Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Von der Liebe und vom Leid
BeitragVerfasst: 9. Nov 2012, 22:13 
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Von der Liebe und vom Leid


Liebe ist wie eine Pistolenkugel.
Sie trifft dich blitzschnell und unvorbereitet.
Bohrt sich durch dein Fleisch, direkt ins Herz.
Sie kann Adrenalin durch deine Venen schicken.
Aber auch unglaubliche Schmerzen verursachen.
Und dann fällst du, in ein Meer aus Dunkelheit.
Ein dumpfer Aufschlag und dein Blick verschwimmt.
Und während dein Herz aufhört zu schlagen,
dein Körper kalt wird, ist niemand da um es zu bemerken.
Liebe ist wie eine Pistolenkugel.
Liebe tut weh.
- Alexander Veidt

Sie kam durch das Feuer zu mir. Dalsons Hof wurde von den Untoten überrannt und wir waren geschickt worden, die Geißel zurück zu treiben und den Hof zu sichern. Eine Kompanie, also 250 Soldaten, würden vorerst reichen müssen. Wir hatten gedacht, es gäbe nur einige Ghule zu erschlagen, wären beim Abendessen wieder daheim. Verdammt, wie sehr wir doch falsch lagen. Von Norden her, an der Scheune und am Farmhaus vorbei, waren wir direkt ins Getümmel gestürmt. Und waren sofort umzingelt worden. Da waren nicht nur verfaulte, langsame Ghule. Nein, wir fanden uns schnell zahlreichen Skelettsoldaten gegenüber, einige Magier waren ebenfalls dabei. Und Monstrositäten. In der Ferne sahen wir bereits Katapulte. Das hier war kein gewöhnlicher Angriff. Das war eine Großoffensive der Geißel. Mit nur einem Ziel. Herdweiler. Hauptmann Valor hatte gründlich versagt, schon bei der Aufklärung dieses Angriffs. Würde er diese Schlacht überleben, würde sein Kopf rollen oder ich würde mit dem Schüreisen die Dummheit aus ihm heraus brennen. Doch es galt, sich auf die Schlacht zu konzentrieren. Gut war, dass Valor die Kompanie in zwei Züge aufteilte, einer griff die Untoten direkt an, der andere sollte einen kleinen Bogen gen Westen machen und der Geißel in die Flanke fallen. Mein Bruder und ich waren unter den armen Irren, die direkt ins Kampfgetümmel stürmen durften. Genau in dem Moment, in dem die Untoten Feuer und Verderben auf uns regnen ließen. Weite Teile des Felds standen in Flammen. Und überall waren sie, die wandernden Toten. Sie kannten keine Müdigkeit, ganz im Gegensatz zu uns. "Was denkst du, wer die meisten Stinker erschlagen kann?", hörte ich Ian ganz in meiner Nähe. Mit seinem Zweihänder zerteilte er ein Gerippe nach dem anderen. Doch sein Wappenrock war zerfetzt, seine scharlachrote Rüstung besudelt mit faulendem Blut. "Wäre mir lieber, zu zählen, wer mehr Humpen kippen kann, Kleiner", schrie ich über den Schlachtenlärm zurück, schwang meine beiden Klingen und nutzte sie wie eine Schere, um einem Skelettmagier den hässlichen Schädel vom Körper zu schneiden. Da waren noch Alan Malloy, Edward Drake und Liam Smith, die nahe bei uns standen und ihre Waffen schwangen, um den Untoten den endgültigen Tod zu bringen. Und von ihnen gab es reichlich. Ein beinahe nie versiegender Strom aus Ghulen, der auf uns eindrang, eine unmenschliche, stinkende Flut aus verrottenden Leibern. Überall Rauch und Flammen. Ich konnte mir beinah vorstellen, wie der Strom aus Untoten eine Schlange bildete, die bis in die östlichen Pestländer reichen mochte, so viele waren es. Oder schienen es mir. Unermüdlich drangen sie auf uns ein, greifend, beißend, hackend. Die Luft, die ich atmete schmeckte nach Asche, schmeckte faulig vom Gestank der Toten. Doch wir würden nicht weichen. Würden jeden Zentimeter Boden so teuer wie möglich verkaufen.

"Lordaeron!", brüllte ich zornig und warf mich voller Entschlossenheit den laufenden Kadavern entgegen, schwang beide Klingen und trennte Gliedmaßen ab, schnitt mumifizierte Bäuche auf, so dass die gammelige Eingeweide gen Boden platschten. Maden tummelten sich im untoten Fleisch und ich vermied, näher hin zu sehen. Ich ignorierte, dass manche dieser Monster noch Kleidung trugen, sogar Wappenröcke des Kreuzzugs. Ehemalige Kameraden, die die Geißel zu unseren Feinden gemacht hatte. Ich blendete einfach aus, dass manche noch nicht sehr lange tot waren und noch fast menschliche Gesichter hatten. Gesichter, die ich manchmal sogar noch erkannte. "Mäht diese vom Licht verlassenden Bastarde nieder!" Ian, Alan, Eddie und Liam gehorchten und drangen erbittert auf unsere Feinde an. Ich versuchte, mich ständig in Bewegung zu halten. In Kettenrüstung nicht so einfach. Als ich etwas Platz um mich herum hatte, rammte ich meine Klingen in eine Leiche, griff nach meinen Pistolen, die in Holstern an meinen Oberschenkeln hingen. Es waren Revolver, die ich sogleich nutzte, um Kugeln in eitrige Köpfe zu jagen. Ja, ich war vielleicht nicht so ein guter Schwertkämpfer wie Ian. War nicht so kräftig wie Liam. Aber ich wusste, wie man kämpfte, mit allem, was man hatte. Jede Kugel meiner Revolver fand ihr Ziel. Ich vergeudete keine Munition, indem ich auf Bäuche zielte. Köpfe waren hier Priorität und ich war gut, besonders auf kurze Distanz. Als meine Revolver leer waren, rammte ich die Läufe einem Paar anrückender Ghule durch die Augenhöhle in die madenverseuchten Hirne und erledigte sie, ehe ich die schleimtriefenden Waffen weg steckte und meine Schwerter wieder an mich nahm. Ein fette, zusammen geflickte Monstrosität watschelte auf uns zu, trampelte Getreide nieder und schwang einen einstigen Kameraden wie eine Keule. Der Körper war zerquetscht, die Rüstung kaum erkennbar. Doch ein Treffer würde böse enden. Ian stürmte auf das Biest zu, schlug Ghule auf seinem Weg fast mühelos beiseite. Dann rutschte er in den Dreck, entging so knapp einem Schwinger dieser makaberen, menschlichen Keule. Mühsam erhob er sich. In Plattenrüstung war das schwer, dass wusste ich. Er auch. Alan Malloy war jedoch an seiner Seite, zog die Aufmerksamkeit dieses Fleischkolosses auf sich, indem er laut schrie und den Morgenstern nach dem Knie des Biestes schwang. Und traf. Die Monstrosität wandte sich Alan zu und Ian kam wieder auf die Beine, nutzte seine Klinge, um einige Nähte aufzuschneiden, die den riesigen Fleischberg zusammen hielten. Eingeweide klatschten in den blutigen Matsch und die Bestie brüllte dumpf. Nun warf sich auch Liam dazwischen, schwang seine Axt und hieb den Arm mit der Keule ab. Alan setzte nach, wirbelte herum und schlug auch gegen das andere Knie der Bestie und Ian beendete es, schlug kräftig in den Rücken des Monsters und durchtrennte die Wirbelsäule. Als das Biest auf die Knie ging, schlug Liam den dicken Kopf ab.

Wir waren Kameraden. Seit vielen Jahren. Immer ein Team. Konnten uns blind aufeinander verlassen. Sofort standen wir alle wieder Rücken an Rücken und erwarteten die anrückenden Untoten, antworteten ihrer unstillbaren Gier nach Fleisch und Leben mit unseren Waffen, unserem Glauben, unserer Entschlossenheit. Edwards Schild war voller tiefer Kerben, doch er schwang seinen Hammer und zertrümmerte Rippen und Köpfe. Doch wir würden nicht ewig so weiter kämpfen können. Um uns herum wurde der Zug aufgerieben. Ein flammenden Geschoss, von einem Katapult abgefeuert, krachte ins andere Ende des Felds und eine ganze Gruppe unserer Kameraden wurde zerfetzt oder ging in Flammen auf. Woanders sah ich, wie drei Ghule einen Kumpel von uns, Joseph Hartigan, an Armen und Beinen packten und in Stücke rissen, bis seine Schreie verstummten. Die Toten würden niemals müde werden. Brauchten keine Verschnaufspause. Keine Nahrung, keinen Schlaf. Ein Ghul sprang mich an und ich rammte ihm den Knauf eines Schwertsgriffs in die fauligen Zähne, er krallte sich jedoch an mein Kettenhemd und riss es auf, ehe ich ihm die knöchrigen Finger abschlagen konnte und seinen Kopf folgen ließ. Ich war außer Atem, Schweiß lief mir in die Augen und meine Sicht verschwamm. Oder war es der Rauch der Flammen, der mir in den Augen, in der Kehle brannte? Ian wurde von allen Seiten angegriffen und ich sprang an seine Seite, schlug einem Skelettkrieger beide Arme ab, ehe Ian ihm den Schädel zerschlug, ich wirbelte herum und wir standen Rücken an Rücken, wie gefühlte tausend Mal zuvor. Dann hörten wir ein lautes Krachen und Liam fiel in den Staub. Sein Wappenrock loderte, seine Rüstung war von einem Feuerfall aufgesprengt und seine Eingeweide brodelten in unheiligem Feuer. Schreiend wand er sich im Dreck, ehe die Ghule über ihn hinweg setzten und angriffen. Rasch erstarben seine Rufe und wir konnten ihn nicht mehr sehen. Edward und Alan standen ebenfalls Rücken an Rücken, doch die Feinde drohten, uns voneinander zu trennen. Ian schnaufte, das konnte ich hören. Ging mir nicht anders. "Hab mich irgendwie verzählt, Bruderherz". Ich lachte, voller Anspannung. Sogar jetzt konnte er noch Scherzen. Galgenhumor. Lachen, wenn's zum Weinen nicht reicht. Und wir weinten nie. Unsere Tränen waren schon vor Jahren versiegt, für immer. "Bin sicher, ich würde sowieso führen", entgegnete ich grinsend und hob die Klingen, als uns die Untoten zischend, stöhnend und klappernd umzingelten. Ich konnte Edward und Alan nicht mehr sehen, doch ich hörte sie. Vereinzelt sah ich noch einige scharlachrote Rüstungen in der untoten Flut. Doch es wurden immer weniger. Hauptmann Valor hatte versagt. Wo blieb der andere Zug? Waren sie vielleicht selber attackiert worden? Waren die Befehlshaber tot? Ohne klare Taktik würde niemand Dalsons Hof lebend verlassen.

Dann kam sie, genau rechtzeitig. Durch den flammenden Rauch stürmte sie an unsere Seite, gefolgt von ihrem Zug. Maria war direkt bei uns und unter ihrem Streitkolben zerplatzten Köpfe und wurden Brustkörbe aufgeschlagen wie rohe Eier. Ich sah den rechtschaffenen Zorn in ihren eisblauen Augen, doch ich sah auch das Zwinkern, die Andeutung eines Lächelns, als sie bei mir war und mir mal wieder den Arsch rettete. Nur Ian übertraf sie in dieser Hinsicht noch. "Valor ist tot", kommentierte sie und schlug mit beeindruckender Mühelosigkeit zwei Ghule beiseite. Scharlachrote Rüstungen, scharfe Klingen und messerscharfe Speerspitzen pflügten in die Masse der Untoten. "Habt ihr ihn fallen sehen?", fragte Ian und rammte seine Klinge einem Skelettkrieger in den Bauch, zog sie dann nach oben und trat den zerstörten Leib nach hinten weg. Maria schob sich eine Strähne ihres langen, blonden Haars aus dem Gesicht und grinste, zuckte mit den Schultern. "Er war der erste, der fliehen wollte. Zum Sägewerk des Nordkamms." Sie klopfte auf ihre kleine Armbrust, die an ihrer Seite hing. "Kapitulation ist Verrat. Und Verräter verdienen den Tod. Muss aber gestehen, dass ich es genossen habe, den Feigling mit Bolzen zu spicken." Sie warf mir ein verschmitztes Lächeln zu. Ich konnte beinahe spüren, wie Ian hinter mir mit den Augen rollte. "Hat's verdient, der Bastard. Wünschte, ich hätte es machen dürfen. Was nun?" Ja, Ian hatte Recht. Was nun? Mein Blick stellte Maria die selbe Frage. "Das Sägewerk ist Selbstmord, da wären wir eingekesselt", sagte sie, während ihre Soldaten die Untoten um uns herum zurück drängten. Doch noch immer waren die Untoten in der Überzahl. "Ich sage es nicht gerne, aber wir müssen uns zurück ziehen und uns neu formieren." Ians Blick sprach Bände. Ein unbedachter Rückzug, wenn auch ein Sieg möglich wäre, würde Strafen mit sich bringen. Folter. Ungern würde ich Maria mit dem Schüreisen bearbeiten. Ich hatte ihren Körper schon oft genug nackt gesehen und wollte, dass er so makellos blieb, wie er war. Doch Maria war keine Idiotin. Wenn sie glaubte, es ginge nicht anders, dann ging es auch nicht anders. "Ich schickte Leute vor, sah Truppenbewegungen bei Andorhal. Die wollen es diesmal wirklich wissen. Wir müssen einfach zurück, müssen Herdweiler warnen und brauchen viel mehr Truppen. Dalsons Hof ist unwichtig geworden. Ist erstmal verloren. Es geht hier um das höhere Wohl, um unsere Heimat!" Ihr Blick sprach Bände. Gerne hätte ich sie umarmt, ihr Zuversicht eingeredet, sie beruhigt, getröstet. Doch das war jetzt, auf dem Schlachtfeld, nicht möglich. Und auch nicht nötig. Maria Mallea war eine starke Frau, war genau wie Ian und ich durch die Hölle gegangen. Kannten uns schon seit der Schulzeit in Brill. "Alles klar, verschwinden wir von hier", stimmte ich zu und Maria bließ ein Horn, dreimal. Und das auch nicht zu früh.

Ein weiteres, brennendes Geschoss schlug ganz in der Nähe ein. Erde, Steine und Feuer wurde aufgewirbelt und die Druckwelle schmetterte uns zu Boden. Als ich mich aufrappelte und Ian und Maria gleichzeitig auf die Beine half, sah ich in der Ferne die riesigen Umrisse von Monstrositäten im Rauch, sah die feurigen Augen der Skelettmagier, die unermüdlich Schadensmagie auf unsere Truppen regnen ließen. Wir hatten keine Wahl. Es gefiel uns nicht, zu weichen. Doch die Alternative war der Tod. Oder Schlimmeres. Also eilten wir gen Nordosten, raus aus dem Kampfgetümmel. Weg von den Untoten. Wir eilten an der Scheune vorbei, auf den Weg gen Herdweiler, so schnell wir konnten. Sprint war in Plattenrüstung oder Kette kein Vergnügen. Mein Herz pochte, meine Lunge schmerzte. Maria spornte mich an, mit einer Mischung aus Tadel, Häme und Schalk: "Sonst bist du doch so fit, Alex..." Ich grinste, ignorierte meine Erschöpfung und hielt mit. Ian war an meiner Seite und Alan und Edward waren auch nicht weit. Ich wollte Maria küssen, ihr sagen, dass wir das alles schon überstehen würden. Wollte ihr sagen, dass ich sie liebte, seit ich sie das erste Mal in der Schule gesehen habe. Doch jetzt war nicht die Zeit für solche Worte. Jetzt war die Zeit für Taten, jedoch nicht der romantischen Art. Es galt, eine Schlacht zu gewinnen und es gab noch reichlich Untote zu erschlagen. "Ich glaube, wir haben die Matschköpfe abgehängt", keuchte Ian nach einer Weile. Vereinzelt waren uns noch unheilige Magie-Geschosse gefolgt, doch die Untoten hatten wenigstens den Nachteil, dass sie nicht besonders schnell waren. Doch der Vorsprung würde nicht lange anhalten. Wir waren auch nicht viel schneller und wir waren müde und trugen schwere Rüstungen. Schnell erreichten wir die erste Befestigung, wo zwei Ballistas standen. Die Besatzung war kampfbereit, wachsam. Und sie würde ohne Zweifel schnell überrannt werden, ohne allzu viel auszurichten. Das wussten wir alle. Auch die Besatzung musste dies ahnen, schon alleine bei unserem Anblick, bei unseren Warnungen. Doch wir hatten keine Wahl und sie hatten auch keine: Sie blieben. Warteten. Kämpften, starben. Erkauften uns Zeit, erkauften ganz Herdweiler Zeit. So war das, manchmal. Unbequeme Entscheidungen und ihre Konsequenzen. Manchmal musste man auch etwas opfern. Oder jemanden. Nach Herdweiler ging es leicht bergauf, das machte die Sache nicht viel besser. Meine Seiten schmerzten vor Seitenstechen und ich war mir sicher, Ian ging es da nicht anders, zumal er sogar Platte trug. Wir beide fochten allerdings einen Wettkampf aus, uns möglichst wenig anmerken zu lassen. Tatsächlich fand Ian sogar noch den Atem, mich in Anwesenheit von Maria in höchsten Tönen zu loben: "Hast mir da echt den Hintern gerettet, Großer. Und wie du die niedergemäht hast, Wahnsinn!" Natürlich wusste ich auch, dass unter vier Augen noch andere Kommentare folgen würden. Immerhin war Ian selber auch sehr fleissig gewesen und hatte Grund, auf sein Kampfgeschick stolz zu sein.

Als wir nicht mehr rennen oder gar joggen konnten, musste schneller Marsch genügen. Ich sah mich um, blieb kurz stehen und sah nach hinten. Am Horizont erhellten Flammen den Nachthimmel. Es würde nicht mehr lange dauern, und zwischen den Bäumen würde es von Untoten wimmeln, bald würde auch der Weg, auf dem die Reste der Kompanie nun schritt, überrannt sein. An einer zweiten Barrikade gab es ein Pferd und Maria schickte jemanden vor, um Herdweiler zu warnen. Taelan Fordring würde sicher rasch reagieren. Wir waren alle unglaublich ausgelaugt, als wir den Wachturm kurz vor Herdweiler erreichten. Das Gute war, dass wir unsere Truppen immer sehr schnell formieren konnten und der Großteil von Herdweilers achttausend Einwohnern wussten, wie man kämpfte und was im Ernstfall zu tun war. Und so fanden sich rasch weitere Truppen aus Herdweiler beim Wachturm ein, Karren mit Wasser wurden heran geschafft, um die bereits erschöpften Soldaten ein wenig zu erfrischen. Krumme, schartige Schwerter wurden durch neue ersetzt. Ich nutzte die Zeit, um meine Revolver zu säubern und nachzuladen, während immer mehr Truppen aus Herdweiler dazu kamen. Auch Ballisten wurden so ausgerichtet, dass die anrückenden Untoten unter Beschuss genommen werden konnten. Doch ich wusste auch, dass noch immer zahlreiche Truppen in Herdweiler warteten. Der Pass zur Stadt war eng. Gut zu verteidigen. Man war sich wohl sicher, die Truppen beim Turm würden genügen. Taelan Fordring war allerdings nicht bei uns. Ich vermutete, dass er vor Großinquisitor Isillien kuschen musste und die Stadt verteidigen würde. Ich kannte Fordring aber gut genug, um genau zu wissen, wie sehr er es hasste, nicht beim Turm zu kämpfen, an unserer Seite. Ein guter Mann, aber ein klein wenig willensschwach. Licht hin- oder her, nur Stärke und Entschlossenheit zählte im Kampf. Wenn das Licht wirklich so mächtig war, warum hatte es dann den Tod des Königs zugelassen? Den Fall von Prinz Arthas und den Untergang von Lordaeron? Selbstverständlich würde ich solche Gedanken niemals äußern. Doch ich war überzeugt, dass der blinde Glaube an das Licht und an die Inquisitoren nicht gut war. Ja, ich war Folterknecht, auch Teil der Inquisition. Allerdings konnte ich das Licht nicht wirken, was mir einen Aufstieg in den Rängen versagte. Daher war ich auch Archivar von Herdweiler und eben Soldat. Doch ich wusste, dass der Kreuzzug zu so viel mehr in der Lage war, wäre nicht dieser blinde Glaube an das Licht und das blinde Vertrauen in die Führungsriege des Kreuzzugs. Es galt nun, Vertrauen in die Kameraden zu haben, in die eigenen Fähigkeiten. Vertrauen in seinen Waffenarm und in die eigene Waffe. Entschlossenheit, Hoffnung, Mut, Geduld, Geschick. Doch muss ich auch gestehen, dass es mir nicht ganz gelang, die Angst auszublenden. Angst um meinen Bruder. Und um Maria.

Wir sammelten uns vor dem Wachturm, bildeten Reihen. Armbrüste und Gewehre flankierten uns von einer Erhöhung, würden uns Feuerschutz geben. Kurz bevor ich mich in die Reihe zu Ian, Alan und Edward gesellte, suchte ich Maria auf, die sich noch etwas Wasser gönnte. Ich selber hatte auch etwas getrunken, natürlich. Hatte mich aber sonst nicht großartig um mich gekümmert. Hatte zwar neue Schwerter, aber meine Rüstung war zerschwunden, mein Wappenrock zerfetzt und mein Gesicht schmutzig. Doch sie lächelte mich nur an, tränkte ihren Wappenrock in Wasser und wischte liebevoll, fast bemutternd mein Gesicht sauber. Kümmerte sich nicht darum, wer uns sah und was man dazu sagen würde. Bemutternd. Eigenartig, aber die Erinnerung an meine Mutter ist in all den Jahren seit ihrem Tod verblasst. Eine traurige Erinnerung unter zu vielen anderen traurigen Erinnerungen. Ich dachte nie gerne an die Vergangheit. Die Gegenwart zählte. Die Zukunft zählte. Jetzt, in diesem Moment, wollte ich eine Zukunft. Mit Maria. Und ich wusste, dass es ihr nicht anders ging. Hatte lange gedauert, bis wir uns unsere Gefühle gestanden. Sie war so sanft, ruhig. Ganz anders als Ian oder ich. Doch gleichzeitig so stark, mutig, frech. In stiller Einvernehmung sahen wir uns nun lange an, während sie mir Dreck, Blut und Schleim vom Gesicht wischte. Sie war das Zentrum meiner Hoffnung. Das Zentrum meines Glaubens an eine schöne Zukunft, dass es mehr gab als nur Krieg und Tod und Kampf. Ich wollte ihr so vieles sagen, doch mir fehlten die Worte, uns fehlte die Zeit. Denn die Geißel näherte sich. Wir hörten bereits das nie endende Jaulen der Untoten, die sich von Süden her näherten und unseren Untergang sehen wollten. Ich legte meine schwieligen Hände auf ihre Hüfte, zog Maria an mich und küsste sie. Genoss den Geschmack ihrer Lippen, die etwas salzig vom Schweiß her schmeckten. Genoss ihren Körper an meinem, ihre Hände in meinem Nacken, in meinen Haaren. Ich wollte sie. Mehr als alles andere auf der Welt wollte ich einfach nur sie. Kommandant Shelton rief zur Kampfbereitschaft auf und wir rissen uns voneinander los, gesellten uns zu den anderen und zogen unsere Waffen. Maria links neben mir, Ian rechts neben mir. Alan konnte nicht mehr sehen, doch Edward war direkt neben Ian, hielt kampfbereit sein Schild. Dann sahen wir auch schon die wogende, geifernde Masse aus Untoten, die sich den Pfad hinauf schob, auf uns zu. Die Ballisten feuerten und einige Monstrositäten wurden durchbohrt, wurden an Bäume genagelt. Die Geschosse pflügten durch die Reihen der Untoten, doch die Lücken schlossen sich rasch. Dann feuerten die Schützen. Bolzen und Kugeln prasselten auf die Untoten ein, viele wurden zerfetzt. Doch viel zu viele bremste es nicht einmal. Ihre unheiligen Körper überstanden Schäden bar jeder Vorstellungskraft. Ich glaube, ich war es, der ein altes Lied intonierte, der Hymne von Lordaeron nicht unähnlich. Ian fiel natürlich zuerst ein und bald schmetterten alle Soldaten vor dem Wachturm eben jenes Lied, um die Moral und die Entschlossenheit zu stärken. Wir würden unsere geliebte Heimat so teuer wie nur möglich verkaufen, soviel stand fest. So einfach würde Lordaeron nicht an die Untoten fallen!

Blau-Weiße Banner, ruht mächtig und alt
von Tyr's Hand im Osten bis in den Silberwald
Unter silbernen Zinnen regiert von g'rechter Hand
Unser Lordaeron, Unsere Liebe, Unser Heimatland

Es wohnen in stolzen Hallen, am Lordamere-See
Fleissige, gute Menschen, mit Herzen rein wie Schnee
Nicht Alterac, nicht Gilneas ham' mich je so gebannt
wie der Anblick von Lordaeron, uns'rem Heimatland

Kaum war das letzte Wort verklungen, stürmten wir in die Menge der Untoten, mit solcher Wucht, Härte und Verbissenheit, dass ich sicher bin, der Lichkönig selbst wäre gefallen, wäre er vor Ort gewesen. Neben mir pflügte Maria mit ihrem Streitkolben durch die Ghule. Jeder ihrer Hiebe streckte drei Untote nieder, mit einer derartigen Leichtigkeit bewegte sie sich. Auch sie konnte das Licht nicht wirken, doch war ich mir sicher, ihre Entschlossenheit gleichte dies mehr als aus. Ian an meiner anderen Seite war da nicht anders. Mit weitreichenden Schwüngen seines Zweihänders enthauptete er zahlreiche Ghule, bevor diese ihn überhaupt erreichen konnten. Und ich warf mir direkt dazwischen, feuerte mit meinen Revolvern in die Menge vor mir. Da ein Kopfschuss, als ein Ghul Ian zu packen versuchte, da ein weiterer, als Maria sich einem Skelettmagier gegenüber sah, der bereits einen Zauber zu wirken begann. Weitere Untote fielen und ich genoss den Geruch der Schüsse in meiner Nase. Als ich keine Munition mehr hatte, zog ich meine Klingen und pflügte mich durch die Untoten, immer weiter nach vorne, bis wir einen regelrechten Keil in ihre Linien geschlagen hatten. Über unsere Köpfe zischten Zauber, Armbrustbolzen und Gewehrkugeln hin- und her. Edward drosch mit seinem Schild mehrere Untote beiseite, schwang seinen Hammer und schlug Knochen und Köpfe ein. Bald lag der Geruch von fauligem Blut und verrottendem Fleisch in der Luft und der Boden war eine breiige Masse aus Dreck und Unrat. "Lordaeron!", brüllte Ian aus voller Kehle und spaltete einen Skelettkrieger nach dem anderen. Andere stimmten in den Kampfesschrei ein und wir drangen weiter nach vorne, gestärkt von Kameradschaft, Patriotismus und purer Willenskraft. Untote hatten vielleicht den Vorteil, dass sie nie müde wurden und eine Menge aushalten konnten, doch die meisten waren wenig mehr als stupide Marionetten, gelenkt vom Willen des Lichkönigs. Ihnen mangelte es an der Verbissenheit der Lebenden. Wir Menschen hatten noch etwas zu verlieren, wir standen mit dem Rücken zur Wand. Ohne leichtsinnig oder arrogant klingen zu wollen, so finde ich doch, ein Lebender ist soviel wert wie zehn Untote, mindestens. Ich selber hatte in all den Jahren unzählige Untote erschlagen. Ja, einige waren stärker, zäher, cleverer. Doch die Mehrheit bestand aus eben diesen dummen, hirnlosen Bestien. Leider glich die Geißel all ihre Nachteile mit schierer Überzahl gut wieder aus. Monstrositäten kamen in Reichweite und mit ihren mächtigen Schlägen droschen sie unsere Truppen zurück. Es war, als würden wir gegen eine Mauer prallen. Wo immer wir Untote erschlugen, tauchten sofort neue auf. Ihre Reihen lichteten sich einfach nicht. Wo unsere Arme bereits langsam müde wurde, konnten diese Monster noch kraftvoll schlagen und kratzer. Ich sah aus dem Rand meines Blickfelds,wie ein brennendes Geschoss eines Katapults in die Reihe aus Armbrustschützen krachte. Ein anderes zerschmetterte mehrere Ballisten. Das Blatt begann sich zu wenden, leider nicht zu unseren Gunsten.

Ian stieß mich beiseite, als ein Flammenstrahl durch unsere Reihen schoss. Ich roch verbranntes Fleisch und Schmerzensschreie hallten in meinen Ohren. Ein weiterer Zauber schmolz Edwards' Schild weg, ehe er von zahlreichen Ghulen angesprungen wurde. Ian und ich konnten nichts mehr tun, sahen nur noch, wie sie seine Arme abrissen, dann seine Rüstung von ihm zerrten und seinen Bauch aufrissen, um ihn auszuweiden. Ein Armbrustbolzen in seinem Kopf beendete sein Leiden und ich sah dankbar zu Maria, ehe wir uns wieder auf die Schlacht konzentrierten. Doch wir wurden nun hoffnungslos umzingelt und überrannt. Kommandant Shelton wütete noch immer unter den Untoten, umzingelt von Dutzenden von ihnen. Doch wir wurden aufgerieben, nieder gemäht. "In den Turm", schrie er, als er sich widerwillig zurück zog. "Fordring muss uns beistehen, anders können wir nicht gewinnen." Waffen krachten klirrend und berstend aufeinander, Lebende und Untote fielen gleichermaßen, doch es waren immer noch zu viele. Hätte Fordring sich sofort zu uns gesellen dürfen, mit seinen Truppen, würde die Sache nun anders aussehen. Doch erneut mussten wir weichen. Ich sicherte Maria's Rücken, hielt ihr mit flinken Schwerthieben mehrere Ghule vom Leib, ehe sich einer gegen mich warf und ich zu Boden ging. Meine Klingen steckten bereits in seinem Leib, doch mit schnappenden, fauligen Fängen kam er meinem Gesicht immer näher. Dann war Ian da und schlug ihm den Kopf ab, ohne mich auch nur mit seiner Klinge zu kratzen. Er zog den kopflosen Körper von mir runter, half mir auf die Beine. Rasch folgten wir den anderen Soldaten zum Wachturm. Sheldon eilte bereits zur Spitze hoch, um dort sein Horn zu blasen. Ian, Maria und ich blieben mit zahlreichen anderen Soldaten unten, verteidigten den Eingang des Turms, bis es nicht mehr ging, verteidigten jede Stufe so lange, wie wir nur konnten. Doch am Ende mussten auch wir an die Spitze des Turm, schlossen die Luke und verriegelten sie. Waren vorerst sicher, aber saßen in der Falle. Nur noch zwei Dutzend Männer, oben auf dem Wachturm. Jeder von uns war angeschlagen, müde. Und der Turm war umringt von Untoten. Wie eine geschlossene Masse aus grauem, stinkenden Fleisch. Monstrositäten hämmerten gegen die Steine, als würden sie den Turm einreissen wollen. Der Kommandant bließ immer wieder in sein Horn, um so Verstärkung zu rufen. Doch als ich gen Westen blickte, nach Herdweiler, sah ich nichts. Allerdings sah ich auch, dass der Strom aus Untoten versiegte. Wir sahen endlich ein Ende dieses Angriffs. Doch ohne Verstärkung gab es keinen Ausweg. Herdweiler selber würde schwere Verluste erleiden, würden die restlichen Untoten es bis zur Stadt schaffen.

Dann krachte es, als eines der Katapulte ein flammendes Geschoss gen Turm schickte. Es schlug in die Zinnen ein und Kommandant Shelton wurde beinahe augenblicklich eingeäschert. Ein großes Stück der Zinnen wurde pulverisiert und zerschmettert und ich wurde nach hinten geschleudert, landete hart auf dem Rücken und alle Luft wurde mir aus der Lunge gepresst. Alles drehte sich und es klingelte mir in den Ohren. Mir war schwindelig. Um mich herum sah ich Kameraden, die verbrannt waren, verstümmelt waren. Der weiße Steinboden der Turmspitze war blutrot geworden. Ein großer Teil des Daches war zerstört und ich sah Ian und Maria nicht mehr. Schockiert und entsetzt versuchte ich, wieder auf die Beine zu kommen. Sah mich panisch um. Hatte meine Schwerter verloren. Wo war Ian? Wo war Maria? Mühsam stand ich auf, taumelte zum Rand des Turms. Und dann sah ich sie, hörte ich sie. Die Explosion, die der Einschlag des Geschosses verursacht hatte, hatte beide in unterschiedliche Richtungen geschleudert, fast vom Turm hinunter. Mühsam klammerten sich die beiden an das Dach, unter ihnen die Tiefe. Und die Untoten. Ich sah zu Ian, sah zu Maria. Geliebte Maria. Ihre eisblauen Augen baten um Hilfe, auf ihren wunderschönen Lippen sah ich die Worte, die mich zu ihrer Hilfe riefen. Langsam aber sicher entglitt ihr Griff, sie rutschte immer weiter vom Dach. Doch als ich zu Ian sah, erkannte ich, dass es ihm nicht anders ging. Wie war das? So war das, manchmal? Unbequeme Entscheidungen und ihre Konsequenzen. Manchmal musste man auch etwas opfern. Oder jemanden. Ehe ich wusste, was ich tat, ohne bewusst eine Entscheidung zu treffen, war ich bei Ian, packte seine Handgelenkte, stemmte mich nach hinten und zog ihn rauf. Schnaufend blieb er neben mir liegen, doch mein Blick war wieder bei Maria und ihren eisblauen Augen, die aus meinem Blickfeld rutschten, als sie vom Dach des Wachturms fiel. Da ging sie hin, meine große Liebe. Das Zentrum meiner Hoffnung. Das Zentrum meines Glaubens an eine schöne Zukunft, dass es mehr gab als nur Krieg und Tod und Kampf. Ian danke mir, zog mich auf die Beine, doch ich bekam das alles nur wie durch einen düsteren Schleier mit. Verstummt war der Schlachtenlärm und das Heulen der Untoten. Ich war taub, war stumm, denn ein bitterer Kloß saß in meiner Kehle. Fühlte mich kalt. War ich vielleicht gestorben? Lag hier irgendwo meine Leiche und mein Geist betrachtete diese bizarre Szenerie? Nach einer gefühlten Ewigkeit holte mich ein weiterer Knall in die Wirklichkeit zurück, ins bewusste Denken und Fühlen und Handeln. Ian und ich sahen in die Tiefe, wo mehrere Geschosse Schneisen in die Untoten pflügten. Aus Richtung Herdweiler näherten sich Fordrings Truppen, um dem Kampf die Wendung zu bringen. Wir hatten gewonnen. Doch der Preis war so hoch, dass mir jede Freude fehlte.

Die Welt verschwimmt
Das Leben zieht vorbei
In meinen Augen
Ist alles einerlei

Wo einst war Licht, nun Schatten liegen
Wo einst war Hoffnung, wird sie versiegen
Beim Licht, was habe ich's versucht
Und bin am Ende selbst verflucht

Die Welt zerbricht
Das Leben, eine Qual
Und ohne dich
Ist mir das so egal
- Alexander Veidt

Sie kam durch das Feuer zu mir. Und verschwand durch das Feuer, aus meinen Augen, aus meiner Reichweite. Taelan Fordring und seine Truppen schlugen den Angriff zurück, ließen keinen einzigen Untoten entkommen. Ich erinnere mich noch, wie Ian mir ein Schwert in die Hand drückte und wir beide und die anderen Überlebenden oben auf dem Turm uns den Weg nach unten frei kämpften. Ich erinnere mich, wie riesig die Scheiterhaufen waren, als die Leichen von Kameraden und Kontrahenten gleichermaßen verbrannt wurden. Ich erinnere mich an die Auszeichnungen, die wir bekamen, für unsere Rolle bei der Verteidigung und Rettung von Herdweiler. Und ich erinnere mich an Maria Mallea und an ihren Blick, bei unserem Wiedersehen. Sie überlebte ihren Sturz. Geäst eines nahen Baums bremste den Sturz, doch sie landete inmitten der Untoten. Wäre Fordring nicht da gewesen, wäre sie zerfetzt worden. Wir sprachen nie wieder miteinander. Wechselten kein einziges Wort. Hätte sie denn anders gehandelt, an meiner Stelle? Sie hatte selber Schwestern gehabt, Schwestern verloren. Sie ließ sich nach Tyr's Hand verlegen. Und ich weiß, dass sie sogar ihr eigenes Kommando bekam. Ich hörte, dass sie aufgrund einer Fehlentscheidung freiwillig das Kommando abgab und ins Exil geschickt wurde, auf ewig aus Lordaeron verbannt. Ich weiß, dass sie jahrelang den Tod suchte, einen Sinn im Leben suchte. Heute ist sie Priesterin in Sturmwind. Kümmert sich um Kranke, Leidende, Waisen. Der Kummer der Jahre hat ihr Haar weiß werden lassen, obwohl sie genau so alt ist wie ich. Ich denke oft an sie. Selbst damals, als ich Stadtwache in Sturmwind wurde und eine Frau fand, Kinder bekam. Immer war da dieser Gedanke, was wohl hätte sein können. Neulich, nach einer Sauftour mit Ian, sah ich sie auf der Straße. Sah sie lächeln. Sie hat wieder einen Sinn im Leben. Eine Richtung. Sie ist glücklich. Ich beglückwünsche sie dazu, beneide sie darum. Erst gestern habe ich mich getraut, habe sie angesprochen. Sie lächelte. Sie hat mich nicht erkannt. Oder nicht erkennen wollen. Lag in ihrem Blick Erkenntnis? Weiß es nicht. Aber auch keine Ablehnung, kein Hass. Habe meinen Namen nicht genannt. War zu feige. Doch gibt es vielleicht eines Tages die Chance, auf einen Neuanfang? Die Chance, auf Glück. Auf ein 'wir'. In all den Jahren habe ich sie nicht vergessen können. Nichts konnte mich dazu bringen. Nicht meine Frau, nicht meine Kinder, nicht mein Bruder, nicht der Alkohol. Maria Mallea und ihre eisblauen Augen, ihr wunderschönes Lächeln. Möglicherweise... ist es nicht zu spät, zu hoffen. Auf eine Zukunft. Auf einen Sinn im Leben. Möglicherweise gibt es eines Tages mehr als nur Kampf und Blut und Tod. Vielleicht kann sie mir vergeben. Vielleicht kann ich mir selber vergeben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Von der Liebe und vom Leid
BeitragVerfasst: 10. Nov 2012, 12:50 
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:shock: :shock: :shock: Wow. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Aber im guten Sinne ein "Wow."

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Alle für einen, und jeder für sich selbst!


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 Betreff des Beitrags: Re: Von der Liebe und vom Leid
BeitragVerfasst: 12. Nov 2012, 12:09 
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Registriert: 09.2012
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ich bekomme ja ganz glasige Augen und Lust selbst was zu schreiben. :-)

Und sie heisst Maria hehe

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wandle im Schatten.Alles ist vergaenglich.


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