Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Pulver und Blut
BeitragVerfasst: 29. Dez 2012, 19:49 
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Und wieder mal eine Schlacht für euch. Diesmal irgendwo im Brachland, vielleicht auch die gleiche Schlacht wie die von Cain geschilderte, wer weiß das schon :3 Es gilt wie immer: FSK 16, nichts für Leute die mit Gewalt nicht umgehen können und: Obacht es gibt einen Perspektivenwechsel.



Pulver und Blut

Eine Explosion, ein erstickter Schrei, noch einer, panische Stimmen. Schüsse, erneute Schreie, wieder eine Explosion.

Das Minenfeld, sie kommen von vorne. Dabei wissen sie doch, dass man da nur den Tod findet. Er drückt sich an die verbrannte Erde in seinem Rücken, späht über den Rand, sieht sie. Alle rennen in grossem Abstand hintereinander, wollen einen Pfad aus Leichen schlagen, durch die Minen. Eine Taktik, ist sie neu? Er weiss es nicht, zu lange schon harrt er hier aus. Vielleicht, vielleicht nicht, wahrscheinlich nicht. Vieles wurde schon ausprobiert. Zischen, eine Explosion. Granaten, Minen? Er kann den Unterschied schon nicht mehr hören, geronnenes Blut klebt an seinem linken Ohr. Wie es passierte, weiss er nicht mehr, doch es spielt auch keine Rolle. Er lebt, noch lebt er, aber Leben und Tod sind nah beieinander. Harper hat es gestern erwischt, er hat ihn gesehen, wie er schwer verwundet auf ihn zugerannt kam. Hat ihn nicht erreicht, einen Schuss in den Rücken. Vermutlich liegt er noch immer dort, es ist keine Zeit, die Toten wegzuräumen, keine Zeit zu trauern. Wer Glück hat, wird in eine Grube geworfen und verscharrt, die anderen fressen die Krähen. Die Krähen, die über dem Schlachtfeld kreisen, darauf warten, dass das Gefecht erlahmt und sie sich auf ihre Beute stürzen können. Ihre Beute, die sich selbst zur Strecke bringt, ihre Opfer, die sie nicht zu jagen brauchen.
Dann da, wieder ein Sirren. Was, was ist es dieses Mal? Ein Schuss, eine Handgranate? Schweissperlen rinnen über seine Stirn, dann der Aufprall, laut, viel zu laut, viel zu nahe, Erde fliegt durch die Luft, blutgetränkte Erde. Eine Wolke heisser Asche weht durch den Graben, färbt Gesicht und Kleidung grau, brennt in den Lungen und in den Augen. Die Artillerie, sie hat getroffen, verdammt. Trotzdem ist er erleichtert, wenigstens ein bisschen, es hätte Giftgas sein können.
„McElstyr!“
Eine Stimme, kalt, ersterbend, ohne Gefühl, die Stimme eines Toten. Er hebt den Kopf, sieht ihn, den Hünen. Hamann heisst er, entsinnt er sich, einer aus dem Norden. Nicht hier, er sollte weiter nördlich sein, wenigstens ein, zwei Meilen. Aber vielleicht ist auch er selbst zu weit gelaufen, hätte im Süden sein sollen. Er weiss es nicht, ist ihm auch egal. Der grosse Mann erreicht ihn, drückt sich neben ihn in den Graben, hat keine Waffe dabei, muss sie wohl verloren haben. Nein, jetzt erinnert er sich, Hamann, der von der Artillerie.
„Was suchst du hier?“, fragt er ihn, seine Stimme so heiser und rau, dass es ihn selbst erschreckt. Er wirft einen flüchtigen Blick in die Augen des anderen, sie sind kalt, tot, die Augen eines Mörders. Er weiss, dass er nicht anders aussieht. Verfluchter Krieg.
Wieder ein Surren, nahe. Beide fahren herum, sehen die Granate. Er reisst die Arme hoch, wirbelt herum und birgt seinen Kopf an der eigenen Brust, die Waffe noch immer fest umklammert. Hamann reagiert zu langsam, natürlich, er ist ja auch für die Artillerie zuständig, kennt diese fiesen Granaten noch nicht. Er selbst, er hat sie am Gehäuse erkannt, keine halbe Sekunde gebraucht, aber jetzt ist es zu spät. Sie trifft auf, er hört es am Klacken, eine Sekunde verzögert, vielleicht vom vielen Blut durchtränkt, nicht ganz funktionstüchtig, aber sie explodiert eben doch.
Splittergranaten nennt man sie, zu recht. Der Druck reisst sie mit, tausende Scherben, unausweichlich. Sie durchschlagen seine Uniform, bohren sich tief in sein Fleisch und die Druckwelle, mit der sie kamen, schleudert ihn zu Boden. Ein Schrei, laut, nah, schmerzerfüllt. Der Schmerz betäubt, er weiss nicht, war es seiner, der eines anderen. Das heisse Blut rinnt seinen Rücken hinab, seine Beine, läuft in die Schuhe. Er hat noch Glück gehabt, er lebt noch, nur seine Rückseite ist verletzt. Wenn er es hinter die Linien schafft, aus dem Graben, ohne erwischt zu werden, vielleicht hat er dann eine Chance.
Neben ihm ein Röcheln, ein Stöhnen. Hamann, den hat er ganz vergessen. Es schmerzt sich zu bewegen, alleine schon an die Seite des anderen zu knien zerreisst ihm die Haut noch mehr. Der Soldat, der, der eigentlich im Norden sein sollte, weit hinter der Front, bei den Kanonen, diesen riesigen Dingern. Aber jetzt, sein Gesicht, hätte er ihn zuvor nicht gesehen, er hätte ihn nicht erkannt. Hamann ist kein einfacher Söldner, kein Kanonenfutter, glaubt er zu wissen. Trotzdem hat es ihn erwischt wie jeden anderen auch. Er kann sehen, der andere hat keine zehn Minuten mehr, ist jetzt schon mehr tot als lebendig. Aber er kann es sich nicht leisten, jetzt ist keine Zeit.
Er will sich erheben, umklammert seine Waffe mit beiden Händen, Blut läuft den Lauf hinab, tropft auf die verbrannte, bereits blutrote Erde. Zwei, drei Schritte, er sieht andere Soldaten, Söldner, tot, schwer verwundet. Dann, er hat nicht aufgepasst, sein Knöchel knickt ab, er fällt. Zuerst scheint es, er hätte Glück, vor ihm ist der Rand des Grabens, er lässt die Waffe los und klammert sich fest. Verdammt, aber er hat den Drahtfalle vergessen, den verdammten Draht, der hier überall gespannt ist. Der Schrei ist heiser, erstickt und er lässt los, fällt nach hinten. Der Aufprall, die Scherben werden tiefer getrieben, es tut so weh. Doch dann, der Schmerz in seinen Beinen erstirbt. Was ist passiert, verdammt?
Er dreht sich auf den Bauch, will aufstehen, aber es geht nicht. Da ist kein Gefühl mehr, kein Gefühl in seinen Beinen. Er schreit, wütend, verzweifelt, schmerzerfüllt, greift nach seiner Waffe. Er will nicht sterben, das ist alles, was er weiss. Nicht heute, nicht hier.
Aber dennoch – der Tod um ihn vergeht nicht, der Rauch, der Geruch des Blutes, die Schreie, die Schüsse.

Ihr Atem geht ruhig, beherrscht. Der Lauf des Gewehrs wackelt kaum, sie ist es gewohnt, hat inzwischen viel Erfahrung. Das Fadenkreuz, der verzerrte, enge Blickwinkel, schiebt sich über das Feld. Da, einer hat den Schützengraben beinahe erreicht. Der Helm ist verloren gegangen, irgendwann, das macht es ihr leicht. Das feuerrote Haar leuchtet wie ein Signalfeuer, er hatte von Beginn an keine Chance, ohne Helm, mit der Farbe. Ein Schuss fällt, geht unter inmitten des ganzen Lärms, der Rückstoss drückt den Lauf ein wenig nach oben, nicht viel, aber genug, dass sie aufsieht. Sogar von der Distanz, getroffen, der Krieger sackt zusammen. Sie will nicht länger hinsehen, hat auch gar keine Zeit und wendet sich dem nächsten Opfer zu.
„Hawk.“
Es ist kein Ruf, kein Befehl, keine Aufforderung, einfach eine Feststellung. Sie dreht sich nicht um, weiss, dass er es nicht erwartet, doch lässt sie die Waffe sinken. Die Stimme, ihr so vertraut, ist vielleicht das Einzige, was sich hier nicht verändert. Er tritt an ihre Seite, seufzt leise, unmerklich, sieht hinab auf das Schlachtfeld, von hier oben, auf dem Hügel. Der perfekte Ort für jemanden wie sie. Für eine Scharfschützin, den Tod, den man nicht sieht.
Das Gemetzel da unten scheint weit weg zu sein, aber das Blut, das Blut riecht man hier auch noch und das Pulver. Das Donnern der Kanonen, die Schüsse, die Schreie.
Die Schreie sind das Schlimmste, die Todesqualen, von den Männern hinausgeschrien, wenn sie alles verloren haben. Alles, jedes bisschen und zuletzt ihr Leben.
Der Mann neben ihr seufzt erneut, tiefer, resignierender, ihr Vorgesetzter, Geez Roberts. Er wird nicht an die Front geschickt, darf es gar nicht, also hat er Zeit. Sie weiss, dass er nachdenkt, worüber er nachdenkt und sie weiss die Antwort auf seine Fragen, jedenfalls auf viele, denn sie beobachtet das Schlachtfeld Tag und Nacht, aber sie schweigt. Er fragt sich, wo seine Leute sind, seine Freunde, all die vielen Bekannten. Sie weiss es, hat es gesehen, sieht alles, fast alles. The Hawk, so nennt man sie und sie mag den Spitznamen nicht sonderlich, weil sie weiss, wie sie ihn verdient hat. Mit dem Blut der anderen, die keine Chance hatten.
Noch ein einziges Mal seufzt er, denkt an all die Leute. Und wieder schweigt sie, denn sie brauchen ihn besonnen, nicht in Trauer. Sein bester Freund, Harper, der ist gefallen, ein anderer Scharfschütze hat ihn erwischt. Hat sich dadurch aber verraten, sie hat ihn entdeckt, zur Strecke gebracht, mit einem Schuss. Goughes, der ist zu jung, nicht auf dem Feld, zum Glück, Fallman auch nicht, kein Fusssoldat, Brender hat sie die ganze Zeit nie gesehen. Vielleicht tot, vielleicht lebendig, vielleicht an der Front oder hinter den Linien. Sie weiss es nicht. Und McElstyr, ja, McElstyr, den hat sie beobachtet, wie alle anderen auch, versucht, ihn zu schützen. Im Grunde ist keine Zeit dafür, im Krieg, aber ihre Freunde, sie schützt sie, hofft es zumindest. Irgendwo liegt er, McElstyr, eine der neuen Goblin-Granaten hat ihn erwischt, die kann man nicht erschiessen. Vielleicht tot, wahrscheinlich sogar. Und all die anderen, wo die sind, das weiss sie nicht, weiss es vielleicht, weiss es mit Sicherheit. Ihre Freundin, Isabell, sie wurde zurückgebracht, verwundet. Hat Glück gehabt, sie hat den Untoten gesehen, der Isabell mit einem Messer erstechen wollte, hat ihm die Hand zerfetzt mit einer Kugel. Und die Brüder, die Alfons-Geschwister, die wollten in den Krieg, vor allem der Ältere. Ob sie durften? Sie hofft es nicht, hofft, dass sie zu jung waren. Sie erinnert sich daran, wie sie - damals noch Deckmatrosen ihr voller Begeisterung von ihren zukünftigen Heldentaten erzählt hatten. Sie hatte nur sacht gelächelt und McElstyr zugezwinkert.
Wieder legt sie an, sucht ihr Opfer, zielt, drückt ab.
Und wieder schlägt der Tod mit seinen schwarzen Fängen zu und zerfetzt ein weiteres Leben.
Der Krieg wird nicht langsamer.

_________________
Alle für einen, und jeder für sich selbst!


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