Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Verrat
BeitragVerfasst: 13. Nov 2012, 14:43 
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Wie eine verängstigte Herde flohen sie. Ja, wie eine Herde Tiere rannten sie durch den Dschungel, hoffend, dass ihre braune und grüne Kleidung sie vor den Blicken ihrer Henker schützen würde. Sie waren so unwissend. Unwissend ob der Tatsache, dass es unmöglich war ihnen zu entkommen. Diese heillose Flucht würde sie nur zu noch leichteren Zielen machen. Aber was sollte man von ihnen erwarten, es waren nur einfache Banditen, Mörder, Vergewaltiger, Vogelfreie - einfache Menschen. Sie waren schwach und dumm, so unglaublich dumm. Instinktgesteuert wie Tiere, ohne Sinn und Wissen für die Konsequenzen ihrer Taten.

Ein plötzlicher Anstieg der Lautstärke des Lärms aus dem Wald vor ihm riss ihn aus seinen Gedanken. Der vertraute Klang von Schüssen drang an sein Ohr, ebenso wie das markante Zischen Pfeilen. Offenbar hatten sich einige der Säcke entschieden weiterzukämpfen. Waren sie wirklich so dumm und glaubten sie könnten noch davonkommen? Oder war etwas gänzlich anderes passiert? Konnte es sein, dass sie in einem unerwartetem Anflug von Intelligenz erkannt hatten, dass wenn zwei, drei sich opferten und die Stellung hielten, die anderen eine größere Chance hatten zu entkommen?

Er lächelte.

Für einen kurzen Moment versank Ians Verstand in die Tiefen seiner Erinnerungen.

„Ian" rief eine Stimme und Ian löste sich aus seinen Gedanken und dreht sich zu der Quelle der Rufes um. Er sah einen Scharlachroten mit den Insignien eines Hauptgefreiten auf sich zulaufen. Frederic Wirth. Seine rote Rüstung war zerschrammt und er hielt seinen Gebrochenen Helm in der Armbeuge. Die Waffen der Gegner waren rückständig, aber nichtsdestoweniger effektiv gewesen.
„Was gibt es?"
„Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Der Befehl zum Ausrücken kommt jeden Moment."
Ian nickte zur Bestätigung. Offenbar wurden dieBefehle prompt umgesetzt, auch nach der Schlacht.
„Es wird noch eine Weile dauern, bie die Garde nachgerückt ist um die weitere Sicherung dieser Position zu übernehmen. Solange sollten wir uns ausruhen. Nach Überlebenden suchen, Gefallene verbrennen."
„Ja." Frederic wandte sich bereits in Ians Begleitung zum gehen als ihm noch etwas einfiel.
„Der Hochgeneral wird stolz auf uns sein." Für Ian klang es verdächtig nach einer Frage, nicht nach einer Aussage.
„Sie ist Stolz auf alle im Ansturm... warum fragst du?"
Frederic lies seinen Blick ein wenig schweifen, so als wollte er sicher gehen, dass sie niemand beobachtete. Ian kam sich vor wie ein Verschwörer als er Frederics Verhalten nur beobachtete.
„Ein paar aus der Führungsriege scheinen irgendwas zu planen... irgendwas seltsames geht vor sich. Etwas dunkles... es heißt sie erwecken die Gefallenen..." Frederics Stimme war beständig leiser geworden, bis sie nur noch ein Flüstern war.
„Es steht uns nicht zu ihre Aktionen in Frage zu stellen, Fred. Wer redet so einen Unsinn?" antwortete mit bewusst lauter Stimme um diese verschwörerische Situation aufzulösen. Eigentlich sollte der Kerl doch wissen was passieren würde, wenn die falschen Ohren das hören würden. Offenbar verstand Frederic, dass er sie sich über Dinge unterhielten, über die sie sich nicht zu unterhalten hatte, denn er ruderte zurück.
„Hast recht. Der Hochgeneral wird stolz auf uns sein." Diesmal klang der Satz tatsächlich wie eine klare Feststellung.
„Wer redet so einen Unsinn?" begann Ian erneut, diesmal mit etwas nachdrücklicherer Stimme.
Zuerst schien Frederic nicht antworten zu wollen, aber er schien schnell zu erkennen, dass man vor Ian, mit dem man wenige Augenblicke vorher Seite an Seite gekämpft hatte keine Geheimnisse haben konnte.
„Garth redet oft von solchen Dingen."
Ians Auge verengte sich zu einem Schlitz als er diese nicht ganz so überraschende Antwort erhielt.
„Soso." zischte er zwischen seinen Zähnen hervor.
„Dann werde ich wohl ein paar Worte mit ihm wechseln müssen."

Ungläubig beobachtete Ian von einem Vorsprung an der Außenseite der Befestigung das, was auf dem Platz von Neu-Herdweiler unter ihnen zu sehen war.
„Die Rabenpriester. Sie tragen die Farben und Insignien des Kreuzzugs." stellte Garth neben ihm fest.
„Hat Arthas sie geschickt?" fragte Frederic, der sich weit über die Brüstung gelehnt hatte, mit fast zittriger Stimme, die bei einem solchen Soldaten weit merkwürdiger klingt als bei einem zivilen Menschen.
Für einen kurzen Moment konnte keiner etwas sagen.
„Die verdammte Geißel ist loyal. Sie würden einen Lichkönig niemals verraten und mit dem Kreuzzug kooperieren." unterbrach Ian schließlich das Schweigen.
„Aber warum sind sie HIER?" Frederic schien keinen Hehl aus seinem Unverständnis für diese für sie alle sehr surreale Situation zu machen. Ian kannte die Antwort, aber er wollte es nicht laut aussprechen. Ihm war als würde er damit alles nur noch schlimmer machen, als ob es noch schlimmer werden konnte. Es widersprach allem was er kannte, allem was er gelernt hatte. Es war so unglaublich, dass er es selber fast nicht glauben konnte. Es war Verrat die Erleuchtung und die Wege des Lichts in Frage zu stellen. Er versuchte zu schweigen, aber es schien als wollte sich diese Wissen unbedingt Gehör verschaffen. Es war als bewegten sich seine Lippen von alleine.
„Abbendis hat sie hergeholt."

Die verschneite matschige Lichtung stand in Flammen. Das was zurückbleiben musste, verbrannte jetzt unrettbar in den Flammen. Die verdammte Bastarde hatten alles in Brand gesteckt, sie hatten unbezahlbares Leben einfach so der Vernichtung anheim fallen lassen. Sie hatten versucht aus Neu-Herdweiler abzuhauen, aber es waren einfach zu viele gewesen für die kleine Truppe von drei Mann gewesen.

Sie hatten ihre Leiber mit Feuer zerissen.
Ihre Schwert hatte ihre hässlichen Köpfe gespalten.

Aber es hatte nicht gereicht. Sie hatten sie umringt, immer wieder ihre Deckung umgangen, nur um sofort darauf von ihm getötet zu werden. Irgendwo ab einem Dutzend hatten sie die Übersicht verloren. Es schien als würden diese Kreaturen immer besser werden, aber eigentlich wurden nur sie immer schwächer. Dann der Knall der explodierenden Geschosse aus dem Dickicht hinter ihnen.

Im Moment war Ruhe.
Jetzt konnte er sich ausruhen.
Er war so müde.
Nur kurz hinknien.
Nur kurz innehalten.
Sein Kopf war so schwer. Unweigerlich senkte sich sein Blick.

Er war verletzt. Das hatte er vorher gar nicht gemerkt. Die Brustplatte seiner Rüstung war geborsten und das Rot der Rüstung das er sah stammte mittlerweile mehr von seinem eigenen Blut als von der ursprünglichen roten Farbe, die die Rüstungen des Kreuzzugs zierte. Erst jetzt kam der Schmerz. Er spürte wie sich Bruchstücke seiner Rippen in seinen Brustkorb bohrten. Noch mehr Schmerzen kamen ihm ins Bewusstsein. Er hatte tiefe Platzwunden am Kopf abbekommen, dass merkte er jetzt. Irgendwie hatte er sich auch noch die rechte Hand gebrochen. Jede Stelle seines Körpers schien jetzt zu schmerzen. Sein ganzer Leib schrie förmlich seine Schmerzen hinaus, und fast hätte auch er geschrieen.

Für ihn war der Kampf vorbei, so oder so. Sie konnten nun kommen und ihn einfach erschlagen, oder er starb hier in den Flammen, in Schnee und Matsch.
Sein Kopf fühlte sich an als würde er gleich explodieren, er hatte keine Bolzen mehr und sein Schwert mochte irgendwo im Leib eines Untoten stecken. Seine einzige Befriedigung war die Tatsache, dass er viele dieser Bastarde mit in den Tod gerissen haben würde.

Plötzlich wurde er in seinem langsamen Herabsinken in den Tod gestört. Sein Blick war getrübt aber er konnte erkennen wie fünf Scharlachrote in Rüstung auf ihn zustürmten. Aber statt mit lautem Gebrüll auf ihn loszugehen hielten sie kurz vor ihm inne. Hatte der Ring aus erschlagenen Untoten um ihn sie eingeschüchtert? Wohl kaum. Wenn die Bastarde erst einmal anfingen zu kämpfen hörten sie gleichzeitig auf zu denken... nicht dass die meisten ihr Hirn jemals sonderlich nutzen würden.

„Gut gekämpft, Soldat. Aber es wird Zeit für deinen Verrat zu büßen. Du wirst hier sterben." Ian verengte seine Augen um zu sehen welcher der Soldanten da mit ihm redete. Erst jetzt erkannte er, dass sein Gegenüber die verzierte Rüstung eines Hauptmanns trug. Ian lächelte, jedenfalls glaubte er es. Er war sich nicht so sicher ob sein Körper seinen Anweisungen noch Folge leistete. Offenbar hatte ihre Flucht das Interesse eines ihrer Kompanieführer erweckt. Wie hatte er ihn genannt? Verräter? Wie konnte er es nur wagen. Ein Verräter der von Verrat sprach. Selbst in seinem geschwächten Zustand erkannte Ian die bittere Ironie dieser Situation, der sich sein Gegenüber mit Sicherheit nicht bewusst war.

Etwas wuchs in ihm.
Sein Blick wanderte zu entfernten Mauern hinter dem dichten Qualm, zu den ensetzlich verstümmelten Leichen von Frederic, Garth und den Untoten Bastarden.
All die Jahre.
All die Opfer.
All das vernichtet in nur einem Augenblick.
All das zur Bedeutungslosigkeit verdammt.

Diese Wahnsinnigen hatten die eigenen Landsleute angegriffen, er hatte mit ihnen unzählige Menschen abgeschlachtet. Alles zerstört was sie ihren Idealen und der Mission nicht gerecht wurde.
Und dann hatten sie ihre Überzeugungen ohne zu zögern weggeworfen und sich der gleichen Dunkelheit und den Schatten wie die Geißel und Dämonen zugewandt, wegen denen Lordaerons Flammen mit der Verzweiflung der Menschen bis zum Himmel schrien!

Und sie sprachen von Verrat?
Dieser elendige Abschaum sprach von Verrat?!
Unbändige Wut stieg in ihm hoch.
Wut wie er sie so noch nie verspürt hatte.
Wut auf sich selbst und seine Dummheit.
Wut auf die Geißel, die über sie hergefallen war.
Wut über den Verräterischen Prinz der die Geißel zu ihnen geschickt hatte.
Wut über den Kreuzzug dem er Treue geschworen hatte.
Wut über den Kreuzzug der Jahre des loyalen Dienstes mit blanken Hass und Verrat vergalt.

Seine Wut brannte wie Feuer in ihm.
Es machte ihn stark.
Es ließ ihn seine Schmerzen vergessen.
Es gab ihm neue Kraft.
Ein letztes Mal erhob er sich.

"Ich werde sterben."
Er griff nach dem Kampfmesser das an seinem Gürtel befestigt war. Zum ersten Mal würde er es in einem Kampf gegen die eigenen Leute einsetzen.
"Aber nicht heute."
Er trat einen Schritt vor. Sein Blick war wieder klar und er konnte die Überraschung in den Gesichtern der Bastarde sehen.
"Bei Lordaeron und dem Blut der Tausenden die starben..."
Ein zweiter Schritt.
"Bei allen Mächten des Lichts und des Nethers..."
Ein weiterer Schritt.
"...schwöre ich, dass ich erst sterben werde..."
Noch ein Schritt und noch immer reagierten sie nicht auf sein Näherkommen.
"...wenn ihr alle in der Hölle brennt."
Endlich erkannte er eine Regung in ihren Gesichtern. Ein Mischung aus Amüsement und Überraschung.
"Tod der Geißel!" rief er, während er seinen Schritt beschleunigte.
"TOD DEM KREUZZUG!" schrie er.
Mittlerweile rannte er.

Der Schub an Erinnerungen ebbte genauso plötzlich ab wie er gekommen war. Etwas seltsames regte sich in ihm. Ein Gefühl, dass er zuerst nicht verstand, aber dann doch als etwas identifizierte was er kannte. Etwas, was er schon seit so langer Zeit nicht mehr gefühlt hatte: Verlust.

Für den Bruchteil eines Augenblicks war sein Geist erfüllt von Trauer und Verzweiflung. Nicht nur über das was seinem Bruder, ihm und allen anderen, an Unrecht getan wurde, sondern auch über die Dinge die sie gezwungen waren zu tun. Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes: Folter, Unterdrückung, Massenmord. Was Lordaeron einst erlitten hatten, hatten sie bereitwillig tausendfach anderen angetan. Er würde nie davon frei werden.

Und das wollte er auch nicht.

Der einstige Mensch Ian Simmons war hinweggespült worden von dem unbändigen und puren Hass des Soldaten Ian Falkner. Es war noch immer der gleiche Hass den er bereits verspürte als Lordaeron brannte. Seit fast zwanzig Jahren hatte er Ianam Leben gehalten, ihn nicht wanken lassen. Seit fast zwanzig Jahren hatte sich dieser Hass in seinen Verstand eingenistet, wie ein Parasit der sich genüsslich an ihm labte. Der Hass hatte ihn verändert, sein Selbst, seine Seele. Er fühlte den Hass nicht länger. Ian und der Hass waren eins geworden... bis auf...

Unwichtig was er getan hatte, nichts, rein gar nichts hätte ihn diesen einen Menschen hassen lassen können.
Was zählte schon der Rest?
Was wissen die Menschen von Leid?
Rache. Rache war alles was am Ende gezählt hatte.
Dafür würden sie brennen. Sie durften nicht existieren, nicht länger, niemals mehr.

Aber das lag noch in weiter Ferne. Hier und jetzt, galt es einen Job zu erledigen.

_________________
Alle für einen, und jeder für sich selbst!


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