah auf, zerrieb die Asche zwischen den Fingern. "Vier Tage, vielleicht fünf." lautete die geknurrte Antwort. "Es waren mehrere. Und ein einzelner."

Ohne Respekt wagten sich sogar jetzt noch Menschen in diese Region, die kaum mehr als Feuer, Asche und Tod zu bieten hatte. Eine Gruppe Drachenjäger, marodierend, überfallend, ohne einen Funken Ehre im Leib den wahren Kampf zu suchen. Zwei Wochen waren sie nun auf der Jagd. Sie würden ihren Kampf bekommen. Diesen Gedankens war sich Gromak mit heißer und grimmiger Sicherheit bewusst. Er würde ihnen seine Axt in ihre verweichlichten Leiber treiben, ihr Blut auf heißem Boden vergießen, ihre Tiere zerreißen und ihre Knochen der bleichenden Sonne überlassen, während ihre blanken Schädel als Trophäen seinen Gurt zieren würden. Dann würden sie die wahre Stärke der Orcs sehen. Sie würden sehen, was es bedeutete sich in Gebiete vorzuwagen, dass allein der wahren Horde zustand. "Lok-Narash!" brüllte er das halbe Dutzend an, als er sich auf den Wolf schwang, die schartige Axt mit einem wilden Schrei in die Höhe riss. Kehlig antwortete ihm das Brüllen aus heiseren Kehlen, das Aufknurren der Wölfe und in aufpeitschenden Ritt trieb er dem Tier die Fersen in Flanken, den Spuren der Menschen nach. Gromak hatte Gerüchte aus dem Westen gehört - ein neuer Kriegshäuptling, stark, sich an die Werte erinnernd. Jeder Orc kannte den Namen Höllschrei und es war dessen Sohn - ein Mag‘har war er, ein "Unverdorbener", ein Überlebender des alten Volkes. Garrosh hatte den Drachenmalclan ebenso in die Horde geführt, den ehrlosen Frieden mit der Allianz beendet, wahre Stärke gezeigt. Es sollte eine Stadt geben weit in Kalimdor, mit eisernen Spitzen, Nahrung, Wasser im Überfluss! Niemand würde es wagen die Orcs je wieder herauszuforden. Niemand würde es je wieder wagen ihnen den Namen Sklaven zu geben. Niemand würde es wagen ihnen diese Welt und ihr Erbe zu verbieten, dass sie sich mit dem Blut ihrer Feinde erneut erkämpfen würden! Es konnte nicht mehr lange dauern, bis ein Bote endlich den Schwarzfels erreichen würde, ebenso wie er das Hochland erreicht hatte. Der Tag würde kommen. Und sie wären bereit.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fragmente aus der Brennenden Steppe
BeitragVerfasst: 26. Aug 2013, 17:08 
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Woche 6-7: Brennende Steppe

Das Universum war leer. Nichts regte sich. Nichts war. Er hatte das Gefühl zu schweben. Verwirrt.
Ein wenig Licht... Es war keine Stimme vielmehr ein Gefühl und es wurde heller.
Ein dunkles Firmament mit Sternen darin. Und Wasser unten. Er schwebte über endlosen Wassern. Über ihm funkelten die Sterne, aber dennoch sah er keines der Sternbilder, die erkannte, keines das ihm so oft den Weg gewiesen hatte und ihm gesagt hatte wo er war.
Land. Es erhob sich in endlosen elektrisierenden Zuckungen aus dem Wammser. Es war rot, kahl, rissig und unfruchtbar. Vulkane die hässlichen Eiterbeulen auf dem Körper eines Pestkranken glichen stießen endlose Magmaströme aus.
Nur ein Anfang. Es braucht Pflanzen. Bäume. Gras und Wiesen. Und aus der kahlen Erde wuchs etwas. Hier und dort stapften Echsen, gewaltig, riesig durch die Gegend, knurrten und fauchten, fraßen sich gegenseitig und blieben in blubbernden übelriechenden Teergruben stecken, in welchen sie langsam versanken. Überall erstreckten sich jenseits der Wüste endlose tropische Wälder. Riesenfarne und Efeu rankten und winkten mit gefiederten Blattwerk gen Himmel. Auf einigen von ihnen krochen Insekten, Schlangen, Käfer. Er sah das alles, fühlte sich aber immer noch als würde er über all dem treiben.
Jetzt... die Rassen. Trolle, Irdene... Menschen. Aber er fiel... fiel aufwärts. Der Horizont dieser unermesslichen, fruchtbare Erde begann sich zu runden. Ja, alle hatten sie gesagt, dass sie rund war, irgendwo hatte er gelesen, das wäre schon lange, lange bevor die Welt zu dem geworden war bewiesen und verstanden wurde.
Immer weiter und weiter, höher und höher. Vor seinem Auge nahm ein Kontinent Gestalt an, zerbrach und wurde zu Kontinenten, die von Wolkenbergen verdeckt wurden. Die Atmosphäre der Welt hüllte sie wie eine dichte Plazenta im Mutterleib ein. Und die Sonne die jenseits des Weltenrandes aufging...
Ein stummer Aufschrei und er schlug den Arm vor das Gesicht. Licht! Die Stimme gehörte niemanden mehr, sie war groß, gigantisch und hallend, durchdrang den Raum und die Räume zwischen den Räumen. Licht. Nun fiel er. Fiel, fiel, fiel. Die Sonne schrumpfte. Ein von Kanälen durchzogener, rot zerbrochener Planet den ein fremder Mond umkreiste wirbelte vorbei. Ein Gürtel tanzender Felsbrocken und ein weiterer gigantischer Planet, auf dem Gase brodelten, der zu groß war sich selbst zu stützen und als Folge dessen an seinen Polen abgeflacht war. Weit dahinter eine Welt aus Ringen, die wie ein kostbarer Edelstein inmitten eines Gürtels aus Eispartikeln glitzerte. Andere Welten, eine zwei, drei. Weit jenseits der letzten kreiste ein einsamer Ball aus Eis und Fels in toter Dunkelheit um eine Sonne die nicht mehr heller war, als ein matter, stumpf reflektierender Silberling.
Und jenseits - Dunkelheit.
"Nein..." brachte er hervor und das Wort klang tonlos und ohne Echo in die Dunkelheit hinaus. Es war dunkler als dunkel, schwärzer als schwarz. Mit dieser Dunkelheit verglichen schien selbst die finsterste Nacht in der Seele eines Mannes ein strahlender sonniger Nachmittag, die Dunkelheit unter der Tiefe eines Gebirges lediglich ein Tropfen auf dem Antlitz des einen Lichts. "Es reicht. Es reicht...."
LICHT.
"Es reicht..." Die Sterne selbst fingen an zu schrumpfen. Ganze Spiralnebel zogen sich zusammen und wurden zu geist- und formlosen Schlieren, die sich im Nichts verloren. Alles um ihn herum schien sich zusammenzuziehen, ihn in endloser Schwärze zu erdrücken. "Bitte es reicht es reicht es reicht..." Und er hörte eine Stimme, seidenweich, dunkel wie samt als ob jemand direkt in sein Ohr flüstern würde. Dann gib auf. Lass all deine Gedanken an die Zukunft sein, lass deine Waffen sinken und kehre niemals zurück. Geh deines Weges und beginne mit der mühseligen Arbeit, deine Seele zu retten. Er war erschüttert und allein, von der Dunkelheit umgeben und alle Gesichter, Erinnerungen begannen zu verschwinden. Kameraden, Freunde, Familie - die Namen und Geschichten entglitten ihm und er verspürte Furcht. Tiefes Entsetzen vor dem was auf ihn zugerast kam wie eine letzte Bedeutung. und es kostete ihn alles sich zusammen zu nehmen und die eine entgültige Antwort in dieser Sache stumm in die Leere hinauszubrüllen. "NIEMALS!" Und es wurde hell. Gleißendes Licht, dass wie ein Hammer auf ihn herniederschlug, ein gewaltiges, vorzeitliches Licht, jenseits aller Vorstellung. Das Bewusstsein hatte in jenem grellen Strahlen keine Überlebensmöglichkeit mehr, aber bevor es verschwand, sah er etwas in aller Klarheit, etwas dem er für den Rest seines Lebens vielleicht Bedeutung beimessen würden, vielleicht auch darüber hinaus. Er klammerte sich mit qualvoller Anstrengung daran und sank dann tief ihn sich, suchte Zuflucht in sich selbst, dem einzigen was hier blieb, bevor das Licht seine Augen für immer blenden und seinen Verstand zerbrechen würde, zwang sich wegzusehen, weg von dem Licht und dem Wissen, dass es in sich bergen mochte... und fand wieder zu sich selbst. Nicht anders als alle Übrigen es vielleicht getan haben mochten, es vielleicht Bessere getan hatten.


Es ist wieder Nacht - ob es die selbe oder eine andere ist kann ich nicht auf Anhieb erkennen. Mühsam und langsam richte ich mich an der Stelle auf, zu der mein Sturz mich getragen hat. Ich sehe das halbverfallene Dach, die dunkle Steinwand, die aschegescheuerten Bodenplatten und den Staub, das rotglühende Licht der Nacht was in die uralte Schmiede hereinfällt. Der Wolf... war fort.

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