Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: "Püppchen"
BeitragVerfasst: 5. Jun 2013, 00:37 
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...Lächelnd erinnert sich Salim an die Sandkastenspiele seiner Sprößlinge. Wie seine kesse Tochter dem kleinen Bruder sein Spielzeug klaut, dieser beginnt herzzerreißend zu schreien und das Mädchen triumphierend lacht, wärend sie ihre Beute hoch in die Luft reckt. Von damals auf heute ist ein riesiger Schritt gewesen. Sein Arm legt sich um Juliana, welche sich daraufhin bereitwillig an ihn schmust. Die Blicke der beiden ruhen auf Caspar und Nokomis, welche sich im Training befinden und dabei auf leblose Trainingspuppen eindreschen. Die flinke Noko sah bisher bloß sieben Sommer und doch hatte sie ihren Körper schon soweit im Griff, dass einige der mitreisenden Söldner und Söldnerinnen sich einiges abschauen konnten. Der schon jetzt breite, jüngere Bruder Caspar, erblickte bloß einen Sommer weniger, aber er schien mit mehr Kraft zu glänzen. Der strahlend blaue Himmel und die sattgrüne Wiese verharmlosen das Bild der Kinder, die das Töten lernen. Und doch, die kindliche Unschuld, die Reinheit war den beiden auf unerklärliche Weise geblieben.

"Genug", spricht Salim ruhig, "nun gegeneinander." Seine Kinder gehorchen ohne Widersprüche auf sein Wort.
Grinsend stehen sie sich gegenüber. "Kriegst mich eh nich!", stichelt Nokomis. "Du renns' ja auch immer weg, du Feiglingin!", kräht Caspar. Juliana schmunzelt und sieht zu ihrem Gefährten herauf. "Los", sagt dieser schlicht und die Jünglinge beginnen sich langsam zu umkreisen. Ein provokantes Grinsen ziert das Gesichts des kleinen Mädchens. Ihr Bruder hingegen blickt neutral.
Und dann ist er der Jenige, der den Kampf übereilt beginnt. Lachend hüpft das junge Ding vor ihm weg, der blonde Zopf wippt im Takt dazu auf und ab. Immer wieder setzt Cas hinter seinem Geschwisterkind her und schwingt das Übungsschwert dabei. Das kleine Kerlchen beginnt rot anzulaufen, wärend er angestrengt versucht seiner fixen Schwester zu folgen. Mit einem Mal wendet sich das Bild. Nokomis hat die Wand im Rücken, Caspar grinst. Sie kreuzt die hölzernen Dolche um sich so vor dem Holzschwert ihres Bruders zu schützen, dann schubst sie ihn von sich und setzt sogleich mit einem Angriff nach. Der Junge stürzt nach hinten, hebt aber schnell genug das Schild um sich zu schützen, die Schläge prallen ratternd ab. Unter seinem Schild stützt er sich ab und steht auf. Das blonde Mädchen tänzelt geschwind um ihren Bruder herum, sie weicht seinen Schwertschlägen geschickt aus, bis ihre meeresblauen Augen eine Schwachstelle in seiner Deckung erspähen. Für ein so junges Mädel unglaublich schnell, schießen die beiden Dolche durch die Lücke und treffen so ihr Ziel. Ihr Bruder hüpft zornig auf der Stelle. "Ungerecht!", brüllt er beleidigt. "Caspar...Das letzte Mal hast du gesiegt, nun sei ein guter Verlierer, es ist schließlich bloß ein Training mit deiner Schwester", Julianas Stimmlage scheint ihren Sohn sanft zu streicheln. Beide Kinder laufen zu ihren Eltern und bleiben etwa einen Meter vor ihnen stehen, um ihren Vater anzusehen. "Noko, du musst offensiver an den Kampf rangehen, irgendwann kannst du nicht mehr ausweichen. Cas du sollst dagegen defensiver werden, dauerts länger werden deine Arme zu schnell bleiern", hält Salim seine Auswertung, "und nun geht's an den Fernkampf. Auf ihr zwei!" Die Kinder flitzen zu den Zielscheiben. Sie legen sich in etwa zehn Meter Entfernung auf das grüne, satte Gras und bekommen dort einige Wurfmesser von ihrer Mutter. "Bleibt näher am Boden, Kinder", tadelt sie noch, ehe Salim das Kommando zum ersten Wurf gibt. Zwei Schneiden sirren durch die Luft, beide treffen, aber ungefährlich ungenau. "He! Konzentriert euch!", kommentiert der Vater hart. Ein zweiter Versuch. Das Mädchen schafft es sogar, das Messer an der Zielscheibe vorbei zu werfen. "Nokomis!", die Kleine fährt bei dem Organ ihres Vaters zusammen, "so eine Aktion bringt dich im Ernstfall um! Aufstehen, dreimal um den See, joggend! Jedes Mal wenn dein Bruder ein Messer los lässt sprintest du bis es die Scheibe trifft. Los!" Das blonde Kind springt auf und joggt los. Ihr Bruder übt derweil weiter.
Etwa eine Stunde, etliche Messerwürfe und Joggingrunden später, finden die Kinder sich im kühlen Nass wieder und werden zärtlich von Juliana geschrubbt. Gegenseitig spritzen Nokomis und Casper sich das Wasser entgegen und üben sich statt im Kampf in einer Wasserschlacht, welcher auch Juliana nicht trocken entkommt. Sauber und fertig um unter ihre Decken zu schlüpfen springt die Minibande ihren Vater noch einmal an. Salim wird überrumpelt -Widerstand zwecklos! Die beiden Jungspunde bekommen von ihren Eltern noch einen Kuss auf die Stirn gedrückt, ehe beide unter ihre Decken in dem notdürftig geflickten Zelt ihrer Eltern huschen.

"Du Noko?", flüstert Cas, "glaubs du, dass wir das alles irgendwann ma brauchn werdn?" "Weiß nich, Cas. Aber wenn, dann könn wir's. Dann könn wir irgendwann Mama und Papa beschütz'n. Sowie die jetz uns", das kleine Mädchen rollt sich auf den Bauch und stützt sich auf die Ellenbogen ab, um ihren kleinen Bruder zu betrachten. Der junge Bursche schüttelt die braunen Haare durcheinander. "Ich will gar nich kämpfen.." "Was? Is doch voll lustig! Oder has'e Angst, dass'e niemanden triffs?" "Ne. Aber ... ich weiß auch nich", der kleine Wicht zieht die Decke bis zur Nase, "ich hab irgendwie Angst davor" "Ach Cas, du bis 'n Feigling" "Gar nich..", brummelt er und legt sich auf die Seite, Nokomis tut es ihm gleich.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Püppchen"
BeitragVerfasst: 5. Jun 2013, 00:37 
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Zehn Sommer hatte das kleine, blonde Mädchen bisher gesehen und wieder schlief sie gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder in dem Zelt ihrer Eltern. Die kühle Nachtluft war rein, die Tiere schliefen, bis auf ein paar tierische Jäger, welche mit dem sanften Wind, der das Laub umspielte, ein zufälliges Konzert spielten. Äste knackten unter den Schritten von Rehen und der Nachtwache, welche die kleine Söldnergemeinschaft aufgestellt hatte. Leise unterhielten sich die beiden jungen Männer. Sie waren nicht viel älter als Nokomis. 17 und 18. Brüder, welche heute die letzte Nachtwache ihrer ersten alleinigen Nachtwoche hatten. Immer wieder verstummten sie, um sicher zu gehen, nichts zu hören. Runde um Runde umkreisten sie das Lager. Noko schlief nicht. Ihre Augen waren geschlossen, aber ihre Sinne erfassten jede noch so kleine Regung. Ihre Atmung geht ruhig. Es ist eine gute Nacht.
Die Schritte der jungen Kerle gehen schneller. Dann werfen sie sich wohl wieder einmal auf ein wehrloses Kaninchen, ein Appetitshappen, vielleicht wollen sie auch etwas aus dem Fell machen. Der kleine Blondschopf seufzt. Sie würde auch gern draußen bei der Nachtwache sein. Sicher war es aufregend. Ihre Augen öffnen sich. Neben ihr liegt Caspar. Die Kinder einrahmend, außen jeweils Juliana und Salim. "Wie schön Mutter ist", das Mädchen lächelt zu ihren Gedanken. Ihr Blick streicht über das zarte Gesicht der Frau. Die glatte Haut, des ovalen, eher schmalen Gesichts war markellos. Die Wimpern dicht und lang, ihre Lippen voll und dunkel.
Das Zelt wird geöffnet, Noko setzt sich auf, lächelt, erwartet eines der bekannten Gesichter. Im nächsten Moment ist ihr junges Gesicht fassungslos. Eine blutverschmierte, fremde Fratze schaut in das Zelt ihrer Familie. Schon setzt die fremde Person herein, ein langer Säbel mit der Rechten geführt. Entsetzt schreit das Kind auf. Das ganze Lager ist mit einem Mal hellwach, Salim schafft es, sein Schwert zu greifen, den Störenfried aus dem Zelt zu scheuchen. Caspar, Juliana und Nokomis folgen hinaus. Juliana fasst ihre Dolche und das Schild ihres Gatten, wärend sie die Kinder zwischen sich und ihn schiebt, ihm das Schild entgegenstreckt. Ein erbitterter Kampf entfacht. Die eben noch friedvolle Lichtung wird zu einem unheimlichen Ort. Aus den dichtstehenden Büschen treten mehr und mehr Fremde, welche den überraschten Söldnern zu Leibe rücken. Die zwei Jungen, waren nicht auf einen Hasen gesprungen, wie Noko erschrocken feststellte, sie waren aus dem Hinterhalt ermordet worden. In beiden Nacken steckten dünne Klingen, welche das Mondlicht reflektierten. Caspar klammert sich verängstigt an seine größere Schwester, auch wenn sie ebenfalls nicht weiß, was zu tun ist. Zwei weitere Söldner fallen. Das Lager wird zum Blutbad. Trotz der Überraschung wüten die flinken, erprobten Klingen der Söldner und fordern das Blut der Feiglinge. Doch die Widersacher sind zahlenmäßig überlegen. Immer öfter werden die Streiche der Söldner abgewehrt, werden sie verletzt. Ihre Arme werden bleiernd. Mit einem Mal wird Nokomis bei der entsetzten Beobachtung der Gräultaten an ihren Freunden und Bekannten gestört. Ihre Mutter prallt unsanft gegen sie. "He!", sie fällt auf den Hosenboden, dabei zieht sie Caspar mit. Beleidigt starrt sie in Richtung Juliana. Doch ihre Mutter schaut nicht mehr zurück. Mit leeren Augen blickt sie in den Himmel. Aus einer gräßlichen Wunde, welche sich von ihrem Hals über ihren Brustkorb zieht, strömt rotes Blut. Caspar und Nokomis schreien entsetzt auf, stürzen auf ihre Mutter, versuchen die Wunde zuzudrücken, doch der Lebenssaft fließt ungehindert durch die Kinderhände. Schreiend und weinend rufen die Geschwister ihre Mutter, da will der Mörder schon beginnen auf die Kinder einzuhacken. Salim täuscht einen Angriff an, sodass sein Gegner einen Schritt zurück weicht und er in der Zeit seine Nachkommen mit dem Schild schützen kann. Gerade noch rechtzeitig.
Beinahe alle Söldner waren gefallen, als die letzten drei Ungeheuer auf der Lichtung zum Kampf bereit stehen. Salim kommt in arge Bedrängnis, wärend zwei Widersacher auf ihn einprügeln. Der letzte Kamerad stirbt. Sein Gegenüber hatte es geschafft seine Klinge von unten in seinen Kiefer zu rammen. Nun wird der noch zappelnde Söldner kurzerhand unter irrem Lachen an seinem durchstoßenem Kiefer hochgezogen. Die Kiefergelenke knacken. Nokomis würgt unterdrückt, Caspar sieht zu Salim. Dem Kameraden wird die Klinge aus der Wunde gerissen, er stürzt zu Boden, das Blut sprudelt, auch wenn er versucht es abzudrücken. Im nächsten Moment wird sein Kopf bis zur Hälfte, das junge Mädchen sah es genau, bis zur halben Nasenspitze, gespalten. Leblos kippt der Körper in eine unnatürliche Lage. Sein Gegner sticht vergnügt auf den toten Leib ein. Soviel Blut. Es stinkt nach Tod. Nokomis ringt um ihr Bewusstsein, alles scheint wie ein Albtraum. Ihr Bruder reißt sie aus der Trance, blitzartig sieht sie zu ihrem Vater. Er brüllt ihnen etwas zu. Sie versteht seine Worte nicht, sie ist unwahrscheinlich geschockt. Dann steht Caspar auf, fasst ihre Hand, zieht sie hoch. Die Kinder beginnen zu laufen, zu rennen. Nokomis schaut noch einmal zurück. Sie sieht ihren Vater, wie er gleichzeitig von hinten und von vorn durchbohrt wird. Er sackt zusammen. Dann kommt der Irre. Der dritte Mörder. Salims Kopf rollt, Nokomis rennt weiter.
Den Kindern rinnen Tränen über das Gesicht. Blutig und schmutzig suchen sie ein Versteck. Hinter ihnen die lauten, amüsierten Rufe ihrer Verfolger. "Wollt ihr verstecken spielen, ja?" - "Wir kriegen euch doch und durchstoßen eure kleinen Körper wie die eurer Eltern!" - "Ihr passt sicher sogar zu zweit auf eine Klinge!" Lachen. Dann ein Hof. Ein Stall, inden die Geschwister flüchten. In Todesangst, voller Panik springen sie zwischen die eingesperrten Schweine. Sie drücken sich an den stinkenden Boden. Stille. Lange bleiben sie dort, auch die nächsten beiden Fütterungen erleben sie, unentdeckt. Dann wagen sie sich orientierungslos aus ihrem Versteck.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Püppchen"
BeitragVerfasst: 8. Jun 2013, 12:50 
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[...] Flüchtend, vor Angst noch immer wimmernd und Hand in Hand rannten die Geschwister nachts aus dem Stall, zurück in den Wald und immer weiter, immer tiefer hinein, auf der Suche nach dem alten Lager, in der Hoffnung auf verschonte Seelen.
An Schlaf war nicht zu denken und so trafen die Kinder am folgendem Abend an. Der Anblick ließ sie verstummen. Die Zelte waren eingerissen, die wenigen Habseligkeiten durchwühlt und zerstört oder gestohlen. Die Pferde waren fort, die Hunde tot, so wie ihre Herrn. Die Söldner, ihre Verwandten und Freunde, waren allesamt blass, kalt und bereits erstarrt. Das Blut war in den Boden gesickert, an Haut und Pflanzen getrocknet. Allesamt waren von ihren Todeswunden entstellt. Das Geschwisterpaar fiel auf die Knie, schlang die Arme umeinander. Sie zogen sich gegenseitig wieder auf die Beine, liefen zurück in den Wald, liefen bis ihre jungen Füße sie nicht mehr zu tragen vermochten. Irgendwann zwischen etlichen Wurzeln knickte der Junge ein, riss seine Schwester mit sich zu Boden. Außer einigen Schrammen zogen die Kinder sich nichts zu. Für den Moment blieben sie am Boden. Er atmete tief durch, lag auf dem Bauch und hieb mit seiner kleinen Faust auf den Waldboden ein. Sie drehte sich herum, sah schweratmend in den Himmel, bestehend aus dichtem Laub und vereinzelten blattfreien Abschnitten. Tiefe Atemzüge ließen sich ihren Brustkorb heben und senken. Mit plötzlich, seit dem Sturz, neutral gewordenem Gesicht blickte sie sich um, ließ das tiefe Blau fließen und die Eindrücke in sich aufnehmen. Es wurde bereits dunkel, die riesige Menge an Bäumen, ihre Stämme, warfen unheimliche Schatten auf den matten Boden, der so verwuchert war, dass man keinen Flecken nackte Erde zwischen all dem Moos, den herabgefallenen Blättern und den Sträuchern ausmachen konnte. Ein Stück weiter weg hallten die Schritte der vor den Kindern flüchtenden Rehe nach, man sah die flinken Tiere bereits nicht mehr. Und dann.. unterbrach außer den unregelmäßigen Atemzügen er Kinder nichts mehr die Dunkelheit. Nach einer halben Ewigkeit der Reglosigkeit stand Caspar auf, nahm Nokomis mit sich. Die Kinder versteckten sich zwischen den hohen Wurzeln der Bäume, so verdreckt wie sie waren würden sie dort wohl kaum auffallen. Caspars Magen knurrte, doch weder ein Wort von ihm, noch von seiner Schwester hallte durch die Nacht. Irgendwann, es war stockduster, schliefen die beiden Kinder ein. Sie hatten noch lange ins Nichts gestarrt.

Nokomis war vor Caspar erwacht, sie suchte bereits einige Beeren, welche sie kannte, welche essbar waren. Als sie zurück kam schlief ihr Bruder noch, so weckte sie ihn sanft auf. Das spärliche Frühstück linderte den Hunger kam, aber Appetit hatten die beiden ohnehin nicht. Selbst die kleinen, saftigen Beeren zwangen sie herunter. Dann machten sie sich wieder auf. Die Morgensonne kitzelte den Geschwistern die verdreckte Haut. Wäre es eine andere Situation, ein anderer Grund durch den Wald zu wandern, wäre die Umgebung eine Wohltat. Die Vögel sangen sich gegenseitig ihre Ständchen, immer wieder kreuzten einige Tiere den Weg der Kinder, so völlig unbekümmert, vermutlich hatten sie hier im tiefen Wald kaum jemals einen Menschen zu Gesicht bekommen. Der Morgentau brachte Boden und Blattwerk in den orange-roten Lichtstrahlen zum glänzen, hauchte dem Wald und seinen Bewohnern etwas märchenhaftes ein. In diesem, für die Kinder aber so surrealen Moment ihres jungen Lebens, hatten die Geschwister keinen Blick für die Schönheit, die Pracht der Natur.
Sie irrten desorientiert zwischen den Stämmen umher, es war wohl bloß eine glückliche Fügung, die die Kinder einen kleinen, klaren See entdecken ließen. Er war nicht groß und aus ihm heraus entspran ein Bächlein, aber er war umwuchert von Pflanzen, einige Rehe hoben die Mäuler aus dem frischen Nass, hüpften fort, als sie die Menschenkinder erblickten. Die Schritte der Geschwister wurden langsamer. Sie blickten auf den See, als wäre dieser ein Fabelwesen. Dann blieben sie stehen, schauten sie in die Augen. Nokomis nickte knapp, daraufhin führten die Kinder ihren Weg fort, liefen erst zum See selbst, steckten die verschmutzten Köpfe hinein um schnell das kalte Wasser aufnehmen zu können. Sie ließen sich auf den Hintern fallen, streckten sich am bewachsenen Ufer. Erst einige Stunden später bewegten sie sich zu dem sprudelnden Bach, wuschen sich und ihre Kleidung darin aus. Gereinigt und mit frischem Wasser im Bauch blieben sie auch für den restlichen Tag an dem so ruhigen Ort, ließen ihre Gedanken schweifen. Vielleicht war das der Moment, indem Nokomis begriff, das nun sie die Verantwortung auf ihren noch so schmalen, kraftlosen Schultern hielt. Vielleicht fand sie sich auch bloß in dem Moment mit der Wendung ihres jungen Lebens ab. Sie trank noch einige tiefe Schlücke, legte sich dann auf ihren Rücken, betrachtete noch eine Weile den Blätterhimmel, lauschte dem so leisen Konzert der Tiere. Bis sie irgendwann einschlief. Viel ruhiger als die Nacht zuvor. Auch Casper legte sich bald unweit von seiner Schwester zur Ruhe.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Püppchen"
BeitragVerfasst: 17. Jun 2013, 11:50 
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Seit dem grausamen Blutbad und der gehetzten Flucht waren einige Tage vergangen. Wie viele genau wussten die Kinder nicht. Drei, vier, vielleicht auch fünf oder sechs. Sie hatten kaum miteinander gesprochen und schliefen doch immer wieder Arm in Arm in Höhlen, auf Bäumen oder zwischen den Wurzeln ein. Der See diente zwar dazu sich zu waschen und etwas zu trinken, aber die Gedanken reinigte das kühle Wasser nicht. Die Kinder wurden schwächer, sie waren sich im klaren, dass sie etwas tun müssten um nicht zu verhungern. Die Tiere des Waldes waren zu flink für die Geschwister. Sie fassten einen Entschluss. Sie suchten die nächste Stadt. Schon bald liefen und liefen sie - orientierungslos, allein, hungernd.
Einige wenige Tage vergingen, dann fanden sie ein kleines Dorf. Sie waren überrascht als ein paar der Einwohner ihnen tatsächlich halfen, ihnen zu essen und zu trinken gaben. Es dauerte eine Weile, aber die verwahrlosten Kinder schienen tatsächlich das Mitgefühl der Bauern zu ergattern. Allerdings war das Dorf klein. Schon am dritten Tag begannen die Streitigkeiten, die Dorfbewohner wollten die Kinder nicht durchfüttern und sie waren noch viel zu geschwächt, waren zudem krank und konnten so nicht zu den anderen Arbeitern und sich ihr Leben verdienen. Der Satz, dass sie ihr Leben nicht verdienen könnten, traf das junge Mädchen. Wimmernd schwor sie sich dort hin nie wieder zurück zu gehen. Sie nahm ihren Bruder mit und schon bald waren die Kinder wieder in dem dichten Wald, allein unter sich. Das Band zwischen den Geschwistern war gestärkt und Caspar würde die Entscheidung Nokomis' fortzugehen nicht in Frage stellen, wenngleich er dem Satz keine so hohe Bedeutung einräumen würde. Er wusste, seine Schwester war schon immer sensibel. Auch wenn sie es nicht zugeben würde.
Wortlos liefen sie nah an einer Straße weiter, hielten sich dabei allerdings im Gebüsch um nicht aufzufallen. Nach einigen Stunden Marschweg erschien eine riesige Stadt vor ihnen. Die Augen wurden groß, die Münder blieben offen stehen. Ungläubigkeit machte sich breit, hatten die zwei Kinder doch nie eine Hauptstadt zu Gesicht bekommen. Sie blickten sich gegenseitig in die Augen. Der nächste heranfahrende Wagen wurde genutzt, aus ihrem Versteck sprangen sie auf die Ladefläche, sie winken den Wachen, wollten ganz natürlich scheinen. Es klappt. In der Stadt angekommen fahren sie noch ein Stückchen mit, springen dann von dem Karren. Durch die große Menschenmenge wuseln die Kinder Hand in Hand ihren Weg. Es ist eng, es stinkt nach einem komischen Gemisch aus Schweiß und Duftwässern. Es dauert einige Zeit, doch Caspar und Nokomis fanden heraus, kurz ist auch über ihrem Kopf ein Dach, dann ein wenig besuchter Weg, begrenzt auf einer Seite von Wasser, auf der anderen von Geschäften. Sie folgten den Wegen, gingen dorthin wo wenig Mensch herkamen. Die Kinder kamen in ein unheimliches Viertel, welches allerdings wohl am sichersten vor neugierigen Blicken war.
Die Gebäude waren zerfallen, es war dunkel. Die Menschen hier schienen nicht viel mehr zu haben, als die Kinder, welche mit misstrauischen Blicken oder völliger Ignoranz begrüßt wurden. Nokomis und Caspar, Hand in Hand, gingen weiter. Sie huschten durch enge Gassen, erkundeten dunkle Wege. Irgendwann begann es zu regnen, es wurde stürmisch. Die dünne, verschlissene Kleidung der Geschwister bot kaum Widerstand. So standen sie nun da. Mitten in der Nacht, plitschnass und gepeitscht von windigen Böen. Caspar kuschelte sich an Nokomis, versteckte sich halbwegs bei seiner Schwester, wärend sie mit zusammengekniffenen Augen die Umgebung begutachtete. Und da war er. Dort konnte man ins Dach, auf den Dachboden eines Hauses einsteigen, einige Steine waren weggebrochen, gaben einen Schlitz zwischen Mauerwerk und Dach frei. Das junge Mädchen zog ihren Bruder mit und schon bald saßen sie auf dem Dachboden. Der Wind zischte durch alles Spalten, es tropfte von einigen Stellen, aber die Kinder waren einigermaßen trocken.
Knapp neben den Einstieg setzen sich die Geschwister, lehnen ihren Rücken an die Wand und machen ihre Beine lang. Noko sitzt dabei näher an dem Mauerloch.

"Wir werd'ns nich' schaff'n, oder Noko?", Caspar blinzelt sie an, dabei dreht er seinen Kopf ein Stück, lässt diesen aber an der Schulter seiner großen Schwester verweilen, "Wir werdn genauso drauf gehn wie die andern, nur nich so brutal" Er schluchzt leise. Nokomis legt die Arme um die Schultern des Jüngeren, drückt den kleinen Kerl an sich. "Red' doch nich' so einen Quatsch, Cas. Wir kriegen das hin. Versprochen. Wir haben uns. Und ich werd uns nich aufgebn. Ich werd dich nich aufgebn. Also tu du's auch nich" Ein Kuss auf die Stirn für Caspar, aus Geschwisterliebe. Der Junge nickt schwach, legt dann die Arme um ihren Bauch. Sein Atem wird ruhiger, bald schläft er ein. Nokomis hingegen sieht nachdenklich aus ihrem Einstiegsloch heraus, betrachtet die Sterne bis sie von der Müdigkeit übermannt wird.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Püppchen"
BeitragVerfasst: 11. Jul 2013, 10:26 
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Es waren bereits zwei weitere Sommer ins Land gezogen, die Kinder hatten gelernt in der großen Stadt auf sich allein gestellt zu überleben. Zumeist war es Nokomis, die sich zwischen all' den Leuten flinker zu bewegen wusste, welche Nahrung und Sonstiges beschaffte. Caspar war immer eher derjenige, der sich mit den anderen Straßenkindern prügelte, wollten diese in die Verstecke, oder machten diese die Geschwister an. Es lief gut, bis zu einem Abend, einer Nacht, welche das Leben der Zwei ein weiteres Mal auf den Kopf stellen sollte. Wieder würde alles anders werden.
Eigentlich war alles wie immer, doch heute Nacht wollte Caspar dabei sein. Er sollte lernen worauf er zu achten habe, wenn er losziehen musste. Elf Sommer zählte der Junge nun, Noko bloß einen mehr. Sie hatte überlegt, hin und her auf welchen ihrer Diebeszüge sie ihren Bruder mitnehmen könne. Auf dem Markt wäre es zu auffällig. Sie entschied sich für einen Einbruch. War man leise genug, würde es niemand bemerken. Es war bereits dunkel als die Kinder sich aufmachten, aus dem Versteck in der Altstadt kletterten. Leise Musik, vermutlich aus der Taverne, Trinkgesänge. Das Stöhnen einiger Freier - schon eine Kunst, dass die Frauen immer wieder mitspielen konnten. Wärend sie an einem Haus vorbei liefen, konnten sie einen lallenden Mann schimpfen hören, eine weinende Frau. Sie gingen weiter, es war nicht Besonderes mehr, hier in dem Viertel, indem die niedere Schicht beheimatet war. Sie waren beinahe aus den verwinkelten Ecken der Wohnsiedlung heraus, von den Gassen auf die Straße, auf der sich auch das erwähnte Gasthaus befand. Nur gut, dass die Zeit auf der Straße die Geschwister aufmerksam und vorsichtig gemacht hatte. Dort um die nächste Ecke, drei jugendliche Kerle, die auf einen anderen eintraten, wärend dieser schon blutend am Boden lag. Nokomis schluckte stark, Caspar biss sich auf die Unterlippe. Sie musste ihren Bruder beinahe von der Prügellei fortziehen, wollte dieser doch tatsächlich eingreifen. Er hätte keine Chance gehabt. Der Umweg kostete Zeit, doch schon bald kamen sie an dem Kanal an, huschten über die Brücke in das Zwergenviertel. Hier mussten sie achtsamer sein, hier gab es einige Wachen. Somit wandelten sie durch die Schatten, immer wieder von einem zum nächsten, mit wahrer Geduld, mit allen Sinnen bei der Sache. Der immer wieder niedergehende Hammer eines Schmiedes machte Nokomis nervös, könne dieser doch wichtige Geräusche, Hinweise auf Wachen verschlucken. Aber immerhin machte Caspar seine Sache gut. Still, Aufmerksam und immer mit einem Auge bei seiner Schwester. Jedes kleinste Zeichen, jede noch so minimale Geste ihrerseits wurde von ihm bemerkt und befolgt. Somit kamen sie gut voran, Bald waren sie durch die Gassen des Zwergenviertels und konnten heraus, konnten in Richtung Bauernhof schleichen. Es lief besser als gedacht, Nokomis hielt inne, lächelte ihrem Bruder lobend zu, dieser erwiderte es, einige Anspannung fiel sichtlich von ihm ab. Dort am See, zwischen einigen Büschen unter einem Baum ließ sich Noko vorerst sinken, deutete ihrem Bruder es gleich zutun. Wie gehabt gab es keine Widerworte, Cas reagierte. Der kleine Junge atmete langgezogen aus. Der Blick des Mädchens wanderte derweil auf den See. Für einige Herzschläge war sie gebannt von dem Anblick – Dieses im Mondlicht so wundervoll glitzernde Wasser, als wären Tausende Diamantsplitter auf der Oberfläche verloren gegangen, dieses Spiegelbild des Vollmondes. Ein Lächeln stahl sich auf die kindlichen Züge und sie versank ein wenig in Gedanken, erinnerte sich an den See, an dem sie so oft mit ihrem Bruder trainiert hatte, indem sie so oft mit ihren Eltern geplanscht hatten. Das Lächeln schwand. Dann tippte ein Finger an ihre Schulter, sie zuckte ein wenig zusammen.
"He Noko", flüsterte Caspar, "Mit dir is' alles gut, ja?" Sie nickte. "Lass uns weiter, Cas. Denk dran, lass dich jetz' bloß nich' seh'n. Sons' is'ses vorbei." Casper bestätigte. Die Kinder standen auf und der Schattenlauf wurde wieder aufgenommen. So erreichten sie das Lagerhaus an der Bauernhütte. Die Blonde legte ein Ohr an das sperrige Tor.. Kein Ton. Mit einigen Griffen war die Versperrung gelöst, mittlerweile hatte das Mädchen einiges gelernt. Es war dunkel innerhalb der hölzernen Halle. Nokomis huschte hinein, Caspar schloss das Tor hinter sich. Sie blieben einige Atemzüge stehen, versuchten ihre Augen an die Düsternis zu gewöhnen. Gar nicht so einfach, als sie weiter gingen waren noch immer bloß Umrisse zu erkennen. Das blonde Mädchen war bereits einige Male hier eingebrochen, so wusste sie wo was zu finden war. Allerdings war etwas neu. Sie stolperte und fiel etwa in der Mitte des Gebäudes über eine Leine, welche etwa auf Kniehöhe gespannt war. Es leuteten einige Glocken. Geistesgegenwärtig sprang sie auf, Caspar drehte sich bereits um. Schnell liefen sie zurück zum Ausgang. Nicht so leicht, waren sie nun auf weitere fallen gefasst und sahen noch immer kaum etwas. Alles ging so schnell und die Geschwister waren zu langsam in der Dunkelheit. Sie hörten noch das scharben des Holzes, der Stamm, der die Scheunentür schloss. Nokomis fluchte auf. Natürlich. Sie war zu oft dort gewesen, die Bauern hatten ihr eine Falle gestellt. Die beiden krochen in eine Ecke, unter einige Regale, machten sich fort klein und warteten. Etwas anderes war ihnen ohnehin nicht möglich.

Caspar wimmerte auf. Nokomis schlang ihre Arme um ihren Bruder. "Jetz' is' es vorbei", wisperte er, als sich mehrere schwere Schritte näherten.
(...)

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 Betreff des Beitrags: Re: "Püppchen"
BeitragVerfasst: 24. Dez 2013, 16:10 
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(..)
Und natürlich kam es wie es kommen musste. Die Kinder wurden von den Bauern und der Wache erwischt und zur Rechenschaft gezogen.
So ganz ohne Heim wurden die Kinder für die Nacht in das Verließ gebracht. Es war dunkel, nass und kalt. Einige Personen liefen wie eingesperrte Raubkatzen in ihrem Gefängnis auf und ab, wieder andere saßen apathisch herum und einige weitere beobachteten die anderen Straftäter. Nokomis und Caspar hatten sich aneinander gekuschelt, saßen nebeneinander und warteten ab. An schlafen war nicht zu denken, würde sie doch am morgen wer abholen, um sie in das Waisenhaus zu bringen.
Ganz sanft strich Nokomis über die hellbraunen, mittlerweile schulterlangen Haare des kleinen Bruders und küsste ihm dann sachte auf die Stirn, als sie das leise wimmern bemerkte. "'s wird alles gut..", flüsterte das junge Mädchen mit ruhiger und leiser Stimme. Caspar nickte bloß kaum merklich. Und so saßen die Kinder dort noch einige Stunden. Das Schnarchen der anderen wurde laut und mit dem Morgenlicht wieder leiser. Frühstück - wie in alten Filmen: Trockenes, altes Brot und ein Schlückchen Wasser - wurde verteilt und im Laufe des Tages, etwa zur Mittagsstunde wurden Nokomis und Caspar aus ihrem Käfig geholt.
Sie wurden die Treppenstufen hinaufgeführt und in ein Zimmer gebracht. Es war in grauen Tönen eingerichtet, ein großer Tisch stand in der Mitte, auf beiden Seiten von diesem jeweils zwei Stühle. An den Wänden waren Bücherregale mit Büchern und Ordnern zu finden. Nokomis und Caspar blieben im Türrahmen stehen, um sich den ganzen Raum einmal genauer anzusehen. Fast sanft schiebt die Wache die Geschwister, mit jeweils einer Hand zwischen den Schulterblättern der Kinder, nach vorn.

Ein kurzer Wink der Wache auf die Stühle - und die Kinder lassen sich auf ihnen nieder. Klein machen sie sich und dabei schauen sie ängstlich und angespannt in dem Raum herum. Alles so unliebevoll. Aber wie soll es auch anders sein. Dann öffnet sich die Türe am anderen Ende des Zimmers. Ein breiter Mann in Uniform stackst herein und hinter ihm eine brünette Dame mit Hochsteckfrisur und teurem Kleid. "Das sind sie.", spricht der Gorilla-Mann mit tiefer, basslastiger Stimme und der Blick der grauen Augen, der alten... Tussi wandert zu den Geschwistern. Kurz weiten sich ihre Augen. Dann nickt sie dem Wachmann zu, der sich dann an die Kinder wendet. "Ihr werdet ihr von nun an folgen, Kinder. Es ist eure Großmutter. Beatrice von Lichtensang" ....

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BeitragVerfasst: 27. Apr 2014, 21:44 
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Flatsch! Die Reitgerte knallt der jungen Blondine in den Rücken. "Gerade bleiben, Nokomis!" die Stimme klingt wie ein zweiter Peitschenhieb. Caspar schaut seiner Schwester mitleidig in die Augen. Dann geht der Tanzunterricht unter den strengen Augen der Lehrerin weiter. "Eine Dame lässt sich führen und wahrt dabei trotzdem ihre Haltung. Du sollst den Männern gefallen, Nokomis! - Sonst findest du niemals einen Gatten. Und nun - Lächeln!" Leise grummelnd tut die nun 15-Jährige wie es ihr aufgetragen wurde. "Gut so Caspar.", quasselt die Dame in der Zeit weiter - durchgehend Kommentare. Als müsse sie nicht atmen. "Uuuund: Schluss." Beendet sie dann irgendwann die Stunde. Die Geschwister atmen durch. Aber keine Zeit für eine Pause. Der Tag ist noch jung und so werden die beiden gleich weitergeschickt. Caspar muss fechten, Nokomis zum Klavier- und Gesangsunterricht. Wie jeden Tag bei ihrer Großmutter. Keine Freizeit für die Jungspunde. Schließlich sollen sie ihrem Namen Ehre machen. Tanzen, schreiben, lesen, fechten, musizieren, Benimmregeln lernen - all' das, was die feinen Leute so können müssen.
Jeden Abend sitzt Nokomis am Fenster und sieht in den Himmel hinauf. Das Leben gefällt ihr nicht. Anfangs war das wissbegierige, aufmerksame Mädchen begeistert - aber ewig das brave Fräulein sein? Das gefällt ihr nicht. Heiraten soll sie. Einen der feinen Männer. Dabei dreht sich ihr der Magen um, wenn sie nur an die Schnösel denken muss. Spät in der Nacht huscht das Mädchen dann kurzentschlossen in das Zimmer ihres Bruders. Auch Caspar ist noch wach und so liegen seine Augen auf Nokomis, sobald sie den Raum betritt. "Fräulein von Lichtensang - wie komme ich zu der Ehre, dass Ihr mich zu solch später Stunde aufsucht?", er grinst. "Caspar! Rede nicht so einen Unsinn. Ich bin hier, weil.. weil.. Ich will fort. Ich will nicht, dass wer anders mein Leben für mich bestimmt. Ich lasse mich nicht in Ketten legen." Caspar nickt. "Ich werde dir folgen, Noko. Immer werde ich dir folgen. Wohin du willst."
Gesagt getan. Nur einige Minuten später haben die beiden ihre wichtigsten Besitze eingeräumt und finden sich ohne große Probleme draußen wieder. Schnell geht es von nun aus durch die Gassen Sturmwinds, vorbei an lauten Tavernen, schlafenden Schnapsleichen und singenden Feiernden. Und ehe sie sich versehen stehen sie vor den Toren. "Du bist dir sicher, Schwesterherz?" - Nokomis nickt. Und so laufen die Geschwister in den elwynn'schen Wald. Tief hinein in die Dunkelheit.

Doch die Reise endet abrupt. Aus einigen Büschen springen vermummte Gestalten hervor, welche das Geschwisterpaar sogleich packen - und dann wird es dunkel vor den Augen der beiden. Eine tolle Idee gehabt, Nokomis.
...

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 Betreff des Beitrags: Re: "Püppchen"
BeitragVerfasst: 10. Sep 2014, 01:40 
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"Mhh..", grummelnd hebt Nokomis eine Hand an ihren Hinterkopf. Ihre Welt dreht sich und der Schädel schmerzt.
"Die hab'm nix da, Sam!" - "Red' nich' so'n Dreck, Diego! Guck'se dir doch ma' an! Die hab'n Kleidchen und 'n Hemdchen an! Du wills' ja nur alles für dich, du nutzloser Dreckssack!" - Eh sach ma'! Du dusseliger Esel! Wir sind'n Team, da zieh'ch dich doch nich' über'n Tisch, du Banause!" - "Has' ja... Eh Diego! Die Tussi wird wach.."
Verwirrt und verängstigt von den zwei fremden Stimmen zerrt Nokomis an ihrer Augenbinde. "Cas..", flüstert sie mit zittriger Stimme. "Cas, wo bist du?" Dann fischt eine Hand nach ihrer. Rau ist sie - ganz sicher nicht Caspars Finger. Erschrocken zuckt sie zurück und reißt dann endgültig das schwarze Band von ihrem Kopf. Ein paar der goldblonden Locken bleiben als Erinnerung im Stoff. "Wer seid ihr?", flüstert sie dann tonlos. Die Jungs grinsen - wirklich bloß Jungs. Vielleicht drei Jahre älter als die Geschwister. Allerdings bemuskelter, dreckig. Einer mit kurzgeschorenen dunklen Haaren, grauen Augen. Der andere mit langen schwarzen Haaren, locken und grünen, aufmerksamen Augen, wohl etwas älter als sein Kamerad. Bartwuchs. Zerrissene, alte Kleidung. Dolche.. Dolche! Noch einmal muss die Blondine schlucken. "Diego und Sam", sagt dann der wohl etwas ältere der beiden und deutet zuerst auf den zweiten im Bunde und dann auf sich selbst. "Is' angenehm, kleine Lady.", spöttelt dann der Zweite. "Wo ist mein Bruder?", erklingt dann wieder die Mädchenstimme. "Des sach' ich dir, wenn'e uns deine Kohle gibs'!" Und schon ist Sam - der Sprecher - bei Nokomis und zieht sie unsanft an der Schulter zu sich hoch. Nach einem erschrockenen Japsen schüttelt sie schnell den Kopf. "Wir haben nichts, Herr. Wirklich. Wir sind fortgelaufen! Bitte lass uns frei.." Der Lockenkopf schaut sie prüfend an. Dann wird sie hart von dem Kerl gestoßen, sodass sie wieder auf den Boden plumpst. Der Kerl dreht sich zu seinem Freund. "Dann ham die wirklich nix.." - "Also die Kleine da kann uns trotzdem nützlich sein..", grinst Diego dann finster. Nokomis bekommt derweil große Augen. "So'n Unsinn. Wills' wirklich so'n Püppchen vögeln?", Sam hebt die Augenbrauen. Dann lacht Diego. "Ne, has' recht. Wolls' die umbring' oder was haste vor?"
...

( Bin mal VOLL aus der Übung, aber ich wollt' mal wieder schreiben. Ich sitz noch immer auf heißen Kohlen - ja, ich hab' immernoch ein Comeback vor. Allerdings werd' ich das erstmal mit Marco abklären. Ist jetzt immerhin auch eine Weile. Momentaner Standpunkt bei mir ist: Frankie ist bezahlt, wir haben eine Wiese gepachtet, ein Shetty -Amigo- dazubekommen und eine gute Freundin hat nun auch ein Pferd. Ich geh' demnächst noch an einer anderen Stelle Probearbeiten und joa. Im Moment gibt's so den großen Wandel - ist viel, aber ich hab wohl gerade einen guten Lauf. Ich hoffe einfach mal, dass ich dann bald auch wieder bei euch bin, dass es zeitlich, finanziell und ic-mäßig geht.. und natürlich, dass ihr mich noch dahaben wollt. :D
Eure Nina <3 )

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 Betreff des Beitrags: Re: "Püppchen"
BeitragVerfasst: 25. Sep 2014, 22:13 
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Raschelndes Laub. Der Boden von taufeuchtem Gras bewuchert. Sachter Wind liebkost die hellbraune Haut. Goldblonde, lange Wellen sind durch ein Haarband unter der dunklen Kapuze gezähmt. Aufmerksam blitzen die ozeanblauen Augen, umrandet von dichten, geschwungenen Wimpern, unter dem schwarzen Stoff hervor. Eine der in Leder behandschuhten Hände liegt am Griff des schon älteren Dolches, die andere Hand liegt auf dem Boden. Der Atem klingt nur leise - gedämpft durch den Stoff. Ja, die ehemals so zurückhaltene, junge Dame Nokomis sitzt nun lauernd in einem Gebüsch nähe einer kleinen Landstraße. Gerade rasseln zwei gerüstete Wachen über den sandigen Weg. Wasser sammelt sich dort in den Spurrinnen der Wagen, die in der Mittagssonne noch dort fuhren. Hufabdrücke von Ochsen, Eseln, Pferden - und nun wieder die Abdrücke der schweren Stiefel. Ungesehen sitzt Caspar gegenüber im Gebüsch. Versteckt. In dunkle Kleidung gehüllt. Auch er vermag sich von den Schatten umarmen zu lassen, reglos in der Liebkosung zu verharren, sich so vor ungewollten Blicken zu schützen.
Langsam und kalt kriecht die Nässe vom Boden in die Knochen der stillen Gestalten. Nicht ein Tier hält sich dort auf, nur vereinzelt traut sich der Mondschein durch das Blätterdach zu linsen. Dann eine Dame. Sie scheint schon ein wenig älter zu sein, gehüllt in eine edle Robe, in der Hand eine Tasche, zudem eine Laterne in der anderen. Das flackernde Feuerlein versagt dabei den Weg vollends zu erleuchten. Die Blondine hält den Atem an bis das Lichtchen vorbeigetragen wurde. Dann sieht sie zu ihrem Bruder. Sie sieht ihn nicht - aber sie weiß wo er sich befindet. Er ist dort im Schatten. Hält den Atem an. Sieht zu ihr und er wird es ihr gleich tun, sollte sie sich bewegen. Und das tut sie. Leise. Nur das heisere Flüstern des Laubes, welches an den Leibern entlang streicht. Die Dame hält inne - dann sind die Geschwister bei ihr. Eingespielt und ohne Worte läuft es ab. Nokomis ist noch immer ein wenig schneller als Caspar und so ist es an ihr der Lady die Klinge an den Hals zu drücken und mit der anderen Hand ihren Mund zu bedecken. Caspar huscht derweil an ihr vorbei, entreißt der Frau die Tasche. So schnell er da war, so schnell verschwindet dieser wieder. Nur Nokomis hält noch für einen Moment inne. Der Dolch wird von dem Hals der Dame genommen um den Stoff von den eher bräunlichen, denn rosanen Lippen der Blonden zu nehmen. Daraufhin wandert die Waffe zurück. Die ozeanblauen Augen werden geschlossen, während die Lippen drei Worte wispernd formen: "Gut' Nacht, Großmutter.." Ein entrüstetes, schockiertes Aufjammern.

Ein Schnitt. Reißende Haut. Gurgeln... - Und mit dem Fall der Dame erlischt auch das Licht ihrer Laterne.

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