Söldnerbund Dämmersturm

RP-Gilde - Die Aldor
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 Betreff des Beitrags: Rotkäppchen
BeitragVerfasst: 27. Okt 2018, 18:39 
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Rotkäppchen

Es war einmal in einem Dorf ein kleines Mädchen, das hübscheste, das man sich vorstellen konnte.
Seine Mutter war ganz in das Kind vernarrt, und noch vernarrter war seine Großmutter.
Diese gute Frau ließ ihm ein rotes Käppchen aus Samt machen, und weil ihm das so gut stand
und es nichts anders mehr tragen wollte, nannte man es überall nur noch das Rotkäppchen.

"Weiter..." trieb die monotone, hohle Stimme die Kameraden an. Es regnete bereits seit Tagen.
Der Regen hatte den Boden aufgeweicht und bei jedem Schritt sanken ihrer aller Füße tief in den Matsch.
"Quel'Thalas... ist nicht mehr fern!", sprach der Anführer der kleinen Meute und seine gelben Augen
loderten in der Dunkelheit, während die rote Kappe der Schreckenswache im Wind waberte.

Eines Tages sprach seine Mutter, das gerade Brot gebacken und Käse geschnitten hatte, zu ihm:
"Sieh einmal nach, wie es deiner Grossmutter geht, denn man hat mir gesagt, sie sei krank.
Nimm dir einen Korb und bring ihr etwas Brot, ein wenig Milch, etwas Käse und Butter."
Da besorgte sich das Mädchen einen Korb, ein wenig Milch und Brot, ein Stückchen Käse und Butter.

Acht an der Zahl, hetzten sie so schnell sie konnten durch die finsteren Wälder im Osten von Tirisfal.
Ihr gemeinsames Ziel war die Küste, war das Reich der Blutelfen. Dort erhofften sie sich Sicherheit.
Rüstungsteile klirrten bei jedem Schritt, doch keiner von ihnen schnaufte. Keiner von ihnen schwitzte.
Keiner von ihnen hatte noch ein schlagendes Herz im Leib. "Seht nicht zurück.... nach vorne! Weiter!"

Auf dem langen Weg zu seiner Großmutter traf das Mädchen im tiefen dunklen Wald auf den Wolf.
Dieser hatte große Lust es zu fressen, aber er wagte es nicht, wegen einiger Jäger, die im Wald waren.
"Wohin des Weges, kleines Mädchen?", wollte der Wolf wissen. "Ich möchte zu meiner Großmutter",
erklärte das Rotkäppchen. "Sie wohnt am anderen Ende des Waldes und ich möchte ihr etwas bringen."

Mit den Bergen zu ihrer rechten, da eilten sie weiter, nach Norden. Das Kloster war nicht mehr weit.
Sie wagten nicht den Weg in die Pestländer, denn unklar war, was sie in Herdweiler oder Andorhal erwartete.
Tirisfal war zerschmettert. Die Allianz hatte eine Schneise der Verwüstung in das Land gebrannt.
Brill war dem Erdboden gleichgemacht und Lordaeron-Stadt selbst lag inmitten von grünen Seuchenschleiern.

"Was hast du in deinem Körbchen?", fragte der Wolf mit großen, hungrigen Augen und das Mädchen antwortete:
"Ein wenig Milch und Brot, ein Stückchen Käse und Butter." Der Wolf fragte: "Kannst du mir etwas davon abgeben?"
"Nein, sonst ist es für ein Geschenk zu wenig" So lehnte das Rotkäppchen die Bitte des Wolfes ab und sie gingen weiter.
Schließen teilte sich der Weg vor ihnen. Ein Weg war aus Stecknadeln und ein Weg war aus Reißzwecken.

Ein Heulen hallte durch das Giftwebertal. Nicht weit hinter ihnen. Und bald darauf, da antwortete ein zweites Heulen.
Ihre Verfolger waren nicht mehr fern. Sie holten auf. Schnaufend und schwitzend und mit pochenden Herzen im Leib.
Sie eilten, rannten so schnell sie konnten durch die dunklen Hügel des Giftwebertals und schließlich teilte sich der Weg vor ihnen.
Ein Weg führte nach Osten, zum gefallenen Scharlachroten Kloster. Der andere führte nach Norden, hoch zur Küste.

Der Wolf fragte das Rotkäppchen, welchen Weg es von den beiden denn wählen möchte. Beide führten ans andere Ende des Waldes.
"Wählst du den Weg aus Stecknadeln oder den Weg aus Reißzwecken?" Da sagte das Mädchen: "Ich wähle den Weg aus Reißzwecken."
Und kaum zog das Mädchen von dannen, auf dem Weg aus Reißzwecken, da wählte der Wolf den anderen Weg und trollte sich.
So eilte der Wolf auf dem Weg aus Stecknadeln zum Haus der Großmutter, stürzte sich auf sie und packte sie und fraß sie auf.

Sie rannten durch das dichte Unterholz, durch Büsche mit scharfen Dornen, die an Leder rissen. An Kette rissen. An bleichem, toten Fleische.
Wieder hallte ein Heulen durch den Wald. Es kam näher. Hinter ihnen und rechts von ihnen und links von ihnen. Näher und näher.
Die Dornen rissen an Leder, an Kette, an Büscheln von Fell und an regennassem Fleisch. Auf zwei Beinen. Auf vier Beinen.
Die Verfolger holten auf und die Schlinge zog sich zunehmend enger. "Weiter...." forderte die Schreckenswache mit der roten Kappe.

Bald darauf kam auch das Mädchen zum Haus der Großmutter. "Großmutter, ich bin es, das Rotkäppchen. Mach mir auf."
"Ich bin zu schwach", antwortete der Wolf. "Drück einfach die Tür auf, sie ist nicht abgeschlossen. Komm herein, mein Kind."
Aber die Tür ging nicht auf. Sie war fest verschlossen und das Mädchen musste sich durch ein enges Loch zwängen, um in das Haus zu gelangen.
Und da lag die Großmutter im Bett, zugedeckt und mit der Haube tief ins Gesicht gezogen und sah ganz wunderlich aus.

Wölfe, fast so groß und so schnell wie Pferde, stürzten sich auf die Pulslosen, die Herzlosen, die Leblosen. Die Worgen hatten aufgeholt.
Eine Dunkelläuferin schoss ihre Pfeile, die sich in den Leib eines Worgen gruben und ihn jaulend und sterbend in den Schlamm warfen.
Ein Worgen aber sprang die untote Jägerin an, schlug ihren Bogen mit großen Klauen entzwei und dann riss er ihr den Kopf von den Schultern.
Weitere Worgen, in Menschengestalt, holten auf, mit dem Wappen von Gilneas, mit blauen Rüstungen und geladenen Gewehren. "Weiter...."

"Großmutter, ich habe solchen Hunger.", klagte das Rotkäppchen "Im Küchenschrank ist noch etwas Fleisch", antwortete der Wolf, der im Bett lag.
Im Küchenschrank war aber nur das Fleisch von der Großmutter, die der Wolf vorher getötet hatte. Auf dem Schrank saß eine große Katze.
Das Tier sprach zu dem Mädchen: "Das Fleisch, das du isst, ist das Fleisch deiner Großmutter." "Großmutter, da sitzt eine Katze auf dem Schrank."
"Und sie sagt mir, dass ich dein Fleisch esse. Wie kann das nur sein?" "Das ist eine unerhörte Lüge. Wirf deine Schuhe nach ihr!", sagte der Wolf.

"Weiter. Jeder Schuss muss treffen" forderte der Anführer der Wölfe, mit Augen grau wie die Monde und kalt wie die Gletscher von Nordend.
Und Büchsen knallen, Schüsse hallten durch den finsteren Wald. Ein Untoter wurde am Bein getroffen und obwohl er keine Schmerzen hatte,
gaben Fleisch und Knochen nach und er sackte in den Matsch, wo er angesprungen wurde und lange, scharfe Klauen ihm das Fleisch vom Leib schälten.
Die Verfolger hatten aufgeholt. Es kam kein Entrinnen mehr. Nur noch der Kampf um Leben und Untod. Elf Worgen und nur noch sechs Verlassene.

Ein wenig später bekam das Mädchen, dass vom Fleisch seiner Großmutter gegessen hatte, großen Durst. "Großmutter, ich habe Durst."
"Geh in die Küche und trink von dem Wein, der dort im Krug ist", sagte der Wolf. Da kam ein kleiner Vogel geflogen und setzte sich auf den Küchentisch.
"Was du da trinkst, das ist das Blut deiner Großmutter." "Großmutter, da sitzt ein Vogel auf dem Küchentisch. Er sagt mir, dass ich dein Blut trinken würde."
"Das ist eine unerhörte Lüge. Nimm dein rotes Käppchen und wirf es nach diesem unverschämten Vogel", forderte der Wolf.

Mündungsfeuer blitzte auf und Kugeln und Pfeile und Armbrustbolzen flogen hin und her. Ein Gilneer wurde in Schulter und Brust getroffen und starb.
Einem Untoten riss es den Schwertarm ab, nachdem der Beschuss Sehnen am Ellenbogen durchtrennt hatte. Ein Worgen sprang ihn an und riss ihn entzwei.
Zwei Todeswachen stürmten den Schützen entgegen und ihre schartigen Schwerter gruben sich durch Leder, durch Kette, durch Fleisch.
"Verwandelt euch", forderte der Anführer der Gilneer, während sich seine Knochen und Muskeln verformten. "Vernichtet sie. Bis auf den Letzten!"

Das Rotkäppchen, welches vom Fleisch gegessen und vom Wein getrunken hatte, ging zu seiner Großmutter und sagte:
"Großmutter, ich bin auf einmal so furchtbar müde." "Komm her, Kleines", sagte der Wolf. "Und ruh dich ein wenig aus."
Dann zog das Mädchen die Vorhänge zu, zog all seine Kleider aus und als es näher an das Bett trat, lag dort seine Großmutter.
Sie hatte ihre große Haube tief ins Gesicht gezogen und sie sah immer noch sehr merkwürdig aus.

Schwarze Haare wurden zu dichtem Fell. Aus grauen Augen wurden große, leuchtend blaue Sonnen, die sich lodernd vor Hass auf die Leblosen richteten.
Das Gewehr des Anführers warf er sich am Riemen hängend, auf den Rücken. Hastig riss er sich die Stiefel von den Füßen, ehe diese zu großen Pfoten wurden.
Neben ihm starben zwei Kameraden, die sich nicht schnell genug verwandeln konnten. Sie wurden abgestochen, doch andere nahmen ihren Platz ein.
Und während Todeswachen und Worgen aneinander ansprangen und in Stücke rissen, tat der Anführer der Verfolger der Schreckenswache entgegen.

"Großmutter, was hast du für große Ohren?", fragte das Rotkäppchen. "Damit ich dich besser hören kann"
"Großmutter, was hast du für große Augen?", wollte das Rotkäppchen wissen. "Damit ich dich besser sehen kann"
"Großmutter, was hast du für große Hände?", begehrte das Rotkäppchen zu erfahren. "Damit ich dich besser packen kann!"
"Großmutter, was du für ein entsetzlich großes Maul?", wisperte das Rotkäppchen erschrocken. "Damit ich dich besser fressen kann!"

Klingen gruben sich in warmes Fleisch. Klauen und Zähne gruben sich in kaltes Fleisch. Gliedmaßen wurden abgeschlagen oder abgerissen.
Unerschütterliche Widerstandskraft gegen unbarmherzigen Zorn. Emotionslose Kälte gegen heiß lodernden Hass. Leben endeten und Tote starben endgültig.
Der Anführer der Worgen wich den Hieben der Schreckenswache aus, schlug mit den Klauen nach ihr und riss Kette entzwei, riss die rote Kappe vom Schädel.
Und dann packte er den Schwertarm, brach ihn wie einen trockenen Zweig und ergriff den Untoten, während sich spitze Zähne dem kahlen Totenschädel näherten.

Und dann verschlang der Wolf das arme Rotkäppchen.


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