Söldnerbund Dämmersturm

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 Betreff des Beitrags: Muhbrag & Freyri: Ein Sturm aus Blei und Blödheit
BeitragVerfasst: 21. Nov 2012, 22:08 
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Autor: Freyri (Sascha)
Titel: Muhbrag & Freyri: Ein Sturm aus Blei und Blödheit
Teile: mehrere
Genre: Action, Comedy, Spaghetti Western
Hinweis: Azeroth gehört Blizzard, ich schreibe die Story aus Spaß, nicht um Geld damit zu verdienen. Alle Charaktere sind meine, mit Ausnahme von Muhbrag, Alvrim und Percy, die ich aber hoffentlich nicht charakter-ungerecht darstelle. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und würde mich über Kommentare und Kritik freuen.


Muhbrag & Freyri
Ein Sturm aus Blei und Blödheit


Bild


Prolog


Fünfunddreissig Jahre zuvor


"Für Khaz Modan, Freyri?" Tharin's struppiger, kurzer, dunkelbrauer Bart zuckte, als er grinste und sein Gewehr feste in beide Hände nahm. Freyri nickte und versuchte, Zuversicht zu haben, versuchte, die Angst zu verdrängen, die immer in ihm geschlummert hatte, seit das Dunkle Portal vor sechs Jahren geöffnet wurde und die Welt in Krieg gehüllt worden war. Nun nannte man das ganze den Zweiten Krieg. Und er hatte die Länder der Zwerge erreicht. "Für Khaz Modan, Tharin!", entgegnete Freyri und zog sich die hellgrüne Kapuze etwas mehr ins Gesicht, um sich vor dem schneidenden Wind zu schützen. "Fresse halten, ihr Kiesel!", knurrte Angus Heldenhammer leise und gab seinem jüngsten Sohn einen tadelnden Klaps auf den Hinterkopf. "Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen, eine Schlacht zu gewinnen. Ersetzt euren Heldenmut also bitte durch Konzentration, ja? Denkt an das, was euch beigebracht wurde. Folgt mir!" Der kleine Spähtrupp aus acht Zwergen hatte die Aufgabe, Thelsamar zu erreichen, um Befehle aus Eisenschmiede zu überbringen und die Lage auszukundschaften. Der Südpass jedoch war bereits hart umkämpft. Es wimmelte beim Südtoraußenposten bereits von Orcs, das Tal der Könige war bereits komplett überrannt. Der kleine Trupp hatte also umkehren müssen. Ursprünglich waren es zwei Trupps, doch Angus hatte den anderen Trupp zurück nach Eisenschmiede geschickt. Der Andrang der Orcs war so enorm, dass Vorbereitungen getroffen werden mussten. Gut möglich, dass Loch Modan verloren war. Dennoch musste Thelsamar irgendwie erreicht werden. Angus' kleiner Trupp hatte also den Umweg über den Nordtorpass gewählt, den Außenposten dort gewarnt und ebenso die Station Algaz. Dann hatte sich der Trupp nach Süden begeben, immer an Rand der Berge entlang. Es war mitten in der Nacht, beide Monde standen hell am Himmel. Doch der Horizont im Süden flackerte rot von den Flammen des Krieges. Angus war der Anführer des Trupps, obwohl er eigentlich als Mitglied des Zwergenmörser-Trupps eher eine untergeordnete Position im Gebirgsjägerkorps innehatte. "So, ihr Frischlinge, ich will, dass ihr die Schnauze geschlossen und die Augen offen haltet. Wir rücken vor." So verließ der Trupp die erhöhte Position am Fuß der Berge und schlich sich durch den Wald. "Glaubst du, Mutter geht es gut", fragte Freyri seinen Vater nach einer Weile und versuchte, bei ihm irgendwo Sorge oder eine andere Gemütsregung zu finden. Er fand jedoch keine. "Deine Mutter ist eine fähige Kriegerin und eine Wildhammerzwergin", entgegnete Angus und hielt die Flinte kampfbereit in den Händen. Der schwere Mörser auf seinem Rücken schien ihn kaum zu behindern. "Sie wird ihr Leben so teuer wie möglich verkaufen, soviel steht fest." Angus brummte, ein sicheres Zeichen dafür, dass das Gespräch für ihn erledigt war. Shorty, das andere Mitglied des Zwergenmörser-Trupps, legte Freyri jedoch aufmunternd eine Hand auf die Schulter. "Kopf hoch. Und konzentriere dich. Hat keinen Sinn, dich jetzt verrückt zu machen, Kleiner. Deine Ma hat es drauf." Zwischen den Bäumen war nun der Schein der Flammen zu erkennen, Thelsamar war ganz nahe. "Ich wette, ich knalle mehr Orcs ab als du", wisperte Tharin und grinste. Freyri verkniff es sich, mit den Augen zu rollen. Von den fünf anderen Rekruten verstand er sich mit Tharin Kaltherz zwar am Besten, doch der etwas ältere Zwerg aus Kurlsgart war auch unglaublich arrogant und besserwisserisch.

"In deinen Träumen vielleicht", antwortete Freyri, doch er war nicht wirklich in der Stimmung für Wetten oder Späße. Seine Mutter, Runia Heldenhammer, war in Thelsamar stationiert. Wie schlimm stand es dort wohl? War sie noch am Leben? Würde man das Ruder herum reissen und die Orcs aufhalten, oder war der Rückzug nach Eisenschmiede unvermeidlich? Aus dem Süden her war nun Schlachtenlärm zu hören. Stahl, der in tödlicher Absicht aufeinander klirrte, Kriegstrommeln der Orcs und wilde Flüche der Zwerge. Die Schlacht um Thelsamar musste in vollem Gange sein. "Vorrücken!", befahl Angus, "Freyri, Tharin und Jorin sichert die linke Seite, überquert die Straße und rückt zur Stadt vor. Es mag dort Feindkontakt geben, nutzt also die erhöhte Position weise und schießt keine Kameraden nieder! Ich bin direkt hinter euch, werde aber meinen Mörser aufbauen und sehen, ob ich ein paar Orcs weg sprengen kann. Shorty, du nimmst Vroni, Duria und Durmin mit dir und näherst dich von Rechts." Shorty nickte nur und zückte zwei Granaten, ehe er ins Dickicht huschte, dicht gefolgt von den drei Rekruten. Angus nickte Freyri zu. "Los! Ich brauche hier noch etwas..." Er begann, den Mörser abzunehmen. Freyri gehorchte seinem Vater und gemeinsam mit Tharin und Jorin schlich er gen Osten, überquerte die Straße, die von der Station Algaz an Thelsamar vorbei ins Tal der Könige führte. Sie wollten sich der Stadt von Norden her nähern. Dann jedoch krachte es in der Nähe, Erde und Steine wurde aufgewirbelt, flogen den drei jungen Rekruten um die Ohren "Runter", schrie Jorin und warf sich auf den Bauch, sah durchs Zielfernrohr, von wo aus der Angriff gekommen war. Freyri ging hinter einem Baum in Deckung und Tharin warf sich in die Büsche, keuchte dumpf auf. "Bist du getroffen, Tharin?", wisperte Freyri und versuchte, am Baum vorbei zu spähen. "Feindkontakt?", fragte er an Jorin gerichtet. "Negativ, wohl eine verirrte Granate", flüsterte der andere Zwerg und robbte sich langsam näher an die Stadt heran. Weite Teile von Thelsamar standen in Flammen. "Ich habe mir den Knöchel verstaucht", knurrte Tharin und Freyri konnte im Schein der nahen Flammen sein schmerzverzerrtes Gesicht sehen. "Nicht mal anständig in Deckung gehen kannst du", murrte Freyri und huschte zu ihm, packte ihn grob, zog ihn hoch und legte sich einen seiner Arme um die Schulter. "Ich halte dich nur auf, geh vor", forderte Tharin und humpelte mühsam, "Ich suche deinen Vater, der wird ja irgendwo hinter uns sein..." Freyri war hin- und hergerissen. Ja, Tharin war wohl zu langsam, eine Last. Aber andererseits war ihm eingetrichtert worden, auf seine Kameraden zu achten. Doch was war mit seiner Mutter? "Verdammt noch mal...Also gut! Behalt den Kopf unten und knall jeden Orc ab, der sich hierher verirrt, ja?" Er ließ Tharin zu Boden, wo sich der Kurlsgarter Zwerg an einen Baum lehnte. Dann eilte Freyri vorsichtig nach Süden, um Jorin einzuholen. Dieser hatte bereits den Stadtrand erreicht, hatte die linke Faust unter das Gehäuse seines Gewehrs geschoben und gab immer wieder Schüsse auf die tiefer gelegene Hauptstraße von Thelsamar ab, wo sich Orcs und Zwerge in wildem Getümmel gegenüber standen.

Am anderen Ende des Stadt wogte die Horde der Orcs hin- und her, drosch auf ihre Kriegstrommeln und feuerte mit primitiven Bögen in die Reihen der Verteidiger. Dann jedoch krachte ein Geschoss in ihre Reihen und fetzte einige in einem Regen aus Geröll, Blut und grünem Fleisch auseinander. Irgendwo in der Nähe hatte Angus Heldenhammer das Feuer mit seinem Mörser eröffnet. Ein Orc erklomm die Anhöhe zu ihrer Position und Freyri konnte bereits das aggressive Glühen in seinen Augen sehen, als er sich brüllend auf sie stürzen wollte. Doch Jorin riss die Flinte herum und schoss dem Orc ins Gesicht, noch ehe dieser mit der Axt ausholen konnte. "Pass auf deinen haarigen Hintern auf, Frey, ich kann schlecht ein Auge auf dich werfen, wenn ich es zum Zielen brauche..." Freyri nickte dankbar, legte sich ebenfalls auf den Bauch. Dann schlug ein Pfeil in Jorins linke Schulter, bohrte sich durch das dicke Leder. Der junge Zwerg ächzte auf, vor Schmerz und Überraschung und sein Schuss verfehlte den anvisierten Orc um Längen. "V-Verdammt..." Jorins roter Vollbart färbte sich rot. "Zieh dich zurück", ermahnte Freyri und schoss auf die weit entfernten Bogenschützen der Orcs. Nur widerwillig gehorchte Jorin. "Lass dich nicht auch noch erwischen", ermahnte er, dann verschwand er rasch und weitere Worte wurden übertönt von dem Krachen einer weiteren Granate, die inmitten der Orcs einschlug und explodierte. Doch die Reihen dieser grünen Unholde schienen sich einfach nicht lichten zu wollen. Freyri drückte sich an den Boden, wollte so wenig Angriffsfläche wie nur möglich bieten, packte zitternd sein Gewehr und lud nach, ehe er erneut nach Zielen Ausschau hielt. Doch die kämpfenden Orcs inmitten der Straßen waren schwer zu treffen, die Bogenschützen zu weit entfernt. Seine Ausbildung hatte gerade erst begonnen, und trotz der Zeit vor seinem Eintritt in den Gebirgsjäger-Korps, in der er geübt hatte, war er noch ein recht schlechter Schütze. Dann krachten zwei Granaten in die Reihen der Bogenschützen und das Dröhnen ihrer Kriegstrommeln verstummte kurz. Von Westen her griffen Shorty, Vroni, Duria und Durmin an, gemeinsam mit zwei Dutzend anderen Zwergen. War Verstärkung angekommen? Freyri versuchte, Hoffnung zu haben, feuerte weiter auf die Orcs. Shorty und seine Begleiter schlugen einen Keil in die Orcs am Stadtrand, trennten sie effektiv von denen, die innerhalb der Stadt am Kämpfen waren. Doch durch sein Zielfernrohr sah Freyri auch, wie Durmin der Schädel gespalten wurde und wie Vroni einen Pfeil in die Kehle bekam. Die Schlacht wurde zunehmend erbitterter und Freyri sah nach hinten, sah jedoch keine Spur von seinem Vater, von Tharin oder Jorin. Er beschloss, vor zu rücken, rutschte den Abhang hinab und landete auf einem Dach, rollte sich ab. Thelsamar lag in einer Senke und Freyri war nun näher am Kampfgeschehen, spähte über den Rand des Daches auf die Hauptstraße, wo sich Zwerge und Orcs gnadenlos ihre Waffen um die Ohren schlugen. Mächtige Äxte krachten auf Schilde, schlugen Gliedmaßen ab und mähten zahlreiche Zwerge nieder. Doch Zwerge waren zäh, mutig. Sie glichen die Stärke und Größe der Orcs mit purer Entschlossenheit wieder aus.

Freyri sah, wie ein Zwerg seinen Kriegshammer schwang und einem mächtigen Orc das Bein zertrümmerte, ehe er nachsetzte und den Kopf mit einem harten Schlag wie eine Frucht zerplatzen ließ. Woanders huschte ein Zwerg durch die Beine eines Orcs, schlitzte ihm mit seinen Handäxten die Kniekehlen auf, ehe er ihm den Kopf von den Schultern schlug, kaum dass er auf die Knie ging. Und dann war da noch der mächtige, riesige Anführer der angreifenden Orcs. Und seine Gegnerin in der silbernen Mithrilrüstung. Runia Heldenhammer. Der Orc schwang einen riesigen, schartigen Zweihänder, größer als jeder Zwerg und sein Brüllen übertönte sogar den Kampfeslärm und die Explosionen von Angus' Mörserfeuer. Runia jedoch wich keinen Meter, umkreiste den Orc und bearbeitete ihn mit ihrem Hammer, während ihr Schild sie immer und immer wieder davor bewahrte, wie ein Holzscheit gespalten zu werden. Ihr langes, zu Zöpfen geflochtenes, rotes Haar folgte ihr wie ein Schweif, als sie den Orc immer wieder umtänzelte und ihn mit Hieben ihres Hammers bearbeitete. Freyri hatte seine Mutter immer bewundert, für ihre Stärke, ihren Humor, ihre Entschlossenheit. Nun musste er sich fast schon zwingen, den Blick von diesem Kampf abzuwenden, denn am gegenüberliegenden Stadtrand verschärfte sich die Schlacht. Shorty hackte mit seinen langen Messern auf die Orcs ein, Duria war dicht bei ihm und mit ihrer Axt schlug sie einem Orcs nach dem anderen das Standbein weg. Ihre Gewehre hatten sie wohl verloren, und im Nahkampf brachten ihnen die Flinten eh recht wenig. Und nun sah Freyri auch seinen älteren Bruder Ragnari auf der anderen Seite, der sich wild in die Reihen seiner Feinde warf und seinen Streithammer schwang. Er bevorzugte einen Zweihandhammer, war allerdings noch nicht sehr geschickt, glich das aber mit Entschlossenheit und Stärke wieder aus. Freyri spürte Neid an seiner Magengegend nagen, denn immer war Ragnari es, der von seinen Eltern gelobt wurde. Mühsam konzentrierte er sich wieder aufs Geschehen, lud sein Gewehr nach und verpasste einem Orc auf der Straße unter sich einen Schuss in den Nacken. Dann riss ein Schrei seine Aufmerksamkeit auf sich. Runia war von einem Pfeil erwischt worden, der ihr nun aus dem linken Oberarm ragte. Ihr Schild wurde ihr zu schwer und sie musste ihn los lassen. Ihr Gegner, der mächtige Orc-Krieger mit den langen, verfilzten Haaren, brüllte sie siegessicher an. Freyri lud mit zitternden Händen nach, legte auf den Häuptling an. Doch er konnte nicht sicher abdrücken, denn Runia griff an, drängte ihren Gegner zurück. Der Orc wankte unter mächtigen Hieben der tapferin Zwergin, schwang aber sein Schwert und schlug eine tiefe Kerbe in den Boden. Nur knapp war Runia ausgewichen, griff sich ihren Schild und rammte ihm den Orc gegen den Schädel. Blut spuckend taumelte der Orc nach hinten, ehe er sein Schwert mit beiden Händen packte und derart heftig auf Runias Schild drosch, dass sie es gleich wieder verlor. Dann schlug ein weiterer Pfeil ein, diesmal in ihrer Magengegend. Auch Runia geriet nun ins Stolpern. Gnadenlos setzte der Orc nach und sein Schwert spaltete ihren linken Schulterpanzer und fraß sich tief in ihre Schulter. Freyri hörte sich selber schreien, hörte seinen panischen Herzschlag, ehe er sein Gewehr ausrichtete. Der Orc-Krieger schnaufte, war leicht in die Knie gegangen, doch Runia ebenfalls. Und sie war es, die schwerer verletzt war.

Freyri atmete zitternd durch und schoss. Doch die Kugel verfehlte, schlug in den Boden. Der Orc-Krieger sah sich um, fixierte ihn. Und die kurze Ablenkung hatte genügt. Runia richtete sich keuchend auf, stürmte auf den Orc zu, setzte ihm einen Fuß auf das vorgeschobene Standbein, sprang ab, an ihm hoch und drosch ihm seitlich den Hammer gegen den Schädel. Dann gingen beide zu Boden und rührten sich nicht mehr. Freyri sprang vom Dach auf die Straße, verstauchte sich den Fuß, musste zu seiner Mutter regelrecht kriechen. Die Kriegstrommeln der Orcs waren verstummt und ein kurzer Blick um sich herum zeigte, dass der Tod ihres Anführers und die wilden Angriffe der Zwerge die Orcs nach Süden vertrieben hatte. Freyri hatte seine Mutter erreicht, kniete sich hin und bettete ihren Kopf in seinem Schoß. Ein Schatten fiel auf ihr Gesicht und nur kurz sah Freyri hoch, um zu sehen, dass sein Bruder Ragnari nun an seiner Seite war. Sein Gesicht war fast wie ein Spiegel. Auch seine Haut war blass, tiefe Sorgenfalten zierten sein Gesicht. Die blauen Augen waren müde, traurig. Das viele Blut, in dem Runia lag, sprach Bände. "Mutter", begann Freyri und strich Runia das rote Haar aus dem Gesicht. Er sah auf die Wunde in der Schulter, aus der noch immer Blut sickerte. "Schon gut", wisperte Runia und ihre Stimme war leise, doch beinahe entspannt. "Ragnari... Pass auf deinen Bruder auf..." Sie sah zu Ragnari, dessen blaue Augen sich mit Tränen füllten, als er nickte. Dann fixierten Runias blaue Augen Freyri. "Und du Freyri... Pass auf deine Kameraden auf." Ihr Blick wurde leer, ihre Stimme kaum noch hörbar. Ihr Leben entglitt ihr, ebenso ihr bewusster Verstand. Warum keine wichtigeren Worte? Warum sprach sie von Kameraden, obwohl sie am Sterben war? "Alleine ist man stark... doch gemeinsam..." Ihre linke Hand packte Freyris Kragen, ihre rechte klammerte sich an Ragnaris Hand, als dieser sich hinkniete. Dann sagte und fühlte Runia Heldenhammer nichts mehr. Und Freyri brach in Tränen aus. Die Zeit schien zäh wie flüssiges Metall zu fließen, doch keine Verschnaufspause konnte lange genug sein, um angemessen Abschied zu nehmen, angemessen zu trauern oder die Kraft zu finden, weiter zu machen. Angus gesellte sich zu den beiden Brüdern und sah auf seine tote Frau hinab. "Ich trage sie... Ragnari, trag meinen Mörser. Und du, Freyri, schnapp dir ihren Hammer und den Schild. Wir müssen von hier verschwinden." Freyri wollte Einwände äußern, doch Ragnari schüttelte nur mit dem Kopf. In der Ferne, im Süden, waren wieder die Kriegstrommeln zu hören. Die Orcs waren dabei, sich neu zu formieren, würden bald zurück kehren. "Thelsamar ist verloren", erklärte Angus, als sich Shorty, Duria und zahlreiche andere Zwerge zu ihnen auf die Hauptstraße gesellten. "Es ist nun wichtiger, Eisenschmiede zu verteidigen, das Herz unseres Volkes. Alles andere... werden wir später zurück erobern und wieder aufbauen." Freyri nickte, wie in Trance. All das erreichte ihn nur wie durch einen Schleier. Jorin stützte ihn, als sie die Stadt verließen. Das letzte, was Freyri sah, bevor er gänzlich in einen lethargischen Zustand des Kummers fiel war, wie Tharin toten Orcs Zähne aus den Mäulern schnitt und sie einsammelte. Er humpelte nicht mehr.

Gegenwart


"Tja, so ist das gewesen, damals", endete Freyri seine Geschichte und schob sich mit der Gabel ein Stück Hüftsteak in den Mund, das er mit einem Schluck Wildhammer-Starkbier die Kehle hinab spülte. Alvrim und Percy schwiegen, wohl aus Respekt. Außerdem waren auch sie am Essen. Alvrim gönnte sich Putenschnitzel mit Kartoffeln und Erbsen, während Percy mehrere Scheiben Brot dick mit Schmalz bestrich und nacheinander verspeiste. "Wie kommt es eigentlich, dass du uns zum Essen einlädst, Kniebeißer?", fragte Alvrim und schob sich eine große Kartoffel im Ganzen in den Mund. "Geberlaune? Eigentlich bin ich es doch, der noch ne Runde Bier ausgeben muss..." Percival sagte wie so oft nichts, doch auch sein Blick war fragend, während er kauend den Kiefer bewegte. "Naja", begann Freyri und nahm noch einen Schluck Bier. "Es ist so... Ich bin heute einfach etwas nachdenklich. Deshalb auch die Geschichte. Und... Außerdem habe ich heute Geburtstag." Percy wäre fast ein Stück durchgekauten Brotes aus dem Mund gefallen und auch Alvrim hielt inne, ehe er Freyri freundschaftlich auf die Schulter schlug. "Gratuliere, Graubart. Wie viele Jahre haste aufm Buckel? 53, oder?" Freyri jedoch schmunzelte, zuckte mit den Schultern. "Ich muss mich wohl etwas verzählt haben, in all den Jahren... Im Jahr des Bebens war ich 58, glaube ich. Das macht mich jetzt... Naja, ihr wisst schon. Ist ja auch egal. Ich wollte meinen Geburtstag mit meinen Freunden verbringen. Oder wenigstens ein wenig feiern, so wie jetzt gerade." Percy schluckte einen großen Bissen runter, schüttete etwas Pulver in seinen Flachmann und nippte an diesem. "Warum ist dein Bruder nicht hier? Oder dein Großvater?" Freyri lächelte bei dieser Frage gequält. "Ragnari ist sicher wieder auf Schattenhammer-Jagd. Und Thori hat sicher auch irgendwo Schädel einzuschlagen. Außerdem sind beide nicht... so gesellig." Alvrim nickte, winkte Schankwirt Feuerbräu heran, um noch etwas Bier zu bestellen. "Und wo ist deine Freundin?" Alvrims Grinsen war sorgsam unterdrückt, doch Freyri bemerkte es dennoch. "Sie ist nicht meine Freundin!" Doch er wurde rot, dass merkte er. Als Percy zweifelnd eine Augenbraue hob und Alvrim nun doch breit grinste, wurde es nicht besser. "Ich weiß nicht einmal, wo Tari wohnt, da kann ich ihr ja schlecht eine Einladung zukommen lassen, oder?" Alvrim zwinkerte frech und nickte Percy zu. "Wahrscheinlich möchte er mit ihr alleine feiern, wenn du verstehst, was ich meine." Percy nickte und Freyri wurde noch eine Spur röter im Gesicht. "Hey, ich hab Geburtstag, da dürft ihr mich nicht ärgern!" Alvrim lachte und trank sein neues Bier. "Ach komm, ich als Rottenmeister darf das bestimmt. Und auch vorher hab ich dich geärgert. Magst du als Geburtstagsgeschenk etwas... Kompott? Kannst ja deiner Freundin auch etwas geben!" Auf Percy's fragenden Blick reagierte Freyri nicht. Er wusste von Suadya's Plan, Percy auch mal etwas von dem Kompott unterzujubeln, der aus Früchten bestand, die einen untypisch locker, redselig und... lüstern werden ließen. "Ich kann dir auch gleich deinen Zopf ins rechte Nasenloch stopfen", entgegnete Freyri mürrisch, lachte aber mit, als Alvrim in lautes Gelächter ausbrach, während Percy beide nur mit steinerner Miene musterte und wohl an ihrem Verstand zweifelte.

"Ich muss aber jetzt los", sagte Alvrim nach zwei weiteren Bierkrügen und erhob sich, klopfte Freyri noch einmal auf die Schulter. "Sua wartet und ich bin satt und angetrunken. Nachher fall ich noch aus der Tiefenbahn." Grinsend schlenderte er auf den Ausgang der Taverne zu. "Genieß deinen Ehrentag, Frey. Und die Ruhe. Der nächste Stess und die nächste Mission kommen bestimmt." Kaum hatte er die Taverne verlassen, nickte Percival ihm zu. "Herzlichen Glückwunsch, Freyri. Darf ich dir eine Frage stellen?" Freyri nippte an seinem Starkbier und nickte. "Natürlich." Percy biss in seine Schmalz-Stulle, kaute einen langen Moment. "Gibst du dir noch immer die Schuld am Tod deiner Mutter?" Freyri's Miene gefror und er stellte den Humpen ab. Eine ganze Weile herrschte Schweigen. Percy hakte jedoch nicht nach. "Wären wir sofort über den Nordtorpass gekommen... Hätte ich besser gezielt, damals... Dann würde sie vielleicht noch leben." Percy's Mundwinkel zuckten. "Es ist wie bei dem Jungen im Dämmerwald, Freyri. Du kannst Vergangenes nicht ungeschehen machen. Du musst einfach damit leben. Und ich denke nicht, dass dich da Schuld trifft. Alles was geschehen ist, hat dich zu dem gemacht, was du bist. Und gerade heute, an deinem Geburtstag, solltest du auch mal zufrieden mit dir sein. Und mit deinen Leistungen." Freyri nickte langsam und lächelte. Dann erhob sich auch Percival. "Ich werde aber auch verschwinden. Heute ist doch der vierte Tag des Blutes und ich möchte da ungern eingespannt werden. Daher will ich am Besten garnicht erst hier gesehen werden. Wir sehen uns." Freyri nickte, trank still und langsam sein Bier aus, ehe er bezahlte und die Taverne verließ, nach links abbog, um das Hauptquartier des Dämmersturms anzusteuern. Er wollte bei dem Turnier nicht zuschauen. Der Tod von Simo Valkoinen beim letzten Tag des Blutes hatte ihm wahrscheinlich alle zukünftigen Turniere madig gemacht. Er würde auf den Aushang schauen und dann daheim die Ruhe genießen, etwas lesen. "Falkenauge!", hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich und hielt inne. Er kannte die Stimme, er kannte seinen Spitznamen und wusste natürlich sofort, wer da hinter ihm stand. Verblüfft drehte er sich. Ein sechzehn Jahre alter, junger Menschenjunge stand vor ihm, gekleidet in dreckiger Bauerkluft, mit einer Lederweste über einem speckigen, gelben Hemd. Das Kinn voller Flaum, die rotbraunen Haare lang. "Josey Wales", stellte Freyri fest und rieb sich den Nacken. "Was zum Henker machst du hier in Eisenschmiede?" Er hatte Josey in Westfall kennen gelernt, er war eines der Kinder auf dem großen Hof des Bunds freier Bauern, den der Dämmersturm vor Hinkekarl und seinen Gesellen gerettet hatte. Freyri hatte ihnen den Umgang mit dem Gewehr erklärt und ihnen auch einen Großteil seines Solds gespendet, um ihnen zu helfen. Josey's Gesicht jedoch war bereits Antwort genug. "Es gab Ärger?", fragte er, obwohl er die Antwort schon kannte. Josey nickte. "Deshalb bin ich hier. Wir brauchen die Hilfe des Dämmersturms. Ihr wart kaum weg, da gab es wieder Ärger. Wir wurden überfallen und... haben eine Menge Geld und Vorräte verloren. Und sogar unsere Waffen haben sie mitgenommen." Freyri rieb sich mit einer Hand durchs Gesicht. "Och nee... Was ist mit Muhbrag? Haben den Oger doch extra bei euch gelassen, damit er aufpasst." Der Blick des jungen Mannes wurde finster. "Muhbrag wurde vergiftet. Der liegt flach..."

Freyri seufzte. "Na prima. Ich glaube nicht, dass ihr den Dämmersturm ausreichend bezahlen könnt. Ich könnte euch wieder etwas Gold geben, aber dann würde ich ja quasi mich selber bezahlen." Josey's Miene wurde bestürzt. "Dazu kommt, dass alle anderen heute weg sind und es ne Weile dauern kann, bis sich Leute für eine Reise nach Westfall finden. Weißt du was? Ich komme alleine mit." Sofort strahlte Josey, die Erleichterung war deutlich zu sehen. Ihm war da ein riesiger Felsbrocken vom Herzen gefallen. "Komm mit..." Freyri machte kehrt, weg vom Hauptquartier. "Erzähl mir doch mal von der Bande, die euch überfallen hat. Sind es viele?" Und Josey erzählte, während die beiden die große Schmiede von Eisenschmiede ansteuerten. "Es sind schon einige, aber wie viele genau, weiß ich nicht. Sie nennen sich die schwarzen Reiter, weil sie allesamt schwarze Rappen haben und schwarze Kopftücher tragen. Ihr habt die Banden in Westfall gut dezimiert, aber das hier sind Flüchtlinge und ehemalige Bauern, die... eben das Machtvakuum ausfüllen wollen. Und die Westfallbrigade hat nach wie vor Probleme und zu wenig Leute." Freyri nickte und hielt mit Josey vor einem Gebäude inne. "Warte kurz..." Freyri betrat eben jenes Gebäude. Der Heiler von Eisenschmiede. Er ließ sich zahlreiche Kräuter gegen Vergiftungen geben, ehe er nach draussen, zu Josey zurück kehrte. "So... damit wird Muhbrag hoffentlich schnell wieder auf den Beinen sein. Wie zum Teufel haben die ihn eigentlich vergiftet?" Josey verzog das Gesicht. "Naja, sie haben ihm einen Köder gelegt. Kojotenfleisch. Muhbrag dachte, dass sei Fleisch von uns für ihn gewesen und jetzt liegt er im Stall, hat Magenschmerzen und... produziert Dünger in Massen." Beide gingen weiter, in den Äußeren Ring der Stadt, zum Militärviertel. "Ich möchte noch kurz zu mir nach hause", erklärte Freyri auf Josey's fragendem Blick, warum sie nicht die Tiefenbahn ansteuerten. Bei sich zuhause legte Freyri die Plattenrüstung ab, die er von seiner Mutter vererbt bekommen hatte. Hammer und Schild würde er jedoch mitnehmen. Er zog seine alte Gebirgsjägerkluft an, denn darin wäre er beweglicher, schneller. Sein Repetiergewehr nahm Freyri natürlich auch mit. Die von Ingo gefertigte Waffe hatte schon bei seinem letzten Besuch in Westfall effektiv dabei geholfen, die Banden dort zu dezimieren. "Tja, dann nehmen wir jetzt die Tiefenbahn nach Sturmwind, ich besorge uns dort ein Pferd und wir reiten zum Hof. Wäre praktisch, wenn wir Muhbrag wieder gesund und munter bekommen könnten, denn so ganz alleine kann ich keine ganze Bande ausschalten." Josey nickte, als sie die Tiefenbahn ansteuerten. "Ich bin doch auch noch da, Falkenauge. Ich decke dir den Rücken!" Freyri verkniff sich eine bissige Bemerkung. Er hatte sich so sehr auf etwas Ruhe gefreut und nun so etwas... "Schwarze Reiter mit schwarzen Kopftüchern also, hm?" Josey nickte eifrig. "Na, dann haben sie ja schonmal was dabei, um ihr eigenes Blut aufzuwischen", murrte Freyri. "Wird an der Zeit, dafür zu sorgen, dass euer Hof nie wieder von Banditen angerührt wird." Josey sah ihn mit einer Mischung aus Ehrerbietung und Zweifel an. "Und wie willst du das machen?" Nun grinste Freyri. "Ich habe einen Oger vor Ort und mein Gewehr. Das wird reichen müssen. Und ich habe eine gute Ausbildung hinter mir. Freyri Heldenhammer vom Dämmersturm wird das schon schaukeln. Und du weißt ja, was man erntet, wenn man Wind sät?" Josey nickte. "Sturm?" Auch Freyri nickte nun. "Worauf du dich verlassen kannst, Kleiner..."


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 Betreff des Beitrags: Re: Muhbrag & Freyri: Ein Sturm aus Blei und Blödheit
BeitragVerfasst: 15. Dez 2012, 20:06 
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Der Blöde, der Bärtige und der Bengel

"Muss aber echt sagen, dass 'Die schwarzen Reiter' ein arg kitschiger Name für eine Banditen-Bande ist", murrte Freyri und sah über die Schulter zu dem jungen Mann hinter sich. Josey Wales kratzte sich kurz am flaumigen Kinn, ehe er sich wieder an Freyri fest hielt, während sie die Straße von Goldhain aus gen Westen entlang ritten. Kurz nach ihrer Ankunft in Sturmwind hatte Freyri ein Pferd besorgt und sie hatten sich auf dem Weg nach Westfall gemacht. Je schneller sie dort waren, desto besser. Der junge Bursche zuckte mit den Schultern. "Naja, die Kerle sind schon ein beeindruckender Anblick, wenn sie mit ihren Rappen und den schwarzen Tüchern vorm Mund über die Ebenen reiten. Wie Gespenster. Sie wollen Angst verbreiten und das gelingt ihnen recht gut. Wenigstens haben sie noch keinen umgelegt. Sind ja auch einige ehemalige Knechte von unserem Hof unter ihnen." Freyri brummte nur, ritt ein wenig nach links, als sich die gepflasterte Straße in einer Kurve zur Seite krümmte. "Und du hast keine Ahnung, wie viele es wirklich sind?" Josey schüttelte nur mit dem Kopf. Freyri hatte ihm die Frage schon einige Male gestellt, auf ihrem Weg. Eine positive Antwort wäre besser als diese Ungewissheit. Dieses miese Gefühl, direkt in die Misere zu reiten. "Dann hoffe ich, dass die Kräuter, die ich in Eisenschmiede gekauft habe, Muhbrag wieder auf die Beine bringen. Kann schlecht alleine eine ganze Bande nieder machen." Der Gedanke behagte dem Zwerg überhaupt nicht. Doch er konnte keinen Rückzieher machen. Er hatte versprochen, zu helfen. Wer sonst würde denn helfen? Die Zeit war knapp und der Bund würde so schnell nicht bereit sein, erneut Leute nach Westfall zu schicken. Besonders, wo die Bauern doch kaum Geld hatten, den Bund zu bezahlen. Hinter ihm rutschte Josey hin und her. Als Freyri nach hinten sah, schob der Knabe seine Weste beiseite und zog einen Revolver aus der Hose. Er hatte ihn hinter seinem Rücken zwischen Gürtel und Hose stecken gehabt. Entsetzt hielt Freyri an und sah den Jungen perplex an. "Sag mal, spinnst du, Junge? Wie alt bist du, erinner mich mal bitte dran!" Josey riss empört den Mund auf. "Ich will dir doch nur helfen! Ich bin sechzehn Jahre alt. Ich bin alt genug. Du hast es mir doch gezeigt." Freyri nahm ihm den Revolver ab und schob ihn hinter seinen eigenen Gürtel. "Du wirst keine siebzehn Jahre alt, wenn du mir in eine Schießerei nach läufst. Ich kann das nicht zu lassen. Ich habe dir gezeigt, wie man schießt, damit du dich und den Hof verteidigen kannst. Nicht, um den Helden zu spielen." Doch der Junge ballte zornig die Fäuste. "Ich möchte so sein wie du! Ich möchte keine Angst mehr haben. Ich dachte, wir wären Freunde und Freunde helfen einander." Freyri seufzte gedehnt und ritt langsam weiter. "Ich wäre kein guter Freund, wenn ich zulassen würde, dass du dich in so eine Gefahr begibst, Josey. Du kannst mir vielleicht anders helfen, wir müssen mal gucken. Und glaub mir, so toll ist das Leben als Söldner nicht. Abenteuer und Heldentaten? Die Wahrheit hinter den tollen Geschichten sieht meist anders aus. Schlimmer."

Einige Minuten ritten sie schweigend weiter. Freyri glaubte nicht, dass der Junge seinen Standpunkt verstanden hatte. Also musste er das Thema wieder aufgreifen, ob es ihm gefiel oder nicht. "All die guten Taten kommen manchmal mit einem schrecklichen Preis. Man sieht und tut Dinge, die... man sich echt nicht wünscht. Böse Dinge. Ich sag dir, Kleiner... Im Kampf gibt es kein Gut oder Böse. Da gibt es nur Leben oder Tod. Die Vorstellungen von Moral und Ehre verpuffen dann einfach." Ihm fröstelte es. Mit einem Mal schien es im Elwynnwald schlagartig kälter geworden zu sein. Er stellte den Kragen seines dunkelbraunen Mantels auf, den er sich in Goldhain gekauft hatte, damit man seinen Wappenrock nicht sofort sehen konnte. Ein kalter Wind rauschte durch die Baumkronen. Eine Farbenpracht aus Grün, Braun, Gelb und Rot. Der Herbst war da, doch Freyri war klar, dass es auch am Gesprächsthema lag, dass er sich so unwohl fühlte. "Was für böse Dinge hast du denn tun müssen, Falkenauge?" Josey's grüne Augen waren ein Quell von Vertrauen und Loyalität. Es tat Freyri weh, ihn anzuschauen. Er war im selben Alter wie der Junge im Dämmerwald. Den, den er erschossen hatte. Eiskalt, in den Rücken. Ohne Vorwarnung. Ein kalter Klumpen bildete sich in seiner Kehle. "Notwendige Dinge. Dinge, die ich für richtig hielt. Um meine Kameraden zu beschützen. Aber es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Einmal musste ich diese Grenze überschreiten. Leben sollte man niemals leichtfertig nehmen. Ich hoffe, dass du diesen dunklen Weg niemals beschreiten musst. Deshalb helfe ich euch. Ich hoffe, ihr habt dann endlich eure Ruhe. Für eine sehr, sehr lange Zeit." Erneut schwiegen sie. Nach einigen Minuten jedoch hörte er Josey kleinlaut flüstern: "Tut mir leid." Freyri sah kurz zur Seite, nickte leicht. "Ich war auch einmal jung. Für einen Zwerg bin ich das noch immer. Aber man... lernt und wächst an seinen Erfahrungen. Aber es gibt eben auch Erfahrungen, die du dir ersparen solltest. Die ich dir ersparen möchte. Wechseln wir das Thema. Warum haben so viele Knechte sich der Bande angeschlossen? Weißt du etwas über einen Anführer? Oder über ein Hauptquartier?" Josey überlegte einen langen Moment, ehe er antwortete. "Wir sind zufrieden, mit dem was wir haben. Besonders, wenn wir unsere Ruhe vor Banditen haben. Einige jedoch wollten mehr. Mehr Geld. Mehr Spaß. Ihr habt die ganzen Banden gut zerschlagen, aber einige sind wohl entkommen. Dazu kommen die vielen Bettler und Flüchtlinge. Es ist einfach, solche Leute um sich zu sammeln, wenn man die richtigen Argumente ausspricht. Von einem Anführer weiß ich nichts, aber ich hörte die Kerle bei ihrem letzten Überfall von einer Kneipe sprechen. Dem 'Pik-Ass'. Dort treffen die sich wohl gerne. Eine kleine Spelunke westlich der Späherkuppe, in der Nähe von Alexstons Bauernhof. Nach der Zerschlagung der Defias damals war der Laden als Zwischenstopp für Händler errichtet worden. Nach dem Weltenbeben wurde er schnell ein Treffpunkt für Banditen. Vielleicht bekommen wir dort weitere Informationen."

Freyri gefiel nicht, dass Josey immer noch von einem 'wir' sprach. Doch zumindest halfen seine Informationen und die Art, wie er sprach, ließ darauf schließen, dass er doch kein dummer Junge mehr war. Sie ritten über eine Holzbrücke, die sich über einen kleinen Bach spannte, der sich vom Spiegelsee im Norden gen Dämmerwald im Süden durch den Wald schlängelte. Nun hatten sie den Waldrand erreicht. Rechts von ihnen erhob sich die Weststromgarnison zwischen den Bäumen, links von der Straße ragte ein Wachturm in den Himmel. "Mein großer Bruder Ragnari war hier einst stationiert, als er noch Knappe war", erklärte Freyri mit einem Lächeln. "Lange ists her. Jahre vergehen für uns Zwerge ohnehin schneller." Er sah über die Schulter zu Josey. "Am Ende kannst nur du entscheiden, was für einen Weg du im Leben beschreiten möchtest. Da kann dir niemand rein reden. Vielleicht wird dir der Bauernhof irgendwann zu langweilig und es zieht dich in die Ferne. Aber glaub mir einfach, dass es unglaublich gefährlich ist, so ein Abenteurerleben. Der Tod wartet hinter jeder Ecke. Man sieht schlimme Dinge. Korruption. Abgrundtiefe Verdorbenheit. Und eine ganze Menge Blut und Leid." Traurig lächelte er. "Vielleicht reicht es dir ja, auf dem Hof für Ordnung zu sorgen. Und du stirbst als alter Mann im Bett und nicht als junger Kerl in deinen Stiefeln, in irgendeinem sinnlosen Kampf." Freyri sah noch einmal zur Weststromgarnison. "Für eine Ausbildung bist du fast zu alt. Aber unmöglich wäre es nicht. Kostet aber natürlich Geld." Er zögerte. "Wenn du mal eine Idee oder so hast... Würde ich dir sogar helfen." Josey lächelte, schüttelte mit dem Kopf. "Zum Militär mag ich nicht gehen. Die Westfallbrigade ist... beinahe schon inkompetent. Wenn, dann möchte ich auch etwas Gutes tun. Etwas bewirken. So wie du." Freyri wollte noch etwas sagen, doch er schwieg, als sie die steinerne Brücke erreichten, welche die Grenze nach Westfall markierte. Kaum hatten sie die Brücke überquert wurde der Wald lichter, der Wind wärmer. Die Ebenen von Westfall kamen in Sichtweite. Der warme Wind aus dem Süden kam direkt aus dem Schlingendorntal, würde hier Schneefall mit ziemlicher Sicherheit verhindern. Doch der Boden hier war nass, es musste vor kurzem erst geregnet haben. "Wir schauen erstmal bei Muhbrag vorbei", murmelte Freyri und sah sich um, "Dann suchen wir mal diese Kneipe, das 'Pik-Ass'." Langsam folgten sie der Straße. Dann jedoch sahen die beiden in einiger Entfernung einen Karren am Straßenrand. Drei schwarze Pferde waren an einen Zaun gebunden und die Reiter plünderten den Karren. Der Fahrer mag tot im Matsch. "Das sind sie", wisperte Josey aufgeregt. "Und der Fahrer... Das ist Jonah, er sollte uns Vorräte aus Goldhain holen. Sie haben ihn umgebracht." Freyri bremste, ließ Josey dann absteigen. "Versteck dich, noch haben sie uns nicht bemerkt. Sie würden dich erkennen. Ich reite mal hin und schaue, ob ich etwas heraus finden kann." Josey gehorchte, versteckte sich hinter einem Busch. "Pass auf dich auf, Falkenauge."

Freyri nickte nur, legte sich den Gurt seines Repetiergewehrs um die Schulter und ritt etwas schneller, bremste erst ab, als er direkt bei dem Karren war und die Aufmerksamkeit der drei Banditen hatte. Sie hatten ihre schwarzen Tücher um den Hals, wähnten sich sicher. Sie waren fleissig dabei, die Satteltaschen ihrer Pferde mit Beute zu füllen. "Schaut euch mal den Zwergen an", lachte einer der drei Banditen, ein hässlicher Kerl mit einer gebrochenen, schiefen Nase. "Kommt hier her getrabt, als würde er zu uns gehören." Die beiden anderen lachten, während Freyri sein Pferd näher traben ließ und die Stirn runzelte beim Anblick der Leiche im Matsch. "Hat sich wohl im Land geirrt", grölte der zweite, ein junger Bengel mit strohblondem Haar. Der dritte, ein älterer Kerl mit tiefen Falten, grinste böse. "Sein größter Fehler war, dass er überhaupt geboren wurde. Aber dem kann man schnell abhelfen." In ihren Augen stand die Mordlust. Die Arroganz, ihm absolut überlegen zu sein. Trotz dem Gewehr um Freyris Schulter nahmen sie ihn nicht für voll. "Suchste Arbeit? Geh mal in die Wüste, Staub zusammen kehren!" Knubbelnase lachte am Lautesten: "Der ist so träge, der kommt nicht einmal von der Stelle." Blondschopf zeigte beim Grinsen seine krummen Zähne: "Wir helfen dir..." Schon zogen alle drei ihre Revolver und schossen Freyris Pferd zwischen die Beine. Das Pferd ging sofort durch, eilte die Straße entlang und sprang über den Zaun, so dass Freyri von seinem Rücken fiel und mit dem Rücken im Matsch landete. Die drei Banditen lachen nur umso lauter. Freyri erhob sich, sah seinem Pferd nach. Es war auf dem Feld stehen geblieben. Mit seinem dreckigen Mantel zupfte er den Gurt des Gewehrs zurecht und näherte sich den drei Banditen wieder, die sich immer noch lachend auf die Schenkel klopften. "Du hast uns wohl nicht richtig verstanden, Kurzer", begann Knubbelnase und seine Augen funkelten gefährlich, "Du sollst machen, dass du hier weg kommst." Erneut lachten sie. "Oder magst ohne deinen Gaul nicht mehr? Verweigern dir die kurzen Beinchen ihren Dienst?" Freyri atmete tief durch und nickte. "Darüber wollte ich gerade mit euch sprechen. Alfons ist nämlich beleidigt." Faltengesicht lachte: "Wer ist Alfons?" Freyri zuckte mit den Schultern. "Na mein Pferd. Ihr habt ihm grad mächtig zwischen die Stelzen geballert und sowas kann er auf den Tod nicht ausstehen. Jetzt schmollt er und verlangt, dass ihr euch bei ihm entschuldigt." Die drei Banditen lachten nur umso lauter, doch ihre Augen waren wachsam. Freyri selbst war angespannt, trotz seines lockeren Tonfalls. Freyri griff nach seinem Gewehr. "Und ich schmolle, weil ihr über Alfons lacht." Sein Gesicht wurde eiskalt. Sofort erstarb das Lachend er drei Banditen. "Alfons ist intelligenter als ihr und er riecht auch besser. Also was ist? Entschuldigt ihr euch, oder soll ich euch für immer die Kopfschmerzen nehmen?" Es war gut, dass die Banditen bereits einige Kugeln verschossen hatten und nicht nachgeladen hatten. Als sie ihre Revolver zogen, hatte Freyri bereits den Repetierer erhoben und drei Schüsse abgegeben, die allesamt trafen und die drei Männer tot zu Boden schickten.

"Das war ja unglaublich", rief Josey und kam aufgeregt angerannt. Freyri vergewisserte sich, dass die drei Männer wirklich tot waren, lud dann sein Gewehr nach. "Eigentlich wollte ich ich einen am Leben lassen und befragen", antwortete er mürrisch. "Aber es war klar, dass die nicht mit sich reden lassen. Miese Kerle." Josey nickte und deutete auf den Blondschopf mit dem Loch in der Kehle. "Das war Bill. Einer unserer Knechte. Ein Jammer..." Freyri nickte. "Hol mal bitte unser Pferd. Nimm dann ihre drei Pferde mit zum Hof. Ich nehm den Karren." Josey gehorchte und eilte aufs Feld, um das Pferd zu holen. Freyri durchsuchte die drei Leichen, nahm ihr Gold und ihre schwarzen Halstücher. Etwas Nützliches hatten sie nicht dabei. Aber Freyri fand etwas Schnaps, den er über die Leichen der Banditen und der des Kutschers kippte und sie mit einem Zündholz anzündete. Gemeinsam ritten sie dann zum Bauernhof, wo sie bereits erwartet wurden. Die drei Pferde der Banditen wurden sorgsam im Stall versteckt, ebenso der Karren. "Gut, dass du da bist, Falkenauge", meinte William Wales, Josey's Vater. Freyri begrüßte alle anständig, dann ließ er sich zu Muhbrag bringen. Der Oger lag immer noch im Stall, unfähig, sich anständig zu rühren. Seine rosige Haut war bleich, seine Augen ganz glasig. Er hatte Rüstung und Wappenrock abgelegt, lag nur in seinem Lendenschurz da. Kein schöner Anblick, dieser riesige, speckige Bauch. Und der ganze Stall stank bestialisch. "Graubart-Zwerg!" begrüßte Muhbrag ihn schwach, aber sichtlich erfreut. "Muhbrag hat Dünnpfiff." Er klang bockig wie ein kleines Kind. Freyri schmunzelte und holte die Heilkräuter aus seinem Rucksack. "Dich kriegen wir schon wieder auf die Beine, Großer." Er sah zu William, reichte ihm die Beutel mit den Kräutern. "Siehe bitte zu, dass da ein Sud draus gekocht wird." Der alte Bauer nickte und verschwand sofort. Freyri hockte sich zu Muhbrag, auch wenn der Gestank ihm die Tränen in die Augen und die Magensäure in den Mund trieb. "Muhbrag, du darfst nie wieder auf sowas herein fallen. Iss, was die Bauern dir geben oder fang dir einen Kojoten. Nie wieder isst du etwas, was einfach so da liegt, ja?" Der Oger nickte traurig und hielt sich den schmerzenden Bauch. "Wer war das? Wer hat Muhbrag vergiftet?" Freyri seufzte. "Böse Leute. Wieder so eine Bande. Eine neue Bande. Wir müssen sie aufhalten. Wir beide alleine." Josey öffnete schon protestierend den Mund, doch ein strenger Blick von Freyri brachte ihn zum Schweigen. Der Oger richtete seine kleinen Augen auf den Zwerg, nickte. Dann hallte ein Grollen durch die Scheune. Erst dachte Freyri, der Oger würde wütend knurren, dann allerdings drang eine starke Welle Gestank in seine Nase. Der Oger hatte einen fahren lassen. "Wo sind die bösen Menschies?", wollte Muhbrag wissen und Freyri hielt sich die Nase zu, kämpfte um Selbstbeherrschung, sich nicht von oben bis unten voll zu kotzen. "In einer Kneipe. Wir werden sie mal besuchen und gucken, ob wir etwas heraus finden oder die Penner zu ihrem Versteck folgen können. Vielleicht können wir ihnen Vernunft eintrichtern. Vielleicht reicht es, ihren Chef zu erledigen."

Er sah zu Muhbrag, dann zu Josey. "Es gefällt mir nicht, aber ich nehme dich mit, Junge. Wir müssen einen von den Mistkerlen fangen. Und du bist kein Kind mehr. Das kann ich mir nicht länger einreden. Hör dich mal bitte um, wer mitkommen mag." Josey strahlte ihn an, doch dann runzelte er die Stirn. "Wir haben keine Waffen mehr, Falkenauge." Freyri nickte. "Ich brauche euch auch nur, um fliehende Banditen zu fangen und die Pferde weg zu schaffen. Die könnt ihr verkaufen. Bringen sicher gutes Geld. Und wenn ich erst einmal weiß, wo die ihr Hauptquartier haben und wo ihr Boss ist, ist die Sache viellleicht schnell erledigt. Vielleicht haben wir sogar Glück und der Boss ist in der Kneipe, im 'Pik-Ass'." Josey nickte, machte sich dann auf, die anderen Bauern zu fragen. Freyri und Muhbrag blieben zurück. "Muhbrag bricht denen alle Knochen", knurrte der Oger und ließ noch einmal einen fahren, dass die Pferde scheuten und die Scheune bebte. Freyri nickte und schmunzelte. "Du wirst meine Verstärkung sein. Aber zuerst musst du wieder fit sein." Der Oger lachte, griff nach seiner riesigen, stacheligen Keule. "Muhbrag ist gesund und munter..." Er wollte sich erheben, griff sich dann jedoch wieder an den riesigen Bauch und fiel zurück auf sein Lager aus Stroh. Nach einigen Minuten kam endlich William zurück, mit einem kleinen Kessel voller Aufguss. Freyri sah Muhbrag an. "Den trinkst du jetzt aus, dann versuchst du zu schlafen." Muhbrag sah den Sud an, schnupperte und verzog angewidert das Gesicht. "Muhbrag will Fleisch haben!" Freyri zuckte grinsend mit den Schultern. "Willst du auch weiter Durchfall haben?" Ohne weitere Widerworte hob Muhbrag den Kessel, führte ihn an seinen Mund und leerte ihn in mehreren Zügen. Flüssigkeit rann sein Kinn hinab, dann seinen massigen Bauch entlang. Als der Kessel leer war, rülpste der Oger und klatschte sich auf den Bauch, dass das Fett nur so vibrierte. "Lecker!" Der Oger atmete tief durch, klatschte sich dann mit den riesigen Pranken auf die Wangen. "Muhbrag will nicht schlafen, Muhbrag will Ärsche treten!" Freyri schmunzelte, bezweifelte jedoch, dass der Oger im Kampf wieder eine große Hilfe war. Josey kam zurück, grinste breit. "Zehn Leute würden mitkommen. Musst nur sagen, wann es losgehen soll." Nun erhob sich Muhbrag taumelnd, streifte sich seinen Brustpanzer aus dicken Knochen über, dann den großen Wappenrock des Dämmersturms, ehe er seine Keule packte. "Jetzt geht es los", grollte der Oger und drückte Freyri an sich, knuddelte ihn. Wenigstens verhinderte der Wappenrock, dass Freyri direkten Hautkontakt mit dem Bauch des Ogers hatte. "Nun gut, Josey. Sag den anderen Bescheid. Wir gehen zu Fuß, sobald die Sonne am Horizont ist." Der junge Bauerssohn nickte, huschte wieder davon. Freyri seufzte, bei diesem ganzen Tatendrang. Hoffentlich überschätzte er sich und seine Freunde nicht. Hoffentlich unterschätzte er die schwarzen Reiter nicht.

Eine Stunde später standen Freyri, Muhbrag, Josey, William und neun weitere Bauern nicht unweit der Kneipe 'Pik-Ass'. Die Sonne war bereits untergegangen, nur das Abendrot, die Sterne und der aufgehende Mond erhellten die Szenerie. "Josey, du bewachst den Hinterausgang. Muhbrag wird mir folgen, wenn er mich brüllen hört. Ihr anderen schnappt euch so viele Pferde wie nur möglich und verschwindet. Ohne Waffen ist es vielleicht doch zu riskant. Haltet euch in Rufweite. Wäre nicht schlecht, wenn wir einen oder mehrere fangen könnten, aber ich möchte nicht eure Leben riskieren." William Wales strich sich durch die kurzen, roten Haare. "Und du willst da ganz alleine rein?" Freyri grinste. "Ich habe mein Gewehr bei mir." Josey's Revolver hatte er auch noch unter seinem Mantel, doch das wollte er William nicht verraten. Er schulterte sein Gewehr, schnallte sich seinen Schild auf den Rücken und stiefelte dann auf die Kneipe zu. Das 'Pik-Ass' war ein rechteckiges Gebäude, an dessen Seiten Pferde angebunden waren. Licht schien aus den Fenstern. Die Doppeltür war geschlossen, doch schon aus der Ferne hörte man Gelächter, Gegröle und Musik. Freyri zählte zwölf schwarze Pferde draussen. Und zwei braune. Nun, das sah nicht sehr gut aus, könnte aber schlimmer sein. Wenn der Boss anwesend war oder die Kerle vernünftig waren, würde die Sache schnell vorbei sein. Freyri öffnete die Tür und betrat die Kneipe. Kurz verstummte das Geklimper vom Piano, ebenso das Gelächter. Misstrauische Blicke richteten sich auf ihn. "Nabend", rief Freyr höflich in die Runde und steuerte einen freien Tisch in der Ecke, links neben der Tür an, setzte sich und schaute in die Runde. Neben seinem Tisch stand das Piano. Ein junger Mann spielte nun fröhlich weiter. Dahinter führte eine Treppe nach oben, ins obere Stockwerk. Türen da oben verrieten, dass hier Händler wohl durchaus schlafen konnten. Oder Leute und ihre Huren. Gegenüber der Treppe, an der anderen Wand, war der lange Tresen. Regale voller Alkohol. Im hinteren Teil des Raums war eine Tür. Entweder der Hinterausgang oder eine Tür in ein Hinterzimmer. Küche, möglicherweise. In der Mitte des Raums stand ein rechteckiger Tisch, dahinter zwei runde Tisch. Hier unten zählte er fünf Männer mit schwarzen Tüchern um den Hals. Die anderen waren also oben. Freyri zündete sich seine Pfeife an. Noch immer waren einige Blicke auf ihn gerichtet. "Ihr seid doch Jungs von den schwarzen Reiter, richtig?", begann Freyri laut, spannte sich aber gleichzeitig an. Einer von zwei Kerlen am Tresen wandte sich ihm zu. "Wer will das wissen?" Freyri zuckte mit den Schultern. "Ist doch egal, ich will nur vorschlagen, dass ihr euch ehrliche Arbeit sucht und mit euren Überfällen aufhört, bevor es böse endet." Da lachten sie, alle Anwesenden. Sogar der Wirt, sogar der Bengel am Piano. Ihr Selbstbewusstsein war enorm, angefacht von ihrer Überzahl und dem billigen Fusel, den sie soffen. Freyri grinste, ließ die Pfeife von einem Mundwinkel in den anderen wandern. "Jetzt lacht ihr noch, aber wenn die Westfallbrigade euch holt, oder wieder Söldner schickt, dann heult ihr."

Das Lachen ebbte ab. "Hast ja ne echt große Fresse", sagte einer der Banditen, der am Geländer der Treppe lehnte und direkt aus einer Flasche trank. "Glaub, ich binde dich an mein Pferd und reite mit dir durch die Felder, bis du flennst wie ein Waschweib." Freyri nickte, bließ Rauchringe in den Raum. "Wäre eine Möglichkeit. Die andere, dass ihr eure Waffen ablegt und einfach geht. Ist doch besser, als zu sterben, oder?" Wieder lachten sie. Sie nahmen ihn nicht ernst. Der Bengel am Piano hörte nicht einmal mit seiner Katzenmusik auf. "Und du willst uns alle umbringen?" fragte der Mann am Tresen und kratzte sich den Bart. "Ganz alleine?" Nun hob Freyri beschwichtigend die Hände. " Aber nein. Natürlich will ich euch nicht umbringen. Aber ihr seid Banditen. Gesetzlose. Mörder. Das bringt irgendwann nun einmal böse Konsequenzen mit sich. Und genau heute ist der Zeitpunkt gekommen, wo ihr die Wahl habt. Ein ehrliches Leben führen. Oder Staub fressen, ins Gras beissen, Ende." Der Wirt lachte, ging dann zur Tür, drehte den Schlüssel im Schloss, lehnte sich dann gegen den Türrahmen. Niemand lachte mehr. Würde Mordlust hörbar sein, würde der ganze Raum vibrieren, dachte sich Freyri und paffte an seiner Pfeife. "Wer bist du, dass du so große Töne spuckst, Kurzer?", wollte der Typ am hinteren Ende des Tresens wissen. Freyri sah, dass sie alle ihre Hände an ihre Revolver gelegt hatten. Er würde schnell sein müssen. Die Idioten würden sich mit etwas Glück sogar gegenseitig abschießen. "Ich bin Freyri Heldenhammer vom Söldnerbund Dämmersturm. Man kennt mich auch unter dem Namen Falkenauge." Nun lachten sie doch wieder. "Der Dämmersturm ist weg. Und Falkenauge ist ein Riese von einem Zwerg, beinahe so groß wie ein Mann." Der Wirt polierte ein Glas mit einem Tuch, war aber amüsiert. "Mit dir Möchtegern wischen wir gleich den Boden auf." Freyri sah zu Boden. Dreckig, ja. Aber glatte, polierte Holzdielen. Freyri lischte seine Pfeife, legte sie auf den Tisch. Dann schlug er den Mantel auf und enthüllte den Anwesenden seinen Wappenrock. Weißes Schwert vor weißem Schild auf schwarzem Grund. Schockierten schnappten einige der Banditen nach Luft, als sie begriffen, wen sie da vor sich hatten. "Wenn alle Gerüchte über mich wahr wären, dann hättet ihr jetzt einige Gründe, wirklich beunruhigt zu sein, oder? Ich sage es noch einmal: Lasst es bleiben und geht." Der Kerl vorne am Tresen lachte rau. "Du bist alleine, Falkenauge. Eingesperrt mit uns. Wo ist dein Bund?" Freyri grinste. "Möglicherweise wartet der Bund draussen. Aber... Ich bin tatsächlich alleine hier. Ich will mal ehrlich sein. Und die Wahrheit ist auch: Ich bin hier nicht mit euch eingesperrt. Ihr seid hier mit mir eingesperrt." Mit diesen Worten griff Freyri nach seinem Gewehr und setzte sich in Bewegung.


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Schusswechsel im 'Ace of Spades'

Mit einer plötzlichen, ruckartigen Bewegung sprang Freyri von seinem Stuhl auf, warf diesen dabei um und setzte sich in Bewegung, während um ihn herum bereits die Kugeln einschlugen und Holzsplitter aus dem Tisch und der Wand sprengten. Alkohol, Angst und Frust waren nicht besonders gut für die Treffsicherheit. Freyri rannte auf den rechteckigen Tisch in der Mitte des Raums zu, hob sein Gewehr und schoss dem Kerl beim Treppengeländer in die Brust, ehe er auf die Knie ging und über die glatten Bodendielen rutschte, sich dabei nach hinten lehnte und unter dem Tisch hindurch glitt. Dabei riss er sein Gewehr herum und schoss dem Typen vorne beim Tresen in den Unterleib, während weitere Kugeln in die Tischplatte schlugen und panische Schreie durch die Kneipe hallten. Kaum hatte er den Tisch passiert, kam er wieder auf die Beine und schoss einem weiteren Banditen ins Gesicht, so dass er nach hinten geschleudert wurde und dabei einen der runten Tische umriss und reichlich Fusel verschüttete. Sein Gewehr war nun leer. Er bekam auch nicht die Zeit, es nachzuladen, denn vor ihm, bei der Tür zum Hinterzimmer, stand ein Bandit, der bereits seine Schrotflinte auf Freyri richtete. Energisch riss Freyri sein Schild vom Rücken, sprang ab und rammte den Mann, schmetterte ihm das Schild gegen die Brust, krachte gegen ihn und katapultierte ihn hart gegen die Wand, wo er mit gebrochenen Knochen zu Boden sackte. Rechts von ihm zog der Bandit, der am hinteren Teil des Tresens gelehnt hatte, seinen Zweihänder und eilte auf ihn zu. Elegant schob Freyri einen Stiefel unter die Schrotflinte, die vor seinen Füßen lag, hob den Fuß an, so dass die Flinte hoch flog und er sie nur aus der Luft fischen und abdrücken musste. Der Bandit bekam die volle Ladung ab, flog wieder nach hinten, über den Tresen und krachte in die Regale. Flaschen gingen klirrend zu Bruch. Alle fünf Banditen unten waren erledigt, doch der Wirt und der Pianist eilten nun um das ihm abgewandte Ende des Tresens herum. Wohl auf der Suche nach Waffen. Von oben eilten drei weitere Banditen die Treppe hinunter. Freyri ließ die leere Flinte fallen, eilte ebenfalls um den Tresen herum, als die drei Banditen mit ihren Revolvern das Feuer eröffneten. Weitere Flaschen gingen zu Bruch. Freyri und der Wirt lieferten sich ein Wettrennen auf die Schrotflinte zu, die unter dem Tresen lag. Freyri rutschte ihm entgegen, kickte den Wirt hart gegen die Schienbeine und ging mit ihm in einem Knäul zu Boden. Beide rangen um die Flinte und Freyri rammte ihm hart den Lauf gegen die Zähne, stieß sich mit den Füßen von ihm ab und schmetterte ihn mit dem Kopf hart gegen den Tresen. Der Wirt verlor das Bewusstsein. Der Pianist zog ein Messer, warf sich ihm brüllend entgegen, doch Freyri drückte nur den Abzug der Schrotflinte und der Pianist fiel mit mehreren Löchern in der Brust rückwärts zu Boden. Hastig lud Freyri sein Repetiergewehr nach, stopfte mit zitternden Fingern neue Patronen in die Kammer, währand die drei Banditen mit ihren Pistolen einen Regen aus Glassplitter und Alkohol über ihn entfesselten.

Freyri erhob sich, richtete rasch den Lauf aus, zielte und feuerte rasch drei Schüsse auf die Banditen ab. Erneut trafen alle drei und die Banditen kullerten die Treppe hinab. Von oben jedoch waren Schreie zu hören. Es war noch nicht vorbei. Freyri setzte sich schnaufend und schwitzend in Bewegung, brüllte lautstark und sprang über die Leichen, eilte die Treppe hinauf. Kugeln schlugen in das Treppengeländer ein, Holzsplitter flogen ihm um die Ohren, als er die Treppe hinauf stürmte. Oben standen vier Banditen, die von oben perfekt zielen konnten. Freyri riss sich Josey's Revolver aus dem Gürtel, krachte dann aber hart gegen einen der Banditen, ein wahres Muskelpaket von einem Menschen. Freyris Revolver flog gen Decke und der Zwerg und der Mensch gingen zu Boden. Freyri riss den Arm mit dem Schild herum, schmetterte diesen hart gegen den Kopf des Mannes und schleuderte ihn zurück, dann fing er mit der anderen Hand den Revolver und schoss dem Mann in die Brust. Die anderen drei feuerten weiter, trafen ihren toten Kameraden. Auch Freyris Mantel bekam einige Löcher, er selber bekam einen Streifschuss am rechten Arm. Auch prallten einige Kugeln von seinem Schild ab. Freyri feuerte dem Mann vor sich in den Bauch, ließ sein Schild fallen und zog seinen Hammer, ging mit einem Kopfschuss auf Nummer sicher und schoss auch den dritten auf dem Gang zweimal in die Brust. Der letzte Bandit warf sich ihm entgegen und Freyri verlor Hammer und Revolver. Er bekam eine Faust ins Gesicht, ein Knie in den Magen. Dann griff der Bandit panisch nach dem Revolver, der auf dem Boden lag. Freyri indes griff sich seinen Hammer, drosch ihn auf die Hand des Banditen und zermalmte die Finger zu blutigen Brei, ehe er den Revolver mit der freien Hand griff und dem Kerl mit der letzten Patrone in der Trommel einen Kopfschuss verpasste. Sofort war es ruhig im 'Pik-Ass'. Es war vorbei. Unten krachte es, als die Tür aufgedrückt wurde und Muhbrag kampfeslustig in die Kneipe stürmte, aber ganz traurig guckte und die Unterlippe vor schob, als er sah, dass der Spaß bereits vorbei war. "Zwergie in Ordnung?" rief er und sah sich um, sichtlich besorgt. Freyri stöhnte. Ihm tat jeder Knochen und jeder Muskel weh. Mühsam zog er sich am Geländer hoch, sah nach unten und winkte Muhbrag zu. "Alles klar. Aber so ganz nach Plan lief es ja nicht... Ist jemand entkommen? Ist unten im Hinterzimmer jemand?" Muhbrag stampfte durch die völlig verwüstete Kneipe, drückte die Tische beiseite und drückte die Tür ins Hinterzimmer auf. "Keiner da. Aber die Hintertür ist auf!" Das war doch eine gute Nachricht. Jemand hatte nach draussen fliehen können. Freyri lud sein Gewehr nach, kontrollierte rasch die oberen Räume. Doch da war niemand. Hastig eilte er nach unten und gemeinsam mit Muhbrag nach draussen. Wo Josey bereits mit einem jungen Mann wartete, der ein schwarzes Tuch um den Hals trug und der fachmännisch mit einem Lasso gefesselt und verschnürt am Boden lag. William und die anderen hatten sich die Pferde geschnappt und ritten im Kreis um das 'Pik-Ass' herum. "Befragen wir den Knaben daheim" schlug Freyri müde vor. "Josey, fackel den Laden ab. Wir verschwinden. Nehmt so viel Gold und Waffen mit, wir ihr tragen könnt."


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