Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Die Zeit der Buße (Vor- und Nachbesprechung)
BeitragVerfasst: 10. Aug 2016, 20:34 
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Die Zeit der Buße

Ein weit aufragender, schwarzer Berg ruht auf dem Stuhl des Kommandanten; behangen mit Eisen, mit Leder, mit Fell, Trophäen, Waffen und alten Auszeichnungen; bedeckt von einem Urgestrüpp aus düsteren Barthaaren und einer Mähne, wie sie einem schwarzhaarigen Löwenhaupt zu attestieren wäre. Er atmet ruhig – aber mit solcher Gewalt, dass die Kerzenlichter im Raum vor seiner Omnipräsenz erzittern. Doch die schmalen, sonst so herrschaftlichen Augen scheinen diesmal ohne Fokus. Er zeigt offen, dass er nachdenkt. Auf dem großen Tisch stehen mehrere Platten mit Essen; mit Fleisch, Käse, Brot – und allerlei Rohkost. Seinen eigenen Teller hat das Schlachtenmosaik mehrfach leergefressen. Außerdem liegt da Nachtwind – noch begrünt vom Kampf gegen die Urtume – neben den Tellern auf dem Tisch. Breit, mächtig und blau schimmernd. Neben seinem Platz – der fürchterlich leidgeplagt knarzen muss – steht eine Schiefertafel, über die man eine Weltkarte gespannt hat. Walter Torfstich sitzt in Roben mit an der Tafel und trinkt schwarzen Kaffee, während das schwarzäugige Schlachtenmosaik sich mit einer dunklen Teemischung begnügt, die es sich – die Tasse ist vor seinen Pranken so winzig, dass man sie kaum sieht – träge scheppernd an die Lippen führt. Der Kommandant des Dämmersturms nickt dem Hüter der Schriften zu, worauf dieser sich umgehend erhebt und seine Tasse abstellt. Sie sind alle gekommen; die Streiter des Dämmersturms. Mindestens jene, die bei Kaderwulst dabei waren; darüber hinaus aber auch einige weniger bekannte Gesichter. Die Rottenmeister begrüßen sich.

"Nun.", so beginnt Walter Torfstich, Rottenmeister und Hüter der Schriften des Dämmersturms. "Die Lage ist ernst - das wissen wir jetzt alle. Der Feind hat sich uns offenbart und uns auf dem Schlachtfeld geschlagen. Wir haben überlebt, weil wir gerettet wurden. Ich habe die zweifelhafte Ehre, alle hier Anwesenden noch einmal darüber aufzuklären, was eigentlich passiert ist und warum wir uns jetzt in dieser Situation befinden. Ihr alle habt ausdrücklichen Befehl, diese Informationen auch an jene weiterzutragen, die gerade nicht hier sind. Unser Kommandant hat befunden, dass es nicht länger notwendig ist, irgendein Geheimnis daraus zu machen."

Allzu große Verwunderung ist der angereisten Menge nicht zuzusprechen; viele sind bereits informiert oder haben vom Hörensagen eine Vorahnung gewonnen. Walter wiederum scheint auch nicht sonderlich darauf bedacht, seine dramatische Kunstpause in die Länge zu ziehen, weswegen er gleich an die Schiefertafel tritt, sich seine Kaffeetasse reichen lässt, schlürft und schließlich mit dem Vortrag beginnt.

"Der Dämmersturm hat vor einigen Jahren zweimal für Eisenschmiede auf den Gipfeln über uns gegen den Schattenhammer gekämpft. Einmal gegen Kultisten unter einem Drachenreiter namens Torkhan und das andere Mal - einige Zeit später - gegen eine Invasion von Dunkeleisenzwergen. Diese Dunkeleisenzwerge waren darauf aus, ein Artefakt zu bergen, das sich 'Stein des Morogh' nannte. Damals hat der dreifach verdammte Verräter Grimaldus Fäller - der damals noch nicht dreifach verdammt war - unseren Truppenanteil während der Verteidigung organisiert. Und - oh Wunder - ausgerechnet ihm fiel dieses Artefakt in die Hände. Er befahl dem ehrenwerten Bragnin Sturmfaust, die Front auf dem Berg zu verlassen, zum Schwarzfels zu fliegen und den unheilvollen Stein in einem der Lavaseen zu zerstören. Das geschah auch. Das war alles noch vor dem Nordendfeldzug. Einige Zeit später stellte sich der Dämmersturm in den Dienst von Senator Brutio Scharlachlocke. Ein Rassist, der die Aufnahme der Dunkeleisenzwerge in den Rat der Drei Hämmer verabscheut hat. Der Söldnerbund hat in seinem Namen einige weniger rühmliche, wenn auch gut bezahlte Operationen gegen Dunkeleisenseperatisten durchgeführt, bis ans Tageslicht kam, dass Scharlachlocke es einer Orcarmee - dem Rotaxtclan - ermöglichte, in Dun Morogh einzufallen. Zeitgleich brach er zum Schwarzfels auf und versuchte, ihn mit schwarzer Magie zum Ausbruch zu bringen und damit weite Teile der Dunkeleisenbevölkerung auszuradieren. Die Orcarmee wurde im Grenzgebirge - unter anderem vom Dämmersturm - gestoppt und vernichtet. Rottenmeister Everard verlor dabei seinen Arm. Die Rotte Rotglut dagegen konnte Scharlachlocke im Schwarzfels stellen und sein Vorhaben vereiteln. Doch statt ihn zu töten - so war es der Wille des Berges - wurde Scharlachlocke von einem Feuerelementar eingekerkert. Es hieß damals, der Senator sei von einer dunklen Macht besessen, die man nicht entfesseln dürfe. Soviel also dazu. Die ganze Verstrickung geriet beinahe in Vergessenheit und galt weithin als abgeschlossen, bis wir während des Alteracfeldzuges Informationen darüber erlangten, dass die Stadt Kaderwulst, im Nordwestgefälle, eine Hochburg des Schattenhammers sei. Die Beweise waren stichhaltig; auch wenn wir damals noch keinen Zusammenhang zu Scharlachlocke oder dem Stein des Morogh erkannten. Warum auch! Jedenfalls beschloss das Oberkommando nun, Kaderwulst restlos zu zerstören; auch um die Schätze der doch recht ansehnlichen Stadt zu bergen und die Grenzen unserer Ländereien abzusichern. Am Vorabend der Schlacht litten alle Waffenbrüder und Schwestern an fürchterlichen Albträumen, in denen sie den Untergang der Stadt und den Kampf gegen unheimliche Schattendiener und ein fürchterliches Monstrum durchlebten. Die eigentliche Zerstörung der Stadt, die danach stattfand - einschließlich des Massakers an der Bevölkerung - gestaltete sich dagegen als unspektakulär. Die Destruktorgeschosse machten kurzen Prozess mit Kaderwulst. Als danach die Ruinen nach Hinweisen auf einen Schattenkult durchsucht wurden, konnte nichts gefunden werden. Trotzdem verhallte in den Köpfen unserer Leute immer wieder der Satz: 'Kaderwulst ist eine Lüge.' Außerdem fiel immer wieder der Name 'Sturmfaust', obwohl viele der jüngeren Mitglieder des Dämmersturms ihn gar nicht kannten. Außerdem war eine Tagelöhnerin verschwunden. Als Reaktion auf die rätselhaften Ereignisse erklärte unser Kommandant die Ruinen von Kaderwulst zur Sperrzone und der Dämmersturm verließ den Ort. Rottenmeisterin und Skriptorin Iris Theane nahm sich danach des Mysteriums an und betrieb lange Zeit - bis zu ihrem Tod - Nachforschungen zu diesem Thema. Sie stellte dabei erfolgreich einen Zusammenhang zu den Ereignissen um den Stein des Morogh und Brutio Scharlachlocke her. Allerdings blieb der zwingende Beweis aus, da die Expedition zum Schwarzfels - wo man sich nach Scharlachlockes Gefängnis umgesehen hätte - katastrophal an den Bedingungen der Brennenden Steppe scheiterte. Kurz vor Theanes Tod schaltete sich Sergei Jagellovsk in die Nachforschungen ein und brach - mithilfe der Informationen Theanes - nach Nordend auf, um dort Informationen über die Schatten und ihre möglichen Vertreter in Erfahrung zu bringen. Nach einer überaus verstörenden Forschungsreise, die ihn vermutlich - das ist alles etwas verworren - bis nach Azjol Nerub trieb, konnte er in Erfahrung bringen, dass die Wesenheit, die von den Veteranen der Schlacht um Kaderwulst im Albtraum erblickt wurde, vermutlich ein sogenannter 'Gesichtsloser' ist. Ein uraltes Wesen von immenser Macht; gewissermaßen ein Sprössling der Alten Götter. Soweit so gut."

Walter muss einen Augenblick pausieren, lässt sich frischen Kaffee einschenken und blickt in einige ratlose Gesichter; manche scheinen aber bereits verstanden zu haben, worauf das hinausläuft. Er bemerkt erst jetzt so wirklich die Weltkarte neben sich. Sie war natürlich schon die ganze Zeit da; bloß hatte er sie nicht in seinen Vortrag eingebunden. Er verbrennt sich die Lippen am heißen Kaffee, wiederholt in wesentlich kürzeren Worten das eben Gesagte und verweist nochmal auf die jeweiligen Länder, in denen die Ereignisse stattgefunden haben. Dann fährt er fort.

"Mit dem Zweiten Frühlingskrieg brachen nun die Oger unter Murg dem Klotz und die Westbergzwerge über uns herein. Außerdem traten immer wieder eigenartige Naturphänomene auf. Wandelnde Bäume, Moorbestien, aggressive Tiere - die meisten von euch wissen, wovon ich rede. Es waren die Druiden vom Zirkel des Cenarius - wie sich jetzt endgültig herausgestellt hat - die erst Murg zu seinem Aufstieg verhalfen und dann ein Bündnis mit den Zwergen des Westberges eingingen, die eine Chance witterten, ihre alte Schande zu bereinigen, indem sie uns vernichteten. Vermutlich haben die Druiden auch den Wolf bequatscht; deswegen der Verrat von Erwins Ruh. Das wissen wir nicht sicher, aber wir haben gerade auch keine Zeit uns damit zu beschäftigen. Wir haben im Zweiten Frühlingskrieg viele gute Krieger verloren und die meisten Schlachten nicht siegreich beenden können. Trotzdem gelang es uns am Ende Murg zu stellen und den Westberg zu vernichten. Der Zirkel des Cenarius sah sich also gezwungen, uns persönlich zu attackieren. Er ließ den kaderwulstschen Forst aufmarschieren und griff uns mit überwältigender Stärke an den Grenzen unserer Ländereien an. Die meisten von euch waren dabei. Warum tat er das? Warum ließen die Druiden den Zweiten Frühlingskrieg ausbrechen? Um uns zu vernichten - ja. Doch die Gründe reichen noch weiter. Das Wesen, das erst durch die Torheit des dreifach verdammten Verräters Grimaldus Fäller aus dem Stein des Morogh befreit wurde und dann von Brutio Scharlachlocke Besitz ergriff, konnte - vermutlich während des Einfalls der Eisernen Horde - aus dem Schwarzfels entkommen und sich unter Kaderwulst einnisten. Dort labte es sich an den Opfergaben, die wir ihm unfreiwillig durch die Zerstörung der Stadt darbrachten. Und mit neuer Kraft - unter bis jetzt ungeklärten Umständen - verschwand das Wesen dann wieder aus dem Gefälle, kam über das Meer und erreichte schließlich Kalimdor. Dort griff es in Silithus an und verursacht seither Chaos unter den Vertretern des Zirkels - vermutlich auf Burg Cenarius. Und sehr wahrscheinlich haben die Druiden die Spur dieser Kreatur zurückverfolgt und erkannt, dass wir für seine Befreiung verantwortlich waren. Folglich hielt uns der Zirkel für Kultisten und leitete Maßnahmen ein, uns auszuradieren. Glücklicherweise hatte die Rotte Reddick vorher den Irdenen Ring kontaktiert, der uns im letzten Moment zur Hilfe kam und die Druiden einigermaßen besänftigen konnte. Es besteht kein Zweifel an der Schuld des Dämmersturms; bloß haben wir die Schatten immer bekämpft und werden es auch weiterhin tun. Und - tja. Damit übergebe ich das Wort an den Kommandanten."

Das Schlachtenmosaik hat sein Teetrinken beendet und wartet bis der Hüter der Schriften wieder Platz genommen hat. Die gewaltigen Pranken fahren nachdenklich über Nachtwinds Klinge; dann steht der Berg auf. Und alles scheppert, singt, ringt und verklingt wie eine vorwärtsmarschierende Barbarenhorde. Die verhallenden Klänge seiner Rüstung, der drachenartige Odem und das Knistern der unübersichtlich-gewaltigen Barthaare sprechen schon allein von einer Gewalt, die dem Anzukündigenden seiner Eindrücklichkeit vorwegnimmt. Er öffnet nunmehr die Pranke, um dem, was Walter erklärt hat, noch etwas Zeit zu schenken; denn so ist es seine Art: Zeit zu schenken und zu nehmen, wie es ihm gefällt. Doch dann, majestätisch und erhaben, brechen Laute aus der vernarbten Kehle.

"Der Zirkel des Cenarius verlangt nicht länger unsere Vernichtung. Er verlangt einen Feldzug der Buße - im Sinne Azeroths - und mit dem Ziel, die Schatten zu bannen, die wir riefen. Der Dämmersturm wird dieser Aufforderung Folge leisten. Es ist seine Bestimmung. Die Wächter dieser Welt haben gesprochen. Wir werden nach Silithus gehen. Ihr alle, hinter meiner Standarte. Und sind wir dort, werden wir den Gesichtslosen stellen und ihn vernichten. Sein Blut ist das Wasser unserer Läuterung. Wir entsagen den Schatten. Wir entsagen dem Übel. Wir kämpfen, weil es unsere Pflicht ist. Ich leiste diesen Eid: Ich schwöre, den Dämmersturm nach Silithus zu führen und ich schwöre, unsere Schuld an dieser Welt zu begleichen. Der Gesichtslose ist unsere Geißel. Wir sind die Geißel des Gesichtslosen. An ihm entscheidet sich das Schicksal des Dämmersturms. Wir sind verdammt, solange er existiert. Er ist es, solange wir existieren. Ihr durftet erfahren, wie lange schon die Ketten des Schicksals den Dämmersturm mit dieser Kreatur verbunden haben. Nachtwinds Klinge lechzt danach, diese Ketten zu zertrümmern. Bei Iris, bei Julius: Dies ist die Zeit der Buße. Soviel sind wir den Gefallenen schuldig."

Das breite Schwert des Kommandanten jagt vom Tisch, zerpflückt einen Apfel und findet sich in seiner rechten Pranke wieder, wo es - einmal herumgewuchtet - an seiner Seite steht.

"Bringt es rein."

Und daraufhin bringen zwei hochdekorierte Söldner eine sarglange Schatulle in den Saal, platzieren sie auf dem Tisch und öffnen sie für die Anwesenden. Ein beschwingendes Gefühl, wie lauwarmer Platzregen nach einem schwülen, drückenden Tag, flutet schimmernd den Raum; selbst die zitternden Kerzen scheinen für den Augenblick zu ruhen und ein Stückweit anzuwachsen. Heldenmut, Tatendrang: Der Wille zur Schaffenskraft; zu kraftvoller Existenz und pulsierend-guter Lebenslust! Es ist ein Gefühl wie Erlösung, eines von Freiheit und Glück! Ein glühender Speer - nicht von Feuer, sondern von bloßem Licht - erhebt sich geschmeidig schwebend aus der Schatulle und findet - quer wie der Horizont - eineinhalb Meter über dem Tisch, selbstlevitierend zur Ruhe.

"Dies ist die Wellenheimer Lanze. Sie wurde erschaffen, aus dem verdorbenen Relikt des Schattenhammers; dem Speer des Torkhan. Julius von Wellenheim hat sie geführt, als das Zwielicht in ihr tobte. Er siegte mit ihr - doch voller Abscheu ließ er sie danach in den verborgensten Winkeln seiner Burg einschließen. Viktorie Goldschild und Phaeron Pfannenschwinger haben diese Kammer geöffnet und den Speer des Torkhan von den faulenden Kräften der Leere gesäubert. Sie haben den Schatten bezwungen, der sich ihnen fürchterlich kreischend aus dem Inneren der Waffe entgegenwarf; und mit der Macht des Lichts - der Existenz - konnten sie das Unlicht bannen und in Heiligkeit verkehren. Hiermit ist eine Waffe geschaffen, das Übel, das noch vor uns liegt, ein für alle mal zu vernichten. Ihr wisst, dass die Standarte des Dämmersturms im Pass von Kaderwulst zerbrach. Ich habe ihre Überreste geborgen. Die Wellenheimer Lanze wird unser Banner neu erwecken und fortan in die Schlacht tragen, bis sich einer der Unsrigen als würdig erweist, sie in den Schlund des Wahnsinns zu stoßen."

Das Schlachtenmosaik lässt die Waffe schweben, nimmt nun aber wieder Platz. Der Stuhl heult und Nachtwind wird an die Tischkante gelehnt. Die waltende Pranke wandert wieder in die Richtung des Hüters der Schriften. Dieser erhebt sich abermals - diesmal ohne seine Tasse zu vergessen - schlürft und tritt an die Weltkarte. Er setzt den Vortrag fort.

"Soviel also dazu. Jetzt noch'n kleiner Exkurs. Haha. Wir haben von Lady Hekate und auch aus anderen Quellen Kunde erhalten, dass es auf der ganzen Welt vermehrt zu Dämonensichtungen und Kultaktivitäten kam. Leute verschwinden und werden tot aufgefunden. Selbst in Sturmwind hat sich die Anzahl der Untergangspropheten in den letzten Wochen verzwanzigfacht. Hier - hier - hier. Hier auch. Überall."

Walter zeigt immer wieder Punkte auf der Weltkarte auf, an denen es zu teufelsmagischen Aktivitäten von bedenklicher Intensität kam.

"Die oberste Führungsriege der Kirin Tor, selbst Lady Hekate verschlossen, hat die genaueren Informationen zunächst zurückgehalten, doch vor wenigen Tagen ist die Situation eskaliert. Südöstlich Nordends - seht ihr diese Inselgruppe hier? Gut. Der teufelsmagische Impuls an diesem Ort war bis nach Beutebucht spürbar. Ich habe in der Nacht fürchterlich schlecht geschlafen. Das letzte Mal habe ich sowas gesehen, als das dunkle Portal in den Verwüsteten Landen wieder geöffnet wurde. Kurz darauf kam es in Sturmwind zur Mobilmachung. Seine Majestät König Varian Wrynn führt persönlich eine ganze Heeresgruppe zu diesen Inseln. Uns fehlen genaue Zahlen, aber ... ich kann mich nicht daran erinnern, in den letzten Jahren ein Aufgebot von vergleichbarer Größe gesehen zu haben. Worgen, Gnome, Nachtelfen, Pandaren, Draenei, Zwerge und Menschen. Graumähne und Mekkadrill sollen ebenfalls auf dem Weg gewesen sein. Selbst einige namhafte Helden des Draenorexpetionskorps waren vor Ort. Wir haben Grund zur Annahme, dass - nunja, also ..."

Dann hält der Robenträger inne und beißt sich hinter der Maskierung seines Unterkiefers auf die Zähne.

"Es sieht alles danach aus, als leite die Brennende Legion einen Angriff ein. In ein paar Tagen haben wir Gewissheit - aber ich wüsste nicht, was noch dagegen sprechen könnte."

Harad ad-Kadif, anlässlich behangen, wie er immer behangen ist: Mit Schmuck, Auszeichnungen und allerlei mordbrennerischem Schnickschnack, rollt fürchterlich mit den Augen; reagiert damit aber bloß am schnellsten, denn im Raum macht sich eine Unruhe breit, der selbst die Wellenheimer Lanze und ihr wohliger Schleier nur mit Mühe Einhalt gebieten können. Als sich die durcheinanderredenden Stimmen gelegt haben, spricht Orodaro - das Schlachtenmosaik - im Sitzen weiter.

"Die Welt steht Kopf und es ist eine Absurdität, dass wir dieser Tage nach Silithus ziehen, statt unter dem Banner der Allianz gegen die Dämonen zu kämpfen. Doch ich ahne, dass es da einen Zusammenhang gibt. Ob er sich uns erschließen wird oder verborgen bleibt, werden wir sehen. Der Dämmersturm war nie darauf bedacht, sich für die Geschicke dieser Welt zu opfern. Er stand stets für sich selbst und hielt zur Allianz, weil es ihm gefiel - und weil es weise ist. Nun erscheint es mir weise, den Gesichtslosen in Silithus zu vernichten und jeden Dämon zu bannen, der uns auf dem Weg zu ihm vor die Augen tritt. Das ist - für den Augenblick - unser Platz in dieser kopfstehenden Welt. Ist der Wahnsinn in unserem Schatten gebannt, werden sich Könige verneigen, um die Kraft des Dämmersturms an ihrer Seite zu wissen. Wir sind Söldner. Wir sind Waffen. Wir schmieden uns im Feuer der Verzweiflung, um vor ihr gehärtet in den Kampf zu ziehen."

Der Gruß des Dämmersturms fährt durch die Reihen der Anwesenden. Walter nickt langsam, dann fährt er fort - mit Blick auf Kalimdor.

"Wir haben aus gegebenem Anlass vor, das Seegebiet nördlich des Mahlstroms zu meiden, wenn wir nach Tanaris segeln. Wir werden die Truppen also in der Nähe von Beutebucht sammeln und dort auf die Schiffe gehen. Dafür haben wir Jason Robards kontaktiert, da es uns selbst an Marineunterstützung fehlt. Dann geht es geradewegs nach Tanaris, wo uns ein langer Marsch durch die Wüste bevorsteht. Wir werden mit den unterschiedlichen Wüstenvölkern kooperieren und uns nach Verbündeten umsehen. So ziehen wir dann von Gadgetzan aus, von Oase zu Oase, immer weiter westwärts. Das dahinterliegende Gebiet ist unerschlossen. Die Kaldorei nennen es 'Un'goro'. Was da auf uns wartet, wissen wir nicht. Gerüchten zufolge ist es ein Urwald. Hinter 'Un'goro' liegt dann Silithus. Silithus selbst ist - den Sagen nach - auch eine Wüste. Angeblich ist dort noch ein kleines Kontingent der ersten Brigade von Eisenschmiede stationiert; aber das halte ich für mehr als unglaubwürdig. Das Land zog vor mehreren Jahren Aufmerksamkeit auf sich, als Burg Cenarius die Rückkehr der Qiraj feststellte. Horde und Allianz formierten eine Armee unter Kalimdors Banner, um die Qiraj aufzuhalten und C'thun - einen alten Gott - zu vernichten. Wir können davon ausgehen, dass der Gesichtslose irgendwie in Verbindung zu C'thun und den Qiraj steht. Ist das der Fall, haben wir auch mit Silithiden zu rechnen. Unterschiedliche insektoide Spezies, die uns zahlenmäßig tausendfach überlegen sind. Wir werden sie in offenen Feldschlachten nicht bekämpfen können; weswegen - so glauben wir - unser Hauptaugenmerk darin liegen muss, Schwachstellen in ihren Schwärmen auszumachen und sie mit kleineren Einsatzgruppen zielgenau zu treffen. Wir wissen nicht, inwiefern wir uns auf die Unterstützung von Burg Cenarius verlassen können, weswegen es wichtig ist, dass wir uns irgendwo - die Karten geben nicht genug Aufschluss darüber wo genau - einen Stützpunkt sichern, von wo aus wir für längere Zeit operieren können. Das letzte, was uns da draußen passieren sollte, ist, dass uns der Proviant ausgeht. Wie ihr alle wisst, sind uns die stärksten Waffen des Dämmersturms in der Schlacht auf dem Kaderwulstpass abhanden gekommen. Wir werden versuchen, diesen Bestand wieder einigermaßen aufzufüllen - doch es wird kompliziert sein, schweres Gerät später durch die Wüste von Tanaris zu bringen. Wahrscheinlich werden die Schredder uns stattdessen sehr nützlich sein. Ihr alle seid aufgefordert, euch Wissen über das Überleben in der Wüste anzueignen; es dient dazu, euren eigenen Hintern zu retten. Da sich die Situation bezüglich der Legion momentan dramatisch zuspitzt, müssen wir schnell abreisen; wir haben bereits Meldung erhalten, das man daran interessiert ist, den Dämmersturm unter anderem für Eisenschmiede an die Front zu schicken. Bevor wir dieses Angebot ausschlagen, sollten wir bereits auf hoher See sein; sonst wird das unserer Reputation massiven Schaden zufügen. Stellt euch darauf ein, dass es jederzeit losgehen kann. Der genaue Zeitpunkt wird bekanntgegeben, sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind. Das ... wäre von meiner Seite aus alles. Der Kommandant wünscht jetzt, mit der Besoldung fortzufahren."

Walter zieht sich zurück, während eine handvoll Bediensteter von Burg Wellenheim heraneilen, um die vielen Scharmützeltaler bereitzustellen, die an alle Teilnehmer der Schlacht von Kaderwulst verliehen werden. Dazu wechseln Unmengen von Gold und Dämmersturmmarken den Besitzer. Bloß für Aylen Thalindar findet der Kommandant an dieser Stelle noch individuelle Worte, wo es dann heißt:

"Aylen Thalindar, Ihr habt den Feinden des Dämmersturms in der Stunde der Not getrotzt. Ihr seid nicht bloß ein Veteran der Schlacht auf dem Kaderwulstpass, Ihr seid ein glühendes Beispiel für den Elitestatus des Dämmersturms und habt Eurer Rotte alle Ehre gemacht. Euch ist es im Kampf gelungen, drei erfahrene Druiden des Zirkels gleichzeitig und ohne Gnade zu töten. Mit kompromissloser Gewalt und unverkennbarer Durchschlagskraft, habt ihr Euren Kameraden das Leben gerettet. Dafür dankt Euch der Dämmersturm. Tragt die Silberaxt mit Ehre, Stolz - und zum Vorbild für alle Mitglieder unserer Sache. Dem Sturm entgegen."

"Dem Sturm entgegen."

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Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Zeit der Buße (Vor- und Nachbesprechung)
BeitragVerfasst: 8. Dez 2017, 20:50 
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Vor der Heimkehr

Der granitäre Leib des Kommandanten erhebt sich vom Tischkopf. Sandbrocken knacken aus den kraternden Muskelbergen und Staub rieselt kratzend aus der ehernen, brustlangen Bartpracht. Die frischgeschärfte Klinge des Deloraschwerts fährt sägend aus der unverzierten Scheide. Als das breite Blatt an der Pranke des Schlachtenmosaiks herumwirbelt, zittern die Kerzen in heillosem Durcheinander. Dann bettet es sich auf die breite, nackte Schulter. Der Dämmersturm logiert seit einigen Tagen in der salzigen Otze. Der Tisch mit allerlei würzigen Speisen gedeckt. Rum, Wein, Bier und Wasser stehen in zahllosen Krügen über das Holz verteilt und im großen Schankraum sitzen alle Verbliebenen des gebeutelten Schlachtzugs. Die Verletzten hat man auf ihren Tragen herangekarrt, damit sie den Worten des Kommandanten beiwohnen können. Unweit seiner Gewaltigkeit steht die Wellenheimer Lanze mit dem zerfetzten Banner des Dämmersturms, über dem die drei Steine Un'goros thronen. Der güldene Schleier, der das Relikt umgibt, schwächelt sichtlich. Er ist weitaus unauffälliger, als er zu Beginn des Feldzuges, in Un'goro und auf dem Schlachtfeld in Silithus war. Seit der Vernichtung der obsidiangetränkten Wüste, die sie vom Gebirge aus mit ansehen mussten, scheint die Lanze traumatisiert. Orodaro nickt der Lanze zu, spricht ihr Gebet - und dann zum Dämmersturm.

"Der Büßerfeldzug ist beendet.", donnert der Kommandant. "Unsere gemeinsamen Anstrengungen haben den Leviathan vernichtet. Der Schatten der Vergangenheit, der uns, die wir vom Dämmersturm sind, so lange bedroht hat, ist nun getilgt. Wir können in die Zukunft blicken und uns neuen Aufgaben widmen, die nicht etwa unseren Untergang verhindern, sondern unsere Größe und unseren Reichtum vergrößern sollen. Wir haben viele Freunde auf diesem Feldzug verloren, den wir führen mussten - andernfalls hätte er uns eines Tages allen Kopf und Kragen gekostet. Diese Freunde müssen auf alle Zeit in unseren Erinnerungen erhalten bleiben, denn sie brachten das ultimative Opfer und erfüllten im ehrwürdigsten Sinne den Eid des Dämmersturms. Ungeachtet der Tatsache, ob sie ihn bereits abgelegt hatten oder nicht. Die Todgeweihte, wir nannten sie bis zum Ende 'Die Natter', brachte ein noch größeres Opfer, das nun über ihren Tod hinausreicht. Sie stürzte sich in den Gesichtslosen, um ihn für unsere Angriffe verwundbar zu machen, sodass es Aylen Thalindar schließlich gelang, einen ihrer Zauber in sein finsteres Herz zu rammen. Der Leviathan verging in gleißendem Licht. Und der Geist der Natter verschmolz daraufhin mit der Wellenheimer Lanze, die nach wie vor unser Banner und die Steine aus Un'goro trägt. Sollte sich dieses Relikt, das uns den ganzen Feldzug über schützend und feindverheerend begleitet hat, eines Tages vom schockierenden Anblick des untergehenden Silithus erholen, wird es einmal mehr die Natter sein, die an unserer Seite marschiert und im Geiste der Lanze den aufwartenden Gefahren trotzt, uns schützt und im Kampf zu Heldentum und Schlagkraft beflügelt. Sie wird dort sein, wo der Dämmersturm sie benötigt - doch werden wir uns ihrer nur mit größtem Respekt und keinesfalls überheblich bedienen. Sie wird ruhen, bis sich eine neuerliche Stunde der Not ereignet - und bis zu diesem Tage unsere... und die Ehrerbietung jener erfahren, die uns zum Schutz befohlen sind. Damit wir der erbrachten Opfer stets gedenken und des Eides Wortlaut im besten Sinne erfüllen, wird es fortan einen Tag in jedem Monat geben, an dem alle Eidträger, so sie die Möglichkeit habenund alle Anwärter, so sie es wünschen, zusammenkommen, um der Gefallenen und der Gegenwart zu gedenken. Es soll ein Tag der Riten, gleichfalls wie ein Tag der Beratung und der Transparenz sein. Wenngleich es nicht ratsam ist, unsere Erfahrungen aus Silithus in die Welt zu tragen, da man sie uns nicht glauben oder uns verdächtigen wird, dürfen diese Erinnerungen in unseren eigenen Reihen nicht verloren gehen, denn sie werden nachfolgenden Generationen von Söldnern einen wichtigen Eindruck davon vermitteln, was es heißen kann, Söldner des Dämmersturms zu sein - und welch' geschichtsträchtigem Bund sie sich angeschlossen haben. Sie mögen daraus lernen - mögen die Namen alter Helden erfahren... und gleichzeitig mögen sie mit Wort und Tat beiwohnen, wenn Entscheidungen getroffen werden, die unsere Zukunft bestimmen. Diesen Tag, der also einmal im Monat abgehalten wird, nenne ich Zusammenkunft. Er wird der dreiundvierzigste Eintrag in den Statuten des Dämmersturms. Doch ein vierundvierzigster folgt unmittelbar. Die Druiden - und besonders jene vom Volk der Kaldorei, haben dem Dämmersturm großen Kummer bereitet. Sie haben unsere diplomatischen Gesuche ignoriert. Sowohl zur Zeit des Zweiten Frühlingskrieges, wie auch später in Silithus. Wir hatten nie die Möglichkeit, uns zu rechtfertigen; nie die Möglichkeit, für uns selbst zu sprechen - bloß die Schamanen von anderswo traten einmal für uns ein, um unsere Vernichtung im Pass von Kaderwulst abzuwenden. Und als wir unsere Strafe antraten und den Büßerfeldzug leisteten, da wurden wir hinterrücks überfallen. Der Zirkel des Cenarius war vertragsbrüchig - er hat versucht, uns abzuschlachten, wie Vieh - und nicht mehr waren wir in den Augen der hochmütigen Nachtelfen. Sie mögen ihre Gründe gehabt haben, doch der Dämmersturm akzeptiert diese Gründe nicht. Der Dämmersturm will keinen Krieg mit den Druiden, doch will er sie auch nicht an seiner Seite wissen. Die Narbe des Verrats, die sie beide an uns hinterlassen haben, reicht tief - und mein Vertrauen in diese Leute hat ihr Ende gefunden. Eintrag Vierundvierzig wird verheißen: Misstraue den Kaldorei und misstraue den Druiden. Führe sie niemals in die Reihen des Dämmersturms ein und halte Abstand zu ihnen, solange du die Wahl hast."

Es macht sich stellenweise Verwunderung und Missfallen vor dieser Verordnung breit, doch der Gigant am Kopf des Tisches übergeht sie, spricht weiter, und lässt sich nicht aus seiner omnipotent obwaltenden Ruhe bringen.

"Der Büßerfeldzug war die schlimmste Kampagne, die der Söldnerbund je durchstehen musste. Umso mehr hat sie jene unter uns, die noch leben - und jene, die starben bis zu ihrem Tode erzogen, geschlagen, geformt, getempert und abgehärtet. Jeder, der jetzt noch unter uns weilt, ist ein elitärer Veteran des Dämmersturms. Eine Figur, reich an Geschichte - und würdig, ewig währenden Respekt zu erfahren. Es werden andere kommen, wie es schon andere gibt. Unsere Waffenbrüder und Waffenschwestern in Alterac. Sie werden zu euch aufschauen. Und sie tun gut daran, denn ihr wisst mehr, als sie wissen. Sie werden von euch lernen, wie alle von euch lernen werden, die jetzt kommen. Sollten sie sich euch gegenüber respektlos verhalten, beschmutzen sie das Andenken des Dämmersturms - beschmutzen sie uns alle - beschmutzen sie auch mich. Ihr seid die legendären Helden, die noch in den Geschichten des Dämmersturms überdauern werden, wenn andere unsere Schlachten schlagen und andere Kommandanten über diese Reihen herrschen. Bedenkt das. Respektiert einander - doch scheut euch auch nicht, diesen Respekt einzufordern. Ihr habt ihn euch sehr verdient. Wie ihr wisst, habe ich in Un'goro meine alte Klinge verloren. Nachtwind zerbrach am zerstörten Leib Dunkelzahns. Doch es war mir gelungen, einen Splitter zu bergen. Er war kalt und ermattet. In ihm schlummerte keine Zauberkraft mehr. Ich nahm ihn mit. In Silithus überstand er jedes Schlachtfeld. Selbst als der Leviathan die Rüstung des Torkhan beinahe gänzlich zerstörte, blieb dieses Stück erhalten. Hier in Gadgetzan ließ ich es nun einstampfen und in viele weitere Splitter zerbrechen, die ich wiederum in gehärtetes, bernsteinfarbenes Glas fassen ließ. Ich möchte, dass jeder Veteran des Büßerfeldzuges einen dieser Splitter trägt - er soll ihn auszeichnen und vor allen anderen als Heroen markieren. Tragt dies mit Ehre, Stolz und zum Vorbild."

Und wie er das sagt, verteilen die Bediensteten auf geflickten Stoffpolstern die anhängergroßen, orangefarbenen Glassteine, in denen sich jeweils ein dünner, aber durchaus ersichtlicher Splitter Nachtwinds befindet.

"Delora, in der Sonnenwendschlacht habt ihr mir euer Schwert geliehen - und ich nahm eure Güte lange in Anspruch. Ich erschlug damit den Schwarmherrscher und beschwor die Ruhelosen, die uns vor Ahn'Qiraj zur Seite standen. Viele Abscheulichkeiten vergingen an dieser Waffe - und noch immer haftet ihr ein Nachklang jener dankbaren Seelen an, die es gerettet hat. Es ist nun an der Zeit, da ihr euer Schwert zurückbekommt."

Er hebt die Klinge von seiner Schulter, nickt die Kriegerin heran und reicht ihr das silbrig schimmernde Schwert, aufgebahrt auf beiden Pranken, wieder zurück. Dabei nickt er so tief, dass lediglich der Kniefall fehlt, um das Bild eines - wenn auch kolossalen! - Knappen zu schaffen, der seiner Herrin die Waffe reicht.

"In der Schlacht bei Ahn'Qiraj gebar die Not viele Heldentaten. Die verzweifelte Verteidigung des Trosses, die Vorstöße der Rotte ad-Kadif - und besonders jener auserwählte Sturmtrupp, der mit mir den Wahnsinn des Schlachtfeldes überwand und durch die Tore des gefallenen Königreichs brach. Ihr, die ihr mit mir die Schrecken Ahn'Qirajs aus erster Hand erlebt habt, ihr - die ihr den leidenden Nachklang der gescheiterten Abenteurer von einst erfahren musstet... das ewige Wehklagen der Elemente vor den Abscheulichkeiten dieses Ortes gespürt habt... die ihr bei mir wart, als wir uns selbst töteten und im aschespuckenden Inferno den Leviathan stellten... Ihr sollt das Ehrensiegel tragen, denn es ist die höchste Auszeichnung, die der Dämmersturm vergeben kann. Und ich will sagen, dass jedes dieser Ehrensiegel mit zwei Steintafeln gewürdigt wird. Eine für Alterac und eine für die Hallen des Dämmersturms. Darauf sind eure Taten niedergemeißelt, damit niemand sie vergessen wird. Tragt eure Auszeichnung mit Ehre, Stolz und zum Vorbild."

Einmal mehr gehen Bedienstete herum, um die Ehrensiegel an die Überlebenden des Sturmtrupps zu verteilen.

"Jene, die ihre Stellung hielten, verbissen - und zuletzt auf den Trümmern unseres zerstörten Lagers kämpften... ihr erhaltet das Stahlkreuz, denn wie Wahnsinn und Apokalypse auf euch einhagelten, habt ihr nicht die Flucht ergriffen - ihr habt dem Schattenhammer und den Dämonen getrotzt, obwohl alles längst verloren schien. Und wie es vorbei war und Ruhe einkehrte, habt ihr die Rückkehr des Sturmtrupps erwartet, statt auch nur einen Meter zu weichen. Tragt dies mit Ehre, Stolz und zum Vorbild für alle Anhänger unserer Sache."

Der strenge Blick, grauschwarz umrahmt, folgt den Bediensteten und als auch die letzten Stahlkreuze verteilt sind, poltert die Stimme des Kommandanten wieder kerzenwehend durch den Raum.

"Wir haben Silithus verlassen - und als wir das taten wurden wir Zeuge seiner Zerstörung. Das Ereignis und die Wunde, die der Angriff auf Azeroth hinterließ, werden Konsequenzen für unsere Welt haben. Ihr seht den schwertförmigen Berg am Abendhorizont aufragen - und noch immer prangt da Argus, der grüne Mond. Ich weiß nicht, was das für unsere Heimat heißen wird - für Eisenschmiede oder für Alterac. Doch ich sehe große Prüfungen auf uns zukommen. Prüfungen, die uns das abverlangen, was wir auf diesem Feldzug gelernt haben. Doch Obacht, meine Brüder und Schwestern - wir haben viel erfahren und mehr gesehen, als man uns glauben wird. Hütet euch, frei über Un'goro und Silithus zu sprechen, denn sie werden euch der Lüge bezichtigen und für verrückt erklären. Nachdem wir das Hochplateau hinter uns gebracht hatten und die Wüste durchquerten - und wie wir schließlich Gadgetzan sahen, entließ ich jene von ihrem Eid, die uns nicht länger folgen wollten. Ich tat dies, um ihre Taten zu würdigen und die Gewichtigkeit dieses Feldzuges zu bekräftigen. Außerdem warf der Feldzug Fragen und Groll auf, den ich nicht in die Zukunft des Dämmersturms transportieren wollte. Jene, die uns verließen, taten dies mit guten Gründen und haben in jedem Fall meinen Respekt verdient. Sie sind unsere Freunde - wer sie beleidigt, beleidigt auch den Dämmersturm. Doch jene unter euch, die blieben, haben entgegen all der Schrecken und trotz der fürchterlichen Dinge, die geschahen - entgegen aller Zweifel weiterhin zum Dämmersturm gehalten. Der Reif der Loyalität ist eine Auszeichnung, die nur selten verliehen wird, da unsere Statuten ohnehin zu Gehorsam verpflichten. Es gab in der Vergangenheit zwischenzeitlich einzelne Persönlichkeiten, die diese Ehrung erhielten - eine wirklich umfangreiche Verleihung des Reifes fand jedoch das letzte Mal statt, als während des Dschungelsturms ein Drittel des Söldnerbundes desertierte. Wenngleich der Verlust durch die Eidentbindung nicht so schwer wiegt, wie es jener durch die Verräter von einst tat, ist eure Wahl, dennoch diesem Banner zu folgen - wenngleich ihr mit Reichtum und allen Ehrungen hättet von dannen ziehen können - ein Zeugnis großer Überzeugung und Gefolgschaft, das ich hier und jetzt damit ehren möchte. Tragt also den Reif der Loyalität mit Ehre, Stolz und zum Vorbild! Dem Sturm entgegen."

Es gehen die nächsten Auszeichnungen um. Und kaum da sie verliehen sind, spricht Orodaro wieder weiter.

"Unsere Führungsriege ist ausgedünnt. Der Dämmersturm hat viele Offiziere auf diesem Feldzug verloren - und auch die Verwaltungseinheiten sind beschädigt. Ich habe mich bereits darüber beraten, wie wir diese Verluste ausgleichen werden. Zunächst einmal wird die Disziplinarkommission aufgelöst und ins Rekrutierungsbüro integriert. Die Sturmklinge wird wieder zum Rekrutierungsoffizier ernannt und folgt damit auf Harad ad-Kadif, der wiederum die Sturmklinge damals ablöste. Die Aufgaben des Rekrutierungsbüros werden um die Aufgaben der Disziplinarkomission erweitert. Viktorie Goldschild wird zur Lagerverwalterin und zur Hüterin der Reliquien erklärt, womit sie mich in diesem Aufgabenfeld ablöst. Die Lagerverwaltung ist für den Schutz unserer Ressourcen, die Produktion, Versorgung und die Krankenpflege zuständig. Alexander Veidt verbleibt im Amt des Schatzmeisters, während ich vorübergehend die Pflichten des Hüters der Schriften übernehme. Darüber hinaus fehlt es dem Dämmersturm an Rottenmeistern. Ich spiele mit dem Gedanken, der Sturmklinge wieder eine persönliche Rotte zu unterstellen. Dies und etwaige Beförderungen potenzieller neuer Rottenmeister klären wir jedoch erst, wenn wir wieder in Eisenschmiede sind. Die Rotte Torfstich wird aufgelöst und auf spätere, andere Rotten verteilt. Die gegenwärtig verbliebene Konstellation bleibt jedoch als "Torfstichs Rammbock", ähnlich wie "Everards Faust", erhalten und untersteht im Falle eines Einsatzes meinem persönlichen Kommando. Ähnlich wie es bei der Erstürmung Ahn'Qirajs der Fall war. Das heißt, dass die alte Rotte Torfstich für Sondereinsätze - in denen wir ihre herausragende Qualität benötigen - durchaus erneut eingesetzt werden kann, die einzelnen Mitglieder im regulären Betrieb aber in anderen Rotten dienen werden."

Schließlich winkt der Kommandant einen Zug aus Grünhäuten herein, die mit haufenweise Schließkassetten, Geldbündeln und Schatzkisten die salzige Otze betreten. Dabei werden sie von Haudraufs des Kartells flankiert, die der Zusammenkunft misstrauischen Blickes ihren Tribut zollen. Es werden kurze Worte zwischen Orodaro und den Goblins gewechselt, dann zischen sie wieder ab.

"Wenn wir heimkehren, wird es bald Winterhauch sein. Eine Tanne ließ sich bedauerlicherweise nicht auftreiben, doch die Kisten und Beutel tragen jeweils die Namen derer, für die sie bestimmt sind. Sie enthalten den hart verdienten Sold des Feldzuges. Es ist der dreifache Maximalsold und eine angemessene Zahl an Marken. Da unsere Feldzugskasse leer ist, haben wir ein weiteres Darlehen beim Dampfdruckkartell aufgenommen. Die finanziellen Ressourcen aufzutreiben, um es zurückzuzahlen, wird unsere erste Aufgabe in Eisenschmiede sein. Nehmt nun, was das eure ist - ihr habt es euch verdient. Bald reisen wir heim. Dem Sturm entgegen. Die Lanze schützt. Und Kaderwulst ist eine Lüge. Guten Appetit."

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Dem Sturm entgegen! - Schlachtruf und Grußformel der Söldner des Dämmersturms.


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