Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Geschichten außerhalb des WoW Universums
BeitragVerfasst: 5. Mai 2015, 00:39 
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I.I.

"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen."
Nicht du schon wieder, dachte Pater Salem im Stillen und bekreuzigte sich aus reiner Gewohnheit.
"Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir die wahre Erkenntnis deiner Sünden und seiner Barmherzigkeit."
Der hölzerne Beichtstuhl knarrte leise, als der Mann auf der anderen Seite sich bewegte. Salem stellte sich vor, wie er seine geschmeidigen italienischen Naturlederschuhe auf der Fußablage abstellte, einen kurzen Blick auf seine Rolex warf und sich danach über das teure Designerhemd strich.

Du bist ein Arschloch, Joel Adams, ein hochmütiges, eitles Arschloch.

Der modrige Geruch nach alten, abgestandenen Sünden bescherte Salem eine saftige Migräne, die bereits im Anfangsstadium seinen Kopf dröhnen ließ. Hier im Beichtstuhl, in diesen engen, dunklen vier Wänden, kam er sich vor wie eine Ratte im Schuhkarton.
Die Schritte über den Kirchenboden hallten drei Mal so laut hier drin. Er erkannte an der Art, wie sie über den alten Boden schlurften, schritten oder trampelten, die Mitglieder seiner kleinen Kirchengemeinde.
Seine Schäfchen.

Bis auf wenige Ausnahmen waren seine Schäfchen schwarz wie das Innere eines alten Ofenrohres.

"Es ist eine Woche her, seit ich meine letzte Beichte abgelegt habe."
Ja, Salem erinnerte sich noch genau. Der nicht allzu reuige Sünder beehrte ihn fast wöchentlich und berichtete ihm detailliert von seiner Affäre mit Suzie March, der Innenarchitektin jenseits jeglichen Geschmacks, die er seinen Kunden als Aufwands- und Planungsstunden anrechnete.
Jede zweite Woche schummelte er sich bei seinen Steuerzahlungen durch und gab das Geld lieber für einen neuen Sportwagen, einen größeren Fernseher, oder eine billiges Nümmerchen mit einer Nutte aus.
Und alle drei bis vier Wochen lief ihm seine Ehefrau in die geballte Faust.
Als man ihn nach Statham versetzt hatte, war er noch von göttlichem Eifer erfüllt gewesen und hatte versucht, seine Schäfchen mit seinem Hirtenstock in die richtige Richtung zu scheuchen.
Heute prügelte er gedanklich mit dem selben Hirtenstock auf sie ein.

"Ich habe Ehebruch begangen, Vater..."
Sein Blick fiel auf die Spitze einer unauffälligen, braunen Papiertüte, die unter seinem Sitz heraus blitzte. Er sah auf die Uhr und beschloss, dass 10 Uhr morgens ein guter Zeitpunkt war, um mit dem Trinken anzufangen.
"... mindestens acht Mal in dieser Woche."

Salem verdrehte die Augen und nahm einen Schluck Single Malt. Der scharfe Alkohol brannte in seiner Kehle, aber nicht deshalb verzog er das Gesicht; Joel Adams ging ans Eingemachte und erzählte von Suzie auf dem Schreibtisch, Suzie unter der Dusche, Suzie auf der Kommode, Suzie auf der Couch, Suzie auf dem Stuhl, Suzie zwischen Tür und Angel. Aber zumindest trieb er es nicht mit ihr in seinem -
"...Ehebett. Ich weiß, dass es vielleicht nichts bedeutet, aber das Ehebett... Ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen."

Glückwunsch, du Stück Scheiße.

Nach zehn Jahren als Beichtvater Stathams konnte Pater Salem nichts mehr aus der Fassung bringen. Es gab nichts, absolut gar nichts, das die Bewohner von Statham im Sündenkatalog ausgelassen hatten.
Ehebruch... ach. Statistisch gesehen dürfte es keinen treuen Ehemann und keine treue Ehefrau in Statham geben. Joel Adams war nur die Spitze des Eisberges, wenn man nur an den alten Sullivan dachte, der für mehr Scheidungen verantwortlich war, als die obligatorische Sekretärin eines jungen, potenten Managers.
"... als Jennifer mir an dem Abend diese Vorwürfe gemacht hat, verstehen Sie, Pater, Vorwürfe! Den ganzen Abend über, oh Gott, ich konnte nicht anders..."
Salem dachte an die arme Jennifer, deren Vater erst vor kurzem überraschend an einem Herzinfarkt gestorben war, während ihre Mutter zwar ihre Krebserkrankung besiegt hatte, aber nur langsam wieder zu Kräften kam. Damit nicht genug belastet, hatte sie auch noch vor Jahren ein Arschloch vor Gottes Angesicht geheiratet, das sie wiederholt betrog und schlug. Arme Jennifer, dachte Salem erneut.

Statham war ein Pfuhl, einer wahrer Sumpf und niemand wusste das besser als Pater Salem.
Schaudernd dachte er an den Mord an Lulu DeWitt und schielte wieder auf die braune Tüte. Lulu - die Spitze des Gewaltexzesses, der täglich in Statham ausgelebt wurde.
Gewalt in allen Formen und Farben, von innerehelicher Gewalt, bis hin zu sadomasochistischen Sexspielen in einer kleinen Gruppe, die sich als 'Freunde schöner Worte' tarnte , und jeden Freitag Abend ihre Spielchen zelebrierte. Vergewaltigungen, wovon nicht wenige ihm gebeichtet worden waren. Nicht, weil die Täter bereuten, oder realisierten, was sie ihrer Frau angetan hatten, nein, die Tat wurde als reines Kavaliersdelikt innerhalb der Ehe angesehen. Wusste irgendwer, irgendwer dort draußen, wie viel Gewalt eine Ehe bedeutete? Ja, natürlich. Einige Frauen wussten es besser als er, besser als alle anderen.

Während er sich anhörte, wie Joel Adams seine Frau quer durch die prachtvolle Villa geprügelt hatte, dachte er darüber nach, weshalb Jennifer Joel nicht einfach verließ.
Vermutlich aus den selben Gründen, weshalb Salem sein Priesteramt noch nicht niedergelegt hatte: Gewohnheit. Angst.
Von Zuneigung konnte man nicht mehr sprechen, von Liebe umso weniger. Jennifer und Joel spiegelten wieder, was auch ihm passiert war:
Die Liebe zu Gott, die irgendwann in ihm gebrannt hatte, war erloschen und die Gewohnheit hatte Einzug in die heiligen Hallen gehalten.
Nur, dass Gott ihn nicht schlug – er war ihm schlichtweg egal. Wahrscheinlich. Oder Nietzsche hatte doch recht gehabt.

Während Adams dazu überging ihm zu schildern, wie er sein Geld bei einer möglichen Scheidung schützen wollte - indem er es auf einer karibischen Insel bunkerte - dachte Salem darüber nach, dass er vielleicht nie glaubensstark genug gewesen war, um Priester zu werden. Aber war das mittlerweile nicht egal? Er saß hier. Und er hatte einen Job zu erledigen, wie jeder andere auch. Nur, dass er keine Autos reparierte, sondern seelische Mülltonne für solche spielte, die glaubten ihre Mitmenschen mit Füßen treten zu können – Gott würde es schon richten. Oder auch nicht. Vermutlich war es ihm genauso egal wie Salem, weil er seiner Nichtexistenz in vollen Zügen frönte.
"Vater? Vater!"
Salem schreckte aus seinen Gedanken auf und hätte beinahe etwas von seinem Whiskey verschüttet.
War es das für diese Woche? Verstohlen blickte er auf seine Uhr und stellte fest, dass Adams dieses Mal seine Sünden, Verfehlungen und fadenscheinigen Reuebekenntnisse in einer Rekordzeit von 15 Minuten heruntergeleiert hatte.

Wie immer: Zehn Schläge ins Gesicht, fünf auf die Hoden und deine Frau ist von dir erlöst, du Arschloch.

Er nannte Adam die gleiche Zahl Vater-Unser und Ave-Maria, wie seit einigen Jahren und schmeckte den sauren, bitteren Geschmack von Scheinheiligkeit auf seiner Zunge, als er ihm alle Sünden absprach.
"Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine patris et filii et spiritus sancti."
Niemand war völlig frei von Schuld, auch er nicht - gerade er nicht - der sich im Beichtstuhl betrank, weil er die Scheiße, die anderen aus dem Mund quoll, nicht mehr ertragen konnte.

"Danket dem Herrn, denn er ist gütig."
Kleinere Sünden, wie der Connelly-Junge, der mit seinen neun unschuldig-naiven Jahren geglaubt hatte, dass er in die Hölle kam, weil er seine Lehrerin wegen der Hausaufgaben angeflunkert hatte.

"Sein Erbarmen währt ewig."
Normale Sünden, wie er sie nannte. Solche, die er vergeben konnte, ohne mit der Wimper zu zucken. Blynns Abstecher zu einer Londoner Nutte letztes Jahr, kurz vor seiner Scheidung, oder Martha Gangers Geständnis, vor 25 Jahren ihren Ehemann - Gott hab' ihn selig - mit einem Touristen im Vollsuff betrogen zu haben. Solche Ereignisse konnte er verkraften, sowas ging irgendwie in Ordnung.

"Der Herr hat dir die Sünden vergeben. Geh hin in Frieden."
Und dann gab es noch solche Sünden, von denen er nichts wissen wollte, solche, die die Leute bitte nicht beichten, sondern mit ins Grab nehmen sollten.
Als er von dem inzestuösen Verhältnis der Rhys Zwillinge erfahren hatte, dachte er einige Sekunden, er würde den Verstand verlieren. Er wollte schreien, schreien, bevor er seine Faust durch das löchrige Gitter jagte, das Sünder und Beichtvater voneinander trennte, um Jules die Scheiße aus dem Kopf zu prügeln.

"Ich danke dem Herrn für seine ewigwährende Gnade."
An diesem Abend vor drei Jahren hatte er angefangen zu saufen.

"Amen."

_________________
Alle für einen, und jeder für sich selbst!


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