Söldnerbund Dämmersturm
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Alltag
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Autor: Jaydenn [ 15. Dez 2016, 23:36 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

„Habt ihr nicht langsam genug?“ Die grünen Augen fixierten den Gastwirt unerbittlich und sie sah ihn an wie ein ausgehungertes Raubtier. Was kümmerte es ihn? Sein Gewinn. Seiner apathischen Fresse zu urteilen interessierte es ihn ohnehin nicht. „Du hast den Mann gehört. Mach hinne.“, entgegnete sie grob und schlug mit der Faust auf den Tresen, um ihre Aussage zu unterstützen.
Ein Glas nach dem anderen wurde gelehrt und auch wenn sie kaum sprachen; Lynn fühlte sich wohl in seiner Anwesenheit, dass wollte sie nicht mal leugnen. Es machte ihr nichts aus, dass er nicht sprach. Im Gegenteil. Keine lästigen Fragen. Keine nichtssagenden Gespräche.
Er brummte. Sie knurrte. Das reichte.
Beim Trinken hielt sie mit, seine Gedrehten lehnte sie jedoch stellenweise ab. Sie hatte dem Tierführer ein Versprechen gegeben und sie war entschlossen, es einzuhalten. Die Last von Skorgs Armband beschwerte ihren Arm, legte sie in Fesseln. Sie spürte das Gewicht, genau wie die der zwei Patronen, die sie um den Hals trug. Mit der vernarbten Hand wischte sie sich träge über das ebenso verunstaltete Gesicht. Es war eine Bürde – aber eine die sie bereit war, zu tragen. Keine Ausrede, keine Wüste und keine Käfer würden sie davon abhalten, sie abzulegen und alles erneut zu verwerfen.
Ihr Blick schweifte nach rechts zu Bernd. Er musste sie für eine unausstehliche Plage halten – unnachgiebig, fordernd und anhänglich. Sein Schlag, der ihre Rippe unter seiner Kraft gebrochen hatte, hat sie zurück ins hier und jetzt gerissen. Just in dem Moment als der Schmerz sie durchfuhr sah sie wieder klar und deutlich. Jeder von den Söldnern hatte eine Vergangenheit. Und mit Sicherheit keine leichte. Wieso sollte gerade sie sich damit aufhalten? Es gab nur eine Richtung; nach vorn. Stur, grimmig und entschlossen.
„Scheiße nochma‘, ‘ch wollt‘ die alle tot sehen. Un‘ dann reißt mir die Sehne, verdammt. Zwei Ma‘. Kannste dir das vorstellen?“, sie starrte Bernd wütend an, als er sie zum mitkommen zwang – wobei die Wut nur auf sie selbst gerichtet war. Er hingegen war schon, nachdem sie sich zurückgezogen hatten, in die Vorbereitungen zum Entfernen der Kugel vertieft, während sie Flüche in den Mund nahm, die exotischer waren als Gadgetzan selbst.
Ächzend zog sie die Lederriemen ihrer Rüstung auf und zog auch das Hemd aus, ohne zweimal darüber nachzudenken. Immerhin war er genau so weit wie sie und hatte schon so einiges gesehen. Auch, wenn ihr Körper nicht gerade im Rahmen der Normalität lag. Furchen, Krater, schlecht verheilte Wunden und andere Narben bedeckten den Großteil ihres Oberkörpers. Sie vergrub ihre Zähne in zwei ihrer Finger, als Bernd anfing die Kugel mit dem heißen Messer zu entfernen. Kein murren, kein brummen, kein knurren – sie mahlte bloß mit ihrem Kiefer, als der Schmerz sich in ihr einnistete und sie begrüßte wie ein alter Freund.
Als er die Wunde säuberte und sie anschließend verband strich Lynn mit gerunzelter Stirn über einige der Narben auf ihrem Arm. „Das sind keine Schandmale, sondern Zeichen der Willenskraft, Ausdauer und deines Überlebenswillens. Trage sie mit Stolz.“, hatte ein elfischer Bogenschütze in ihrer Einheit gesagt.
"Fertig.", er platzierte seine Pranke auf ihrem Rücken und somit auf den länglichen, striemenartigen Narben. Anschließend zog sie ihr Hemd wieder an und knöpfte es zu, ehe sie sich zurücklehnte und Bernd ansah. "Danke.", raunte sie und hob einen Mundwinkel; denn sie meinte dieses Wort zum ersten Mal seit einer langen Zeit ernst.

Autor: Varuce [ 15. Dez 2016, 23:56 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

„Danke“, raunte sie zu ihm. Dafür erntete sie einen längeren Blick, lange kein Ton, dann aber nur ein gebrummtes „Mhm“. Sie hatte ihn ebenso schon versorgt, hatte gesehen was irgendjemand mit seinem Rücken veranstaltet hat. Aber er ertrug ihre Gesellschaft und hatte bis auf das erste „Training“ auch keine Faust mehr in voller Härte an ihren Leib ‚geschmiegt‘. Sie fragte nicht nach was all die Narben bedeuteten, sie suchte keine Nähe, keine Zuflucht. Sie war da um zu trinken, vielleicht um nicht auch völlig alleine zu sein. Aber wenigstens ging sie ihm seit dem ersten Mal in der Otze nicht mehr auf die Nerven. Dabei ist es wohl oder übel fast zu tief gegriffen zu sagen, dass er sie nur ertrug. Sie war, wenn nicht gar die einzige, eine angenehme Gesellschaft in diesem Haufen von Söldnern, an die wohl am ehesten nur ein Hundeführer herankam. Auch er brummte eher, als das er sprach. Keine nervigen Gespräche, keine nervigen Fragen wie eine Goldschild sie gerne von sich gab.

„Nicht dafür.“ Kam es dann schließlich von ihm, als die Becher auf ihrem Tisch Platz gefunden hatten und er seinen wieder an sich genommen hatte. Es war der Vorabend er Wüstendurchquerung. Ein letztes Mal so viel trinken. Doch nie erreichten die die reine Besinnungslosigkeit. Immer schaffte einer den anderen noch in’s Bett oder passte auf, während der andere eingepennt war. Warum auch immer. Vielleicht war man sich wirklich wohl gesonnen, aber das war wieder etwas, worüber ein Bernd offenkundig nicht nachzudenken schien. So hebt Bernd seinen Becher an, prostet ihr brummend zu und kippt sein Gesöff schon wieder hinunter. Vielleicht passte er im Kampf auch unterbewusst etwas auf sie auf. Aber vielleicht war er auch wie beim wortwörtlich geplatzten Deal einfach nur eine Tötungsmaschine, der seine Klauen zog und den Feind zerriss. So wie die armen Tölpel am Vortag, die sich schon in die Hose geschissen hatten, als Bernd den Ersten tötete und die anderen von seinen ‚Kameraden‘ niedergestreckt wurden.
Darauf fand der Becher hämmernd den Weg auf den Tisch, wobei er ein Seufzen ausstieß und den Blick wieder auf die Schützin legen. Dabei passiert auch nichts Unerwartetes. Kein Monster springt sie aus seinem Bart an, noch unwahrscheinlicher, fand auch kein Lächeln auf seinen Zügen Platz. Er schaute sie nur wie gewohnt an. Ruhig, neutral und gelassen. Dann nach einer halben Ewigkeit erhebt er die Stimme. "Überlebst's schon." Brummt er durch den Wald den er Bart nennt. Und wenn das noch nicht genug ist, spricht er sogar nach einer Pause weiter. "Hrm. Zum Abschied noch etwas Kunst?"

Autor: Jaydenn [ 16. Dez 2016, 00:14 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

Eine Hand umgriff das Glas, die andere ruhte auf ihrem Oberschenkel, während die Finger nervös darauf herum trommelten. Es juckte sie in den Fingern, denn Untätigkeit war das schlimmste, was man einer Lynn antun konnte. Stumpf sah sie sich in der Absteige um und genehmigte sich einen Schluck vom Alkohol, der ihre Sinne klärte und ihre Kehle zum brennen brachte.
Sie grinste zahnreich und wölfisch, als er auf ihren Dank erwiderte "Nicht dafür.". "Dann halt auch für alles Andere.", brummte sie und wendete den Blick ab. Ohne ihn wäre sie vielleicht noch in irgendeiner Gosse - entweder ermordet von irgendeinem dahergelaufenen Dieb der seine Chance gesehen hat oder auf irgendeiner chemischen Substanz, die es hier so reichlich und günstig gab.
"Überlebsts schon." Daraufhin schnaubte die Schützin und schlug ihm verhältnismäßig sanft auf den Oberarm. "'ch hab' mich nich' einma' klagen hörn.", erwiderte sie dann in gespielt schnippischer Manier, "Hab schon Schlimmeres erlebt." Danach winkte sie ab. "Hach. Du weißt einfach, was 's Herz einer Frau zum höher schlagn bringt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für Kunst bin 'ch immer zu haben, als hochkulla..hochkantig.. naja. Als Dame.", grinste sie dann augenbrauenwackelnd. "Leg los, 'ch kann's kaum abwarten." Mit einem Schwung drehte sie sich und lehnte sich mit dem Rücken an den Tresen, eine ausschweifende Geste vollführend. "Wähle deine Leinwand weise."

Autor: Varuce [ 16. Dez 2016, 00:37 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

„Für alles andere?“ Hatte er wohl halbherzig und leise für sich zurückgebrummt. „Du bist so damenhaft, wie ich ein Lord bin. Also dann, Mylady.“ Erklingt plötzlich ziemlich viel aus seiner Kehle, dabei variiert er jedoch keinstens in der Betonung der Stimme und klingt damit noch immer tief, rau und brummend. Sein Gesicht zeigt dann doch den sachten Anflug von Zufriedenheit als er sich erhebt. Ein flüchtiges Etwas, was Lynn selten beobachten konnte, aber doch da war. Dann wendete sich Bernd um, schaute durch die Kaschemme und stapfte zu einem Zweiertrupp an einem Tisch. Der eine ein Hämpfling, der andere, ebenso ein Mensch, wohl auch Söldner, kräftiger und muskulöser als der Hämpfling, er war ähnlich hoch wie Bernd, doch nicht so breit gebaut.
Ruhigen Schrittes geht Bernd hinüber zu den beiden am Tisch, welche auch sogleich aufschauten. Der breitere, nennen wir ihn Jonny, bellte Bernd schon etwas entgegen „Was willst du?!“ Nur war der Ton wohl nicht der Richtige, denn Bernd griff schnell an des Hämpflings Kopf und schmetterte ihn auf den Tisch, wohl gemerkt mit voller Kraft. Vielleicht kann man sogar das Brechen der Nase bis zu Lynn hören, vielleicht aber auch nicht, jedenfalls fliest das Blut in den Nachfolgenden Blicken nur so vom Tisch auf den Boden und der Hämpfling verweilt ruhig. Der andere, Jonny, jedoch erhebt sich und setzt zum Angriff über. Dabei wurde es still in der Taverne, sehr still. Nur die Fäuste flogen hin und her und der andere schien überraschend viel auszuhalten, so ließ sich Bernd bis an den Tresen treiben. Dann kommt jedoch folgt ein rascher Tritt gegen sein Standbein, ein Griff an die Schulter und schon sauste sein Kopf gegen den Tresen. Doch Jonny war noch auf den Beinen, doch das änderte sich durch einen schnellen Kinnharken mit berndischen Kraftvariante. Auch hier wurde das Gesicht schon blutiger. Aber Bernd war noch nicht fertig, denn er packte in das kurze Haar Jonny und hieb noch zwei, nein drei Mal auf das Gesicht ein. Ehe er ihn und seinen Freund packte und hinauszog.
Es dauerte nur einen kurzen Moment ehe Bernd zurück stiefelte und so aussah, als nie etwas passiert wäre. Er setzte sich, schaute zum Wirt. „Wollten die Zeche prellen.“ Jener nickte nur knapp und wollte sich damit nicht weiter beschäftigen, denn die Söldner zahlten gut und so füllte er ihre Becher. Erst dann schaut er wieder zu Lynn.

Autor: Jaydenn [ 16. Dez 2016, 00:49 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

Die Schützin entschied sich, nicht auf die Gegenfrage Bernds einzugehen. Sie vermied tiefergreifende Gespräche, wo auch immer es ging. Es brachte einfach nichts, sich über Vergangenes aufzuregen - der Versuch es zu verarbeiten gelang ja doch nie. Als Bernd sich erhob leerte sie ihr Glas und lehnte sich zurück an den Tresen. Nichts entging ihr; kein mundwinkelzucken, kein augenverengen - nichts.
Mittlerweile hatte sie seine Mimik entschlüsselt, falls man das überhaupt so bei ihm nennen konnte.
Keine Minute dauerte es, da hatte er sich schon zwei Opfer rausgesucht. Lynn sah ihm gerne zu; es war rohe Gewalt, pure Kraft und vielleicht auch ein Hauch Selbstbeherrschung, die da mitschwang, denn sonst wären sie schon nicht mehr am Leben.
Dumpfe Schläge, brechende Knochen und das ächzen der Kämpfenden vermischte sich zu einem Mahlstrom aus Blut, Schreien und dem Geruch von Angstschweiß. Für einen Moment fühlte Lynn sich zurückversetzt in die Zeit, als sie noch Kneipenprügeleien angezettelt hatte - manche erfolgreich, andere nicht. Es war ein atemberaubendes Gefühl, die Fäuste zu schwingen, auf Widerstand zu treffen und dreckige Visagen zu bearbeiten. Ein tiefes Einatmen brachte sie zurück in die Gegenwart, in der Bernd wieder neben ihr saß.
"Langsam versteh 'ch. Keine Regung zeign, aber dann alles was sich angestaut hat an irgendwas rauslassn, ja?", sie grinste ihn verstohlen an und klopfte auf den Tresen, worauf der Wirt zwei neue Gläser auf den Tisch schmetterte und sie auffüllte.

Autor: Varuce [ 16. Dez 2016, 00:59 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

Mittlerweile war das Mundwinkelzucken ins Positive verschwunden als er sie wieder anschaute und sie ihn fragte. Er brummte erstmals, denn es ging tiefer als sonst. Aber er wollte ihr nicht die Rippen brechen, warum auch immer. „Hrm.“ War die erste gebrummte Antwort, ehe er weitersprach: „Willst du das wirklich wissen?“ Gab er zurück zu ihr, lies dabei doch jedes direkte weitere Antworten aus. Er drückte die die weiteren Worte wohl mit dem Fussel hinunter, den er durch den Becher anhob und die Kehle hinunterschickte. „Noch zwei.“ Brummte er dem Wirt entgegen und weichte so mit dem Blick von Lynn. War es ihm unangenehm? Vielleicht war es eher als ‚schlecht‘ einzusortieren das sie anfing aus ihm zu lesen.
Kaum traf Becher wieder auf Tresen, da griff er in seinen Beutel, lies ihre Antwort auf die Frage über sich ergehen und zückte eine Fluppe aus dem feinen und verzierten metallenen Etui. Dabei schaut er wieder zu ihr und bot ihr auch gar keine mehr an, legte sich seine nur in den Mundwinkel, wobei der Geruch von herben Tabak und verschiedenen anderen Kräutern um ihn herum sehr präsent wird. Trollkraut und andere Dinge atmete er so nach dem Entzünden ein, tief ein. Wobei dann auch die Fluppe aus dem Mundwinkel genommen wird, das Etui dabei schon längst weggesteckt ist und Rauch ausgeatmet wird, jedoch nicht in Lynns Gesicht, sondern zu Seite, wobei er unablässig zu ihr schaut.
Das Gesicht hielt er dabei wieder völlig ruhig, kein Ausdruck von Entspanntheit legte sich nieder. Nein seine Züge blieben hart und steif anmutend. Aber man musste erwähnen das er sich vor kurzem wohl den Bart etwas gestutzt hatte, er ist nicht in Form oder dergleichen, aber ist kein wuchernder Dschungel, sondern ein dichter Wald.

Autor: Jaydenn [ 16. Dez 2016, 01:10 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

"Willst du das wirklich wissen?"
Aus irgendeinem Grund löste diese Frage etwas in ihr aus. Einen Moment konnte sie den Gedankengang nicht wirklich greifen, doch es dämmerte ihr langsam; lange hat sie sich nicht um ihre Mitmenschen gekümmert. Nicht nur, weil ihr keiner zu nahe kam sondern auch, weil sie es vermied, sich mit jemandem anzufreunden, der Tage später im Dreck liegen könnte. Ihre grünen Augen suchten seine braunen und sie fesselte ihn förmlich an ihren Blick und sei es nur durch die Wildheit, die darin lag.
Es war eine verdrehte Version einer normalen Freundschaft, wenn man es überhaupt so nennen konnte. Sie war ihm beim ersten Zusammentreffen unfassbar auf die Nerven gegangen, wollte die Worte aus ihm herauskitzeln. Das hatte jedoch nicht funktioniert. Erst als er sie mit Schlägen bearbeitet hatte und sie anschließend zusammen im Sand saßen hat es geklappt. Irgendwie.
Die Frage griff nach ihr, verschlug ihr fast schon den Atem. Sie erstickte an der Schwermütigkeit der Stimmung, denn in diesem Moment gab es die heruntergekommene Kneipe, den genervten Wirt und laute Gäste nicht. Es gab nur Bernd und Lynn.
"Ja.", antwortete sie dann nach einer gefühlten Ewigkeit und wendete den Blick ab. Sie gab es nicht gerne zu - und schon gar nicht laut oder gar vor Bernd - aber sie wollte mehr über ihn wissen. Mehr als nur das, was er zeigte. Mehr als nur das, was er zu sein vorgab. Da lag also kein drängen in ihrer Stimme, kein brummen - nur eine stille Bitte, die dem verhältnismäßig sanften Tonfall ihrer Stimme nach auch abgelehnt werden konnte.

Autor: Koladia [ 16. Dez 2016, 07:41 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

Die peinigende Stimme in ihrem Kopf verstummte von nun an für immer.
Wer hätte gedacht das Sterben so wohltuend sein kann? Der Schmerz am Anfang einer jeden Todesberührung war abschreckend, doch alles danach die reinste Wohltat. Keine Gedanken mit denen man sich noch länger plagen musste, keine Ärgernisse die ihr sicherlich noch graues Haar beschert hätten. Allem voran aber: Keine Lisbeth mehr, welche sich zur Hälfte auf ihrem Schlafplatz breit machte und das auch noch für äußerst kuschelig hielt.

Und doch mochte ihr der holprige Abgang nicht wirklich gefallen. Tote haben hohe Ansprüche - Zu mindestens Koladia. Dieser Abgang war ein sehr schlechtes Drama in gefühlt tausenden Akten voller geschmacklosem Brei. In ihrem Hochmut sah sie sich immer in einer höchst heroischen Rolle, bei welcher sogar orodarische Brustbehaarung freiwillig aus dem Weg wucherte. Für gewöhnlich konnte man eben nicht alles haben - So, wie sie leider nicht genug Gold ansparen konnte, für ihren eigenen überaus teuren und schmucken Galgen, um sich im richtigen Alter gebührend daran selbst zu erhängen. Bedauerlich!

Nötig zusammengeflickt, gewaschen und in einfaches Leinen eingekleidet dank der großen rundlichen Priesterin, macht das verstorbene Mischblut sogar wieder einen flotten Eindruck. Was auch immer man hier noch flott nennen konnte, bei einem toten Leib. Man wusch der Halbelfe das blanke Entsetzen aus der Miene, und ersetzte es stattdessen mit einer gewissen Friedlichkeit - Der Hauch eines sanften Lächelns ließ sich erahnen und verkündete von Erlösung. Das aschblonde Haar schien förmlich mit der totenblassen Haut zu verschmelzen, ebenso die zahlreichen Vernarbungen im Gesicht. Ein fleischgewordener Geist, welchem der Tod nicht übel steht. Zum ersten mal konnte man behaupten, das sie mindestens genauso unberührt und zeitlos anmutete, wie es bei entfernten Verwandten der Fall war.

Mit ihrem Ableben hinterließ sie eine breite Palette von Gegenständen: Einen schäbigen Geigenkoffer mit einer teils verschrammten Geige. Darin enthalten ein angefangenes Tagebuch, ein Armband mit blechernen Anhängern auf denen Musiknoten eingraviert wurden, Dokumente zur Kräuterkunde (Nordend, Kalimdor, Östliche Königsreiche) und Mitschriften zu Fin´s Tränkebrauerei - Hinzu kam ein bemaltes Skelett eines Raben, welcher in blutiges Leinen gekleidet war. Eventuell eine sonderbare Art eines Glücksbringer, denn ein Fluch lastete auf dem Raben nicht. Neben all dem hinterließ sie außerdem einen schmucken Offiziersdegen der kultirassischen Marine, auf welchem verblassend der Name "Noah Gelebraes" als Gravur erkannt werden könnte. Ein typisch elegant, geschwungener Dolch der hochelfischen Handwerkskunst, welcher von der Handlichkeit einen raschen Tod versprach, und natürlich Wilfred´s "Apfel"-Revolver.

Sollte man das Tagebuch auskundschaften, so ließ sich neben noch zahlreichen unbeschriebenen Seiten dazwischen geklemmt ein verdächtiger Wisch finden. Sah man sich diesen Wisch näher an, hatte man eine äußerst ausführliche Form eines Testaments vor sich, welches Folgendes festhielt:


"Sollte man dieses Testament nun in den Händen halten, dann habe ich es entweder geschafft, oder reichlich versagt und einen erbärmlichen Tod hingelegt. Ist Letzteres passiert, tut mir bitte einen Gefallen: Erzählt es nicht euren Enkeln, die Schmach ist groß genug. Danke!

Nach meinem heroischen Abgang verstauben hinterlassene Gegenstände natürlich nicht und werden vertrauensvollen Händen überreicht. Wenn nicht, dann lasst euch eins gesagt sein: Im Jenseits sehen wir uns wieder, "Freunde", und der Empfang wird kein rosiger sein. Fangen wir an:

Der Geigenkoffer mit Geige - Geht an den Überläufer Jochen des Dämmersturms, weil er ein musikalisches Genie ist. Außerdem habe ich für ihn noch einen verdammt schlechten Witz. Halt dich fest Jochen: Die meisten Frauen denken sich, wenn sie in den Spiegel schauen "Der Speck muss weg." Deine Mutter denkt es auch – wenn sie vor der Speisekammer steht.

Das Armband - Geht nach Sturmwind in die Obhut von Hauptmann Rhauk Scarsdale. Er soll Oliver sagen, das ihn keine Schuld trifft.

Die Dokumente - Gebe ich an Finnje Freitag des Dämmersturms ab. Eventuell zieht sie einen Nutzen daraus. Außerdem kann sie überprüfen, ob ich artig meine Hausaufgaben gemacht habe.

Der Rabe - Geht an Richard Mühlbern des Dämmersturms, auf das sein unsichtbarer Freund eine Gestalt bekommt. Da er mich nicht abfackeln kann - und ich bin mir sehr sicher das er es kaum abwarten konnte - muss er sich nun eben mit diesem Prachtvogel vergnügen, um seine Rachegelüste zu stillen. Der Witzbold von einem brennenden Armleuchter glaubt vermutlich, das ich ihn verraten haben könnte. ALS HÄTTE ICH NICHTS BESSERES ZU TUN!

Der Degen - Geht an Sir Leofwine Delaney von der Schwanenfurt. Wo auch immer das sein mag, der Volltrottel von einem Paladin hielt es für witzig in Rätseln zu schreiben. Man möge ihm außerdem ausrichten, das ich mächtig enttäuscht bin von seinen neutralen Baumwollsocken.

Dolch und Tagebuch - Gehen an Sirius Ressley. Man möge ihm ausrichten, das dieses elfische Herz im kühlen Stahl des Dolches weiter für ihn schlägt, und er an der Sturheit des Dämmersturms festhalten soll. Immerhin, mit jener Sturheit hat er das zurückerobert, was sein ist. Ich danke ihm für die kurze Zeit, in der ich noch einmal aufleben durfte, und die Anteilnahme am Tod meines Sohnes.

Der Revolver - Geht zurück an Wilfred Koch des Dämmersturms, dem einzig wahren Revolverheld. Wer auch immer mich abgemurkst hat, schieße ihnen drei neue Löcher in den verdammten Arsch!

Das war es dann!
Ganze 55 Jahre sind mir ohnehin zu viel gewesen.
Ich hasse euch alle - Außer Sirius.

Dem Sturm entgegen
Koladia Gelebraes"


Und in diesem Augenblick starben anderswo in den Östlichen Königreichen zahlreiche unschuldige Bürger, durch die brachiale Gewalt eines Blumentopfes auf ihrem Schädel, nur weil die Frage nach der Sockenfarbe ein unfassbar schlechtes Omen mit sich zog.

Autor: Dzul [ 16. Dez 2016, 12:03 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

Kalte Hitze stach durch seine Brust, als er aus den hinteren Reihen mit ansehen musste wie die Klauen durch's Fleisch der Halbelfe drangen, als würde sie aus Wasser bestehen. Der Klang rauschenden Blutes hämmerte mit einem Glockenlauten Pulsschlag in den Ohren des lädierten Schützen, während die Farbe - die sowieso kaum vorhanden war - ihm aus dem Gesicht wich. Die Knie wurden wackelig und knickten Schlussendlich unter dem geschwächten Leib weg, sodass er sich beim nächsten Wimpernschlag mit gepresstem Seelenstöhnen auf den Knien in Mitten der Wüste von Tanaris wiederfand. Die Atmung wurde flach und er wusste gar nicht so recht wie ihm geschah, doch erinnerten seine Augen ihn erneut an den Grund. Rotz und Sabber drangen ihm aus der Öffnung in der Wange und der Nase, als er nach Luft rang und schnaufend versuchte gegen den Schmerz anzukämpfen, der ihm durch den Anblick und die Gewissheit des Todes der einzigen Person für die er tatsächlich etwas je empfunden hatte, zugefügt wurde.

Er stolperte nach vorn, kam mit den Knien auf den Sand, nur um zu versuchen wieder auf die Beine zu kommen. In seinem Kopf schrie er aus voller Kehle, während ihm Tränen in die Augen schossen und er einfach nur dasitzen und heulen wollte, doch war dies nur in seinem Kopf. In der Realität schnaufte, grunzte, stöhnte und knirschte er mit den Zähnen in dem Versuch weiter zu leben, weiter zu kämpfen - die Halbelfe zu rächen. Gedanken zuckten zur Schrotflinte, ließen Bilder vor seinem Auge aufflammen in denen er sie sich einfach unter's Kinn hielt und den Abzug betätigte. PLATSCH! - sollte es machen und seinem Leiden ein Ende setzen; den gepeinigten Geist ein für alle mal von dieser Welt tilgen auf dass er der Elfe sofort folgen könne, doch hatte sein Körper andere Pläne.

Die Sicht flackerte einige Augenblicke und als er das nächste mal blinzelte, stand er wie ein Geist vor Kola's gereinigtem Leichnam und hörte mit halbem Ohr zu wie ihr Testament vorgelesen wurde. Der Blick des Schützen - der inzwischen wieder zu einer unheimlichen Ruhe gekehrt war - ruhte leer auf Koladia. Würde man ihn anstupsen, würde Sirius vermutlich einfach zur Seite umfallen, ohne darauf zu reagieren.

Erst als sein Name im Testament fiel und man ihm den Dolch und das kleine Buch - dessen Einband mit einer Tittentaube verziert war - überreichte, regte sich der Mann wieder um die Gegenstände anzunehmen. Er sprach nicht mehr, er atmete nur noch; existierte nur noch. Mit beiden Gegenständen in den Griffeln stand er da und starrte weiterhin auf die Geliebte - die Seelenverwandte, bis er schließlich vollständig mit ihr allein war und selbst dann drang kein Wort über seine Lippen...

Autor: Dzul [ 18. Dez 2016, 00:52 ]
Betreff des Beitrags: Re: Alltag

Schwere Herzschläge die ihm im Ohr rauschen. Zwischen zweien drückt er ab, als er gerade schon die Stacheln durchs Fernrohr auf sich zu zischen sieht. Er weiß dass er hier nicht mehr fort kommt, dass er entweder schwer verletzt werden wird, oder aber gar dem Tode ins Antlitz sieht. Und da ist sie! Koladia, wie sie mit Hasenohren auf dem Kopf auf dem Rücken des Silithidenwurms sitzt. Sie grinst verschmitzt und winkt auch noch kitschig zum Schützen herüber. Sirius steigen Tränen in die Augen als er sie sieht und langsam gleiten die Mundwinkel hinauf und noch im letzten Atemzug, den er tätigen kann raunt er, "Ich komme mein Liebling.."

Ein fürchterliches Schmatzen erklingt als ihm der Stachel wie ein Bolzen durch den Kopf schlägt; sich durch die Stirn und den Schädelknochen bohrt als bestünde er aus Knetmasse, bis er schließlich hinten für ein paar Zentimeter oberhalb des Nackens wieder hinaus dringt. Er kriegt davon nichts mehr mit, denn innerhalb eines Wimpernschlags weicht das Leben aus ihm heraus, lässt seinen Körper zu völliger Entspannung kommen. Die Berührung des Nethers weicht von ihm - die Lasten und Qualen der vergangenen Wochen hinfort gespült. Ihr Tod nun gar nicht mehr so fürchterlich, nun da er selbst nicht mehr unter den lebenden weilte und diese ätzende Welt alleine bewandern musste.

Hinterlassenschaften? Da wären Präzisionsgewehr und Schrotflinte, die für den Dämmersturm durchaus einen gewissen wiederverwendungswert haben dürften, doch ansonsten verfügte er über nicht wirklich viel mehr, als er am Leibe zu tragen vermochte. Lediglich zwei Gegenstände, die wohl wertvollsten für ihn, bedauerte er, nicht mit ins Jenseits nehmen zu können. Koladias Dolch und das Tagebuch. Vielleicht findet sich ja jemand, für den es noch von Wert ist, denn ein Testament hat der Schütze nie angefertigt, oder aber nach dem Ableben der geliebten Halbelfe zerrissen, da es nun niemanden mehr gab, dem er etwas hätte vermachen wollen. Somit endet das Leben des Schürzenjägers im Nirgendwo mit einem Chitin-Stachel im Kopf. Ein erfülltes Leben? Wohl kaum...

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