Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
Aktuelle Zeit: 22. Jan 2017, 21:19

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Von anderen Welten
BeitragVerfasst: 5. Jan 2015, 05:21 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2010
Beiträge: 1270
Wohnort: Münster
Geschlecht: männlich
Warhammer 40.000
... für Niklas und sein Panzerregiment.

Cadia 332

[Kennung: 0.00.03]

Der Himmel wackelt im Fadenkreuz. Seit sechzig Lidschlägen schon bebt ein tiefes Grollen über die Hochebene von Marakanth, Pearl II, Subsektor Dämmersturm. Solutio Prima. Schwarze Schatten schweben über dem Planeten, wie Wolken vor der Sonne. Es sind die Landungsschiffe der imperialen Kriegsflotte, Departmento Munitorum, Segmentum Ultima. Sie steigen zurück in den Himmel, zurück zu den Wolken; zu einem noch größeren Schatten, der das Licht der Sonne bricht. Der zurückgelassene Panzerverband hat sich mit luftverpestenden Verbrennungsmotoren umgehend in Bewegung gesetzt. Sie sind es, die jetzt den Angriff anführen und die Hochebene durch ihr Gewicht und ihr tosendes Vorrücken zum Beben bringen. Empfindliche Kalk- und Schieferplatten lösen sich vom Felsgestein und zerschellen am Boden. Fünfundvierzig Leman Russ Kampfpanzer. Sechzig Tonnen; jeweils sechs Mann Besatzung, die hinter achtzehn Lagen Plastonid-T-Stahl ihren Koloss über brüchiges Terrain walzen lassen. Die geladenen Primärgeschütze sind feuerbereit; zischen, wenn wieder Sandkörner von den dick verkleideten Kanonenrohren abprallen. Als Sekundärbewaffnung trägt der Leman Russ einen schweren Bolter in der Front; sechshundert Schuss. Einige wenige Exemplare verfügen an dieser Stelle über stickstofflastige Kühlsysteme, die eine Laserkanone unterstützen. Der Großteil des vorpreschenden Regiments verzichtet auf Seitenkuppeln, um Gewicht einzusparen. In Schlachtformation erreichen sie eine Spitzengeschwindigkeit von vierzig Stundenkilometern. Vierzig Stundenkilometer, mit denen sie jetzt schwerfällig den Staub aufwirbeln und das Umland durch bloße Präsenz verwüsten. Dahinter rollen fünf Schutzenpanzer; Typ Chimäre, Mark IV. Achtunddreißig mal Tausend Kilogramm schwer; nur leicht bewaffnet, um Panzergrenadiere zügig an die Front zu bringen. Im Zentrum der Formation fahren drei, auf dem Chimärenrumpf basierende Artillerielafetten der Speerspitze hinterher. Sie tragen insgesamt zwölf Sturmadler-Raketen; jede etwa fünf Meter lang, eineinhalb Meter breit und mit der potenziellen Sprengkraft, das gesamte Regiment bei einer Fehlzündung in die Luft zu jagen.


[Kennung 0.00.01]

Der Kommissar trägt nach Vorschrift einen dunklen Ledermantel mit rotem Innenkragen, eine schwarze Schirmmütze und goldene Offiziersknöpfe. Die Schwertscheide ist mit einer faustgroßen Energiezelle verkabelt; auf der anderen Seite im Holster hängt eine gesicherte Laserpistole. Eine verlustreiche Operation hatte ihm Teile der linken Gesichtshälfte geraubt, die biotechnisch, im Kleid mehrerer Stahlschienen ersetzt wurde. Die leere Augenhöhle ist um ein digitales Zielsystem erweitert, welches an die Platinen der archaischen, grobschlächtigen Gesichtskonstruktion angeschlossen ist. Er steht stramm, gerade wie ein Mast, im Eck der gotischen Kommandozentrale eines imperialen Frachtschiffes. Die ihn flankierenden Wandgemälde, Statuen, Engelsfiguren und eingemeißelten Litaneien betrachten ihn wie stumme, regungslose Wächter, während er pflichtgemäß, stumm und regungslos, die Arbeit der Offiziere überwacht. Sie stehen debattierend über Hologrammen, Geländescans und vergleichsweise primitiv wirkendem Kartenmaterial aus Papier.


[Kennung 0.00.02]

„Es gibt nur eine Antwort. Völlige Auslöschung! Die totale Vernichtung ihrer Spezies auf Pearl II und die Exekution aller Befehlshaber. Eine gründliche Säuberung, die jede Grünhaut von diesem Planeten tilgt. Mit den Orks muss aufgeräumt werden, jetzt oder nie! Ansonsten dauert es nicht mehr lange und wir haben es mit einer Bedrohung zu tun, der die Planetaren Verteidigungsstreitkräfte des Subsektors nicht werden standhalten können. Thunikus, ihr habt die notwendigen Befugnisse, Truppen von Pearl IV für diese Operation zu rekrutieren. Ihr Opfer wird unsere geringe Zahl negieren. Der Imperator schützt.“

Als die Ansprache des Offiziers endet, löst der Kommissar seine starre Haltung. Ein metallenes Schmatzen geht aus dem techhumanen Kiefer hervor. Soweit es seine entmenschlichte Mimik zulässt, gibt er sich mit den Worten unzufrieden. Als würde Luft in seinem Rachen zirkulieren, begleitet ein tiefes Brummen die Sätze, die er spricht.

„Pearl IV fährt geradewegs auf eine politische Eskalation zu. Es kam in den letzten vier Jahren zu zweiunddreißig Arbeiteraufständen, die allesamt von den PVS blutig niedergeschlagen werden mussten. Es wäre Wahnsinn, das System mit Zwangsrekrutierungen weiter zu destabilisieren. Zumal eine solche Streitmacht nicht in der Lage wäre, einer Ork-Population zu trotzen. Meine Herren, - wie sie wissen wäre flächendeckendes, orbitales Bombardement die übliche Vorgehensweise in dieser Situation. Da uns das Segmentum allerdings keine Schlachtflotte zur Verfügung stellt und sich die Flotte des Subsektors auf zwei angeheuerte Freihändler beschränkt, müssen wir nutzen, was wir bereits haben. Andernfalls hätte uns das Segmentum eine größere Streitmacht zur Verfügung gestellt, um auf den Hilferuf der Bevölkerung von Pearl II zu reagieren. Oberst Borst?“

Eine grobe Gestalt mit kurzen, nach oben abstehenden Haaren, der grünen Uniform eines Panzeroffiziers und sechsundzwanzig höheren, imperialen Auszeichnungen, tritt vor. Aus dem Mundwinkel ragt eine dicke, süßlich riechende Zigarre. Er hatte sie sich während der Debatte angesteckt.

„Ja, Herr Kommissar?“

„Ich schlage euer Panzerregiment, das 332. Cadia für eine Bodenoffensive vor. Ihr werdet fraglos nicht dazu der Lage sein, den Ork vollständig aus diesem System zu tilgen, doch reicht es aus, den Vorstoß in der Hauptstadt zum Erliegen zu bringen, den Waaaghboss zu töten und ihre Population dabei flächendeckend auszudünnen. Das gibt uns einige Jahre, bis sich die Situation auf Pearl IV stabilisiert hat und man ein umfassenderes Manöver mit der Unterstützung des Gourverneurs vorbereiten kann. Der Imperator schützt.“

„Hah‘ – keine Sorge, wir lassen nichts von dem Alienpack am Leben.“


[Kennung 0.00.04]

Der alte Jefferson steht auf einem Felsen. Einem zitternden Felsen, der Staub spuckt. Seine müden Augen blicken ins Tal hernieder, wo er Stahl sieht, Rost und Eisen. Er sieht vorpreschende Kanonenrohre und Abgaswolken, die seine Ernte vernichten. Er sieht die gepanzerten Stulpen der imperialen Armee und ihre kolossalen Landungsboote am Himmel. Er weiß um ihre Mission. Er hat gesehen, was andere zuletzt sahen; sah den Untergang einer ganzen Stadt, sah Blut, sah Leid, sah den Angriff der grünen Tide. Im ersten Atemzug der Schlacht erschien ihm die Grünhaut als Messias, als flügelloser Engel, der herabregnenden Apokalypse entsprungen, sie alle vom Joch der Arbites zu erretten. Im zweiten Atemzug wusste er um das Ende der Welt und den unergründlichen Zorn des Imperators, der sie alle für ihre Sünden bestrafen wird.


[Kennung 0.00.05]

„Feuer!“

Eine Erschütterung verstaucht Knochen und prellt menschliches Gewebe. Rauch füllt das stählerne Grab, sticht in die Augen, in den Hals, in die Lunge; verkürzt das Leben um zweieinhalb Stunden. Der Helm fängt sich Narben ein; schützt den berauschten Schädel jedoch vor Hirn- und Hörschäden. Mit dem Schuss ging Lärm einher, der jedes Ohr gebrochen hätte. Während das dürftige Lüftungssystem die eiserne Zelle des Kampfpanzers von Schadstoffen reinigt, frisst sich die glühende Patronenhülse durch die dicken Polyesterhandschuhe eines imperialen Soldaten. Es wird Verfehlen gemeldet. Der Kommandant lässt neu justieren. Blech krächzt. Blech heult. Es wird nachgeladen.

„Feuer!“

Die gepanzerte Schlachtreihe rollt bei Spitzengeschwindigkeit über die Hochebene. Es sind kaum mehr als fünfzehnhundert Meter bis zu Stadtgrenze von Ledgenstein. Hauptstadt und Sitz des Administratums bei einer Bevölkerungzahl von 78.300. Stand 749.M41. Der Ort war binnen sechs Stunden an die Orks gefallen. Die weitreichenden Kampfgeschütze eröffnen das Feuer bei voller Fahrt und ebnen sperrige Gebäude für den zügellosen Vormarsch des Panzerverbandes ein. Feindsichtung: Negativ. Vorstoß ohne Rücksicht auf Verluste.


[Kennung 0.00.06]

„Es geht wieder los.“

Sie sitzen in einem Truppentransporter. Typ Chimäre. Sie sind die Frontschweine. Sie werden im Dreck sitzen, mit Dreck schießen, den Feind mit Granaten beharken, wo Panzerfeuer zu unpräzise ist.

„Ich liebe diesen Scheiß.“, sagt Timothy Ryan. Panzergrenadier. 332. Regiment.

„Ich nicht.“, sagt Oliver McFarlane. Panzergrenadier. 332. Regiment.

„Ganz ehrlich, seht euch das an. Was ist euer altes Leben im Vergleich zu dem heißen Scheiß hier? Die imperiale Armee hat mir nicht viel gegeben. Ich bin Dreck, werde wie Dreck behandelt und fresse Dreck. Aber ich habe dieses wunderschöne Lasergewehr. Das sind zweieinhalb Kilogramm Blech und Kunststoff. Neunzig Zentimeter. Einklappbare Schulterstütze. Zweihundertzwanzig Schuss in der Minute. Ein neunzehn Megathule harter Fressenfick. “ Ryan schwärmt. Ryans Augen leuchten in offener Vorfreude auf das kommende Blutbad.

„Du bist krank, ganz ehrlich. Wie kannst du das lieben? Du siehst deine Freunde verrecken. Siehst, wie die Grünhäute sie mit ihren eigenen Innereien erwürgen. Du siehst Köpfe platzen und siehst Hirnschmalz den Panzerstahl einsauen.“

„Ja, das ist schon schlimm. Oho – aber stell dir nur mal vor, ich schieß einem großen Ork die Eier ab! Was meinst du wohl, würden die Weiber sagen, wenn ich ihnen die Trophäe zeige!“

„Orks haben doch gar keine Eier.“

„Hast du mal welche gesehen?“

„Nein.“

„Siehst du!“

„Du bist ein ekelhafter Bastard.“

Ryan lacht, Oliver brummt.

„Ich bin Tom. Ich rauche gerne.“

Alle haben sich zu Tom umgedreht. Tom ist stark behaart. Tom hat eine Zigarette im Mundwinkel hängen und kratzt nervös an seinem Lasergewehr herum.

„Ich dachte, ich sag’s mal. Bevor ich verrecke, sollte jemand von euch meinen Namen gekannt haben.“

Ryan verstummt, sieht ihn an, dann lacht er weiter. Oliver jedoch springt auf die Idee an.

„Ich bin Oliver McFarlane. Ich war beim 6. Isirion. Jetzt bin ich beim 332. Cadia. Ich esse meine Steaks blutig und mag klassische Musik.“

Sie werden heftig durchgeschüttelt. Die Chimäre rollt durch schwieriges Gelände. Ryans behelmter Schädel kracht an die stählerne Innenwand. Er lacht aber weiter, lacht laut und atmet dabei den Zigarettenqualm ein, während er mit einem schmutzigen Lappen den Lauf seiner Waffe poliert.

„Was ist mit dir, wo kommst du her, Ryan?“, fragt Oliver mit faltiger Stirn.

„Hahahahaha! Was? Cadia natürlich!“

„Ryan von Cadia also.“

„Timothy Ryan von Cadia.“, nickt Ryan ab.

„Timmy von Cadia.“, nickt Oliver dagegen an.

Der Sergeant muss schmunzeln. Er ist rasiert, trägt Glatze, trägt ein Lasergewehr. Armageddon-Schema. Eine billige, handliche, schnell zu ersetzende Waffe. Er schweigt. Er hat schon mehr gesehen, als sie alle zusammen. Er ist das Klischee. Er ist der harte Hund. Er war bei den Sträflingen. Er hat überlebt. Er ist nun Sergeant.

„Ich bin Gordon. Ich kenne mich mit Sprengstoff aus. Ich bediene den Mörser und mag Möpse.“

„Jeder mag Möpse, Gordon!“, Ryan haut ihm dabei auf die Schulter.

„Ich meinte die Hunde.“

„Oh.“

„War’n Witz. Ich meinte Titten.“

Ryan sieht ihn verdutzt an, dann lacht er weiter, als hätte man ihm vor der Landung Drogen verabreicht. Man hat ihm tatsächlich vor der Landung Drogen verabreicht. Gordon grinst müde mit. Er ist ein Bulle, ist breit und hat ein stabiles Kreuz.

„Ich bin Rufus. Ich lese gerne.“




[Kennung 0.00.07]

Feindkontakt.


[Kennung 0.00.08]

Der Gefechtsturm liegt verbogen im Dreck. Aus dem brennenden Wrack kriechen brennende Soldaten, fliegen brennende Trümmer und gehen brennende Granaten hoch, dessen Splitter die armen Hunde von ihrem Leid erlösen. Die Stadt liegt in Schutt und Asche, wie auch der Leman Russ Kampfpanzer nun in Schutt und Asche liegt, ausbrennt und Explosionen speit, die wiederrum Panzerplatten in die Front der nachrückende Schwadron nageln. Die Grünhäute kommen wie stinkender Unrat aus den Abwasserohren gekrochen, kommen über die Straße, von links von rechts und überall. Es ist dem Waaaghboss gelungen, sie bis zu dieser finalen Stunde still zu halten, sich in den Ruinen einzugraben und nun überfallartig Panzer um Panzer zu knacken. Ihrer Bewaffnung nach zu urteilen haben sie das Munitionsdepot des Adeptus Arbites geplündert und die altbewährten Projektilfeuerwaffen und Lasergewehre binnen kürzester Zeit in morbide, orkoide Technologie vergewaltigt. Dieses laute, unpräzise Dröhnen hagelt nun von allen Seiten auf das 332. hernieder. Patronen zerplatzen an Plastonid-T-Stahl, während besonders ehrgeizige Grünhäute sich mit schlagkräftigen Perkussionsladungen zusammen mit dem Heck der Kampfpanzer in die Luft jagen. Die Orks tragen Schwarz, tragen Braun, tragen Dreck und Müll. Sie tragen Schachbrettmuster; sind grobschlächtig. Sie haben gewaltige Kiefer, Hauer, Zähne und unglaublich weite, hässliche Visagen, die sie vor, statt über der Brust tragen. Sie hinken, sind primitiv, sind laut, sind wild, aggressiv, erbarmungslos und dumm. Sie sind zahlreich, gerissen – der Unrat des Krieges, der Krieg selbst.

Unter dem zunehmenden Druck des Überraschungsangriffs rollt das 332. rückwärts aus dem engen, urbanen Terrain und feuert befehlslos um sich. Es macht sich die bereits zerstörten Gebäude zunutze, um irgendwie zu einer brauchbaren Schlachtordnung zu finden. Die Funkfrequenz ist laut, ist unverständlich würde glühen, wenn sie es könnte. Aus einem sechsstöckigen Gebäude feuern die Orks mit unpräzisen Raketenwerfern. Sie zischen, pfeifen, lassen ihre tödlichen Projektile unkontrolliert durch die Luft wirbeln und töten dabei mehr ihrer eigenen Spezies, als imperiale Panzerbesatzungen. Die Frontseite würde dem Beschuss ohnehin standhalten. Doch ein Treffer betäubt die Crew eines Leman Russ Panzers für durchschnittlich neun wertvolle Sekunden, in denen ein kletterbegeisterter Orkboy die Luke aufreißen und die Besatzung mit einer Stabgranate zerfetzen kann. Aus der Kanalisation kriechen die wild gackernden Panzaknakkaz und von vorne stürmen immer mehr, zum Waaagh-Gebrüll einstimmende Grünhäute die Straße herab.

Es kracht. Es dröhnt. Die Erde bebt, wie schon beim Ansturm des Regiments. Eine Panzergranate trifft den linken Stützpfeiler des Raketen spuckenden Wohnblocks, ehe er in drei feierlichen Akten vollständig zusammenbricht. Der Richtschütze blickt mit geröteten Augen durch den Sichtschlitz. Im Funk meldet man den Treffer, bleibt jedoch unverstanden, denn das ununterbrochene Feuer des schweren Bolters mäht jede Grünhaut nieder, die sich zwischen den Panzer und die vier verlorenen Wracks vor ihnen traut. Das Sichtfeld ist schlecht, das Sichtfeld ist eingeschränkt. Wo ein schwerer Bolter sonst ganze Horden vernichtet ist es diesmal nur ein gutes Dutzend.

„WIR MÜSSEN HIER RAUS!“


[Kennung 0.00.09]

„LOS! LOS! LOS!“

Die Laderampe der Chimäre springt auf und schlägt einer Grünhaut den Schädel ein. Ryan rennt los und stolpert mit spuckendem Gebrüll hinter einen dicken Block zementierter Ziegelsteine, ehe er blind an Wracks und Kampfpanzern vorbei in den Staub schießt und sein erstes Magazin verbraucht. Die blauen Lasersalven fressen Löcher in den Nebel des Krieges.

„WIR STEHEN UNS HIER ALLE GEGENSEITIG IM WEG!“

Doch sein Geschrei geht unter, als eine andere Chimäre stur die Hauswand neben ihm durchbricht, Zimmer verwüstet, Möbel zerstört und an der anderen Seite wieder austretend in den Feind rast. Dem Vorstoß schließen sich drei trägere Kampfpanzer an, die nunmehr einfach die Straßenzüge ignorieren, um mit bloßer stählerner Gewalt, nach und nach, die Deckung der Orks einzureißen und sich aus dem Hinterhalt zu befreien.

Oliver schließt zu Ryan auf. Gordon schließt zu Oliver auf. Der Sergeant erreicht das Kampfgeschehen, brüllt, wird nicht verstanden, winkt alle mit sich; der Rest schließt auf. Die Chimäre rollt wieder vorwärts, um den nachrückenden Panzern nicht im Weg zu stehen.

„ICH SEHE NICHTS!“

„WAS HAST DU GESAGT?“

Ryan schießt unermüdlich weiter. Oliver verkantet sein Lasergewehr an einem Trümmerhaufen und feuert. Feuert. Feuert. Immer dorthin, wo er glaubt grünes Fleisch gesehen zu haben. Gordon baut hinter ihnen den Mörser auf. Man hört Knochen knacken, Fleisch reißen, Blut spritzen.

„HAH! DIE WALZEN DIESE MISTKERLE EINFACH PLATT!“

Ein Funkspruch kam an. Der Funker teilt mit. Der Sergeant brüllt los.

„PACK‘ DEN MÖRSER WIEDER EIN, GORDON! WIR MÜSSEN WEITER!“

Gordon bricht den Aufbau ab, klappt das Gestell wieder zusammen und schließt zum Trupp auf, der bereits über die Trümmer hinweg in den Staub eintaucht. Unter Tom gibt die Erde nach. Sein Stiefel wird rot, seine Hose auch, der ganze Unterleib.

„BIST DU GETROFFEN?“

„WAS? .. NEIN?! .. SCHEISSE, WAS IST DAS?!

Er war auf ein ausgerissenes Herz getreten. Orkblut trocknet schwarz.

Ryan ist bei seiner dritten Energiezelle angekommen. Er schießt in den Himmel, schießt in die Fenster, schießt durch den Staub und manchmal auch dorthin, wo er selbst nicht hinschaut. Nach einem Sprint entlang der Wracks, entlang der Hauptstraße, weist der Sergeant sie nach rechts. Raus aus dem Staub, raus aus dem Nebel, raus aus dem Blut und weg von den Wracks - einem zwölfköpfigen Trupp munitionsloser Moschaboyz in die Arme, die mit ihren Granaten eben noch die Ketten eines Kampfpanzers gesprengt hatten.

„FEINDKONTAKT!“

Oliver legt an, feuert, trifft einen Zahn, ein Gesicht, ein Hirn – streckt den Orkoid nieder.

„GRANATE!“

Gordon hat geworfen, - der Sergeant hat geschrien. Der zehn Mann starke Soldatentrupp fällt zu beiden Seiten hin in den Dreck. Tom steht nicht wieder auf. Metallsplitter haben die Haut von seinem Gesicht geschält. Drei weitere Grünhäute tot, zwei verletzt. Zäh genug, um weiterzukämpfen. Sie stürzen sich den imperialen Soldaten entgegen. Rohre, Brecheisen, Äxte, halbierte Heugabeln. Oliver wird zerrissen. Stirbt. Der Sergeant wehrt sich, doch nach drei Schlägen bricht sein Genick. Gordon pariert den ersten Hieb mit seiner Feuerwaffe, den zweiten mit seinem bloßen Arm. Knochen bersten. Dann wirft ihn bloße Muskelkraft eineinhalb Meter fort auf die Straße. Gerade will die Grünhaut nachsetzen, ihn vollsabbern und seinen Schädel auf dem Asphalt zertrümmern, da durchbohrt sie ein Bajonett von hinten. Ryan zieht es wieder raus, dreht sich um, drückt ab, hat keine Munition mehr, lässt fallen, lässt sich selbst fallen, überlebt, zieht das Armeemesser und rammt es dem nächsten Angreifer ins Herz. Er atmet, keucht, hat Tunnelblick. Er sieht sich nach Gordon um, doch Gordon explodiert zusammen mit zwei weiteren Orks. Die Soldaten um ihn herum verrecken im Nahkampf; sterben schnell, aber sterben brutal.


[Kennung 0.00.10]

Die Panzer geben Vollgas und treiben die Staubwolken wie eine Naturgewalt beiseite. Mauern und Stockwerke brechen über den schweren Kriegsmaschinen zusammen. Grünes Fleisch zerplatzt an den todbringenden Projektilen der Sekundärgeschütze. Sie schießen aus allen Rohren, glühen vor Zorn, treiben die Orks in den Tod und halten sie von den eisernen Organen der Kampfpanzer fern. Weiter, weiter, immer weiter. Wie eine träge Wand aus spuckendem Eisen rollt das Regiment durch die Straßen. Stur, unnachgiebig; untermalt vom hellen Singsang der abprallenden Ork-Geschosse. Das 332. Cadia ist in die Offensive gegangen und überrollt den Hinterhalt mit bloßer, motorisierter Gewalt, ohne das überhaupt ein Turmgeschütz von sich hören lassen muss.


[Kennung 0.00.11]

Die Uniform klebt fettig an der erhitzten Haut. Richtschütze Lukas, sitzt in seiner stählernen Zelle und atmet dünne Luft. Ein niederer Gelehrter des Administratums kratzt einen mit Kaffee überschütteten Lappen Papier voll. Er zeichnet die Verluste auf, während Borst aus der offenen Luke heraus die zusammengestürzten Wohnblöcke überblickt. Die Mundwinkel zerlegen eine Zigarre nach und nach in ihre Bestandteile. Korporal Brown, zuständig für das Sekundärgeschütz, streckt die Lippen aus dem Sichtschlitz und atmet den Geruch von zermahlenem Beton ein. Trümmerberge dominieren die Schneise der Verwüstung, die nunmehr bis zur Stadtmitte reicht und an der Position des Panzerregiments endet. Legdenstein wurde umgepflügt, wie Ackerland. Als wären die mehrstöckigen Betonbauten nur lästige Sträucher gewesen. Kollateralschaden. Oberst Borst spuckt den Tabak aus. Erst mit Rotz, dann ganz trocken mit den Lippen.

Wie ein beengtes Wildtier waren die Stahlkolosse ausgebrochen und hatten alles zerstört, was ihnen vor die Ketten kam. Den Grünhäuten ist nichts anderes übrig geblieben, als sich in die Kanalisation und an die östlichen Stadtgrenzen zurückzuziehen. Sie waren geflüchtet, um später weiterkämpfen zu können.


[Kennung 0.00.12]

Vier Leman Russ Kampfpanzer – Zerstört.
Zwei Leman Russ Kampfpanzer – Manövrierunfähig.
Zwanzig Besatzungsmitglieder – Tot.
Vier Panzeroffiziere – Tot.
Eine Chimäre – Zerstört.
Grenadiertrupp Lester – Vermisst.
Grenadiertrupp Forist – Vollständig aufgerieben.
Legdenstein konnte bis zum Stadtkern gesichert werden.
Orkstützpunkt – Noch nicht gesichtet.
Waaaghboss – Noch nicht gesichtet.

Die Stadt wurde bereits evakuiert. Alle überlebenden Einwohner sind dem Ansturm des Feindes gewichen. PVS-Hilfstruppen existieren nicht. Es ist davon auszugehen, dass sie überwältigt wurden. Das erklärt auch den seit einer Woche ausbleibenden Funkkontakt. Die Absturzstelle des Meteoriten verliert für mich zunehmend an Bedeutung, denn die feindliche Hauptstreitmacht scheint in der Kanalisation zu lagern – anders kann ich mir nicht erklären, wie wir so überrascht werden konnten. Aufgrund der unzureichenden Infanterieunterstützung können wir keine Säuberung vornehmen. Panzer rollen nun mal nicht durch Scheißrohre. Sobald wir ihren Sammelpunkt unter dem Straßennetz lokalisieren konnten, pflügen wir den Asphalt mit Sturmadler-Raketen um.
Borst. Ende.



[Kennung 0.00.13]

Ryan lebt. Die Energiezelle seines Lasergewehrs reicht noch für siebzehn Schüsse. Sein Gurt ist mit schweren Orkwummen beladen, mit Stabgranaten und einem alten Metzgerbeil. Er eilt durch die Straßen. Er hat kein funktionierendes Funkgerät, keinen Sergeant, keine Rückendeckung. Die Orks, die am Ende auch über ihn herfallen sollten, schlossen sich im rechten Moment instinktiv dem Rückzug an; hielten ihn für tot. Er sah sie in einem Abflussrohr am anderen Ende der Straße verschwinden. Jetzt bewegt er sich auf dieses Abflussrohr zu.


[Kennung ?.??.??]

Waaaghboss Grifnatz sitzt auf totem Fleisch, sitzt auf Knochen; sitzt auf Müll. Sein kantiges, vernarbtes, über und über grünschwarzes Antlitz krönt den fleischgewordenen Thron aus abgeschlachteten Arbites und imperialen Milizen. Wie sehr sie doch um ihr Leben gebettelt haben. Wie schwach sie doch sind. Wie weich ihr Fleisch ist, ihre Muskeln, jede Faser ihrer mickrigen Existenz. Grifnatz wilde Horde hatte Legdenstein in wenigen Stunden überrannt, das Munitionsdepot geplündert und sich in den grauen Betonbauten häuslich eingerichtet.
Sie hatten eine mehrmonatige, orientierungslose Reise durch den Weltraum hinter sich, ehe ihr Brokk’n schließlich auf Pearl II einschlug. Er war er der größte Ork unter den Überlebenden. Es hatte nur zwei Stunden gedauert, ehe ihm der wilde Haufen aus der Kraterlandschaft heraus in die Schlacht gefolgt war.

Eine richtige Schlacht um Legdenstein hatte es nicht gegeben. Angesichts der aus dem Einschlag resultierenden Erdbeben, war ein Großteil der Zivilbevölkerung bereits aufs Land geflohen. Die primitiven Verteidigungsstreitkräfte waren zu sehr mit der Evakuierung des Ortes beschäftigt, als das sie auch nur ansatzweise eine Chance gehabt hätten, Grifnatz die Stirn zu bieten.

Grifnatz ist verägert über den jämmerlichen Widerstand. Ihm ist langweilig. Seinen Boyz ist langweilig und wenn einem Ork langweilig ist, dann wird er unruhig und schlägt einem anderen Ork den Kiefer ein. Damit verbringt Grifnatz schon seit acht Stunden den Tag. Zu jeder halben Stunde schlägt er einem anderen Ork den Kiefer ein.

Abseits seines Throns sitzen vier Mekz, denen aufgetragen wurde, die Waffen der Menschen zu modifizieren, lauter zu machen und an die drei Meter hohe Gestalt des Waaaghbosses anzupassen. An anderer Stelle hämmern winzige Grotz auf Metallteilen herum, um sie schließlich, in der Hoffnung auf schnellen Reichtum, als innovative Panzaplattänz der orkoiden Marktwirtschaft zu präsentieren. In der Regel besteht dieser Reichtum jedoch darin, dass Grifnatz ihnen die Kiefer einschlägt. Überhaupt schlägt Grifnatz jedem den Kiefer ein. Deswegen ist er ja auch der Boss.


[Kennung ?.??.??]

Der Himmel verdunkelt sich. Allerdings sind es nicht die Wolken, die dem Licht der Sonne trotzen. Es sind die Umrisse eines imperialen Frachters im Orbit, der zu dieser schicksalhaften Stunde eine Sonnenfinsternis herbeiführt. Gork muss auf sie herabgelächelt haben. Oder Mork. Mal ist es der eine, mal ist es der andere. Und jedes Mal, wenn ein Orkboy in Grifnatz Nähe der falschen Gottheit Tribut zollt, schlägt er ihm den Kiefer ein.

Der Frachter schiebt sich wie ein breites Grinsen unter die roten Konturen der beiden Zwillingsmonde von Pearl II. Grifnatz erwidert dieses Grinsen, riecht förmlich die herannahende Schlacht, riecht Rost und schmeckt Benzin auf seiner dicken, pelzigen Zunge. Er schultert seinen Spalta und lässt sich rüsten. Die Orkhorde sammelt sich unter gutturalen Klängen um ihren Anführer, freut sich; stampft dabei auf den Boden, als würden sie das vorbeiziehende Sternenschiff und die herabregnenden Landungsboote herbei beschwören.

Ein verirrter Lichtstrahl blendet die schmalen Augen des Waaaghbosses, sodass er dem Anblick schnaubend den Rücken kehrt. Als er einen halben Lidschlag später wieder den grauen Asphalt wahrnimmt, fokussiert sein Blick ein aufragendes Abflussrohr.

„JUNGZ! HÖRT AUF ZU GLOTZÄN! ICH HAB‘ DA ‘NE IDEE!“


[Kennung 0.00.14]

Es stinkt, ist dunkel, stinkt, ist nass, stinkt und ist eng. Ryan hat keine Taschenlampe. Dafür folgt er seit fünfzehn Minuten einem roten Licht, dass sich im Wasser spiegelt, gelegentlich zuckt, verschwindet und dann wieder anspringt. Seine Schritte treiben dickflüssige Wogen Abflusswasser auseinander; der Klang hallt von den metallenen Rohren, kommt ihm aber auch entgegen. Er ist sich sicher, nicht allein zu sein; sicher dem Feind jeden Moment zu begegnen. Über ihm bebt die Erde, der Boden; jeder Ziegelstein und jeder Hausbalken.


[Kennung 0.00.15]

„So erteile ich also den Befehl dem Imperator eine Stadt zu nehmen.“

Thunikus verlässt die Kommandobrücke; die Arme hinter dem Rücken verschränkt.


[Kennung 0.00.16]

Der alte Jefferson hat sich eine Pfeife angezündet; er raucht eine lokale Tabaksorte, die für ihr mildes Aroma bekannt ist. Die kurzsichtigen Augen nehmen nur verschwommen das Treiben in der Hauptstadt wahr; doch sah er schon früh die meterhohen Staubwolken zerbröselnder Zementschichten, die vom 332. aufgebrochen wurden. Er qualmt also in aller Ruhe sein letztes Luxuskraut, verzieht keine Miene und erwartet still das Jüngste Gericht.


[Kennung 0.00.17]

Ryan, der sich nach und nach daran gewöhnt hat, nicht mehr durch die Nase zu atmen und sich mit dem ekelerregenden Kratzen in seinem Hals abzufinden, hält schließlich inne, denn er ist auf etwas gestoßen. Mit dem Lasergewehr im Anschlag visiert er etwas an, das er nicht kennt. Es ist rot, ist klein; sieht aus wie ein Auswuchs, wie eine Beule, wie ein kranker Hautlappen am Körper des Abflussrohrs. Es ist ein Pilz; ein junger Pilz der sich feucht glänzend am Abwasser labt. Wäre es nicht die Farbe, die sich fürchterlich vom restlichen Schlamm abhebt, so würde er wohl weitergehen, doch der Anblick lässt ihm keine Ruhe. Er klemmt das Gewehr zurück, greift zum Beil und hackt das zähe Etwas mit energischen Schlägen auseinander. Was zurückbleibt ist befreites, lebloses Fleisch; grün, aber weich wie die Haut eines Säuglings. Ryan zögert; legt die Stirn in Falten und atmet gestreckt aus. Sollten es tatsächlich Pilze sein, aus denen diese Kreaturen kriechen? War es ein ungeborener Ork, den er da eben getötet hat?

„Unkraut. Nichts als Unkraut; wir kämpfen gegen Unkraut. Was soll diese verdammte Scheiße.“

Doch ihm bleibt keine Zeit, auch nur einen Augenblick länger darüber nachzudenken. Er hört Schritte, hört schnelle, breite Füße, hört das Rasseln provisorischer Panzerplatten an dicken, muskulösen Leibern und das aufspritzende Dreckwasser an den Abflussrohren widerhallen. Ryan legt an, Ryan erwartet sie mit knirschenden Zähnen; sollen sie doch kommen.


[Kennung ?.??.??]

Buffkopp ist ein Ork, dem man eben den Kiefer gebrochen hat. Das ist die Art seines Chefs, ihm zu sagen, er soll sich beeilen. Buffkopp ist eigentlich jemand, der solche Arbeitsbedingungen längst beim nächsten Nob beklagt hätte; doch Waaaghboss Grifnatz hat einfach die besseren Argumente. Buffkopf stapft also mit zwei Grotz im Schlepptau durch ein Abflussrohr, denn irgendwer hatte wohl irgendwas gehört – er ist derjenige, der jetzt nachsehen muss.

„Imma‘ muff‘ Buffkoff nachfehn – imma ‘riegt Buffkoff auffe Zwölff. Schnella!“

Die Grotze hinken mit ihren kurzen grünen Beinchen hinterher, wie zwei defekte, buckelige Servitoren.

„Aye-aye, Bozzboy Buffkopp!“

Buffkopp folgt dem „Flusslauf“ um eine Kurve, sieht nur schlecht und hat außerdem sichtlich Probleme dabei, seinen breiten Körper durch das enge Rohr zu manövrieren.

Ryan schießt.

Buffkopps Schädel wird zersiebt; er stürzt nach hinten, zerquetscht einen der Grotze unter sich und lässt zu beiden Seiten hin die braune Sülze spritzen; der zweite Grot springt auf, strampelt in der Luft herum und watet so schnell er kann los, wird jedoch vom imperialen Soldaten am Ohr gepackt, zurückgeschliffen und gegen das Blech gehämmert. Sämtliche Rippen brechen; die Grünhaut spuckt Blut.

„WO IST EUER OBERMACKER?! SPRICH! DANN MACH‘ ICHS SCHNELL!“


[Kennung 0.00.18]

Die Sturmadler-Rakete ist ein temperamentvolles Werkzeug imperialer Kriegskunst. Eigentlich als Streubombe konzipiert, ist ihre Reichweite groß genug, den Feind aus sicherer Entfernung in Stücke zu schießen. Sie ist der Ersatz für das ausbleibende orbitale Bombardement; ist eine Waffe, die Panzer bricht und Straßenzüge flächendeckender verwüstet, als jeder Leman Russ. Der Asphalt von Legdenstein wird ihr nicht standhalten.


[Kennung 0.00.19]

Die gurgelnden Kehlenlaute, die sich durch die Abwasserohre schlängeln, speisen die heimliche Erwartung Ryans. Er erwartet ein Blutvergießen. Dafür ist er hier. Das ist seine Pflicht. Aufgrund seiner Pflicht ist er hier; und die Pflicht sagt ihm zu. Er ist nicht leise. Das Lasergewehr liegt in seinen verschwitzten Händen und die modifizierten Wummen, die er sich über die Schulter gehängt hat, schlagen bei jedem Schritt hell scheppernd gegen seinen Oberschenkel. Er spürt, wie schwer sie sind. Sehr schwer.

„Bei der Abzweigung rechts.“, zitiert er die Grünhaut leise für sich, um zu wissen, dass er noch lebt.

Ryan entscheidet sich für die linke Seite.


[Kennung ??.??.??]

Es ist dunkel. Grifnatz mag es eigentlich nicht, wenn es dunkel ist. Wenn es dunkel ist, dann drohen Dolche in sein dickes, fettes Grinsen; in seine abartig hässliche Visage; seinen stinkenden Rachen und seine ungewaschene, grüne Haut. Wenn es dunkel ist, dann kriechen niederträchtige Nobz heran; bullige Fettsäcke, die ihm seinen Posten als Waaaghboss streitig machen wollen.

„DU!“

Das hatte er gegrunzt.

„DUUU! WILLZ‘ DU MIR ANNE HINTERBACKÄNZ?!“

Und dann hatte er einer der höher gewachsenen Grünhäute, die ihm in der Dunkelheit zu nahe gekommen war, erst den Bauch aufgeschlitzt und schließlich den Kiefer mit bloßen Pranken auseinandergerissen. Das ist jetzt fünfzehn Minuten her.

„WERD HIA‘ SCHON GANZ PARANOTISCH! IZ‘ NICH‘ ORKICH, INNA SCHEISSE VONNA MÄNSCHENZ ZU WÜHLÄN, BOOOYZ.“

„Dat wa‘ doch deine Idee, Bozz!“

Erneut hallt widerlich schmatzendes Orkfleisch durch die Gänge; wieder brechen Knochen. Grifnatz hat einen seiner vorlauten Adjutantänz, den er vor fünf Minuten befördert und nun wieder entlassen hat, an ein Abflussrohr geschmettert; Klatsch – Bumm – Tot.

„MHHHHRM. WO BLEIBT MEIN AUFKLÄRA?! WARUM ISSA‘ NOCH NICH‘ WIEDA DA?! BUFFKOPP, WOOOOO BIS DU?!“

Das Gebrüll des Bosses hallt durch die ganze Kanalisation; zweifellos werden die imperialen Speichellecker ihn jetzt hören; erahnen, wo er ist. Aber das ist ihm egal. Das gehört zum Plan. Einen Plan, den er gerade entworfen, verworfen – und dann wieder aufgegriffen hat. Erst wollte er die Menschen mit Kanonenfeuer beschäftigen und warten, bis sie sich in die Abflussrohre trauen. Dann wollte er sie aus der Kanalisation heraus überfallen; jetzt ist er wieder mit Warten beschäftigt. Aber Warten ist langweilig. Ist öde. Ist unorkig. Orks warten nicht. Überhaupt. Und Grifnatz Kiefabrecha schon gar nicht.

„WENN MEIN AUFKLÄRA NICH GLEICH WIEDA KOMMT, DANN ÜBAFALLEN WIR DIE MÄNSCHENZ!“

„Wann iz‘ gleich, Boss?“

Klatsch – Bumm – Tot.

Grifnatz mag es nicht, wenn seine Schergen zu viele Fragen stellen. Außerdem sollen sie nicht so laut sein; das ist schlecht, denn dann könnte man sie ja in der Kanalisation aufspüren. Grifnatz hatte seinen kleinen Haufen, die Adjutantänz, direkt unter dem administrativen Hauptgebäude der Stadt in Stellung gebracht. Seine anderen Schergen sind entweder im Panzerkampf gefallen oder lungern versprengt in den verwüsteten Straßenzügen herum. Der Waaaghboss hatte keine Lust gehabt, sie alle für den Angriff zu sammeln.

„IS‘ EINE GUTE ABLÄNKUNG.“

„Wea, Boss?“, fragt ihn ein weiterer, treudoofer Nob mit einer hässlichen, knallroten Schusswaffe.

„DIE BOYZ UN‘ GROTZ, DIE OBÄN RUMMOSCHEN TUN, DU SNOT!“

„Die moschän ohnä uns, Bozz? Daz‘ nich‘ gut, Bozz! Das‘ is garnich‘ gut, Bozz!“

KLATSCH! BUMM! TOT!

Grifnatz hebt die knallige Waffe auf und feuert ungeduldig in die Leere. Das dröhnende Geschoss prallt ab; und zwar ganz fürchterlich; heult dreimal durch den Raum, viermal an die Decke – und bricht dann einem Munigrot, einem kleinen Wicht, den Kiefer. Grifnatz grinst darüber dreckig. Auch wenn die Granaten, die er hat fallen lassen, nun unkontrolliert durch die verstopften Rohre rollen und in der Dunkelheit verschwinden.


[Kennung 0.00.21]

Ryan hebt auf.
Ryan macht scharf.
Ryan wirft.


[Kennung 0.00.22]

Ein heftiger Knall lässt Scheiße spritzen, füllt das Dreckwasser mit Röte und leitet tiefkehliges Geschrei ein. Ryan stapft mit vorgehaltenem Lasergewehr aus der Dunkelheit und schießt sein letztes Magazin leer. Die gleißenden Strahlen brennen zwei verblieben Nobz die Augen aus; ein anderer krümmt sich von Granatsplittern zerfetzt am Boden. Wo ist Grifnatz? Wo ist der Waaaghboss?

„Am Arsch, ORK! .. AM ARSCH!“

Ryan geht in seinem Element auf; noch ehe die Grünhäute ihre träge Initiative ergreifen, lässt er die imperiale Schusswaffe fallen und reißt das schwere, orkoide Schießeisen vom Rücken, das er schon die ganze Zeit durch den Tunnel geschleppt hat. Er brüllt, wie ein Ogryn, als die bebenden Kugeln der fetten Wumme entweichen und die heißen Patronenhülsen im gluckernden Abwasser Dampf aufwerfen. Der Rückschlag prellt ihm die Schulter – und vollkommen unkontrolliert wirft ihn eine Ladehemmung zur Seite ans Blech; die Waffe ist ihm in der Hand auseinandergeflogen.

Der stechende Rauch, der die giftige Luft in einen sauerstofffreien Dunst verwandelt, verbirgt die unmittelbare Wirkung seines Angriffes. Diesen Dunst atmet er ein, bis es ihm die Luftröhre verschnürt. Blut rinnt ihm von den Lippen, denn irgendein Splitter der gerade zerfetzten Waffe, hat in seinem Mund gewütet.

„WO BIZ DU, KLEINA MÄNSCH?! .. ICH KOMM DICH HOLÄÄÄÄN!“

Schwere Schritte werfen Abwasserwogen auf, die bis zu Ryan durch die Dunkelheit spritzen. Er spuckt aus und greift an seinen Gurt, zu einer orkoiden Handfeuerwaffe. An ihr wurde mehr Metall verbaut, als an seinem ertrinkenden Lasergewehr. Er legt beide Zeigefinger an den Abzug und hält die Donnerbüchse fest umschlossen. Es lösen sich drei Schüsse; der Vierte mit hässlich scheppernder Verzögerung. Das Mündungsfeuer lässt die gewaltige Fratze eines riesigen Orks aufleuchten und dann wieder im Schatten verschwinden. Hat er ihn getroffen?

„AAAAAAARHHHHHHHHH – DU MIESA GROT!“

Er hat ihn getroffen.

Ryan macht einen rückwärts gerichteten Schritt, stolpert und fällt in die braunen Fluten. Das tobende Geschrei des Waaaghbosses klingelt in seinen Ohren, denn es rollt durch die Kanalisation, wie der Klang einer gigantischen, rostigen Glocke.

Von Blut überströmt, mit ausgeschossenen Zähnen, halber Fratze und einer leeren, auslaufenden Augenhöhle fällt die Grünhaut über ihn her; sieht ihn jedoch nicht richtig, sieht schlecht, langsam und von Höllenqualen geplagt. Ryan hält die Luft an und taucht in die Scheiße ein, um vollständig zu verschwinden. Er hört Axtschläge neben sich aufs Rohr donnern; neben sich, aber so, als wäre es ganz weit entfernt. Dann schießt der Waaaghboss wieder mit der knallroten Büchse und die Kugeln prallen wieder von allen Seiten ab, als würde er mit bleibespickten Gummibällen schießen. Ryan zieht den Kopf wieder aus den Fluten, springt auf und wird von irgendeinem Querschläger getroffen. Das Adrenalin pumpt den Schmerz aus seinen Nerven; sein linkes Bein fängt scheußlich an zu lahmen.

Ryan stellt fest, dass dieser grüne Riese über ihn hinweg gestürmt war und sich nun tobend durch die Rohre schießt. Er hinkt an toten Nobz vorbei, doch angelockt vom Kampfeslärm heulen ganze Horden durch den Untergrund; scheinen auf dem Weg hierher. Er sieht sich um; wird hektischer mit jedem Moment, in dem kein weiterer Schuss fällt. Grifnatz dröhnendes Gebrüll entfernt sich.
Eine Leiter!

Er sieht nach oben und sieht dort eine Leiter. Ryan lässt alles fallen, was er noch hat; nur sein Messer nicht. Denn sein Heldenmut hätte keine geringere Wertschätzung verdient, als ein dickes, blutiges Messer zwischen den Zähnen. Messer zwischen den Zähnen; das mag Ryan. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich nicht sonderlich von den Orks. Und vermutlich ist er deswegen auch der einzige seines Zuges, der bis hierhin überlebt hat. Grifnatz ist ganz weit weg. Er ist ganz leise geworden. Ryan stürzt sich auf die Leiter und zieht sich schwitzend herauf. Dann hämmert er die Abwasserluke auf und schnappt einen tiefen Zug frischer Tagesluft. Licht sticht ihm ins verdreckte Gedicht, sodass augenblicklich Tränen von seiner Wange perlen.

„Was für eine abgefahrene Scheiße. Was für eine abgefah-„

„Hia gebliebäään!“

Ein volles Dutzend Ballaboyz hat das Geschehen von unten erreicht und eröffnet augenblicklich das Feuer auf den imperialen Soldaten, der sich da gerade zurückziehen will. Schwere, dicke, unförmige Geschosse schlagen links, rechts und unter ihm in altes Gestein und rostige Rohre. Eine Leiterstrebe zerspringt; dann zischt ihm betäubender Schmerz durch den ganzen Körper. Er sieht Fleisch in die Tiefe stürzen; sein Fleisch. Seinen Fuß. Ryan will keuchen, will schreien; verliert den Halt und stürzt mit dem Rücken zurück in die Finsternis. Die Orks gröhlen und fallen über den armen Teufel her.


[Kennung 0.00.23]

„Oberst Borst, hier spricht Zugführer Radkamm. Wir haben hier eine Auffälligkeit in Quadrat C38, direkt neben dem Rathaus. Mein Richtschütze hat gesehen, wie sich einer dieser Gullideckel gehoben hat. Wir haben Schüsse gehört. Ich glaube, da unten ist noch jemand von uns. Erbitte Erlaubnis zur Aufklärung.“


[Kennung 0.00.24]

„Hier spricht Oberst Borst. Evakuierung von Quadrat C38 einleiten. Artillerielafetten ausfahren; die Grünhaut versteckt sich unter dem Rathaus. Jagt diese verdammten Bestien zur Hölle – und wenn ihr den ganzen Straßenzug umpflügen müsst! Ich wiederhole: Alle Streitkräfte verlassen sofort Quadrat C38. Ihr habt drei Minuten.“


[Kennung 0.00.25]

Der alte Jefferson sitzt nun in einem Schaukelstuhl, raucht seine Pfeife und beobachtet die grauen Ruinen der kleinen Stadt aus sicherer Entfernung. Mit dem ungezählten, letzten Zug seiner Pfeife verrauscht auch der Treibstoff der Sturmadler. Die heulenden Raketen fliegen wie schwarze, stahlgewordene Engel über das Antlitz dieser leisen Welt; als sie Aufkommen erreicht ihn das Beben auf seinem entfernten Ausguck – und alles zittert und alles stürmt. Und da lächelt der alte Mann; sieht das Licht des Imperators und stirbt.

_________________
Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Von anderen Welten
BeitragVerfasst: 16. Feb 2016, 19:33 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2010
Beiträge: 1270
Wohnort: Münster
Geschlecht: männlich
Falls sich jemand dafür interessiert: Hier mal die bisher veröffentlichten Texte unserer Warhammerkampagne.


Info 332. Cadia Panzerregiment

Das 332. Cadia Panzerregiment wurde im Jahre 276.M33 zur Verteidigung der Festungswelten des cadianischen Großraums ausgehoben. Bis ins einundvierzigste Millennium hinein wurde das Regiment einundsechzig Mal vollständig ausradiert; in erster Linie im Kampf gegen Chaostruppen. Die zweiundsechzigste Gründung des 332. sollte die erste sein, die abseits vom Auge des Schreckens eingesetzt wurde. Zunächst, um PVS-Truppen nach cadianischem Vorbild zu unterrichten, später dann unter anderem im Kampf gegen kleinere, weniger bedeutende Xenosreiche, die sich der Abgabe ihrer Ressourcen an die Nachschublinien des Imperiums verweigerten. Seine bisher größte Schlacht schlug das 332. unter Oberst Witzmann gegen die Grünhäute unter Waaaghboss Krachzahn im Jahre 699.M41 im Verlauf des Rhinox-Kreuzzuges an der Seite von Black Templar- und Skitariikontingenten. Diese Schlacht blieb deshalb so ausführlich überliefert, weil es dem Regiment gelungen war, ohne den Verlust eines einzigen Kampfpanzers bis ins Herz des Waaaghs vorzustoßen, vier Stompa zu eliminieren und die Grünhäute damit derart zu verunsichern, dass es den Astartes ein Leichtes war, die übrige Orkmeute im Bolterhagel zu vernichten. Nach Witzmanns Tod übernahm Oberst Schubert die Führung, fiel aber auf Kjell im Subsektor Etzel einem Attentat des Weltenschiffes Saim Hann zum Opfer. 740.M41 übernahm schließlich Oberst Borst die Führung des Regiments und machte sich einen Namen bei verschiedenen, schnell aufeinanderfolgenden Feldzügen im Segmentum Ultima; unter anderem gegen Seperatisten, Orks und eine Expeditionsflotte der Eldar vom Weltenschiff Ulthwe.

Im Jahr 748.M41 erhielt das 332. die Aufgabe, einen zweihundertjährigen Patrouillenflug an der Ostgrenze des Reiches von Ultramar anzutreten, - ausschließlich mit Bodentruppen bewaffnet, um im Fall der Fälle, eine andere Streitmacht des Imperiums rasch mit schwerem Gerät unterstützen zu können. Für den Erfolg der Mission wurde dem Regiment der Shadowsword-Panzer versprochen; also eine unmittelbare Aufwertung in die angeseheneren Kampfverbände des Imperiums. Um die Fortschritte zu überwachen entsandte man Kommissar Markus Thunikus, einen kampferprobten ultramarischen Kriegshelden, der nach schwerer Verletzung in sechzigjährigem Koma gelegen hatte und sich nun wieder in sein altes Amt einfinden sollte.

749.M41 erreichte das Regiment ein Hilferuf aus Subsektor Dämmersturm. Die schwach verteidigte Agrarwelt Pearl II sah sich einer plötzlichen Orkinvasion ausgesetzt. Die Grünhäute waren vollkommen überraschend aus dem Warp über die schwach verteidigte Welt und ihre Hauptstadt Legdenstein hereingestürzt, hatten die PVS überwältigt und die Munitionsdepots der imperialen Truppen geplündert. Den PVS war es im letzten Moment zwar gelungen, die Bevölkerung aus der Hauptstadt heraus in die Bergdörfer zu evakuieren, doch die Hauptwelt des Systems, Pearl IV, lehnte jedwede Unterstützung ab, da die dortige Regierung mit aggressiven Arbeiteraufständen zu kämpfen hatte. Als das 332. das System erreichte, startete es umgehend eine Bodenoffensive auf Pearl II und konnte den Waaagh unter Grifnatz Kiefabrecha in einer kurzen Schlacht um die Hauptstadt Legdenstein fast vollständig ausradieren. Der brachialen Vorgehensweise Oberst Borsts, die in der Tradition der Schlacht um Rhinox stand, fielen allerdings weite Teile der Hauptstadt zum Opfer, sodass der Wiederaufbau noch Jahre dauern sollte.

Der Siegestaumel des Regiments wurde dann aber jäh unterbrochen, als ein verzweifelter Funkspruch von Pearl IV den Frachter des gerade wieder abziehenden Kampfverbandes erreichte. Die Arbeiteraufstände der bevölkerungsdichten Makropolwelt seien eskaliert, die Regierung gestürzt und die PVS, wenn nicht schon übergelaufen, in die Defensive gedrängt. Noch motiviert vom Sieg bei Legdenstein, ließ Oberst Borst das 332. zum sofortigen Eingriff rüsten. So begann die Pearl-Kampagne.



Pearl (Info)

Pearl IV, Hauptwelt des Pearl-Systems, ist eine Makropolwelt, dessen Aufzeichnungen bis in die präimperiale Zeit zurückreichen. Die klimatisch günstigen Bedingungen des Planeten und die überaus reichen Bodenschätze im Norden des Ostkontinents, etablierten den Planeten schnell als ertragreiche Minenkolonie. Die Aussicht auf schnellen Reichtum und zukunftsträchtige Investitionen lockten über Jahrtausende hinweg gewaltige Mengen an Siedlern und Großkonzernen an; bereits M31 hatte die Bevölkerungszahl sieben Milliarden erreicht. Imperiale Ökologen warnten schon früh, dass die massive Ausbeutung des Planeten und der nachlässige Umgang mit Gift- und Abgasstoffen aus den Fabriken früher oder später die klimatische Destabilisierung zur Folge haben würde; als eine unmittelbare Bedrohung jedoch ausblieb, versanken diese Bedenken wieder in Vergessenheit und die Dinge nahmen für ein weiteres Jahrtausend ihren gewohnten Gang.

M33 wurde der Planet offiziell zur Rüstungsschmiede des Burgheim-Kreuzzuges erklärt, der jedoch nach geplanter, zweihundertjähriger Vorbereitung und einer Veränderung der strategischen Situation jenseits der Ostgrenze Ultramars, nicht mehr realisiert wurde. Pearl IV allerdings hatte unter der massiven Produktionssteigerung nachhaltig zu leiden; die Weide- und Landwirtschaftsflächen des Westkontinents wurden durch die austretenden Giftstoffe der östlich gelegenen Produktionsstätten unfruchtbar und im Nachhinein als Testgelände der imperialen Kriegsflotte verwendet. Die kataklysmische Wirkung der Lanzenschläge hatte die völlige Verwüstung des Westkontinents und seine vollständige Evakuierung zur Folge. Noch bis ins einundvierzigste Jahrtausend hinein markieren Canyons, Wüsten und Vulkane die Einschläge der Waffentests.

Die Evakuierung des Westkontinents und der Wegfall von neuneinhalb Zehnteln der Nahrungsmittelversorgung des Planeten hatten massive Hungersnöte und zahlreiche Bürgerkriege zur Folge. Daraufhin sank die Bevölkerungszahl in den kommenden Jahrhunderten so massiv, dass am Ende in den beiden Makropolen des Planeten, Tiefenheim und Donnerfels, zusammengenommen kaum mehr als zwei Millionen Menschen lebten. Hinzu kam, dass weite Teile der Bevölkerung den Dienst in der imperialen Armee als einzigen Ausweg sahen, ihrer aussterbenden Heimatwelt zu entkommen und deshalb auf diese Weise emigrierten.

Die katastrophal abnehmende Bevölkerungszahl hatte auch die Verwahrlosung der beiden Makropolen zur Folge. Unbewohnte Bereiche fielen in sich zusammen und rissen die höher gelegenen Ebenen mit sich. Die chaotischen Zustände ließen den verbliebenen Einwohnern keine Wahl, als außerhalb der Makropolen Zuflucht zu suchen und in den weiten Staubebenen neue Städte zu gründen, wenngleich sich am desolaten Zustand des ganzen Planeten und der eingebrochenen Produktivität nichts änderte.
Erst die Wiederbevölkerungsmaßnahmen M38 brachten die Wende. Ein imperialer Großkonzern hatte den Planeten bei einer Versteigerung zum Spottpreis ergattert und die sofortige Instandsetzung der Makropolen und Produktionsstätten eingeleitet. In weiser Voraussicht, und um die schwache Nahrungsmittelversorgung auszugleichen, begann zeitgleich die Erschließung der nahegelegenen Welt Pearl II, die als Agrarwelt fortan Pearl IV versorgen sollte. Um der Luftverschmutzung und dem chaotischen Klima des Planeten entgegenzuwirken, wurde das gesamte Südkap des Ostkontinents eingemauert, bepflanzt und als ökologisches Zentrum des Planeten erhalten. Der massive Zuwachs an Sklaven von außerhalb des Systems, die zur Arbeit in den alten Minen herangezogen wurden, an imperialen Ingenieuren, Geschäftsleuten und Ökologen, führte wieder zu einem raschen Anstieg der Bevölkerung.

326.M38 wurde das 1. Pearl als planetare Verteidigungsstreitmacht ausgehoben, 412.M38 dann das 2. Pearl. Die PVS des Planeten wurden vornehmlich eingesetzt, um die anwachsende Sklavenbevölkerung im Zaum zu halten – und da dies den imperialen Offizieren des Subsektors bewusst war, sie aber den von Pearl IV bezogenen Nachschub schätzten, kam es nie zu einer Beteiligung pearlscher Truppen an irgendeinem Feldzug des Imperiums.

999.M38 wurde mit mäßigem Erfolg der Versuch aufgenommen, den Westkontinent wieder als landwirtschaftliche Fläche zu erschließen. Wenngleich einige exotische Pflanzenarten von anderen Welten des Subsektors es nach einigen Jahren geschafft hatten, sich dort zu etablieren, blieben die teilweise verstrahlten Aschewüsten für etwaige Arbeiterkolonnen ein lebensfeindliches Gebiet. Das Projekt wurde aus Kostengründen wieder eingestellt; zumal sich die Kolonie auf Pearl II zu hervorragender Produktivität entwickelte.

M40 erreichte die Bevölkerung von Pearl IV erstmals die Fünfzehnmilliardenmarke. Dieser zweifelhafte Erfolg wurde mit der Fusion der wachsenden Makropolen Tiefenheim und Donnerfels besiegelt, in denen bereits zu diesem Zeitpunkt achtzig Prozent der Bevölkerung lebten.

112.M40 hatte die Bevölkerungszahl ein unerträgliches Ausmaß erreicht. Unterdrückung und Enge führten zum sogenannten Minenkrieg. Große Teile der Sklavenbevölkerung konnten sich bewaffnen und erhoben sich gegen die Macht des Großkonzerns. Diesem gelang es nur mithilfe von Söldnern und hohen Verlusten unter Arbites und PVS, die Aufstände niederzuschlagen.

114.M40 wurde das „Gesetz zur Regulierung der pearlschen Bevölkerung im Sinne imperialer Effizienz“ verabschiedet, das eine Maximalbevölkerung von zwanzig Milliarden für Pearl IV vorsah. Als diese Grenze im vierten Jahrhundert M40 überschritten wurde, verkaufte der Großkonzern alle überschüssigen Bevölkerungsteile gewinnbringend an die imperiale Armee.

515.M40 stellte das Imperium die Zahlungen für weitere Truppen ein und initiierte Zwangsrekrutierungen. Für die Bevölkerung blieb die Situation zwar unverändert, da sie ohnehin gegen ihren Willen eingezogen wurde, doch der Großkonzern, der nun keinen weiteren Profit aus den Makropolsklaven schlagen konnte, machte mit Söldnertruppen gegen die imperialen Streitkräfte des Subsektors mobil, um seine Interessen und eine Wiederaufnahme der Zahlungen durchzusetzen. Der Versuch scheiterte kläglich an einer schnellen, militärischen Intervention des Imperiums, an der sogar eine Gefechtskompanie von Space Marines des Ordens der Dawnbringers beteiligt war. Die Herrschaft des Großkonzerns wurde beendet und der Planet wurde vollständig unter die Verwaltung des Administratums gestellt. Da die Kämpfe vornehmlich abseits des Planeten im Weltraum geführt wurden, war dem Großteil der Bevölkerung erst zwanzig Jahre später der Machtwechsel bewusst; für sie hatte sich jedenfalls nichts geändert.

800.M40 brach eine besonders heimtückische Variante der Zombieseuche auf Pearl IV aus, die sich durch die hohe Bevölkerungsdichte rasend schnell ausweitete und ein Drittel der Einwohner dahinraffte. Da es den sparsam gerüsteten PVS des 1. und 2.Pearl nicht möglich war, die untoten Horden vollständig zu beseitigen, wurde eine Quarantäne über die unteren Makropolebenen verhängt. Diese führte auf lange Sicht zwar tatsächlich zur Eindämmung der Seuche, beseitigte die Bedrohung aber nicht. Seither lauert das milliardenfache Grauen der Seuchenzombies unter der Mega-Makropole von Tiefenheim und Donnerfels.

Eine zweite Auswirkung der Seuche war der Impfkrieg von 802-808.M40. Weil es den Eliten vorbehalten war, an Impfstoffe gegen die Krankheit zu gelangen, kam es immer wieder zu Aufständen in der Bevölkerung, die jedoch alle durch die PVS blutig niedergeschlagen werden konnten.

341.M41 erreichte eine Delegation der Inquisition Pearl IV und stellte Nachforschungen im Hinblick auf die immer noch eingepferchten Zombiehorden in den unteren Makropolebenen an. Zu diesem Zeitpunkt war dem imperialen Gouverneur nicht mehr bekannt, wie es eigentlich zur Quarantäne kam, weswegen es ihm schwerfiel, sich gegenüber der Inquisition zu rechtfertigen. Der Inquisitor bestrafte exemplarisch fünfhundert Millionen Einwohner des Planeten für die Nachlässigkeit des Gouverneurs und verdammte sie zur Arco-Flagellation, Organspende und Servitorschaft im Dienste der Inquisition. Fünf Milliarden weitere Einwohner wurden auf imperiale Regimenter im Segmentum Ultima verteilt. Außerdem ordnete der Inquisitor eine gründliche Reinigung der Makropolen vom Zombiismus durch den Ordo Haereticus an. Die Säuberung wurde nie bestätigt und vermutlich hat der zuständige Einsatzverband, wenn es ihn je gegeben hat, den Planeten nie erreicht.

501.M41 wurde die gesamte Flotte des Subsektors Dämmersturms, zu dem auch das Pearl-System gehört, gegen Waaagh Linsenknicks mobilisiert. Der Ausgang des Konflikts blieb unbekannt, da ein plötzlicher Warpsturm das Kriegsgebiet im Subsektor Turmus verschlang. Als der Gouverneur von Pearl IV 555.M41 Pläne vorlegte, mit den Ressourcen seiner Welt eine neue Flotte aufzubauen, wird er von der Admiralität schroff zurückgewiesen. Die ganze Sache endete in einem fürchterlichen Missverständnis und dem sogenannten Kaderwulst-Zwischenfall. Als sich die Delegation des Pearl-Systems mit der Admiralität des Subsektors, zur Debatte, auf der Feudalwelt Kaderwulst einfand und mit einer solchen Selbstverständlichkeit über ihre Pläne referierte, das es schien, als wäre Pearl IV als neuer Flottenstützpunkt bereits festgelegte Sache, wurde dies als schamloser Versuch interpretiert, die Autorität der imperialen Flotte zu untergraben. Der Gouverneur musste sich öffentlich entschuldigen, um weiteren Sanktionen zu entgehen und zog sich gedemütigt von seinen Plänen zurück. Auf der Rückreise wurde die Delegation dann von angeheuerten Piraten abgefangen und ermordet.

In den darauffolgenden zweihundert Jahren kam es auf Pearl IV zu einer unablässigen Folge von Kleinkriegen um die Nachfolge. Kaum ein Gouverneur konnte sich länger als fünf Jahre an der Macht halten. Während die PVS mal gegen- und mal für die aktuelle Regierung arbeiteten, setzten die nach oben strebenden Eliten vor allem auf Makropolgangs und Söldner, um ihre Interessen durchzusetzen. 739.M41 hatte die Produktivität einen untragbaren Tiefpunkt erreicht. Der Planet konnte den zu leistenden Tributraten für den bevorstehenden Damokles-Kreuzzug nicht mehr gerecht werden, weswegen der Subsektor eine dreißigköpfige Eliteeinheit des Militarum Tempestus entsandte, um die zerstrittene Herrscherkaste in einer Woche fast vollständig auszuradieren; darunter auch der amtierende Gouverneur. Infolgedessen setzte das Administratum den Bürokraten Hugo Schreiner als Gouverneur ein.

Schreiner gelang es innerhalb von zwei Jahren, den Schaden der Kleinkriege zu beheben und die festgelegte Tributrate wieder zu gewährleisten. Er ging dabei so skrupellos vor, dass in dieser kurzen Zeit mehr vermeintliche Aufrührer und Regierungsfeinde umkamen, als in den zweihundert Jahren Chaos, die vor ihm geherrscht hatten. Schreiner hatte seine militärische Schlagkraft gegenüber den Einwohnern der Makropolwelt allerdings überschätzt. Ab 745.M41 kam es zu insgesamt dreiunddreißig Aufständen, die nicht zuletzt von Überlebenden der alten Herrscherkaste gegen ihn angestachelt wurden. Wenngleich das 1. und 2. Pearl den Angriffen zunächst standhalten konnten, wurde die Situation für Schreiner immer kritischer.

749.M41 fiel Pearl II einer plötzlichen Orkinvasion zum Opfer, welche die Nahrungsmittelversorgung von Pearl IV dramatisch bedrohte. Diese Information hätte unter normalen Umständen erst sehr viel später die Bevölkerung erreicht, wurde jedoch von den hellhörigen, nach Rache sinnenden Eliten ausgenutzt, um Panik zu schüren und die Massen dazu anzustacheln, endlich gegen das schwache Imperium vorzugehen. Das 1. Pearl war zu diesem Zeitpunkt in der Makropole Tiefenheim stationiert und lief umgehend zur Rebellion über, als es sich dem bisher mit Abstand größten Aufstand des Systems ausgesetzt sah. Infolgedessen fielen die Machtzentren des Planeten im Stundentakt; nur wenige Arbites-Einheiten wagten es, Widerstand zu leisten. Das 2. Pearl, stationiert am Mauerwerk der Ökozone im Süden des Kontinents, machte umgehend mobil, um die Makropolen zurückzuerobern, doch die Rebellion hatte bereits die Verteidigungssysteme in Beschlag genommen und konnte die Gegenmaßnahmen mit schwerer Artillerie in Stücke schießen. Die Überreste des 2. Pearl mussten sich zum verzweifelten Kampf in den Vororten der Mega-Makropole verschanzen.

Oberst Borst vom 332. Cadia Panzerregiment, der gerade die Orkinvasion auf Pearl II zurückgeschlagen hatte, erhielt einen Hilferuf des untertauchenden Gouverneurs, machte umgehend mobil und brach in Richtung Pearl IV auf. Damit begann die Pearl-Kampagne.

_________________
Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Von anderen Welten
BeitragVerfasst: 16. Feb 2016, 19:36 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2010
Beiträge: 1270
Wohnort: Münster
Geschlecht: männlich
Imperiale Armee (I)

Operation Peitschenhieb

Lagebericht. Pearl IV. Aufstand 33 ist ausgebrochen. Als die Truppen des 2. Pearl das Zielgebiet, im Schatten der Makropole ‚Tiefenheim‘ erreichten, offenbarte sich ihnen ein Bild der Zerstörung. Die letzte Eskalation zivilen Ungehorsams überstieg die bisherigen Ausmaße und mündete in eine offene Rebellion gegen das Imperium. Es ist den Rebellen gelungen, die PVS des 1. Pearl zu überwältigen, die in der Makropole stationiert waren. Nun profitieren sie von einem nahezu unerschöpflichen Nachschub an Rekruten und der schweren Ausrüstung unserer Waffenbrüder. Darunter auch gepanzerte Fahrzeuge. Beim Versuch, die Makropole zu erreichen, wurde das 2. Pearl fast gänzlich im Artilleriebeschuss aufgerieben. Den verbliebenen Truppen ist es gelungen, sich in den Ruinen eines Wohnblockes, in den Vororten Tiefenheims zu verschanzen und einen Funkspruch abzugeben, der von der „Martinsdonner“, dem Frachter des 332. abgefangen wurde.

Oberst Borst, jetzt wo die Orks eliminiert sind, werden sie mit der Aufgabe betraut, mit dem 332. Panzerregiment zu Cadia, auf Pearl IV zu landen, die versprengten Truppen der PVS zu evakuieren und umgehend eine Offensive gegen die Rebellen einzuleiten. Zeigen Sie keine Gnade.

Einsatzziel. Zu den Überlebenden des 2. Pearl stoßen (AX773) und ihre Stellung gegen nachrückende Rebellen verteidigen. Errichtung einer sicheren Landezone in den Vororten der Makropole, damit die Truppen evakuiert werden können.





Rebellen (1)

Vernichtung!

Dreiunddreißig mal haben wir uns gegen das Joch der Arbites erhoben! Dreiunddreißig mal schrien wir zum Imperium. FREIHEIT. Unsere Brüder starben – unsere Kinder starben. Doch das hat jetzt ein Ende. Die Revolution ist erfolgreich! Nicht länger sind wir Sklaven. Die Makropole ist unser! Die Kammern des Gouverneurs werden belagert. Es ist Zeit, die letzten Reste dieser imperialen Speichellecker zu vernichten. Wir haben die Hunde mit ihren eigenen Waffen in die Flucht getrieben – uns hält nichts mehr auf. Und gestern erst, da streckten Hunderte die Waffen und schlossen sich unserer gerechten Sache an. Die letzten Reste des 2. Pearl haben sich in den Ruinen einer Arbeitersiedlung verkrochen. Es wird Zeit, ihre toten Leiber in den zertrümmerten Beton zu nageln! Pearl IV wird frei sein, - losgerissen von den Ketten des Imperiums. Wir werden frei sein, wie’s Menschen gebührt! Heute Pearl IV, und morgen das ganze System!

_________________
Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Von anderen Welten
BeitragVerfasst: 16. Feb 2016, 19:40 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2010
Beiträge: 1270
Wohnort: Münster
Geschlecht: männlich
Imperiale Armee (II)

Operation Peitschenhieb, 2. Teil

Nachdem der Frachter des 332. Cadia Panzerregimentes den Orbit von Pearl IV erreichte, begann umgehend die Sturmlandung mit dutzenden Leman Russ Kampfpanzern und mehreren Walküren, die sich umgehend aufmachten, um dem Notruf des 2. Pearl nachzugehen. Borst, der mit der zweiten Welle eintraf musste stoisch feststellen, dass sie zu spät gekommen waren, um die letzten Loyalisten des Planeten zu retten, denn das gewaltige Aufgebot der Rebellen hatte das 2. Pearl erst bis außer Reichweite der Makropolkanonen treiben und schließlich vollständig vernichten können.

In den zerschossenen Vororten von Tiefenheim kam es dann zum ersten Kontakt des 332. mit der Rebellenarmee, die unüberschaubar gewaltig gegen die vorwärtswalzenden Stahlkolosse anrannte. Die Schlacht endete in einem Massaker; denn kaum eröffneten die Panzerkolonnen das Feuer brach die Moral der völlig überraschten, schlecht organisierten Separatisten in sich zusammen. Selbst die erfahreneren, besser gerüsteten Überläufer des 1. Pearl konnten daran nichts ändern. In der darauffolgenden Nacht, markierte die Geräuschkulisse der brechenden Knochen von abertausenden niedergeschossenen Aufständischen, den Vorstoß des 332. auf die Makropole. Oberst Borst verzichtete darauf, das weitere Vorgehen mit seinen Beratern zu diskutieren, um Zeit einzusparen und die Initiative nicht zu verlieren.

Fünfzehn Minuten nach dem Vorortgemetzel, donnerte das 332. weiter auf Tiefenheim zu; nunmehr durch den Schlamm des öl- und luftverpesteten Ödlandes im Schatten der Makropole; die versprengten Rebellen vor sich hertreibend – jedoch mitten in die Reichweite der feindlichen Artillerie hinein.




Rebellen (II)

Zu den Türmen!

Es war der Rebellion ohne große Mühe gelungen, die Kontrolle über die Mega-Makropole zu erlangen. In einer beispiellosen Kettenreaktion vereinten sich die Fabrikarbeiter und Makropolgangs gegen die imperiale Regierung – und alles mit ihr Verbundene. Nach kurzen Kämpfen in den Stahl- und Betonschluchten lief das 1. Pearl bedingungslos zu den Separatisten über. Nunmehr mit moderneren Waffen ausgestattet, war es ein Leichtes, die Straßenblockaden der verzweifelt kämpfenden Arbites restlos auszuradieren. Nach wenigen Tagen säumten die aufgespießten, makaber zur Schau gestellten Kadaver der Unterdrücker die Straßenzüge, Gassen und Fassaden der administrativen Zitadellen. Während sich die letzten Regierungstruppen in einem aussichtslosen Rückzugsgefecht in der Spitze der Makropole, im Palast des Gouverneurs verschanzten, unternahm das 2. Pearl klägliche Versuche, die Rebellion vielleicht doch noch zu stoppen. Das 1. Pearl jedoch hatte längst sämtliche Informationen über die Verteidigungssysteme der Makropole an die Aufständischen weitergereicht, weswegen kaum eine Stunde nach Inbetriebnahme, alle Vororte, durch schweres Artilleriefeuer, in Schutt und Asche lagen. Diesem Beschuss fiel auch das armselig untergehende 2. Pearl weitgehend zum Opfer, sodass es sich eingraben und den Ansturm der erwachenden Rebellion aussetzen musste.

Als dann der Frachter des 332. Cadia Panzerregiments am Himmel erschien, ging die Meldung zunächst in den ungeordnet marodierende Arbeiterhorden, Makropolbanden und Überläufern unter. Das tat den Erfolgen erstmal jedoch keinen Abbruch. Welle um Welle stürmte gegen die letzten Reste des 2. Pearl, das törichterweise versuchte, seine Stellung zu halten, statt sein Heil in der Flucht zu finden.

Beinahe zeitgleich mit dem tosenden Einsturz jenes Wohnblockes in das sich das 2. Pearl zurückgezogen hatte, rollten die Panzer des 332. dann den triumphierenden Rebellen entgegen. Wenngleich die Verluste augenblicklich in ungeahnte Höhe stiegen und man der gepanzerten Front Oberst Borsts nichts Ernsthaftes entgegenzusetzen hatte, war dies nur ein Tropfen auf heißem Stein im Angesicht der Milliarden, die noch in der Makropole tobten.

Die führerlose Horde, die kurz zuvor, verbunden durch ihren Hass auf das unterdrückende Joch des Imperiums, das 2. Pearl vernichtete, weicht nun in aller Eile vor den Panzern des 332. in Richtung Makropole zurück. Dort richten sich die schweren Artilleriegeschütze auf genau diesen Landstrich aus; über den nunmehr vier Dutzend Leman Russ Kampfpanzer die Revolution offen herausfordern.

_________________
Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Von anderen Welten
BeitragVerfasst: 16. Feb 2016, 19:44 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 01.2010
Beiträge: 1270
Wohnort: Münster
Geschlecht: männlich
Irrungen und Wirrungen (der Revolution) (III)

Während am Fuß der Megamakropole Donnerfels-Tiefenheim die Schlacht tobt, erreichen drei Rebellengruppen, alle mit ihren eigenen Zielen und Ambitionen, die Spitze der höchsten Zitadelle; das Anwesen des Gouverneurs, welches immer noch verzweifelt von seiner Leibgarde verteidigt wird. Der Kopf des höchsten Vertreters imperialer Ordnung stellt eine unverkennbare Reliquie für all jene dar, die sich an die Spitze des milliardenfachen Aufstandes stellen wollen. Noch ist das Feindbild klar – die imperiale Armee, die ihr waghalsiges Himmelfahrtskommando auf die Makropole richtet. Doch was wird sein, wenn der Kampf gewonnen ist? Um zu verhindern, dass die aufstrebende Revolution in einen fürchterlichen Bürgerkrieg zerfällt, im Bestreben Macht oder Reichtum zu erlangen – oder einfach mit der Absicht, die imperiale Welt ein für alle Mal brennen zu sehen, haben sich unterschiedliche Anführer hervorgetan, denen es nach und nach gelungen ist, Teile der Rebellen für ihre Sache zu gewinnen. In den Gipfeln der Makropole scheint sich nun zu entscheiden, welcher dieser charismatischen Gestalten, mit dem Kopf des Gouverneurs in seiner Faust, an die Spitze der Revolution treten wird.




Armee (Mandalonen). Die Mandalonen unter dem charismatischen Führer Ulmo Ocin haben es sich zum Ziel gemacht, den Planeten vom imperialen Joch zu befreien, dem militäristischen Wahn der alten Regierung abzuschwören und das freie Land der industriegeschundenen Welt wieder für die Natur zu erschließen. Um dies mythisch aufzuladen erfand Ocin das Kunstwort „Mandalo“, - behauptend, es sei die Bezeichnung eines naturgebundenen Alienvolkes für Pearl IV, das vor der Zeit des Imperiums dort gelebt haben soll. Wenngleich Ocins Absichten den Frieden predigen, rechtfertigt er den Bürgerkrieg als heilige Maßnahme gegen das zerstörerische Regime des Imperators. Mandalo müsse aus der Asche dieser geschundenen Welt geboren werden – und das könne es erst, wenn jeder letzte Rest imperialen Abschaums von Pearl IV getilgt wurde. Die Mandalonen vereinen sämtliche Ökologen, zahlreiche Intellektuelle und Idealisten unter ihrem Banner. Durch den hochgebildeten Beraterstab Ocins ist es ihm jedoch gelungen, auch weite Teile der einfachen Bevölkerung für seine Sache zu gewinnen; insbesondere solche, die nichts mit den blutrünstigen Parolen mancher Makropolbanden anfangen konnten.


Stein um Stein. Was nie war, wird niemals sein.
- Ulmo Ocin, Revolutionär



Armee (Rittners Legion). Die brutalen Makropolbanden unter dem grobschlächtigen Mörder und Banditen, der gemeinhin nur als der „Rittner“ bekannt ist, streben danach, den Kopf des Gouverneurs vor allen anderen Emporkömmlingen auf einen Pfahl zu spießen und der johlenden Menge zu präsentieren. Seit vielen Jahren schon macht die fürchterliche Bande „Rittners Legion“ die unteren Ebenen der Mega-Makropole unsicher und war stets ein Dorn im Auge der Arbites. Nun, bei Ausbruch der Rebellion, sah Rittner die Chance gekommen, seinen Einflussbereich über die Ghettos und leerstehenden Fabrikhallen hinaus auszuweiten. Seine Anhänger sehen in ihm einen starken, nach Macht strebenden Anführer – doch Rittners Ambitionen sind viel einfacher. Er will die Makropole, das Imperium – und all das überhebliche Pack der höheren Ebenen in einem tosenden Inferno untergehen sehen. Nur Sturzbäche aus Blut und Feuer vermögen seinen gewaltigen Zorn auf die Menschheit zu beschwichtigen.

Manch einer will die Welt bloß brennen sehen. Der Rittner gehört dazu.
- Corporal James Wyner, 32. Arbites-Einheit Pearl IV



Armee (Die Gewerkschaft). Die vielen Arbeiterbünde haben seit der Herrschaft des Großkonzerns auf Pearl IV Tradition. Sie sind für etwa 70% der Aufstände verantwortlich, die der Planet im letzten Jahrtausend erfahren hat und setzen sich seit jeher für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen auf dem Planeten ein. Zur Not auch mit brutaler Gewalt. In der vor kurzem ausgebrochenen Revolution werden diese kurzerhand als „Die Gewerkschaft“ bezeichnet und machen den mit Abstand größten Teil der Rebellen aus. Das ist insofern begründet, als das die meisten Einwohner des Planeten schon immer unter unwürdigen Bedingungen in den Minen und Fabriken schuften mussten. Die große Zahl der Sympathisanten führte dazu, dass sich die zunächst überforderte Führung der Gewerkschaft in Spezialistenräten organisiert hat, um der gewaltigen Zahlen und der Aufgabenverteilung in der Revolution Herr zu werden. Es waren Männer und Frauen der Gewerkschaft, die in erstaunlich kurzer Zeit die eroberte Artillerie bemannen und gegen das 2. Pearl und das 332. Cadia Panzerregiment einsetzen konnten. Das genaue Ziel der Gewerkschaft erscheint noch unklar – bisher vereint sie der gemeinsame Hass auf das Imperium und das Streben nach Freiheit für Pearl IV. Der junge Revolutionär Markus Wetzler sah mit dem Sturz des Gouverneurs die Chance gekommen, sich als Leitfigur der Gewerkschaft zu etablieren und Pearl IV mit einem Sieg über alle anderen Rebellenführer, einer gerechten Ordnung zuzuführen.


Proletarier aller Sektoren – vereinigt euch!
- Markus Wetzler, Revolutionär



Armee (Leibgarde des Gouverneurs). Die Leibwache des Gouverneurs hat bereits vierundzwanzig Stunden nach Beginn der Aufstände so heftige Verluste erlitten, dass es sich nicht mehr lohnen würde, sie in den Aktenbergen des Administratums zu vermerken. Der verzweifelt kämpfende Rest aus unerschütterlich loyalen Dienern des Imperiums hat sich mit dem Gouverneur in seinem Anwesen verschanzt, um sein Leben und das ihre so teuer wie möglich an die anstürmenden Rebellen zu verkaufen.


Ertränkt dieses Pack in seinem eigenen Blut – es hat den Imperator verraten und jedes Lebensrechts verwirkt. Pearl IV war meiner nicht würdig.
- Hugo Schreiner, Gouverneur von Pearl IV



Armee (Weitsicht-Enklaven). Wenige Jahre nach Gründung der Shovah-Enklaven, am Rande des Golfes von Damokles, entsandte der hohe Rat von Vior’los eine kleine Expeditionsflotte unter dem jungen Shas’o Vior’la Sebaste bis an die Grenzen des Imperiums. Grund hierfür waren die Anzeichen eines Waaaghs, der sich nördlich der Enklaven anbahnte. Sebastes Aufgabe sollte darin bestehen rohstoffreiche Welten zu erschließen und in den Einflussbereich der Enklaven einzugliedern, um die Versorgung für den drohenden Krieg zu gewährleisten – der erschien den Ratsmitgliedern unumgänglich. Die Grünhaut ist Mont’au.

Nachdem Sebaste die ersten Monate seiner Suche mit dem Sondieren lebloser Gesteinsbrocken verbracht hatte, stieß er auf das Pearl System. Zunächst zeigte er sich überrascht, auf so wenig menschlichen Widerstand zu stoßen, denn als ein Veteran von Damokles kannte er die Schrecken der imperialen Streitkräfte. Daraufhin ließ er in einer achtundzwanzig Monate andauernden Aufklärungsmission sämtliche Informationen über das System in Erfahrung bringen; besonderes Interesse fand er dabei an Pearl IV und den umfangreichen Erz- und Energievorkommen des Planeten. Zu seinem Bedauern musste Sebaste jedoch auch feststellen, dass er mit seiner winzigen Flotte, die lediglich drei kleine Expeditionsschiffe und kaum Truppen zählt, keine Erfolgsaussichten feiern durfte, den Planeten auf militärischem Wege zu unterwerfen. Die langwierige Aufklärung, in erster Linie durch moderne Tarnsysteme und das Ausbleiben imperialer Patrouillen gewährleistet, brachte jedoch die politische Instabilität des Planeten zutage. Statt also nun eine Offensive zu beginnen und den Planeten zu erobern, schien es eine effizientere Lösung, jene Rebellen zu unterstützen, die sich am besten mit der Ideologie des Höheren Wohls vereinen ließen – sie zum Sieg zu führen – und schließlich als Verbündeten zu gewinnen. Als der Sturm auf den Palast des Gouverneurs drohte, sah Sebaste den Zeitpunkt gekommen, die Irrungen und Wirrungen der Rebellion auf den richtigen Weg zu bringen. Ein Landungsboot setzte, gedeckt vom Chaos der Separatisten, unter den Blicken der wenigen Verteidigungsstreitkräfte, auf der staubigen Oberfläche Pearl IVs auf. Die Tau infiltrierten das Schlachtfeld der Revolution – die Makropole Tiefenheim – und warteten schließlich, bis die Kämpfe zu ihrer Position vordrangen.


„Seht nur das Menschenvolk – immerzu auf der Suche. Lassen wir sie etwas finden.“
- Shas’o Vior’la Sebaste beim Anblick der Rebellion auf Pearl IV

_________________
Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker