Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Lernverhalten verstehen (Tierausbildung)
BeitragVerfasst: 31. Aug 2016, 11:52 
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Lernverhalten verstehen
Zur Tierausbildung von Hund, Pferd und ähnlichem


1. Vorwort - Lernen dient der Optimierung des eigenen Zustands

2. Sensibilisierung

2.1 Gewöhnung
2.2 Sensibilisierung
2.3 Unerwünschte Sensibilisierung/Gewöhnung


3. Konditionierung
3.1 Klassische Konditionierung
3.2 Operante Konditionierung
3.2.1 Positive Verstärkung
3.2.2 Negative Verstärkung
3.2.3 Positive Strafe
3.2.4 Negative Strafe


4. Verstärker
4.1 Primäre Verstärker
4.2 Sekundäre Verstärker
4.3 Tertiäre Verstärker

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Zuletzt geändert von Nokomis am 1. Sep 2016, 06:33, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lernverhalten verstehen (Tierausbildung)
BeitragVerfasst: 31. Aug 2016, 11:52 
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1. Vorwort
Lernen dient der Optimierung des eigenen Zustands

Für alle Kreaturen ist das Lernen notwendig um zu überleben. Somit dient Lernen der Optimierung des eigenen Zustands und wird das ganze Leben über stattfinden. Auch wenn Menschen häufig den Fehler machen und denken ein Tier würde Verhalten zeigen, um uns zu gefallen, so zeigt es eben dieses weil es gelernt hat, dass es sich lohnt, denn es handelt ressourcenorientiert. Demnach tut es dies auch nicht, um jemanden damit zu verärgern. Dieser Gedanke ist reine Vermenschlichung.

Die folgenden Bezeichnungen dieser Zeilen im Hinblick auf positive/negative Verstärkung/Strafe sind keines emotionalen Ursprungs, sondern lediglich mathematisch anzusehen.
Lässt man auf Verhaltensweisen Konsequenzen folgen - negative, so wie positive - wird ein Verhalten wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher. Verstärkung erhöht die Häufigkeit, Strafe vermindert diese.

Für die Arbeit mit und Ausbildung eines Tieren ist es notwenig artgerechtes Lernverhalten zu kennen und zu verstehen wie die tierischen Partner lernen. Hierzu dienen diese Zeilen, die eine Hilfestellung sein sollen, sich in dem Methodendschungel zurecht zu finden und den eigenen, moralisch und ethisch vertretbaren Weg zu finden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lernverhalten verstehen (Tierausbildung)
BeitragVerfasst: 31. Aug 2016, 11:53 
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2. Sensibilisierung

2.1 Gewöhnung/Desensibilisierung
Gewöhnung/Desensibilisierung verändert das Verhalten des Tieres auf einen wiederkehrenden, gleichbleibenden Reiz. Würden sie immer wieder erschrecken, so hätten sie im Ernstfall keine Energiereserven mehr für eine wirklich notwendige Flucht. Für Trainer und alle, die mit den Tieren arbeiten, hat es den Vorteil, dass die Gefahrenquellen im Alltag stressfreier ablaufen können und ein entspanntes Training ermöglicht wird. Das Tier kann sich so viel einfacher auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Gewöhnung wird im Zusammenhang mit eher schwächeren oder neutralen Reizen genannt. Für die Tiere bedeuten diese Reize keine unangenehmen Erfahrungen, tendenziell eventuell eher etwas unangenehmes, aber ohne Fluchtrelevanz. Anfangs wird das Tier eventuell bei ähnlichen Reizen dennoch Unsicherheit zeigen. Wenn es aber an mehr und mehr ähnliche Reize ebenfalls gewöhnt wird, wird sich bald eine Generalisierung einstellen. Wichtig ist zu beachten, dass an die Gewöhnung ebenfalls die Reversibilität geknüpft ist. Das heißt, dass das Training immer wieder aufgefrischt werden sollte, da sich sonst die alte Reaktion wieder einstellen kann. Schlechte Erfahrungen, beispielsweise durch Schmerzen oder Panik hervorgerufen, können die Gewöhnung selbst nach einmaligem Vorkommen zu Nichte machen. Im schlimmsten Falle wird der Reiz nicht bloß neutralisiert, sondern negativ verknüpft, was erneuten Trainingsaufwand zur Folge hat. Wichtig ist natürlich zu erwähnen, dass ein Tier unter Stress nicht lernen kann und somit behutsam bei Desensibilisierungen vergegangen werden muss.

2.2 Sensibilisierung
Im Gegensatz zur Gewöhnung, bei der ein Verhalten auf einen Reiz in dem Sinne "verlernt" wird, sorgt die Sensibilisierung dafür, dass das Tier auf einen Reiz empfänglicher reagiert. So kann sogar etwas zuvor unbedeutenes aussagekräftig werden. Während einer Sensibilisierung wird Adrenalin ausgeschüttet und die Tiere können gestresst reagieren, dadurch werden sie ür zuvor neutrale Reize empfänglich - das Frühwarnsystem des Körpers wird eingeschaltet. Sensibilisierungen sind meist nicht oder nur sehr schwer steuerbar, sondern entstehen beispielsweise von einem herunterfallenden (eventuell sogar das Tier treffenden) Ast. Das Tier kann so Ästeknacken, Blätterrascheln oä. negativ verknüpfen und nachfolgend mit Angst und Fluchtversuchen reagieren. Meist regelt sich ein Problem so aber von selbst, wenn der Reiz häufig genug wieder ohne schlechte Folgen für das Tier aufkommt - das Tier gewöhnt sich an den Reiz.


2.3 Unerwünschte Sensibilisierung/Gewöhnung
Eine unerwünschte Sensibilisierung ist meist sehr schnell erkannt, spätestens wenn die Tiere vor Dingen Furcht zeigen, die zuvor als ungefährlich eingestuft waren. Allerdings können sie auch unbeabsichtigt eine Sensibilisierung vornehmen. Beispielsweise meiden Sie eine Situation, vor der Ihr Tier Angst hat immer wieder. Sofern Sie die Situation nicht betreten müssen wird alles in Ordnung sein. Sind Sie aber gezwungen, so kann Ihr Tier deutlich heftiger als zuvor reagieren, da Sie seine Angst bestärken.
Unerwünschte Gewöhnungsprozesse sind meist schleichend und bleiben lange unerkannt. Tiere gewöhnen sich immer an Reize die keine, bzw kaum Bedeutung für sie haben. Dies kann auch bei trainierten Signalen geschehen, oder mit der Stimme.

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Zuletzt geändert von Nokomis am 1. Sep 2016, 07:20, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lernverhalten verstehen (Tierausbildung)
BeitragVerfasst: 31. Aug 2016, 11:53 
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3. Konditionierung

3.1 Klassische Konditionierung
Die klassische Konditionierung ist eine sehr einfache Art des Lernens. Hierbei werden zwei zeitlich eng aneinander liegende Reize verknüpft. Das kann beispielsweise der Griff in die Leckerchentasche sein, wenn die Hand konsequent nur dann in die Tasche greift, wenn darauffolgend eine Belohnung eintritt. Diese Art der Konditionierung schwächt ab oder löst sich komplett auf, wenn die Konsequenz ausbleibt. So kann man Orte, Geräusche oder Handlungen positiv belegen. Allerdings geht es auch andersherum. Wenn beispielsweise auf jeden Rückruf eines Hundes das Anleinen und somit das Ende des schönen Freigangs einhergeht, wird eben dieser Rückruf schnell negativ belegt werden.
Es zeigt sich: Auch im Alltag sollte auf den Umgang geachtet werden, denn ein Lebewesen lernt nahezu immer und nicht ausschließlich in Trainingseinheiten. Dennoch ist das Tier eher der passive Part der klassischen Konditionierung, meist merkt es auf diese Art nicht, dass gerade ein Training stattfindet.

3.2 Operante Konditionierung
Im Gegensatz zur klassischen Konditionierung übernehmen die Tiere bei der operanten Konditionierung den aktiven Part. Das Tier lernt am Erfolg, es operiert mit seiner Umwelt und entscheidet über die Konsequenz.

3.2.1 Positive Verstärkung
Bei der positiven Verstärkung wird ein gewolltes Verhalten verstärkt, indem eine angenehme Konsequenz folgt (zufügen=positiv), dabei sollte es zuvor nicht durch Druck dazu gebracht werden. Ein Verhalten wird häufiger gezeigt, da es sich gelohnt hat. Die positive Verstärkung fordert die Tiere mental, da sie sie zum mitdenken anregt. Bei der positiven Verstärkung wird nach einem Fehlverhalten möglichst keine negativen Konsequenz folgen, sondern dieses wird ignoriert. Bei dieser Lernform werden die Tiere also sehr zu ihrer Mitarbeit motiviert und das alles ohne die Sorge auf Strafen. Ratlosigkeit bei der Aussicht auf Futter kann dennoch ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor im Training sein. Und wie wir bereits gelernt haben ist bei Stress kein sicheres Lernen möglich.

3.2.2 Negative Verstärkung
Bei der negativen Verstärkung wird ein gewolltes Verhalten verstärkt, indem ein unangenehmer Reiz entfernt wird (entfernen=negativ). Reagiert das Tier nicht wie gewünscht wird der Druck aufrecht erhalten oder gar erhöht, bis die richtige, geforderte Reaktion eintritt. Bei der negativen Verstärkung sollte man genau darauf achten jeden Wink in die richtige Richtung zu erkennen und zu belohnen.

3.2.3 Positive Strafe
Bei der positiven Strafe wird Fehlverhalten bestraft, indem ein unangenehmer Reiz hinzugefügt wird (zufügen=positiv). Dabei ist die Intensität außen vor. Positive Strafe kann sowohl ein mahnendes Wort, als auch ein Hieb sein. Zeigt sich Fehlverhalten trotz Strafen immer wieder erneut, sollten sie nach dem Grund suchen. Vielleicht waren Sie doch nicht immer konsequent? Oder es hat körperliche/psychische Ursachen? Denken Sie daran, dass die Tiere nichts tun um uns zu ärgern. Die positive Strafe unterdrückt Verhalten im besten Falle, allerdings fehlt dem Tier eine Handlungsalternative und somit ändert es das Verhalten nicht. Zudem kann sich die positive Strafe negativ auf die Mensch-Tier-Beziehung ausüben.

3.2.4 Negative Strafe
Bei der negativen Strafe wird ein Fehlverhalten bestraft, indem ein angenehmer Reiz entzogen wird (entfernen=negativ). Beispielweise wurde das Tier zu aufdringlich bei der Futtergabe, oder zu fordernd beim Spiel, somit ensteht eine Auszeit für es. Diese Art der Strafe kann nur dann ihren Nutzen entfalten, wenn das Tier gerade mit uns Arbeiten oder Spaß haben möchte. Auch hier ist ein Alternativverhalten wichtig, welches dem Tier gezeigt werden sollte, da die Strafe wie oben erwähnt kein Verhalten ändert, sondern es unterdrückt. Tiere speichern Verhalten, welches sich für sie lohnt. Lohnt es sich nicht und wird ignoriert, wird es vermutlich kaum bis gar nicht auftauchen.

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Zuletzt geändert von Nokomis am 1. Sep 2016, 14:36, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Lernverhalten verstehen (Tierausbildung)
BeitragVerfasst: 31. Aug 2016, 11:54 
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4. Verstärker

4.1 Primäre Verstärker
Als primäre Verstärker gelten natürliche Belohnungen, also müssen Tiere nicht erst lernen, dass der Verstärker ein Verhalten belohnen soll. Futter, Sozialkontakt, Bewegung können also eben solche sein, da sie lebenswichtige, natürliche Bedürfnisse befriedigen. Futter ist hierbei hervorzuheben, da dieses am zielsichersten und punktuellsten eingesetzt werden kann. Ebenso muss man bei dem Lob durch Futter die Belohnung (wie beispielsweise beim Streicheln der Fall) nicht beenden. Wenn das Futter aufgefressen wurde endet die Belohnung automatisch. Sind Tiere gestresst, fressen die meisten allerdings nicht. An diesen Stellen ist Kraulen beispielsweise oft angebrachter. Sollten Sie sich sorgen so das ängstliche Verhalten ungewollt zu belohnen lassen Sie sich sagen, dass es eine emotionale Reaktion ist. Und Emotionen sind nicht trainierbar. Oft wird auch die Pause als Belohnung aufgezählt, da Tiere das natürliche Bedürfnis nach Ruhe und Komfort besitzen. Allerdings kommt es hier auf die zuvor angewandte Lernstrategie an. Wurde zuvor positiv Verstärkt kann die Pause als Strafe aufgenommen werden. Wurde zuvor negativ Verstärkt ist die eigentliche Belohnung der nachlassende Druck, nicht etwa die Pause an sich. Die Pause muss zunächst positiv verknüpft werden (beispielsweise mit am Boden liegendem Futter oder Streicheleinheiten) und gehört somit nicht zu den primären Verstärkern.

4.2 Sekundäre Verstärker
Sekundäre Verstärker werden durch Lernerfahrungen, die einen primären Verstärker einbeziehen, positiv verknüpft. Die Effektivität dieses Verstärkers ist davon abhängig wie zuverlässig und sicher ein primärer Verstärker folgt. Folgt dieser Nur wie zufällig, selten oder irgendwann gar nicht mehr wird es den sekudäre Verstärker abschwächen bis unnütz machen. Gängige sekundäre Verstärker sind beispielsweise die Stimme oder ein Klicker. Verhalten wird also von dem sekundären Verstärker markiert und verspricht den sogleich folgenden primären Verstärker. Allerdings können Sie sich mit dem Sekundären wertvolle Sekunden sichern, um gewünschtes Verhalten (und auch unerwünschtes) zu markieren haben Sie bei den meisten Tieren bloß eine Zeit von ungefähr zwei Sekunden. Hier zeigt sich also der Sinn eines sekundären Verstärkers.

4.3 Tertiäre Verstärker
Tertiäre Verstärker kündigen einen sekundären, welcher einen primären Verstärker ankündigt, an. Der tertiäre Verstärker wird meist als Verlaufs-/Überbrückungslob genutzt. Es kann für zwei Botschaften genutzt werden. Eine Aussage wäre "Das gezeigte Verhalten ist richtig und sollte aufrechterhalten werden", oder "Das Zielverhalten ist noch nicht erreicht, aber nah". Der tertiäre Verstärker wird erlernt, indem das Signal gegeben wird, innerhalb von ein bis zwei Sekunden der sekundäre und darauf folgend der primäre Verstärker folgt. Sicher sollte dies häufig wiederholt werden, bis alles zuverlässig verknüpft wurde. Nach und nach kann die Dauer zwischen den tertiären und den sekundären Verstärkern ausgedehnt werden. Dehnen Sie die Zeit vom sekundären zum primären Verstärker nicht aus! Das macht Sie im Zweifelsfalle unglaubwürdig und verschlechtert Ihre Berechenbarkeit für Ihr Tier. Übertreiben Sie mit dem Ausdehen allerdings nicht und bauen Sie es langsam aus. Sollte Ihr Tier die Aktion trotz des tertiären Verstärkers immer wieder abbrechen, so schwächt dies nicht einzig die Motivation, sondern auch das aufgebaute Signal und die Verknüpfung des Verstärkers. Richtig angewandt fördert das Verlauslob die Motivation, da das Tier eine Belohnung in Aussicht gestellt bekommt.

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