Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Re: Leviathan
BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 00:45 
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Das Ende der Aszendentin

<Klingensturm und Kräfte – geradewegs aus der Schwärze des Antikosmos – jagen vor Alvrim und Veidt und Viktorie zu allen Seiten, als der Rottenmeister plötzlich die Schießeisen hochreißt und auf Lichts Gnaden die volle Feuersbrunst ins Nichts riskiert. Da pulverisieren sich die Schatten und Schrot frisst Fleisch und Fleisch frisst Schrot und Natters blanker Körper wird von der Wucht ihrer eigenen, düsteren Energien nach hinten gerissen. Die nachfliegenden Schattenblitze verlieren sich im Nirgendwo, als sie auf den Steinen aufschlägt und ihr Rücken sich blutig schabt. Ihre grellen und düsteren Klingen zerfallen zu Wüstenstaub. Wir sehen sie atmen und zittern, wie ein kleines Kind in der schlotternachtschen Kälte. Sie scheint nicht aufstehen zu können.>

<Sie sieht zittrig zu ihm hoch. Zu einem anderen Zeitpunkt und vor einer anderen Person hätte sie dieses Bild wahrscheinlich zu ihren Gunsten genutzt, hätte sich schwächlich inszeniert, um sich schließlich blutsaugend an der Kehle ihres überrumpelten Opfers zu laben, doch nein - ihr blutroter Blick verblasst in ein undefinierbares Kristallin - wie von grobkörnigem Meeressalz. Ihr unheiliger Körper zittert unter wirren Zuckungen. Die Lippen bringen kaum einen Laut zustande, ehe schließlich ein beständiger Fluss aus rostfarbenen Tränen von ihren Wangen perlt und sich im kaderwulstschen Dreck verliert. Sie schließt jenes Augenpaar, das so viele Tode sah – so viel Mord, ihre Verbrechen wie auch die Verbrechen anderer. Sie schluckt, ohne das es noch einen Sinn hätte. Und als sie die Lider wieder öffnet, hoch zum gnädigen Alvrim, da sind die Pupillen verstunden und die Augen als solche und ein erstrahlendes Licht flutet die Höhlen und aus ihnen heraus Alvrim und den Boden und die Söldner und jede Rille zwischen den Steinen am Boden und den Steinen in den Wänden und überhaupt alles erstrahlt und das Bild wird weiß. Erst kalt, dann warm und schließlich blättert die Lüge von Kaderwulst auseinander, wie das erste Grün aus scheinbar erstorbenem Wintergeäst. Die Häuser wehen davon. Die Pflastersteine werden zu bemoostem Waldboden und Natter selbst sinkt in die Erde ein, wie eine einsam verstorbene Moorleiche. Schlamm schmatzt – und wo sie verschwindet, da entsteht eine Grube, die hinabführt – in die Düsternis – und über kalte Steine hinweg in ein scheinbares Gewölbe aus dem eigenartige Farben sich drängen und von wo aus Schlachtenlärm erklingt; der Atem des Kommandanten und das abscheuliche Grollen der Tiefe.>

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 Betreff des Beitrags: Re: Leviathan
BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 00:50 
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Die Brücke von Kaderwulst

<Walter ruft die Gruppe beisammen und in Ermangelung irgendeiner Alternative treten sie hinab ins Erdloch. Obskure Steinkonstruktionen ziehen sich geschliffen – manche kantig, andere glatt, bis zur ungeahnt riesigen Decke herauf und unendlich tief herab in einen Schlund aus purpurfarbenen Wolken. Von jedem Winkel dieser vorhangartigen Schleier dringt die präschöpferische Stimme der Nicht-Existenz; der Leere höchstselbst und der Abwesenheit jeder irdischen Regel. Einst war dies das Wort, das über Azeroth sprach und allen Dingen ihre Note gab. Nun ist sie in die Unterwelt verbannt, aus der heraus sie Flüche speit.> „Yrrgl-grrkh arkhntsz grrkh pfavvvrrh Grz ytrurgh mmaerz Lffygr arkhntsz Yrrgltzzzz tzag lzukadsh yjyg yknl arghkhurhaynzsh.“ <Eine lange Brücke, von schwarzem Eisen führt über das vibrierende Zwielicht hinweg, doch ihr Ende liegt verborgen in düsterem Nebel, dessen Strukturen nicht zu erkennen sind. Als wölbe sich schwarz auf schwarz, scheint am Ende des Übergangs einfach gar nichts zu sein. Keine Klippe ins Meer, kein Loch im Boden – einfach nichts; ja noch nicht einmal die Untiefen, die sich neben der Brücke auftun… scheinen dort weiterzurreichen. Als hätten gnomereganische Wissenschaftler die Welt konstruiert und hier – aufgehört, weil sich ohnehin kein sterblich Wesen an diesen Ort herniederwagt. Und eigenartig verziehen sich die Farben von ihren Augen, dass man nicht mehr sicher ist, in welchem Glanz genau erstrahlt, was sie dort sehen. Grau und Rot und Schwarz und eine merkwürdige Melodei von Endzeit und Niedergang verhallt in den hohen Decken aus denen der Staub rieselt, wie Schnee.>

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 Betreff des Beitrags: Re: Leviathan
BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 00:53 
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Ein Nachtrag zur Vergangenheit - Die letzte Schlacht beginnt

<Die Schattenpartikel rieseln zu Boden und nach und nach bricht der Nebel. Er wühlt zur Seite. Das Licht kommt näher und der Standartenschatten taucht in die Finsternis ein, die daran zerbricht und auseinanderfährt. Ein dunkler, verschrumpelter Fels, aus dem sich strauchartige Haare emporkrümmen tritt langsam aus der Leere. Messingfarbene Verzierungen schlängeln sich chitinartig über dunkle, eingefallene Platten aus verkrümmtem, dunklem Fleisch, das aussieht wie aus einer Moorleiche geschält – doch ist’s lang und breit gespannt. Höher als ein Mann seinen Hals strecken kann. Granitartige Ausläufer ziehen sich davon ausgehend, wie die knöchernen Stützen einer fleischgewordenen Säule, über die schwarzen Platten auf denen sie stehen. Bläulich schimmernde Beutel hängen schlaff von einem silithusfarbenem Unterrumpf, über den sich vermackte Knochenschichten ziehen, die wiederum von nassen Fleischfäden überlappt werden. Groteske, unregelmäßige Zacken ragen darüber aus dem Körper heraus – lichtlos und beinahe unsichtbar im ohnehin schon düsteren Gewölbe. Jeder Winkelzug, jeder Schattenwurf, jede Regung, jedes Zucken – kolossal. Ein übergewaltiges Monstrum. Und wir sehen weiter herauf; wie wir es müssen, weil es uns bannt. Schrumpeliges Fleisch stapelt sich über den eigenartigen Knochenplatten und bildet einen unförmigen Berg aus rindenartig überzogener Haut, die wiederum zu zwei Seiten abdriftet. Zwei klaffende Löcher ragen darunter hervor, sie dampfen noch von der Einwirkung des Lichts. Doch das, was nun abdriftet, geht über in belagerungsturmgroße, armartige Strukturen, von denen aus messerscharfe Sensenklauen und einzelne, fühlerförmige Gewinde hängen. Fremdartige Scheren, wie von einem entarteten Riesenmakrura bilden jeweils die Enden, während ganz woanders das Haupt nach oben ragt, das erst beim dritten Lidschlag zu erkennen ist. Zwei purpurrote Augen starren auf das drohende Bollwerk des Lichts; die Söldner gar nicht beachtend. Doch drumherum: Ein Gewühl aus Tentakeln, Würgeschlingen, schlangenartigen, eigenständigen Wesenheiten, fluktuierenden Schattengespenstern und fischartigen Flossen, die dort herüberlappen, wo man den Schlund erwartet hätte. Aus dem Rücken ragt flügelartiges Gespann in die Höhe und darüber hinweg offenbaren sich weitere, kathedralenartige, Stachel, Kanten und Hörner. So wie sie es sehen, ist es erstaunlich, dass sie nicht augenblicklich den Verstand verlieren; doch möglicherweise sahen sie es schon die ganze Zeit, möglicherweise – nein mit Sicherheit! – hatten sie längst den Verstand verloren, ehe sie nun befähigt sind, wirklich zu sehen, was sie sehen – oder aber wenigstens etwas zu sehen, dass ihr Kopf ihnen begreifbar machen konnte, so erschütterlich der Leviathan in seinen Ausmaßen sich entpuppt – ja fast so hoch wie Dunkelklaues tausendzahnriges Maul. Das Licht fließt an ihm vorbei und hüllt ihn ein; hüllt alles ein und die Brücke zittert und die Treppe zittert und alles zittert und bebt und fällt in sich zusammen. Da sehen sie ein flackerndes Kaminfeuer und die riesenhafte Gestalt des Schlachtenmosaiks. Es ist ganz und gar bar jeder Kleidung. Die Muskelfasern verlaufen wie die Berge im Tal der Könige über Rückenfleisch, Bein und Kriegerarsch, wo sich allseits die Narben krümmen, Täler und Flüsse markieren und jede für sich ein Kriegsepos speit, genug für ein Menschenleben. Derer sehen wir Tausende und es bedarf hundertfachen Blinzelns, sie alle einmal wahrlich zu sehen, so hoch und breit erscheint der Kommandant. Wenngleich wir ihn bloß von hinten sehen, teilt der Schattenwurf seines völkerzeugenden Geschlechts die erschaudernden Kerzenlichter im Raum; die darüber zittern und sich in großer Ehrfurcht krümmen. Ja ist’s denn stilisiert oder die Wahrheit hier? Welch‘ barbarisches Majestätentum – welch‘ urtümliche Riesenhaftigkeit, so ganz nackt und gewaltig, wie ein Sturm, wie ein Berg, wie ein Krieg und alles, was mit ihm schallt und klingt. Die mächtigen Arme, die so riesig sind, dass sie Schädel zwischen seinen Muskeln zu brechen vermögen, liegen mit ambossartigen Pranken abgelegt auf einem Körper, der vor ihm steht und von dem wir nur zwei blasse Füße sehen. Draußen poltern Blitze und ein schwerer Regen hämmert gegen die Wände.>

„Nimmst du dieses Schicksal an?“ <grollend>

„Ja.“ <Wir fühlen ihr Schmunzeln.>

<Und die ganze Szenerie fließt fort, wie Sand in einem Stundenglas. Dunkelheit rieselt davon und wir hören heftige Winde peitschen. Feuer, Wasser, Licht und Donner bilden den Dämmersturm, der neben ihm durch silithidischen Wüstenstaub wühlt und etwas in sich gefangen hält. Wir sehen die Säulen Ahn’Qirajs und die riesigen Obelisken. Wir sehen die Verwundeten am Boden liegen, die gebrochenen Bodenplatten und das chaotische Schlachtfeld, das der Kampf gegen die Natter hinterließ. Orodaro kniet knurrend auf dem Boden; vor ihm die wehende, angerissene Standarte, die er mit der linken Pranke fest umschlossen hält, während die Klinge der Delora ihn an der rechten Pranke vom Boden abstützt. Seine schwarze Mähne ist ergraut, als fordere diese Schlacht Jahrzehnte für sich ein. Flammender Dampf steigt aus den Rüstungsplatten des Torkhan auf und hat den Pelzumhang durchlöchert. Er atmet. Und vor ihm. Da steht der Leviathan.>

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 Betreff des Beitrags: Re: Leviathan
BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 00:56 
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Tat twam-asi

<Doch plötzlich reißt der Leviathan sein flossenbedecktes Haupt zur Seite; als richte eine zwergische Bergfestung ihr Hauptgeschütz aus. Das grausige Augenpaar starrt herüber zum Dämmersturm; zur erglühenden Windhose, die über der Schlacht tobt, seit der Gesichtslose sich offenbart hat. Eis, Feuer und Donner offenbaren nun ein grelles Licht, das aus dem Auge des Wirbels nach außen dringt und die ganze Umdrehung für sich einnimmt. Knisternde Feuerblitze fahren zur Seite und klettern über die Trümmer. In den Flammen der Vergeltung zeigt sich der Abglanz einer Walküre, heftig, furorisch, stürmend wie der Sturm selbst! Eiskristalle formen sich zu blitzumzuckten Klingen. Die Überreste des apokalyptischen Schattenangriffes werden in die Windhose gesogen und verschwinden in grellen Lichtsäulen. Der Steinbrocken unter dem Fiasko erfährt Risse und knackt auseinander. Die roten Wolken am Himmel ziehen sich zusammen. Rote Asche fließt über das Schlachtfeld. Knochen fliegen dem Wirrwarr entgegen. Ein Knall. Eine Erschütterung wie von neuntausendeinhundert Destruktoren. Und alles wird weiß. Silbrig durchzieht das Licht jeden sichtbaren Winkelzug in einem flammenden Inferno. Der Sturm wird zur Frau. Und die Frau zu einer Kriegerin aus purem Licht, die mit geweihter Luft in ihrem Fahrwasser auf den Leviathan zusetzt. Sie kracht mit voller Wucht in seine Brust. Die Schale bricht und wo sie in ihn eindringt, breitet sich weiße Vergeltung und das beschworene Wesen der Aufopferung im Leib des Albtraums aus. Der schwarze Koloss stürzt fast zeitlupenartig. Die Tentakel verbrennen und die Scheren erfahren tiefe Risse aus denen blendende Auren hervordringen. Klaffend: Das Loch in der Brust und Krater tun sich in den Beinen auf. Wir hören es röcheln, als hätte es eine Lunge. Als die Hinterseite des Leviathans den Boden erfasst, knickt die Erde ein und Steinplatten tun sich zu beiden Seiten auf. Hell, weiß – der Augenblick naht. Sein Ende scheint zum Greifen nahe.>

<Das Licht sprudelt aus den Rissen im Leib des Leviathans. Es berührt die Waffen der Sturmklinge, und verleiht ihnen eigenartige Beflügelung. Nicht bloß, dass sie in die Schatten eintauchen, wie in altes Fleisch, sie kommen auch mit einem beschwingenden Berserkertum daher, der alle Opfer, alles Leid dieses Feldzuges und der Tage davor aufsummiert und mit der grimmigen Genugtuung erfüllt, dass all dies nun zu seinem rechtmäßigen Ende kommt. Jeder Schlag, obgleich anstrengend und unter schmerzenden Knochen geführt, berührt die Seele in neugewonnener Freiheit – in endloser Erleichterung; als fiele gewaltige Last von den Schultern des Champions. Mit diesem Gefühl im schlagenden Herzen, vor soviel ungeahntem Schrecken, könnte er noch tausend Stunden weiterschlachten; komme was da wolle. Doch ist es Orodaro, der nun naht. Mit Schritten wie ein Bulldozer! Die Klinge der Delora steckt abseits zwischen zei Bodenplatten – er hat sie zurückgelassen. und stürmt den gefällten Gesichtslosen empor. Sein blanker Leib erscheint in Alvrims Sichtfeld wie ein sich erhebender Kriegsgolem aus Fleisch und Blut und mit Blut und Sekret, Haut und Knochen begossen. Er hält die Standarte in der linken Pranke und die Deloraklinge in der rechten. Alvrims Werk hat Risse gesprengt und offene Oasen aus sonnenhellem Glanz eröffnet, die nun immer weiter expandieren – als könne die Schale nicht mehr an Ort und Stelle verweilen. Die verbliebene, brüchige Schere zuckt heftig. Schattenblitze versuchen aufzubegehren. Orodaro starrt den Champion an. Der Bart weht über den züngelnden Gewalten.> „Lass es uns gemeinsam tun.“ <poltert die Stimme – und gleichzeitig hält er ihm die Lanze hin, wie er sie selbst noch mit beiden Pranken, dicht an dicht umschlossen hält – über der klaffenden Wunde aus Licht stehend.>

<Gemeinsam begreifen sie die Lanze, reißen sie hoch und dann also ruckartig und mit aller finalen Heftigkeit hera->

„RZSHNKH’ABWUHL… ES… IST NICHT… VOOOORBEI!“

<Die verbliebene Schere unterbricht ihr Vorhaben, als sie plötzlich dampfpanzergroß und von glühendem Licht unterwandert ausholt und Alvrim, wie auch Orodaro vom Rumpf fegt. Der Leviathan stampft zurück auf seine klotzartigen Riesengebeine, die den Boden umwühlen und gequälte Steinsplitter durch die Gegend katapultieren. Kein Winkel seines Leibes wirkt nicht aufgebrochen, entstellt und verformt. Das blendende Licht strahlt aus jeder Faser, die den Körper wie ein Netz umschließen. Im Rumpf klafft ein riesiges, wirbelndes, weißes Loch – als starre man in die Sonne! Doch in den purpurroten Augen und der zitternden Schere vibriert die Leere trotzig vor der Rache des Lichts.>

"ICH... WERDE... ALLES... " <Die psionische Stimme des Leviathans verhallt. Sie beendet ihren Satz nicht. Die Tonspur des Weltgeschehens reißt ab, als Aylen Thalindar eine Lanze aus Eis entfesselt. Sie rast in Richtung des Leviathans – schneller als ein Schwert zu schwingen ist. Die spiegelnde Beschaffenheit des Eises wirft winzige Kristalle und reflektiert das strahlende Licht, das aus den Rissen des Gesichtslosen sprudelt. Die purpurroten Augen fixieren die Magierin. Es ist ein durchdringender Blick. Ein leerer Blick – ein Blick, der nicht bloß durch ihren Körper starrt; nicht bloß durch ihre Seele, sondern durch alles, was dahinterliegt. Durch jedes Molekül. Durch die Steine. Durch die Erde. Durch das Obsidian unter Silithus, durch die uralten Tempelanlagen, Gänge und abgestorbenen Insektenschwärme. Wir sehen seinen Blick mit ihm; denn es ist, als starre er durch uns alle. Eine Grabkammer. Ein Siegel. Ein gelbes, lidloses Auge. Atemzug. Wir starren. Die Geräusche kommen zurück. Kälte. Hitze. Krach. Die Eislanze durchbricht den Rumpf des Leviathans, genau dort, wo die freigerissene Wunde klafft. Wo das Licht nach außen dringt und lindenblattartig die Stelle markiert, die erst Natter und dann Alvrim freiriss. Orodaro atmet weit. In seinen Lungen knistert langgezogen der Staub des Landes. Der Leviathan atmet nicht. Seine Schale platzt, seine Schere platzt, sein Kopf platzt – die Säulen platzen und wie er noch die grotesken, andersartigen Glieder hochreißt, platzen auch diese in einer Brunst aus feuerndem Licht und eiskaltem Schnee. Das schwarze Fleisch schält augentränende Helligkeit frei. Wir sehen uns gezwungen, die Hand zu heben, um uns zu schützen. Da sehen wir einmal kurz, wie in diesem endlosen Fegefeuer, die Walküre ihr Haupt erhebt und die letzten Fasern des Leviathans zu Asche zerfallen und ganz und gar ins Licht übergehen. Der Wind – er weht! Und stürmisch saust er durch die zackigen Obsidiangemäuer, wo er auf die heiße Wüstenluft und den Abglanz der verbündeten Flammen trifft und sie gemeinsam ein Gewitter zelebrieren, das knallt und poltert und überall den Himmel erhellt, der nun drastischer denn je aufklart; ganz und gar von Wolken freigerissen wird und Auroras Glanz herunterbrechen lässt, der sich mit der Szene vereint. Seelen fahren zum Himmel, wo die Sonne sich dreht. Schleier, denen das Violett und das Schwarz abfällt, um dann weiß und befreit ins Nirwana zu fahren. Und langohrige Gestalten aus der Anderwelt treten auf den Platz, um mit erregtem Stöhnen dahinzugleiten und erlöst zu verschwinden, während ihr Stimmenklang harmonisch an die Ohren jener fährt, die noch Leben. Sie danken in vielen Strophen. Am Himmel kreist eine Krähe. Eine Feder stürzt herab, um auf den nordlichtartigen Wogen des Lichts zu reiten und als Sternenbild – wenngleich es taghell ist – sehen wir einen Hirsch durch die Lüfte fahren. Wir erinnern uns der Mühsal und der Gefallenen. Jener, die auf der Reise starben und jene, die in diesem letzten Kampf ihr Leben ließen. Tausende Tage Atemzug, um Atemzug, Freude, Leid und Erregung – und bloß ein kurzer Lidschlag des Dahinscheidens. Wer starb, der lebte bis zu diesem Augenblick, jeden Tag, ehe er sein Ende fand. Hoffnungen, Ängste – Erinnerungen, die in einem Augenblick vergingen, wie Tränen im Regen der Wolken des Dämmersturms. Wir sind der Regen und wir sind die Wolken. Im Licht sind wir eins.>

„Tat twam-asi.“ <Spricht das Licht, das nunmehr wie eine Springflut dahinplätschert und wie ein Vorhang zur Seite fällt, mit allem, was es für sich eingenommen hat. Es fällt zur Seite des Kommandanten, der mit heftiger Atmung die Wellenheimer Lanze hochreißt, in die nun alles eindringt, was sich gab, was gegeben wurde und was einst der Leviathan war und nun nicht mehr der Leviathan ist. Die Elemente raunen. Und dann – mit einem Mal – ist es still, als habe es nie eine Schlacht gegeben.>

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 Betreff des Beitrags: Re: Leviathan
BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 01:00 
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Der Dämmersturm und die Druiden von Burg Cenarius

<Die anmutigen Köpfe großer Raubtiere erscheinen hinter den Dämonen am anderen Ende des Schlachtfeldes. Ihr schneeweißes Fell reflektiert das fahle Sonnenlicht. Ernste Gesichter und geschlossene Helme bilden die Reiterschar. Gleven, Bögen – knorrige Stäbe. Krähen setzen darüber hinweg und breite Bären mit zersaustem, narbigem Fell streben hinter den Obsidiankristallen hervor. Der Silberglanz von poliertem Elunit glitzert von den Schwertern und Rüstungen. Der tote Wind trägt ein träges Geigenlied und den urtümlichen Flötenlaut einer kaldoreiischen Oboe. Die Dämonen sabbern. Die Dämonen lechzen. Die Dämonen hungern. Die Erde zittert. Sandplatten brechen auseinander, ohne das die gierenden Anderweltler Notiz davon nehmen. Risse, wie in einem vertrockneten Flussbett. Und kaum da der erste Klingenstreich den Kommandanten und Viktorie zu enthaupten droht, fährt Holz aus dem Boden. Ein mächtiges Dornengestrüpp lässt die Dämonen stürzen. Es umschließt ihre Schenkel. Die Muskeln. Die Beine – Kopf und Arme; sie werden eingehüllt. Blut spritzt – denn die Pflanze weiß sie mit aller Härte zu durchbohren. Platz! Platz! Noch mehr Dickicht schießt hervor. Lidschlag. Die Dämonen kämpfen gegen die Schlingen an. Lidschlag. Die letzte Teufelswache erlahmt und vergeht schreiend in Höllenflammen, wie sich ihr der dreizehnte Stich durch die Brust frisst. Lidschlag. Das Gestrüpp knistert grün. Lidschlag. Es verweht zu Asche. Die Reste bleiben verkümmernd zurück. Ein kurzes, aber sinnhaftes Leben. Dahinter stehen Kaldorei und Tauren mit einer Viertelmeile Abstand. Aufgereiht. Mindestens einhundert. Abgekämpft. Narbig. Trüb und bitter. Doch sie stehen, als hätten sie eine Schlacht zu schlagen.>

<Orodaro steht langsam wieder auf, zieht das Schwert und schultert es auf seinem nackten Fleisch.> "Burg Cenarius." <ruhig>

<Sehnen knarzen. Die Front des Cenarius legt an.>

<Und plötzlich teilen hundert Pfeile die Luft und bilden eine gleichmäßige Welle am Himmel, die geradewegs vor die Pforten Ahn'Qirajs jagen. Es ist ein scheußliches Pfeifen, das mit der stillen Erwartung des nahenden Schmerzes einhergeht. So sehr, dass sich selbiger schon im Voraus dort bemerkbar war, wo er am schlimmsten wäre. In Bauch, Hals, Brust und Knie.>
<Doch die Schüsse reichen nicht weit genug. Die Pfeile hacken sich in die Toten und in den Boden; bilden eine gleichmäßige Linie zwischen Dämmersturm und Cenariusarmee. Eine klar abgesteckte Grenze, die weiter rechts einen Bogen bildet und von den Toren wegführt; weg vom Schlachtfeld und weg vom Zirkel. Jeder Pfeil markiert straßenartig den Weg, den die Söldner zu gehen haben – und damit offenbar auch genau die Reichweite, die ihre Bogenschützen schießen können. Ein vielsagendes Zeichen, das fernab auf einem Felsen stehend, von einem kaldoreiischen Kommandanten in rötlicher Rüstung mit einem grimmigen Nicken bedacht wird. Orodaro nickt nicht zurück, er atmet bloß aus. Wir interpretieren es als ein Zeichen der Erleichterung. Er nickt Viktorie zu und schultert schließlich die beiden Gefallenen, um den Weg über die pfeilmarkierte Straße anzutreten. Zurück zum Lager, wo alles Schutt und Asche ist! Sein ergrautes Haar und das dreckige, aschebedeckte Fleisch kommt einmal mehr – und diesmal umso deutlicher! – daher wie ein stapfendes Denkmal aus geschlagenem Granit.>

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BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 01:01 
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Das Lager am Ende der Schlacht

<Das Lager von Schutt und Asche. Die wenigen Überlebenden des Trosses und der letzte Rest der Truppen unter Vaeln Reddick kauern unweit der verbrannten und zerschmetterten Zelte. Wer verwundet ist, wird es schwer haben, zu überleben, so er nicht das Glück hat, das sich irgendein Fachkundiger, von denen es kaum noch welche gibt, um ihn kümmert. Lullu hatte das Glück, bereits vor der Zerstörung behandelt worden zu sein. Asche und Dreck und ruiniertes Fleisch bilden die Geruchskulisse, während die Schlacht in der Ferne mittlerweile verebbt ist. Nach dem Untergang des Schmiedemonstrums tobten die Kämpfe noch eine Weile, doch die Reste des Lagers wurden nicht mehr attackiert. Sie sahen, am Horizont über den Terrassen Ahn'Qirajs, ein riesiges Feuer entbrennen und einen Sturm aus Asche die Gassen vernebeln. Mittlerweile hat sich auch dieser Anblick gelegt und eigenartige Stille dominiert die seelenfressende Einöde. Ein merkwürdiges Gefühl glimmt auf. Eine Ahnung. Eine dünne Aura, die sie kennen - die sie lang und breit erfahren haben; eine Kerze im Dunkel dieser Gefilde des Bösen. Soll es... möglich sein?>

<Sie erreichen das zerstörte Lager. Orodaro starrt. Wie er durch die Ruinen tritt und unter seinen Stiefeln verkohlte Überreste bersten, verhärtet sich seine Miene zu neuerlicher Bitterkeit. Er stapft dorthin, wo auch andere Verletzte liegen – und was noch an Hilfskräften übrig ist – mag sich rasch um sie kümmern. Dafür braucht es keinen Befehl. Orodaro selbst setzt sich scheppernd auf einen Schutthaufen, holt Luft und atmet einen Sandsturm in die Dünen. Kein Triumphzug. Nur: Ruhe.> "Aylen." <schwer> "Behalte... Walter und Sergei in Stasis. Ducane... holt ihr raus, sobald... wir ihn stabilisieren können."

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BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 01:03 
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Das gelbe Auge von Silithus

<Nokomis erreicht immer größere Höhen. Der schnelle Anstieg ist der durchaus steilen Felsformation verschuldet, die nur wenige Vorsprünge zulässt. Der Blassblondine sausen pfeifende Sandkönrer um die Ohren und die Temperatur wechselt mit jedem Lidschlag. Von kalt zu heiß und wieder zurück; es ist, als stünde sie unmittelbar in einem blitzlosen Gewitter. Als gäbe es zwar diese furiosen Temperaturen, jedoch keine Kraft, tatsächlich einen Blitz zu entladen. Aus Sicht des Schlachtzuges wird sie kleiner und kleiner, je mehr Seil sich an die Kämme heftet. Auf Veidts Idee hin neigt Orodaro bedächtig das Haupt und gibt Aylen die Anweisung, sich bereit zu halten, den Fokus zu setzen, sobald sie selbst einige Meter erklommen hat.>

<Später folgt Viktorie mit der Standarte auf dem Rücken, eingehakt in die Seile und gerüstet mit Karabinern. Das Schlachtenmosaik befiehlt keine weiteren Klettereinheiten. Es hält die Arme vor der Brust verschränkt und sieht dabei zu, wie nun also auch die Priesterin in den Staubwolken hoch droben am Zenit der Steinwand verschwindet. Auf die Idee Veidts hin, wendet er sich dann Aylen zu.> „Wir werden die Blinzelruten einsetzen, um die Verletzten hochzubringen. Mit Ausnahme von Ducane. Den trage ich selbst. Bringt euch hoch und setzt den Fokus.“
<So also beginnt nach und nach der Anstieg von immer mehr Söldnern, die sich ihren Weg durch den kahlen Fels bahnen, der vom Obsidian ganz weichgeklopft ist. Der zunächst aufgepeitschte Sandwind, der den Zenit für sich einnahm, legt sich nach und nach vor der Wellenheimer Lanze, die ihr erstrahlendes Licht über den silithidischen Graustaub wirft und auch von unten erkannt werden kann, so man die Augen angestrengt zusammenkneift. Waffenbrüder helfen einander, so sie drohen abzurutschen – doch im Großen und Ganzen scheinen die Klettermaßnahmen zu halten und der Anstieg gelingt. Die Verletzten werden wiederum hochteleportiert und Aylen gerät mehrfach in die anspruchsvolle Situation, den Blinzelruten ihre magischen Ressourcen zu übertragen. Anspruchsvoll – aber in unmittelbarer Nähe zur Lanze durchaus zu bewältigen. Orodaro überwacht den Exodus mit verschränkten Armen. Seine Augen wandern an den Klippen vorbei zur giftgrünen, firmamenteinnehmenden Apokalypse.>

<Das Schlachtenmosaik stapft nunmehr alleine und als letzter auf die Klippen zu. Ducane wurde, entgegen der ursprünglichen Planung, nun auch nach oben teleportiert. Offenbar hatte er zunächst nicht im Blick, wie weit sich die Blinzelruten ausreizen lassen. Der ganze Marsch über den Fels zieht sich schon seit vielen Stunden. Fraglos ist ein halber Tag vergangen, seit sie damit anfingen, den trüben Fels zu besteigen. Die Pranken vergraben sich in den scharfen Kanten – die Gurte werden mit Karabinern bespickt. Er klinkt sich ein und beginnt seine schweißüberströmte Abkehr von Silithus. Die erste Etappe bewältigt er ohne Problem. Als er jedoch die zweite Steilwand erklimmt, geben die eingemeißelten Haken nach. Krachwumm! Das Gewicht des Kommandanten und die Dauerbelastung des weichegeschliffenen Felsens leisten ihr Übriges. Das Seil fest umschließend, knallt der Kommandant vor die scharfen Steine und reißt sich blutig die Seite auf. Statt innezuhalten, wirft er sich jedoch viele Meter weiter hoch, erklimmt das lose Seil und setzt den Weg schnaufend fort. Auf der dritten Etappe entschleunigt er sein Tempo. Im Dunkelschwarz seines Augen spiegeln sich die aufflodernden Konturen des Himmelskörpers, so sie sich teilweise hinter dem felsverhangenen Horizont auftun. Er stapft scheppernd über den Pfad. Staub- und Fleischkrusten haben sich über die Wunde gelegt. Der Widerhall seiner Bewegungen ist bis zum Schlachtzug nach oben hin zu verneben. Dann bricht Glas. Ein Heiltrank versank soeben hinter seinen Kiefern. Die Phiole hat er wohl zerbrochen. Und schließlich sehen sie den Koloss auf den letzten fünfzig Metern aufwärtssteigen, ehe er seine schwitzige Pranke in den Vorsprung kratzt und sich hochzieht.>

<Bevor der Kommandant zur letzten Etappe befiehlt – es scheinen nur noch wenige Meter bis sie den Höhepunkt des Gebirgsabschnittes erreichen – nimmt er die Lanze nickend an sich.> „Es ist nichts, was eurer Aufmerksamkeit bedarf.“ <Mit diesen Worten stapft er auf eine Erdplatte, streckt das Banner von sich und überblickt mit ernster Erhabenheit die Staubwüsten der obsidiandurchzogenen Wüste. Sie lassen sie nunmehr hinter sich – es ist geschafft. Die Quest ist absolviert. Die zwielichtigen Weiten sind zum Horizont hin in Dunst gehüllt, wo sich über viele Meilen eine tiefe Senke ankündigt. Es müssen die eingestürzten Krater des Silithidenbaus sein, dessen Vernichtung, des Kalte Thorstens Unleben kostete. Viel weiter entfernt, wo wir es nicht mehr sehen, aber uns vorstellen können, ragt am Ende einer anderen Felskette ein Turm mit provisorisch reparierter Plattform in die Höhe. Westlich davon – wir werden es lebtags nicht mehr sehen – steht Burg Cenarius. Jetzt – wir vermuten es – nicht mehr von den abertausenden Silithidenhorden belagert, sondern frei und in grimmig-granitärem Stolz auf einem Felsen mitten in der durchtriebenen Einöde. Ahn’Qiraj liegt in einem günstigen Winkel, sodass wir es nicht sehen müssen – doch einige Meilen entfernt befindet sich ein brachliegendes Kultistenlager, das Hals über Kopf verlassen wurde, ehe die letzte Schlacht begann. Orodaro starrt. Wir sehen seine Schulter in tiefen Atemzügen auf und nieder fahren. Mythologisch wollen wir verheißen: Er bläst dem Land das Leben ein! Doch dann… Der Himmel grölt, der Himmel heult. Aller Elemente Wehklagen scheint sich aufsummiert durchs Weltengroß zu hämmern. Funkfunkfzisch! Krawumm! Krawumm! Donner, Blitz – schwarze Winde wie sie nur die Endzeit schreibt! Gelbes und grünes Feuer explodiert hinter dem Gebirge, hoch droben, da wo Argus steht. Die leckenden Zungen aus Höllenkraft ziehen und winden sich, fahren holterdiepolter zusammen und expandieren dann wieder in ungeahnter Kraft. Was für ein schreckliches Treiben mag da vor sich gehen! Wusch! Das gelbe Auge, wie sehen wir es lidlos vor uns aufflackern, wie es starrt und brennt – und die Iris feuerrot umrahmt, als wärs in Blut getränkt. Wusch! Adern, wie von Gift erfüllt, reißen den Himmel in viele kleine Flächen und bilden Muster, wie die Brutkanäle der silithidischen Schwarmbauten. Desaströse Lichter, - ein blendend‘ Werk am Firmament, als wüssten alle Sterne gleichzeitig zu explodieren. Und so poltert es, dass das Gehör erlahmt und wir nur sehen können. Glas regnet auf die Obsidiankristalle, denn es scheint himmelwärts so heiß, dass die Staubwinde zu Schlacke verbrennen. Orodaros Unterkiefer öffnet sich. Das furorische Licht der Standarte flackert wie eine Kerze im Sturm. Das angerissene Banner erzittert und peitscht vor die Lanze. Der Himmel saugt die Farben ein, denn er ist so hell und dunkel gleichermaßen, dass die Augen bloß noch Gelb und Schwarz erkennen. Erschütterungen lassen das Massiv erzittern. Unten lösen sich ganze Felsvorsprünge und wer jetzt noch zu klettern hätte, der wäre rasch begraben und dem Untergang geweiht. Kiesel springen, Splitter rauschen wie Schrapnell. Dünen werden umgeworfen, wie von einer unsichtbaren Kraft getrieben. Sie schälen unterirdisches Obsidian frei, das glasartig knackt wie vor einer prahlenden Opernsängerin. Risse platzen. Und dann sehen sie es. Sie sehen es weit und breit – ja ganz Silithus scheint berührt zu sein! Etwas fährt aus dem Himmel. Sie können nicht sehen, was es ist – ja überhaupt ist nur zu erahnen, was geschieht! Rumms! Rumms! Der Verstand fasst nur die Zerstörung und wie sie mit ansehen müssen, was geschieht, spuckt ihnen der Kopf alte Bilder der Vernichtung ins Bewusstsein. Lordaeron in Flammen, abgeschlachtete Verwandte. Ein Meer aus Blut. Die untoten Heerscharen. Die Dämonen vor Hyjal. Das riesige Schreckensschiff am Himmel über der hohen See vor Pandaria. Die kolossalen Klauen des Grubenlords in Tanaris. Wusch! Die Explosion des Westberges, das Auseinanderbrechen des Brockens und der Untergang eines ganzen Volkes. Theramore, oh Theramore – du Perle an der Küst! Schwarze Schwingen, die ganze Bezirke verdecken, so groß und von Feuer erfüllt, dass ihr Anblick nicht zu fassen ist. Neltharion, wie er Sturmwind attackiert. Nordends Verwehungen und Angrathar. Heerscharen am schwarzen Tor und die Vernichtung des Südostreiches. Der schwarze Morast in Flammen und grünes Feuer, das den Wald erhellt. Wusch! Wusch! Die Natter! Wusch! Der Kommandant! Wusch! Kanonendonner über Kaderwulst. Die Destruktorgeschosse. Drei Mörser poltern durch den Dschungel des Schlingendorntals. Schwefel und Salpeter. Feuer, Feuer! Was sehen wir am Himmel, es ist gelb und von purer Flamme, zerbrochen und rot und grün – und alles aufeinmal. Herzschlag. Die Berge knacken und Krater springen frei. Ein Meteor. Ein stürzender Engel. Klingenartig – ist’s ein Schwert? Ein Stein? Ein Berg? Es fällt, es fällt, es fällt. Es pulsiert – und noch ehe es den Boden erreicht, wölbt sich Silithus nach oben und zerbricht in tausend Scherben. Riesige Feuerwinde fressen die Erde frei, lassen restlos jeden Kristall zerplatzen und fegen das Obsidian binnen eines Augenaufschlags aus der Existenz. Der Sand färbt sich erst durchsichtig – wie zu Glas – und dann ganz schwarz und durchgebrannt. Dünen geben nach und zerfließen wie Vulkangestank bis herab auf den nackten Fels, der die Welt hier trägt. Es ist die Kruste höchstselbst. Aufprall. Selbst das erschütterte Gehör unserer Helden kann in der Ferne ein Geräusch vernehmen. Ein Knacken. Herzschmerz – Luft! Luft! Luft! Wie fern dieses Geräusch in ihren zerhämmerten Trommelfellen erklingt, so stark gleitet das Geräusch in die Emotionen und von den Emotionen in die Physis. Etwas ist zerbrochen. Etwas sehr wichtiges. In ihnen. Vor ihnen. Außerhalb ihrerselbst und zugleich tief in ihnen drin. Orodaro greift sich zusammensackend an die Seite, wo unter den Gewalten die blutige Kruste von seiner frischen Wunde platzt. Dann: Gelbes Lichts. Sie, die hier oben stehen sehen nichts als gleißende Flammen – als stünden sie in einem Vulkanausbrech, darniedergebettet auf den letzten sicheren Felsen, während um sie herum das ganze Land zu magmatischer Schlacke zerfällt. Sie müssen die Augen schließen, um nicht zu erblinden. Und als sie selbige nach einer gefühlten Stunde des Entsetzens wieder öffnen, da sehen sie es. Silithus ist nicht mehr. Und wo Silithus war, da ist nun alles schwarz wie eine riesige Brandwunde, aus der ölig gelb und rot umrahmt das Blut in die Krater fließt. In der Mitte, wo einst weit entfernt Cenarius lag, da klafft nun ein Loch in das keine Seele zu blicken fähig ist. Es klafft, wie ein aufgerissenes, gelb umspültes Auge – wie der tote Blick von Azeroth zum argusverzogenen Himmel. Orodaro atmet, die Pranke hält die Standarte. Ihr Glühen ist ehrfurchtsvoll verstummt und gibt sich in schwacher Zurückhaltung angesichts dessen, was geschehen ist.>

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 Betreff des Beitrags: Re: Leviathan
BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 01:05 
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Ein fremdes Land im Süden

<Die Plateauwanderung lässt sie schnell vorankommen, denn weder werfen sich ihnen aufregende Pässe entgegen, noch haben sie mit Widerstand zu rechnen. Nach und nach – vielleicht nach etwas mehr als einer Woche – weitet sich das Gelände jedoch und der Nebel wird dünner. Sie erkennen am Horizont bernsteinfarbene Felsen das Ende der Hochebene markieren. Die Sonne ist gerade erst untergegangen und am Himmel zeigt sich ein Feld aus tausenden, hell erstrahlenden Sternen, die das Giftgrün des falschen Mondes belagern. Der Boden verliert mäßig an Kontinuität, wird abgehakter – ist aber noch zu begehen. Südwärts erkennen sie nun deutlich, wie sich die merkwürdigen Bauten, die sie schon Tage zuvor sahen, in die Höhe strecken, als provozierten sie spöttisch den Zorn einer drobensitzenden Gewalt. Vielleicht ist’s der Wind, den sie so ganz bewusst beschneiden wollen – vielleicht die Sonne, der sie entgegenstreben, den Monden oder Sternen. Wir können es nur ahnen. Doch wie wir die Bauten sehen, sehen wir einen tiefgründigen Plan in ihnen verwirklicht. Jeder Winkel scheint genaustens konzipiert – jede Schnittstelle arrangiert. Jeder Block ist ein kunstvolles Arrangement – und daneben ragen sandsteinfarbene Obelisken in die Höhe, die überdeutlich an das erinnern, was sie vor Silithus und am Krater sahen; ja ganz besonders in Ahn’Qiraj selbst. Doch ist’s kein Obsidian, dass sie da erkannen. Einschüchternd – obwaltend wie ein Herrscher – thront in den Felsen ein Monument von außergewöhnlicher Machart. Es zeigt eine Kreatur mit geflügeltem Rücken, mit Löwenleib und humanoidem, doch gleichwohl katzen- und hundartigem Oberkörper. Was mag das sein! Es dünkelt uns, dass die Fratzen von Silithus sich ähnlich gaben, doch nie sahen wir sie lebendig vor uns aufmarschieren. Hinter den Bauten, stur und absolut geradlinig durch den Fels geschlagen, stehen gewaltige, mauertragende Säulen. Sie wirken, als würden sie den steinernen Elementen trotzen, indem sie das Gebirge davon fernhalten, die Passage nach Silithus zu verschließen. Dabei unterstützen sie gleichfalls kolossale Statuen mit kopfgroßen Saphiren, die auf alles starren, was sich ihnen nähert.>

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 Betreff des Beitrags: Re: Leviathan
BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 01:06 
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Der Blick zurück: Die Klinge des Antischöpfers


<Eine breite Front aus Staub tangiert den Lagerplatz des Dämmersturms, unmittelbar an den Klippen. Ein Sturm vom Sonnenuntergang her rollt die Sande über das Plateau. Das Gepeitsch und Gesprenkel der bombardierenden Körnchen ist laut. Doch wie sich alsbald feststellen lässt, haben sich auch dichte Ascheflocken unter die Böen gemischt. Die horizontvernebelnden Gewalten, die das Land von Silithus seit ihrer Abreise in Beschlag halten, sich neblig wie eine große Wolke der Zerstörung über Südwestkalimdor legten, scheinen langsam aufzuklaren. Orodaro bestarrt das Schauspiel seit einer geschlagenen Stunde. Der vorbeigezogene Staubwind scheint ein Abglanz davon zu sein. Doch das ist es nicht, was Unbehagen bereitet. Wenngleich sie es geschafft haben, in kurzer Zeit viele Meilen hinter sich zu bringen, scheinen ihre Sehorgane noch immer vom Anblick des gelbroten Auges beschlagen, denn wenn sie nach Südwesten blicken, ragt dort ein zackiger, grotesk anmutender Balken in die Höhe. Wie er das tut, teilt er alle Wolken und speit ein grausiges Leuchten in die fernen Weiten, die sie just durchschreiten. Es ist, als klebe eine dicke, eingetrocknete Schicht aus Blut auf den Iriden. Man mag sich an den Todesritter erinnern, wenn man sich die merkwürdige Erscheinung genauer ansieht. Sie streckt sich wie eine karmesinrote Kathedrale in die Höhe, während von ihrem untersten Ende eine goldvibrierende Aura nach oben steigt. Ist’s ein Schwert? Wahrlich! Es muss ein Berg sein, der wie ein Schwert in Stahl gehämmert wurde und noch von lebhaft-zerstörerischer Ofenhitze glüht. Wenn man glaubt, man habe den Anblick ganz erfasst, streckt sich das Kinn und der Kopf wandert in den Nacken, denn selbst über den höchsten Wolken erstreckt es sich immer weiter, das man zwischen all der Asche nur noch ahnen kann, wie’s in seiner Krönung aussehen mag. Es ist ein Anblick, der Verwirrung streut. Kaum da sie Silithus hinter sich gelassen haben, mag mancher es für eine Illusion halten. Doch sie alle haben die Zerstörung gesehen, die ihr Verstand zu fassen kaum fähig war. Da mag auch dieses Ding ganz und gar echt und zerstörerisch sein. Das Nachheulen der Explosion verklingt noch immer in den Winden, als schreie Azeroth selbst um Erbarmen. Der Kommandant schnaubt. Dann steht er wieder auf und weist die Truppen an, sich für den Abstieg zu rüsten.>

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 Betreff des Beitrags: Re: Leviathan
BeitragVerfasst: 28. Dez 2017, 01:08 
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Gadgetzan, oh Gadgetzan... du Perle an der Südsee

<Unter den Sternen wandern sie bis zur Morgendämmerung, ehe die Sonne ihre Rast markiert und sie zwischen dem immer dünner werdenden Reiseproviant aus getrockneten Früchten, alten Gulaschkonserven und Haferflocken ihre improvisierten Unterstände errichten. Es gibt keine Kamele mehr. Keinen nennenswerten Tross und keinen Wagen. Der einstmals imposante Schlachtzug ist auf ein paar versprengte Rotten mit Rucksäcken zusammengeschrumpft, die sich ihren Weg durch die tanarische Wüste bahnen. Selbst hier noch, wo lebhafte Staubwinde wehen, sehen sie die groteske Kathedrale im weiten Westen zum Himmel streben. Es teilt so weit die Wolken, dass man sein höchstes Ende nur erahnen kann und sich der permanente Eindruck einer zweiten, immerzu im Untergang begriffenen Sonne einstellt. Vom Zentrum der Erscheinung aus weht sie rotglühend in alle Lande Kalimdors. Stapf-Stapf. Sie setzen Fuß über den nächsten Dünengipfel. Die Schrecken der Sonnenwendschlacht, die Flammenteppiche und der zehntausendfache, silithidische Hunger verhallen bitter in ihren Köpfen. Stapf-Stapf. Ahn’Qiraj lag vor ihnen, als das Donnerwetter begann und der grüne Mond sich am Himmel zeigte. Stapf-Stapf. Die Schreie der Kultisten. Das Grölen der Dämonen. Die Zerstörung des Feldlagers und die psychodelischen, zerreißenden Kämpfe in den aufragenden Mauern des gefallenen Königreichs. Der Leviathan. Stapf-Stapf. Sergei in Flammen. Ad-Kadif, tot. Torfstich, ausgebrannt gestürzt. Tot. Yamir tot. Varuce – tot. Stapf-Stapf. Die trottende Flucht aus Silithus und der Anstieg ins Gebirge. Stapf-Stapf. Das Ende der Welt. Der stürzende Himmel und ein ganzes Land in Feuer und Zerstörung. Das gelbe Auge. Stapf-Stapf. Orodaro führt die Lanze zum nächsten Dünengipfel, unmittelbar da sie nun das Tal passiert haben. Vielleicht wäre es besser gewesen, das Hochplateau zu meiden und den geschundenen Leibern in Un’goro Erholung zu spenden, doch was da in ihrem Nacken lag, lud wenig zum Verweilen ein. Stapf-Stapf. Seit sie Zeuge wurden, wie ganz Silithus unterging, flackert die Wellenheimer Lanze schwächelnd vor sich hin. Sie hat ihren Glanz von einst verloren, als sei sie noch immer in Schockstarre gefangen. Stapf-Stapf. Die tanarischen Sande verwehen vor den auftretenden Stiefeln des Kommandanten. Er atmet rostig aus. Das zerfledderte Banner weht im Südwind. Da liegt es. An weißen Mauern und von Abgaswolken umsäumt – die hundert Viertel und Gasse von Gadgetzan, mit ihrem Hafen, der alle Lande mit exotischen und verwegenen Waren speist. Es hat der Apokalypse standgehalten – sie sind nicht allein auf dieser Welt. Orodaro verweilt nur kurz. Dann hält er auf die Stadt zu, wobei er beinahe einen altklugen Wegweise umstampft, der darauf verweist, dass nun eben die Hauptstadt vor ihnen liegt.>

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