Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Wie gewonnen, so zerronnen
BeitragVerfasst: 16. Dez 2014, 15:53 
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( Mein Versuch, mal etwas amüsantes, leichtherziges zu schreiben. Mal schauen, was dabei heraus kommt )

Wie gewonnen, so zerronnen

Dramatis Personae

Roland Ämmerich, ehemaliger Zirkusartist aus Seenhain
Hermann Pfunke, gescheiterter Magier aus Mühlenbern
Susi Sockenschuss, verbannte, gnomische Waffenexpertin
Wolfgang Lugosi, verfluchter Wegelagerer aus Gilneas
Jessica Halber, ehemalige Modedesignerin tanarischen Ursprungs

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Hermann, Susi, Wolfgang, Jessica und ich, Roland. Wir sind keine Helden. Wir sind keine liebenswerten Schurken, keine Antihelden oder Rebellen mit einer guten Absicht. Ich will nicht, dass wir uns hier gleich missverstehen. Die Porzblut-Bande, das sind echte Bösewichte, klipp und klar ausgedrückt. Wir aber sind nichts anderes als Lügner, Betrüger und Diebe. Und wir mögen andere nicht. Wir mögen ja ehrlich gesagt nicht einmal aneinander. Das einzige, was uns zusammenschweißt, ist die pure Geldgier. Da muss man eben manchmal die gegenseitige Abscheu vergessen, den letzten Rest von Stolz und Selbstrespekt aufgeben und an einem Strang ziehen. Ich mein, hast du mal in den Sturmwinder Rappen geschaut? Dauernd geht es um große Bedrohungen wie Untote, Drachen, Hölzerne Horden. Eisern? Leck mich und lass mich weiter erzählen! Oder wie dauernd dieser Eierkopf, König Varian Wrynn auf der Titelseite ist. Warum gibt es nicht einmal einen Artikel über mich? "Roland Ämmerich - Wie tickt dieser Supertyp? Was geht in ihm vor? Wo kommt er her? Wie verbringt er seine Freizeit? Hat er Haustiere? Allergien? Und warum lässt er sich dauernd verdreschen? Ist er geisteskrank? Ist es so eine sexuelle Sache? Wie kommt dieser Verlierer überhaupt morgens aus dem Bett?" Irgendwie schert sich da keiner drum. Aber wo du schon einmal hier bist, kann ich dir ja erzählen, wie mein Leben den Bach runter ging und wie ich da gelandet bin, wo ich heute bin. Ich war Zirkusartist, musst du wissen. Messerwerfer, Feuerspucker, Clown. In dem Geschäft muss man vielseitig sein, wenn man seine Brötchen verdienen möchte. Und ich gebe wirklich nicht an, wenn ich dir sage: Ich bin der beste, verdammte Messerwerfer, den es gibt. Gibst du mir noch ein Bier aus? Ich bin knapp bei Kasse. Jedenfalls... Kein Kunststück war mir zu gewagt. Du kennst den Trick, bei dem man eine Frau an eine drehende Scheibe bindet und der Messerwerfer sie immer verfehlen muss? Ahnst du, wo mein Abstieg begann? Natasha war ein gutes Mädchen. Eine von diesen biegbaren Schlangenfrauen. Die konnte Dinge anstellen, im Bett, du würdest es nicht glauben. Aber sie machte Schluss mit mir. Wohl keine gute Grundlage für eine weitere, gute Zusammenarbeit. Jedenfalls war sie an diese drehende Scheibe gebunden und ich war betrunken wie ein Matrose auf Landgang. Der Zirkusdirektor warf ein Set Spielkarten hoch. Ein einfaches Verfehlen der guten Natasha an der drehenden Scheibe wäre doch zu simpel gewesen, auf Dauer. Ich sollte sie also nicht nur verfehlen, sondern auch mit jedem Messer eine Spielkarte gegen die Holzscheibe nageln. Sagen wir einfach, der Abend endete damit, dass ich die gute Natasha auf andere Art und Weise als je zuvor nagelte. Da half es auch wenig, dass ich mit jedem Messer eine Spielkarte erwischte, obwohl ich voll wie eine Haubitze war. Danach war meine Karriere beim Zirkus jedenfalls vorbei und ich musste schleunigst aus Seenhain verschwinden. War keine schöne Zeit, muss ich sagen. Ich konnte wenig mehr als Messerwerfen, Jonglieren und Maskenbildnern. War schwer, aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden und ich war ehrlich gesagt kurz davor, mir den Strick zu nehmen und mich am Dachbalken der schäbigen Spelunke in Dunkelhain aufzuknüpfen. Ich stand sogar schon auf dem Hocker, als die Tür aufging und eine Handvoll Worgen in ihrer Fluchgestalt in mein Zimmer kamen. Dachte ja erst, pelzige, harte, erzwungene Liebe würde mich nun erwarten, aber nein: Die Kerle gehörten zur Reißer-Bande, die in Westfall operierte. Ich sollte mich ihnen anschließen. Was denkst du, was ich tat? Ich hatte Hunger und die versprachen mir, dass sie meine Fähigkeiten gut gebrauchen konnten also schloss ich mich ihnen natürlich an. Für eine Weile. Ihre Anführerin war ein ziemliches Miststück und als es mir zu bunt wurde, verpisste ich mich und gab der Westfallbrigade alle Informationen, die ich hatte. Nicht lange darauf hat so ein Söldnerbund die ganze Bande abgeschlachtet. Meinetwegen? Ach Quatsch, Junge. Ich war einfach nur froh, da rechtzeitig weg zu sein und noch einmal mit dem Leben davon gekommen zu sein. Die Reißer waren eben einfach nicht schlau und ich beschloss, wenn ich weiter auf... gewissen Wegen mein Geld verdienen wollte, würde ich eben schlau sein müssen. Dauerte eine Weile, aber es gelang mir, eine schöne, kleine Bande aus Gleichgesinnten auf die Beine zu stellen.

Da war Wolfgang, der Schönling. Er sah sich als so ein Gentleman-Bandit, hatte immer dieses kecke Grinsen und kam damit auch gut bei Frauen an. Leider hatte er wenig mehr als sein gutes Aussehen und seinen Fluch, aber man kann sich fähige Leute ja nicht angeln, oder? Jessica war unsere Schönheit, kam zu uns, nachdem irgendein Scherzkeks in Beutebucht gemeint hatte, wir wären eine Bande von Schwuchteln. War für den Ruf also ganz gut, auch Damen im Team zu haben. Und wer weiß, dachten wir uns damals, vielleicht gab es ab und an ein wenig Sonderleistung für Gruppenmitglieder. Susi war bei uns weil... warum eigentlich? Die Gnomin schien sich darauf spezialisiert zu haben, eine Nervensäge zu sein, in einer Welt voller Nervensägen. Aber ab und an kam sie mit guten Ideen und verrückten Basteleien. Wer fehlt noch? Der Waschlappen, genau. Irgendwer meinte mal zu mir, dass jede Bande einen Deppen braucht. Hermann war der perfekte für diese Rolle. Man könnte an dieser Stelle echt meinen, dass die Dinge nicht so schlecht standen für Roland Ämmerich. Aber das Ding ist: Egal was ich mache, egal wie hart ich es versuche und wie viel Mühe ich mir gebe, das Ende vom Lied ist immer das selbe. Ich: nieder geschlagen, gefesselt, eingebuchtet. Und gezwungen, bei den Besuchszeiten zu betteln, damit Hermann oder Wolfgang meinen Vogel füttern. Siehste, ich habe ein Haustier!

"Dein Zimmer ist in der schäbigsten Spelunke im schäbigsten Teil von Goldhain", meinte Hermann, als er gemeinsam mit Wolfgang vor meiner Zelle stand, "Und wir müssten dauernd hin- und her latschen..." Wolfgang nickte zustimmend und grinste mich dämlich an. "Was Hermann eigentlich sagen will: Die Ecke ist verkommen. Sogar für unsere Maßstäbe. Es ist die Art von Zimmer, wo clevere Huren nicht rein gehen würden, wenn du weißt was ich meine. Und was für ein Mann hat bitte einen dämlichen Vogel als Haustier?" Er lachte mich aus, während Hermann nur unterbelichtet drein blickte und sich den Kopf kratzte. "Ein Pirat?" murmelte er schließlich und Wolfgang lachte nur umso lauter. "Genau, ein Pirat! Arbeitest du an so einer coolen Piraten-Sache, Roland? Schleifst du uns wieder nach Beutebucht, sobald du entlassen wirst? Eine Augenklappe würde dir echt stehen, Mann." Ich sah sie missmutig an, bis sie endlich mit dem Lachen aufgehört hatten. "Nein, Wolfgang, ich will keine coole Piraten-Sache abziehen. Ihr müsst den Vogel ja nicht einmal selber füttern. Die alte Frau nebenan würde das sogar machen. Ihr müsst nur n Sack Vogelfutter besorgen und bei mir ins Zimmer stellen. Schafft ihr das? Macht ihr das bitte?" Wolfgang sah mich gespielt nachdenklich an. "Nur, wenn du mal Aaaaarrrrghhh sagst, Piratenkönig!"

Tja, glaub es oder nicht, Kumpel. Diese Typen sind das, was ich als meine Freunde betrachte. Wenigstens besorgten sie das Vogelfutter für mich.

"Den da, Mama. Den möchte ich haben", sagte das kleine Mädchen aufgeregt und zeigte auf einen kleinen Hundewelpen in einem der Käfige im hinteren Teil der Tierhandlung. "Bist du sicher, Schatz?", fragte ihre Mutter und die kleine nickte eifrig, dass ihre Zöpfchen nur so hin- und her flogen. "Ja, bin ich. Voll der niedliche Hund!" Sie strahlte ihre Mutter und den Verkäufer über beide Backen an, der den kleinen Hund aus dem Käfig holte. "Das auf jeden Fall", stimmte Wolfgang zu und trat heran, dicht gefolgt von Hermann. "Weißt du, ich hatte auch einmal so einen süßen Hund, als ich in deinem Alter war. Skippy war sein Name. Wir waren unzertrennlich. Ich vermisse diesen Hund" Wolfgang strahlte sein gewinnbringendes Lächeln. Die Kleine guckte ihn fragend an. "Was ist mit Skippy passiert?" Und Wolfgang grinste nur umso breiter. "Ich habe ihn gegessen." Erschrockene Gesichter überall, sogar bei Hermann. "Alter, halt die Fresse", murmelte Hermann warnend. Wolfgang aber sah ihn nur fragend an. "Was denn? Zu böse? War doch nur ehrlich." Er sah wieder zum kleinen Mädchen. "Vielleicht kannst du deinen Hund auch Skippy nennen? Wie wäre es?" Doch sie schüttelte mit dem Kopf. "Nee. Ich nenne meinen Hauptmann." Wolfgang lachte auf. "Was ist denn das für ein doofer Name?" Die Kleine zog eine Schnute. "Du bist doof!" Wolfgang sah schockiert drein. "Ich? Nein, du bist doof, du Rotznase!" Sie streckte ihm die Zunge aus. "Selber!" Wütend stampfte Wolfgang mit dem Fuß auf, zog seinen Mantel aus und warf ihn Hermann zu, zog sich die Schuhe aus. "Ich sag dir, was ich bin, Kleine. Ich bin der, der diesen verdammten Laden ausraubt!" Mit diesen Worten verwandelte sich Wolfgang in seine Fluchgestalt. Sein Mund wurde zu einer grässlichen Schnauze voller Reißzähnen, Haare sprossen ihm am ganzen Körper und seine Hände wurden zu Krallen. Die Kleine schrie ängstlich auf und die anderen Hunde in den Käfigen rasteten aus und kläfften. "So, dann mal her mit dem verdammten Geld, du Wichser", knurrte Wolfgang den Verkäufer an. Dieser aber blieb überraschenderweise relativ gelassen und ging zur Kasse. "Wie auch immer, Mann. Aber hör auf so zu fluchen, du erschreckst die Tiere." Er gab Wolfgang das Geld aus der Kasse, während Hermann nur dummdämlich drein sah. "Und ich möchte einen großen Sack 'Gut-zu-Vögeln-Vogelfutter', wurde auch schon bestellt, auf den Namen Ämmerich." Der Verkäufer nickte und hob einen großen Sack hinter dem Tresen hervor und drückte ihn Hermann in die Hände. "Heißt das, ich muss das Vogelfutter nicht bezahlen?" Wolfgang nickte und knurrte, verwandelte sich dann aber zurück und schlüpfte wieder in seine Schuhe. "Verdammt richtig. Jetzt aber weg hier." Er hielt kurz inne und nahm dem kleinen Mädchen dann den Welpen aus den Armen, den kleinen Hauptmann. "Sie Monster!", zischte die Mutter, während die Kleine zu brüllen anfing. Wolfgang aber zuckte nur mit den Schultern. "Nur so lernt die Kleine es."

Möglicherweise ist 'Freunde' nicht ganz das richtige Wort.

"Verflucht noch einmal, Hauptmann... hör auf!", schimpfte Wolfgang, denn der kleine Hund knurrte, zappelte und biss um sich, während Wolfgang ihn in den Armen hielt. Sie schlenderten durch die Straßen von Goldhain, bis sie das richtige Gebäude erreichten hatten. Die Tür stand offen, einige Dirnen standen draußen herum und warteten auf Freier. "Ich hätte die Töle echt nicht mitnehmen sollen", jammerte Wolfgang, während Hermann sich zunehmend abmühte, den schweren Sack Vogelfutter zu schleppen. "Und ich weiß nicht, warum Roland so viel Vogelfutter braucht. Das reicht doch für Jahrzehnte." Bei der Tür von Rolands Apartment angekommen, stellte Hermann den Sack Vogelfutter ab. "Na, dann schließ mal auf." Wolfgang sah ihn ratlos an. "Ich? Du hast die Schlüssel!" Hermann schüttelte mit dem Kopf. "Nee, Mann. Du hattest sie!" Wolfgang setzte den kleinen Hauptmann ab, der sofort anfing, zuerst an Wolfgangs Schuhen zu knabbern, sich dann aber dem Sack mit dem Vogelfutter widmete. "Dann... dann hol sie!" Hermann tippte sich an die Stirn. "Bei dir piept es wohl. Ich renn doch jetzt nicht zurück." Wolfgang seufzte. "Tjaa...Ich sage, wir lassen den Sack hier vor seiner Tür stehen. Ich meine, wer klaut schon Vogelfutter?" Hermann sah ihn an und hob eine Augenbraue und Wolfgang ließ resigniert die Schultern hängen. "Dann knacken wir halt die Tür." Er zog einen Dietrich hervor, doch kaum hatte er die Tür berührt, ging diese von ganz alleine auf. Die beiden sahen sich an. "Vielleicht ein Obdachloser? Oder wir finden gleich zwei vögelnde Jugendliche?", meinte Wolfgang nur dazu und trat vorsichtig in das Apartment. Hermann hob den Sack an und wurde seinerseits vom kleinen Hauptmann verfolgt. Drinnen aber wurden sie bereits erwartet. Im Sessel saß Billy 'Butterkopf' Blake, ein stattbekannter, gefürchteter Verbrecher, der für seine ölige Frisur bekannt war. "Pünktlich.. einigermaßen. So gefällt mir das." Er zeigte ein Haifischgrinsen. "Habt ihr das Zeug?" Hermann und Wolfgang sahen sich dumm an. "Roland meinte, eine alte Dame würde seinen Vogel füttern." Da lachte der Mann mit der öligen Frisur. "Klar. Ich bin die alte Dame. Der gute alte Pete vom der Tierhandlung kommt immer durch mit seinen Hehlereien." Der Hauptmann hatte es inzwischen geschafft, den Sack Vogelfutter mit seinen Zähnchen aufzureissen. Weißes Pulver rieselte auf die Holzdielen des Bodens. Rauschpulver. Lachend kniete sich Billy Blake hin und tauchte einen Finger in das Pulver, führte ihn zur Nase. "Das heißt, wir hätten den Laden nicht ausrauben müssen?", fragte Hermann und sah Wolfgang an, der nur die Schultern zuckte. "Verurteile mich nicht, weil ich mal ein wenig Initiative zeigte." Der Butterkopf richtete den Sack auf, stellte diesen auf den Sessel. "Gute Arbeit, Jungs. Aber wo ist der Rest?" Erneut sahen Wolfgang und Hermann sich dumm an. "Rest?" Hermann reagierte als erster, rannte wie von der Tarantel gestochen zum Fenster um seinem Lieblingstrick, der allgemein 'Blinzeln' genannt wurde, durchzuziehen, der ihn fix ans andere Ende der Straße teleportierte. Wolfgang indessen erreichte nicht einmal mehr die Wohnungstür.

Sondern das ganz falsche Wort.

"Wolfgang liegt noch immer im Lazarett. Wird wohl eine Weile dauern, bis er wieder feste Nahrung zu sich nehmen kann", sagte Hermann durch die Gitterstäbe hindurch, während ich auf meiner Pritsche lag und zu ihm rüber blickte. "Er meinte, du hast uns verkauft. Verarscht." Ich zuckte nur mit den Schultern. "Er wird schon drüber hinweg kommen. Aber ihr wärt nie zu meiner Wohnung gegangen, wenn ich euch verraten hätte, wer dort wirklich auf euch wartet. Es ist nun einmal, wie es ist." Hermann zuckte ebenfalls mit den Schultern. "Ich bin da ja heil raus gekommen." Ich erhob mich, ging zu den Gitterstäben. "Hör zu, ihr müsst den Butterkopf ne Weile bei der Stange halten, sonst ist der Auftrag futsch." Sofort hatte ich sein Interesse. "Ein Job?", fragte er begeistert und ich nickte. "Ja. Ich habe da eine Kleinigkeit am Laufen. Schmuggel. In Butterkopf's Revier, also steht ihm auch ein Anteil zu. Aber die größere Lieferung hat sich ein wenig Verzögert, durch diese Eiserne-Horde-Sache." Hermann sah mich missbilligend mit seinen dunklen Schweinsaugen an. "Und du hast uns da einfach ausgeschlossen. Wenn sie dich letzte Woche nicht geschnappt hätten, wüssten wir nicht einmal etwas davon." Ich grinste breit, ölig wie die Frisur unseres Auftraggebers. "Aber nun brauche ich euch. Es ist eure Chance, einzusteigen und abzukassieren. Aber das Ding ist, dass der Unterhändler nur mit mir reden wird." Hermann lachte freudlos auf. "Du willst Kaution haben, hm?" Ich nickte ihm zu. "Ja. Trommel am besten auch die anderen zusammen. Und beeilt euch. Ich mache mir hier drinnen keine Freunde und ich möchte schon gern, dass mein Arsch Jungfrau bleibt."

Sehr, sehr gerne. Verständlicherweise.

"Warum mache ich das hier noch gleich?", fragte Susi Sockenschuss in das Kommunikationsgerät an ihrem linken Handgelenk, während die andere Hand die Pistole hielt. "Ich hab es dir doch schon einmal gesagt", erklärte Jessica am anderen Ende der Verbindung, "Wir müssen Roland aus dem Knast frei kaufen." Susi dirigierte den Juwelier mit der Pistole herum. Der zitternde Mann packte rasch Ketten und Ringe in einen Beutel. "Ja. Nein... Aber warum? Wir hassen Roland. Roland ist ein Arschloch." Lachen, am anderen Ende der Verbindung. "Ja, klar. Aber er hat einen Job für uns. Reichlich Kohle in Aussicht." Susi nahm den Beutel mit den Juwelen entgegen. "Aber ich habe hier doch gerade Kohle in Aussicht, Jessica." Kurzes Schweigen. "Roland sprach wohl von sehr, sehr viel Schotter." Die kleine Gnomin seufzte. "Von mir aus. Wir sehen uns." Sie beendete die Funkverbindung und sah den Juwelier an, der noch immer am Zittern war. "So, du Blödmann, dann vergiss du mal nicht, wie gefährlich ich gewesen bin, wie absolut cool meine Waffe aussah und wie detailliert durchdacht und perfekt geplant dieser Überfall wirkte, ja?" Der Juwelier nickte hastig, völlig verängstigt. Susi eilte nach draußen und stieg auf ihr Dampf-Motorrad. Sie kramte in ihren Hosentaschen und zog eine verdrehte, krumme, halb abgebrannte Zigarre hervor, steckte sie in den Mund, ehe sie die vermeidliche Pistole an die Spitze hielt. Der nuklearbetriebene, dimensionsübergreifende Zigarettenanzünder spie eine grüne Flamme, mit der die irre, blonde Gnomin ihre Zigarre anzündete, ehe sie das 'Feuerzeug' in das Holster am Gürtel schob und das Dampf-Motorrad Marke 'Feuerstuhl' aktivierte und davon brauste. "Roland ist trotzdem ein Arschloch", murmelte sie gegen den Fahrtwind an.

Habe ich schon erwähnt, dass nur Geldgier uns zusammen schweißt?

"Geht es dir gut, da drinnen, Roland?" Die Stimme weckte mich, eigentlich waren die Besuchszeiten längst vorbei, es war mitten in der Nacht. Vor meiner Zelle stand eine mir nur allzu bekannte Gestalt, das bleiche Gesicht und der Kahlkopf wie aus Albträumen gekrochen. Malakai Moon war ein weiterer Spieler in der Unterwelt. Er hatte seine Verbindungen überall, hatte aber ein Faible dafür, sich stets persönlich um seine Angelegenheiten zu kümmern. "Es ist spät, Moon. Eigentlich wollte ich schlafen", war meine schlaftrunkene, bissige Antwort. Der Mann auf dem Korridor lachte freudlos. "Höflichkeitsfloskeln hebe ich mir für zahlende Kunden auf, Ämmerich." Der schneidende, warnende Unterton in seiner Stimme ließ mich sofort hellwach werden. "Du bekommst deine Bezahlung, ehrlich." Wieder dieses Lachen, als Antwort. Diesmal aber ehrlich belustigt: "So viele Versprechen, Roland. Und so wenige eingehalten. Ich bin zu dieser Uhrzeit auch nur aus einem Grunde hier. Weil ich Dinge will, die du versprochen hast. Und weil ich dir sagen will, wie ungehalten ich werden kann. Ich will Butterkopf aus dem Weg haben, Ämmerich. Können du und deine Leute das bewerkstelligen?" Ich nickte, natürlich. "Kein Grund zur Sorge. Ich mach das schon." Moon grinste breit. "Oh, aber ich mache mir Sorgen. Um meine Geschäfte. Um deine Versprechungen. Und darum, was deine Lakaien mit dir anstellen, wenn sie merken, dass du gar keinen großen, lukrativen Job für sie hast. Sondern dass sie quasi deine Schulden bei mir mit ab arbeiten."

Tja... Wenn man das Negative betrachten will, bin ich gerade am Haken eines wahnsinnigen, mächtigen Verbrecherfürsten, dem ich versprach, einen anderen, wahnsinnig mächtigen Verbrecher zu erledigen. Der wiederum glaubt, dass ich und meine Leute ihm reihenweise Rauschpulver aus dem Süden beschaffen. Und ja, ich habe meine Leute verascht, mich mit ihrer eigens schwer verdienten Beute aus dem Knast frei zu kaufen, damit ich ihnen einen Job besorge, den es nicht so wirklich gibt. Für den sie keine Kohle kassieren werden. Aber wenigstens komme ich aus dem Knast raus. Das ist doch etwas Gutes. Darin sind wir uns doch einig, oder? Gefängnis ist scheiße.

Da wären wir wieder bei einem potentiellen Zeitungsartikel über mich: Wie tickt dieser Supertyp? Na, wie eine Bombe, ständig bereit, zu explodieren. Was geht in mir vor? Geld, Geld, Sex, Geld, Sex. Wo komme ich her? Die Frage habe ich schon vorhin beantwortet. Wie verbringe ich meine Freizeit? Dazu kommen wir noch. Das mit dem Haustier wäre geklärt. Allergien habe ich nur gegen das Gefängnis. Warum ich mich dauernd verdreschen lasse? Naja, man kann nicht immer gewinnen. Manche meiner Pläne, wie meine Erzählungen, glaube ich, ganz gut beweisen, gehen eben auch mal in die Hose.

Eine Frage war, wie ich Verlierer überhaupt morgens aus dem Bett komme. Tja, deine Frau macht es mir echt nicht einfach, haha. Aber die Wahrheit ist... nenn mich verrückt, nenn mich dämlich... ich weiß, tief im Herzen... dass ich es eines Tages schaffen werde. Ich werde auf der Titelseite des Sturmwinder Rappens sein. Ich werde diese Stadt beherrschen. Ich mein... wie stehen die Chancen, dass es immer nur mies läuft, hm? Irgendwann werde ich Glück haben. Das einzige Problem ist, dass dieser Tag noch nicht gekommen ist.


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