Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 12. Nov 2014, 20:23 
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Wolfsblut Letticia Silberhauch

Wenn das Abendlicht in genau dieser Farbe ist
dann ist ein Loch in der Luft wo du standest
Hörst du mich wo du bist?
Bleib genau da! Bald komm ich nach
Also wart auf mich

Prinz Pi - Laura (Akustik)

______________________________________________________________

Warm laufen die Tränen über meine kalten Wangen. Meine Augen brennen, aber ich gebe keinen Ton von mir. Ich fühle mich wie eine leere Hülle, längst ausgebrannt von dem Schmerz, dem Feuer welches den Hass auf mich selbst und auf meine Taten wiederspiegelt. Es ist dunkel und von deinem Grabstein erkenne ich bloß noch Umrisse. Ich fühle mich wie gelähmt, keinen Muskel kann ich bewegen. Der Kloß in meinem Hals droht mich zu ersticken und ich sollte schreien um ihn loszuwerden, aber kein Ton will aus mir heraus. Nichtmal meine Lippen öffnen sich einen Spalt um die Luft eindringen zu lassen. Ich bin so kraftlos. Die Nacht ist ruhig und klar. Die Sterne stehen am Himmel - und keiner von ihnen ist allein. Einzig ich bin es - hier unten. Vor dir. Ich weiß, ich sollte trauern. Aber ich kann nicht mehr trauern. Auch nicht, wenn ich will. Auch nicht, wenn ich sollte. Ich spüre nichts und ohnehin wäre es unbedeutend. Es ändert nichts daran. Nichts wird dich je zurückholen. Ich kann absolut nichts tun um es wieder gut zu machen. Niemals werde ich dein Lächeln wiedersehen. Niemals wirst du mich wieder im Arm halten um meine Tränen zu trocknen. Niemals wieder werde ich einen so guten Freund haben, einem Bruder gleich.
Die Kälte steigt durch meine Füße in die Beine hoch, ich stehe schon lange hier. Ewig schon starre ich auf den Grabstein, lese immer und immer wieder deinen Namen in dem Wissen, dass dein Körper nicht hier unter der Erde liegt. Nein. Nach deinem Tod konnte dich niemand holen, es wäre zu gefährlich gewesen. Ich sehe noch genau vor mir, all' die Müllsäcke mit den letzten Habseligkeiten der Verstorbenen. All' das, was keiner mehr holen wollte. Nicht holen konnte. Fertig um es zu entsorgen. Als hätte es euch alle nie gegeben. Aus deinem blitzte das Bild deines jüngsten Sohnes heraus. Ich weiß noch wie stolz du es mir gezeigt hattest. Wie sehr du dich gefreut hattest ihn bald wieder zu sehen. Nun würde er ohne dich aufwachsen. Dir wurde die Chance genommen zu sehen wie er zu einem jungen Mann reift. Niemals wirst du deinen Enkeln, welche auf deinem Schoß sitzen würden, von deinen alten Geschichten erzählen.
Ich schließe die Augen und sie fühlen sich kalt an. Wie jedes Mal sehe ich dich. Du liegst vor mir, blutest, hebst nochmal eine Hand - hilfesuchend. Dein Blick ist verzerrt vor Schmerz und du siehst so ungläubig aus. Kurz darauf gebe ich dir den Todesstoß, aber auch im Tod sahst du nicht friedlich aus. Ich will das nicht mehr sehen. Ob ich dieses Bild jemals aus meinen Gedanken bannen kann? Ich glaube nicht. Aber es ist auch nicht wichtig. Es wäre unbedeutend. Es würde nichts ändern.
Ich reiße meine Augen auf und wende den Blick ab. All' diese leeren Gräber. Einzig die Grabsteine werden an euch erinnern. Auch wenn diese bald moosbewachsen sein werden, werde ich mich an euch erinnern. An jeden einzelnen. An euer lachen. An eure Tränen. An eure Stimmen. Ihr hinterlasst tiefe Wunden. Aber das ist nicht wichtig. Es ist unbedeutend. Es wird nichts daran ändern. Ihr seid fort und ich bin noch hier. Wie sehr ich mir wünschte, dass es anders wäre. Das vielleicht ich an eurer Stelle wäre und ihr noch leben könntet.

.. aber das ist nicht wichtig. Es ist unbedeutend. Es wird nichts daran ändern.
Niemals.

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-Roman Reigns


Zuletzt geändert von Nokomis am 5. Jan 2015, 04:18, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 22. Dez 2014, 02:59 
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Wolfsblut Letticia Silberhauch

..Und jedes Mal fang' ich von vorne an.
Noch 'n Bier und ich fang' an dich zu vermissen,
ich melancholiere und ich fühle mich beschissen.
Du bist das Salz in meinen Wunden
in so endlos vielen Stunden..

Böhse Onkelz - Nur wenn ich besoffen bin

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..Der Mond spiegelt sich auf dem See, als wäre er selbst geradewegs in ihn hinabgestürzt. Neben ihm unzählige Sterne als würden sie vom Grund aus leuchten. Eine fast perfekte Illusion. Vom Winterwind getriebene Wellen zerstören das Spiegelbild, entlarven seine Unwirklichkeit. Laub treibt über das Land, wie ein natürliches Fangenspiel. Einzig der Windhauch, die Windböen singen noch ihr Lied mit den nackten Baumkronen. Die Stadt schläft bereits, die Straßen sind leer in diesem Viertel. Nur eine Person sitzt noch am See. Rabenschwarzes, schulterlanges Haar besitzt sie, unverwechselbare perlmuttfarbene Augen, porzellanartige Haut, hellrosane Lippen.
Letticia. Ihre einzige Gesellschaft ist wie so oft die Flasche, welche wie ein guter Freund neben ihr platziert wurde. Still, aber anwesend. In der Hand einen rauchenden Papierzylinder. Ein wohl beinahe gewohntes Bild von ihr. Doch statt einsame Melancholie findet man etwas vollkommen anderes im Gesicht der Gilneerin. Entspannung. Als wäre alles in Ordnung wie es in dem Moment wäre. Als würde es sie gar nicht stören. Vollends in Gedanken, bis sie einmal leise lacht - unendlich freudlos. Vielleicht ein wenig verstört. Dann ein Kopfschütteln, welches die Bilder vertreiben soll.
Einen Schluck mehr. Einen Zug mehr. ... und die Frau wird wieder ruhiger. Schließt die Augen. Lässt los.


Dieses Gefühl.. wenn Alkohol tiefe Nebelschwaden ins Gehirn bläst, dicht wie der über den Seen an einigen Morgen. Undurchdringbar, unheimlich und doch so anziehend. Wundervoll und doch unangenehm.
Dieses Gefühl.. wenn die richtigen Kräuter inhaliert die Emotionen abdämpfen. Als wäre man dick in Watte gepackt. Als wäre alles und jeder ganz weit weg. Als wäre man über den Wolken und niemand könne einen erreichen. So einsam, so allein, so ruhig, so entspannend. Wundervoll und doch unangenehm.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 5. Jan 2015, 04:15 
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Wolfsblut Letticia Silberhauch

Es tobt ein kalter Krieg in unsrem Land
Legenden nähren sich daran
Ein jeder Kämpfer auf der Hut
Gestählt von eisgem Todesmut
So hält er Wacht in jeder Nacht
Der Feind rückt näher, gebt gut Acht

Ignis Fatuu - Drachenreiter

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Unbarmherzig donnerte der Regen auf die Dächer der kleinen Siedlung. Prasselte auf Laub, ließ kleine Bäche auf dem geschundenen Land entstehen und spülte Blut mit sich. Viel zu viel Blut. Der schneidende Wind trieb die Tropfen von einer Seite zur anderen, kühlte die nasse Haut und schleuderte Haarsträhnen der, bis auf die Knochen nassen, Soldaten umher. Viele wurden gestützt, einige sogar getragen. Der letzte Kampf hatte viele Opfer gefordert. Nichtmal die Hälfte der Truppe hatte überlebt, etliche waren dem Tode nahe. Mit durch den Matsch schlürfenden Schritten kamen die Krieger Gilneas' immer näher an die Hütten heran. So langsam als wäre jeder Schritt eine weitere von vielen Belastungsproben, welche dem Volk momentan nur zu oft zwischen die Beine geworfen wurden. Wie Stöcker um einen nach dem anderen fallen zu sehen.
Letticia humpelte. Jede Belastung ihres Beines wurde sogleich mit einem heißen Brennen bestraft, jede Bewegung stieß glühende Dolche in die blutende Wunde. Keiner Sprach, einzig das Stöhnen der Verwundeten und das Schmatzen des Untergrundes verkündeten die baldige Ankunft. Endlich wurde es heller, endlich erleuchteten flackernde und vor Wassertropfen zischende Fackeln den Weg. Tanzende Schatten an den Gemäuern. Erst dann öffneten sich knarzend einige Türen, stapften Menschen auf die Wege und kamen auf die Kämpfer zu. Schnell wurden nach verletzte Soldaten in Häuser geschleppt und auch Letticia wurde nach einer Weile in eines gezerrt.
Vorsichtig entledigte sie sich ihrer Rüstung um das Ausmaß ihrer Wunde erkennen zu können. Die Klaue der Bestie hatte sie hart erwischt und einige beachtliche Kratzer seitlich ihrer Hüfte hinterlassen. Noch immer lief dunkelrotes Blut an ihr herab, zeichnete lange Striemen auf die blasse Haut. Ein Bewohner brachte der Scharfschützin Desinfektionsmittel, Tuch, sowie Nadel und Faden und eine entzündete Kerze. Mit bösen Vorahnungen fingerte die Frau nach der Flüssigkeit um diese kurz darauf auf das Tuch zu tropfen. Es war ein Geschirrtuch und somit unangenehm rau. Aber besser konnten die Anwohner beim besten Willen meist nicht aushelfen. Sie biss die Zähne zusammen und tupfte die Verletzung ab, säuberte diese. Die Miene verzog sich dabei schmerzerfüllt, ein Stöhnen oder Jammern verkniff sie sich allerdings erfolgreich. Nach der ersten Prozedur atmete sie durch. Ein kurzer Blick, ein knappes Seufzen als ihre Hand sich wieder hob um die Nadel und den Faden zu greifen - Dann ein Signalhorn. Hastig geblasen. Ein stummer Fluch entkam der Schützin. Die Behandlung musste warten und die Rüstung wurde wieder ordentlich verschnallt. Ein kurzer, prüfender Blick auf das Gewehr, ehe auch dieses wieder seinen Platz auf ihrem Rücken fand. Dann hinkte sie hinaus.

Die Stadt war in Aufruhr und durch den Regen hindurch sah die Frau schlecht, trotz zusammengekniffener Augen. Überall rannten Menschen durcheinander, schrien Kinder und kreischten die Frauen. Einige Bewohner versuchten das Chaos zu ordnen - dann erkannte Letticia Deans Silhouette. Mit brennenden Schmerzen bei jeder Bewegung macht sie sich auf den Weg zu ihrem Kameraden. "Dean..", sprachtsie den Kerl atemlos an, welcher sich dann auch umdrehte - und doch zuckte auch ihr Kollege bloß mit den Schultern. Suchend blickten nun zwei Augenpaare durch die Unordnung von Menschen.
Vereinzelt stürzren diese, gerade ältere taten sich schwer. Schmerzverzerrte Schreie mischten sich unter die Unruhe, als die anderen Gilneer panisch über die Gestürzten trampelten, Finger und Rippen knackend unter den Tritten nachgaben. Das Team drückte sich mit dem Rücken an eine Hauswand und noch immer versuchten sie den Grund zu des Signals zu erkennen. Dann ein Aufschrei, welcher allerdings halb von der Menge verschluckt wurde: "Süden!" Ein Ruck ging durch die Leiber der Heckenschützen, als sie dem Schrei folgten. Wie immer arbeiteten sie gemeinsam, der Kerl stützte die Dunkelhaarige, nachdem einige Stöße der Flüchtenden sie gefährlich ins Wanken gebracht hatten und auch sie sonst wohl unter den Füßen der Menge verendet wäre. Einmal am Boden kam kaum jemand wieder auf die Beine bei einer solchen ungebändigten Panik.
Angekommen atmeten die beiden tief durch, Dean ließ in dem Moment auch die Letticia los. Dann erkannten sie die Bedrohung. Eine ganze Schar Untoter war auf dem Weg zu ihnen. Unter der feindlichen Truppe gab es eine grässlich aussehende Monstrosität. Zusammengesetzt aus verschiedensten Leichenteilen konnte man teilweise sogar noch Gesichtsteile erkennen. Der Bauch war geöffnet und es dampfte aus ihm. Einige Innereien wurden über den Boden geschliffen und hinterließen schmierige Spuren. Es stank schon bald bis zu der noch erschöpften und verwundeten Truppe der Gilneer hinauf. Kurzerhand und ohne jegliche Aufforderung positionierten sie sich, wobei Letticia und Dean ein Stück abseits schlichen um nicht die eigenen Leute vor der Flinte zu haben. Für die Frau nicht sonderlich leicht durch das dichte, nasse Blattwerk zu wandern, biss der Schmerz doch noch immer so sehr an ihrer Hüfte. Doch sie wusste was zu tun war.

Es dauerte nicht lang bis die Gewalten aufeinander prallten. Die beiden Heckenschützen-Teams waren präzise, fällten einen nach dem anderen, wärend ein gilnearischer Magier mindestens ebenso unter den Untoten wütete. Die Nahkämpfer dagegen wurden mehr und mehr zurückgedrängt. Ihre Bewegungen wurden immer träger. Die letzten Schlachten und die Verletzungen forderten auch bei den hartgesotteten Soldaten ihren Tribut.
Die vier Schützen taten ihr Bestes um den Kameraden irgendwie Abhilfe zu schaffen - doch gegen die mächtige Gestalt der Monstrosität halfen keine Schüsse und so kam es, dass sie sich mit Leichtigkeit durch die Reihen auf den Magier zukämpfte. Gerüstete Männer wurden einfach zur Seite fortgeschlagen, Rüstungsmetall verbog sich und zerdrückte Knochen. Einige Genicke brachen von dem heftigen Schlag und kaum einer hatte noch die Möglichkeit zu schreien. Dann war das grauenhafte Wesen bereits an dem Magiewirker angelangt. Brüllend und gurgelnd Hieb es nach diesem und der Mann hatte alle Mühe den wirbelnden Fäusten auszuweichen. Zauber um Zauber stieß er gegen das Ungetüm.
In den Ohren Letticias begann es zu rauschen. Ihr war kalt. So kalt, als müsse sie erfrieren. Der Schwindel erschwerte die Konzentration. Und trotzdem schoß sie immer und immer wieder. Sie würde die Heimat nicht aufgeben! Keiner hier! So schüttelte sie den Kopf, versuchte die Gedanken zu ordnen um weitere Schüsse abzufeuern. Immer wieder der gleiche Ablauf. Laden, zielen, Untoter fällt.
Die Monstrosität hatte wärenddessen den Magier mit einem Schlag erwischt und ihm knackend die Knie gebrochen. Schmerzhaft verzog dieser das Gesicht und Tränen rannen aus seinen Augenwinkel. Dennoch gab er nicht auf – bis das Ungetüm seine geballte Faust auf ihn hinabsausen ließ. Knirschend brachen all' seine Knochen im Leib, Eingeweide wurden zerdrückt und der Mann platzte regelrecht unter der Wucht auseinander. Einzig eine unansehnliche Pfütze aus Blut, Innereien und Knochensplittern blieb von ihm übrig. Das Wesen leckte über seine Faust, wärend es sich umdrehte.
Die Soldaten aber aktivierten ihre letzte Kraft. Einer nach dem anderen begann zu knurren – die Truppe wandelte sich! Zwei von ihnen wandten sich von der Linie ab und stürzten sich zähnefletschend und kampfeslustig auf die Monstrosität und brachten diese mit reißenden Klauen und mit Bissen, welche ganze Fleischklumpen aus dem untoten Leib rissen, in große Bedrängnis.
Letticia rauschten noch immer die Ohren. Der Kampfeslärm – Schreie, Knurren, Jaulen.. Alles klang weit entfernt und allmählich begannen immer wieder Sterne für ihren Augen zu tanzen, welche sich nur mühsam wegblinzeln ließen. Unter ihr hatte sich bereits eine Pfütze ihres Blutes angesammelt. Sie selbst bekam nicht mehr mit wie er Kopf nach vorn auf den Boden kippte und ihre Finger die Waffe freigaben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 6. Jan 2015, 01:41 
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Wolfsblut Letticia Silberhauch

Ich spielte den Reigen der himmlischen Tänze
Wie in den Gedanken, die mich seither quälen
Doch weder Bilder noch Klänge noch Wort
Könnten beschreiben, Was an jenem Ort
mit mir geschehen, als ich dich geseh'n
Du in jener Nacht den Schein hast entfacht
Die Sonne die Sterne tragen Kunde von dir
Jeder Lufthauch erzählt mir von dir
Jeder Atemzug, jeder Schritt
Trägt deinen Namen weit mit sich mit.

Schandmaul - Dein Anblick

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Noch immer pocht mein Herz viel zu kräftig. Viel zu schnell. Es ist so ungewohnt es zu spüren, hatte ich es doch längst beinahe vergessen. Und nun entstaubt sich die Erinnerung daran mit jedem wuchtigen Hieb gegen meinen Brustkorb. So befremdlich, dass es mir unangenehm ist. Dass es mir schon beinahe Angst macht. Zuerst hatte ich gedacht, ich hätte geträumt. Aber er lag neben mir als ich erwachte. Es war kein Traum. Ich wüsste auch nicht ob es ein guter oder schlechter gewesen wäre - bis ich dieses mittlerweile so bekannt gewordene Gesicht sah. Es war kein schlechter Traum. Und dennoch spürte ich wie die Furcht und die Unsicherheit wie ein zähnefletschender Dämon in meinem Nacken saßen. All' die Begegnungen hatte mich so sehr verwirrt. Anfangs war es bloß ein Spiel mit dem Feuer. Er war nicht so langweilig gewesen wie alle anderen. Ich hatte gehofft nach ein wenig Ablenkung meinen eigenen Tod endlich in ihm gefunden zu haben. Scheinbar war er der gleichen Meinung gewesen - und nun war alles so anders. Der letzte Abend war so vertraut gewesen. So warm. Sonst war immer irgendwas zwischen uns gewesen und hatte die Hoffnung auf einen kleinen Fetzen Sicherheit vorgegaukelt. Und nun? Alles wie fortgeschmettert. Er war so nah wie kein anderer. Es machte mir unglaublich Angst, bereitete ungemeines Unbehagen.. trotzdem fühlte ich mich auf eine merkwürdig verdrehte Art so wahnsinnig geborgen und sicher in seiner Nähe. Brachte er die schmerzlich verdrängten Gefühle nun zurück? Spürte er es genauso?
Lange Zeit sehe ich in sein Gesicht. Er sieht so friedlich aus. So ruhig. Ich sehe aus dem Augenwinkel wie meine Hand sich sanft an sein stoppeliges Kinn legt, wie sie hauchzart über die raue Haut streift. Auch das verstand ich noch immer nicht. Warum konnte ich mich nie an ihm sattsehen? Warum genieße ich das Gefühl seiner Haut an meiner so sehr? Was fasziniert mich so an genau diesem Mann? Langsam schüttelt sich mein Kopf. Ich verstehe das alles nicht. Ob ich es irgendwann begreifen werde? Wie es ihm wohl geht? Er war immer so stark. Er wollte immer stark sein. Doch er ist mindestens genauso zerstört wie ich. Die Narben auf seiner Haut finden sich in viel schrecklicherem Ausmaße auch auf seiner Seele wieder. Sie spiegeln sich in den oft so ausdruckslosen Blick. Er trägt sie mit sich, und schiebt sie doch von sich fort. Umhüllt sich mit Kälte und trägt seine Maske. Immerzu. Ob ich ihn mittlerweile kenne? Oder bilde ich es mir ein? Will er, dass ich so denke wie ich es tu? Vermittelt er mir mit Absicht ein gewisses Bild von sich? Oder ist er es wirklich? Achtsam fahren meine Finger durch das blonde Haar, streichen über das Gesicht und legen sich dann an seinen Hals.
Ob wir uns gegenseitig wirklich helfen können? Oder werden wir bloß zusammen in den Abgrund stürzen, ohne Boden unter den Füßen und in die ewige Dunkelheit? Verlieren wir uns immer mehr oder halten wir uns gegenseitig zusammen? So viele Fragen auf die ich die Antwort selbst nicht kenne. Ob ich ihm das alles antun kann? Wie viel Wahrheit steckt in dieser Situation und wie viel ist bloß die Illusion, der Schein des Rausches gewesen? Seufzend rutsche ich ein wenig näher an ihn heran und lege meine Stirn an seine Halsbeuge. Ich verstecke mein Gesicht und versuche meine Gedanken ruhigzustellen. Tatsächlich beruhigt mich sein ruhiger Atem und sein warmer Körper an meinem. Nach wenigen der hektischen Schläge meines Herzens kann ich das Gewicht seines Armes auf mir fühlen. Ich fühle mich sicher. Bevor mich die Müdigkeit übermannte konnte ich noch immer keine zufriedenstellende Antwort festlegen. Was würde der richtige Weg sein?

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 6. Jan 2015, 14:48 
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Ich höre Dir zu, Ich lese es in deinen Augen.
Da wohnt noch viel mehr.
Das Leben war nicht immer fair zu Dir
du hast so viel erlebt
und vielleicht noch mehr.
Du schaust auch zum Himmel auf
Und siehst es nicht.
Und kein Stern der die Nacht erhellt
Du kennst auch das Gefühl Fremdkörper zu sein.
Nicht von dieser Welt.
Es zerrt, es reisst in deinem Hirn
Doch es tut dir längst nicht mehr weh,
längst nicht mehr.. weh.

Callejon - Fremdkörper

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Die Nacht ist längst in tiefe Dunkelheit getaucht als ich die Straße entlanggehe. In einigen Häusern brennt noch Licht und aus dem Freudenhaus hallen eindeutige Geräusche. Die Gesänge und das Schlürfen der Betrunkenen schallt von den Wänden der Gassen hier in der Altstadt wieder. Dann habe ich mein Ziel bereits erreicht. Ich drücke die schwere Tür des 'pfeifenden Schweins' auf und mir kommt sogleich eine Rauschschwade entgegen. Die Luft in dem Raum ist verbraucht, stickig und stinkt nach kaltem Qualm, nach Blut, Alkohol und Schweiß. Ich rümpfe meine Nase nicht und trete einfach durch den Raum. Ich weiß, dass sie mich ansehen aber ich habe keine Lust in die Gesichter zu blicken. Versoffene Menschen mit verzerrten Fratzen. Immer wieder die gleichen uninteressanten Gespräche. Wieder und wieder irgendwelche Pärchen, in ihrer großen Pseudoliebe. Selbsternannte Helden, welche sich mit erfundenen Erlebnissen schmücken. Ich spucke auf den Boden, so sehr widern sie mich an. Reese, der Wirt, schaut nicht sonderlich erfreut darüber, aber er er übergibt mir den Whiskey, welchen ich immer trinke.
Meine Augen wandern durch die Halle und nun sehe ich doch durch die Reihen der Anwesenden. Zuerst bloß auf die Bekleidung, dann auf die Waffen. Schlussendlich sehe ich in die Gesichter, auf die Gesten. Meine Mundwinkel zucken in die Höhe und ich schüttle den Kopf. So viele offensichtliche Lügen. So oft blauäugig und naiv geglaubt. Kaum einer hinterfragt hier. Es geht einfach bloß um eine schnelle Nummer. Wie die Tiere. Diese lüsternen Augen, welche diese Aushilsdirnen immer fordernder mit den Blicken entkleiden. Bin ich denn die einzige mit Verstand in diesem Raum? Oder bin ich so anders? Wärend das trunkene Gesäusel weitergeführt wird, versinke ich ein weiteres Mal in meinen eigenen Gedanken.
Der Whiskey brennt in meinem Rachen, meine Zigarette scheint mir mit ihrem dicken Qualm die Luft nehmen zu wollen - Aber das ist alles vollkommen in Ordnung so. Ich bin es gewohnt und ich gebe mich lieber dem absoluten und vollständigen Rausch hin, als diesen schmierigen Männern. Immerhin ist dieser eben erwähnte Rausch kein Fremder mehr für mich. Schon so oft schlief ich in seinen Armen ein, trocknete er mir die Tränen - und ließ meine Gedanken schweigen.
Ja. Es war besser ich dachte nicht so viel nach. Wieder sehe ich einen Paar, welches die Nasenspitzen aneinander rieb. Ich musste schmunzeln. Vor allem über sowas nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 6. Jan 2015, 19:40 
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Ich schlaf am Tag, jag in der Nacht,
bin wie ein wildes Tier
Du singst das Lied, das ich dir schrieb,
der Wind trägt kund von dir
Ich seh dich an dem Brunnen stehn,
lieg lauernd tief im Gras
Erwacht in mir die Erinnerung,
mein Herz dich nie vergaß
Oh Mädchen, Mädchen komm zu mir,
Ich sehne mich so sehr nach dir
Auf meiner Seele liegt ein Fluch,
erlös mich durch den Zauberspruch

Ignis Fatuu - Zauberspruch

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Wie sich die Wandlung anfühlt haben sie gefragt. Ich erinnere mich nur ungerne an das Gefühl. Es sind physische Schmerzen einer ganz eignen Art. Höllenqualen, die allerdings nicht davon abhalten es wieder zu tun wenn es nötig ist. Eine vollständige Umwandlung deines Äußeren, wärend du innerlich kämpfst die Kontrolle auch unter dem Schmerz zu halten und sie nicht dem Monster in dir zu überlassen - was ein absolutes Blutbad nach sich ziehen würde.
Es fühlt sich an als würdest du innerlich kochen, als würde dein Blut sieden und all' deine Arterien und Venen veröden. Als würde jeder deiner Knochen im Körper brechen. Du fühlst wie sie sich unter deiner Haut verschieben, als wären es irgendwelche Parasiten. Dein Zahnfleisch schmerzt, wärend dein Gebiss sich verändert und zu einer tödlichen Waffe wird. Du wirst glauben, dass deine Haut unter der enormen Masse und Last der wachsenden Muskelmasse und der Änderung deines Skeletts auseinanderreißen oder schlichtweg platzen müsste. In deinem Kopf wird es laut und du musst das Wesen unterdrücken, du musst die Kontrolle behalten, so sehr es auch tobt. Schlussendlich wirst du von all' den intensiven Reizen nahezu umgehauen, sie werden dich im ersten Augenblick ablenken, werden dich vielleicht sogar verwirren. Feinmotorische Angelegenheiten sind kaum noch möglich und deine Gefühlswelt spielt Achterbahn. Auf und ab, von Zorn zu Furcht. Wut. Aggression. Aber du musst ruhig bleiben. Gebe dich den Reflexen, den Instinkten hin und sei blutrünstig wenn du kämpfst. Aber achte darauf dich früh genug wieder zu zügeln. Manchmal ist es eine schwere Probe, aber es wird alles besser mit der Zeit. Wenn du dich dann zurückverwandelst hast ist es weniger schmerzhaft, aber du wirst dich danach fühlen als hättest du ewig nicht geschlafen, Tage keine Nahrung zu dir genommen. Du wirst völlig erschöpft sein von der Anstrengung und von deiner inneren Gewalt. Die Wandlung ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch eine psychische Herausforderung, die du nicht unterschätzen solltest. Vielleicht nennt man die Kampfform auch nachdem sie ihren Nutzen bewiesen hat noch immer einen Fluch.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 7. Jan 2015, 02:05 
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Wolfsblut Letticia Silberhauch

Ich wurde in ein Tal erhoben
Da waren Schatten des Todes
Kam lebend heraus aber mit Narben,
die ich nicht vergessen kann
Wir haben alle unsere Dämonen und
Schrecken gegen die wir kämpfen
Aber wie kann ich gewinnen wenn ich gelähmt bin?
Sie kriechen auf mein Bett,
hüllen ihre Finger um meinen Hals
Ist es das, was ich bekomme
für die Entscheidungen die ich machte?

Bring me the Horizon ft Lights - Don't Go

______________________________________________________________

Es war bereits später, zwischen den Gebäuden hindurch konnte ich sehen wie die Sonne das Meer küsste um sich schon bald in seine Umarmung zu flüchten um endlich lang ersehnte Ruhe zu erhalten und den Mond mit seinem kalten Licht die Welt erhellen zu lassen. Es war kalt, jedoch war der Wind in Sturmwinds Herzen lang nicht so scharf und so strich er mit seiner sanften Kälte über freiliegende Haut und über das Haar, umspielte dieses und zog dann weiter. Der Schauer, wurde beinahe wohlig durch die Berührung ausgelöst. Vereinzelt zogen Menschen vorrüber, wie Marionetten ohne Gesichter, hastig und mit abgehackten Bewegungen. Der See zu meiner rechten hingegen war wunderschön anzusehen - wie immer. In das Rot des Sonnenuntergangs getunkt spiegelte er auch heute die Lichter, umgarnte diese mit weichen Wellen. Ich lehnte mich zurück, ließ meine Schulter stützend gegen den eisigen Stein der Kathedrahle sinken. Dort drinnen erhob sich kräftig eine weibliche Stimme. Selbst hier hörte ich ihre Worte, wenn auch verzerrt durch den Hall der schier endlosen Räumlichkeiten. Meine Augenlider bedeckten das immerzu frostige Perlgrau meiner Augen, ließen mich in kühner Blindheit an diesem Ort zurück. Die Priesterin sprach kräftig doch jedes ihrer Worte klang radikal, fast fanatisch und die Intoleranz schien aus ihren Lippen zu fließen wie flüssige Lava aus einem Drachenmaul. Zerstörerisch und lebensgefährlich auch wenn es noch so schön erscheint. Ich lauschte noch eine ganze Weile angestrengt, versuchte das Echo zu filtern und ihre Sätze zusammenzusetzen. Ein knappes Kopfschütteln verleitete mich dazu die Lider zu heben und mir die Sehkraft zurückzugeben. Ich stieß mich von der Wand ab, wollte keinen weiteren Ton der Priesterin vernehmen müssen. Aber es ließ mich, wie so vieles, in meine Gedankenwelt sinken. Dort wo es dunkel war. Wo Schatten vorherrschten und ich jedes Mal das Gefühl hätte ich müsste in der eiskalten Leere erfrieren. Dort wo die Luft so kalt war, dass sie mir im Halse stecken blieb und ich drohte zu ersticken. Wie in Trance schob ich meinen Körper durch die Gassen und Straßen Sturmwinds, blieb zwischendurch stehen um einige Blicke zu erhaschen. Vielleicht einzig auf der Suche nach einem Lächeln. Aber alle waren viel zu beschäftigt oder niemand war da. Weder fremde noch bekannte Gesichter. Ich atmete tief durch, sog die kalte Luft tief hinein, spürte das stechen meiner Lunge und entließ meinen Atem in einer transparenten Wolke, welche sogleich vom Wind erfasst von mir gerissen wurde. Ob ich schon wieder den falschen Weg gegangen war? Ich ließ meine Augen über die Umgebung wandern. Meine Entscheidungen hatten mich an genau diesen Punkt gebracht. Verdient ist verdient. Die Schlinge zog sich fester um meinen Hals und gab mir so den Anreiz meine Füße wieder langsam und schlürfend voreinander zu setzen. Irgendwann erreichte ich die Tore der Stadt und verließ diese ohne es wirklich mitbekommen zu haben. Ohne mich an den Weg erinnern zu können. Meine Schritte führten mich durch den dichten Wald. Das Blätterdach verschluckte jeden Strahl des mittlerweile am Himmel stehenden Mondes und so lag der Weg so düster wie meine Gedanken vor mir. Ich wusste selbst nicht wohin ich gehen würde, verloren in meinem Kopf irrte ich einfach umher, ließ mich von meinen Beinen in irgendeine Richtung tragen. Dorthin wo mein Gefühl mich hinretten wollte. Mein Blick war gesenkt und auch die durch das Geäst huschenden Tiere hörte ich nur weit entfernt. Sie drangen nicht zu mir, ihrem ungebetenem Besuch, hindurch. Vor einem nicht allzu steilen Abhang erstarb die automatische Fortbewegung meines Körpers. Nicht weit entfernt hörte ich das Meer rauschen und gegen Klippen schlagen. Ich spürte den Wind auf meiner Haut und vernahm sein Schreien, wenn er am Stein zerbrach. Den salzigen Duft des Wassers in der Nase legt sich mein Kopf in meinen Nacken um nach oben zu spähen - und ich wusste was mein Körper mir unterschwellig zu flüstern versuchte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 25. Nov 2015, 07:35 
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Ich taumle weiter.
-Vorwärts!
-Abwärts!
In meinen Adern fließt das schwarze Blut.
Ich trag die Wahrheit auf der Zunge.
Ich trage nur das Schwarz, das mir gefällt.
Ich trag' auf meinen schmalen Schultern
wie Atlas schwer die Last der ganzen Welt.

ASP - Schwarzes Blut

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(Part I)

Das Wasser ist so kalt auf meiner Haut und ich bekomme bereits Atemnot. Bloß nicht dem Reflex nachgeben und zappeln. Das macht es bloß noch schlimmer. Rufe ich mir ins Gedächtsnis. Dann kommt der erlösende, wenn auch schmerzhafte Zug an meinen Haaren. Ich atme tief durch. Kaum zu glauben wir kostbar einem die Luft manchmal vorkommen kann. Ich lasse meine Augen verschlossen. Es ist ohnehin zu dunkel. Und das nächste unfreiwillige Bad folgt bestimmt.
"Was ist passiert?!", bollert der kräftige Kerl hinter mir los. Immerhin stellt er nun endlich Fragen. Vielleicht erfahre ich nun, warum sie meinen Kopf immer wieder in das Wasserbecken drücken. Ich japse noch immer nach Luft als ich zur Antwort ansetze. "Er hat mich jede Nacht -" Der Typ lässt mich gar nicht zu Ende sprechen. Ehe ich mich versehe befinde ich mich wieder im kalten Nass. Herzschläge verstreichen. Mein Atem geht mir aus und die Luftblasen huschen aus mir heraus, an meinem Gesicht vorbei um an die Oberfläche zu gelangen. Würde ich auch gern können. Dann werde ich wieder rausgerissen.
"Was ist passiert?!", brüllt er mich wieder an. "Er hörte nicht auf!" versuchte ich den Kerl zu beschwören. Das wollte er wohl auch nicht hören. Ich finde meinen Kopf unter Wasser wieder. Dieses Mal wartet er noch ein wenig länger. Auch wenn ich eben noch daran dachte es nicht zu tun beginne ich schlussendlich zu zappeln. Ich versuche mich zu befreien. Bekomme es mit der Angst zu tun. Die mir die Luft nur noch knapper werden lässt. Ein Ruck an meinem Haar und ich kann wieder atmen.
"Was ist passiert?", er wird ruhiger. Dafür klingt seine Stimme nun viel bedrohlicher. Ich hingegen beginne allmählich einzuknicken. Meine Kraft verlässt meinen Körper. Ich beginne zu zittern. "Bitte..", flehe ich den Kerl an. Doch noch bevor ich um Gnade betteln kann drückt er mich wieder runter. Meine Lunge brennt. Es tut weh. Und dieses Mal gelangt sogar Wasser in meine Luftröhre. Als er mich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder heraus holt huste ich es heraus. Es ist schmerzhaft.
"Was ist passiert?" Ich kann es nicht mehr hören. Ich merke wie sich zu der Hilflosigkeit nun Verzweiflung gesellt. "Es war meine Schuld", drücke ich hervor. Ich bin noch immer außer Atem. Aber ich bemerke, dass der Mann sich zu mir hinabbeugt. "Braves Mädchen..", flüstert er in mein Ohr. Dann drückt er meinen Kopf zur Seite, schubst mich so fort und ich falle kraftlos auf den kalten Steinboden. Der Stoßt sticht durch meine Handgelenke als mich diese abfangen. Es wird kurz heller als der Typ den Raum verlässt und ich nun wieder einsam in der Dunkelheit verbleibe. Tränen steigen in mir auf und ich beginne zu schluchzen. Ich weiß mir nicht zu helfen und es ist so ungerecht. Es ist so ungerecht! Ich lasse mich kurz zu einem Gefühlsausbruch hinreißen, ehe ich mich wieder sammle um die Mauer zu suchen, zu ihr zu krabbeln um mich an sie zu lehnen. Und ich finde sie, drücke meinen Rücken an die Wand und ziehe die Knie an mein Kinn, während meine Arme meine Beine umklammern. Irgendwann schlafe ich dennoch ein. Ich bin müde.

Von Tag zu Tag werde ich kraftloser. Ich habe hier kein Licht. Keine Nahrung. Nichts und niemanden. Ich sitze hier und warte. Warte darauf, dass sie über mein Schicksal entscheiden. Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen ist, seit das letzte Mal jemand hier war. Ich starre in die Leere, als das Schloß klackt und die schwere Tür sich kratzend öffnet. Der Lichteinfall ist schwach, dennoch muss ich blinzeln und brauche einige Augenblicke um mich an ihn zu gewöhnen. Es ist der bullige Kerl vom letzten Mal. Ich versuche vor ihm zu flüchten, mich mit Händen und Füßen gegen ihn zu wehren - aber ich bin ausgelaugt und habe keine Chance. Sein Griff ist fest und allein damit fügt er mir bereits Schmerzen zu und lässt mich leise fluchen. Er fesselt meine Hände aneinander und hängt mich so an die Wand. Ich kann gerade noch auf meinen Zehenspitzen stehen.
"Was ist passiert?!", beginnt er wieder. Ich ahne jetzt bereits wieder furchtbares. Aber dieses Mal kommt es schnell wie die Kugel den Lauf verlässt. "Es war meine Schuld". "Und was ist deine Schuld?" - "Ich habe ihn dazu gebracht" ich bin unsicher, als ich antworte. Und meine Vorahnung bewahrheitet sich, als der Mann mir den Kopf zur Seite schlägt. Der Treffer dröhnt nach.
"Was ist deine Schuld?!" So schnell verliert der Hüne seine Geduld. Ich habe Angst. Ich zittere und überlege was ich sagen könnte. Wohl zu langsam, denn der nächste Schlag lässt nicht lange auf sich warten. Wieder zuckt mein Kopf zur Seite. Mein Nacken schmerzt. Und meine Ohren beginnen zu rauschen. Dennoch höre ich mich schluchzen. "Bitte", entrinnt es meiner Kehle und tatsächlich hält der Muskelprotz vorerst inne. Jedenfalls bis das Dröhnen meines Kopfes einer Taubheit weicht.
"Was ist deine Schuld?!" Ich atme tief druch. "Es ist nur meine Schuld. Er hat nichts getan." Stille. Der Kerl steht bewegungs- und wortlos einfach vor mir. Lange hält er so inne. Dann streckt er sich zu meinen Händen hoch und hakt mich von der Wand ab. Meine Knie sind weich. "Überleg' dir jetz' schonma' was du das nächste Ma' sagst, Weib!" Mit dem Ende seines Satzes vergräbt er seine Faust in meinem Magen - und geht. Meine Beine geben nun vollends unter mir nach und ich muss würgen. Aber ich spucke bloß Galle. Da ist schließlich nichts mehr in meinem Magen. Dieses Mal dauert es etwas länger bis ich mich fangen kann. Ich bewege mich nicht mehr. Bleibe einfach liegen wo er mich ließ. Ich kann nicht mehr. Und irgendwann schlafe ich auf dem kalten Boden ein. Ich bin so müde.
(...)

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 27. Nov 2015, 01:46 
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Die zähe Lache geronn langsam
meine Liebe kam zu spät
die klaffenden Wunden an den Häuptern
schelmisch grinsend sprudelte das Blut
und in der Blutlache spiegelte sich
erneut meine eigene Angst
Ich sah den Tod lächeln

Goethes Erben - Ich möcht' nicht länger

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(Part II)

Immerhin ein wenig Brot und Wasser hatten sie mir gebracht. Noch immer sitze ich in dem dunklen, kleinen Raum. Ich bin noch immer hungrig, aber es war eine kleine Abhilfe. Es hält mich am Leben. Die schwere Tür schiebt sich auf, wieder der kleine Lichtschimmer - und wieder der Kerl. Der Kerl, den ich eigentlich schon lange nicht mehr sehen will. Ich versuche gar nicht erst zu fliehen. Der Mann baut sich vor mir auf, zieht mich am Kragen auf die Beine und zerreißt dabei mein Oberteil. Ich schließe die Augen. Kann mir bereits denken was nun kommt. Auch wenn ich es nicht wahrhaben will, es gibt nichts was es nun ändert. Was ihn aufhält. Heute ist er weniger kreativ. Ich werde nirgendwo aufgehangen als seine Faust das erste Mal - für heute - gegen meine Rippen schlägt. Es treibt die Luft unsanft aus meiner Lunge heraus und ich taumle zur Seite, werde aber von ihm abgefangen und gleich wieder am bereits angerissenen Shirt von ihm zurückgezogen. Dieses Mal schlägt er vergräbt er die Faust in meinem Magen. Ich würge. "Ich bin schuld!", spreche ich dann in der Hoffnung mich zu erlösen. Aber er reagiert nicht darauf. Es folgen weitere Schläge und er treibt mich zurück bis mein Rücken an die Felswand gedrückt wird. "Ich bin schuld! Ich bin schuld!" Hoffnungslose Wiederholungen. "Keiner sonst", füge ich schmerzverzerrt hinzu. Aber er stoppt nicht. Irgendwann geben meine Beine nach. Es rauscht in meinen Ohren. Der kleine Lichteinfall von draußen beginnt vor meinen Augen zu flimmern. Er will mich an der Kleidung wieder auf die Beine ziehen, allerdings gibt diese mit einem reißenden Geräusch nach und ich falle wieder zurück. Dafür verpasst der Kerl mir eine heftige Ohrfeige. "Dumme, kleine Schlampe!", poltert er mich an, als er mich aus der knienden Position auf die Seite tritt. Mein Ellenbogen kann meinen Körper dabei kaum noch abfangen. Ich habe nichtmal mehr die Kraft um zu weinen, versuche aber mich ein wenig von ihm wegzuschleppen. Distanz zu schaffen. Vergebens. Ich spüre einen Tritt in meine Seite, welcher mich herumschleudert. Ich stöhne auf. Liege nun auf dem Rücken. Ich habe keine Zeit überhaupt einen Gedanken anzufangen, da hockt der Kerl schon über mir. Seine Finger verfangen sich in meinem Haar, ziehen meinen Kopf in seine Richtung. "Ich sollte dich nun einfach hernehmen, du Miststück! Bis du blutest wie ein abgestochenes Schwein!" - "Bitte.." Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Er haut meinen Kopf auf den Steinboden. "Wer hat dir das angetan?" Ich höre das hässliche Grinsen des Mannes als er seine Frage stellt. "Geht keinen etwas an. Ich bin selbst schuld.." Ein weiterer Tritt trifft meine Seite. Dieses Mal unterhalb meiner Rippen. "Du lernst. Lass es kein zweites Mal dazu kommen." Der Kerl lässt von mir ab. Er lässt die Tür geöffnet. Schließlich habe ich meine Lektion gelernt. Aber jetzt kann ich nicht aufstehen und gehen. Mir wird schwarz vor Augen und mein Bewusstsein entgleitet mir. Ich bin viel zu müde. Furchtbar müde..

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 Betreff des Beitrags: Re: Wolfsblut
BeitragVerfasst: 26. Aug 2016, 18:53 
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Wolfsblut Letticia Silberhauch

Diese Zeit, dieser Platz
Missbraucht, Fehler
Zu lang, zu spät
Wer war ich, Dich warten zu lassen?
Nur eine Chance
Nur ein Atemzug
Nur für den Fall, dass dort noch einer übrig ist.

Nickelback - Far Away

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Ich höre noch immer die Stimmen flüstern: Er wird es nicht schaffen, er ist zu weich zu jung. Das Schlachtfeld ist ungnädig, es hält nicht vor Halbstarken. Beinahe hätte ich seine Angst schmecken können, so sehr schwebte sie im Raum. Er wusste es selbst, auch ohne die Wisperstimmen.

Der Weg war matschig, der Regen prasselte noch auf uns ein als wir als geschlossene Gruppe zu unserer Position stapften. Svhmatzende Stiefel hinterließen Furchen, trampelten alles nieder, was nicht längst tot war. Er versuchte seine Züge und Gesten unter Kontrolle zu halten, aber es gelang ihm nicht die Nervosität zu verbergen.

Wir lagen zwischen den Büschen, das Leder sog sich voll, inhalierte das Regenwasser und unser Gewicht im Matsch ließ Pfützen um uns entstehen. Die anderen standen zwischen den Bäumen, die Waffen gezückt und bereit jeden Moment vorzutreten und in den Kampf zu schreiten. Wir konnten den Pfad kaum sehen – aber so konnten auch sie uns kaum ausmachen. Irgendwo war auch er. Zitternd und betend.

Zuerst lief ein Späher den Pfad entlang. Er lief zurück, ein zweiter kam hervor. Sie wechselten sich ab, so musste die Gruppe nicht anhalten. Trotzdem dauerte es, bis die Feinde in unser Blickfeld traten. Unsere Waffen waren bereit und die Munition griffbereit. Wir wurden noch nicht entdeckt. Ein kurzer Blick über die Schulter ließ ihn mich sehen. Er war rot auf den Wangen, während das restliche Gesicht leichenblasse Farbe angenommen hatte. Der Befehlshaber ließ uns weiterhin warten. Erst als die feindliche Gruppe vollständig an uns vorbeigezogen war und noch einige Meter weiter gab er uns ein Zeichen. Angriff! Die Soldaten schlichen zuerst um dann aus der Überraschung heraus in den feindlichen Rücken zu fallen. Noch bevor sie wussten was geschah und auch lang bevor sie sich positionieren konnten waren bereits einige von ihnen gefallen. Es lief gut für uns. Keiner war in Überzahl, aber wir hatten sie überrascht. Und wir Heckenschützen würden sie gleich ein weiteres Mal kalt erwischen.

Das Getümmel war in vollem Gange und ich liste durch das Fernglas meiner Waffe, während unsere Schüsse präzise einen nach dem anderen leblosen in sich zusammen fallen ließen. Wenige unserer Soldaten waren gefallen, wir hielten ihren Rücken frei. Dann erspähte ich ihn. Er war in Bedrängnis geraten. Sein Gesicht war vor Anstrengung uns Angst verzogen, die Grimasse nass, matschig und gesprenkelt von Blut. Ich wusste nicht wessen Blut es wohl sein könnte, aber er sah unverwundet aus. Seine Rüstung dagegen hatte bereits einige Kerben geschlagen bekommen. In dem Moment trat ein weiterer Krieger von hinten an ihn heran. Dieser war sicher eineinhalb Köpfe größer als der Junge – und dann holte er aus.

Schreie halten in der Luft, Schwerter und Schilde, Schüsse und all sie anderen Waffen sangen miteinander. Der aufgeweichte Boden war rutschig und wurde immer tiefer unter schweren Stieltritten. Kommandos wurden gebellt, Schmerzen und Angriffsschreie gebrüllt, die Verletzten klagten laut, sofern sie das noch konnten. Wild peitschen trieb der Wind Äste und Blätter vor sich her. Dicke Regentropfen zerplatzten an Rüstungen und uns Schützen floss das Wasser in die Augen. Mein Leib war eiskalt und völlig durchnässt. Meine Augen brannten bereits und meine Hände und Arme wurden immer schwerer. Alle Gedanken waren auf die Schüsse konzentriert, viel mehr ließ mein Verstand nicht mehr zu. Er stand noch, ich hatte den großen Kerl sauber treffen und mit einem Schuss niederstrecken können.

Wir hatten sie schon beinahe besiegt, als die ersten ihr Heil in der Flucht suchten, während andere noch tapfer und wild gegen uns standen. Auch einige Männer von uns waren gefallen. Wir hatten nicht alle retten können. Wie auch. Jeder wusste, dass er eventuell sterben könnte bei der Mission. Wie bei nahezu jedem Auftrag. Das war unser Leben und würde für die meisten auch immer so bleiben. Das Unwetter zog immer weiter zu, die Wolken ließen den Mond kaum noch Licht spenden. Donner und Blitze kamen hinzu, immerhin sahen wir uns nun immer wieder für wenige Sekunden. Und natürlich auch die anderen. Es wurde immer wirrer vor unseren Läufen, die Sicht immer schlechter. Da war er. Ein weiteres Mal in Bedrängnis und ein weiteres Mal schoss ich ihn frei. Sein Blick streifte meinen Busch und er nickte, er bemerkte nicht wie sich hinter ihm ein Langschwert bereit machte. Mein Kollege zielte bereits. Mit dem nächsten Blitz schoss er, auch wenn er kurz erschrocken zuckte. Dann fiel er. Der andere Schütze hatte den Lauf verzogen. Ich suchte ihn zwischen den ganzen trampelnden auf dem Boden und fand ihn. Seine Hände legten sich auf eine starkblutende Wunde an seinem Hals. Er röchelte, Blut quoll aus seinen Mundwinkeln. Er würde sterben. Und er litt. Noch bevor ich ihm einen Gnadenschuss geben konnte zertrat ein Soldat sein Knie unter schweren Platten. Sein Gesicht war vom Schmerz verzogen als ich ihn traf.
Es tut mir leid.

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